Teds Draht zu Gott

Idol der Konservativen und Evangelikalen: Ted Cruz. Foto: Rainier Ehrhardt (Keystone)

Immer wenn die Hoffnung blüht, die Protagonisten des amerikanischen Wahlkampfs hätten endlich die oberste Stufe des Wahnsinns erklommen, klettern sie nochmals höher. Unweigerlich kommt dann der liebe Gott ins Spiel. Er hat Amerika bekanntlich zu seinem Lieblingsverein auf Erden ernannt. Amerika sei «ein Weinberg, gepflanzt von Gottes rechter Hand», predigte bereits 1775 Pastor Jacob Duchè. Gott ist ein Fan Amerikas. Weshalb auf Dollarscheinen zu lesen ist: «Auf Gott vertrauen wir.»

Ein Atheist könnte nicht Präsident werden. Selbst Obama tut so, als sei er religiös zutiefst involviert. Aber zurück zur Sache: Sobald der liebe Gott zum Wahlkampfthema wird oder sogar als Wahlhelfer auftritt, rutscht die grosse Präsidentschaftsshow geradewegs in den Sumpf menschlicher Vermessenheit ab.

Dass Donald Trump sich mit dem Papst anlegt, ist nicht einmal so schlimm. Schliesslich griff der Papst beim Besuch in Mexiko Donald Trump an. Weil dieser keine Brücken baue, sondern Mauern. Und ein Christ tue so etwas nicht. Donald schoss umgehend zurück. Was der Heilige Vater gesagt habe, sei «infam». Der liebe Gott war sicherlich amüsiert. Wahrscheinlich ist er weniger belustigt, wenn er vom frommen Senator Ted Cruz und von dessen Fans eins ums andere Mal in den Wahlkampf gezerrt wird.


Der Papst äussert sich über Donald Trump…


… und Trump schiesst zurück.

Das muss so sein. Denn Ted Cruz, Sohn eines Predigers, ist das Idol protestantischer Evangelikaler und Fundamentalisten. Damit sie ihn bei den republikanischen Vorwahlen auch ja wählen, werden die Gläubigen möglichst oft an den direkten Draht von Ted zu Gott erinnert. Selbst Teds Geburt verdanke sich «der Hand der göttlichen Vorsehung», jauchzte unlängst der rechte Radio-Talker und Ted-Fan Glenn Beck.

Moment mal: Wenn der liebe Gott wirklich seine Hand im Spiel gehabt hätte, wäre Cruz nicht in Kanada, sondern in US-Amerika geboren worden. Nur wer in Amerika geboren sei, dürfe Präsident werden, sagt Donald Trump. Er beruft sich auf die Verfassung und will gegen Cruz klagen. Überhaupt ist es seltsam, dass Kanada zum Ort göttlicher Vorsehung wurde. Der liebe Gott hat dort nichts gepflanzt. Zu kalt.

Aber die Sache mit dem lieben Gott wurde noch peinlicher: Kaum war der konservative oberste Bundesrichter Antonin Scalia verschieden und in Washington die Schlacht um seinen Nachfolger ausgebrochen, fragte Becks Co-Moderator Pat Grey live im Radio beim lieben Gott an, warum er «Antonin gerade jetzt zu sich genommen» habe.

Da der liebe Gott schwieg, antwortete Glenn Beck an seiner Stelle: Der liebe Gott habe Antonin zu sich geholt, um die Amerikaner zur Wahl von Ted Cruz zu animieren. Denn Ted werde als Präsident wieder einen wie Antonin ins höchste Gericht schicken. Damit nicht genug, Cruz‘ Gattin Heidi hatte bei einem Radiointerview versichert, der Wahlkampf ihres Mannes zeige der Nation «das Gesicht des Gottes, dem wir dienen».

Mon dieu! Der liebe Gott hat alle Hände voll zu tun mit dem Wahlkampf von Ted Cruz. Bob Dylan sah es kommen. Die Amerikaner, nuschelte er 1964, hätten «Gewehre in ihren Händen und Gott auf ihrer Seite». Wie Ted Cruz! Der war neulich sogar auf einem Schiessstand und liess sich mit einer Knarre ablichten. Das wird dem lieben Gott gewiss gefallen haben.


Für jene, dies genau wissen wollen: Moderator Glenn Beck über seinen Bruder im Geiste Ted Cruz‘.