Nie mehr unglücklich nach dem Coiffeurbesuch

 

(iStock)

Coiffeurbesuche bergen Risiken: Sichtbar gewordene Verständigungsprobleme. (iStock)

Ich dachte, ich hätte mich deutlich ausgedrückt: «Bitte die Spitzen schneiden. Nicht mehr!» War ich doch in dieser hochempfindlichen Phase, wo jeder Millimeter des Haarekürzens schon fast körperlich wehtat. Mit Inbrunst züchtete ich seit Monaten meine überschulterlange Mähne. Denn Claudia Schiffer war mein Vorbild. Oder besser gesagt: ihre blonde Pracht.

Die Coiffeuse nickte bloss und bat mich, den Kopf nach vorne zu senken, damit sie mit dem Schneiden beginnen konnte. Dann machte es schnipp, schnapp und ich verspürte ein kühles Lüftchen an meinem Nacken. Zuerst war mir gar nicht bewusst, was passiert war, aber als ich auf den Boden blickte, sah ich dort 15 Zentimeter meiner blonden Strähnen. Mich traf beinahe der Schlag, und ich rang nach Fassung. Die Coiffeuse liess sich durch meine Schockstarre nicht erschüttern, sondern sagte nur nüchtern: «Der Spliss musste ab.»

(Getty Images/Keystone)

Auch Cate Blanchette scheint schon Verständigungsprobleme mit ihrem Friseur gehabt zu haben. (Getty Images/Keystone)

Dieses Erlebnis ist schon etliche Jahre her, ganz verdaut habe ich es aber nicht. Zwar waren meine Coiffeur-Erlebnisse nie mehr so einschneidend – oder besser: abschneidend –, abgesehen von einer ziemlich missratenen Dauerwelle und kleineren Farbunglücken. Doch Luftsprünge machte ich selten nach dem Coiffeurbesuch. Und sei es auch nur, weil ich nach dem Föhnen oft wie ein aufgeplustertes Huhn aussah.

Natürlich ist über die Jahre zum Glück auch das eine oder andere Erfolgserlebnis hinzugekommen, denn ich kenne inzwischen ein paar Hairstylisten, denen ich vertraue. Auch habe ich gelernt, meine Wünsche klarer zu kommunizieren, auch wenn das als Laie nicht immer ganz einfach ist. Und ich habe akzeptiert, dass ein Coiffeur vieles kann, aber nicht alles. Auch der Beste seines Fachs kann aus Schnittlauchlocken keine Jennifer-Aniston-Mähne zaubern.

Damit Ihr nächster Coiffeur-Besuch nicht in einem Desaster endet, hier ein paar Tipps.

1. Fotos sagen mehr als Worte

Ein Model kann mit einem leicht zerzausten Longbob bezaubernd aussehen. Dass ein Team von Stylisten, Visagisten und Fotografen ihre Haare während Stunden ins rechte Licht gerückt hat, sieht man auf dem Foto nicht mehr. Ein Profi wird Ihnen sagen, ob sich Ihre Haarqualität für die gewünschte Frisur eignet und ob Sie Ihnen zu Gesicht steht. Am besten, Sie bringen so viel Anschauungsmaterial mit wie möglich.

2. Reden, reden, reden

Dem Coiffeur hilft es, wenn er möglichst viel über Ihr Haar und Ihre Pflegegewohnheiten weiss: Wie sieht Ihr tägliches Styling aus? Wie viel Zeit wollen Sie für dieses opfern? Sind Sie ein Profi, wenn es um Rundbürsten, Glätteisen und Co. geht, oder wollen Sie Ihre Haarpracht am liebsten ganz bequem an der Luft trocknen lassen?

3. Klare Ansage

Wenn Sie wirklich nur ganz wenig schneiden wollen, sagen Sie genau, wie viel, und nicht nur «die Spitzen schneiden». Denn das ist, wie ich aus eigener, leidvoller Erfahrung weiss, ein dehnbarer Begriff.

4. Nachfragen hilft

Effillieren, Mèchen, Brond, Glossing … Wenn Sie die Coiffeursprache nicht verstehen, scheuen Sie sich nicht, nachzufragen, was er oder sie genau meint. Lieber unwissend dastehen als unglücklich nach Hause gehen.

5. Unterstützung anfordern

Wenn Sie unsicher sind, dann nehmen Sie doch Ihre geschmacksicherste Freundin mit. Sie wird ehrlich sagen, was sie denkt. Weniger gut eignet sich der eigene Mann oder die Mutter als Begleitung. Ersterer wird so wenig Veränderung wie möglich wünschen, letztere hat vielleicht eine etwas andere Vorstellung von Stil als Sie.

6. Loslassen

Auch wenn Sie Ihre Haare über alles lieben, ohne Vertrauen läuft auch beim Coiffeur nichts. Wenn nach dem Gespräch alles geklärt ist, lassen Sie ihn die Arbeit machen. Sie mögen es ja auch nicht, wenn man Ihnen bei der Arbeit ständig kritisch über die Schultern schaut.

7. Ehrlichkeit macht sich bezahlt

Es hat keinen Sinn, wenn Sie auf die Frage: «Nun, wie gefällt Ihnen die Frisur?», sagen: «Gut», wenn Sie ob des Ergebnisses am liebsten in Tränen ausbrechen würden. Auch wenn Sie einige Tage nach dem Termin mit der Frisur nicht klarkommen oder mit der Farbe nicht zufrieden sind, melden Sie sich im Salon. Dort ist man ja auch daran interessiert, Sie als Kundin zu behalten und wird Ihnen eine kostenlose Nachbesserung anbieten.

Beratung: Michaela Zenhäusern, Szena les Coiffeurs, Zürich.

17 Kommentare zu «Nie mehr unglücklich nach dem Coiffeurbesuch»

  • Nina Herzog sagt:

    TABAI LE CHEVEU
    Wunderschöner Salon. Gute Musik & Literatur.
    Aber vor allem: ein wahrer Haarkünstler!!
    Ich bin jedesmal von Neuem begeistert.
    Einen Ausflug nach Luzern lohnt sich auf jeden Fall.

    TABAI LE CHEVEU
    Eisengasse 4
    6004 Luzern
    041 410 10 43

  • tamburini sagt:

    Ich, bald 60 gehe lieber zum Zahnarzt, als zur Coiffeuse. An meiner Haarqualität kanns nicht liegen. „Ihr leicht gewelltes Haar lässt sich sehr gut föhnen!“ höre ich jedesmal. Nur verstehe ich nicht: wieso scheidet eine Coiffeuse einer Kundin einen Schnitt, der nur Spaghetti-Haaren steht? Der leicht gestufte Bob z.B. Am Hinterkopf habe ich nun ein kaum gut föhnbares gewelltes Entenfüdli in krassen Stufen und vorne ists ok. Bis ich das hinten auch gut geföhnt hätte, bekomme ich eine Sehnenscheidenentzündung im Arm und Handgelenk!! 240.- kostete der Spass mit Ansatzfarbe. Die letzten 3x beim Coiffeur schaute keiner auf meine Haarqualität im trockenen Zustand, sondern schnitt drauflos nach seinem Schema-F; auch bei mitgebrachten Fotos und erklären, erklären, erklären. Nützt nichts.

  • Astrid Kruder sagt:

    Ich gehe dazu in Bern auch nicht mehr zur „gewöhnlichen“ Frisörin. ich lasse meine Haare bewusst schneiden. Dies in ständigem gegenseitigen Dialog. Hier fühle ich mich verstanden und wahrgenommen. Seither fühle ich mich und mein Haar verbunden und bin glücklich.

  • erik wolf sagt:

    einfach nur ein guter schnitt, alle paar wochen, das wäre die lösung.

    • Alain Burky sagt:

      Gut so. Bei mir dauert das manchmal 3-6 Monate. Haare, die mir ins Gesicht fallen, schnipsle ich einfach weg. Aber nach einiger Zeit, braucht es eine Runderneuerung. Aber bitte nur schneiden! Kein Chi-chi Zeugs oder so. Die Coiffeuse kennt mich., und ist eben kundenorientiert.

  • Helena sagt:

    Ich gehe mit meinen langen Haaren nur noch zu einer Coiffeuse, die auf Langhaarige spezialisiert ist. Die unter «Spitzen schneiden» wirklich nur 1 cm versteht, Spliss-Schnitt im trockenen Haar macht und idealerweise auch noch schöne Zöpfe beherrscht. Allerdings sollte man, wenn man «züchtet», unbedingt regelmässig zum Spliss-Schnitt gehen. Zudem sollte man bei den Pflegeprodukten vorsichtig werden (Stichwort: Silikone) und Glätteisen am besten beerdigen. In kurzen Haaren spielen Schäden oder Anlagerungen keine grosse Rolle, wird ja regelmässig rausgeschnitten, in der langen Mähne kumuliert sich jeder Schaden. Und bei kurzhaarigen Coiffeusen mit super-stylischen, durchgefärbten Haaren wäre ich super-vorsichtig…

  • Alain Burky sagt:

    Ich trage meine Haare auch schon lange lang. Und lasse meistens auch nur die sog. Spitzen schneiden. Und im Sinne des Gesamten. (Vielleicht leide ich am Samson-Syndrom). Habe aber nie Verständigungprobleme. Die Coiffeuse (Salon de Paris) fragt nur ‚comme d’habitude‘. Oui. Dann schneidet sie perfekt. Und ich bin dann rel. schnell – wieder weg. Wegen dem metaphysischen Gruseln im Coiffeuergestühl.

  • trudi Frey sagt:

    Warum wohl haben fast alle Frauen lange Haare und einen Rossschwanz, weil man sich das ganze teure Coiffeurgetue sparen kann, inkl.Geld. Ja sogar die Männer. Ich ging früher oft zum Coiffeur eben wegen meinem Haarschnitt. War immer mühsam ich wollte es so der Coiffeur so. Jetzt aber habe ich lange Haare und kann einen Rossschwanz tragen. Geld spare ich auch. Viel besser so.

    • Buchs sagt:

      Ja, so sehen die meisten dann aus! Einfach einen Rosschwanz machen und ab die Post, wie einfältig! Da schaue ich mich dann gerne um, wenn eine Frau mit einer wunderschönen Föhnfrisur mir den Weg kreuzt!
      Leider allzu wenige.

  • Marianne sagt:

    Frauen tun sich generell schwer andere Frauen zu «verschönern» – schliesslich könnte es eine Konkurrentin sein – tönt blöd ist aber so.
    Darum als Frau immer einen Mann für Verschönerungen aussuchen – gilt nicht nur für das Haare-Schneiden.

  • Jane Bissig sagt:

    Schnittlauchlocken?

  • edith schmidt sagt:

    das haar, ein haariges ewiges thema.. denn sie wachsen, verändern ihre qualität und im alter verlieren sie die farbe. anfangs versuchte ich blonder zu sein, also mêches, dann kurz und burschikos ( ein fataler einfall) dann ganz natürlich ( schlimm ohne farbe waren meine haare immer fettig) dann plötzlich meine ideale länge offen zu tragen und streng nach hinten! irgendwann dann viel weiss und ich ein paar jahre älter.. jetzt freue ich mich an meinen haaren wenn sie frisch gewaschen ( vom coiff) mir noch gut haltend am kopf liegen und ich dank der weissen (eigentlich farblosen pracht) nicht mehr gegen fett kämpfen muss! hin und wieder schneiden, und hin und wieder in bildern schmöckern von frisuren die mir auch gefallen würden! aber nur noch träumen davon, nicht mehr umsetzen! ..edith

  • maia sagt:

    „Auch Cate Blanchette scheint schon Verständigungsprobleme mit ihrem Friseur gehabt zu haben“ – woraus schliessen Sie das? sicher nicht aus diesen Bildern, weche eine wunderbare Cate Blanchette zeigen.

  • Sophie Marten sagt:

    Mutiger sein. Ich kann nicht Wochen im voraus einen Termin abmachen, sondern wenn ich dann irgendwann in den Spiegel schaue, dann muss ich sofort zum Coiffeur. Das heisst, es kann passieren, dass die Coiffeuse meines Vertrauens keine Zeit hat oder ich nicht in der Nähe bin. Dann gehe ich ohne Voranmeldung in einen Laden. Mehr als einmal öffne ich die Türe und was ich sehe, gefällt mir so wenig, dass ich gleich rückwärts zur Tür hinaus will. Coiffeuse mit tuppierter Fönfrisur, Inneneinrichtung, die Frisuren der Kundinnen, Gesprächsthemen etc. Aber immer fehlt mir dann der Mut, einfach umzukehren oder wieder aufzustehen. Andererseits habe ich dadurch auch schon den einen oder anderen wirklichen Glückstreffer gemacht.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.