Milano 2017: Es bewegt sich was in der Möbelszene

Die diesjährige Möbelmesse in Mailand zeigte tolle neue Designs, elegante Einrichtungsideen und blickte zurück in die Seventies und Eighties. Zudem flirteten viele Aussteller mit der virtuellen Realität.

Bilder und Videos: Marianne Kohler Nizamuddin

Die Mailänder Möbelmesse ist immer auch Frühlingsbeginn. Man erfreut sich am schönen Wetter, den blühenden Bäumen, dem regen Strassenleben und natürlich an den vielen tollen neuen Sachen. Die Frühlingswärme wurde noch unterstützt von den warmen Trendfarben Rost und Rosé – diese waren ganz einfach überall zu sehen. Ein schönes Beispiel hier von Arper.

Bei Arper ist der Hase, der Freude macht auf die kommenden Osterfeiertage, nicht bloss Dekoration, sondern lockt – fast wie bei Alice im Wunderland – in die Wohnwelt. Diese ist geschickt, interessant und virtuell umgesetzt. Es geht der italienischen Firma grundsätzlich darum, dass zusammen alles besser wird, auch das Leben zu Hause. So steht das Homeoffice unter dem Motto «Think Together».  

Im Essbereich heisst es: «Gather Together». Das englische «to gather» bedeutet sammeln und versammeln. Und was gibt es da Schöneres, als dies mit Essen und Geniessen an einem grossen langen Tisch zu tun. 

 

Ernsthaft, gekonnt und spannend setzte sich die italienische Ausgabe der Zeitschrift «Elle Décor» mit dem Einkaufserlebnis der Zukunft auseinander. In der pompös eleganten Mailänder Handelskammer inszenierten sie eine Ausstellung, die sich «Elle Décor Concept Store» nennt. Hier wird auf schönste Art gezeigt, wie Verkaufen und Einkaufen dank der virtuellen Technik aussehen könnte. Man geniesst, wählt aus und kann auf verschiedenen Ebenen Informationen und Inspirationen holen. Zum Beispiel, wie Essen und Wohnen in einem Restaurant oder einem grossen Haus aussehen könnte. 

 

Möchte man hier Stoffe oder Tapeten wählen, kann man dies mit echten Stoffmustern tun. Zieht man aber am Schalter des Lieblingsstoffes, zeigt sich dieser gleich an der ganzen Wand, und so kann man sich vorstellen, wie das Muster im Raum wirkt. 

Immer stärker möchten die Kunden selbst Designer spielen. So ist die Idee von «Elle Décor» einfach, chic und gemütlich: Man setzt sich an den Lieblingstisch und wählt dabei gleich das passende Holz für die Platte. 

Cassina feiert dieses Jahr sein 90-jähriges Jubiläum. Dafür hat die Firma eine Ausstellung in der Fondazione Giangiacomo Feltrinelli konzipiert. Auch hier ist virtuelles Design ein wichtiges Element. Wenn man sich auf das Bett legt, werden Bilder und Träume direkt auf die Wand projiziert. 

Auch der Leseraum der architektonisch starken Fondazione wurde von Cassina eingerichtet. Das Haus ist ein Werk des Architektenteams Herzog & de Meuron

Mein persönlicher Liebling ist immer das Dimore Studio, welches seinen Showroom in Brera hat. Jedes Jahr beginne ich meinen Besuch dort und freue mich auf eine neue dramatische Inszenierung. Der Italiener Emiliano Salci und der Brite Britt Moran sind Dekorationskünstler und zeigen immer, dass Design auch Mode ist. Der Eingang der grossen eleganten Stadtwohnung ist mit buntgemusterten Keramikkacheln ausgekleidet. Auf einem Bildschirm bewunderte man Romy Schneider und 80er-Jahre-Musik entführte sofort in die zauberhaft sinnliche Wohnwelt. 

Jeder Raum ist einem anderen Hauptdarsteller gewidmet. Hier spielt der Vorhang mit dem Wind und die Zuschauer werden eingehüllt. 

Die englische Zeitschrift «Wallpaper» spielt immer noch eine wichtige Rolle in Sachen Design und Trends. Für die Mailänder Möbelmesse kreiert sie immer eine Ausstellung, die dem Handwerk gewidmet ist. Dafür wählt sie jeweils Designer aus, die zu einem bestimmten Thema ein Werk kreieren. Diese Jahr war die Ausstellung in einer Kirche und unter dem Motto Tempel. Die Mitarbeiter von «Wallpaper» waren in Kutten gehüllt, und dieses Werk heisst «Stairway to Heaven».

Natürlich liebt man bei «Wallpaper» auch das Weltliche. Im Garten wurden gerade die Reste der Party vom Vorabend aufgeputzt, und ein rosa Palmenparadies lädt zum Entspannen ein. 

Mode und Wohnen bringt Missoni mit der Home-Kollektion gut zusammen. Im Stand stehen die Neuheiten wie Models auf dem Laufsteg. Die, die sich bewegen, sind die Zuschauer. 

 

4 Kommentare zu «Milano 2017: Es bewegt sich was in der Möbelszene»

  • Michael sagt:

    Die Möbelbranche hat es doch noch schwerer als die Modebranche. Während bei letzterer der Rocksaum mal oben oder mal unten sein kann, der Schlips mal breit oder mal schmal, weisse Tennissocken in oder out sein können – was kann sich so grundlegend bei Möbeln ändern ? Zudem, wer hat schon das Geld über, sich jedes Jahr neu einzurichten ?

  • Gio Ponti sagt:

    Moran heisst zwar Britt mit Vornamen, ist aber Amerikaner und nicht Brite. ;-)

  • jenny callaghan sagt:

    O M G I wish I could be there in person….

  • mark ginsig sagt:

    was soll sich denn hier bewegen? schon im ersten satz zur bildbeschreibung wird erklärt, dass sich die 70er u 80er wiederholen. also gar nichts neues im westen. alles schon da gewesen
    unter Innovation verstehe ich, dass wirkliche neueigkeiten zu sehen wären.
    wenn der bericht eine querbeetdarstellung ist, dann ist die heurige messe mehr als langweilig. oder sie gibt genau die heutige leb-u belanglosigkeit unserer wegverfgesellschaft wider.
    schade, denn es hat immer wieder ideenreiche köpfe gegeben,die wirkliche neuerungen auf den markt brachten. aber heute???? wenig bis gar nichts

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