Meine 9 dämlichsten Diäten


Die US-Schauspielerin Bo Derek, hier im Trailer zum Film «10 – die Traumfrau» (1979), war eine begeisterte Anhängerin der Hollywood-Star-Diät. Video: robatsea2009 (Youtube)

Wenn es um die eigene Figur geht, kann der Verstand schon mal aussetzen. Da bin ich keine Ausnahme. Im Lauf meines Lebens ist das schon mehrere Male vorgekommen. Vor allem was Diäten betrifft, war ich ein dankbares Opfer unrealistischer Versprechungen. Denn der Wunsch, Gewicht zu verlieren, war oft stärker als jegliche Vernunft.

Über diese Feiertage liessen mich Mailänderli, Pastetli und Filet im Teig fast vergessen, welche Qualen mit dem Abnehmen verbunden sind. Und ich schwor mir, nie wieder Diät zu halten, sondern einfach vermehrt auf die Signale meines Körpers zu achten, denn sie sagen mir meistens, was mir guttut und was nicht. Wenn ich nämlich nicht jeder Versuchung nachgebe, darf ich mir hin und wieder auch Schlemmereien erlauben.

Jetzt erlaube ich mir, Ihnen die persönliche Worst-of-Liste meiner schlimmsten Diät-Kuren aufzutischen:

1. Die Hollywood-Star-Diät

Ich war 15 Jahre alt, als meine ältere Schwester ihren ersten Diätversuch unternahm. Natürlich wollte ich es ihr gleichtun. Die «10»-Traumfrau Bo Derek war mein Vorbild: Sie schwor auf die Hollywood-Star-Diät und das gleichnamige Buch, das allerdings sehr umstritten war. Es schrieb vor, dass man tagelang nur tropische Früchte wie Ananas, Papaya und Mango essen durfte. Die Früchte sollten dank ihrer Enzyme die Fettzellen «killen». Die Diät stammte übrigens aus den 20er-Jahren und wurde eigens für Stars entwickelt, die sich ihren Traum von einer Idealfigur erfüllen wollten.

Resultat: 3 Kilo weniger in zwei Wochen inklusive einer entzündeten Magenschleimhaut und einer starken Abneigung gegen Papaya und Mango, die bis heute anhält.

2. Die Ahornsirup-Diät

Anfang der 80er-Jahre war diese Diät in aller Munde. Und so auch in meinem. Gegessen wurden täglich sechs (!) harte Eier und eine Ananas. Dazu wurden zwei Liter verdünnter, kanadischer Ahornsirup getrunken.

Resultat: Nach einer Woche wog ich 2 Kilo mehr. Sehr wahrscheinlich hatte ich den Ahornsirup zu wenig verdünnt. Noch heute wird mir übel, wenn ich ihn nur rieche. Und die Säure der Ananas sorgte für unzählige fiese Bläschen im Mund.

3. Die Kohlsuppen-Diät

Galt als Hammerdiät Mitte der 90er-Jahre. Meine beste Freundin hatte damit in zwei Wochen sechs Kilo abgenommen und ermutigte mich, es ihr gleichzutun. Frisch verliebt, schnippelte ich jeden Abend stundenlang ein Gemisch aus Kohl, Paprika, Lauch und Co., das die Luft in der ganzen Wohnung verpestete. Doch ich löffelte die Suppe brav aus, die ich mir selber eingebrockt hatte. Ganze fünf Tage lang litt ich unter den stärksten Blähungen meines Lebens. Nach fünf Tagen gab ich ermattet auf.

Resultat: 3 Kilo weniger und (fast) der Verlust des neuen Freundes, der sich mit meinen Ausdünstungen schwertat.

4. Die FDH-Diät

Sie tönte, im Vergleich zu anderen Diäten, ziemlich vernünftig: Friss die Hälfte – FDH. Einfach die Hälfte zu futtern, musste doch unweigerlich zum Erfolg führen. Dass eine halbe Schokolade und ein halber Kuchen trotzdem zu Buche schlagen, musste ich erfahren, als ich mich nach einigen Tagen wieder auf die Waage wagte.

Resultat: Gleich schwer und um eine Illusion ärmer.

5. Fasten

Gilt eigentlich nicht als Diät, aber erschien mir total erfolgsversprechend. Die Nicht-Nahrungsaufnahme fand in einem Schloss im Thurgau statt. Sie kostete mich ein Vermögen an Geld und Nerven. Dafür gab es a) Wasser und b) ein Dutzend Sorten Tee à discrétion. Als Höhepunkt bekamen wir vor dem Schlafengehen noch ein Teelöffelchen Honig. Am dritten Tag erlitt ich eine Unterzuckerung. Ich schlotterte am ganzen Körper, und mir wurde gesüsster Tee eingeflösst, da ich selber nicht mehr fähig war zu trinken – meine Hände zitterten zu stark.

Resultat: Nach der Krise gings psychisch bergauf, gewichtsmässig bergab: minus 5 Kilo in zehn Tagen. Meine Haut strahlte mit meiner Psyche um die Wette. Die neue Jeans, die ich mir kaufte, konnte ich immerhin einen Monat lang tragen. Dann war das Gewicht wieder das alte.

6. Die 1000-Kilokalorien-Diät

Nichts gegen ein Esstagebuch, das macht durchaus Sinn. Aber während eines halben Jahres jede einzelne Kalorie aufzuschreiben, die ich mir einverleibte, war doch etwas krass.

Resultat: Modelfigur, Mangelerscheinungen inklusive zahlreicher Löcher in den Zähnen. Allerdings auch eine Verbesserung meines Allgemeinwissens: Noch heute weiss ich die Kalorienzahl von Dutzenden von Lebensmitteln auswendig.

7. Die Dukan-Diät

Die Diät, die für Millionen von Französinnen und für Kate Middleton gut war, sollte es auch für mich sein. 100 Lebensmittel waren erlaubt, und abgenommen wurde in vier Phasen mit praktisch keinen Kohlenhydraten, wenig Fett und ganz viel Eiweiss. Ich ass üppig Fleisch und Fisch und sonst nicht viel. Nach zwei Wochen begann ich von Früchten zu träumen und brachte keinen Fisch mehr runter.

Resultat: Minus 3 Kilo plus schlechte Laune und Kopfschmerzen.

8. Die Pulver-Diät

Ganz easy sollen die Kilos purzeln. Dies versprach die Werbung. Einfach zwei Mahlzeiten weglassen und durch Flüssigdrinks ersetzen, die nach so «wunderbaren» Aromen wie Erdbeer, Vanille, Schoko usw. schmecken sollten. Seltsamerweise schmeckten alle gleich – wie feuchter Karton.

Resultat: Nach einem Tag und drei Drinks gab ich auf. Solange ich meine Geschmacksnerven nicht verliere: never ever!

9. Die Allergie-Diät

Für einen Artikel über Detoxen machte ich eine Kur in einer exklusiven Klinik. Eine Ärztin testete mein Blut, um zu sehen, an welchen Nahrungsmittelunverträglichkeiten ich litt. Die Liste, die mir dann die Ernährungsberaterin in die Hand drückte, war beeindruckend. Wenn es nach der Auswertung ging, hätte ich für Monate auf alle Milchprodukte, Getreide, Eigelb, Zucker, Tomaten, Melonen, Avocados und vieles mehr verzichten müssen. Dafür hätte ich jede Menge (teure) Nahrungsergänzungsmittel, Vitamine und Mineralstoffe in Tablettenform zu mir nehmen müssen.

Resultat: Minus 2 Kilo. Und um eine Erfahrung reicher, was Darmspülungen betrifft.