Ein Sonnenschirm für eine Stadt

Jetzt ist die Sommersonne doch noch da und wir suchen wieder Schatten, wo es nur geht. Diesbezüglich haben es die Bewohner von Sevilla gut: In ihrer Stadt steht ein Schattenspender der Superlative: das urbane architektonische Monument «Metropol Parasol», das diesen Frühling fertiggestellt wurde. Das moderne Gebilde wächst organisch aus dem Boden der jahrhundertealten andalusischen Stadt und scheint eine Mischung aus Riesenskelett, überdimensionalem Insektenbau und einem filigranen aber gigantischen Pilz.

Architektur: J. Mayer H.

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Der riesige Sonnenschirm «Metropol Parasol» ist der weltgrösste Holzbau. Das architektonische Kunstwerk hat der Berliner Architekt J. Mayer H. kreiert. Es ist nicht überraschend, dass ausgerechnet die Kulturmetropole Sevilla eine solche Ikone mitten in der Stadt erbauen liess. Natürlich wurde das alles noch vor der grossen Eurokrise geplant und das Selbstbewusstsein – und die Finanzen – der Spanier waren noch intakt. Zum Glück, denn die Investition in dieses fast barock wirkende Gebäude wertet das Stadtleben immens auf. Davon profitieren heute alle Sevillaner.
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Der Architekt Jürgen Mayer wollte eine Art offene Kathedrale erschaffen, ein demokratisches Gebäude, das ohne Wände für jedermann, jederzeit zugänglich ist. Das steht im krassen Gegensatz zu vielen anderen grossen urbanen Architekturwerken, die in der Nacht meist geschlossen werden, Eintritt verlangen oder der Öffentlichkeit gar nie zugänglich sind.
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Das  Gebäude wurde erstellt, um den Platz «Plaza de la Encarnaciòn» zu beleben. Dieser war zuvor vernachlässigt worden. Er war voller Parkplätze, unbelebt und unattraktiv. Der Bau beherbergt auch einen Markt, Geschäfte und hat Bühnen für Konzerte und Platz für Events.
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Auch auf dem Sonnenschirm lässt es sich flanieren und die wunderschöne Aussicht auf die stolze, spanische Stadt geniessen.
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Wie ein Zauberpilz ragt der «Metropol Parasol» aus der Stadt heraus. Er verbindet sich aber auch mit ihr und beweist, dass Neues und Altes auch zusammen Magie entwickeln und gemeinsam einen Weg in die Zukunft finden.

38 Kommentare zu «Ein Sonnenschirm für eine Stadt»

  • Klaus Herda sagt:

    Pilz-artige Bauten besitzen von Natur aus eine herausragende und intensive Wirkung. Und es gibt sie seit Jahrhunderten auch in Deutschland.
    In Form sog. „Wetterpilze“ findet man sie gelegentlich noch hierzulande. Ich emnpfehle einen Blick auf http://www.Wetterpilze.de, wo entsprechende Bauten gewürdigt sind.
    Wenn man sich diese Bilder ansieht oder -noch besser- einen richtig großen Wetterpilz besucht und sich von dessen Wirkung verzaubern läßt wünscht man sich eine baldige Rennaissance der Pilz-Baukunst.
    Klaus-Heinz Herda, Köln

  • Hannes sagt:

    Irgendwie gefällt mir diese Konstruktion, wirft aber Fragen auf. Wenn das Holz mal gut getrocknet ist, freuen sich die Pyromanen, das dürfte brennen wie Zunder…… sollte es Stahlträger haben, werden diese durch die Hitze eines Feuers leicht einknicken. ist die Sprinkleranlage bereit? Wieviele Bäume mussten dran glauben? Ich hoffe, dass genügend junge Bäume zur Kompensation gepflanzt wurden. Es würde mich nicht wundern wenn da wertvolles Tropenholz verbaut wurde. Städte in dieser Grössenordnung brauchen „grüne Lungen“, die spendieren viel effizienter Schatten, reinigen die Luft, binden Co2 und decken uns gratis mit Sauerstoff ein, für Dich und Mich.

  • Frank Eilinger sagt:

    Ich habe die Pilze im Baustadium gesehen und eröffnet diesen Juli. Im EG ist die Markthalle und im Erdbereich ein Naturachäogie-Museum, Ausgrabungen, die bei den Aushubarbeiten entdeckt worden sind. Zuoberst ist ein Restaurant geplant, das noch im Rohbau war. Der Mittelteil kann als Veranstaltungsplatz genutzt werden. Fazit: Die Kontruktion ist visuell einzigartig und bietet mit seinem Panaromaweg Aussichtsperspektiven über ganz Sevilla. Auf jeden Fall die bessere Lösung als der seinerzeit geplante Shoppingcenter-Komplex.

  • Alexandra sagt:

    Dieses grässliche Holzding passt weder nach Sevilla noch nach Zürich noch sonst wohin!
    Reine Geldverschwendung!!

  • lukas sagt:

    absolut geiles neuartiges ding. passt für meinen geschmack leider nicht ganz zur umgebung – möglicherweise wirkt das vor ort jedoch gar nicht so.

    die barocken elemente sehe ich übrigens auch weniger, dafür eher modernes organisches bauen oder blob-architektur… oder wie man dem immer auch sagt. aber nebensächlich, da gehts ja primär ums aussehen und nicht ums klassifizieren

  • Sami Krautsaki sagt:

    Und wieder einmal obsiegt das schöne im Ausland. In der Schwiz und vorallem in Zürich wäre eine solche Konstruktion undenkbar. Leider, leider… wenn ich mir nur vorstelle was der Hafenkran für sinnlose Diskussionen anfeuert möchte ich nicht dabei sein wenn am See oder irgendwo in der Innenstadt (Wiese vor dem Globus, Platzspitz etc.) eine solch gewagte aber wunderschöne Konstruktion erstellt werden sollte.
    Neuer Slogan von Tourismus Zürich sollte sein „Welcome to Bünzliswil“ oder „Spiesser Town“

  • timi sagt:

    gute story die sie da geschrieben haben.

  • Derek Sack sagt:

    Das Ding ist grossartig. Aber beim letzten Bild kommen mir fast die Tränen, selten einen Bau gesehen der derart nicht zur Umgebung passt und das ganze Quartier schäbig erscheinen lässt.

  • Christof Lüthi sagt:

    Für nen Schattenspender kommt da aber relativ Sonne durch!

    Allerdings ist das Gebilde wirklich imposant!

    Ich nehme jetzt mal an, dass das Gebäude vor der Krise geplant wurde. Zusätzlich ist Sevilla eine traumhafte Stadt, die allerdings kaum Tourismus anzieht: Es kann als eine Investition angesehen werden.

  • emanuel sagt:

    Viel interessanter ist, dass beim wettbewerb zu diesem projekt ein schweizer büro den 2. Rang erreicht hat.
    http://www.zord.ch/undend_viridiana_06.html

  • nepomuk sagt:

    wow einfach nur unglaublich!

  • Ella Müller sagt:

    Wow, toll! Bin gespannt, wie sich das Holz im Lauf der Jahre verändert.

  • Gritli Bürgin sagt:

    Mich würde sehr interessieren, welche Holzbaufirma diese super schöne Gebäude-Struktur gebaut hat.

  • Lola sagt:

    An alle die noch nicht in Sevilla waren….
    Das besagte Bauwerk sieht nur in den Fotos schön aus, die Sevillaner waren dagegen und es hat -auch vor der Krise- Millionen gekostet und in Sand gesetzt…
    Auch sehr Fragwürdig ist die „Schattenwurf“…. Seit Jahrzehnten spannt man zwischen den engen Gassen und Plätze der Stadtzentrum Tücher die wie Segeln in den Himmel rangen und sich mit dem Blauenhimmel verschmelzen…. das sieht schön aus, ist kosten günstig und passt besser im Stadtbild…
    Wenn jemand nach Sevilla geht, sicherlich nicht wegen dieser BODRIO=SCHUND sondern wegen die viele anderen Sehenswürdigkeiten, Kathedrale, Torre del Oro, Barrio de Santa Cruz… etc…
    Auf jeden Fall ist die Stadt ein Besuch wert…
    Eine Sevillanerin seit Jahren in Zürich

    • Beat sagt:

      Bin Ihrer Meinung Lola

      Ich war diesen Frühlig in Sevilla und habe mich gefragt
      wer denn in dieser Umgebung einen solchen Mist verbaut hat.

      • Tina sagt:

        Ein imposantes und schönes Bauwerk, keine Frage. Für mich wirkt es jedoch dort an seinem Platz eher wie ein Fremdkörper. Der Charakter der Stadt verbindet sich meiner Auffassung nach nicht mit diesem „Sonnenschirm“, sehr schade.

    • Alexandra sagt:

      Recht hast du Mami ;-)

  • Pascal sagt:

    Wer schon einmal im Sommer in Sevilla war, weiss, wie heiss die Sonne brennen kann. Schattenspender sind da ein enorme Erleichterung, und WOW, ich finde dieses Objekt genial!

    • barbara sagt:

      Anhand der Bilder habe ich einfach immer noch Zweifel, dass das Bauwerk tatsächlich Schatten spendet. Es sieht ja alles sonnendurchflutet aus. Entweder haben die Nachbarhäuser den Schatten oder ich interpretiere die Bilder falsch.

      Ansonsten: ich finde es ein interessantes Kunstwerk. Und wie bei allen Kunstwerken: nicht alles was mir gefällt möchte ich auch haben. Ich glaube nicht, dass dies in Zürich oder Bern oder Basel schön aussehen würde. Oder anders gesagt: dass es mir gefallen würde, wenn so was in der Schweiz stehen würde.
      Die Geschmäcker sind (Gott sei Dank) verschieden.

    • Stefan Meier sagt:

      Schattenspender scheint mir falsch, zumindest Mittags – wenn zumindest ich am liebsten Schatten hätte – bringen diese exakt vertikal angeordneten Lamellen keinen Schatten. Wie schon das zweite Bild deutlichst zeigt.
      Aber abgesehen davon kann ich dem Rest folgen – soll einfach niemand von Schatten reden.

  • Edith Habermann sagt:

    Ich bin gespalten. Einerseits bin ich fasziniert und begeistert von diesem Bauwerk, das provoziert und nach Aufmerksamkeit schreit. Es ist wunderschön. Anderseits bin ich mir nicht sicher, ob es am richtigen Ort steht oder nicht besser in ein Neubau Quartier passen würde. Dabei denke ich an Brasilia, wo Oscar Niemeyer sein Konzept ohne Kompromisse durchziehen konnte. Anderseits kenne ich auch die finanziellen Aufwendungen nicht und weiss nicht, ob sich da Sevilla nicht etwas übernommen hat für ein relativ ’nutzloses Architekturdenkmal‘?

  • Markus Roth sagt:

    Mal abwarten, ob das nach 10 Jahren Witterungseinflüssen immer noch so schön aussieht.

    • nepomuk sagt:

      das klima in sevilla unterscheidet sich markant von unseren hiesigen verhältnissen, dementsprechend dürfte es diesem bauwerk anders ergehen als unseren holzbauten, es dürfte also auch in 10 jahren noch „schön“ ausssehen. zudem ist es auch interssant, wenn sich ein bauwerk weiterentwickelt und nicht einfach stagniert.

      • Roger Eugster sagt:

        Der Pilz ist sehr schoen, habe Ihn im Bau gesehen. Die Wartung in Spanien laesst zu wuenschen uebrig.vieles verlottert und verkommt. hoffe das dem Pilz das nicht bevortseht !!

  • lisa sagt:

    gefällt punkt!

  • F. Stockar sagt:

    Einfach grossartig! Ich will auch sowas. In Zürich.

    • erika hugentobler sagt:

      … dann sind wir ja schon zwei! nur sehe ich ziemlich schwarz angesichts der mutlosen zürcher kleinräumig- und geistigkeit (s. „cube“ etc. / aber immerhin war die „spinne“ von louise bourgois hier..)
      spanien war schon immer offen für kühne architektonische entwürfe: muss mit dem klima zusammenhängen und der mediterranen lebensart… ;-))

    • danny sagt:

      warum sind grossartige bauwerke immer in sevilla, madrid, barcelona usw. zu finden und nie in zürich, basel, genf usw. ? würde hier (wie immer) sicher eine lawine von einsprachen auslösen (siehe hafenkran) !

      • Stephan K. sagt:

        zürich ist eben keine weltstadt – und sevilla möglicherweise ebensowenig – und wer denkt, dass man mit der direkten demokratie solche bauten erschaffen kann, liegt auch falsch

      • André Hafner sagt:

        Ist ja wohl ein Unterschied, ob man so eine schöne Holzkonstruktion hat, auf der man spazieren kann, oder einen hässlichen Baukran.

  • Roland Ehrlich sagt:

    Die Baustatik dieser Riesenpilze ist wunderbar transparent, wirklich ein Augenschmaus. Aber barock würde ich diesen Stil niemals nennen, vielmehr macht er Anleihen bei den Bauexperimenten der 1968er, also eigentlich ein ungebrochener Modernismus, welcher das Maximum an Gestaltungsmöglichkeit aus dem Baustoff Holz herausholt. Jedes Detail ist sauber am PC mit Finite-Elemente-Programmen berechnet, so dass mit einem Minimum an Baustoff ein Maximum an Wirkung erzielt wird, ohne dass die Gefahr besteht, dass den Besuchern eines Tages einer dieser Pilze auf den Schädel kracht.

    • Michael Koller sagt:

      Ich bin mir nicht im klaren, ob es sich hierbei tatsächlich um tragende Bauelemente handelt. So wie die Bilder erahnen lassen, ist die tragende Konstruktion aus Stahl gefertigt. Nichts desto trotz ein wunderschönes Bauwerk allemal schöner und nützlicher als der geplante Hafenkran in Zürich

  • Monika Fassbind sagt:

    Den Schatten von Holz mag ich am besten bevor der Baum gefällt, zersägt und umgebaut ist.
    Anspruchsvolle Konstruktion, die bei mir ein zwiespältiges Gefühl hinterlässt.

  • Placido sagt:

    Ein sehr beeindruckendes Gebäude. Ich bin begeistert. So imposant und doch filigran, ein Meisterwerk.

  • Imposantes Bauwerk, das „Glück“ über dieses Kunstwerk ist aber für den spanischen Steuerzahler zweischneidig, der abzutragende Schuldenberg ist noch höher, denn der spanischen Wirtschaft brachte der Bau wenig, die Holzelemente wurden in Deutschland gefertigt, Kasse gemacht hat also „Exportweltmeister“ Deutschland.
    Aber nun endlîch hat das krisengechüttelte Spanien vom Papst das rettende Mittel gegen die Krise bekommen: gestern verkündete der Papst beim Spanienbesuch den Glauben als Universalheilmittel gegen Massenarbeitslosigkeit, Finanzkrise und alle anderen Probleme…

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