Essen in der Küche

Marianne Kohler am Dienstag den 30. Juni 2015

Wenn ich nach Hause komme, sehe ich oft meine Nachbarn am Küchenfenster sitzen, essen, ein Glas Wein trinken – und das bei Kerzenlicht. Ein Idyll, das ich leider selber nie schaffe. Dafür lebe ich es auf Sweet Home aus und stelle Ihnen heute 10 Ideen vor, die zeigen, wie man sich auch in einer kleinen Küche einen hübschen Essplatz einrichten kann.

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1 Wie im kleinen Wiener Kaffeehaus
Küchen ändern sich mit der Zeit. Momentan werden zum Beispiel gerne Küchen gebaut, die sich zu Wohn- und Esszimmer öffnen. Altbauwohnungen haben dafür grosse Küchen, weil man früher ja noch das meiste von Hand machen musste. Häuser, die in den 30er-Jahren gebaut wurden, zeigen dafür die typischen kleinen Schlauchküchen, die wiederum Zeichen einer Zeit sind, in der Hausarbeit dank Maschinen und Konserven schnell und rationell wurde. In den abgeschlossenen Küchen möchte man, wann immer es der Platz einigermassen zulässt, auch einen Essplatz einrichten. Denn gerade in der Küche ist es einfach meist am gemütlichsten. (Bild links über: myscandinavianhome, Bild rechts über: movilicious)

Mit alten Möbeln bringt man Wohnlichkeit in eine moderne Einbauküche. Denken Sie sich in ein Wiener Kaffeehaus, und stellen Sie zwei Wiener Stühle mit passendem Tischchen auf einen hübschen Orientteppich, und schon können Sie morgens Kaffee und Croissants geniessen.

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2 Die schicke Designlösung auf kleinem Raum
In dieser klassischen Schlauchküche, entdeckt auf showhome.nl, ist mit einem tollen weissen Tisch, zwei Designerstühlen und einer rustikalen Bank ein stilvoller und gemütlicher Essplatz für eine ganze Familie entstanden. Liebevoll und einladend wirken auch Blumen und Pflanzen in einer Küche.

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3 Fast wie in der Gartenwirtschaft
Diese Küche ist zwar ein bisschen grösser und zeigt einen tollen Boden, etwas, das in Mietwohnungen oft fehlt. Doch die Idee, mit Garten- und Industrialmöbeln einen schicken, gemütlichen Essplatz einzurichten, kann man auch in einer kleineren Küche umsetzen und damit ein wenig Gartenwirtschaft-Charakter schaffen. Einen nicht so hübschen Boden bedeckt man einfach mit einem schönen Teppich. (Bild über: 79ideas)

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4 Die gemütliche Runde
Runde Tische schaffen es, gleichzeitig wenig Platz einzunehmen und viel Platz zu bieten. Hier ist ein kleiner, runder Tisch in eine Ecke gestellt und mit Eames-Stühlen plus kleiner Bank mit bunten Kissen versehen. (Bild über: hello-hello.fr)

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5 Fröhlicher Stilmix
Die Küche ist ein Ort, der unkompliziert, gemütlich und informell ist. Ich habe eine Freundin, mit der ich in jungen Jahren immer abwechslungsweise Liebeskummer teilte. Sie hatte eine tolle Wohnung und Kinder, die Küche war der Ort, in dem man rauchen durfte. So sassen wir denn oft stundenlang bei Rauch und Champagner und haben uns unser Leid geklagt, und irgendwie war der Platz in der Küche viel tröstlicher als das Sitzen auf Sofa und Sessel. So passt denn auch ein Stilmix gut in Küchen. Dieser Essplatz mit zusammengewürfelten Möbeln beweist das und zeigt viel Persönlichkeit. (Bild über: thestylefiles)

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6 Elegante Ecklösung
In vielen alten Schweizer Wohnungen wurden in den Küchen Eckbänke im Heimatstil eingebaut. Das findet man heute selten, aber die Idee war gut und lässt sich auf neue Arten wieder umsetzen. Hier ist eine Eckbank einfach an die Wand montiert, mit gestreiften Sitzkissen versehen und bietet genau die gemütliche Ecke, die man sich in der Küche wünscht. Achten Sie auch auf die einfache Art, mit der die Rückenkissen an der Wand befestigt werden: Schrauben und Schlaufen! (Bild über: apartmenttherapy)

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7 Frühstück im Hochparterre
Wenn der Platz beschränkt ist, hilft es meist, in die Höhe zu planen. Das gilt auch für das Kreieren von Essplätzen. Im Münchner Schwabingviertel, in dem ich einst eine Weile wohnte, hatte es ziemlich viele Minirestaurants, in die wir abends oft schnell essen gingen. Die meisten waren aus Platznot mit hohen Bartischen und -hockern eingerichtet und konnten damit mehr Essplätze anbieten. Das klappt perfekt auch für den Essplatz in der Küche. Montieren Sie dafür auch mal längere Beine an einen kleinen, ganz gewöhnlichen Tisch zwischen Barstühlen. (Bild über: la maison boheme)

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8 Farbakzente tun gut
Den meisten Einbauküchen fehlt nicht nur Charme, sondern auch Farbe! Dem wird hier mit wenig Aufwand entgegengewirkt. Alte Stühle bekamen mit hellgrüner Lackfarbe ein neues Kleid, ein Teppich, ein hübsches Regal für Kochbücher und einige kleine Zimmerpflanzen machen diese Küche wohnlich. (Bild über: Stadshem)

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9 Wohnlichkeit aus dem Brockenhaus
Auch hier wurden alte Stühle neu lackiert, ein Tisch aber so rustikal belassen, wie man ihn gefunden hat. Die Essecke mit frischen Blumen und Lämpchengirlande wirkt einladend und hat Lieblingsplatzpotenzial. (Bild über: seaofgirasoles.blogspot.com.es)

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10 Kleiner Knaller
Diese Küche ist zwar nicht klein und steht bestimmt auch in keiner Mietwohnung, aber der Tisch ist ein Knaller, den man sofort auch haben möchte. Suchen Sie nach einem hübschen alten Tisch, schleifen Sie diesen gründlich ab, und verpassen Sie ihm mit grasgrüner Lackfarbe diesen tollen Look! (Bild über: carnet-interieur)

Wohnen im modernen Hausboot

Marianne Kohler am Montag den 29. Juni 2015

Wohnen auf einem Boot ist verbunden mit einer gewissen Romantik und Abenteuerlust. In England gibt es viele Bootshäuser: Einige sind bunt und bohemienhaft und mit den klassischen Bootshausmotiven wie Rosen und Schlössern bemalt, andere sind topmodern. Dieses gehört zur letzteren Sorte und ist eher eine schwimmende Villa.

Architektur: MAA Architects
Quelle: Contemporist

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In England gilt: «My home is my castle» – und manchmal ist dies ein Boot. Dieses Hausboot zeigt eine grosszügige, moderne Architektur und ist zurzeit zum Verkauf ausgeschrieben auf The Modern House.

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Das Bootshaus gehört zur Luxusklasse und wird mit einem riesigen Garten inklusive Sommerhaus verkauft. Es steht in der Nähe von London auf Taggs Island, einer schicken Insel in der Themse, um die herum lauter Bootshäuser zu finden sind.

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Eine ganz andere Art zu wohnen: Das Hausboot bietet einerseits den Luxus einer Villa und andererseits einen Bohemien-Lifestyle. Das Gefühl, auf Reisen zu sein, verbunden mit der Natur.

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Der Innenausbau ist nicht fertiggestellt, damit die neuen Besitzer diesen nach ihren eigenen Bedürfnissen gestalten können. Ein wichtiges Thema der Architektur – und auch aussergewöhnlich für ein Bootshaus – sind aber die grosszügigen Räume mit hohen Fensterfronten.

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Von der Gartenseite aus wirkt das Hausboot wie eine grosszügige Villa. Nur die Decks und die Aussentreppen lassen an ein Boot denken.

Kein Geld, keine Zeit, aber Lust auf Neues?

Marianne Kohler am Samstag den 27. Juni 2015

Sie haben Lust, Ihrem Zuhause ein wenig auf die Beine zu helfen, etwas zu ändern, zu verschönern, zu optimieren? Aber leider sind in Ihrem Haushalt gerade Budgetkürzungen angesagt, und auch in Sachen Freizeit werden Sie nicht wirklich verwöhnt? Da kommen diese 10 schnellen, effektvollen und günstigen Ideen gerade recht. Sie sind alle in wenigen Stunden und ohne grossen Aufwand zu realisieren.

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1 Auf einmal todschick!
Alles, was Sie für diese schicke Verwandlung brauchen, sind Autolackfarbe, Abklebeband und etwa 2 Stunden von Ihrer Zeit. Ja, und natürlich die weissen Metallmöbel von Ikea, eines kostet knapp 100 Franken. Wählen Sie 4 schöne Farbtöne, hier sind es Braun, Grau und ein dunkles Lila. Zwei Möbel nebeneinander sehen nicht nur toll aus, sie geben ein elegantes, langes Sideboard ab, bieten viel Stauraum und werten die Wohnung mit wenig Aufwand stilvoll auf.

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2 Ein neues Regal dank alter Leiter
Damit eine Wohnung schnell schöner aussieht, braucht es auch mehr Ordnung. Und um mehr Ordnung zu schaffen, helfen Regale. Wo kann man aber schnell an einem Samstagnachmittag ein Regal herholen, ohne viel Geld auszugeben? Am besten schauen Sie in der Garage oder im Gartenschuppen nach und suchen nach einer alten Leiter. Dann gehts zum Baumarkt, um dort passende Holzbretter finden. Mit einer schönen Lackfarbe machen dann auch günstige Bretter ganz viel her. Dann heisst es nur noch, die trockenen Bretter zwischen die Leitersprossen zu schieben – und fertig ist ein tolles Regal, auf dem Bücher und hübsche Dinge einen Platz bekommen. (Bild über: boredpanda)

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3 Schneller als Farbe und Tapete: Ein Tuch an die Wand
Finden Sie weisse Wände momentan ein wenig langweilig? Keine Angst, Sie müssen weder eine grosse Streichaktion noch aufwendige Tapezierarbeiten planen, sondern ganz einfach nach einem grossen, attraktiv bedruckten Tuch suchen. Dieses Tuch ist von Urban Outfitters und macht sich perfekt an der Wand. Mit einer Bostichpistole können Sie ein Baumwolltuch einfach und schonend an die Wand bringen und später, wenn Sie dann wieder Lust auf weisse Wände oder Zeit für einen neuen Anstrich haben, lassen sich die relativ feinen Bostichklammern einfach wieder entfernen.

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4 Einmal mittendurch gestrichen
Sie haben sich für Farbe an der Wand entschieden, scheuen aber den Aufwand einer grossen Streichaktion. Versuchen Sie es mit einer solch tollen Lösung und streichen einen Raum einfach mal mittendurch mit einer schönen Farbe. Ordnen Sie die Farbpartie so an, dass sie auf Augenhöhe kommt, so wird der Blick auf die Farbe gezogen und die Wirkung ist stark. (Bild über: homedit)

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5 Ein Ikea-Klassiker wird mit Goldspray zur persönlichen Leuchte
Sie kennen diese grosse Ikea-Leuchte mit den weissen Blümchen? Sprayen Sie sie mit Gold, Silber oder Bronze an, und verwandeln Sie sie damit in ein schickes, persönliches Stück, das mit wenig Aufwand viel hermacht!

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6 Ein leuchtendes Beispiel für den schnellen Effekt
Ein langweiliger Holztisch steht dank einem Beinanstrich mit einer leuchtenden Farbe auf einmal ganz anders da! Sie können, wenn Sie das Holz ein wenig anschleifen, die Tischbeine einfach mit Acrylfarbe streichen und dann mit einem Lack fixieren. (Bild über: xn--smm-rla.se)
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7 Wandregale, die schnell Stil bringen
Schwebende Möbel sind gerade ganz gross angesagt. Doch Ihr Portemonnaie ist gerade auf Diät, und so klappt das leider nicht mit dem schicken, grossen Wandregal. Kein Problem, es geht auch klein und fein: Die weissen Metallregale von Ikea machen sich wunderbar an einer hellgrauen Wand. Man kann Dinge rein- und obendrauf stellen. Schön ist diese Idee nicht nur im Wohnbereich, sondern zum Beispiel auch an einer Wand hinter dem Bett. (Bild über: myscandinavianhome)

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8 Ein extralanges Kissen
Sie haben viele Kissen auf dem Sofa oder ein Bett, das ein kleines Upgrade braucht? Nähen Sie ein langes, schmales, buntes Kissen auf Mass. Sie können es aus einem einzelnen gemusterten Stoff, aber auch in Patchworktechnik aus verschiedenen Stoffen nacharbeiten. Auch Bänder, streifenartig aufgenäht, sehen hübsch aus. (Bild über: stylemepretty)

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9 Schöne neue Aussicht
Gewisse Ideen und Inspirationen kann man nicht eins zu eins nachmachen, weil jede Wohnung andere Voraussetzungen bietet. So geht diese Idee auf diese Art nur, wenn ein breiter Fenstersims vorhanden ist und das Fenster entweder nicht geöffnet wird oder ein Schiebefenster ist. Doch finde ich die Idee auch gut, um eine der grossen Fensterfronten, die viele neue Wohnungen momentan haben, zu unterbrechen und zu beleben. Ein kleines zweistöckiges Pflanzenregal wird weiss lackiert und auf beiden Etagen mit kleinen eingetopften Sukkulenten bestückt. (Bild über: abeautifulmess)

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10 Kurz mal auf Streife!
Ein starkes und zugleich elegantes Statement geben schwarz-weisse Streifen ab. Bestimmen Sie eine Wand in Ihrer Wohnung, vor der etwa ein Arbeitstisch, eine Kommode oder ein Sitzmöbel steht, und streichen Sie diese mit breiten schwarzen Blockstreifen quer im Verlauf. (Bild über: designsponge)

Wie kommt Schweizer Design in Diana Vreelands Salon?

Marianne Kohler am Freitag den 26. Juni 2015

Nur einer kann das möglich machen, Beda Achermann, der Schweizer Creative Director, der nur das Beste will – und es auch bekommt! Seit fünf Jahren hebt er die kleine, feine Schweizer Designkollektion Atelier Pfister auf die Weltbühne und setzt damit nicht nur Schweizer Design spannend und überraschend in Szene, sondern auch Trends, die nicht selten grössere Wellen werfen.

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Beda Achermann, porträtiert von Walter Pfeiffer.

Beda Achermann weiss, wie man die Grossen und Bedeutenden der Welt für kreative Zusammenarbeit gewinnen kann, und das auch mit kleinem Budget. Denn der Innerschweizer, der für Condé Nast, Chanel und Dior arbeitet, der mit Karl Lagerfeld befreundet ist und die Kunstszene besser kennt als sie sich selbst, ist clever. Sein Netzwerk reicht um die ganze Welt. Und er ist erst zufrieden, wenn er das allerbeste Resultat bekommt. Dafür arbeitet er hart und beharrlich und nimmt das Wort «Director» in seiner Berufsbezeichnung ernst.

Kreative wie Beda Achermann tun der Schweiz gut. Sie wecken auf und lassen uns stolz sein, dass auch hierzulande in Sachen Werbung und Design Bemerkenswertes entsteht. Er zeigt uns Dinge immer wieder aus einer neuen Perspektive, lässt staunen und lehrt Schönheit. Ein solches Projekt ist sein Auftrag, die Schweizer Designlinie Atelier Pfister zu präsentieren, Werbung für sie zu machen, ihr Beachtung zu schenken. Und das gelingt ihm auf eine ganz ausserordentliche Weise. Keine anderen Designermöbel werden auf solch starke und charmante Art in Ausstellungen, Bildern und Videos vorgestellt. Die meisten setzen nämlich einfach bloss auf Coolness, und die hat nicht selten unpersönlichen Showroomcharakter.

Das Projekt Atelier Pfister ist ein spannendes Schweizer Teamwork, das gerade sein 5 Jahresjubiläum feiert. Alle Möbel und Accessoires werden von Schweizer Designern entworfen und in Zusammenarbeit mit dem Möbelhaus Pfister realisiert. Kuratiert wird die Kollektion von keinem geringeren als dem renommierten international bekannten Schweizer Designer Alfredo Häberli. Das Ziel wurde zum Resultat: Gutes Schweizer Design einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

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Im roten Salon der legendären Moderedakteurin Diana Vreeland steht der neue Spiegel des Schweizer Designers Adrien Rovero.

Die legendäre Moderedakteurin und langjährige Chefin von Vogue und Harpers Bazaar   (1903 - 1989) fotografiert von Horst P.Horst in ihrem roten Salon

Die langjährige Chefin von «Vogue» und «Harper’s Bazaar» (1903–1989), fotografiert von Horst P. Horst in ihrem roten Salon.

Ganz nach seinem Motto «Sei immer besser als das letzte Mal» hat sich Beda Achermann für das 5-Jahre-Jubiläum von Atelier Pfister etwas ganz Besonderes ausgedacht. Als ich ihn mit Miss C. im Zürcher g27 traf, wo die neuen Designmöbel für die Vernissage ausgestellt werden, sass er im wahrsten Sinn des Wortes hinter den Kulissen, mitten in einer Kleinbaustelle, und kontrollierte jede Aktion seines Teams, das gerade übergrosse Szenenbilder installierte. Aus der industriellen Galerie-Location ist ein Palast geworden. Bilder des amerikanischen Illustrators Jeremiah Goodman, der die Wohnungen der Schönen, Reichen und Berühmten porträtierte, hat Achermann übergoss mit digitaler Technik auf Leinwand drucken lassen, sie in die Räume gehängt und die Böden mit hellem Spannteppich ausgelegt. Alles Kulisse für eine neue Kollektion von Schweizer Designmöbeln.

Regal Küsnacht von Stauffacher Benz

Das neue Regal «Küsnacht» von Stauffacher Benz steht in einem Saal voller schicker französischer Stühle aus dem 18. Jahrhundert. Die gekonnte Verbindungen schafft der Graffitiboden, made in Studio Achermann.

«Das Clevere dabei ist, dass ich die Hintergründe bereits für das Fotoshooting benutzt habe, so mussten wir sie nur einmal drucken lassen und können sie zweimal benutzen, ich habe die Grössen genau dafür berechnet», meint Achermann. Er verrät mir auch, wie er es immer wieder schafft, dass die ganz Grossen der Szene für ihn arbeiten – neben Jeremiah Goodman etwa auch François Halard, mit dem er von Anfang an für Atelier Pfister arbeitet, und der, bloss nebenbei erwähnt, auch der beste zeitgenössische Interiorfotograf der Welt ist. Achermanns Augen leuchten  verschmitzt, sein «Trick» ist ein einfacher: Wenn der eine hört, dass der andere mitmacht, steigen die Chancen. Den Rest erledigt Achermanns weltweit vorauseilender Ruf, dass seine Arbeiten ganz einfach zu den besten gehören.

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Das modulare Sofa «Riom» von Claudia Caviezel steht zwischen Musikzimmer und Computergrafik und zeigt, dass modernes und persönliches Wohnen eine Art Puzzle ist.

Beda Achermann sitzt bei unserem Treffen an einem Tisch mit seinem grossen Ideenbuch, in das er von Hand Gedanken, Ideen und Visionen schreibt. Nie sieht man ihn mit dem Computer unterwegs. «Mein Büro ist überall auf der Welt, ich bin immer da, wo gerade wirklich gearbeitet wird, und kontrolliere alles. Aber ich muss meinen Kopf frei halten, deshalb bleibt der Computer im Studio.» Vor ihm liegen auch gefüllte Ordner und ein paar Printprodukte, frisch ab Presse. Zum Beispiel die tolle, neue VBZ-Zeitung, wegen der er seinen Kunden von den Zürcher Verkehrsbetrieben auch gleich auf der Baustelle empfing, einfach um ihm zu zeigen, was da gerade Schönes aus der Druckerei kam! Die starken Fotos werden übrigens bald auch Trams schmücken, selbstverständlich überraschen und, glauben Sie mir, die VBZ cooler machen als jede Luxuskarosse.

Dabei ist Achermann kein Werber. Er hat auch keine Werbeagentur, sondern ein kleines Kreativstudio an der Zürcher Langstrasse. Nicht selten tauchen seine talentierten Mitarbeiter auch als DJs oder Paparazzi auf, an einer Vernissage, Modeschau oder Kollektionsvorstellung aus dem Hause Studio Achermann. Nicht nur das unterscheidet ihn und sein Team von den immer mit der grossen Kelle anrichtenden Werbern. Er weiss auch, wie man Projekte wirklich umsetzt: «Ich reisse nicht einfach eine Seite der ‹Vogue› heraus, stelle sie als tolle Idee vor und liefere danach einen mehr schlechten als rechten Kompromiss. Ich kreiere meine Ideen selbst, das macht ja auch am meisten Spass. Aber ich weiss, was und wie etwas zu realisieren ist.» Dafür hat er nicht zuletzt jahrelang für die renommiertesten Verlage Zeitschriften gestaltet, Modeshootings realisiert, nicht wenige davon mit bekannten Künstlern, Models und Stars, und er hat Layouts gemacht, die den Trend für andere setzten. «Ich buche immer die richtigen Leute für das Projekt. Brauche ich einen Fotografen, der gut im Gegenlicht fotografieren kann, dann suche ich halt den, der das am besten kann. Meine Erfahrung hilft mir da, ich weiss, was möglich ist, und kenne auch die Leute, die das jeweils am besten umsetzen.»

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Für die Atelier-Pfister-Kampagne 2013 hat Beda Achermann das Palais Bulles von Pierre Cardin gewählt, ein Haus in Südfrankreich, das nicht Science-Fiction ist, sondern Architektur aus den Siebzigern.

Was Achermann ebenfalls an seine Ziele bringt, ist Recherche. Diese betreibt er bis zum Exzess. Ich durfte einmal in seinen Ordnern nach einer Location suchen und erinnere mich, dass ich stundenlang im Studio sass und blätterte und blätterte und Häuser entdeckte, von denen ich nicht einmal wusste, dass sie existieren. Von allen waren schön säuberlich Bilder eingeklebt und Bemerkungen dazu geschrieben.

Die Location spielt für den Creative Director denn auch die wichtigste Rolle bei der Inszenierung von Möbeln. So hat er zum Beispiel für die Atelier-Pfister-Kollektion 2013 das runde Haus gewählt, das einmal dem Modeschöpfer Pierre Cardin gehörte, das Palais Bulles. Alle Zimmer sind rund und das Haus wirkt wie aus einem Science-Fiction-Streifen. Der extreme Bau hatte erst gerade grosse Presse dank Dior, der dort seine Cruise Collection 2016 vorstellte. Atelier Pfister aber war lange zuvor da.

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Diors Cruise Collection 2016 wurde diesen März auch im Palais Bulles vorgestellt. (Bild über: Friday Magazine)

Tolle Locations findet Achermann auch in der Schweiz. Das schönste Beispiel dafür ist der Parco Scherrer in Morcote TI. Hier wurde die Atelier-Pfister-Kollektion 2014 fotografiert. «Nicht ganz einfach», sagt der Creative Direktor. «Das Haus, ein kleiner Palast, ist in steiler Hanglage gebaut und wir mussten die Möbel die Hänge hinauftragen.» Doch all das sieht man dem Resultat nicht an. Die Bilder wirken immer leicht, interessant und machen viel Lust auf neues Design.

Im Parco Scherrer, einer Tessiner mit grossem Park, der übrigens im Sommer für das Publikum offen ist, hat Beda Achermann mit Francois Halard die Atelier Pfister Kollektion 2014 fotografiert.

Im Parco Scherrer, einer Tessiner Villa mit grossem Park, der übrigens im Sommer für das Publikum offen ist, hat Beda Achermann mit François Halard die Atelier-Pfister-Kollektion 2014 fotografiert.

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Für die Kollektion 2012 hat das Studio Achermann grosse Militärzelte aufgestellt und damit eine neue Art von Raumgefühl geschaffen.

Für den diesjährigen Prospekt hat er aber gleich alle tollen Locations dieser Welt auf einmal gebucht. Das dank den fantastischen Illustrationen des 92-jährigen Jeremiah Goodman. Der Künstler wollte eigentlich Filmsets kreieren. Da das nicht wirklich klappte, fing er an, Interieurs zu malen. Wie ein Porträtmaler hat er die Wohnungen und Räume von reichen und berühmten Menschen mit Pinsel und Farbe festgehalten. Seine Bilder sind nicht nur Kunst, sondern auch Zeit- und Stildokumente. Viele Aufträge bekam und bekommt der Illustrator auch von Architekten – weil diese wissen, dass Goodmans Kunst aussagekräftiger und viel emotionaler ist als jedes Rendering.

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Jeremiah Goodmans Bilder sind mit Wasserfarbe gemalt und wirken wie grossartige Theaterkulissen.

«Mit Goodmans Bildern kann ich die Möbel sowohl in den roten Salon von Diana Vreeland stellen wie auch in das Wohnzimmer der Rothschilds», freut sich Beda Achermann. Doch das war ihm nicht genug. Er suchte noch nach einer anderen Ebene. So hat sein talentiertes Team moderne Computergrafik realisiert, die farblich passt und zugleich einen Kontrast bietet: «Alt und neu, bunt und dezent, lieb und böse – ich mag den Mix. Alles vom Gleichen ist langweilig.» So hat er denn die fantastischen Bilder Goodmans auch ergänzt und ihnen moderne Muster collageartig dazugestellt. Inspiration dafür war die Kunst von Isa Genzken und Tobias Madison. So kommen die Möbel stärker und spannender zur Geltung. Die Idee, brandneues Design mit gemalten Interieurs aus den 30er- und 50er-Jahren zu kombinieren, ist auch ein Spiel mit Tapeten und dem klassischen Trompe-l’Œil-Effekt.

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Durch die Dramatik der Bilder und der Inszenierung wird die wunderbare Eleganz der neuen Stühle von Jörg Boner schön erkennbar.

Was aber Beda Achermann nicht zuletzt fasziniert, ist die Vielschichtigkeit. Er erzählt mit seinen Inszenierungen ein Stück Wohngeschichte. Goodman malte gerne auch nach Fotografien von Horst P. Horst (1906–1999) oder in den gleichen Wohnungen wie der damals berühmteste Interiorfotograf. So sind die neuen Möbel von Atelier Pfister Stars in einer Umgebung von Stars und warten darauf, eine neue Wohngeschichte zu erleben. Die Kollektion ist ab August in allen Pfister-Filialen erhältlich.

 

Sweet-Home-Buchtipps zur Geschichte:  

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