Bilder kreieren Sie beide, die Fotografin Martina Meier und der Illustrator Andrea Caprez. So entdeckt man denn in der Stadtwohnung des Paares überall Bildhaftes, kleine Geschichten und poetische Inszenierungen. Tierchen schauen zwischen Blumentöpfen hervor, Pflanzen sind dramatisch inszeniert, Möbel gekonnt gestellt und Accessoires wie Stilleben arrangiert. Aber alles wirkt persönlich, zufällig und unkompliziert. Die Wohnung hat ein selbstverständliches, wohnliches Ambiente bekommen und bietet viel bequemen Platz für urbanes Leben. Das Paar hat sie sich aber nicht nur sehr persönlich eingerichtet, sondern die Wohnung auch nach den eigenen Bedürfnissen umbauen lassen. Entstanden ist Unerwartetes, Neues und Modernes, das sich interessant mit der Grundstruktur der klassischen 30er-Jahre-Wohnung verbindet.
Die grosse Wohnung mit Aussicht auf die Stadt ist in einem Mehrfamilienhaus aus den 30er-Jahren, welches die beiden zusammen mit Freunden kaufen und nach eigenen Vorstellungen umbauen konnten. Die klassische Aufteilung der Wohnung wurde durchbrochen, wodurch eine spannende Verbindung von Neuem und Bekanntem entstanden ist. So wurde zum Beispiel die Küche ganz einfach ins Wohnzimmer integriert, an ihrer Stelle entstand ein grosses Badezimmer mit Umkleideraum. Wände wurden durchbrochen und grössere, interessantere Räume sind entstanden. Aus der klassischen Stadtwohnung ist ein moderner, urbaner, unkomplizierter neuer Wohnraum entstanden, der grosszügigeren Platz für heutige Bedürfnisse bietet. Mit wenig Aufwand wurde auch ein neuer Look kreiert, der gekonnt auf die Ursprünglichkeit der Wohnung eingeht, aber aktuell und frisch wirkt. So bekamen die Holzböden einen dunklen, glänzenden Anstrich, Türen wurden entfernt und Wände, wo immer möglich, herausgebrochen.
Die Fotografin Martina Meier beschäftigt sich auch beruflich viel mit Wohnen und Essen. Sie fotografiert ganze Kochbücher, schicke Rezeptseiten von Hochglanzmagazinen und Intereriors für Zeitschriften und Kataloge. So fliesst denn ihre Arbeit auch zu Hause ein, und umgekehrt bringt sie persönliche Gegenstände als Props mit aufs Set. Erst kürzlich war sie von den Inszenierungen einer Stylistin vor farbigen Wänden so begeistert, dass sie zu Hause gleich einige Wände farbig gestrichen hat. Dafür entdeckt man dann auf ihren Fotos schon mal den hübschen, weissen Hasen, private Souvenirs, persönliche Sammelstücke oder sie inszeniert gleich ein Bild in den eigenen vier Wänden. Im grossen Hauptraum der Wohnung befindet sich eine gemütliche Wohnecke mit Retrocharme, welche durch die schilfgrüne Wand Tiefe bekommt. Abgegrenzt zur Küche und dem Esszimmer wurde mit einem langen, quergestellten Sideboard.
«Die Wohnung wirkt mit dem dunkel lackierten Holzboden viel glamouröser als mit dem ursprünglichen, warmen, ein wenig bieder wirkenden Holzboden», erklärt das Paar ihre Wahl. So bekommt denn auch alles auf dem Boden einen dramatischeren Effekt, sei es das liebvoll inszenierte Stillleben mit dem weissen Hasen und den Blumen, die wunderschöne, wuchernde Sukkulente oder die unkomplizierte Lösung, mit Büchern dem Fernseher Höhe zu geben.
Gegessen und zusammengesessen wird mit grosszügiger Rundum-Aussicht auf das sich stets verändernde Zürich.
Beim genaueren Hinschauen entdeckt man überall zwischen Alltagsgegenständen kleine Figuren, Persönliches und Unerwartetes.
Dort, wo man eigentlich die Küche erwartet, ist ein grosses Badezimmer eingebaut. Dafür steht die Küchenkombination ganz selbstverständlich entlang der Wand im grossen Wohn-Essraum. Sie ist weiss, elegant, schlicht und lässt fast an eine Wohnwand oder ein grosses Möbelstück denken.
Gegenüber der Küchenkombination steht der grosse, leichte Essstisch, wie ein Hauptdarsteller auf einer Bühne. Die dreiseitige Fensterfront ist mit weissen, leicht wirkenden Vorhängen versehen. Durch den Schwarz-Weiss-Kontrast mit dem Boden kommt automatisch ein starker, dramatischer und eleganter Effekt auf.
Ein kleiner Beistelltisch dient als als Anrichte und Abstellfläche. Der Raum darunter wird mit hübschen Körben, die auch Stauraum bieten, optimal genutzt.
Das Zimmer neben dem grossen, offenen Hauptwohnraum wird als privates Rückzugsgebiet gebraucht, etwa zum Lesen, Ausruhen und Arbeiten. Eine grosse, schlichte, weisse Bücherwand ist auch in diesem Nebenraum installiert.
Ganz klar, dass man auf dem Regal nicht nur Bücher findet, sondern auch Privates, Lustiges, Freches, Interessantes und Zufälliges.
Das Inselfeeling des Rückzugsraumes wird mit einem Blick auf die Welt und auf zwei kleine Bananenstauden, die einmal gross herauskommen möchten, unterstützt!
Der Nebenraum bietet Platz zum Ausruhen, Arbeiten oder um den Balkon zu geniessen. Die skulpturell wirkende Hängeleuchte ist ein attraktiver Blickfänger.
Anstelle eines Sofas haben sich Martina und Andrea für ein gemütliches Tagesbett entschieden. «Hier lässt sich einfach viel gemütlicher die Zeitung lesen», meinen die Zwei.
Auf dem Bücheregal sind auch Andrea Caprez’ Skizzenbücher zu finden. Der Illustrator und Comiczeichner führt gezeichnete Tagebücher.
Ein Traum von Martina wurde mit dieser Badezimmerlösung wahr. «Ich wollte ganz einfach ein grosse Bad, deswegen haben wir die ursprüngliche Küche und das Bad zusammengelegt, einen grossen Wandschrank installiert und haben nun einen Bade-Ankleideraum.» Natürlich darf auch hier ein wenig Glamour und Poesie nicht fehlen. So baumelt ein Vorhang aus Muschelplättchen am Badezimmerfenster, die Tücher zeigen ein exotisches Blumenmuster und der Boden ist aus schwarzen Steinplatten. Das Aussergewöhnlichste aber ist der kleine Küchenbalkon, der nun Teil des grossen Bades ist. Er ist mit hohen Bambuspflanzen versehen, so dass keine Sicht frei wird und ein sommerliches Gefühl entsteht.
Schmuck und Haaraccessoires in hübschen Schälchen sorgen auch im Bad für schöne, persönliche Alltags-Stillleben.
Das grau gestrichene Schlafzimmer mit Wäsche, Vorhängen und Möbel in Weiss wirkt elegant und privat und passt perfekt in die 30er-Jahre-Wohnung.
Stillleben im Schlafzimmer: ein Eamesstuhl als Kleiderablage und ein alter Reisekoffer als Nachttischchen.
Hanspeter Reichelt weiss, was schön ist. Als Mitinhaber des angesagten Coiffeursalons Blow in Zürich hat er es täglich mit Schönheit zu tun. Diese Begabung hat er auch auf eine glamouröse und doch familientaugliche Art zu Hause umgesetzt. Die Siedlung, in der die Familie Reichelt wohnt, sieht von aussen ganz unscheinbar aus. Der gemütlich-biedere Stil der 40er-Jahre mit seinen beigen Fassaden lässt ein anderes Innenleben erwarten. Tritt man in die Wohnung ein, kommt man aber in eine moderne Welt. Die Familie hat es geschafft, die ganz normale Wohnung aus den 40ern stilvoll umzubauen, so dass der Charakter erkennbar bleibt, aber grosszügiges, zeitgemässes Wohnen erlaubt. Ganz klar, dass der Glamour der Forties und Fifties nicht fehlt!
Die Familie hatte Glück. Sie entdeckten die leerstehenden Häuser per Zufall. Zusammen mit anderen Familien konnten Sie die Häuser kaufen. Entstanden sind individuelle und familienfreundliche Wohnsituationen. Die Wohnung der Reichelts hat den Charakter der 40er-Jahre behalten, durch die neuen Raumverhältnisse erhielt es aber Modernität. Es sind wenige, aber gekonnte Details, die der Wohnung Glamour und viel Stil geben. Zum Beispiel die Transparenz zwischen den Räumen und den zwei Etagen, die schwarzen Fensterrahmen und die schwarzen Böden. Sie geben der Wohnung eine interessante Silhouette, Licht, Tiefenwirkung und viel Grosszügigkeit. Vieles ist wegen des begrenztens Budgets und der Liebe zur originalen Bausubstanz im Urzustand geblieben, etwa die Parkettböden, die Holztreppe oder das Badezimmer.
Auch das Cheminée ist an seinem Platz geblieben. Nur bekam es ein völlig neues Outfit. Zeigte es sich vorher klein, rustikal und hervorstehend, ist es nun ein hormonischer Bestandteil der Innenarchitektur geworden. Es ist ein zentrales Element des grossen, offenen Wohnraumes. Der Raum bekam viel Höhe dank dem Durchbruch zum oberen Stock. Das sorgt auch für mehr Licht und grosszügigere, modernere Raumverhältnisse. Unterstützt wird diese Wirkung durch die in die Höhe wachsende, üppige Pflanze. Mit den zwei identischen Sofas und einem grossen roten Teppich ist ein gemütliche, wohnliches Zentrum entstanden. Das Wohnzimmer ist offen zur Küche, zu anderen Räumen, zur oberen Etage und hat einen Ausgang zum Garten.
Das einst kleine Cheminée wirkt nun elegant und ist harmonisch in die Architektur intergriert. Rundum ist praktische Abstellfläche entstanden. Die Wand zum nebenan liegenden Zimmer ist offen und sorgt so für ein grosszügiges Raumgefühl. Überall sind mit Leuchten und Spots Lichtakzente gesetzt, die sehr viel Stimmung und Wohnlichkeit ausstrahlen.
Die sonst eher niedrigen Räume der Architektur der 40er- und 50er-Jahre bekamen mit dem Durchbruch von Wänden und Decken neue Dimensionen und Wirkungen. Hier wird der Blick vom Arbeits- und Fernsehzimmer zum grossen Wohnraum geöffnet. Mit der Öffnung wurde eine Abstellfläche geschaffen, die hier Platz für eine superschicke Tischleuchte, ein Fundstück von Vibes, und Zeitschriften bietet.
Das grosse, superstylishe Pult im Midcentury-Stil hat Hanspeter Reichelt im Brockenhaus gefunden. Es passt perfekt in den Raum, zum Parkettboden und den schwarzen Fensterrahmen. Ein schicker, eleganter Retrolook ist dadurch entstanden.
Im gleichen Zimmer befindet sich auch die Fernseh-Ecke. Raffiniert wird hier ein Elementsofa mit einem nach vorne ragenden Couchtisch durchbrochen. Ein schwarzer Fellteppich schafft Kuscheligkeit.
Im Erdgeschoss befinden sich auch die offene Küche und das Esszimmer. Hier steht ein langer Tisch, den Hanspeter entworfen hat. Die Platte aus Travertin liess er sich in einem Steinbruch zuschneiden und das Untergestell vom Schlosser im Quartier anfertigen. Die Stühle, dänisches Design aus den 50er-Jahren, hat Hanspeter Reichelt im Internet zusammengesucht bis er acht Stück davon hatte. Die einen kommen aus London, die anderen aus Deutschland. Dazu der Ästhet: «Die Geflechte waren meist zerstört. Ich habe alle Stühle in der Schreinerei und Restaurationswerkstätte der Strafanstalt Bostadel restaurieren lassen. Auch der Stuhl im Arbeitszimmer bekam ein neues, aufwändiges Geflecht aus Bambusbändern. Das erfordert eine spezielle Flechttechnik, die heute nicht mehr viele können. Die Venini-Leuchten aus Muranoglas sind auch Funde aus dem Internet, die Hängeleuchte und zwei passende Wandleuchten sind aus Amsterdam. Zum Glück hatte ich ein Jahr lang Zeit, um die passenden Möbel zusammenzusuchen. Vom Zeitpunkt des Kaufes, über den Umbau, bis zum Einzug verging ein Jahr, in dem meine Frau Tatiana und ich uns intensiv mit der Einrichtung beschäftigten. Die Vorfreude und das Planen hat uns stark mit dem neuen Zuhause verbunden.»
Ein Mauerelement mit eingebauter Regalfläche hat eine Spiegelwand bekommen, welche dafür sorgt, dass der Raum grösser und heller wirkt und natürlich auch glamourös und elegant. Die Wand ist Mittelstück zwischen Eingang und offener Küche.
Die Küche ist schlicht in Schwarz weiss gehalten, mit kleinen schwarzen Kacheln und viel weissem Mauerwerk. Etageren und Schalen machen die praktische Küche wohnlich und geben ihr viel Stil und Persönlichkeit.
Der Hairstylist und Starcoiffeur Hanspeter Reichelt hat seine Liebe zu Glamour und Eleganz auch zu Hause umgesetzt. Überall sind passende Details und liebevolle Accessoires zu entdecken. Besonders chic sind die Messingabdeckungen der Radiatoren. Sie bringen Glanz und Ruhe in die Räume. Die altrosa Orchideen in der Glasvase bringen ein wenig Hollywoodflair in den Ess- und Kochbereich.
Im Wintergarten, der meist als Fumoir genutzt wird, steht noch das ursprüngliche Cheminée und die Kultsitzgruppe Togo von Ligne Roset. «Im Sommer sind die Türen immer offen und es wirkt ein wenig wie in Bali, im Winter ist oft das Feuer an und wir geniessen einfach die Gemütlichkeit», so Hanspeter und Tatiana.
«Die Original-Holztreppe wollten wir erst schwarz ölen, dann haben wir uns aber umentschieden und sie zum Glück so gelassen, denn sie bringt zusätzliche Wärme ins Haus», erklärt das Paar. An der Wand ist eine Leuchte von Venini aus der gleichen Serie wie die Hängeleuchte über dem Esstisch zu sehen.
Im oberen Stockwerk befinden sich die Kinderzimmer, das Schlafzimmer und das Bad. Für die liebevolle Einrichtung der Kinderzimmer war ursprünglich Tatiana verantwortlich. Die Kinder verändern das Zimmer natürlich dauernd.
Der farbenprächtige Blumenteppich kommt auch aus dem Brockenhaus und bringt viel Fröhlichkeit und Komfort in das Mädchenzimmer.
Was einst in einem Weinkeller stand, ist nun das perfekte Allzweckmöbel im Mädchenzimmer. Ein Schrank mit ausklappbarem Tisch und Bänken.
Im Bubenzimmer gibt es andere Helden, kleine und grosse. Das hellblau lackierte Regal gibt ihnen ein schönes Zuhause.
Eine supereinfache aber wunderschöne Idee: Ein Bambusstab, an zwei Schnüren aufgehängt, bietet Ausstellungsfläche für Kinderkunstwerke und kleine Lieblinge.
So sehen Sitzungstische für Kinder aus: Kleine Möbel vom Brockenhaus und Ritterrüstungen, lässig über die Lehne gehängt!
«Zum Glück hatten wir zu wenig Geld, um auch noch ein neues Bad einzubauen. Denn eigentlich passen die alten Installationen und Armaturen genau zum Stil des Hauses.» Die Reichelts haben jedoch den Boden schwarz lackiert.
Das Schlafzimmer ist eine moderne, schlichte Interpretation eines Rita-Hayworth-Filmsets: ein Zart-Lila Spannteppich, eine schwarz lackierte Wand, weisse, kubische Truhen und Leinenvorhänge. Dieses Schlafzimmer beweist, dass dunkle Farben einem kleinen Raum Tiefe und somit auch Grösse geben.
Das Reihenhaus hat auch noch Kellerräume. Diese werden gut genützt. Ein Bastelraum für Gross und Klein ist entstanden, eine Sauna und ein Musikzimmer. Der weisse Anstrich und die Glasbacksteine geben dem Raum viel Frische und Leichtigkeit.
Die Kreativität und das Improvisationstalent der Familie sind überall zu spüren.
Ein grosser Tisch erlaubt viel Werken, Kleben und Malen.
Eigentlich war das mal als Übungsraum für Hanspeters Band gedacht. «Doch mit den kleinen Kindern bleibt zu wenig Zeit», meint der engagierte Vater. «Im Moment spiele ich mit meiner Tochter, sie am Schlagzeug und ich an der Gitarre. Das macht Spass und sie hat viel Freude und zeigt Talent.»
Die zwei Wohnprofis Gianne Holmgren und Milija Kovacevic arbeiten zwar beide im Interiorbereich, aber auf recht unterschiedliche Weise. Gianne leitet seit gut eineinhalb Jahren die Werbeabteilung des grossen Schweizer Möbelhauses Pfister und Mili hat vor einem halben Jahr mit drei Partnern das Vintage-Möbelgeschäft Walter im Zürcher Trendquartier Kreis 5 gegründet. Sweet Home hat die beiden in ihrer Vierzimmerwohnung in Baden besucht. Das junge Paar hat sein Zuhause mit viel Herz und Persönlichkeit eingerichtet. Es wirkt sehr gemütlich und strahlt Gastfreundschaft aus.
Eigentlich ist ja Jerry, der zweieinhalbjährige Jack Russel Terrier der Hausherr. Er begrüsst nicht nur die Gäste zuerst und sehr enthusiastisch, sondern übernimmt auch die Aufgabe der Hausführung und zeigt uns sofort alle tollen Möbelstücke und Lieblingsecken. Das Herzstück der Wohnung ist der lange, alte Holztisch. Mili erklärt uns, dass er, als er zuerst in die Gartenwohnung des umgebauten Bauernhauses zog, ganz spartanisch wohnte, weil er nur mit Möbeln leben wollte, die wirklich seiner Vorstellung entsprachen. Also wartete er jeweils bis er das richtige Stück fand. Der alte Holztisch zog als erstes ein. «Sobald der Tisch stand, ergab sich alles andere wie von selbst», erklärt der Vintagemöbel-Spezialist. «Wenn man in einer Wohnung zuerst den Tisch sieht und dieser warm und einladend wirkt, fühlt man sich doch sofort zu Hause und willkommen», so Mili und Gianne.
Es ist aber nicht nur der Tisch, der viel Wohnlichkeit ausstrahlt, überall sind einzelne Möbelstücke im Vintage-Industrial-Stil aus Milis neuem Laden Walter zu entdecken. Zusammen mit drei Partnern kam ihm die Idee, doch einfach die Möbel, die sie gerne selbst hätten, zu suchen, herstellen zu lassen und auch anderen zugänglich zu machen. «Die Lust auf Altes, Gelebtes, nachhaltig Produziertes im industriellen Look, ist auch in der Schweiz ein grosses Bedürfnis geworden. Nur fehlte es bisher am Angebot. Die Brockenhäuser und Flohmärkte haben viel zu wenig Teile im Industrial Look. Geschäfte, die sich diesem Stil verschrieben haben, waren einfach keine zu finden. So kamen wir auf die Idee, selbst einen Laden zu eröffnen. Wir haben nach einer passenden Location gesucht und diese an der Geroldstrasse, mitten im angesagten Zürcher Kreis 5 gefunden. Rundum ist mit Freitag und vielen neuen Geschäften und Restaurants unter den Bögen ein lebendiges, interessantes Quartier», erzählt Mili.
Der lange, gemütliche Holztisch ist nicht nur das Zentrum der Wohnung, er verbindet auch harmonisch die verschiedenen Teile der Wohnung. So sieht man vom Tisch aus in den Innenhof, zum Gartenplatz. Im Sommer stehen hier die Türen offen. Der Tisch schafft auch eine Brücke zwischen der Küche und dem Wohnbereich und zwischen Modernität und bäuerlicher Gemütlichkeit. Rundum stehen die zeitlosen Stuhlklassiker von Eames und über ihm verbreitet Giannes Lieblingsstück, die Hängeleuchte Sky Garden von Flos, warmes Licht und einen interessanten Blick auf das interpretierte Stuckaturinnenleben der Lampe. «So bringt die Leuchte auf eine moderne und witzige Art das Gefühl, ein Stückchen Schloss im Haus zu haben», schwärmt Gianne.
Möbelstücke, die einmal in Fabriken, Schulhäusern oder Werkstätten standen, sind die Antiquitäten der heutigen Zeit. Sie vermitteln perfekt den Zeitgeist und das zeitgenössische Wohngefühl. Angefangen hat alles in den 80er-Jahren, als in New York in leerstehenden Lagerhallen und Fabrikationswerkstätten Loftwohnungen entstanden. Dieser Trend fand dann auch langsam seinen Weg nach Europa. Immer mehr Fabriken wurden geschlossen und zu Wohnhäusern umgebaut. Die meisten Industriebauten stehen bei uns aber auf den Land. Dadurch zog urbanes Wohngefühl mitten ins Grüne. In der Stadt selbst versuchte man den Loftgeist dann auch in kleineren, «normaleren» Wohnungen nachzuahmen. So vermittelten beispielsweise alte Schulhausstühle, ein Werkstatt-Trolley oder Industrieregale genau das richtige Ambiente, um Modernität, Urbanität und Wohnlichkeit zusammenzufügen. So ist dann der Industrial Chic entstanden. Dieser Stil funktioniert heute in den verschiedensten Interpretationen und Kombinationen praktisch überall. Wie bei allen Stilen ist er am charmantesten und persönlichsten wenn er nicht im Totallook eingesetzt wird. Der Trick ist, einzelne Stücke, gekonnt zu kombinieren. Diese Kunst verstehen die beiden Wohnprofis Gianne und Mili ganz selbstverständlich. «Wir wollen nicht wie in einem Showroom wohnen, sondern es wohnlich und persönlich haben. Das ist übrigens auch das grosse Bedürfnis der meisten, die ihre Wohnung einrichten», so Gianne. Diese Prinzip lässt sie auch stark in ihre Arbeit einfliessen.
Jerry mag sein Schlafplätzchen neben der lustigen ABC-Kommode, die natürlich aus Milis Laden stammt. Jeder Buchstabe ist auch eine Schublade. Ordnungsliebende können damit ihre Siebensachen alphabetisch einordnen.
Dieses Schubladenmöbel stand mal in einer Werkstatt. Die einzelnen Schubladen sind noch mit dem ursprünglichen Inhalt angeschrieben. Mili hat das Möbelchen ganz einfach ins Bücherregal intergriert. Nun steht der Plattenspieler darauf und drinnen sind die tausend Dinge, die sonst nie wirklich einen guten Platz finden.
Trotz aller Liebe zum grossen Tisch, hat auch eine Kuschelecke einen prominenten Platz gefunden. Die Kissen sind alle mit verschiedenfarbenen Leinenstoffen bezogen und über dem Ecksofa hängen Bilder, die Mili gefunden hat. Sie sind von einem italienischen Künstler, der die Seiten eines Lexikons mit Portraits bemalt hat.
Immer wieder mischt sich ein Stück im Industrie-Stil unter die Einrichtung. In der Sitzecke ist es ein alter Swissair-Trolley.
Im grossen Wohn-Essraum ist an einem Ende eine moderne, apfelgrüne, offene Küche um die Ecke eingebaut. Hier wird die Sicht auf den Eingangsbereich frei, wo auf einer roten Wandtafel zurzeit ein Patent Ochsner-Lied steht.
Die apfelgrüne Farbe der Küche wirkt freundlich und gibt der modernen Küche Wärme. Gianne bereitet gerade eine superfeine Tomatensauce zu. Während wir die Wohnung für Sweet Home ablichten durchzieht ein feiner Duft von Zwiebeln, Knoblauch und Basilikum die gemütliche Wohnung. Hier sieht man sehr gut, dass auch in einer modernen Küche Platz für Wohnlichkeit ist. Kochbücher, Fundstücke, interessantes Geschirr, lustige Küchentücher und natürlich Jerrys passende Futternäpfe, geben viel Persönlichkeit.
Der lange Tisch zieht sich der ganzen Fensterfront entlang. Das warme Holz wirkt lebendig, zeigt Geschichte und vermittelt Wohnlichkeit pur.
Diese Einstellung wirkt wie ein Stilleben und zeigt genaue die Zutaten, aus der die Einrichtung des Paares besteht: Antikes, Design, Klassiker, Industrielles und ein wenig Romantik.
Die Kerzen stehen auf antiken Ständern oder auf Haltern in alten Olivenölflaschen. In einem Einmachglas sind Zündholzschachteln, die sie von Reisen und aus Brockenhäusern mitbringen und sammeln.
Ein Blick in das Bücherregal, wo auch anderes einen Platz findet, wie hier Blechdosen, ein Schachspiel und der klassische Bleistiftspitzer.
oder Bilder und Sammelstücke. Das Regal ist ein Bekannter aus Giannes nordischer Heimat: Billy
Im Arbeitszimmer hat Gianne kleine Stilleben gestaltet mit Familienfotos, Erbstücken und Kindheitserinnerungen.
Auch im Bücherregal sind Familienfotos zu finden. Hier eines von Milis Vater und Grossvater beim Escher-Brunnen am Bahnhof Zürich in den 60er Jahren.
Ein neues, altes Stück: Gamekonsole aus den 80er-Jahren mit Spielen wie Pacman und Co.
Das bäuerliche Hause ist sehr gelungen renoviert worden. Es wurde Modernität geschaffen, gleichzeitig blieb der ländliche Charme erhalten. Das wird auch stark im Aussenbereich erkennbar. Im Innenhof ist ein Holzboden ausgelegt worden. Dadurch ist eine Mischung aus Terrasse, Veranda, Hof und Garten entstanden.
Ganz klar stehen auch draussen Milis industrielle Fundstücke herum. Wie dieser coole und praktische Postwagen aus der jüngeren Vergangenheit.
Coole Hunde wissen es schon lange: Teppiche machen eine Wohnung ganz einfach komfortabler. Dieser Patchworkteppich ist auch eine Kreation von Walter. Entstanden ist er aus alten türkischen Teppichen, die zum Teil eingefärbt, in Stücke geschnitten und neu zusammengesetzt wurden.
Make-up-Artisten machen nicht nur Models und Stars schön, sie kreieren Looks, die Mode machen, setzen sich mit Trends und Farben auseinander und sind immer ganz vorne mit dabei, wenn Neues entsteht. Helve Leal ist eine der begehrtesten Schweizer Make-up-Artistinnen. Sie arbeitet mit Starfotografen für Zeitschriften wie «Annabelle», «Grazia» und «Novembre» und hat bereits Bundesräte, die deutsche Nationalfussballmannschaft oder Stars wie Lara Stone oder Cecilia Bartoli für Fotoshootings geschminkt und frisiert. Da sie wegen ihrer Arbeit viel reisen muss, schätzt sie die Zeit zu Hause besonders. Ihre Wohnung im Zürcher Enge-Quartier teilt sie mit ihrer Mutter Rosi Leal.
Die Familie hat eine Geschichte zwischen zwei Kontinenten. Die Grosseltern sind Anfang des 20. Jahrhunderts aus der Schweiz nach Argentinien ausgewandert und die Eltern kamen mit den beiden kleinen Töchtern in den 80er-Jahren wieder zurück. Dadurch sind die Leals mit beiden Ländern verbunden. In der Wohnung sind diese zwei Welten auch stark zu spüren. Als die Eltern sich entschlossen, später wieder nach Argentinien zurückzugehen, sind die Töchter in der Schweiz geblieben. Helve übernahm die Wohnung und teilte sie mit einer Freundin. Nach dem Tod des Vaters, der Möbel baute, ist die Mutter mit vielen Designermöbeln, Erinnerungsstücken und der Hündin Lilou zurückgekehrt.
Durch ihre Arbeit als Make-up-Artistin hat Helve trendmässig die Nase ganz vorne. Sie wirkt stark mit, wenn der Look eines Mode- oder Werbebildes entsteht. Ihr Interesse am Entstehen von Bildern lebt sie in ihrer Leidenschaft zur Fotografie aus. Kreativität ist Familiensache, so hatte der Vater ein Möbelatelier und die Schwester arbeitet als Interiordesignerin. Die schöne Wohnung aber hat Mutter Rosi über ihre Arbeit bei einer Schweizer Versicherung gefunden. Die Wohnung ist grossräumig, sonnig und strahlt gleichzeitig Ruhe und Fröhlichkeit aus. «Sie ist eher gewachsen, als bewusst eingerichtet», meinen die beiden Frauen, «und das ist es, was sie so wohnlich macht.»
«Eigentlich haben wir viel zu viele Möbel, aber sie sind schön und meine Mutter hat die meisten von Argentinien zurückgezügelt», meint Helve. Durch die neutralen Töne der Möbel und die hellen, weissen Räumen entsteht trotzdem Leichtigkeit und Frische. Im Wohnzimmer stehen Sofas und Sessel als Sitzgruppe zusammen. Ein grosser, weisser Teppich macht den Raum noch heller.
Zwei Skulpturen, modelliert von den beiden Töchtern, stehen auf dem grossen Couchtisch aus Glas. Im Hintergrund ist ein weisser Corbusier-Sessel zu sehen.
Schönes Wetter, offene Fenster und leichte, weisse Vorhänge vermitteln südliches Lebensgefühl mitten in Zürich. Die Wohnung wirkt weiblich, hell und freundlich. Wohnaccessoires stehen scheinbar zufällig herum. Das gibt der Wohnung etwas Liebevolles. Hier steht eine dekorative Suppenschüssel und eine mit Muscheln gefüllte Schale neben weissen Kissen auf dem breiten Fenstersims.
Eine Ecke des Wohnzimmer nutzt Helve als Arbeitsplatz. Der Tisch aus den Fünfzigerjahren ist ein Geschenk ihrer Schwester Aleli. Helve hat einen rosaroten Arne-Jacobsen-Stuhl dazugestellt.
Der Wohnraum ist durch Glastüren mit dem Esszimmer verbunden, wo ein grosser Tisch mit Korbstühlen steht. Daneben sind eine Liege und runde, säulenartige Schränke aus Karton. Die meisten Möbel sind einige Male auf dem Ozean zwischen Südamerika und Europa hin- und hergereist.
In der ganzen Wohnung sind die Vorhänge weiss und ungefüttert. Sie tragen viel zur Leichtigkeit bei. Hier sind spielerisch Keramik-Accessoires und eine kleine Discokugel am Fenster zu finden.
Ein Blick vom Entrée in das Esszimmer zeigt, dass Bilder und Leuchten gekonnt eingesetzt sind und durch ihre perfekte Platzierung für Harmonie und Ordnung sorgen.
Im Entrée kreieren die zwei Corbusier-Stühle mit den zwei Siebzigerjahre-Wandleuchten eine schöne Symmetrie. Gegenüber stehen ein grosses Sideboard und ein Wandregal. Beide bieten viel Stauraum und Ablagefläche. «Die vielen Teppiche sind für die Hündin Lilou. Sie ist alt und kann nicht mehr gut gehen», erklärt Helve.
Auf dem Sideboard sammelt Helve ihre Lieblingszeitschrift «Novembre». In vielen sind auch ihre Make-up- und Frisurenkreationen zu sehen.
In der Küche steht ein gemütlicher Holztisch mit klassischen Stühlen von Arne Jacobsen. Die Fruchtschalen sind üppig gefüllt und wirken einladend. Die Hündin Lilou, eine argentinische Dogge, geniesst eine Siesta auf den grossen rosa Kissen.
Rosi Leals Zimmer ist voller Erinnerungsstücke, Familienfotos, Kinderzeichnungen, Fundstücke und südlich anmutenden Wohnaccesoires. Das Kinderbett in der Ecke steht bereit für die vielen Besuche von Rosis Enkel.
Auch in Rosis Zimmer bietet viel Weiss eine Bühne für Bilder, Fotos und Wohnaccessoires.
Ein Blick ins Regal, das auch als Raumtrenner dient: Hier teilen sich Bücher und Erinnerungstücke den Platz.
In Helves Zimmer steht ein Butterfly Chair mit Kuhfellbezug als Lesesessel und Kleiderablage. Die beiden Schränke mit den pastellfarbenen, metallisch lackierten Türen hat Helve für wenig Geld im Brockenhaus erstanden.
Ein Sideboard aus den Fünfzigerjahren ist das Herzstück in Helves Zimmer. Es bietet Ablage- und Stauraum und dient als Ausstellungsfläche für ihre Lieblingssachen.
Marianne Kohler ist Stylistin und Journalistin, sie begann ihre Karriere als Textildesignerin, arbeitete in Paris und New York, bevor sie einige Jahre das Moderessort der Zeitschrift Annabelle leitete. Heute arbeitet sie für Zeitschriften wie «Glamour» sowie Interior-Firmen im In- und Ausland. Marianne Kohler lebt mit ihrem englischen Mann David und ihrem Hündchen Miss C. in Zürich.
Kontakt
Sie wollen ein Thema vorschlagen? Sie möchten Unterlagen zusenden? Oder wünschen Sie, unsre Autorin zu kontaktieren? sweethome@newsnetz.ch