Schlimme Finger

Republican presidential candidate Donald Trump acknowledges photographers after speaking at a campaign rally in Baton Rouge, La., Thursday, Feb. 11, 2016. (AP Photo/Gerald Herbert)

Will Kim Jong-un durch die Chinesen eliminieren lassen: Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump. Foto: Gerald Herbert (Keystone)

Kim Jong-un, wohnhaft in Pyongyang und dort 1983 geboren, ist ein vielbeschäftigter Mann. Mal sammelt er Plutonium, mal startet er eine Rakete, die einen Satelliten vom Umfang einer Pampelmuse in eine Umlaufbahn schiesst – wobei die Pampelmuse leider keine nachhaltige Umlaufbahn erreicht –, mal lässt er diesen oder jenen in seiner Entourage hinrichten aus Gründen, die niemand kennt. Zuletzt hiess es, er habe seinen Generalstabschef füsilieren lassen.

epa03601041 An undated handout photo made available 26 February 2013 by the North Korean Central News Agency shows North Korean leader Kim Jong-un (C) taking a close look at a gun during an inspection of an artillery firing exercise at an unidentified artillery unit. SOUTH KOREA OUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Hantiert gerne mit allerlei Waffen: Der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un. Foto: Keystone

Je höher der Rang des zu Exekutierenden, desto grösser ist das Kaliber der Waffe, mit der er hingerichtet wird. Enge Vertraute von Kim werden angeblich mit einem Flakgeschütz getötet, womöglich zielte eine Haubitze auf den Generalstabschef. Insgesamt kann von Kim Jong-un gesagt werden, dass er neben seinem Hobby, nämlich Basketball, gern mit Atomen hantiert und jede Woche jemandem den Krieg erklärt. Der Mann ist reizbar, kurz angebunden und zutiefst unangenehm.

So sehr er aber beschäftigt ist, sollte Kim doch dann und wann im Fernsehen den Verlauf des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs und insbesondere die Verlautbarungen des republikanischen Kandidaten Donald Trump verfolgen. Bekanntlich nimmt Trump kein Blatt vor den Mund, doch klingt er manchmal, als habe er eines im Mund, vielleicht Khat oder Koka oder was auch immer. Im Vergleich zu Kim ist Trump harmlos. Bislang hat er nur TV-Moderatoren den Krieg erklärt.

Am vergangenen Mittwoch aber offenbarte Trump, wie wenig er von Kim hält. Der Mann in Pyongyang sei ein «bad dude», sagte Trump, etwas salopp übersetzt ein «schlimmer Finger». Trump äusserte sich in einem TV-Interview auf die Frage, was er denn mit Kim zu tun gedenke, sobald er, Trump, im Weissen Haus residiere und selber mit Atomen hantieren dürfe. «Ich würde China auf die eine oder andere Art dazu bringen, diesen Kerl sehr schnell verschwinden zu lassen», beschied Trump der Interviewerin.

Also mal nach vorne spulen: Trump und der chinesische Chef Xi Jingping sitzen im Weissen Haus über einer Flasche Chateau Disney, Jahrgang 1963, und wälzen bilaterale Probleme, Handel und Yuan-Entwertung, Chinas Inselbau im südchinesischen Meer («Haben Sie auch einen Strand eingeplant?») sowie die Möglichkeit einer TV-Celebrity-Show für Trump in Shanghai. Plötzlich sagt Trump: «Würden Sie mir einen Gefallen tun und Kim Jong-un verschwinden lassen?» Einfach so. Man muss sich das einmal vorstellen.

Aber zurück zum Interview. Trumps Antwort hat die Moderatorin misstrauisch gemacht. Sie will wissen, ob Trump den Mann in Pyongyang ermorden lassen möchte. Trump antwortet zunächst negativ, ehe er sich besinnt: «Nun ja, wissen Sie, ich habe schon schlimmere Dinge gehört, der Typ ist ein schlimmer Finger.» Trump will also tun, was vor ihm Seth Rogen und James Franco im Streifen «The Interview» planten: Einen Mordanschlag auf Kim! Bestimmt mithilfe der CIA! Wie bei Rafael Trujillo. Oder bei Castro. Oder bei Ngo Dien Diem.

Hier wurde Trumps Zukunftsvision bereits erprobt: Die Hollywood-Klamotte «The Interview». Trailer: Sony Pictures

Kim wird Trumps Antwort nicht gefallen haben. Er kann nur darauf hoffen, dass Trump bei den republikanischen Vorwahlen verliert und Jeb Bush oder sonst wer Präsident wird. Und gewiss möchte Trump nicht nur Kim aus dem Weg schaffen, sondern alle schlimmen Finger. Einen nach dem anderen.