Zeit für Geranien

Nachdem wir den Balkon gemütlich eingerichtet haben, ist es nun höchste Zeit, ihn auch schön zu bepflanzen. Dafür eignet sich die Geranie besonders gut – entdecken Sie hier, weshalb.

Bilder: Pelargonium for Europe

Als ich meinen ersten Job als Textildesignerin hatte, arbeitete ich im Emmental in einer Leinenweberei. Einmal im Jahr haben wir schöne Küchentücher entworfen und gewoben – als Preis für den Bewohner des Dorfes, der die schönsten Blumenkistchen mit Geranien vor den Fenstern hatten. Seit dieser Zeit achte ich immer auf diese herrlichen roten Blumen, die es in vielen Varianten und Farben gibt. Viele meiner «coolen» Zürcher Freunde finden die wunderschönen Geranien zu bünzlig für ihren Balkon. Ich persönlich finde es eher ziemlich bieder, sich vor lauter Coolness der Schönheit zu verschliessen. Man muss ja nicht aus dem kleinen Stadtbalkon ein Emmentaler Bauernhausfenster kreieren, sondern kann mit den farbigen Blumen so umgehen, wie es zum eigenen Stil, der Persönlichkeit und eben dem Balkon, Garten oder Fenster passt. Tatsache ist: die Geraniensaison hat begonnen und macht Lust auf Farbe, Duft und Schönheit.

Ich selber habe immer Geranien in meinen Blumenkistchen – nicht nur, aber untergemischt zu anderen Blumen. Ich mag sie in allen Farben und Formen. Ich muss zugeben, dass ich selbst nicht so einen grünen Daumen habe und dass meine Eltern uns jeweils die Blumenkistchen füllen. Es ist so Tradition bei uns. Sie bepflanzen ihre eigenen Balkone und Fenstersimse ausserordentlich stilvoll, mit viel Liebe und immer mit Blumen und Pflanzen der Saison. Sie lieben es, in Gärtnereien nach schönen Pflanzen zu suchen. Geranien vermitteln mir eher das Gefühl vom Süden und weniger von gemütlicher Bauernhausidylle. Das besonders, wenn sie auch mal einzeln in einem Topf stehen. Die Geranien sind zudem dankbar, denn sie brauchen nicht so viel Zuwendung und sehen immer prächtig aus, auch wenn man, wie ich, nicht so viel Zeit hat, sich dem Gärtnern zu widmen. 

Geranien heissen mit botanischem Namen Pelargonien. Dieser leitet sich vom griechischen Wort Pélargos ab, was Storch bedeutet. Die Früchte der Blumen haben nämlich die Form eines Storchenschnabels. Doch konnte sich der botanische Namen nie gegen den Trivialnamen Geranium durchsetzen, welcher vom griechischen Wort Géranus, was wiederum Kranich bedeutet, abgeleitet ist. (Quelle: Wikipedia) Ob nun als Storch oder als Kranich – die dekorativen üppigen Blumen schmücken unsere kleine Welt und erwärmen das Herz. 

Die Pelargonien stammen ursprünglich aus Südafrika. Vom Kap der guten Hoffnung aus begann die Reise der farbigen Blume nach Europa schon im 17. Jahrhundert. Es waren die Holländer, welche die Pflanze mitnahmen und zuerst in ihren botanischen Gärten anpflanzten. Im 18. Jahrhundert verbreitete sich die Pelargonie dann in ganz Europa. In Südafrika findet man über 250 verschiedene Wildarten. Die Pflanze wächst auch in Australien, Neuseeland, im Irak und Iran. In Südafrika aber ist ihre Artenvielfalt am grössten. Dort wächst die Pelargonie auch als Busch, der bis zu zwei Meter hoch werden kann und gar als Sukkulente in wüstenartigen Regionen. 

Wenn die Geranie einen Platz an der Sonne hat, gedeiht sie in voller Pracht. Als Südafrikanerin verträgt sie auch die Hitze gut. Sie kann aber auch an einen halbschattigen Ort gepflanzt werden. Wenn Sie Geranien gekauft haben, pflanzen Sie sie so schnell wie möglich an ihr bestimmtes Plätzchen. Es schadet den Blumen nämlich, wenn sie zu lange auf Tageslicht verzichten müssen. Auch Kälte mögen sie nicht. Deswegen beginnt ihre Saison erst dann, wenn keine frostigen Nächte mehr zu erwarten sind und sich die Tagestemperaturen im zweistelligen Bereich eingependelt haben. Damit sie üppig wachsen können, benötigen sie Platz und viel Erde. Wählen Sie Gefässe, die tief sind und sorgen Sie für einen Abstand von mindestens 20 Zentimetern zur Nachbarpflanze. Geranien können auch in Beete gepflanzt werden und dort zu Büschen heranwachsen. In den Stielen und den dickwandigen Blättern kann die Geranie viel Wasser speichern; sie ist daher sehr robust. Wenn Sie aber eine üppige Pflanze mit voller Blütenpracht möchten, dann giessen Sie sie täglich, an heissen Tagen gar zweimal und geben ihr einmal in der Woche Dünger. Verwelkte Blüten und vergilbte Blätter abnehmen, dann wächst die Pflanze schöner. 

Viele Geranien sind mehrjährig und können drinnen überwintern. Dafür schneiden Sie vor dem ersten Frost die Pflanzen auf etwa 15 Zentimeter zurück und stellen sie an einen hellen, kühlen Ort. Während der Winterzeit braucht die Geranie nur wenig Wasser. Wenn sie dann im Frühling wieder Wärme und Wasser bekommt, treibt sie aus und gedeiht von neuem. Sie braucht dann vielleicht ein grösseres Gefäss und auf jeden Fall frische Erde.

Die Artenvielfalt der Geranie ist gross. Sie zeigt sich in allen Farben von Weiss über Rosa und Lila bis zu dunklen, fast schokoladefarbigen Tönen und zartem Pfirsich, Orange oder Gelb. Sehr edel und auch gross im Trend sind die zweifarbigen Exemplare. Diese heissen Schmetterlingsgeranie oder Pelargonium crispum. Auch die Blüten- und Blättergrössen variieren von gross und üppig bis zu fast filigran. Bei einigen Sorten erkennt man die Verwandtschaft zur klassisch roten Geranie kaum. Auch Duftgeranien rühmen sich grosser Beliebtheit. Sie können Insekten und Mücken fernhalten und zum Teil sogar gegessen werden. Bereichern Sie etwa einen Erdbeerkuchen mit Geranienblüten, mischen Sie Geranienblüten in den Champagner oder machen Sie einen Sirup aus Geranien. 

Tipps wie Geranien ganz unterschiedlich zur Geltung kommen können: 

  • Wählen sie zartrosa, pfirsichfarbene oder weisse Geranien und gestalten Sie damit einen Balkon auf die elegante Pariser Art
  • Setzen Sie grosse Geranien in amphorenartige Töpfe und vermitteln Sie damit Ihrem Garten oder Balkon ein bisschen sizilianische Grandezza
  • Pflanzen Sie Geranien in einzelne Töpfe, stellen Sie sie auf Holzkistchen, mischen Sie hübsches, antikes Gartenwerkzeug dazu und kreieren Sie damit englischen Landhausstil 
  • Lassen Sie Rosen um Ihre Geranien ranken und schaffen Sie damit einen romantischen Look
  • Mischen Sie in Ihren Blumenkistchen allerlei Farben und Blumensorten wie Tagetes, Geranien und Lavendel. So haben Sie ein buntes Blumenbeet auf dem Balkon
  • Suchen Sie auch nach unterschiedlichen Gefässen für Ihre Blumenpracht. Ein alter Koffer, Holzkisten, Körbe – sie alle bieten persönliche Alternativen zu den üblichen Kistchen

2 Kommentare zu «Zeit für Geranien»

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