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Welcher Club ist der attraktivste der Welt?

Fabian Ruch am Mittwoch den 19. Juni 2013

Heute werfen wir einen Blick auf die Attraktivität der Vereine für Fussballer. In unserer Top 10 der Clubs taucht kein Italiener auf, die Blütephase der Serie A ist längst vorbei. Einst galt die italienische Liga als schönste und beste der Welt – heute sind die meisten Stadien veraltet, die Löhne sind tiefer als in anderen Topligen, und so schrammt einzig Meister Juventus mit neuer Arena knapp an einer Nomination vorbei. Milan und Inter dagegen müssen sich zuerst wieder herausputzen und zu alter Stärke zurückfinden. Beide gehören nicht mehr zum Eldorado für Spitzenkräfte.

Die Bundesliga ist derzeit die wohl attraktivste Liga der Welt. Dennoch schaffen es Schalke, Leverkusen und Wolfsburg nicht in die Steilpass-Liste. In den Top-10-Vereinen ist eine Arbeitsstelle für De-luxe-Fussballer noch reizvoller. Gegen den ukrainischen Giganten Schachtar Donezk sowie den russischen Retortenclub Anschi Machatschkala, wo Spitzensaläre verdient werden können, sprechen die geographisch wenig bezaubernde Lage der Clubs sowie das Leistungsniveau in der Liga. Gerade südamerikanische Stars können dort wenig Eigenwerbung betreiben und werden selten ins Nationalteam berufen. Deshalb taucht auch keiner der Istanbuler Vereine Galatasaray, Fenerbahçe und Beşiktaş auf. Die türkische Liga ist insgesamt zu schwach.

Als attraktivsten Verein ausserhalb Europas wählen wir Flamengo, stellvertretend für die aufstrebende brasilianische Liga, wo mittlerweile wunderbare Löhne bezahlt werden. Und beim Traditionsverein Flamengo in der Traumstadt Rio de Janeiro lässt es sich ganz angenehm spielen.

Jetzt aber zu den Top 10 der attraktivsten Clubs der Welt für Fussballer:

10. Manchester City

Chelsea-Spieler Tevez feiert einen Treffer gegen Wigan, 17. April 2013

Manchester-City-Spieler Tevez feiert einen Treffer gegen Wigan, 17. April 2013. (Keystone/David Richards)

Im Scheichclub ist die Bezahlung ausgezeichnet. Das Kader ist glänzend besetzt und besitzt insbesondere in der Champions League noch Steigerungspotenzial. Weil Manchester City jahrzehntelang erfolglos agierte, ist der Hunger nach Titeln und Trophäen überall spürbar. Das kann inspirierend sein.

9. Monaco

Falcoa schmeisst sich in Pose

Falcoa (neu bei AS Monaco) wirft sich nach einem Treffer für Atletico Madrid in Pose, 31. Mai 2013. (Keystone/Srdjan Suki)

Vor zwei Jahren wäre der Champions-League-Finalist von 2004 nicht einmal unter den Top 200 der Weltclubs gestanden. Mit russischer Finanzhilfe aber ist der Fürstenclub auf dem radikalen Weg zurück zu alter Stärke. Vor kurzem stieg Monaco in die Ligue 1 Frankreichs auf. Und jetzt wird aufgerüstet, koste es, was es wolle. Man darf mit mehreren Hundert Millionen Franken Investitionen allein in diesem Sommer rechnen. Der kolumbianische Superstürmer Radamel Falcao von Atletico Madrid etwa ist für rund 75 Millionen Franken bereits verpflichtet worden. Der milliardenschwere Oligarch Dimitri Rybolowlew träumt auch von Cristiano Ronaldo und anderen Weltstars. Sie verdienen in Monaco steuerfrei. Das Financial-Fairplay, welches von der UEFA demnächst eingeführt werden soll, wird dabei heftig mit den Füssen getreten. Demnach dürfen Vereine ja bald nur noch so viel ausgeben, wie sie selber einnehmen…

8. Borussia Dortmund

Jürgen Klopp, 4. Mai 2013.

Dortmund-Trainer Jürgen Klopp in Aktion, 4. Mai 2013. (Keystone/Marius Becker)

Tolle Fans, mit dem Signal-Iduna-Park eine prächtige Arena, bei jedem Heimspiel rund 80’000 Zuschauer, grenzenlose Begeisterung im Anhang – das alles spricht für Dortmund. Und verhungern muss ein Starkicker bei der Borussia auch nicht, selbst wenn in den anderen Top-10-Clubs dieser Liste im Schnitt deutlich mehr bezahlt wird. Für den Champions-League-Finalisten spricht zudem der leidenschaftliche Trainer Jürgen Klopp. Er macht Spieler besser. Das kann ein Anreiz sein.

7. Paris Saint-Germain

Milos Ninkovic and Cedric Moncongu (L) of Evian vies for the ball with Zlatan Ibrahimovic (R) of Paris Saint Germain during the French League 1 soccer match between Evian Thonon Gaillard and PSG at Parc des Sports in Annecy, France, 28 April 2013.  EPA/EDDY LEMAISTRE

Evian-Spieler Milos Ninkovic (r.) und Cedric Moncongu (l.) versuchen PSG-Spieler Zlatan Ibrahimovic (M.) zu stoppen, 28. April 2013. (Keystone/ Eddy Lemaistre)

Paris ist eine tolle Stadt mit fantastischer Lebensqualität. Zudem wird der Club seit wenigen Jahren von vermögenden Scheichs alimentiert. Das lockt Hochpreisfussballer wie Zlatan Ibrahimovic oder Thiago Silva an. Und: PSG will weiter protzen. Gegen den Verein spricht die eher zweitklassige Liga und der Spitzensteuersatz für Millionenverdiener von 75 Prozent (!), der in Frankreich eingeführt worden ist. Wobei: Wenn ein Nettolohn ausgehandelt wird, muss das die Spieler nicht kümmern…

6. Chelsea

during the Europa League final soccer match between Benfica and Chelsea at ArenA stadium in Amsterdam, Netherlands, Wednesday May 15, 2013. (AP Photo/Peter Dejong)

Chelsea-Spieler Fernando Torres lässt Benficas Torhüter Artur Moraes alt aussehen und erzielt ein Tor, 15. Mai 2013. (AP Photo/Peter Dejong)

Auch London ist eine pulsierende, tolle Weltstadt. Und bei Chelsea übernimmt mit José Mourinho der vielleicht beste Trainer der Welt im Sommer wieder das Zepter. Das hört sich nach einem spannenden Projekt an. Zumal der verschwenderische Besitzer Roman Abramowitsch eher nicht als kleinlich bekannt ist, wenn es um sein Fussball-Spielzeug geht.

5. Arsenal

Queens Park Rangers' Jermaine Jenas, centre attempts to clear the ball from Arsenal's Lukas Podolski, right, and teammate Aaron Ramsey, during their English Premier league soccer match at Rangers' Loftus road stadium in London, Saturday, May  4, 2013. (AP Photo/Alastair Grant)

Arsenal-Spieler Lukas Podolski (r.) kämpft mit Jermaine Jenas (QPR) um den Ball, 4. Mai 2013. (AP Photo/Alastair Grant)

Arsenal rennt zwar seit Jahren einem grossen Pokal hinterher, aber das kann auch eine grosse Herausforderung sein. Und Coach Arsène Wenger lässt in London Offensivfussball spielen, er ist ein guter Ausbildner und soll jetzt endlich bereit sein, ein bisschen mehr in Fussballer zu investieren, die Tore und Erfolg garantieren. Denn Geld besitzt Arsenal ja genügend, hinter Bayern ist der Club vermutlich der zweitrentabelste im Weltfussball. Doch ein Verein muss nicht Gewinne abwerfen, sondern Titel gewinnen.

4. Barcelona

FC Barcelona's Andres Iniesta, left, scores past Chelsea's goalkeeper Petr Cech from Czech Republic during a semifinal second leg Champions League soccer match at the Camp Nou stadium in Barcelona, Spain, Tuesday, April 24, 2012. (AP Photo/Manu Fernandez)

FCB-Spieler Andres Iniesta erzielt gegen Petr Czech (Chelsea) ein Tor, 24. April 2012. (AP Photo/Manu Fernandez)

Der beste Club der letzten Jahre nur auf Rang 4? Ja. Erstens wirkten die Leistungsträger zuletzt ziemlich satt. Zweitens steht jeder Superstar automatisch im Schatten des alles dominierenden und überragenden Lionel Messi. Und drittens ist es allgemein sehr schwierig, sich in der Teamhierarchie einen Platz an der Sonne zu erkämpfen, solange die Clubikonen Carles Puyol, Xavi und Andres Iniesta dabei sind. Aber natürlich ist Barcelona auch in Zeiten des personellen Umbruchs eine Erste-Klasse-Adresse. Der famose Hochgeschwindigkeitsdribbler Neymar wird den Betrieb aufmischen.

3. Manchester United

Rio Ferdinand celebrates his goal to make the game 2-1 to Manchester United during the English Premier League soccer match between Manchester United and Swansea City at Old Trafford, Manchester, Britain, 12 May 2013.  EPA/PETER POWELL

Rio Ferdinand hat im Old Trafford für Manchester United einen Treffer erzielt (gegen Swansea), 12. Mai 2013. (Keystone/Peter Powell)

Sir Alex Ferguson wird ab Sommer tatsächlich nicht mehr Trainer von Manchester United sein. Eine ganze Generation Fussballfans kennt diesen Weltverein gar nicht ohne den Schotten an der Seitenlinie. Jetzt werden die Karten in jeder Beziehung neu gemischt. Und weil ManU weltweit einer der beliebtesten Vereine ist, bleibt er mit seiner Geschichte, seinen Erfolgen, seinen finanziellen Möglichkeiten sowie dem traumhaften Old Trafford als Spielstätte ein sensationeller Arbeitgeber.

2. Real Madrid

Real Madrid's Mesut Ozil from Germany, left, in action with Osasuna's Ruben, right, during a Spanish La Liga soccer match at the Santiago Bernabeu stadium in Madrid, Spain, Saturday, June 1, 2013. (AP Photo/Andres Kudacki)

Real-Madrid-Spieler Mesut Özil (l.) im Zweikampf mit Ruben (Osasuna),1. Juni 2013. (AP Photo/Andres Kudacki)

Einmal bei Real Madrid spielen – so träumt seit Jahrzehnten fast jeder Bub weltweit. Die Anziehungskraft der Königlichen ist gigantisch. Zuletzt wurde Madrid jedoch von Barcelona dominiert. Das macht den Club nicht weniger interessant. Denn: Dabei zu sein, wenn Real den ersten Champions-League-Titel seit 2002 und den 10. Erfolg im wichtigsten Vereinswettbewerb feiert – davon träumt wohl fast jeder Fussballer weltweit. Vielleicht mit Ausnahme von Lionel Messi.

1. Bayern München

Bayern Munich FC team pose with their trophy and celebrate after the UEFA Champions League final between Borussia Dortmund and Bayern Munich at Wembley Stadium in London, Britain, 25 May 2013. EPA/KERIM OKTEN

Bayern München feiert den Champions-League-Titel, 25. Mai 2013. (Keystone/ Kerim Okten)

Die Titelhamsterer aus München holen sich auch diesen Steilpass-Pokal. Klar, der Druck ist auch bei den Bayern riesig, hier ist Rang 2 bereits eine böse Niederlage. Aber kein Fussballverein wirtschaftet besser, cleverer und vor allem gesünder. Der Triple-Gewinner aus München verfügt über eine fantastische Arena, zahlt prächtige Löhne, garantiert Titel, hat ausgezeichnete Strukturen, spielt in einer schönen Stadt und in einer boomenden Liga. Fussballer-Herz, was willst du mehr? Vielleicht noch den smarten FC-Barcelona-Baumeister Pep Guardiola als Trainer? Check!

Und wie sehen Sie das? Zu welchem Verein würden Sie als Weltstar am liebsten wechseln? Welcher Club ist warum besonders attraktiv? Und: Kann der Lohn wichtiger sein als Verein, Liga oder Lebensqualität?

U-21-Helden träumen von Brasilien

Thomas Kobler am Montag den 17. Juni 2013
Die Schweizer U-21-Mannschaft vor dem Final gegen Spanien, 25. Juni 2011. (Keystone/Peter Klaunzer)

Die Schweizer U-21-Mannschaft vor dem Final gegen Spanien, 25. Juni 2011. (Keystone/Peter Klaunzer)

Erinnern Sie sich noch? Vor zwei Jahren um diese Zeit spielte die Schweizer U-21-Nationalmannschaft ein glänzendes Turnier an der Europameisterschaft in Dänemark, in dem sie erst im Finale vom überragenden spanischen Nachwuchs mit 2 : 0 besiegt wurde. Für die Endrunde in Israel, die derzeit läuft, hat sich unsere Mannschaft nicht qualifizieren können – sie scheiterte in den Entscheidungsspielen an der DFB-Auswahl. Mittlerweile sind bei den ehemaligen Finalisten zwei weitere Spielzeiten Erfahrung hinzugekommen und die WM 2014 mit der A-Nationalmannschaft rückt langsam in den Fokus. Hier ein kurzer Überblick wie es um die ehemaligen U-21-Helden und ihre Chancen auf mögliche Einsätze unter Nati-Coach Hitzfeld steht:


Wessen Traum vom grossen WM-Ziel wird in Erfüllung gehen und wessen Träume werden womöglich platzen? Was glaubt ihr, Sportsfreunde?

Darum ist Vonlanthen eine gute Wahl

Simon Zimmerli am Freitag den 14. Juni 2013
ZUR VERPFLICHTUNG VON JOHAN VONLANTHEN BEI GC STELLEN WIR IHNEN AM DIENSTAG, 11. JUNI 2013 FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG -  Johan Vonlanthen beim Training mit dem FC Wohlen in Wohlen am Freitag, 12. April 2013.(KEYSTONE/Walter Bieri)

Spielt wieder in der Super League: Johan Vonlanthen beim Training mit dem FC Wohlen, 12. April 2013. (Keystone/Walter Bieri)

Beim Cup-Derby zwischen dem FCZ und GC sass auf der Tribüne des Letzigrund-Stadions auch ein gewisser Johan Vonlanthen. Aufmerksame Zuschauer werden ihn erkannt haben, obwohl er ein paar Kilo mehr auf den Rippen hatte als zu seinen Glanzzeiten. In der kommenden Saison wird Vonlanthen vermehrt im Letzigrund zu sehen sein – leider nicht mehr im Dress des FCZ sondern als polyvalenter Angreifer der Grasshoppers, die sich auf das Wagnis eingelassen haben, den wohl talentiertesten, aber auch unberechenbarsten Schweizer Fussballer der letzten Jahre zu engagieren. Kolumbianisches Fussball-Roulette könnte man diesen riskanten Transfer nennen, denn immerhin hat der einst so hoch Gelobte und vom holländischen Spitzenverein PSV Eindhoven in Teenager-Jahren mit einem hochdotierten Vertrag ausgestattete Ballkünstler seit 18 Monaten keinen Ernstkampf mehr bestritten.

Ein paar Kilo müssen vermutlich noch weg.

Ein paar Kilo müssen vermutlich noch weg. (Keystone/Walter Bieri)

Sein Wechsel nach Itagüi, einem Vorort von Medellin, war die siebte Station in seiner jungen Profikarriere und gelinde gesagt ein Missverständnis. Vonlanthen liess zwar verlauten, dass er furchtbar Lust habe, neben seiner religiösen auch der fussballerischen Leidenschaft zu frönen, ins Tor traf der Mann, der am Samstag nicht spielen wollte, aber nie. Sechs Spiele, null Tore lautete seine Bilanz. Indiskutabel für einen, der schon mit 17 zu gut war für die Schweizer Eliteliga, in der er nun einen Neuanfang wagt. Gewiss, Vonlanthen zu verpflichten ist mutig. Doch wer nichts wagt, der nichts gewinnt. Und es deutet einiges darauf hin, dass GC-Sportchef Dragan Rapic richtig liegt. Am Talent und an den technischen Fähigkeiten Vonlanthens gibt es keine Zweifel, und auch sein Charakter sollte kein Hindernis mehr sein. Anders als etwa Davide Chiumiento, der im FCZ-Ensemble bisweilen wie ein unwilliger Star wirkt, der versehentlich in der Provinz auftreten muss, ist Vonlanthen hungrig.

Erreicht Vonlanthen eine gute Form, ist vieles möglich. (Keystone/Walther Bieri)

Erreicht Vonlanthen eine gute Form, ist vieles möglich. (Keystone/Walter Bieri)

Vonlanthen ist nun 27. Vor zehn Jahren spielte er in der Championsleague, ging mit 18 Jahren als jüngster Torschütze an einer EM in die Geschichtsbücher ein und war bei seinem Comeback 2009 in der Super League beim FCZ ein Leistungsträger. Dazwischen sorgte er mit seinem schwierigen Charakter immer wieder für Eklats. So weigerte er sich in der Schweizer U-21-Nationalmannschaft auf der Bank Platz zu nehmen oder kämpfte mit einem ärztlichen Attest für die Teilnahme an der WM 2006 in Deutschland. Als Höhepunkt seiner Rückschläge wurde er bei Red Bull Salzburg in der Saison 2008/09 als Rekordverdiener des Clubs in den Nachwuchs verbannt. Diese Rückschläge haben Vonlanthen stärker gemacht und er weiss, dass es vermutlich seine letzte Chance ist, auf dem Fussballfeld für Furore zu sorgen. Er wird – anders als der zu den Young Boys abgewanderte Trainer Uli Forte – alles daran setzen, GC das in ihn gesetzte Vertrauen zurückzuzahlen. Er wird rennen, bis auch die letzten Fettpölsterchen weggeschmolzen sind und der GC-Offensive die nötige Abgebrühtheit verleihen.

Johan Vonlanthen erzielt EURO 2004 den Ausgleich gegen Frankreich, 21. Juni 2004. (Keystone/Olvier Berg)

Was hat er noch drauf? Im Bild: Johan Vonlanthen feiert an der EURO 2004 seinen Ausgleich gegen Frankreich, 21. Juni 2004. (Keystone/Oliver Berg)

Ich freue ich mich auf Johan Vonlanthen, auf einen Schuss Extraklasse für den Zürcher Fussball und auf ein spannendes Experiment. Sportler, die eine längere Pause hinter sich haben, besitzen einen besonderen Hunger und eine besondere Passion für ihren Beruf. Denken Sie nur an Kimi Räikkönen, der nach seiner Formel-1-Pause für Lotus den ersten Sieg seit den Tagen des grossen Ayrton Senna einfuhr oder an den spanischen Tennisstar Rafael Nadal, der wegen seiner Knieverletzung über sieben Monate keine Turniere bestreiten konnte und sein Comeback am vergangenen Wochenende in Roland Garros mit seinem achten French-Open-Titel krönte. Die Champions League, das fussballerische Pendant zu einem Grand Slam, wird Vonlanthen mit den Grasshoppers natürlich nicht gewinnen, aber er wird sich einen ehrenvollen Platz in der Geschichte des Schweizer Fussballs zurück erkämpfen. Vonlanthen wird im Lexikon des hiesigen Fussballschaffens bald nicht mehr unter V wie «verschleudertes Talent», sondern unter U wie «unerwartetes Comeback» zu finden sein. Wenn Sie ein paar Franken übrig haben, dann setzen Sie sie doch darauf, dass der Torschützenkönig der Super-League-Saison 2013/14 Johan Vonlanthen heissen wird.

Weltmeister wird … Brasilien

Fabian Ruch am Mittwoch den 12. Juni 2013


Heute in einem Jahr, am 12. Juni 2014, geht die Weltmeisterschaft in Brasilien los. Und bereits am nächsten Wochenende startet im WM-Gastgeberland der Konföderationen-Cup.

Die im Moment wohl stärkste Nationalmannschaft der Welt spielt beim Turnier der Kontinentalmeister nicht mit. Deutschland, gespickt mit Akteuren der Champions-League-Finalisten Bayern München und Dortmund sowie den Real-Madrid-Grössen Mesut Özil und Sami Khedira, ist dennoch eine nicht allzu mutige Wahl, wenn es darum geht, den nächsten Weltmeister zu prognostizieren.

An den letzten Welt- und Europameisterschaften scheiterten die Deutschen jeweils erst im Halbfinal oder Final. Ihre aktuelle Fussballergeneration ist kontinuierlich gewachsen, und durch den Gewinn der Champions League mit den Bayern haben die Führungsspieler Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger endlich ihren ersehnten grossen internationalen Triumph gefeiert. Mit den überragenden Fussballern Mario Götze, Marco Reus und Ilkay Gündogan, um nur die drei prominentesten Edeltechniker zu nennen, sind zudem Akteure nachgerückt, welche die Auswahl veredeln.

Auch Italien ist unter dem klugen Trainer Cesare Prandelli auf einem guten Weg. Prandelli lässt einen modernen, attraktiven Fussball spielen, ihm stehen in der Offensive mit Mario Balotelli und Stephan El Shaarawy zwei Ausnahmekönner zur Verfügung. Und ausgezeichnet organisiert ist die Squadra Azzurra ohnehin immer.

Spannend zu verfolgen sein wird, ob die Goldene Generation der Spanier um Xavi, Andrés Iniesta und Carles Puyol in Brasilien zu einem letzten Höhenflug bereit sein wird. Diese grossartigen Barcelona-Akteure wurden zuletzt ja auch mit ihrem Verein abgeschrieben. Möglicherweise spornt sie die Kritik, sie seien nach den Grosserfolgen der letzten Jahre satt geworden, in Brasilien zu einer Sonderleistung an. Ein fettes Fragezeichen darf dahinter aber gesetzt werden.

Andere europäische Topnationen wie Frankreich, England und Holland sind derzeit schwächer als die absolute Weltspitze einzuordnen. Und Portugal hat zwar den grossartigen Cristiano Ronaldo und erreichte zuletzt regelmässig den Halbfinal einer WM oder EM. Dennoch traut man den Portugiesen den grossen Wurf nicht zu.

Für europäische Nationen wird es sowieso schwierig werden, in Brasilien zu reüssieren. Das belegt auch die Historie. Noch nie in sieben Anläufen setzten sich Europäer an einer WM in Nord- oder Mittel- oder Südamerika durch!

Und die Konkurrenz wird stark sein. Kolumbien (mit dem formidablen Sturmduo Radamel Falcao und Jackson Martinez) als Siebter und Ecuador als Zehnter stehen in der Fifa-Weltrangliste erstaunlich weit vorne, aber natürlich sind die Argentinier noch besser. Ihr Superstar Lionel Messi überzeugte in den letzten Monaten im Nationalteam erheblich mehr als früher. Könnte Messi seine Auswahl ausgerechnet im Land des grossen Rivalen zum WM-Erfolg führen, würde er sogar aus dem Schatten seines legendären Landsmannes Diego Maradona treten.

Dennoch würden wir, auch ein bisschen dem Herzen folgend, derzeit wagemutig auf das seit Monaten kriselnde Brasilien als Weltmeister 2014 setzen! Natürlich stimmten die Resultate der Seleção zuletzt nicht immer, doch das Team kann seit langem bloss relativ bedeutungslose Testspiele bestreiten und ist deshalb im zuweilen absurden Fifa-Ranking auf Rang 22 abgerutscht – deutlich hinter das Spitzentrio Spanien, Deutschland und Argentinien, aber auch hinter die Schweiz (14), Dänemark (20) oder Ghana (21) sowie nur knapp vor Mali! Beim 3:0-Erfolg vor wenigen Tagen gegen Frankreich aber spielten, kombinierten und tricksten die Brasilianer wie zu besten Zeiten. Und ihr Steigerungspotenzial ist immens.

Eine mögliche Aufstellung der Brasilianer, die über unfassbar viele Spitzenkräfte verfügen, liest sich jedenfalls wie eine Weltauswahl: Daniel Alves (Barcelona), Thiago Silva (Paris), Dante (Bayern München), Marcelo (Real Madrid), David Luiz (Chelsea), Ramires (Chelsea), Lucas (Paris), Oscar (Chelsea), Neymar (Barcelona), Hulk (Zenit St. Petersburg).

Es gilt selbstverständlich viele ausgezeichnete Alternativen zu diesen Könnern. Offen ist jedoch, wie sich Ausnahmespieler Neymar nächste Saison bei Barcelona entwickeln wird. Davon hängt einiges für Brasilien ab. Und, richtig, bei unserer Aufstellung fehlte ein Torhüter. Aber wer auf die besten Abwehrspieler der Welt wie Thiago Silva und David Luiz zählen darf, ist nicht auf einen erstklassigen Ballfänger angewiesen …

Was meinen Sie? Wer ist derzeit die beste Nationalmannschaft der Welt? Ist die Zeit Spaniens abgelaufen? Welches europäische Team kann Gastgeber Brasilien und Argentinien an der WM 2014 gefährden?

Ist die Nati WM-tauglich?

Thomas Kobler am Montag den 10. Juni 2013

Die Meisten, die den Fehler machten, sich diesen Horrorkick bei bestem «Al fresco»–Wetter anzutun, machten eine gänzlich neue Erfahrung: Matchstrafe fürs Zuschauen! Noch schlimmer erging es den Herren Hitzfeld und Pont. Was den beiden nach einer Vorbereitungswoche mit der Mannschaft einfiel, war nicht nachvollziehbar.

Dass Coaching von der Tribüne aus nicht funktioniert, bewiesen schon Berti Vogts damals in Leverkusen und Rolf Fringer in Zürich erst kürzlich. Weil Ottmar Hitzfeld diese Feldherren-Position weit ab vom Schuss nicht freiwillig einnahm, kann es als mildernder Umstand berücksichtigt werden, aber macht die Fehlentscheide in Aufstellung und Taktik deswegen nicht weniger gravierend.

Im Detail: Wie man seinen besten, ballsichersten, schussstärksten und überraschendsten Spieler –Shaqiri – auf dem rechten Flügel aus dem Zentrum des Geschehens heraushalten wollte, war an Ignoranz nur schwer zu überbieten. Aber dem «Blick-Kolumnisten» und seinem vor dem Spiel schmallippigen Führungsgehilfen gelang dieses Kunststück bravourös.

Keine Luftwaffe? Kein operativer Führer auf diesem Planeten verzichtet im Angriff freiwillig auf die dritte Dimension – abgesehen von Hitzfeld. Was er sich vorstellte, was mit den Flanken der beiden – normalerweise starken Aussenverteidiger Lichtsteiner und Rodriguez – in Tornähe hätte passieren sollen, wissen wohl nur er und Michel Pont. Den kleinen und formschwachen Gavranovic als Flankenziel dort aufzustellen war – wie bereits erwähnt – nicht nachvollziehbar. Dass Pont kurz vor Ende des Horrors, dann doch noch den grösseren Seferovic brachte, war eine Mischung aus Verzweiflungstat und Deduktion – wen sonst hätte er denn noch da vorne in die Schlacht werfen können?

Die eher unglückliche «Dzemaili-Affäre» ging trotz aller Fehlgriffe der Führungsriege glimpflich aus. Erst hielt sich der Napoli-Spieler neben dem Platz zurück, und dann, als er doch noch ab der 67. Minute seine langersehnte Chance bekam, auch auf dem Platz. Dass er dabei kaum wirkungsvoller als Inler blieb, war kein Trost, sondern trostlos.

Warum Behrami ausgewechselt wurde, erklärte der geschätzte «Tagi»-Kollege Thomas Schifferle bereits gestern schlüssig. Warum aber der beste Spieler auf dem Platz, Basels Stocker, runter musste, dazu fiel auch ihm, sowie jedem, der schon mehr als drei Fussballspiele im Leben gesehen hat, nichts mehr ein.

Was funktionierte überhaupt im Schweizer Spiel ? Praktisch nichts. Benaglio hielt harmlose Bälle ordentlich, aber brachte mit Abwürfen seine technisch etwas herausgeforderten Vorderleute mehrmals in der Gefahrenzone in ziemliche Abspielnot. Das erste Hinterlaufen auf dem Flügel gelang in der 80. Minute auf der rechten Seite Lichtsteiner – wohlverstanden gegen kämpferische, aber bescheidene Zyprioten. Drmic erreichte diese Saison anständiges Super-League-Niveau. International ist er noch ein Novize. Seferovic war der einzige, der tadellos funktionierte. Nur er verhinderte auf den letzten Drücker mit feiner Fussgelenksmotorik eine weitere Riesenblamage gegen Zypern innerhalb von drei Monaten.

Sind wir jetzt durch in dieser Todesgruppe der Wankelmütigen, und ist die Mannschaft und ihre Führung auf gutem Weg zur WM-Tauglichkeit?

Was denkt ihr, Sportsfreunde?

Die Liebe der Matrosen

Thomas Kobler am Samstag den 8. Juni 2013

…steht nicht eben als leuchtendes Beispiel für unverbrüchliche Treue, aber gegen die Liebesbezeugungen im Fussballgeschäft könnte sie einem fast schon wie das grosse Los vorkommen. Am liebsten hätten wir ja alle – wenn wir ehrlich sind – die grosse, romantische Liebe von ganzem Herzen, wie sie uns von Goethes leidendem, jungen Werther in Kopf und Herz gepflanzt wurde und die so fatal endete. Als hätte Goethe damals schon die Gefühlswelt der heutigen Fankurven-Ultras genau gespürt und auszudrücken vermocht.

Herzliche Entbundenheit

Herzliche Entbundenheit: GC-Spieler Vilotic (l.) und Uli Forte. (Keystone)

Wie Liebe im Fussball klingen kann, dazu hier ein paar O-Töne von einem, der es wissen muss. Ex-GC Trainer Uli Forte sagte noch am Tag als seine Liebe zum GC Knall auf Fall und herzzerreissend endete: «Ich habe meine Spieler sehr gern, sie sind mir ans Herz gewachsen.» Oder in der Stunde des grössten GC-Glücks jüngeren Datums, dem Cup-Sieg: «Ich kann meine Emotionen nicht in Worte fassen.» Natürlich schmiedet man in solchen Zeiten überschwänglicher Gefühle auch Zukunftspläne: «So weit sind wir nicht. Wir sind nicht auf Augenhöhe mit Basel, vielleicht in ein paar Jahren.» Seit einer Woche wissen wir es besser. Die Liebe endete, gottlob, weniger tragisch als beim jungen Werther, aber ein schaler Nachgeschmack wurde Transparent: «Uli- charakterlose Lump!», stand da – zwar emotional, jedoch inhaltlich und grammatikalisch etwas zu kurz gegriffen – in grossen Lettern.

Und sie tanzten einen Tango…im Partner-Look

Und sie tanzten einen Tango…im Partner-Look: Die Luzerner Pajtim Kasami (l.) und Carlos Bernegger. (Keystone)

Etwas weniger verbissen sehen es die Argentinier mit der Liebe. Trotz viel Knistern und sich reibender und zündelnder Körper im Tango-Rhythmus, gibt man eine gewisse ironische Distanz beim Ausdrücken von Zuneigung und Bewunderung nicht ganz auf. Bestes Beispiel dafür war unlängst der neue Luzerner Trainer Carlos Bernegger, als er in aller Öffentlichkeit gestand: «Ich liebe Kasami.» Alex Frei soll ihm daraufhin schon wieder eine Szene gemacht haben, munkelt man.

Jupp Heynckes und Bastian Schweinsteiger.

Sorry, Poldi: Jupp Heynckes (l.) und Bastian Schweinsteiger feiern in Wembley. (Keystone)

Zeit für weiss-blau-rote Zärtlichkeit herrschte kürzlich auch in London auf dem manikürten Wembley-Grün. Nach dem gewonnen Champions-League- Finale entstand ein Bild von seltener Zuneigung in der ziemlich homophoben Welt des Fussballs. Der gefühlte Kapitän des FC Bayern, Bastian Schweinsteiger, und Trainer Jupp Heynckes hielten sich vor Hunderten von Millionen Menschen beinahe schon zärtlich in den Armen. «Poldi & Schweini» sind definitiv Geschichte.

Roman Abramowitsch und José Mourinho.

Er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt…: Roman Abramowitsch (l.) und José Mourinho. (Reuters)

Die Beziehung Abramowitsch-Mourinho fällt wohl in die Kategorie «Amour fou». Also jene verrückten Verbindungen, in denen die Protagonisten weder mit- noch ohne einander leben können. Dass hier wieder zwei Kerle die Hauptrolle spielen, ist eigentlich nur gerecht, gewann doch in Cannes erst gerade die Liebesgeschichte zweier junger Frauen die Goldene Palme. Unsere beiden Jungs hier wären schon mit dem silbernen Henkelkübel der UEFA  zufrieden.

Jürgen Klopp und Mario Götze. (Keystone)

«Götzes Wechsel war wie ein Herzinfarkt» (so Klopp): Jürgen Klopp und Mario Götze. (Keystone)

Wer im Fussball «Echte Liebe» erfahren möchte, der mache sich auf den Weg zur Treppe in den gelb-schwarzen Himmel der Glückseligkeit: die Südtribüne des Dortmunder Westfalen-Stadions. Ein Herz, eine Seele, ein Verein , aber kein Titel und kein Götze. Echte Liebe braucht halt auch ein wenig Schmerz, damit man sie so richtig spürt.

Uli Forte: Kein starker Abgang

Simon Zimmerli am Freitag den 7. Juni 2013

Das verbale Nachtreten war unnötig: GC-Trainer Uli Forte, 1. Juni 2013. (Keystone/Steffen Schmidt)

Die Meldung über den Transfer von Ulrich Forte im Radio traf mich, gemessen am Knalleffekt, ähnlich schwer wie der Tod von Lady Di. Vielleicht noch etwas härter, da ich ein paar Minuten zuvor das Portrait über Forte und seine Visionen mit GC im «Tages-Anzeiger» gelesen hatte. In diesem liess er sich als fürsorglicher und sozialkompetenter Hirte feiern, der nur darauf bedacht war, keines seiner Schafe zu verlieren. Nun ist der Hirte selbst nach Bern weitergezogen. Bisher noch ohne dass ihm eines seiner GC-Schafe gefolgt wäre.

Ein grosser Verlagsmogul kommt auf mich zu und bietet mir einen Dreijahresvertrag als Blogger und Live-Tickerer zum doppelten Salär an. In den Pausenräumen des vermeintlich neuen Verlagshauses stehen – nicht wie bei uns – Automaten mit Vollkornriegeln und Softgetränken, sondern leichtbekleidete Frauen, die mir kostenlos Bier und Häppchen reichen. Der Geschäftswagen, ein Audi 4Zf8-17 Turbo, wird mir kostenlos zur Verfügung gestellt und nachdem ich auf die fehlende Fahrprüfung aufmerksam mache, gibt es eine hübsche Fahrerin gratis dazu geliefert. Ist es nun selbstverständlich, dass ich das besser dotierte Angebot annehme? Nein, obwohl es sicher legitim wäre, gibt es auch Gründe wie den menschlichen Aspekt oder die Dankbarkeit, um einen solchen Wechsel nicht zu vollziehen. Ohne gleich als Romantiker zu gelten.

Ich verurteile den Wechsel von Uli Forte nicht, aber sein Verhalten nach Bekanntmachung des Transfers hinterlässt selbst bei einem FCZ-Anhänger einen schalen Nachgeschmack. Vom Stellensuchenden bei den regionalen Arbeitsvermittlungszentren zum Cheftrainer von GC erkoren, könnte er doch nun das Vertrauen, das ihm die Vereinsspitze vor einem Jahr ausgesprochen hat, honorieren, statt fehlendes Vertrauen geltend zu machen. Forte hat stets gekriegt, was er sich bei GC mit den – im Vergleich zu YB bescheidenen finanziellen Mitteln – gewünscht hat. Auch der Zweijahresvertrag, auf den er so sehr gepocht hat, ist seit einiger Zeit beschlossene Sache, da er mit dem Erreichen des 5. Ranges schon ein paar Runden vor Schluss automatisch in Kraft getreten ist.

Forte hat aus dieser Mannschaft das Maximum herausgeholt und dafür gebührt ihm mein Respekt. Aber ohne die defensive Stabilität und dem überstrapazierten Wettkampfglück könnte GC auch auf dem 3. oder 4. Schlussrang stehen. Forte will die Herausforderung nicht annehmen, diese grossartige Saison zu bestätigen und geht damit den Weg des geringsten Widerstandes. Ergo will er auch in seiner ersten Saison bei YB nicht vom Meistertitel sprechen. Die Aufgabe bei den Berner Young Boys ist für ihn in der Tat demnach viel einfacher. Und ganz nebenbei verdient er auch noch das Doppelte. Die Möglichkeit, sich mit GC für die Champions League zu qualifizieren und etwas Nachhaltiges aufzubauen, interessiert ihn nicht.

Forte wurde von den Fans in seinem letzten Spiel für die Grasshoppers als geldgieriger und charakterloser Lump dargestellt. Er hätte einen anderen Abgang verdient. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte er schlicht einem guten Angebot nicht widerstehen, was nicht verwerflich ist. Vielleicht hätte er den Interviewtermin mit «Tagi»-Redaktor Thomas Schifferle vom Freitagnachmittag absagen oder die Erscheinung des Artikels am Tag der Bekanntmachung seines Wechsels verhindern  müssen, aber ansonsten ist dies das ganz normale und unromantische Fussballgeschäft. Sich danach aber negativ über seinen Arbeitgeber äussern («GC ist nicht mehr das GC von früher und lebt nur noch von seinem Rekordmeister-Image») und André Dosé mangelnde Wertschätzung vorwerfen, das ist nicht eben «forte».

Vielleicht ist dies nun ein Widerspruch und – als FCZ-Fan – ein Kapitalverbrechen, wenn ich mich für den Job als GC-Trainer bewerbe, aber mein Ziel war es stets, Fussballprofi zu werden. Nicht Blogger, nicht Live-Tickerer, nicht Marketingverantwortlicher beim ZWÖLF und auch nicht Barkeeper. Aber wenigstens könnte man mir bei einer allfälligen Kündigung des Vertrags nicht vorwerfen, ich hätte gesagt, es wäre eine Herzensangelegenheit oder immer schon ein Kindheitstraum gewesen, bei GC unter Vertrag zu stehen.

Mehr als eine Silbermedaille

Fabian Ruch am Mittwoch den 5. Juni 2013
(EPA/Tobias Hase)

Das Potenzial der Schweizer Fussballer ist gross: Bayern-Spieler Xherdan Shaqiri während eines Spiels gegen Freiburg, 27. April 2013. (EPA/Tobias Hase)

Verpasst die Schweiz die Teilnahme an der WM 2014 in Brasilien, wäre das eine riesengrosse Enttäuschung. Und es wäre eine schwere Niederlage für den Startrainer Ottmar Hitzfeld, der den personellen Umbruch im Team in den letzten Jahren so geschickt moderiert hat. In einer Gruppe mit den zwar unbequemen, aber bestenfalls mittelmässigen Gegnern Island, Norwegen, Slowenien, Albanien und Zypern muss die Schweiz einfach Rang 1 erreichen. Und sie muss am Samstag das Heimspiel gegen Zypern gewinnen. Man darf das verlangen. Dafür reicht ein Blick auf die Kaderlisten und die Arbeitgeber der Nationalspieler. Diese Schweizer Auswahl besitzt enorme Fähigkeiten. Aber vermutlich wird sie ihren Leistungszenit erst nach der WM in Brasilien erreichen. Viele junge, hochbegabte Kräfte wie Xherdan Shaqiri, Granit Xhaka, Ricardo Rodriguez oder Josip Drmic können nur noch besser, reifer, zielstrebiger werden. Keiner von ihnen ist älter als 21!

Grosses Potenzial

Möglicherweise landet diese talentierte Generation Schweizer Fussballer irgendwann in den nächsten Jahren einen Riesencoup. Sie besitzt das Potenzial dazu, die Weltgrössen zu ärgern und zu schlagen. Allerdings ist die Konkurrenz in einer Sportart, die nahezu in jedem Land der Welt mit Begeisterung  betrieben wird, ausserordentlich gross. Eine Finalteilnahme an einer Fussball-Weltmeisterschaft wäre für ein derart kleines Land wie die Schweiz eine historische Mega-Sensation. Andererseits wurden einige Mitglieder der aktuellen Mannschaft vor bald vier Jahren U-17-Weltmeister oder standen 2011 an der U-21-EM im Final gegen Spanien. Sie wissen, wie man scheinbar übermächtige Länder herausfordert – und bezwingt.

Shaqiri ins zentrale Mittelfeld

Die Karriereplanung der besten helvetischen Nachwuchskräfte ist zum Glück cleverer geworden. Viele wollen sich zuerst in der Super League durchsetzen, ehe sie in eine ausländische Liga wechseln. So versauern weniger Talente auf Ersatzbänken irgendwo in Europa. Xherdan Shaqiri ist auch in dieser Beziehung das Vorbild – allerdings muss er sich bei den Bayern nächste Saison vom wertvollen Ergänzungsspieler zur Stammkraft entwickeln. Mit seinem aussergewöhnlichen Talent sollte der Bayern-München-Spieler zudem im Nationalteam eine noch einflussreichere Rolle übernehmen dürfen. Im zentralen, offensiven Mittelfeld würden Torgefahr, Instinkt, Ballsicherheit und Sonderklasse Shaqiris noch ausgeprägter zur Geltung kommen.

Vorbild Eishockeyaner

Shaqiri und Kollegen stehen vor einer glänzenden Zukunft. Noch aber haben sie als Nationalteam wenig gewonnen. Und seit ein paar Wochen können sich die Fussballer ja an einem Vorbild aus dem eigenen Land orientieren. Die Eishockeyaner haben mit ihrem fantastischen Siegeszug an der WM und ihrem tollen Teamgeist ein kräftiges Zeichen gesetzt. In der allgemeinen Euphorie nach dem Gewinn der Silbermedaille war vielerorts die Schreibe vom grössten Schweizer Sport-Mannschaftserfolg der Geschichte. Das ist, ohne die überragende Leistung in einer attraktiven Sportart schmälern zu wollen, natürlich übertrieben. Zumindest von der globalen Bedeutung her.

Wie eine Fussball-WM ohne Messi und Ronaldo

Die von Kollege Simon Zimmerli hier kürzlich angeregte Diskussion, wie Kaiser Fussball die anderen Sportarten am Rand dominiert, verdient eine Fortsetzung. Denn gemessen an der Resonanz in der Sportwelt ist bereits eine Qualifikation der Schweizer Fussballer für den WM-Achtelfinal wie 1994 und 2006 eine grössere Tat als eine Silbermedaille im Eishockey. Dieser Achtelfinal wird in ungefähr 208 Ländern live am TV ausgestrahlt – und nicht in bloss rund vier. Und ernsthaft betrieben wird Eishockey nun einmal nur in maximal 20 Ländern, während es im Fussball auch in Südamerika, Asien und Afrika starke Nationen gibt. Zudem fehlen an einer Eishockey-WM viele der besten Akteure, weil sie in den NHL-Playoffs engagiert sind. Man stelle sich eine Fussball-WM ohne Lionel Messi, Cristiano Ronaldo, Wayne Rooney, Zlatan Ibrahimovic und Neymar vor! Oder Deutschland ohne Manuel Neuer, Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Thomas Müller, Toni Kroos und alle anderen Bayern-Stars, weil diese noch den Champions-League-Final bestreiten müssen!

Das wäre absurd. Es würde aber immerhin – selbst wenn der Münchner Xherdan Shaqiri ja auch fehlen würde – die Chancen der Schweizer erhöhen.

Was finden Sie: Ist eine Silbermedaille im Eishockey die grössere Leistung als eine Qualifikation der Fussballer für einen WM-Achtelfinal? Und: Was trauen Sie der Schweizer Nationalmannschaft in der WM-Kampagne 2014 zu? Welche Rolle sollte Xherdan Shaqiri dabei im Spielsystem spielen?

Dé­jà-vu?

Thomas Kobler am Montag den 3. Juni 2013
Meistertitel Nummer 16: Basel-Captain Marco Streller feiert mit Pokal und Fans auf dem Barfüsserplatz. (Bild: Patrick Straub/Keystone)

Meistertitel Nummer 16: Basel-Captain Marco Streller feiert mit Pokal und Fans auf dem Barfüsserplatz. (Bild: Patrick Straub/Keystone)

Der FC Basel ist Meister, Servette FC ist am Ende. Eigentlich alles wie gehabt, ist man geneigt zu denken, nachdem der letzte Pfiff in der Super-League-Saison 2012/13 verklungen ist. Was war so bemerkenswert an der abgelaufenen Saison – abgesehen von Fortes «Judas-Nummer» -, dass es im Gedächtnis der Fans haften bleibt? Bei mir sind das, ohne dass ich viel nachblättern muss, folgende Höhepunkte:

Kategorie: Unvergesslich
Das Europa-League-Viertelfinalspiel des FCB bei den Spurs an der White Hart Lane. Nebst einem tollen Fussballabend lieferten die Basler auch die Bestätigung, dass sie mittlerweile gutes internationales Format erreicht haben und selbst für grosse europäische Vereine einen ernstzunehmenden Gegner darstellen. Respekt. Das unsägliche Trainerkarussell in der Super League gereicht weder den Vereinen noch den Übungsleitern zur Ehre. Selbst eine Super-League-Lebensabschnittspartnerschaft sollte etwas länger als nur ein paar Monate dauern, wenn sich zwei halbwegs intelligente Parteien darauf einlassen. Eine Schande.

Kategorie: Überraschung!
Die Zürcher Grasshoppers. Beinahe wie Phoenix stiegen sie aus der Asche und spielten bis zum zweitletzten Spieltag um den Titel. Erfolg hat immer viele Väter, aber welcher «Vogel» auch immer entschied, dass etwas Routine an entscheidenden Stellen den mittlerweile gereiften Nachwuchskräften die nötige Stabilität bringen könnte, der lag goldrichtig. Schlauer Zug. Eine gute Saison gelang auch dem Aufsteiger FC St. Gallen. Hätten die Ostschweizer auch noch einen treffsicheren Mittelstürmer gehabt, sie hätten womöglich erreichen können, was der 1. FC Kaiserslautern unter Otto Rehagel und mit Olaf Marschall 1998 schon mal schaffte: Aufstieg und Durchmarsch zur Meisterschaft. Verpasste Grosschance?

Kategorie: Achtung Baustelle!
Die Offiziellen, Schiedsrichter und Linienrichter, gaben auch in dieser Saison kein überzeugendes Bild ab. Besonders die Linienrichter enttäuschten mich Mal für Mal. Das Spiel ist schnell geworden und die Szenen manchmal heikel, aber vier Augen müssten trotzdem mehr sehen als zwei. Eine Misere. Ein Fass ohne Boden steht im Wallis. Der FC Sion ist nur noch ein Trümmerfeld. Aus einem Herausforderer um den Titel wurde innert acht Monaten der Verlierer der Saison. Ums Tourbillon wird alle Fussball-Weisheit mit Füssen getreten. Eine Katastrophe.

Kategorie: Spieler der Saison
1. Roman Bürki (GC) und Fabian Schär (FCB)
2. Valentin Stocker (FCB)
3. Oscar Scarione (FCSG)

Kategorie: Enttäuschung der Saison
1. BSC Young Boys
2. Rolf Fringer
3. Moreno Costanzo (YB) und Nassim Ben Khalifa (GC)

Kategorie: Witz der Saison
1. Der FC Luzern
2. Die Frage: Wölfli oder Bürki?
3. Raoul Bobadilla im Berner Drama «Ich bin ein Star, holt mich hier raus!»

Kategorie: Freudenspender und Prügelknaben
Der fleissigste Pechvogel der Saison war Luzerns Dimitar Rangelov – er «tötete» nicht nur zahllose Torchancen, er begrub sie auch gleich am Laufmeter. Unterirdisch. Die glücklichste Hand als Sportchef hatte Thuns Res Gerber – er luchste YB Marco Schneuwly ab, kaufte und verkaufte Anatole mit Gewinn und holte Urs Fischer. Smart. Definitiv zum Freudenspender wurde Jeff Saibene, nachdem sich der Espen-Block am Ende der letzten Saison da gar nicht so sicher war. Schwarmintelligenz könnte überschätzt sein. Zu Prügelknaben wurden die Mitglieder der Sicherheitsdirektoren-Konferenz gemacht – ausgerechnet von den wahren Prügelknaben. Verkehrte Welt.

Wer oder was ging vergessen, Sportsfreunde?

Tränen und Kaugummi lügen nicht

Thomas Kobler am Samstag den 1. Juni 2013


Fussball ist eine Leidenschaft, welche besonders im Frühling oft zu Gefühlsausbrüchen führt, die sogar gestandenen Mannsbildern und Grössen dieses Sports  das Wasser in die Augen treiben kann. Männer, die auch mal öffentlich Gefühle zeigen, sind keine  Heulsusen, aber vielleicht Kerle, die genau wissen, was sie grad gewonnen oder verloren haben und kein Geheimnis daraus machen, woran sie zu beissen haben:

David Beckham ging in Paris im zweitletzten Spiel des PSG als «Ehrenkapitän» in der 83. Minute aufgewühlt vom Platz. Was sollte er am Ende seines letzten Spiels auch anderes tun. Es war trotz Sieg zum Heulen. Im «Sky Sports»-Interview mit seinem alten Team-Mate Gary Neville wird deutlich, wie sehr er liebte, was er machte – Fussball spielen. Während sein Kopf zu rechtfertigen suchte, dass der Moment des Abschieds in der bestmöglichen Form gekommen war, wurde auch deutlich, wie sehr sein Herz noch weiter diese unglaublichen Flanken aus dem rechten Halbfeld schlagen oder noch dem einen oder anderen Goalie einen unhaltbaren Freistoss in die Maschen jagen möchte. Seinem alten Kumpel erklärte er augenzwinkernd: «Als Messi kürzlich an mir vorbeistürmte, da wusste ich, jetzt war die Zeit gekommen, um abzutreten.» David Beckham ist die schillerndste Ikone, die das Spiel bisher hervorgebracht hat, aber im Fussball müssen auch Ikonen rennen und treffen, und dafür war er sich nie zu schade.

Ein geradezu tödlicher Torjäger (168 «Buden»  in 226 Ligaspielen) war Jupp Heynckes in jener legendären Gladbacher Elf, die als «Fohlen» unter dem charismatischen Hennes Weisweiler in den Siebzigerjahren Kultstatus erreichte. Diese Trefferquote ist für einen Aussenstürmer bis heute fabelhaft. An seine aussergewöhnlich erfolgreiche Spielerlaufbahn hängte er eine ebensolche Trainerkarriere, die er mit einem Bayern-Sieg im heutigen DFB-Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart mit einem historischen Triple glanzvoll krönen könnte. In der Pressekonferenz nach seinem letzten Bundesligaspiel  im Gladbacher Borussia-Park übermannten den 68-jährigen Fussball-Lehrer die Gefühle, nachdem ihm die Fans zeigten, «dass das meine Heimat ist». Mit stockender Stimme gewährte er der Welt für einen Moment ungewollt Einblick in sein Innerstes. Schönere Liebeserklärungen kann man sonst nur mit einem Knie auf dem Boden machen.

Keine Tränen aber grosse, ehrliche Gefühle lagen in der Luft, als sich Sir Alex Ferguson vom proppenvollen, heimischen «Theatre of Dreams» verabschiedete. Ganz der «harte Hund», der der Schotte immer war, liess er auch bei seinem vorletzten Spiel auf der Trainerbank nur seinen Kaugummi deutlich spüren, wie es innerlich um ihn stand. 1986 übernahm er den Managerposten bei Manchester United, jenem Club aus dem Matt Busby nach der Tragödie des Münchner Flugzeugabsturzes von 1958, der acht Spielern und fünfzehn weiteren Personen an Bord das Leben kostete, in den Sechzigern die «Busby Babes» formte und mit denen er als erstes englisches Team 1968 den Europapokal der Landesmeister  gewann. Als Alex Ferguson, aus Aberdeen kommend, die Stelle in Manchester antrat, war einiges vom Glanz der alten Tage abgebröckelt. Als Sir Alex – «The Boss» – sich am 8. Mai vor dem letzten Heimspiel gegen Swansea als neuer Meister der Premier League daheim aus der ersten Reihe des Clubs verabschiedete, standen 28 weitere Titel zu Buche. Darunter das unvergessliche Triple von 1999. Wer wollte nach solchen Triumphen auch weinen?