Sweet News aus Paris

Der Frühling beginnt in Paris im Januar. An der wichtigsten Einrichtungsmesse, der Maison et Objet, werden die neuen Frühlings- und Sommertrends vorgestellt.
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Der Januar ist ein «Lust auf Neues»-Monat. Die Kreativen aus aller Welt besuchen Modeschauen und Messen – zur Information oder als Einkaufstour. Im Deko- und Einrichtungsbereich ist die Pariser Messe Maison et Objet eine der wichtigsten. Sie ist im Vergleich zu ähnlichen Messen internationaler, kleiner, feiner und schicker – und sie ist eben in Paris, der Stadt, die alle lieben. (Bild: Eva Sonaike)

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Wohnen bleibt weiblich

Obwohl die Pariser Messe kleiner und feiner ist, sind es doch grosse Hallen voller Messestände. Für mich beginnt die Messe jeweils erst dann wirklich Spass zu machen, wenn ich mein erstes Highlight entdecke. Dieses Jahr ist das Eva Sonaike, ein kleines Londoner Textil- und Accessoireslabel. Eva kommt ursprünglich aus Nigeria, ist in Freiburg, Deutschland, aufgewachsen und hat in London Mode studiert. Sie arbeitete auf Redaktionen von «Elle» oder «InStyle» und war auch mal als Londoner Korrespondentin für die Jugendsendung «Oups» fürs Schweizer Fernsehen tätig. Dann gründete sie eine eigene Firma, in der sie Kollektionen mit afrikanisch-europäischen Stoffen und Mustern entwirft. Ihre Produkte werden in England gedruckt und hergestellt. Ihre Kollektion sticht heraus, ist anders, sehr weiblich und eine Abwechslung zu dem momentan dominierenden, eher trockenen skandinavischen Chic. Hoffen wir, dass Schweizer Einkäufer auf sie aufmerksam werden und wir bald Evas Kissen, Leuchten oder Teppiche hier kaufen können. 

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Frühlingsfrische

Eine Firma, die für Frühlingsfrische sorgt, ist Mambo unlimited ideas aus Portugal, einem wichtigen Land in Sachen Handwerk, Design und Architektur. Auch hier bestimmen Farben, Leichtigkeit und viel Frische die Kollektion. Highlights sind laternenartige Leuchten, Samt als Bezugsstoff für elegante und feminine Sitzmöbel und fantastische Keramikkacheln.

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Die dänischen Fünf

Nach dem Ausflug in Länder, die Wohnen neu und frisch interpretieren, kommt man trotzdem nicht um die Riesen der Branche herum: die Dänen. Skandinavien hat sich in den letzten Jahren eine grosse und wichtige Position im Wohnbereich geschaffen. Firmen wie Bloomingville (oben links), Nordal (oben Mitte), Ferm Living (oben rechts, die Firma feiert an der Messe gerade ihr zehnjähriges Jubiläum), House Doctor (unten links) oder Tine K. Home (unten rechts) produzieren grosse Kollektionen mit Home-Accessoires und Möbeln, die weltweit erhältlich und auf zahlreichen Interiorfotos zu sehen sind.

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Skandinavier erfinden die Eleganz neu

Nicht mit kleinen Dingen, sondern mit Design, Handwerk und bleibenden Werten setzen sich andere skandinavische Firmen auseinander, allen voran Gubi (links). Gubi bringt einerseits Designikonen aus den 30er- bis 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts neu heraus, andererseits aber auch neues Design, wie hier der «Beetle Chair» von Gamfratesi, der sich neu in sanftem Samt zeigt. Gubi setzt nicht nur auf skandinavisches Design, sondern leistet bei der Umsetzung intensive Recherchearbeit und entwickelt dabei mit Manufakturen neue Herstellungstechniken oder gräbt alte aus. Auch erwähnenswert, da herausragend, ist Menu (rechts). Die Firma interpretiert das skandinavische Design gerade sehr sinnlich, dunkel und neu.

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Schweizer Kunsthandwerk 

Auch die Schweiz ist an der Pariser Messe vertreten: Annett Berger, die die traditionelle Schweizer Keramikmanufaktur Linck gerade sehr erfolgreich in die Gegenwart katapultiert, stellt an einem stilvollen Stand die tollen Vasen von Margrit Linck zur Schau. Sie sind übrigens besondere Lieblinge des wichtigen Style-Magazins «Wallpaper».

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Manufakturen im Trend

Weg von der Massenware, hin zu gutem Handwerk ist mittlerweile weit mehr als ein Trend. Das Konsumverhalten hat sich verändert. Darauf gehen an der Messe Fachleute auch an Symposien und Gesprächsrunden ein. Aufgefallen sind mir einmal mehr Pinch (links), eine englische Möbelmanufaktur, deren Holzmöbel mit höchster Detailliebe und Sorgfalt entwickelt und hergestellt werden. Spannende Objekte zeigt auch das spanische Familienunternehmen Apparatu (rechts): «Pussle» etwa, die modulare Vase, die auch zur Lampe oder zum Windlicht wird, wirkt wie ein Totem.

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Anfassen, bitte!

Etwas, das der gerade ein wenig orientierungslos gewordene «Retail» (Detailhandel) dem Onlineshopping voraushat, ist die Haptik. Schöne Beispiele: das neue Material von Jungdesigner Troels Flensted und die tollen Textilien von Arcade avec

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Es wird wild!

Maison et Objet lädt jeweils Künstler und Designer ein, Trendwelten zu schaffen und das Publikum mit Visionen zu inspirieren. Dieses Jahr wurde nur eine Welt vorgestellt. Im letzten Januar und in den vorherigen Jahren waren es jeweils deren drei oder vier. Ob das nun eine Sparübung war, eine Vereinfachung der Verständlichkeit oder der Versuch, von der «Es ist alles möglich, was gefällt»-Aussage wieder zu einer Art Trenddiktat zurückzufinden, sei dahingestellt. «Wild» heisst der diesjährige Trend und führt zum Ursprung, zur Sippen- und zur Stammeskultur. Beispiele dafür sind das Sideboard von Werner Neumann (oben links), die Vodoomasken von Fantich and Young (oben rechts), die fantastischen Oberflächen, die sich «Galette de chêne sablé ebonisé» nennen, von La vie en bois (unten links) und die Keramikvasen von Olivier van Herpt (unten rechts).

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Wildes Leben

Alltagstauglich wurde der Trend mit einem wilden Café gemacht, bei dem man sich auf Baumstämme setzt und wo eine Waldtapete Naturambiance schafft. Daneben findet sich ein Bücherstand des «Musée des Arts Décoratifs», 107 Rue de Rivoli.

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Wilde Textilien

Meine liebsten Wilden sind die Schotten Timorous Beasties. Sie waren schon immer wild – was eigentlich ja auch die Voraussetzung von Wild ist.

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Kuriositäten und Fernweh-Objekte

Wichtig und allgegenwärtig in der Pariser Einrichtungsszene ist die Liebe zum Kuriosen und die Weltoffenheit. Dinge aus aller Welt und Skurriles aus der Natur gehören zur Messe und sind auch in vielen Geschäften in der Stadt zu entdecken. Auf dem Bild links ein Stillleben vom Stand Versmissen und auf dem Bild rechts eines von Les Asiatides.

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O Porzellan!

Die Porzellanmanufaktur Reichenbach ist ein tolles Beispiel für Keramik-Innovation. Die deutsche Manufaktur stellt viele Dinge her, die wunderhübsch und zugleich bezahlbar sind: Tierchen etwa, die mit alten Gussformen gemacht werden und zum Teil mit echtem Gold oder Silber beschichtet werden. Fantastisch ist diese Schaleninstallation in Blau, Weiss und Gold, alles handbemalte Einzelstücke. Mitnehmen möchte man auch die charmanten Teller mit Pariser Stadtplan von Non sans raison

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Exzentrik vom Schönsten

An der Messe entdeckt man Dinge, die ganz anders sind, einzigartig und besonders. Und wenn es so was wie eine Preisverteilung von Sweet Home gäbe, dann wären meine Lieblinge in der Kategorie Exzentrik die Leuchten von Valentina Giovando und dieser Herrendiener von Gentlemans Valet Company.

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Niedlich ist neu

Auch Niedliches, Nettes und Pittoreskes gehört ins Haus, mit Humor und viel Persönlichkeit. Dazu gehört das französische Label Ibride, das dem Pittoresken zuweilen auch eine sanfte dunkle Seite gibt, allerdings nicht bei der neuen koketten Gänseleuchte (links). Lucky Boy Sunday (rechts) ist spezialisiert auf Kindersachen und bringt mit seiner speziellen Kollektion einen gewissen Rock-’n’-Roll-Twist ins Kinderzimmer.

4 Kommentare zu «Sweet News aus Paris»

  • Kriss sagt:

    Klasse, herzlichen Dank!
    Das ist wirklich mal was ganz Anderes.

  • Ri Kauf sagt:

    Ui-nei! Sorry, Frau Kohler! Ich liebe Ihren Blog sehr. Nehmen Sie es nicht persönlich. Aber ich finde fast alles scheusslich! Vieles erinnert mich an Einrichtungen im 19./20. Jahrhunder; schwülstig und überkandidelt. Dass die Designer neue Ideen brauchen verstehe ich ja durchaus……

  • sabina m. sagt:

    die schönheit dieser designwelt erschliesst sich mir leider nicht… ansonsten liebe ich ihren blog

  • Iris Schwarz sagt:

    Vitrine gesucht!
    Sehr schön das Modell von Pinch!

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