Beiträge mit dem Schlagwort ‘Zürich’

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 21. April 2017

«Ich habe Murmeli Martha verinnerlicht.»

«That’s it, glaubs mir»: Helmi Sigg hat im Schweizer Musical «Ewigi Liebi» als Murmeltierdame Martha die Rolle seines Lebens gefunden. Ein bisschen schizophren sei die Sache aber schon, sagt er. (Foto Dominique Meienberg) Zum Artikel

 

«Der Münsterhof ist seit dem Umbau tot.»

Seit einem Jahr ist der Platz beim Zürcher Fraumünster autofrei. Was hat sich in dieser Zeit für die Ladenbesitzer verändert? Jürg Wartmann, Geschäftsführer des Chäs-Vrenelis, ist total enttäuscht. Für ihn ist der neue Münsterhof eine einzige Fehlplanung. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

 

«Unsere Leidenschaft ist ansteckend.»

Die Langstrasse bekommt ein eigenes Radio: Wie ihre Vorbilder aus London und Amsterdam sendet das Zürcher Radio GDS.FM bald aus einer Bar im Kreis 4. Das hippe Webradio feiert seinen dritten Geburtstag. Für Gründer Christian Gamp (auf dem Foto mit Mitstreiter de Rosi) läuft es zurzeit hervorragend. (Foto: Sabina Bobst) Zum Artikel

 

«Unverfälschter Geschmack und Qualität.»

Der Spitzenkoch und sein Biobauer: In Rapperswil bilden Unternehmer eine Schicksalgemeinschaft, um Essen von höchster Qualität herzustellen. Ihr Ziel: Sie wollen Gemüse abbauen, das mehr als bio ist – und das man ohne schlechtes Gewissen essen kann. Beim Projekt mit dabei ist Markus Burkhard (links), der einst im Clouds kochte. (Foto: Dominique Meienberg) Zum Artikel

 

«Als Gemeinderat habe ich mehr Einfluss.»

Jetzt verzichtet nach Balthasar Glättli auch der langjährige Gemeinderat Markus Knauss von den Grünen auf eine Stadtratskandidatur im nächsten Jahr. Er will im Gemeinderat bleiben und empfiehlt – klar – einen Grünen Mann. (Foto: Sabina Bobst) Zum Artikel

 

«Zwingli war der beste Werber.»

Für Pfarrer Christoph Sigrist ist die Kirche die Erfinderin von Social Media. Zwar sei Religion mit Kommerz nicht vereinbar, sein Grossmünster müsse aber den Gottesdienst bewerben. (Foto: Dominique Meienberg) Zum Artikel

 

«In meiner Schulstunde gibt es auch Strafen.»

Lilo Lätzsch gibt das Präsidium des Lehrerverbandes ab. Zum Abschied spricht sie über Ansprüche von Eltern – und verteilt den Regierungsräten Noten. Wem gibt sie eine 6? (Foto: Raida Durandi) Zum Artikel

 

«Für Spanner eignet sich jedes Fernrohr besser als eine Drohne.»

Darf man mit einer Drohne über Blochers Villa fliegen? Fragen über Fragen. Ein neuer Kurs zeigt Drohnen-Piloten, worauf sie achten müssen. Denn verbindliche Regeln gibt es bisher kaum, wie Drohnenpilot Frédéric Hemmler sagt. (Fotos: Urs Jaudas) Zum Artikel

 

«Immer mehr Leute sind auf ihren Körper fixiert.»

Sport in der Gruppe im Park ist in Mode. Was für die einen pure Überzeugung, ist für die anderen die reinste Zumutung. Nichts denkend richtig trainieren, macht glücklich, sagt TA-Redaktorin Ev Manz. Warum tun viele so, als wäre Sport mehr als nur notwendig, sagt TA-Redaktor David Sarasin. (Foto: Dieter Seeger) Zum Artikel

«Alles lässt sich nicht steuern. Wir arbeiten mit der Natur.»

Die Kälte dieser Woche macht den Weinbauern und auch den Obst- und Früchteproduzenten einen eisigen Strick durch die Rechnung.  Bauer Andres Wegmanns Kampf gegen die Kälte geht weiter. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

Wie man Promis meistert (2)

Thomas Wyss am Samstag den 15. April 2017

Am letzten Samstag konnten wir ja trotz des weiten Umwegs über die frühere Fernsehsendung «Teleboy» imposant aufzeigen, dass heutige Zürcherinnen und Zürcher oft dramatisch überfordert sind, wenn sie unverhofft einem Star nahe kommen.

Als Beweis führten wir die grundsätzlich gut geerdete Frau F. (Name d. Red. bekannt) ins Feld, die in einem Zugabteil plötzlich vis-à-vis von Stephan Eicher landete – er ist im Genre «Schöne Chansons mit Tiefgang plus fast ausnahmslos geglückte Mani-Matter-Coverversionen» ihr grösster Heroe – und darob so sehr die Bodenhaftung verlor (sitzend!, und übrigens in der 2. Klasse, was wiederum zeigt, dass Eichers Bodenhaftung absolut intakt ist), dass sie einer Freundin eine «SOS!»-SMS zukommen lassen musste.

Diese schlug F. vor, sie solle doch Eichers Lied «Déjeuner en paix» summen (natürlich möglichst «gut», damit er tatsächlich eine Chance auf Wiedererkennung bekäme), also poetisch gesagt eine Brücke legen, auf der ihr Eicher mitsummend oder gar redend entgegenkommen könnte.

Der Schlusssatz des Beitrags versuchte dann den Cliffhanger, er lautete: «Warum der Rat doppelt bescheuert war, und wie man solche und ähnlich ‹heisse› Situationen souverän meistert – also Promibegegnungen unbeschadet übersteht –, lesen Sie am Ostersamstag». Das ist heute, genau. Damit sind wir jetzt buchstäblich up to date und können fortfahren. Und das tun wir mit der durchaus bemerkenswerten Bemerkung, dass man im Journalismus – anders als in der Literatur – ersten und letzten Sätzen nie zu viel Bedeutung beimessen sollte. Weil sie häufig mehr versprechen, als sie letztlich einzulösen vermögen. In unserem Fall ist das aber erfreulicherweise grad andersrum: Es wird nämlich noch viel besser, als wir (und Sie!) erwartet hätten!

Grund dafür ist der von uns hochgeschätzte Jack Stark. Wem der Name kein Begriff ist: In der Nacht vom 14. auf den 15. April 1967 – vor präzis 50 Jahren! – führte Jack die Rolling-Stones-Member Mick Jagger und Brian Jones, die nach ihrem wilden Gig im Hallenstadion noch den Drang nach Party verspürten, zum Privatclub High-Life an der Lessingstrasse. Dort amtete der ältere Securitas Stöckli als Türsteher; die Stones kannte er nicht, doch er wusste, wie Anstand aussieht – weshalb er dem für seinen Geschmack viel zu exzentrischen Jüngling (also Jagger) den Eintritt verwehrte, die attraktive «Blondine» mit Federboa und Schlapphut (also Jones) jedoch passieren liess.

Der hübschen Episode kurzer Sinn: Dr. iur. Herbert «Jack» Stark, der damals als erster Schweizer People-Journalist und Promikenner wirkte, hat spontan zugesagt, uns zu berichten, mit welchen Tricks er sich die Jetsetter und Stars für ein offenes Gespräch oder Interview «gewogen» machte. Es sind wenige goldene Regeln, doch wer sie befolgt, kann jeden Promi meistern.

Dazu aber mehr nächste Woche in Teil 3, hier gibts jetzt die Auflösung des Rätsels, wieso der Rat der Freundin an Frau F. «doppelt bescheuert» war.

1. Eicher trug Kopfhörer, er hätte das Summen also gar nicht gehört.

2. Wenn schon summen, dann sicher keinen seiner Hits (das ist anbiedernd), sondern vielmehr eines der nach wie vor eher unbe- bis ver-kannten Stücke, beispielsweise «Ce soir (je bois)».

Wie man Promis meistert (Teil 1)

Thomas Wyss am Samstag den 8. April 2017

Damals, als die Welt noch friedlich und niedlich analog war, gab es im Schweizer Fernsehen eine Unterhaltungssendung namens «Teleboy». Sie war beliebt, und am 13. September 1975 war sie gar unfassbar beliebt – an jenem Samstagabend erreichte sie mit 2 073 000 Fraue und Manne nämlich die höchste je gemessene Zuschauerzahl in der Schweiz.

Diese Popularität kam natürlich nicht von ungefähr, sie hatte viel mit dem Pioniergeist des Machers und Moderators Kurt Felix zu tun. Durch die «versteckte Kamera» etablierte er eine national anerkannte Schadenfreude (wobei das Gipfelitunken und die «Söll emal cho!»-Episode längst in der Hall of Fame des Schweizer ­Humors verewigt wären, wenn es die gäbe). Mit dem in jeder Sendung herunterfallenden Kalenderblatt (bei der Bekanntgabe des Einsendeschlusses für die Zuschauerfrage) präsentierte er hierzulande den allerersten Running Gag. Zudem lancierte er Kliby & Caroline und brachte damit kleine Buben um den Schlaf, weil eine Geräusche machende oder gar sprechende Puppe – egal, wie beknackt sie aussieht –, etwas vom Gfüürchigsten ist, was man einem kleinen Buben vorsetzen kann (das hat angeblich mit der zweitletzten pränatalen Phase zu tun, genauer weiss ich es auch nicht, doch bei kleinen Mädchen ist das dezidiert anders, deshalb auch der in jeder Beziehung unheimliche Erfolg dieser schlimmen Kreatur namens Baby Annabell).

Genauso war das. Doch darum gehts eigentlich gar nicht. Nein, was mir neben der Caroline-bedingten Schlaf­losigkeit vom «Teleboy» blieb – mindestens erinnerungsschwadenhaft –, war diese eine Ausstrahlung im Winter, in der ein Mitspielerteam die Aufgabe erhielt, im Laufe der Livesendung in Zürich prominente Persönlichkeiten ausfindig zu machen. Also strebten die Suchenenden zur Kronenhalle beim Bellevue, wo sie dann, wenn ich mich recht entsinne, brav und schlotternd draussen warteten, bis die eine oder andere Bekanntheit aus dem fürstlichen Lokal heraustorkelte.

Was ich damit aufzeigen will: ­Damals war die Promidichte in Zürich geringer als die derzeitige Häuserdichte im Bleniotal. Und das lag primär an der Promiqualität; das VIP-Etikett wurde, ganz anders als heute, in jenen Tagen enorm selektiv verteilt, sogar vom «Blick» und von der «Schweizer Illustrierten».

All dies führt nun viele Jahrzehnte später zur verblüffenden Tatsache, dass selbst weltoffene junge Menschen heutzutage heillos überfordert sind, wenn sie mal einer genuin berühmten Persönlichkeit nahekommen.

Wie kürzlich Frau E. F. (Name d. Red. bekannt), die im Zugabteil plötzlich und unabsichtlich vis-à-vis von Stephan Eicher sass. Der – das ist eigentlich gut, war in jenem Moment aber blöd – zu ihren musikalischen Helden zählt. Weshalb E. F., sonst durchaus geerdet, völlig die Fasson verlor. Sollte sie spontan in Ohnmacht fallen? Einfach mal laut loskreischen? So lange erröten, bis er es bemerken würde? Sie schrieb einer Freundin ein «SOS!»-SMS und bekam als Antwort: «Summe sein Lied ‹Déjeuner en paix›!»

Warum der Rat doppelt bescheuert war und wie man solche und ähnlich «heisse» Situationen souverän meistert – also Promibegegnungen unbeschadet übersteht –, lesen Sie am Ostersamstag.

Hier gibts Lebensgefühle!

Thomas Wyss am Samstag den 1. April 2017

Kaum streckt uns der Frühling erste Knospen entgegen, kaum sehen die Bäume nicht mehr aus wie Magermodels, kaum fangen die Allergiker an zu keuchen und zu niesen, reden sie hier wieder alle und überall vom «neuen Lebensgefühl», das sie plötzlich spüren, angeblich sogar von früh bis spät, also vom Kaffee bis zum Koitus (wers glaubt, wird selig).

Und dieses neue Zürcher Lebens­gefühl, heisst es – auch da scheint man sich verblüffend einig – komme heuer aus Bern (was die einen hinter vor­gehaltener Hand mit «nöd guet, aber immer no besser als us em Ussland» ergänzen), nämlich von der Band Jeans for Jesus (die hysterische Fans bereits in «Jeans für alli!» umgetauft haben), konkret vom Stück «Wosch no chli blibä», das ebenso zum kollektiven Glückshüpfen animiere wie anno dazumal Pharell Williams’ «Happy».

Nun, wir von der städtischen Gebrauchsanleitung stehen der Sache, die irgendwie Hype und irgendwie Phänomen und irgendwie doch auch ziemlich irrelevant ist, etwas ratlos gegenüber.

Nichts gegen diese junge Band, die passt schon, wie die Kollegen von der Wiener Gebrauchsanleitung an dieser Stelle sagen täten. Doch unter dem Begriff Lebensgefühl verstehen wir Nachhaltigeres und Zeitloseres. Etwas, das zwar praktisch schon ewig existiert, das aber dank einem Kreativ­organismus, der sich quasi vorzu selbst bespringt und befruchtet und dabei Woche für Woche immense Ideen­mengen erzeugt, eben doch jedes Mal wieder einzigartig wirkt.

Wer nun gerade mitten in der Lektüre fast zu laut gerufen hat: «Hey, die meinen doch die Boschbar!», dem rufen wir anerkennend zu: «Aha, ein Habitué!» Wer die Boschbar nicht kennt – sie findet jeden Montagabend im Provitreff statt, kostet fünf Stutz und offeriert in der Regel irrwitzige Konzert- und trippige Disc-Jockey-Musik –, der soll die folgenden fünf Punkte bitte genau lesen – und genau befolgen.

1. Anders als in den bisherigen Beiträgen geht es das erste Mal nicht um die Frage, wie man sich verhalten soll, um nicht (oder mindestens nicht unangenehm) aufzufallen, nein: In der Boschbar sind «verhaltensauffällige» Menschen herzlich willkommen. Weil die Philosophie der Boschbar ähnlich ist wie die Philosophie von Lars von Triers Dogmafilm «Idioten»: Echte und falsche Hemmungen, Rollenzwänge, den inneren «Coolio» etc. deponiert man hier an der Garderobe.

2. Wer in der Boschbar tanzen will wie ein Hippie oder wie Kermit, tanzt wie ein Hippie oder wie Kermit. Wer laut ein Buch lesen will, liest laut ein Buch. Wer Bier mit Cola mischen will, sagt an der Bar, er wolle Bier mit Cola mischen. Wer weinen will, weint. Die Freiheit ist hier noch grenzenloser als über Reinhard Meys Wolken.

3. Dennoch gibt es Regeln. a) Wer am Töggelikasten fordert, muss das Spiel beherrschen. b) Beim DJ «Jeans für alli!» (oder sonst eine Lebens­gefühlsband) zu wünschen? Ein No-Go! c) Die Würde der Boschbar ist unantastbar (Aggressionen sind strikt tabu).

4. Nein, in diesem Artikel wurde weder geschrieben noch angedeutet, Boschbar-Besucher seien Idioten.

5. Nein, dies ist kein expliziter Aufruf für einen Besuch der Boschbar, es ist ein etwas anderer Erklärungsversuch für den Begriff «Lebensgefühl».

Learn English. No joke!

Beni Frenkel am Donnerstag den 9. März 2017

Veranstaltung in der Kunsthalle zum Thema Can Jokes Bring Down Governments? (Foto: Beni Frenkel)

Hello there! My name is Beni Frenkel and I speak German but also English. Last tuesday I went to the Kunsthalle for participation at the session called «Can Jokes Bring Down Governments?» So, I called before to the Kunsthalle for asking how much is the entry. «It is free», she said in German («Es ist gratis»). But it is important for me, she has said, that I read a paper of preparation vor der Veranstaltung for knowing and for following the Diskussion. «Great», I said, «where can I find this important paper?» – «In the internet you can find it.» I thought: «Fine, I will read it.» But than I have seen (oder: I have saw?), that this Diskussion-paper is longer than the Gubristtunnel – more than 20 pages. O holy cow! And speaked (gespickt?) with many difficult Wörter like «longevity», «appeal» or «disseminates». Not good.

I mean, I speak fluently, but just on a mittelmässig level. If I would have been married with an English woman, than we two would have many Alltags-problems. But I understand English movies with English Untertitel. I like good movies. Honestly: At the matura I made a 3 in the Fach English (mündlich: 3-4). But not so schlimm, because I was good in history (5), chemistry (5) and biology (5). So I passed matura quite well. What good is, is that in my job I don’t need so much English. For real! And if I need it, I go into the internet. Okay, I have tipped (getippt?) «Can jokes bring down governments?» and I got the German result: «Können Witze bringen Regierungen?» This is a good question. I would say not. From Corine Mauch (Stadtpräsidentin) I have never heard a good joke. But I have nothing against her.

I was a little bit too early. In the Kunsthalle I saw an open door. «Ähm, hello?» A strong man came to me. I said: «Ähm, is here, ähm, the place, ähm, of jokes and government?» The strong man shaked my hand and almost crashed it: «(Unverständliches) . . . hang around . . . (Unverständliches)» Good idea. I hanged around and eated something sweet.
When I was coming back, I was positively surprised. In the middle of the room the strong man had put to the floor a Plastikbox with Bierdosen. Good man! We were maybe 20 participants. I was sitting between two wifes. The Stimmung was very ernst. We spoke about good jokes and bad jokes.

I did not know that jokes are Wissenschaft. Now I know. One man told about jokes from the Römer. Interesting. I want to be ehrlich: I did not understand all the Diskussion. A little bit wütend about myself I opened a Bierdose. I cursed myself. Why didn’t I listened better in the Gymnasium? My English ist a shame. Terrible. Okay, I had a terrible English teacher. He made English so complicated.

Always grammar, grammar! My Rache: One night I ordered a pizza for him at midnight. I hope the pizza guy waked him up. I opened a second Bierdose. Here I sit like a donkey and can not follow the boring Witzdiskussion. I opened a third Bierdose. Now I felt better. And I laughed. Good joke. A woman said something about different cultures. I laughed. Funny wife! One man explained the jokes from the arabic spring. Funny. I laughed. Than it was time to go. Goodbye people. Learn English. No joke!

«Danke Alf, danke Zürich»

Beni Frenkel am Donnerstag den 29. Dezember 2016

Der Alfred-Escher-Brunnen beim Hauptbahnhof. (Foto: Beni Frenkel)

Ich führe mit meiner Frau eine sehr offene und konstruktive Beziehung. Sie sagt mir zum Beispiel: «Du hast die hässlichsten Füsse, die ich je gesehen habe. Und du bist fett.» Ich hingegen habe ihr im Dezember häufig gesagt: «Ich spiele jetzt Swiss Lotto und wenn ich den Jackpot gewinne, verlasse ich dich und die Kinder. Und dann ziehe ich in den Süden, wo die Sonne häufig scheint.»

Später habe ich mir überlegt: Warum bin ich so fies gegenüber Zürich? Habe ich verdrängt, dass meine Urgrosseltern hier ihre Zuflucht gefunden haben? Aus Anlass der Russischen Progrome (1881 – 1914) sind sie vor über 100 Jahren zuerst nach Wien und dann nach Zürich geflohen.

Seitdem lebt meine Familie ununterbrochen in Zürich, abgesehen von einer 20 Jahre währenden Diaspora im Kanton Aargau. Was andere Menschen an Zürich stört, das freut mich. Zürich ist teuer und arrogant? Die Deutschen sind den Zürcher unwillkommen? Ja. Das will ich. Meine Schwiegereltern aus Berlin plagen uns wegen den genannten Gründen nur einmal pro Jahr mit einer Visite. Hoffentlich stürzt der Euro im Januar 2017 noch tiefer, dann kommen sie gar nicht mehr.

Ich hingegen bin ein stolzer Zürcher. Was bietet mir diese Stadt nicht alles: mehrere Einkaufsmöglichkeiten, einen See, einen Berg, zwei Flüsse, einen Hauptbahnhof (mit noch mehr Einkaufsmöglichkeiten) und vieles mehr

Manchmal ist mir das Herz übervoll. Dann will ich laut schreien: Danke, danke, danke. Für all das Gute, das ich hier geniessen darf. Natürlich gibt es auch eklige Zürcher, das will ich gar nicht abstreiten. In manchen Restaurants fühle ich wenig willkommen, wenn ich nur Pizza Margherita bestelle und beim Lavabo auf der Toilette meinen Durst stille. Und manche (vor allem ältere) Menschen scheissen mich zusammen, nur weil ich bei Rot über die Strasse laufe. Trotzdem: Das Gute überwiegt.

Deswegen habe ich mir vorgenommen, am letzten Sonntag des Jahres ein bisschen Dankbarkeit zu zeigen und den Bewohner und Bewohnerinnen die Hand zu reichen. Ich habe am Morgen viele Sachen auf das Trottoir gestellt (Gurkenglas, Oliven, Spielzeug, eine (kaputte) Tasche und Spaghettibesteck). Ausser der Tasche liegt jetzt nichts mehr draussen.

Und am Abend bin ich mit dem Tram zum Hauptbahnhof gefahren. Im Tram sassen irre viele Frauen. Ich vermute: Alle Singles. Da habe ich plötzlich verstanden, warum man fast immer nur vier AA-Batterien kaufen kann: zwei für die Fernsehbedienung und zwei für den Vibrator.

Beim Hauptbahnhof stieg ich aus. Demütig stand ich vor dem Alfred-Escher-Brunnen. «Danke, Alf, danke Zürich». Ich warf Kleingeld in den Brunnen und fuhr mit dem nächsten 7er-Tram wieder zurück nach Wollishofen.

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 16. Dezember 2016

«Ich hoffe, dass FCZ und GC bald
auf dem Hardturm spielen können.»

Schluss mit Konzerten? Schluss mit den vielen Fussballspielen? Wegen des ständigen Krachs im und ums Zürcher Stadion haben sich Quartierbewohner an den Zürcher Stadtrat gewandt. Stadtrat Gerold Lauber (CVP) wünscht sich ein zweites Stadion in Zürich. Eine verbindliche Aussage zum ersten Anpfiff in diesem kann er allerdings nicht nennen. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

«Wenn Scherr aufstand,
wurde es ruhig im Ratssaal.»

Nach 38 Jahren verlässt AL-Gemeinderat Niklaus Scherr das Stadtzürcher Parlament. Politiker zollen ihm Respekt. Mit ihm tritt einer der eloquentesten Gemeinderäte ab. Aber auch einer, der gehörig austeilen konnte, wie sich der frühere FDP-Stadtrat Thomas Wagner erinnert. Das politische Urgestein Scherr wird dem Zürcher Gemeinderat fehlen. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

 

«Ich mag Tiere. Vor allem vom Grill.»

Frank Baumann, Kommunikationsfachmann und Bestsellerautor, auf die Frage, weshalb er kein Veganer sei. (Foto: Sabina Bobst)

 

«Vielleicht kauft ihn die Stadtpräsidentin.»

Zürich hat seinen Hafenkran wieder, wenn auch nur im Massstab 1:20. Das geschrumpfte Ärgernis ist noch bis am 8. Januar im Museum für Gestaltung im Zürcher Toni-Areal ausgestellt – dank der fixen Idee des Dübendorfer Modellbauers Manfred Hössli. (Foto: Reto Oeschger) Zum Artikel

 

«Das ist ein zeitlich begrenzter Versuch.»

Mit Verzögerung startet 2017 die Stadt ihren Bodycam-Pilotversuch. Doch selbst Polizisten haben Zweifel dieser Technik gegenüber. Laut Stadtrat und Polizeivorstand Richard Wolff muss die endgültige Einführung der Gemeinderat beschliessen. (Foto: Keystone/Walter Bieri) Zum Artikel

 

«Vielleicht haben wir eine Marktlücke
in der Schweiz entdeckt.»

Mini-Unternehmer im Aufwind: Sechs Schüler der Kantonsschule Hottingen haben eine spezielle Trinkflasche erfunden, die sie in China herstellen lassen. Das Geschäft läuft bestens, wie Gruppensprecherin Chiara Tobler sagt. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

 

«Es ist eine originelle Aktion.»

Weil sie der Fünfliber-Aufschlag nervt, planten Schüler der Kanti Küsnacht eine besondere Aktion. Doch die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) bekam Wind von der Aktion – und bereitete sich vor. ZSG-Direktor Roman Knecht hatte durchaus Verständnis für die Jugendlichen und ihre Münzschwemme. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Strahlende Kinderaugen sind das Schönste.»

Claudia Corti organisiert immer zur Weihnachtszeit das Kindertanztheater in Winterthur. Wie jedes Jahr vor der Premiere steht die 69-Jährige kurz vor dem Zusammenbruch. Und wie jedes Jahr sagt sie: Das ist das letzte Mal. (Foto: Reto Oeschger) Zum Artikel

«Heute wiege ich 110 Kilogramm.»

Eine Gastro-Legende tritt ab: Das Zürcher Koch-Urgestein Jacky Donatz verlässt den «Sonnenberg». Zum Abschied verrät er, dass ihm die Fifa jedes Jahr ein Couvert zugesteckt hat und wie viel er jetzt beim seinem Abschied vom «Sonnenberg» wiegt. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

 

«Am schönsten ist der Platz
nach dem Eindunkeln.»

Der Münsterhof ist der schönste Ort Zürichs, um der Weihnachtshektik zu entfliehen. Weshalb kann das nicht so bleiben? Eine kleine Würdigung des Platzes von TA-Redaktorin Denise Marquard. (Foto: Tom Kawara) Zum Artikel

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 9. Dezember 2016

«Es existieren zu viele
Weihnachtsmärkte in Zürich.»

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Wer die Wahl hat, hat die Qual, Sechseläutenplatz, Niederdorf, Hauptbahnhof: Wo es den günstigsten Glühwein gibt und warum das Geschäft harzig läuft. Für Schmuckdesignerin Helga Cortesi ist allerdings klar: Die Leute sind von den vielen Märken in Zürich übersättigt. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Es gibt immer mehr Leute, die im
persönlichen Kontakt hemmungslos sind.»

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Aggressive Kunden stellen das Verkaufspersonal vor Probleme. Gerade in der Vorweihnachtszeit ein aktuelles Thema. Laut Experten wird ruppiges Verhalten gesellschaftlich immer stärker akzeptiert. Man dürfe das Problem nicht unterschätzen, sagt der Arbeitspsychologe Markus Grutsch, Professor an der Hochschule für St. Gallen. (Foto: Tages Anzeiger) Zum Artikel

 

«Der Nachwuchs kann
die Lücken nicht füllen.»

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Die Zürcher Ärztegesellschaft will, dass die Gemeinden neu für die Organisation des Notfalldienstes zahlen. Um Druck aufzubauen, sollen Patientinnen politische Vorstösse einreichen, fordert der Zürcher Ärztepräsident Josef Widler. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

 

«Früher hatte ich wunderbare Träume.
Hier in Zürich sind es Alpträume.»

strahlen

Ein Zürcher Rentner ist schwer elektrosmogsensibel. Das Leiden hat ihn total einsam gemacht – und zu einem Solokämpfer wider Willen. Sein Fazit: Wer hypersensibel ist, muss sich sozial einschränken. (Foto: Ute Grabowski, Photonek.net) Zum Artikel

 

«Und nebenan ist ein Elfjähriger
untergebracht. Das geht nicht.»

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Die Kinder vom Notknast: Im provisorischen Polizeigefängnis sind auch Jugendliche inhaftiert, obwohl dies Haftgrundsätzen widerspricht. Minderjährige seien «dringend» anderswo unterzubringen, fordert Professor Alberto Achermann, Präsident der Nationalen Kommission zur Verhütung von Folter. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Mir war nicht bewusst, was es heisst,
Mummenschanz zu beleuchten.»

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Eric Sauge ist bei Mummenschatz für die Lichttechnik verantwortlich. Mit seiner Arbeit trägt er massgeblich zum Erfolg der Theatergruppe bei. Mit ihr tourt er durch die ganze Welt. Er weiss: Das falsche Licht oder Licht aus dem falschen Winkel, kann das ganze Programm zerstören. (Foto: Doris Fanconi)

 

«Eine Haft kann Kinder zutiefst verängstigen.»

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Die Jugendpsychiaterin Fana Asefaw warnt davor, Minderjährige neben erwachsenen Delinquenten einzusperren, wie dies im provisorischen Polizeigefängnis auf der Kasernenwiese in Zürich gemacht wird. Die Massnahme sei nicht zielführend. (Foto: Daniel Kellenberger) Zum Artikel

 

«Ich tanze jeden Abend gegen Geld.»

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Paul Weilenmann, Gründungsmitglied und künstlerischer Leiter Karl’s kühne Gassenschau, auf die Frage, wann er das letzte Mal getanzt habe. Seine Tanzkünste, sagt er, seien allerdings nicht besonders gut. (Foto: Dominique Meienberg)

 

«Amerika ist das Grösste. Wie ein Traum.»

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Moritz Schädler surft in wunderschönen Lo-Fi-Popsongs ganz knapp über der Realität. MoreEats, der Musiker mit Liechtensteiner Wurzeln, plant, das zu ändern: Irgendwann will er die Dinge beim Namen nennen. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

 

«Ich bekam für die CDs nicht nur Platz,
sondern auch Pralinés angeboten.»

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Via Tages Anzeiger hat Redaktorin Claudia Schmid vor ungefähr einem Monat ein neues Zuhause für ihre CD-Sammlung gesucht. Und staunte nicht schlecht: Nach dem Aufruf bekam sie 350 Mails. Ihre Musikträger verteilte sie schliesslich nach der Salamitaktik. Yarin, Student der Kunstgeschichte, vergrösserte dadurch seine noch kleine Sammlung mit Rap-Perlen. (Foto: Sabina Bobst) Zum Artikel

 

«Das Geld kommt.»

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Eigentlich hätte in Meilen der Steuerfuss erhöht werden sollen. Doch durch eine überraschende Äusserung von Roberto Martullo, dem Schwiegersohn von Alt-Bundesrat Christoph Blocher (SVP), kam es anders. Martullo kippte in Meilen eine Steuererhöhung mit einer Nachsteuerrechnung in Millionenhöhe, die es so nicht gibt. (Foto: Daniel Kellenberger) Zum Artikel

 

«Im Gottesdienst versuchen wir,
den Himmel auf Erden zu holen.»

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Die russisch-orthodoxe Auferstehungskirche hat gestern ihr 80-Jahr-Jubiläum gefeiert. Mit «Seiner Heiligkeit», dem Patriarchen Kyrill I. als Gast. Diakon Daniel Schärer war wegen den speziellen Gastes entsprechend nervös. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Ich war Blocher-Fan.»

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Christoph Burgherr war Unternehmer und strammer Konservativer. Dann ging er zu einem Informationsabend. Seither leitet er eine Laufgruppe von Flüchtlingen. (Foto: Reto Oeschger) Zum Artikel

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 2. Dezember 2016

«Die neuen Schilder werden respektiert.»

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Die Stadt hat ihr Velostrassen-Pilotprojekt gestartet. Der Tages Anzeiger hat die Strecke getestet und da un dort Tücken gefunden. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

«Vollgestopfte Trams nerven mich.»

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Fabienne Louves, Sängerin und Schauspielerin, auf die Frage, wie lange es geht, bis sie sich nach den Ferien in Zürich wieder über etwas so richtig nervt. Louves tritt zurzeit im Musical «Cabaret» in Zürich auf. (Foto: Urs Jaudas)

 

«Das Chaos ist bei uns Programm.»

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Der Autor Domenico Blass hat für die Zürcher Märchenbühne das aktuelle Kindermärchen in ein «Nightmär-chen» für Erwachsene verwandelt. Dabei geht es ab und zu auf der Bühne ganz schön turbulent her und zu. Das ist allerdings beabsichtigt, denn die herzige Märchenwelt wird von den Special Guests aus dem wirklichen Leben ganz schön auf den Kopf gestellt. (Foto: PD)

 

«Oerlikon ist irgendwie ein No-go.»

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Es geht rasend schnell: Kein Zürcher Quartier verändert sich so schnell wie Oerlikon – der neue Bahnhof, der diese Woche eröffnet wurde, beschleunigt den Wandel. Altes wird rar. Charlotte Spindler zog eben vom hippen Zürcher Kreis 4 nach Oerlikon. Was die 70-Jährige mag: Es ist ruhiger. Wovon sie gerne mehr hätte: Kultur. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Als ich reich war, kaufte ich
mir einen Mercedes.»

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Stephan Remmler, der Schöpfer von «Da, da, da», teilt Fahrzeuge lieber, als sie zu besitzen. Das war früher anders. Der Musiker weilte für Dreharbeiten in Zürich. (Foto: Danila Helfenstein) Zum Artikel

 

«Alles was man falsch machen kann,
wurde falsch gemacht.»

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Teddy A. ist von mehreren Zahnärzten fehlbehandelt worden. Er kann nicht mehr richtig essen, nicht mehr gut kauen, ist depressiv und arbeitslos. Die Zahnärzte, die für den Pfusch verantwortlich sind, weigern sich aber, Schadenersatz zu zahlen. (Foto: Giorgia Müller) Zum Artikel

 

«Die Leuchtsäulen erreichen
eine hohe Beachtung.»

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Die Stadt Zürich baut das Angebot der beleuchteten Plakatsäulen auf öffentlichem Raum aus. Die Einnahmen sind beträchtlich. Die Werbewirkung auch. Das Werbeunternehmen Clear Channel betreibt zurzeit 27 Leuchtdrehsäulen in der Stadt. Franziska Givotti hofft nun auf neue Aufträge. (Visualisierung: PD) Zum Artikel

 

«Polizisten müssen sich
an den Datenschutz halten»

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Peter Mathys ist Quartierpolizist in Schwamendingen. Sein erster Krimi erzählt von einem pädophilen Zürcher Richter, den mächtige Leute im Polizeiapparat schützen. Ist das alles nur frei erfunden? (Foto: Reto Oeschger) Zum Artikel

 

«Ich war überrascht, was wir alles entdeckten.»

neu

Naomi Eggli (Bild) und Donovan Gregorys Tribeka-Karte weist den Weg zur Schönheit der Stadtkreise 3 und 4. (Foto: Giorgia Müller) Zum Artikel

 

«Momente einfangen, die nicht mehr kommen.»

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Smartphones ersetzen herkömmliche Fotoapparate. Die Ausstellung «iPic» in Begegnungszentrum der HIV-Aids-Seelsorge zeigt, wie sich unser Umgang mit Fotos verändert. Kursleiter Gino Granieri staunte über die Resultate der Kursbesucher. (Foto: Roger Pitschi) Zum Artikel

«Die Stossrichtung stimmt.»

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Dauerärger am Üetliberg: Die geplante Verkehrsregeln gehen den Anwohnern zu wenig weit. Jetzt muss sich die Sicherheitsdirektion von Mario Fehr (SP) damit befassen. Margrith Gysel, Präsident des Vereins Pro Üetliberg, ist gespannt, wie es weitergeht. (Foto: Tom Kawara) Zum Artikel

«Lebe deinen Traum»

Beni Frenkel am Donnerstag den 1. Dezember 2016
vortrag

Hörsaal der Universität Zürich: Auf dem Programm stand das Thema «Familienplanung». (Foto: Beni Frenkel)

Die Adventszeit ist auch eine Zeit der Einkehr und der Rückbesinnung. Welche persönlichen Ziele sind im Jahr 2016  erreicht worden und welche nicht? Haben wir aus unseren Fehlern gelernt und ziehen wir die richtigen Schlüsse daraus? Das zu Ende neigende Jahr ermöglicht uns aber auch individuelle Ausblicke für das kommende Jahr zu wagen. Folgende Fragen treten an uns heran : Was können wir anders machen? In welchen Fragmenten unseres Lebens wollen wir uns verbessern?

Ich habe mir diese Frage letzten Sonntag gestellt und vorgenommen, mehr auf mein inneres Ich zu hören. Vielleicht kennen Sie das tiefsinnige Sprichwort: «Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum!» Das gefällt mir. In dem Satz verbirgt sich viel Wahrheit.

Konkret habe ich mir vorgenommen, nicht mehr so viel Gewicht auf das Urteil anderer Menschen zu legen. 2017 soll das Jahr der Begegnung mit meinem inneren Ich werden. Die Gedanken meines inneren Ichs möchte ich gerne auf das äussere Ich projizieren. Oder anders ausgedrückt: Mein inneres Ich soll äusserlich auch innerlich wirken. Das Ziel ist also, dass das innere Äussere mit dem äusseren Inneren harmoniert und sich in meinem persönlichen Ich entfaltet. Ab Mitte 2017 will ich dann das äussere Innen-Ich mit dem Du des Ichs verschmelzen.

Wenn man das so liest, denkt man gleich, ich habe Philosophie studiert. Überhaupt gehen alle Menschen davon aus, dass ich irgendetwas studiert habe. Die Leute im Tram sehen meine Brille und meine Glatze und haben dann dieses beschränkte Weltbild: Der sieht intelligent aus, der hat sicher studiert.

Die Wahrheit aber ist: Ja, ich habe studiert, aber nicht zu Ende. Es war Sommer 2002. Ich befand mich im dritten Semester Wirtschaft. Die Prüfungsergebnisse kamen mit der Post: Nicht bestanden in den Fächern Mathematik, Statistik, Mikroökonomie und Rechnungswesen. Theoretisch hätte ich weiter studieren können, aber nicht als Wirtschaftsstudent, sondern eher als Zuhörer. Das wollte ich dann doch irgendwie nicht.

Seitdem habe ich nie wieder die Aula der Universität Zürich betreten. Wenn mich Leute fragen, was ich studiert habe, lüge ich immer: Publizistik. Das einfachste Studium. Und weil das fast alle studieren, muss man keine Fragen beantworten: «Publizistik, dann kennst du sicher Thomas Irgendwas.»

In Ratgeber-Bücher habe ich später gelesen, dass ich nicht weglaufen darf. Du kannst nicht vor dir selber wegrennen. Du bist stärker als du denkst. Die Kraft der positiven Gedanken. Hör auf dein inneres Du und begegne deinem äusseren Du.

Weil gerade Adventszeit ist, ging ich am Montagabend deswegen ohne Plan in das Hauptgebäude der Universität Zürich. Zu lange habe ich mich geschämt, da reinzugehen. Aber gerade in der Konfrontation liegt viel Information (Goethe).

Ich schlenderte durch die vielen Korridore. In den letzten 15 Jahren hat sich wenig verändert.  Es gibt immer noch einen Lichthof und die kleine Mensa. Im ersten Stock sah ich einen offenen Hörsaal und viele Tische mit Salzstangen und Orangenjus. Mut auf, in diese Vorlesung will ich gehen.

Ich setzte mich zuhinterst hin. Und da kam sie wieder, diese bekannte Uni-Schläfrigkeit. Der Hörsaal war nur zu einem Viertel belegt. Und das erst noch mit alten Menschen. Auf einer Leinwand stand: «Familienplanung im Zeitalter des Social Freezings». Wo bin ich hier gelandet?

Eine anscheinend bekannte Sexual-Professorin zeigte auf ein grosses Bild der Vagina und der beiden Eierstöcke. Mir wurde unwohl. Darauf hatte ich jetzt keine Lust.

Wie in guten Studentenzeiten nahm ich ein Sandwich hervor und löste Kreuzworträtsel. Dann spielte ich ein bisschen mit dem Handy und guckte immer auf die Uhr. Nein. die Universität ist doch wirklich nur etwas für Nerds und Streber.

Nach zwanzig Minuten verliess ich den Hörsaal und bediente mich draussen mit Salzstangen und Orangenjus.