«Peinliche» Beschwerden, über die man ungern spricht

Gespräche mit dem Arzt können grosse Überwindung kosten. Foto: Christian Beutler/Keystone

Bandscheibenvorfall, Nackensteife, Gallensteine: Es gibt wenige Krankheiten, über die man sich nicht austauscht. Und selbst Depressionen, Panikattacken oder ein Burn-out werden nicht mehr totgeschwiegen. Und doch gibt es sie, die Beschwerden, die man lieber verschweigt und selbst bei einem Arztbesuch nur mit Überwindung rausrückt. Denn dieser könnte ja denken, es sei mangelnde Hygiene oder etwas, das man durch eigene Nachlässigkeit selber verursacht hat.

Im letzten Sommer bekam ich während der Ferien in Frankreich durch die grosse Hitze unter der linken Brust einen Ausschlag. Die kleinen, mit Wasser gefüllten Bläschen juckten sehr stark, und weder kaltes Wasser noch eine Zinksalbe brachten Linderung. Es blieb mir also keine andere Wahl, als in einer Apotheke nachzufragen, was ich dagegen tun könnte. Und es geschah genau das, wovor ich mich gefürchtet hatte. Nachdem ich den Ausschlag geschildert hatte, sagte die Apothekerin mit lauter Stimme: «Sie haben einen Pilz!» Sie sagte das auf Französisch, aber es tönte nicht besser als auf Deutsch. In diesem Moment fühlte ich mich wie eine Aussätzige und entgegnete flüsternd: «Ich dusche aber täglich.» «Das hat nichts damit zu tun», sagte sie energisch, und reichte mir eine Tube mit einer Creme. «Dreimal täglich anwenden, und wenns nicht besser wird, zum Arzt», trötete sie weiter. Der Halbwüchsige, der neben mir an der Kasse stand, lächelte mich schief an, und es hätte mich nicht gewundert, wäre er ein paar Schritte vor mir zurückgewichen.

Hätte ich also schweigend leiden sollen? Nein, die Symptome hätten sich verstärken können. Im Ausland kann man es sich meistens nicht aussuchen, wer einen in einem solchen Fall berät. Man ist froh, überhaupt Hilfe zu bekommen. Ganz anders zu Hause. Da würde ich mich von einer Person meines Vertrauens beraten lassen, sei es mein Hausarzt oder der Apotheker, der hoffentlich ohne Megafon Auskunft gibt.

Weitere «peinliche» Beschwerden:

Hämorrhoiden

Schätzungen zufolge haben über 50 Prozent aller Menschen jenseits des 30. Lebensjahrs krankhaft vergrösserte Hämorrhoiden. Krankhaft sind die Schwellkörper, die in der Schleimhaut des unteren Enddarms ein dichtes Gefässpolster bilden, erst dann, wenn sich in diesen das Blut staut und nicht mehr ungestört abfliessen kann. Man spricht dann auch von einem Hämorrhoidalleiden, das mit hellroten Blutungen, Juckreiz und Schmerzen einhergehen kann. In der Schwangerschaft, bei Übergewicht und Verstopfung kann es zu einer Zunahme von Hämorrhoiden kommen.

Was hilft? Nicht zu stark pressen. Denn dabei steht der Analbereich unter einem hohen Druck, was vergrösserte Hämorrhoiden begünstigt. Im Anfangsstadium helfen Kamillenbäder und Hamamelis-Salbe oder verschiedene Cremes und Zäpfli aus der Apotheke. Kleine Änderungen des Lebensstils, mehr Bewegung, ballastreichere Ernährung bringen ebenfalls Linderung. Schwangerschaftsbedingte Hämorrhoiden gehen nach der Geburt oft zurück. Bei Blutungen im Analbereich ist ein Arztbesuch empfohlen.

Mundgeruch

Man liest zuweilen, dass man den eigenen Mundgeruch wahrnehmen könne, wenn man in die hohle Hand atmet, aber das funktioniert nicht. Am besten wirkt, was am schwierigsten umzusetzen ist – jemanden zu fragen, dem man vertraut. Und nein, «Mundgeruch kommt nicht, wie fälschlicherweise oft behauptet wird, vom Magen aus», sagt Andreas Filippi, Professor an der zahnmedizinischen Fakultät der Universität Basel und dort verantwortlich für die Mundgeruch-Sprechstunde. Bei etwa 90 Prozent der Fälle sind Bakterien im Mundraum die Übeltäter. Sie produzieren Schwefelverbindungen und so einen unangenehmen Duft.

Was hilft? Ein Besuch beim Zahnarzt und eine gründliche Zahn- und Zungenreinigung, evtl. eine Parodontitisbehandlung.

Blasenschwäche

Eine der meistverschwiegenen Beschwerden: Eine Umfrage von Always Discreet ergab, dass sich 65 Prozent der betroffenen Frauen nicht zu einem Arztbesuch durchringen können. Frauen, die unter Blasenschwäche leiden, können nicht mehr kontrollieren, wann sie mal müssen. Die häufigste Form von Blasenschwäche ist die sogenannte Belastungsinkontinenz. Husten oder Lachen führt zu unkontrolliertem Urinverlust, in schwereren Fällen bereits Laufen, Treppensteigen und schliesslich Liegen. Blasenschwäche ist nicht gefährlich, für die Betroffenen aber sehr unangenehm. Vor allem junge Mütter sind dafür anfällig: Ihr Beckenboden ist durch Schwangerschaft und Geburt geschwächt und wird durch das Tragen des Babys zusätzlich belastet. Bei älteren Frauen kann eine Blasenschwäche entstehen, weil sich der Hormonhaushalt verändert. Überdurchschnittlich häufig betroffen sind Übergewichtige und Frauen mit schwachem Bindegewebe.

Was hilft? Beckenbodentraining oder Medikamente.

Reizdarm

Die Krankheit, die auch Irritable Bowel Syndrome (IBS) genannt wird, bleibt oft jahrelang unerkannt. Laut Schätzungen sind 10 bis 12 Prozent aller Erwachsenen betroffen – mehr Frauen als Männer. Medizinisch betrachtet, handelt es sich bei IBS um eine funktionelle Darmstörung mit unterschiedlichen Symptomen wie Bauchkrämpfen, chronischem Durchfall, Verstopfung. Oder es besteht eine Mischform, bei der sich die Beschwerden abwechseln. Viele Betroffene leiden unter Dauerstress und müssen sich immer in der Nähe einer Toilette aufhalten.

Was hilft? Unbedingt medizinisch abklären lassen! Es könnten eine chronisch entzündliche Erkrankung, Allergien oder Nahrungsunverträglichkeiten dahinterstecken.

Warzen

Warzen sind Hautveränderungen, die durch Viren ausgelöst werden. Fast jeder Mensch wird im Laufe seines Lebens von Warzen befallen – sie sind zwar unschön und lästig, aber sie verschwinden auch ohne Behandlung meist wieder von selbst. Normalerweise wehrt unser Immunsystem solch ungebetene Eindringlinge ab, doch wenn die körpereigene Abwehr geschwächt ist, können sie die Haut befallen. Am häufigsten treten durch Papillomviren ausgelöste Warzen an Händen und Füssen auf.

Was hilft? Kälte- oder Lasertherapien, chemische Mittel, Pflaster oder Tinkturen.