Der Häuptling der Skandale

Mandla Mandela, 32, grandson of former South African President Nelson Mandela, is draped in a huge lion skin as he is officially installed as head of the Mvezo Traditional Council by the King of the AbaThembu, Zwelibanzi Dalindyebo, one of six kings of the Xhosa people, in Mvezo, South Africa, Monday April 16, 2007. (AP Photo/Jerome Delay)

Noch ist er Häuptling des Thembu-Volkes: Mandla Mandela, Enkel von Nelson Mandela. Foto: Jerome Delay (Keystone)

Mandla Mandela ist kein Fremder von Skandalen. Der Enkel der südafrikanischen Politikone Nelson Mandela buddelte einst in einer Nacht- und Nebelaktion die Gebeine seiner Verwandten aus, um sie – für ihn gewinnträchtiger – in der Nähe seines Anwesens wieder zu verscharren. Einem Autofahrer, der ihm in die Quere kam, hielt er seine Pistole vor die Nase. Und zwei Journalisten, die Kritisches über ihn berichten wollten, sperrte er über acht Stunden lang ohne Essen, Trinken sowie Zugang zu einer Toilette in einer Kammer seines Hauses ein. Solche Eskapaden konnten der Würde des 41-jährigen Häuptlings des Thembu-Volkes bislang nichts anhaben. Doch ein neuer Vorfall droht dem ANC-Parlamentarier und Dorfältesten von Mvezo, dem Geburtsort seines weltberühmten Opas, nun zum Verhängnis zu werden: Mandla Mandela soll kürzlich zum Islam übergetreten sein – und da hört der Spass auch für die Thembu offensichtlich auf.

Der Promienkel müsse unverzüglich seine Häuptlingswürde zurückgeben, forderte der Sprecher des Contralesa genannten Verbandes der traditionellen Führer, Chief Mwelo Nonkonyane: «Wir waren schockiert, als uns Mandlas Übertritt zum Islam zu Ohren kam.» Für die Untergruppe des im Südwesten Südafrikas beheimateten Volks der Xhosa wirkt die Konvertierung des Chiefs wie ein besonders harter Schlag: Erst kürzlich wurde ihr König Buyelekhaya Dalindyebo zu einer 12-jährigen Haftstrafe verdonnert. Der Monarch, der aus seinem täglichen Marihuanakonsum kein Geheimnis macht, war der Brandstiftung, des Kidnappings und der Körperverletzung für schuldig befunden worden.

Auf die Frage, wie es zur jüngsten und entscheidenden Entgleisung Mandla Mandelas kommen konnte, braucht man beim Spross aus bestem Hause nicht lange nach einer Antwort zu suchen: Es muss mit seinem Hobby, dem weiblichen Geschlecht, in Zusammenhang stehen. Der Xhosanova heiratete jüngst zum vierten Mal – die meisten seiner vorigen Bünde fürs Leben endeten mit einem handfesten Skandal. Thando Mabuna, seine erste Frau, suchte vor Gericht zu verhindern, dass sich Mandla mit der schönen Französin Anaïs Grimaud eine zweite Frau nahm. Grimaud soll von einer Affäre mit Mandlas jüngerem Bruder Mbuso ein Kind bekommen haben und wurde daraufhin nach Hause, auf die Insel Réunion, zurückgeschickt. Über seine dritte Ehe mit der swasiländischen Prinzessin Nodiyala Mbali Makhathini ist nicht viel bekannt – ausser dass die Heirat von einem Gericht drei Jahre später für ungültig erklärt wurde. Die Ehe mit seiner vierten Frau, Rabia Clarke, begann bereits mit einem Knall: Es soll die schöne Muslimin aus Kapstadt gewesen sein, die den Xhosa-Häuptling zur Annahme des Glaubens an den Propheten Mohammed bewog.

Anstoss scheinen die Thembu-Führer in erster Linie allerdings nicht einmal an der neuen Religion ihres Chiefs genommen zu haben. Schliesslich kann ein Thembu seinen Ältesten übermässigen Rauschgiftgenuss, Bully-Verhalten im Strassenverkehr, Kidnapping und Leichenfledderei verzeihen: Solchen Grossmut wird auch fünf Mal tägliches Beten zum falschen Propheten nicht sprengen. Was die Wärter der Tradition ihrem erlauchten Häuptling tatsächlich übel nahmen: Dass er als Mann die Religion seiner Frau annahm. «In unserer Kultur», stellt Chief Nonkonyane ein für alle Mal fest, «ist das umgekehrt.»