Heute werfen wir einen Blick auf die Attraktivität der Vereine für Fussballer. In unserer Top 10 der Clubs taucht kein Italiener auf, die Blütephase der Serie A ist längst vorbei. Einst galt die italienische Liga als schönste und beste der Welt – heute sind die meisten Stadien veraltet, die Löhne sind tiefer als in anderen Topligen, und so schrammt einzig Meister Juventus mit neuer Arena knapp an einer Nomination vorbei. Milan und Inter dagegen müssen sich zuerst wieder herausputzen und zu alter Stärke zurückfinden. Beide gehören nicht mehr zum Eldorado für Spitzenkräfte.
Die Bundesliga ist derzeit die wohl attraktivste Liga der Welt. Dennoch schaffen es Schalke, Leverkusen und Wolfsburg nicht in die Steilpass-Liste. In den Top-10-Vereinen ist eine Arbeitsstelle für De-luxe-Fussballer noch reizvoller. Gegen den ukrainischen Giganten Schachtar Donezk sowie den russischen Retortenclub Anschi Machatschkala, wo Spitzensaläre verdient werden können, sprechen die geographisch wenig bezaubernde Lage der Clubs sowie das Leistungsniveau in der Liga. Gerade südamerikanische Stars können dort wenig Eigenwerbung betreiben und werden selten ins Nationalteam berufen. Deshalb taucht auch keiner der Istanbuler Vereine Galatasaray, Fenerbahçe und Beşiktaş auf. Die türkische Liga ist insgesamt zu schwach.
Als attraktivsten Verein ausserhalb Europas wählen wir Flamengo, stellvertretend für die aufstrebende brasilianische Liga, wo mittlerweile wunderbare Löhne bezahlt werden. Und beim Traditionsverein Flamengo in der Traumstadt Rio de Janeiro lässt es sich ganz angenehm spielen.
Jetzt aber zu den Top 10 der attraktivsten Clubs der Welt für Fussballer:
10. Manchester City

Manchester-City-Spieler Tevez feiert einen Treffer gegen Wigan, 17. April 2013. (Keystone/David Richards)
Im Scheichclub ist die Bezahlung ausgezeichnet. Das Kader ist glänzend besetzt und besitzt insbesondere in der Champions League noch Steigerungspotenzial. Weil Manchester City jahrzehntelang erfolglos agierte, ist der Hunger nach Titeln und Trophäen überall spürbar. Das kann inspirierend sein.
9. Monaco

Falcoa (neu bei AS Monaco) wirft sich nach einem Treffer für Atletico Madrid in Pose, 31. Mai 2013. (Keystone/Srdjan Suki)
Vor zwei Jahren wäre der Champions-League-Finalist von 2004 nicht einmal unter den Top 200 der Weltclubs gestanden. Mit russischer Finanzhilfe aber ist der Fürstenclub auf dem radikalen Weg zurück zu alter Stärke. Vor kurzem stieg Monaco in die Ligue 1 Frankreichs auf. Und jetzt wird aufgerüstet, koste es, was es wolle. Man darf mit mehreren Hundert Millionen Franken Investitionen allein in diesem Sommer rechnen. Der kolumbianische Superstürmer Radamel Falcao von Atletico Madrid etwa ist für rund 75 Millionen Franken bereits verpflichtet worden. Der milliardenschwere Oligarch Dimitri Rybolowlew träumt auch von Cristiano Ronaldo und anderen Weltstars. Sie verdienen in Monaco steuerfrei. Das Financial-Fairplay, welches von der UEFA demnächst eingeführt werden soll, wird dabei heftig mit den Füssen getreten. Demnach dürfen Vereine ja bald nur noch so viel ausgeben, wie sie selber einnehmen…
8. Borussia Dortmund
Tolle Fans, mit dem Signal-Iduna-Park eine prächtige Arena, bei jedem Heimspiel rund 80’000 Zuschauer, grenzenlose Begeisterung im Anhang – das alles spricht für Dortmund. Und verhungern muss ein Starkicker bei der Borussia auch nicht, selbst wenn in den anderen Top-10-Clubs dieser Liste im Schnitt deutlich mehr bezahlt wird. Für den Champions-League-Finalisten spricht zudem der leidenschaftliche Trainer Jürgen Klopp. Er macht Spieler besser. Das kann ein Anreiz sein.
7. Paris Saint-Germain

Evian-Spieler Milos Ninkovic (r.) und Cedric Moncongu (l.) versuchen PSG-Spieler Zlatan Ibrahimovic (M.) zu stoppen, 28. April 2013. (Keystone/ Eddy Lemaistre)
Paris ist eine tolle Stadt mit fantastischer Lebensqualität. Zudem wird der Club seit wenigen Jahren von vermögenden Scheichs alimentiert. Das lockt Hochpreisfussballer wie Zlatan Ibrahimovic oder Thiago Silva an. Und: PSG will weiter protzen. Gegen den Verein spricht die eher zweitklassige Liga und der Spitzensteuersatz für Millionenverdiener von 75 Prozent (!), der in Frankreich eingeführt worden ist. Wobei: Wenn ein Nettolohn ausgehandelt wird, muss das die Spieler nicht kümmern…
6. Chelsea

Chelsea-Spieler Fernando Torres lässt Benficas Torhüter Artur Moraes alt aussehen und erzielt ein Tor, 15. Mai 2013. (AP Photo/Peter Dejong)
Auch London ist eine pulsierende, tolle Weltstadt. Und bei Chelsea übernimmt mit José Mourinho der vielleicht beste Trainer der Welt im Sommer wieder das Zepter. Das hört sich nach einem spannenden Projekt an. Zumal der verschwenderische Besitzer Roman Abramowitsch eher nicht als kleinlich bekannt ist, wenn es um sein Fussball-Spielzeug geht.
5. Arsenal

Arsenal-Spieler Lukas Podolski (r.) kämpft mit Jermaine Jenas (QPR) um den Ball, 4. Mai 2013. (AP Photo/Alastair Grant)
Arsenal rennt zwar seit Jahren einem grossen Pokal hinterher, aber das kann auch eine grosse Herausforderung sein. Und Coach Arsène Wenger lässt in London Offensivfussball spielen, er ist ein guter Ausbildner und soll jetzt endlich bereit sein, ein bisschen mehr in Fussballer zu investieren, die Tore und Erfolg garantieren. Denn Geld besitzt Arsenal ja genügend, hinter Bayern ist der Club vermutlich der zweitrentabelste im Weltfussball. Doch ein Verein muss nicht Gewinne abwerfen, sondern Titel gewinnen.
4. Barcelona

FCB-Spieler Andres Iniesta erzielt gegen Petr Czech (Chelsea) ein Tor, 24. April 2012. (AP Photo/Manu Fernandez)
Der beste Club der letzten Jahre nur auf Rang 4? Ja. Erstens wirkten die Leistungsträger zuletzt ziemlich satt. Zweitens steht jeder Superstar automatisch im Schatten des alles dominierenden und überragenden Lionel Messi. Und drittens ist es allgemein sehr schwierig, sich in der Teamhierarchie einen Platz an der Sonne zu erkämpfen, solange die Clubikonen Carles Puyol, Xavi und Andres Iniesta dabei sind. Aber natürlich ist Barcelona auch in Zeiten des personellen Umbruchs eine Erste-Klasse-Adresse. Der famose Hochgeschwindigkeitsdribbler Neymar wird den Betrieb aufmischen.
3. Manchester United

Rio Ferdinand hat im Old Trafford für Manchester United einen Treffer erzielt (gegen Swansea), 12. Mai 2013. (Keystone/Peter Powell)
Sir Alex Ferguson wird ab Sommer tatsächlich nicht mehr Trainer von Manchester United sein. Eine ganze Generation Fussballfans kennt diesen Weltverein gar nicht ohne den Schotten an der Seitenlinie. Jetzt werden die Karten in jeder Beziehung neu gemischt. Und weil ManU weltweit einer der beliebtesten Vereine ist, bleibt er mit seiner Geschichte, seinen Erfolgen, seinen finanziellen Möglichkeiten sowie dem traumhaften Old Trafford als Spielstätte ein sensationeller Arbeitgeber.
2. Real Madrid

Real-Madrid-Spieler Mesut Özil (l.) im Zweikampf mit Ruben (Osasuna),1. Juni 2013. (AP Photo/Andres Kudacki)
Einmal bei Real Madrid spielen – so träumt seit Jahrzehnten fast jeder Bub weltweit. Die Anziehungskraft der Königlichen ist gigantisch. Zuletzt wurde Madrid jedoch von Barcelona dominiert. Das macht den Club nicht weniger interessant. Denn: Dabei zu sein, wenn Real den ersten Champions-League-Titel seit 2002 und den 10. Erfolg im wichtigsten Vereinswettbewerb feiert – davon träumt wohl fast jeder Fussballer weltweit. Vielleicht mit Ausnahme von Lionel Messi.
1. Bayern München
Die Titelhamsterer aus München holen sich auch diesen Steilpass-Pokal. Klar, der Druck ist auch bei den Bayern riesig, hier ist Rang 2 bereits eine böse Niederlage. Aber kein Fussballverein wirtschaftet besser, cleverer und vor allem gesünder. Der Triple-Gewinner aus München verfügt über eine fantastische Arena, zahlt prächtige Löhne, garantiert Titel, hat ausgezeichnete Strukturen, spielt in einer schönen Stadt und in einer boomenden Liga. Fussballer-Herz, was willst du mehr? Vielleicht noch den smarten FC-Barcelona-Baumeister Pep Guardiola als Trainer? Check!
Und wie sehen Sie das? Zu welchem Verein würden Sie als Weltstar am liebsten wechseln? Welcher Club ist warum besonders attraktiv? Und: Kann der Lohn wichtiger sein als Verein, Liga oder Lebensqualität?

















Fabian Ruch ist Sportredaktor bei der Berner Zeitung und wuchs als Fan von Brasilien, Inter Mailand, SC Freiburg und Xamax auf. Das schafft Leiden. Trotzdem verfolgt er den Fussball mit Begeisterung.
Simon Zimmerli ist leidenschaftlicher FCZ-Fan und verbrachte seine schönste Saison 2006/07 im Hardturm. Seine Qualitäten als Fussballer und die fehlende Kondition stellte er lange Zeit der Alternativliga zur Verfügung.
Thomas Kobler ist freischaffender Texter, Übersetzer und Blogger. Er hält es nicht für ausgeschlossen, dass sich die Erde um den Fussball dreht.
Annette Fetscherin ist Moderatorin und stv. Chefredaktorin bei Teleclub. Sie profitiert davon, dass der 08/15-Bürger die Wochenenden gerne auf dem Sofa verbringt. Für diese Fussballfans rennt sie gerne von Spiel zu Spiel.
Alexander Kühn ist Sportredaktor bei Tagesanzeiger.ch und leidgeprüfter Fan des deutschen Zweitligisten Dynamo Dresden. Mangels fussballerischen Talents beschränkt er sich auf kritische Einwürfe von Tribüne und Schreibtisch aus.







































