Als Basler war man früher einfach FCB-Fan, als Berner unterstützte man die Young Boys und als Zürcher entweder GC oder den FCZ – je nachdem, zu welchem der beiden Clubs der Vater eine Affinität besass und was für ein Verhältnis man zum Vater hatte. Heute denken viele Fussball-Fans global und fiebern auch mit Vereinen, deren Stadien sie noch nie betreten haben.
Wie aus einer Studie des Champions-League-Sponsors Mastercard hervorgeht, kann man ein Drittel der Fussball-Supporter, nämlich 41 Millionen, als sogenannte Fans ohne Grenzen bezeichnen. Sie geben jedes Jahr 35 Milliarden Euro für ihre ausländischen Fussball-Liebschaften aus. Geld, mit dem man zehnmal die Münchner Allianz-Arena bauen oder 372-mal Real Madrids Torjäger Cristiano Ronaldo verpflichten könnte.
Die beiden Löwenanteile der 35 Milliarden Euro entfallen auf Ausgaben für Pay-TV (7,5 Milliarden) und die Reisen zu den Spielen inklusive Unterbringung (8,75 Milliarden). 25 Prozent der Anhänger ausländischer Equipen verfolgen die Partien ihrer fernen Lieblingsclubs tatsächlich auch live vor Ort. «Die zunehmende Mobilität und die Gelegenheit, weltweit einfacher und günstiger zu reisen, ermöglichen es den Fans auch ausländische Vereine anzufeuern. Neue Medienkanäle erlauben es den Supportern, ohne grossen Aufwand an Informationen über ihren Lieblingsverein zu gelangen und Kontakt zu anderen Fans im Ausland zu pflegen, was wiederum den Fans ohne Grenzen ein tieferes Gefühl von Zugehörigkeit zum jeweiligen Club vermittelt», erklärt Prof. Dr. Sascha Schmidt, der Leiter des Institute for Sports, Business & Society der European Business School im deutschen Oestrich-Winkel.
Das Aufkommen von globalen Spitzenspielern und -trainern mit Prominentenstatus führe überdies Fans aus unterschiedlichen Ländern zusammen, über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg, hält Schmidt fest. Von den in der Mastercard-Studie untersuchten Fans ohne Grenzen gehören elf Prozent dieser Kategorie an, sie lassen sich unter dem Sammelbegriff Star Followers führen. Sie haben nicht einen bestimmten Lieblingsverein, sondern sind von einem Spieler oder einem Trainer begeistert. Diesen Personen bleiben sie auch bei einem Clubwechsel verbunden. So liefen zum Beispiel mit dem Transfer von Cristiano Ronaldo von Manchester United zu Real Madrid zahlreiche Bewunderer des Portugiesen ins Lager des spanischen Rekordmeisters über. Die Liste der beliebtesten ausländischen Clubs führt der FC Barcelona (29 Prozent) vor Real Madrid (10 Prozent) und Manchester United (8 Prozent) an.
Weitere Untergruppen der Fans ohne Grenzen sind die sogenannten Highlight Fans – sie machen rund zwei Drittel der Fans ohne Grenzen aus – und die Regional Affinity Fans, die meist eine enge Verbindung zur Heimatstadt ihres Lieblingsvereins besitzen. Sie decken etwa zwölf Prozent der ganzen Gruppe ab. Von ihnen besuchen 55 Prozent regelmässig die Region ihres Clubs. Diese Supporter entsprechen innerhalb der Fans ohne Grenzen am ehesten dem traditionellen Fussball-Anhänger.
Für Puristen stellt sich nun die Frage, ob man tatsächlich ein echter Fan eines Clubs sein kann, wenn man diesen nur aus dem Internet, dem Fernsehen oder den Zeitungen kennt. Irgendwie, so könnte man sagen, ist es doch, als wäre man ernsthaft der Meinung, in eine Hollywood-Schönheit verliebt zu sein, die man im realen Leben noch nie zu Gesicht bekommen hat.
Was meinen Sie, liebe Steilpass-Leser: Gibt es so etwas wie die grosse Fussball-Liebe aus der Distanz? Können diese sportlichen Fernbeziehungen so intensiv sein, wie die Verbindung zum lokalen Verein, bei dessen Partien man Woche für Woche in der Kurve steht? Diskutieren Sie mit!










Mämä Sykora (36) ist Chefredaktor beim Fussballmagazin
Alexander Kühn (33) ist Sportredaktor bei Newsnet und leidgeprüfter Fan des deutschen Zweitligisten Dynamo Dresden. Mangels fussballerischen Talents beschränkt er sich auf kritische Einwürfe von Tribüne und Schreibtisch aus.


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