
Es kann nur einen geben: Cupsieger GC, hier mit Moritz Bauer am «Chübel» (r.), steht Murat Yakins FC Basel vor der Sonne. (Bilder: Keystone)
Ich bin am Pfingstmontag im Cupfinal in Bern von GC eines Besseren belehrt worden. Dieses Team hat mich richtig überzeugt. Es ist vif, mutig, spielfreudig. Und es hat gegen den grossen Favoriten FC Basel zweifellos hochverdient gewonnen. Dieser Grasshopper Club ist deutlich stärker, als ich vor dem Endspiel dachte.
Der Cupsieger ist mit klugen Transfers ideal zusammengestellt worden. Das erfahrene Trio Stéphane Grichting, Veroljub Salatic und Milan Vilotic hat der Mannschaft enorm viel Stabilität verliehen, diese Routiniers leiten die zahlreichen Talente ausgezeichnet an. Und im Tor steht mit Roman Bürki ein riesiges Talent. Die Mannschaft ist homogen, laufstark, willig, ihre Leidenschaft war am Montag derart ausgeprägt, dass sich die Spieler sogar vom unglücklichen Rückstand nicht irritieren liessen – und sie zeigten auch im Elfmeterschiessen gegen den Penaltyspezialisten Yann Sommer keine Nerven. Das hat mich überrascht – und beeindruckt.
Der FC Basel dagegen hat mit einer zu passiven und defensiven Aufstellung und Einstellung agiert. Vielleicht war er nach den vielen Pokalgewinnen in den letzten Jahren auch zu satt. Er wollte den Sieg kühl und relativ emotionslos erringen, und beinahe wäre dieser Matchplan aufgegangen. Nun muss sich FCB-Trainer Murat Yakin aber einige Fragen stellen. Er hat in seiner Trainerkarriere bis am Montag fast alles richtig gemacht und sein aussergewöhnliches taktisches Geschick oft bewiesen. Jetzt steht er erstmals ein bisschen im Gegenwind und sollte die Lehren aus dieser Niederlage ziehen.
Der FCB agierte in den letzten, erfolgreichen Jahren fast immer offensiv, druckvoll, stürmisch. Yakin dagegen mag es lieber kontrolliert, er stellt im Zweifelsfall noch einen zentralen, defensiven Mittelfeldspieler mehr auf. Im Cupfinal war diese vorsichtige Spielweise das falsche Signal. Zudem ist ein Stürmer wie Marco Streller in einem Zwei-Mann-Angriff deutlich stärker und präsenter, als wenn er wie am Montag ganz alleine vorne ackern muss. Das bewiesen auch die letzten Jahre an der Seite Alex Freis. Und: Wenn Mohamed Salah gesperrt fehlt und Valentin Stocker für einmal nicht überragend auftritt, sind diese Basler ziemlich einfach auszurechnen. Beide könnten ausserdem wie Abwehrchef Aleksandar Dragovic und Goalie Sommer bald ins Ausland wechseln.
Nun besitzt der FC Basel als Branchenprimus selbstverständlich die finanziellen Möglichkeiten, um Abgänge zu ersetzen. Seine Scoutingabteilung hat oft genug grossartige Fussballer entdeckt. In den letzten Monaten ging bei Basel reichlich Offensivpotenzial verloren, Xherdan Shaqiri und Alex Frei etwa prägten die Meisterjahre entscheidend. Die Frage wird nun sein, ob Murat Yakin auf Spielertypen wie St. Gallens Oscar Scarione oder Zürichs Josip Drmic setzen möchte. Beim FC Thun herrschte zwischen Chef Yakin und Künstler Scarione nicht grenzenlose Zuneigung.
Die FCB-Verantwortlichen sollten dieser kämpferisch prächtigen Mannschaft dringend spielerische Elemente beimischen. Zudem darf man gespannt sein, ob und wie Murat Yakin seine zwei Angreifer Streller und Raúl Bobadilla zusammenbringen kann. Und ob es ihm gelingen wird, den impulsiven Skorer Bobadilla zweitens in Topverfassung zu bringen – sowie dessen Undiszipliniertheiten erstens zu minimieren. Sonst herrscht auch beim FCB bald Zoff um den südamerikanischen Heisssporn.
GC steht gleichfalls vor schwierigen Personalentscheidungen. Talente wie Izet Hajrovic dürften bald weiterziehen, das wird dem Verein wenigstens Transfererlöse einbringen. Mit diesen Einnahmen sollte er, wenn möglich, einen Torjäger engagieren. Denn ein Stürmer, der mindestens 15 Tore in einer Saison garantiert, fehlt GC eindeutig, um näher an den FCB zu rücken. Solche Angreifer sind jedoch äusserst begehrt und dementsprechend schwierig zu finden. Man darf gespannt sein, ob GC und der FC Basel in diesem Sommer auf dem Transfermarkt ein derart glückliches Händchen wie zuletzt besitzen werden.
Welche Spieler benötigen Basel und GC Ihrer Meinung nach, um Fortschritte zu erzielen? Wie sollen sich die beiden Vereine auf dem Transfermarkt im Sommer verhalten?














Fabian Ruch ist Sportredaktor bei der Berner Zeitung und wuchs als Fan von Brasilien, Inter Mailand, SC Freiburg und Xamax auf. Das schafft Leiden. Trotzdem verfolgt er den Fussball mit Begeisterung.
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