Kultmöbel 8: Der Stuhl mit Sexappeal

Marianne Kohler am Dienstag den 27. März 2012

1967 kam der S-Stuhl des dänischen Designers Verner Panton erstmals auf den Markt. Die Schweizer Firma Vitra hat damals an den Designer geglaubt und den Stuhl produziert. Panton hat schon Anfang der Sixties nach einer Möglichkeit gesucht, einen Stuhl aus einem Guss zu kreieren. Das Ergebnis war das perfekte Möbelstück für die Popkultur, er lässt sich gut mit knalligen Farben und anderen poppigen Möbeln und Textilien kombinieren und war ganz einfach ein verrücktes Stück. In der Zeitschrift «Nova» diente er 1970 als sexy Prop für eine Stripteasegeschichte. 1995 schaffte er es mit der jungen, nackten Kate Moss auf das Cover der britischen «Vogue». Bis heute hat der schwungvolle Stuhl nichts von seiner Modernität verloren, er wird aber nun meist diskret, als Pendant zu strengen Formen eingesetzt – sogar als stilvoller Kirchenstuhl.

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1970 brachte die englische Zeitschrift «Nova» (ein englisches Kultmagazin, das von 1965-1975 erschien) eine Fotogeschichte unter dem Titel: «How to undress in front of my husband» (Wie ziehe ich mich vor meinem Mann aus). Der poppige, knallrote S-Chair von Verner Panton war dafür genau das richtige Requisit. Bild über: Laba12.

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Der Pantonchair schaffte es 1995 mit Kate Moss auf die Titelseite der englischen «Vogue».

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Auf den aktuellen Interiorfotos zeigt sich der schwungvolle Stuhl viel züchtiger und diskreter. Er wird oft zu konträren Elementen kombiniert. Ein roher Holztisch mit weissen Pantonstühlen passt bestens in eine Wohnsituation, die eher sakral als poppig wirkt. Bild über: Vintage Rose Garden.

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Zu einem verschliessbaren Arbeitstisch gestellt wirkt der Stuhl diskret und vor allem formschön. Bild über: Apartment Diet.

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Modern, schlicht und zeitlos: Der S-Stuhl von Panton wird hier in einem hellen, frischen Ambiente eingesetzt. Bild über: Little Blue Deer.

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Stilmix ist momentan das Zauberwort, wenn es ums Einrichten geht. Ein neuer, aktueller Look wird mit ganz unterschiedlichen Stilelementen kreiert. Da passt der Freischwingerstuhl aus den wilden Sixties ganz gut zum eleganten, klassischen, schwarzen Holztisch. Bild über: Love Nordic.

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Das Gute an dem unkomplizierten Plastikstuhl ist, dass er natürlich auch draussen einsetzbar ist. Hier macht er zusammen mit Sofa, Teppich und Topf einen kleinen Balkon zur grosszügig wirkenden Wohnterrasse. Bild über: One Hour.

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Die schöne Idee mit dem Balkon ist auch bei Tanja Siegwart und Marco Gander in dieser Sweet Homestory zu sehen. Die beiden haben eine alten Spycher, der vor ihrem Haus zum Verkauf angeboten wurde, erstanden und zu einem kleinen Ferienparadies umgebaut. Foto: Rita Palanikumar für Sweet Home.

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Und so sah es aus, als der Pantonstuhl auf den Markt kam: ein starkes Stück Popgeschichte.

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Der dänische Designer Verner Panton hat schon Ende der Fünfzigerjahre angefangen, den S-Stuhl zu kreieren. Hier sind Skizzen und Zeichnungen des Designers von 1957-1960.

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In einer rustikalen Umgebung bringen Klassiker der Moderne zeitgenössisches Wohngefühl. Bild über: Love Nordic.

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Eine ganz andere Nutzung des Kultstuhles zeigt sich hier. Mit dem Panton-Stuhl und vielen Teppichen wird eine alte Kirche buchstäblich aufgemöbelt. Bild über: Today you inspired me.

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Die St.-Bartholomäus-Kirche in Tschechien wurde von Maxim Velcovsky mit Pantonstühlen eingerichtet. In die Stuhlrücken wurde jeweils ein Kreuz eingestanzt. Bild über: Today you inspired me.

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Ganz schön traditionell zeigt der Stuhl sich in diesem Esszimmer: wie ein frecher Hippie, der in die Highsociety eingeheiratet hat und nun allerbeste Tischmanieren zeigt.

14 Kommentare zu „Kultmöbel 8: Der Stuhl mit Sexappeal“

  1. Alain de la France sagt:

    Daenisches Design hat es in sich (we are red – we are white – we are danish dynamite).
    Sieht man auch bei B&O, oder eben bei diesen Stuehlen, die wie man sieht, ueberall einsetzbar sind…

    • Sabrina sagt:

      Aus ökologischen Gründen sollte man auf Plastikstühle verzichten. Es gibt genügend andere Alternativen. Auch andere Stühle können “sexy” sein.

      • C.J. Branov sagt:

        Du hast bis zu einem gewissen Punkt Recht, Sabrina. Immerhin kann der Panton Chair zu 100 % wiederverwertet werden. Und es macht einen riesigen Unterschied, ob man modische, billige Kunststoffstühle kauft, die man nach 3 Jahren entsorgt, oder ikonische Entwürfe wie einen Panton Chair, den man weiterverkaufen kann, wenn er einem verleidet ist und den man eher vererbt als entsorgt. Nachhaltigkeit hat also auch mit Langlebigkeit zu tun. Und die ist bei Klassikern definitiv am grössten.
        Grüsse, Christoph/Vitra

  2. Marcel Z. sagt:

    Der erste Panton, der von Herman Miller Ende der Sechzigerjahre produziert worden ist, ist verdammt brüchig! Ich hatte mal vier, einer davon ist bis heute übrig geblieben- und den darf man nur noch anschauen, hinsetzen ausdrücklich verboten!

    • C.J. Branov sagt:

      Die Kunststoffe, die damals zur Verfügung standen, waren längst nicht so hochentwickelt wie heute. Eigentlich wollten ja Vitra und Panton schon damals einen Stuhl aus durchgefärbtem Material und nicht einen, den man noch lackieren muss. Das ist aber erst 1999 gelungen. Seither heissen die “alten” glänzend lackierten Panton Chair Classic und die “neuen” aus Polypropylen Panton Chair. Und die damalige Lizenzproduktion von Herman Miller, aus der Dein museales Stück stammt, war natürlich ebenfalls aus diesen noch etwas problematischen Kunststoffen gemacht. Kein Wunder, musste Vitra damals jahrelang entwickeln, um die nötige Stabilität hinzukriegen. Hier findest Du noch ein schönes Bild aus jener Zeit, mit Verner Panton und Rolf Fehlbaum (Vitra Chairman) in den Entwicklungsräumen in Birsfelden: http://www.egodesign.ca/en/article_print.php?article_id=600
      Viele Grüsse, Christoph/Vitra

      • Marcel Z. sagt:

        Hallo Christoph

        Danke für den Link. Polypropylen ist ein phantastischer Werkstoff! Im Esszimmer habe ich 6 neue Eames Plastics mit Sitzschalen aus Polypropylen: Dank der fexiblen, dehnbaren Rückenlehne ein sehr schönes Sitzgefühl- ich wage fast schon zu behaupten, besser, als das damalige Original mit GfK-Sitzschalen.

      • Charles sagt:

        Gott bewahre….

  3. Paula Bokus sagt:

    die auf dem Vogue Cover sieht aber so aus, als ob Sie auf Toilette sitzen würde….

  4. Otto Liebschitz sagt:

    Auf Plastik sitzen: im Winter zu kalt, im Sommer zu heiss.

  5. Martin Kallmann sagt:

    Der Stuhl sieht als Solitär schön aus – aber in Mehrzahl um einen Tisch gruppiert wirkt er zu eratisch, daher nicht zu empfehlen.

  6. TAGWERC sagt:

    …die entstehung des panton chair hat jahre gedauert! …verner panton revolutionierte mit dem panton chair das design!

    ganze biographie auf http://blog.verner-panton.de/biographie/

    we ♥ Verner PANTON.

  7. Merie sagt:

    wie cool ist denn das, der traumhaft schöne Panton in der Kirche! Genial.

  8. Michael Koller sagt:

    Der Panton chair ist schon ein tolles Teil. Habe 2 weisse zuhause am Esstisch stehen, unglaublich wie anschmiegsam und bequem die Sitzschale ist – mit keinem anderen Stuhl zu verglichen.
    Mach mit jetzt Gedanken darüber, den Panton mit einem Ball Chair-Sessel (die Kugel, in die man reinsitzt, oben rechts) zu ergänzen.
    Kann mir jemand berichten, ob es sich darin so bequem sitzt wie auf einem Panton chair ?
    Danke für euren Input…
    Michi

  9. Verner ist mein Favorit dänischen Designer und seine S-Chair Design sind vor allem in meiner Heimat eingesetzt. Ich benutze diese Verner Design als Ess-Set und auf meinem Arbeitsplatz in meinem Haus.

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