Der Häuptling der Skandale

Johannes Dieterich aus Kapstadt am Montag den 15. Februar 2016
Hinter den Kulissen 
Mandla Mandela, 32, grandson of former South African President Nelson Mandela, is draped in a huge lion skin as he is officially installed as head of the Mvezo Traditional Council by the King of the AbaThembu, Zwelibanzi Dalindyebo, one of six kings of the Xhosa people, in Mvezo, South Africa, Monday April 16, 2007. (AP Photo/Jerome Delay)

Noch ist er Häuptling des Thembu-Volkes: Mandla Mandela, Enkel von Nelson Mandela. Foto: Jerome Delay (Keystone)

Mandla Mandela ist kein Fremder von Skandalen. Der Enkel der südafrikanischen Politikone Nelson Mandela buddelte einst in einer Nacht- und Nebelaktion die Gebeine seiner Verwandten aus, um sie – für ihn gewinnträchtiger – in der Nähe seines Anwesens wieder zu verscharren. Einem Autofahrer, der ihm in die Quere kam, hielt er seine Pistole vor die Nase. Und zwei Journalisten, die Kritisches über ihn berichten wollten, sperrte er über acht Stunden lang ohne Essen, Trinken sowie Zugang zu einer Toilette in einer Kammer seines Hauses ein. Solche Eskapaden konnten der Würde des 41-jährigen Häuptlings des Thembu-Volkes bislang nichts anhaben. Doch ein neuer Vorfall droht dem ANC-Parlamentarier und Dorfältesten von Mvezo, dem Geburtsort seines weltberühmten Opas, nun zum Verhängnis zu werden: Mandla Mandela soll kürzlich zum Islam übergetreten sein – und da hört der Spass auch für die Thembu offensichtlich auf.

Der Promienkel müsse unverzüglich seine Häuptlingswürde zurückgeben, forderte der Sprecher des Contralesa genannten Verbandes der traditionellen Führer, Chief Mwelo Nonkonyane: «Wir waren schockiert, als uns Mandlas Übertritt zum Islam zu Ohren kam.» Für die Untergruppe des im Südwesten Südafrikas beheimateten Volks der Xhosa wirkt die Konvertierung des Chiefs wie ein besonders harter Schlag: Erst kürzlich wurde ihr König Buyelekhaya Dalindyebo zu einer 12-jährigen Haftstrafe verdonnert. Der Monarch, der aus seinem täglichen Marihuanakonsum kein Geheimnis macht, war der Brandstiftung, des Kidnappings und der Körperverletzung für schuldig befunden worden.

Auf die Frage, wie es zur jüngsten und entscheidenden Entgleisung Mandla Mandelas kommen konnte, braucht man beim Spross aus bestem Hause nicht lange nach einer Antwort zu suchen: Es muss mit seinem Hobby, dem weiblichen Geschlecht, in Zusammenhang stehen. Der Xhosanova heiratete jüngst zum vierten Mal – die meisten seiner vorigen Bünde fürs Leben endeten mit einem handfesten Skandal. Thando Mabuna, seine erste Frau, suchte vor Gericht zu verhindern, dass sich Mandla mit der schönen Französin Anaïs Grimaud eine zweite Frau nahm. Grimaud soll von einer Affäre mit Mandlas jüngerem Bruder Mbuso ein Kind bekommen haben und wurde daraufhin nach Hause, auf die Insel Réunion, zurückgeschickt. Über seine dritte Ehe mit der swasiländischen Prinzessin Nodiyala Mbali Makhathini ist nicht viel bekannt – ausser dass die Heirat von einem Gericht drei Jahre später für ungültig erklärt wurde. Die Ehe mit seiner vierten Frau, Rabia Clarke, begann bereits mit einem Knall: Es soll die schöne Muslimin aus Kapstadt gewesen sein, die den Xhosa-Häuptling zur Annahme des Glaubens an den Propheten Mohammed bewog.

Anstoss scheinen die Thembu-Führer in erster Linie allerdings nicht einmal an der neuen Religion ihres Chiefs genommen zu haben. Schliesslich kann ein Thembu seinen Ältesten übermässigen Rauschgiftgenuss, Bully-Verhalten im Strassenverkehr, Kidnapping und Leichenfledderei verzeihen: Solchen Grossmut wird auch fünf Mal tägliches Beten zum falschen Propheten nicht sprengen. Was die Wärter der Tradition ihrem erlauchten Häuptling tatsächlich übel nahmen: Dass er als Mann die Religion seiner Frau annahm. «In unserer Kultur», stellt Chief Nonkonyane ein für alle Mal fest, «ist das umgekehrt.»

Johannes Dieterich
Johannes Dieterich, Kapstadt Er berichtet schon seit 13 Jahren aus Afrika. Trotzdem hat er es noch immer nicht geschafft, sämtliche 50 Länder seines Berichterstattungsgebiets auch persönlich kennen zu lernen: Derzeit fehlen ihm noch neun. Wie es sich ob seines Namens gehört, lebt Johannes Dieterich mit seiner Frau und zwei Kindern in Johannesburg.

9 Kommentare zu “Der Häuptling der Skandale”

  1. Wolfgang sagt:

    Die Botschaft des Artikels ist klar: alle andern Skandale sind vernachlaessigbar, was Herrn Mandla Mandela wirklich vorgeworfen wird, ist seine Konvertierung zum Islam.
    Statt populistisch die momentane Stimmung in den westlichen Medien auszunutzen, sollte sich der Autor doch lieber ein wenig ueber das Prinzip der Religionsfreiheit informieren. Als Einstiegslektuere empfehle ich “Nathan de Weise”, danach wird er uns hoffentlich mit etwas besser geistreicheren Artikeln begluecken.

  2. Ronnie König sagt:

    Und gerade, weil die Eskapaden der Chiefs selten Konsequenzen nach sich zieht, meinen die Untertanen dann, dass es mit entsprechendem Erfolg und Reichtum im Leben auch für sie so verhält! Der weitere Werdegang der Eliten ist somit vorgezeichnet und der derer die auf der Strecke bleiben genau so. Unruhen, fehlender Rechtsstaat und Korruption die Folge, weitere Folgen sind auch hier im Norden direkt mittlerweile zu spüren. Immer mehr flüchten dann hierher. Um diesem Lotterleben und Irrsinn zu entkommen, in Frieden. Jene die bleiben bis ihnen der Kragen platzt und dann einen Umsturz anzetteln ist die andere Seite. Nicht selten versuchen Leute aus dem Norden dann noch davon zu profitieren.

  3. themba sagt:

    …ex Africa, quae mala sunt….
    …aus (Süd-)Afrika, nur das Üble….
    Kein Wunder ist der westliche Diskurs über den Kontinent und seine Länder so unendlich einseitig.

    • Kaspar Tanner sagt:

      Bedenkt man, wie reich die meisten afrikanischen Staaten und wie arm ihre Bevölkerung ist, scheint mir die Berichterstattung verständlich.
      Es gibt zwar Staaten wie Botswana oder vermutlich auch Ghana, die eine recht gute Politik betreiben. Aber sonst?
      Wenn ich bedenke, welche Hoffnungen man in die Trennung Südsudans vom Norden setzte und wie dort in kürzester Zeit alles kaputtgemacht worden ist…
      Oder die Tatsache, dass Simbabwe vom Getreideexporteur zum Hungerland geworden ist…
      Natürlich gibt es unfaire Handelsregeln, die geändert werden müssen. Aber wieso die Gelder aus dem Rohstoffhandel restlos in Singapur, Genf oder Jersey landen, hat nichts mit den Weissen zu tun…

  4. Jakob vonGunten sagt:

    Nicht nur der Enkel ist skandalbegeutelt. Mandelas Frau hatte ihre eigene Tot-Schlägertruppe. Nelson Mandela war Warlord und Waffenhändler. Unter Führung englischer Links-Leitmedien wie dem Guardian und der BBC bildete ein eigentliches Medien-Schweigekartell, welches Mandelas Skandale totschwieg. Was war los? Mandela betrieb als Präsident von Südafrika Waffenhandel in noch nie gekanntem Ausmass und verkaufte schwere Waffen an kriegsführende afrikanische Länder. Dafür liess er sich und seine ANC mit über 1.4 Milliarden EUR bestechen und zweigte für seine Privatstiftung über 100 Millionen ab. Das ist heute alles belegt. Nur schreibt es keiner, denn einen Heiligen darf man nicht beleidige

  5. Martin Frey sagt:

    Wann endlich nennen die die sogenannten Berichterstatter die Sachen beim Namen. Die Korruption und Gewalt in Südafrika ist explodiert seit der ANC an der Macht ist. Nicht ist mehr im Ruder. Mich erstaunt die Geschichte des “Häuptlings” überhaupt nicht auch wenn wahrscheinlich wieder einmal die Berichterstattung nicht fundiert ist. Die Geschichten finden jeden Tag auf jeder Stufe statt. “You never beat out the bush of bushman”

    • Hans Hegetschweiler sagt:

      Ein bisschen Rassismus am frühen Morgen, vielleicht könnte man auch sagen “you never beat out racism out of the Boers” (wäre aber auch rassistisch)?

  6. Tek Berhe sagt:

    Was ich mich immer wieder frage ist ob bei Auslandskorrespondenten auf dem gleichen Poste nicht eine Veränderung passiert. Ob nun in einem Hochrisikoland oder im munteren Berlin.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

 Zeichen verfügbar:

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.

Abo

Digital Abos

Tages-Anzeiger unbeschränkt lesen:
Im 1. Monat nur CHF 1.-

Service

Für Selbstständige und KMU

Tragen Sie Ihre Firma im neuen Marktplatz des Tages-Anzeigers ein.

Abo

Digital Abos

Tages-Anzeiger unbeschränkt lesen:
Im 1. Monat nur CHF 1.-

TA Marktplatz

Anzeigen

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.