Schlimme Finger

Martin Kilian aus Washington am Samstag den 13. Februar 2016
Eine Glosse 
Republican presidential candidate Donald Trump acknowledges photographers after speaking at a campaign rally in Baton Rouge, La., Thursday, Feb. 11, 2016. (AP Photo/Gerald Herbert)

Will Kim Jong-un durch die Chinesen eliminieren lassen: Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump. Foto: Gerald Herbert (Keystone)

Kim Jong-un, wohnhaft in Pyongyang und dort 1983 geboren, ist ein vielbeschäftigter Mann. Mal sammelt er Plutonium, mal startet er eine Rakete, die einen Satelliten vom Umfang einer Pampelmuse in eine Umlaufbahn schiesst – wobei die Pampelmuse leider keine nachhaltige Umlaufbahn erreicht –, mal lässt er diesen oder jenen in seiner Entourage hinrichten aus Gründen, die niemand kennt. Zuletzt hiess es, er habe seinen Generalstabschef füsilieren lassen.

epa03601041 An undated handout photo made available 26 February 2013 by the North Korean Central News Agency shows North Korean leader Kim Jong-un (C) taking a close look at a gun during an inspection of an artillery firing exercise at an unidentified artillery unit. SOUTH KOREA OUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Hantiert gerne mit allerlei Waffen: Der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un. Foto: Keystone

Je höher der Rang des zu Exekutierenden, desto grösser ist das Kaliber der Waffe, mit der er hingerichtet wird. Enge Vertraute von Kim werden angeblich mit einem Flakgeschütz getötet, womöglich zielte eine Haubitze auf den Generalstabschef. Insgesamt kann von Kim Jong-un gesagt werden, dass er neben seinem Hobby, nämlich Basketball, gern mit Atomen hantiert und jede Woche jemandem den Krieg erklärt. Der Mann ist reizbar, kurz angebunden und zutiefst unangenehm.

So sehr er aber beschäftigt ist, sollte Kim doch dann und wann im Fernsehen den Verlauf des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs und insbesondere die Verlautbarungen des republikanischen Kandidaten Donald Trump verfolgen. Bekanntlich nimmt Trump kein Blatt vor den Mund, doch klingt er manchmal, als habe er eines im Mund, vielleicht Khat oder Koka oder was auch immer. Im Vergleich zu Kim ist Trump harmlos. Bislang hat er nur TV-Moderatoren den Krieg erklärt.

Am vergangenen Mittwoch aber offenbarte Trump, wie wenig er von Kim hält. Der Mann in Pyongyang sei ein «bad dude», sagte Trump, etwas salopp übersetzt ein «schlimmer Finger». Trump äusserte sich in einem TV-Interview auf die Frage, was er denn mit Kim zu tun gedenke, sobald er, Trump, im Weissen Haus residiere und selber mit Atomen hantieren dürfe. «Ich würde China auf die eine oder andere Art dazu bringen, diesen Kerl sehr schnell verschwinden zu lassen», beschied Trump der Interviewerin.

Also mal nach vorne spulen: Trump und der chinesische Chef Xi Jingping sitzen im Weissen Haus über einer Flasche Chateau Disney, Jahrgang 1963, und wälzen bilaterale Probleme, Handel und Yuan-Entwertung, Chinas Inselbau im südchinesischen Meer («Haben Sie auch einen Strand eingeplant?») sowie die Möglichkeit einer TV-Celebrity-Show für Trump in Shanghai. Plötzlich sagt Trump: «Würden Sie mir einen Gefallen tun und Kim Jong-un verschwinden lassen?» Einfach so. Man muss sich das einmal vorstellen.

Aber zurück zum Interview. Trumps Antwort hat die Moderatorin misstrauisch gemacht. Sie will wissen, ob Trump den Mann in Pyongyang ermorden lassen möchte. Trump antwortet zunächst negativ, ehe er sich besinnt: «Nun ja, wissen Sie, ich habe schon schlimmere Dinge gehört, der Typ ist ein schlimmer Finger.» Trump will also tun, was vor ihm Seth Rogen und James Franco im Streifen «The Interview» planten: Einen Mordanschlag auf Kim! Bestimmt mithilfe der CIA! Wie bei Rafael Trujillo. Oder bei Castro. Oder bei Ngo Dien Diem.

Hier wurde Trumps Zukunftsvision bereits erprobt: Die Hollywood-Klamotte «The Interview». Trailer: Sony Pictures

Kim wird Trumps Antwort nicht gefallen haben. Er kann nur darauf hoffen, dass Trump bei den republikanischen Vorwahlen verliert und Jeb Bush oder sonst wer Präsident wird. Und gewiss möchte Trump nicht nur Kim aus dem Weg schaffen, sondern alle schlimmen Finger. Einen nach dem anderen.

Martin Kilian
Martin Kilian, Washington Er ist Amerikaner und Reisender durchs amerikanische Hinterland. Ihn interessiert ziemlich alles zwischen Boston und Seattle, San Diego und Miami. Er lebte unter anderem in Athens, Georgia, und Washington DC und wohnt derzeit in Charlottesville, Virginia. Gelegentlich fliegt er nach Europa und bewundert die Putzigkeit des Alten Kontinents.

11 Kommentare zu “Schlimme Finger”

  1. Walter Meier sagt:

    Ich erinnere daran, dass es sich hier um Wahlkampf handelt. Alle versuchen möglichst viele Stimmen zu gewinnen und jeder Kandidat tut das auf seine Weise. Donald Trump wird aufgrund seiner plumpen und aggressiven Rhetorik unterschätzt. Der hat mehr drauf. Haben sie schon mal erlebt, dass ein gewähltes Staatsoberhaupt egal wo auf der Welt genau das tut was er/sie im Wahlkampf angesagt hat ??

  2. Richard sagt:

    Einen Diktator zu beiseitigen mag machbar sein. Aber was kommt danach? Die Lehren aus Libyen, Irak und Syrien sollten vorher gezogen werden. Falls von dieser irrationalen Figur jedoch wirklich eine atomare Gefahr ausgeht, sind alle Optionen zu prüfen. Irrationalität ist auch ein Kennzeichen Trumps – solche Leute gehören nicht an die Schalthebel der Macht.

  3. B. Kerzenmacher sagt:

    Es könnte durchaus sein, dass der Aufstieg von B. Sanders weitergehen könnte. Als nächstes stehen bei den Demokraten die Vorwahlversammlungen in Nevada an. Nevada war von der Immobilienkrise besonders betroffen, da dürften B. Sanders mit seiner These, dass das Geschäftsmodell von Wall Street Betrug wäre, auf offene Ohren stossen, während H. Clintons Nähe zur Wall Street ihr in diesem Staat zum Verhängnis werden könnte.Ausserdem hat sich bei Wahlen in Nevada in den vergangenen Jahren eine erhebliche Anti-Establishment-Stimmung gezeigt. Vor sechs Jahren konnte der demokratische Mehrheitsführer im Senat seinen Sitz nur knapp gegen eine Kandidatin von der Tea Party-Fraktion der Republikaner…

  4. Ronnie König sagt:

    Humoristische Sichtweise mit einem Schuss Wahrheit! Aber nicht unbedingt realistisch. Kim ist eine mittlere regionale Gefahr. Viel grösser ist die Gefahr China selber. Ob es um Rohstoffe geht oder soziale Unruhen, eine Wirtschaft die sich festfahren könnte, dies hat wesentlich mehr Auswirkung auf uns. China sagte zumindest, dass Kim zwar stört, aber bei einem Zusammenbruchs des Systems die Flüchtlingswelle in der nordöstlichen Region ein Desaster für China bedeuten würde. Warum genau, das lasen wir noch nie, aber ich vermute einen Dominoeffekt innerhalb Chinas. Das war in der Antike schon so. So tickt man dort eben, sowohl die Herrscher, das Volk und diepotenziellen neuen Herrscher.

    • Regula Gruber sagt:

      Eine REGIOLNALE Gefahr???
      Lieber Ronnie König, Nordkorea hat “die” Bombe! Und Kim zögert unter Garantie keine Sekunde, diese auch zu zünden. Ihre Aussage ist genauso weise wie die des Journis, dass Trumps Wahl das Aus für Kim wäre.

  5. Radisa Tubic sagt:

    Danke Hr. Kilian für Ihre sehr treffende, geistreiche und kritische Artikel und Reportagen aus USA.

  6. Irene feldmann sagt:

    Es gibt einige Psychopathen die frei herumlaufen. Einige werden gefürchtet und darum wird gekuscht. Andere haben tausende von Anhängern weil das selbständige denken bei jenen schon lange den Bach runter geflutscht ist. Beide haben eines gemeinsam, sie existieren weil die Masse gelähmt und impotent ist. Da wäre auch die Lösung wie man dieses Weltbild verändert.

  7. Claudio Hammer sagt:

    Tja und vielleicht kommt es auch anders und Kim lässt Trump vorher von einem Killer liquidieren…

    • Markus Schneider sagt:

      Vielleicht wird auch vorher der ewige Stänkerer Kilian aus den USA ausgewiesen. Er kann für seine Kolumne ja dann Lobeshymnen aus Venezuela oder Bolivien verfassen.

      • Ronnie König sagt:

        Alles was ihr bescheidenes Weltbild stört und nicht deckungsgleich ist, ist stänkern? Vielleicht ist einfach umgekehrt! Die Stimmung dort entspricht nämlich Kilians humoristische Abhandlung durchaus, aber Amerika kann nicht einfach handeln wie es will. Das weiss selbst Trump, daher die Mithilfe Chinas gewinnen. Einem Land das mehr Feind als Freund ist und so doch eine bemerkenswerte Variante darstellt, falls Trump tatsächlich Präsident würde. Nicht ganz auszuschliessen, dass dieser Trampel danach auch noch seine Werkbank zertrümmert im Rausch und sie in Mexiko nach der Mauer errichtet.

        • Linus Huber sagt:

          Na ja, es geht weniger darum, ob man z.B. Trump lächerlich macht oder nicht; ich habe damit kein Problem. Jedoch wenn man einzig jene lächerlich macht, welche nicht der eigenen politischen Agenda entsprechen, darf die Integrität des Autors sicherlich in Frage gestellt werden. Und genau darum dürfte es sich in Markus’s Kommentar handeln und nicht darum ob des Autors Weltbild seinem, von Ihnen als “bescheiden” titulierten, entspricht. Sie scheinen Prinzipientreue mit mentaler Bescheidenheit und kurzfristig orientiertes, prinzipienfreies wohl mit fortschrittlichem und modernem Gedankengut verwechseln, wobei Sie als “Status-Quo” Verteidiger wohl zu den ewig Gestrigen gehören.

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