Beiträge mit dem Schlagwort ‘SVP’

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 3. März 2017

«Ich mache den Job übrigens gern.»

Das besetzte Koch-Areal war diese Woche das Thema: Der Zürcher Statthalter wirft Richard Wolff (AL) und dem Gesamtstadtrat Willkür vor. Die Regierung reagiert gelassen. Der kritisierte Wolff will auch nach den Wahlen 2018 das Sicherheitsdepartement führen. (Foto Dominique Meienberg) Zum Artikel

 

«Ein starker, erfahrener Partner für uns.»

Bewegung in der Zürcher Gastro-Szene: Freddy Burger und Bindella übernehmen das Restaurant Bank am Helvetiaplatz. Burger freut sich über die neue Partnerschaft. (Foto: Dominique Meienberg) Zum Artikel

«Kei Chole meh.»

Penalty-Bar: Die legendäre Zürcher Quartierbeiz ist diese Woche geschlossen worden. Wird jetzt eine weitere Szene-Bar daraus? TA-Redaktor Daniel Böniger hat noch ein letzter Glas Bier getrunken und ist dabei auf Stammgast Hermi gestossen. Er glaubt zu wissen, weshalb der Laden dicht gemacht wird. (Foto: Dominique Meienberg) Zum Artikel

 

«Eiskalt lief es mir den Rücken runter.»

«Fotoprojekt Parking Zürich»: Ralf Turtschi hat bis jetzt 46 Parkhäuser und Tiefgaragen fotografiert. Nur einmal wurde es für ihn ungemütlich. (Foto: Ralf Turtschi) Zum Artikel

 

«Wir haben kein Eile.»

Seit 27 Jahren ist die Schweizerische Volkspartei (SVP) nicht mehr im Zürcher Stadtrat vertreten. Die Hoffnungen für den Wahlkampf 2018 ruhten auf dem urbanen Gregor Rutz. Doch dieser gab der Partei einen Korb. Die Findungskommission sei an der Arbeit, noch habe man Zeit, sagt Stadtparteipräsident Mauro Tuena. (Foto: Sophie Stieger) Zum Artikel

 

«Ich will nicht von 100 auf 0 zurückfahren.»

Hundert Jahre lang wurden sämtliche Bücher in der Zentralbibliothek nach dem ausgeklügelten System des ersten Direktors signiert. Nun ist Schluss damit. Was folgt, ist praktisch – aber auch nüchterner. Der ehemalige Chefbibliothekar Beat Wartmann wird in eineinhalb Jahren pensioniert und arbeitet noch 50 Prozent. (Foto: Reto Oeschger) Zum Artikel

 

«Eine Stinkwut im Bauch.»

Seit Jahren trainiert das nationale Triathlon-Kader wie beispielsweise Ruedi Wild in Adliswil. Jetzt sitzen sie auf dem Trockenen. «Die schmeissen uns einfach raus», sagt der Trainer René Friedli. Spitzensport ist offensichtlich in der Stadt Adliswil nicht mehr willkommen. (Foto: Patrick Gutenberg) Zum Artikel

 

«Wir leben in einem religiösen Vakuum.»

Der Schriftsteller Adolf Muschg ist wieder in die Kirche eingetreten. Und doch sagt er, sei er weniger gläubiger als je. Am Sonntag dieser Woche predigt der berühmte Schriftsteller im Grossmünster. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 9. Dezember 2016

«Es existieren zu viele
Weihnachtsmärkte in Zürich.»

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Wer die Wahl hat, hat die Qual, Sechseläutenplatz, Niederdorf, Hauptbahnhof: Wo es den günstigsten Glühwein gibt und warum das Geschäft harzig läuft. Für Schmuckdesignerin Helga Cortesi ist allerdings klar: Die Leute sind von den vielen Märken in Zürich übersättigt. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Es gibt immer mehr Leute, die im
persönlichen Kontakt hemmungslos sind.»

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Aggressive Kunden stellen das Verkaufspersonal vor Probleme. Gerade in der Vorweihnachtszeit ein aktuelles Thema. Laut Experten wird ruppiges Verhalten gesellschaftlich immer stärker akzeptiert. Man dürfe das Problem nicht unterschätzen, sagt der Arbeitspsychologe Markus Grutsch, Professor an der Hochschule für St. Gallen. (Foto: Tages Anzeiger) Zum Artikel

 

«Der Nachwuchs kann
die Lücken nicht füllen.»

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Die Zürcher Ärztegesellschaft will, dass die Gemeinden neu für die Organisation des Notfalldienstes zahlen. Um Druck aufzubauen, sollen Patientinnen politische Vorstösse einreichen, fordert der Zürcher Ärztepräsident Josef Widler. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

 

«Früher hatte ich wunderbare Träume.
Hier in Zürich sind es Alpträume.»

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Ein Zürcher Rentner ist schwer elektrosmogsensibel. Das Leiden hat ihn total einsam gemacht – und zu einem Solokämpfer wider Willen. Sein Fazit: Wer hypersensibel ist, muss sich sozial einschränken. (Foto: Ute Grabowski, Photonek.net) Zum Artikel

 

«Und nebenan ist ein Elfjähriger
untergebracht. Das geht nicht.»

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Die Kinder vom Notknast: Im provisorischen Polizeigefängnis sind auch Jugendliche inhaftiert, obwohl dies Haftgrundsätzen widerspricht. Minderjährige seien «dringend» anderswo unterzubringen, fordert Professor Alberto Achermann, Präsident der Nationalen Kommission zur Verhütung von Folter. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Mir war nicht bewusst, was es heisst,
Mummenschanz zu beleuchten.»

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Eric Sauge ist bei Mummenschatz für die Lichttechnik verantwortlich. Mit seiner Arbeit trägt er massgeblich zum Erfolg der Theatergruppe bei. Mit ihr tourt er durch die ganze Welt. Er weiss: Das falsche Licht oder Licht aus dem falschen Winkel, kann das ganze Programm zerstören. (Foto: Doris Fanconi)

 

«Eine Haft kann Kinder zutiefst verängstigen.»

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Die Jugendpsychiaterin Fana Asefaw warnt davor, Minderjährige neben erwachsenen Delinquenten einzusperren, wie dies im provisorischen Polizeigefängnis auf der Kasernenwiese in Zürich gemacht wird. Die Massnahme sei nicht zielführend. (Foto: Daniel Kellenberger) Zum Artikel

 

«Ich tanze jeden Abend gegen Geld.»

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Paul Weilenmann, Gründungsmitglied und künstlerischer Leiter Karl’s kühne Gassenschau, auf die Frage, wann er das letzte Mal getanzt habe. Seine Tanzkünste, sagt er, seien allerdings nicht besonders gut. (Foto: Dominique Meienberg)

 

«Amerika ist das Grösste. Wie ein Traum.»

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Moritz Schädler surft in wunderschönen Lo-Fi-Popsongs ganz knapp über der Realität. MoreEats, der Musiker mit Liechtensteiner Wurzeln, plant, das zu ändern: Irgendwann will er die Dinge beim Namen nennen. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

 

«Ich bekam für die CDs nicht nur Platz,
sondern auch Pralinés angeboten.»

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Via Tages Anzeiger hat Redaktorin Claudia Schmid vor ungefähr einem Monat ein neues Zuhause für ihre CD-Sammlung gesucht. Und staunte nicht schlecht: Nach dem Aufruf bekam sie 350 Mails. Ihre Musikträger verteilte sie schliesslich nach der Salamitaktik. Yarin, Student der Kunstgeschichte, vergrösserte dadurch seine noch kleine Sammlung mit Rap-Perlen. (Foto: Sabina Bobst) Zum Artikel

 

«Das Geld kommt.»

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Eigentlich hätte in Meilen der Steuerfuss erhöht werden sollen. Doch durch eine überraschende Äusserung von Roberto Martullo, dem Schwiegersohn von Alt-Bundesrat Christoph Blocher (SVP), kam es anders. Martullo kippte in Meilen eine Steuererhöhung mit einer Nachsteuerrechnung in Millionenhöhe, die es so nicht gibt. (Foto: Daniel Kellenberger) Zum Artikel

 

«Im Gottesdienst versuchen wir,
den Himmel auf Erden zu holen.»

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Die russisch-orthodoxe Auferstehungskirche hat gestern ihr 80-Jahr-Jubiläum gefeiert. Mit «Seiner Heiligkeit», dem Patriarchen Kyrill I. als Gast. Diakon Daniel Schärer war wegen den speziellen Gastes entsprechend nervös. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Ich war Blocher-Fan.»

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Christoph Burgherr war Unternehmer und strammer Konservativer. Dann ging er zu einem Informationsabend. Seither leitet er eine Laufgruppe von Flüchtlingen. (Foto: Reto Oeschger) Zum Artikel

Liebe Koch-Areal-Besetzer …

Réda El Arbi am Montag den 10. Oktober 2016
Besetzungen sind wichtig für die Stadtentwicklung.

Besetzungen sind wichtig für die Stadtentwicklung.

Liebe Besetzer vom Koch-Areal,

eigentlich sollte ich auf eurer Seite sein. Ich halte Besetzungen für sinnvoll. Und ich kenn auch einige Leute, die ihre Zeit bei euch verbringen.

Aber zur Zeit verhaltet ihr euch wie die krassesten Konsumenten im Ausverkauf. Ihr wollt möglichst viel haben, aber nichts dafür geben. Mehr Freiraum, mehr Freiheit, aber keine Kompromisse, keine Gegenleistung. Und wenn, dann nur unter massivem Druck und mit dem trotzigen Gesicht eines zu Unrecht bestraften Schülers.

Leider endet eure Freiheit da, wo die der anderen beginnt. Und damit meine ich nicht nur die Lärmemissionen bei euren Partys, ich spreche auch von Hundekot rund ums Gelände (ja, das mag spiessig sein, aber andere Hundehalter und Hunde bezahlen die Rechnung dafür), ich meine die Art, wie ihr den Anwohnern im Alltag begegnet. Einfach grundsätzlich die Art, wie ihr mit den Leuten umgeht, die eure Infrastruktur und die Polizeieinsätze bezahlen. Das sind nämlich keine Bonzen, das sind ganz normale Stadtbewohner.

Nun, mit eurer ignoranten Haltung gegenüber eurem Umfeld, gegenüber den Reklamationen, mit der lässigen Arroganz, mit der ihr Anwohner behandelt, die nicht so erfreut über eure Emissionen sind, schadet ihr euch in erster Linie selbst. Damit könnte ich leben. Handlungen haben schliesslich Konsequenzen.

Aber ihr gebt dem politischen Gegner – hier und heute der SVP und der FDP – Munition in die Hand, um jetzt und in Zukunft hart gegen Besetzungen vorzugehen. Ihr macht kaputt, was Generationen vor euch in einem harten Kampf erstritten haben. Sorry, dass ihr das verpasst habt. Aber so wie ihr den Freiraum nutzt, scheint es, als ob ihr nicht mal mit dem umgehen könnt, den euch die Gesellschaft überlässt.

Mir ist klar, dass einige eurer Köpfe nicht über euren Clan hinaus denken, dass ihr euch als kulturelle  und politische Elite versteht, die sich hart von der «Mainstream»-Gesellschaft abgrenzen muss. Mir ist klar, dass eure Solidarität in erster Linie den eigenen Genossen gilt, und dass man entweder für euch ist oder zum Feind gehört. Mir ist auch bewusst, dass eure basisdemokratische Organisation inzwischen an einzelnen, charismatischen Persönlichkeiten, die den Ton in verschiedenen Grüppchen angeben, krankt. (Natürlich will keiner von denen mit Namen und Gesicht hinstehen …)

Trotzdem liegt es heute in eurer verfluchten Verantwortung, dass leerstehende Häuser auch in Zukunft besetzt werden können, ohne dass daraus gleich Strassenschlachten entstehen. Natürlich würden sich einige unter euch über Strassenschlachten freuen. Aber glaubt mir, das sind entweder pubertäre Vollidioten oder ideologisch Verblendete. Ich erkenn das, ich war beides. Es geht hier nicht um Politik oder Kultur. Es geht hier um einen Grundanstand im Umgang mit anderen Menschen.

Aber um zum Anfang zurückzukommen: Euer Verhalten ist weder sozial noch solidarisch oder demokratisch. Euer Verhalten ist elitär und unterscheidet sich in seiner psychologischen «Wir,wir,wir»-Anspruchshaltung eigentlich nur wenig vom «Ich, ich, ich»-Verhalten einer selbsternannten, neoliberalen Elite. So schön einzelne eurer sozialen Projekte auch sind, so stark verlieren sie an Glaubwürdigkeit, wenn ihr euch eurem direkten Umfeld gegenüber wie asoziale Egoisten verhaltet.

Ihr wollt mehr Freiraum? Ok, übernehmt Verantwortung für den Raum, den ihr bereits habt. Dann könnte es sogar sein, dass es auch in Zukunft Ecken und Nischen gibt, die alternativ genutzt werden können.

Schönen Herbst wünsch ich.

PS: Und ja, diejenigen, die mich jetzt nicht mehr so gut finden, dürfen mich dafür als was auch immer bezeichnen. Aber diesmal nicht mehr anonym. Wer etwas zur Diskussion beitragen will, kann das auch anonym tun. Wer einfach nur haten will, fliegt raus. Das gilt ebenso für rechte Hetzer. Ich hab nämlich die Schnauze voll, mich von gesichtslosen Feiglingen beschimpfen zu lassen.

Das Kreuz mit Haken

Réda El Arbi am Dienstag den 23. Februar 2016
Die Botschaft verfehlt: Hakenkreuz am Hauptbahnhof. Bild: persoenlich.com / Lucienne Vaudan

Die Botschaft verfehlt: Hakenkreuz am Hauptbahnhof. Bild: persoenlich.com / Lucienne Vaudan

«Nicht jeder, der für die Durchsetzungsinitiative ist, ist ein Nazi!», hör ich jetzt oft aus dem Munde vieler meiner politisch korrekten, urbanen Freunde. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Wortwörtlich heisst das, dass es doch viele «Nazis» unter den Befürwortern gibt, dass man aber nicht alle in diesen Topf werfen kann.

Das ist dumm, natürlich gibt es kaum Nazis in der Schweiz. Der Nationalsozialismus ist eine sehr klar definierte, politische Perversion, hinter der nur geistig kranke Menschen wirklich stehen können. Wir Linken sind uns seit den 80ern gewohnt, die Nazikeule zu schwingen, wann immer es um Fremdenfeindlichkeit und Rassismus geht. Inzwischen ist diese Keule so abgenutzt,das man damit kaum noch jemanden trifft. Sonst würden wohl auch keine bürgerlichen Politiker mit ihr gegen ihre Kollegen von weit rechts herumfuchteln. Diesen Beitrag weiterlesen »

Auf Wiedersehen, Herr Mörgeli!

Réda El Arbi am Montag den 19. Oktober 2015
Held und opfer für die Einen, Hassfigur und Dramaqueen für die Anderen: Christoph Mörgeli

Held und Opfer für die Einen, Hassfigur und Dramaqueen für die Anderen: Christoph Mörgeli

Man kann mir sicher nicht vorwerfen, ich würde Sympathien für den abgewählten Nationalrat Christoph Mörgeli hegen, trotzdem schaue ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf seinen Abgang. Die Lücke, die Mörgeli in der medialen Daily Soap der Zürcher Politik hinterlassen wird, ist schwer zu füllen.

Geschichten wie die «Vom Aff bisse», die verschiedensten Prozesse gegen Uni, SRF, Aussagen über Burnouts als Krankheit für Faule etc. werden uns fehlen. Nur selten hat sich ein Politiker so in den Kampf für die eigene Person und für einige politische Themen geworfen. Einmal wollte er sogar bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, zu den fremden Richtern! Grosses politisches Theater mit dem Professor für Medizingeschichte und seinem desolaten Museum.

Für die Linken im Kanton war er Hassfigur Nummer 1, für die Rechten Held und Opfer zugleich. Ich weiss nicht, warum die SVP-Stammwählerschaft ihn an diesen Wahlen abgestrafte (ich wusste aber auch nicht, warum er früher gewählt wurde). Ich weiss nur, dass mit Mörgeli ein Darsteller die Bühne verlässt, der uns alle immer wieder emotional bewegte.

Da er jetzt nicht mehr aktiv in der Politik vertreten ist, verschwindet er wohl in der Versenkung. Tele Züri und einige Lokalteile werden ihm noch Raum für eine Abgangsstellungnahme geben, danach wird Ruhe sein. Es ist bitter für einen Mann, der sich so gerne in der Öffentlichkeit bewegte. Und es wird bitter sein für uns, das Publikum.

Roger Köppel füllt die Lücke nicht, dafür ist er zu sehr Medienprofi. Köppels Auftritte werden professionell und nicht unterhaltend sein – ihnen wird das Theatralische fehlen, das Drama und das Herz.

In diesem Sinne: Salut für einen grossen Unterhalter, Darsteller und eine Dramaqueen!

Geniessen Sie Ihren Ruhestand, Herr Mörgeli. Wir werden Sie ein bisschen vermissen.

Der Mann mit der Knarre

Réda El Arbi am Donnerstag den 8. Oktober 2015
Nicht vom Facenookprofil eines irren Waffennarren, sonder von der eines amtierenden Nationalrats.

Nicht vom Facebookprofil eines irren Waffennarren, sondern von dem eines amtierenden Nationalrats.

Nein, das ist keines der üblichen Bilder, wie sie nach einem Amoklauf an irgendeiner Schule in den USA auf dem Facebook-Profil des Amokläufers gefunden werden. Das ist ein Teil der Kampagne, die Freunde des St. Galler SVP-Nationalrats Lukas Reimann ins Netz stellten. Für einmal schaut der Stadtblog aus der linksgrünen Blase, in der wir Stadtzürcher leben, heraus – und was sieht man? Sowas.

Natürlich kann Reimann jetzt behaupten, er habe keine Kontrolle darüber, was seine Fans in der Woche des Oregon-Shootings mit 10 Toten ins Web stellen. Aber ehrlich, das Foti mit der Knarre haben seine Fans ja nicht selbst gebastelt. Und die Zitate sind sicher vom SVP-Nationalrat selbst.

Nun ja, schauen wir uns erst mal die Zitate an: Ok, verantwortungsbewusste, privaten Schusswaffenbesitz will unser Volk, warum auch immer. Nichts dagegen einzuwenden. Aber ein Typ, der wie ein 6-Jähriger mit seinem Armeegewehr auf den Leser zielt, erscheint mir irgendwie weit weg von dem, was ich unter «verantwortungsbewusst» verstehe.

Weiter: Wenn man die Waffengesetzgebung verschärfen würde, hätten nur noch Kriminelle Waffen? Ich denke, die Polizeikorps würden sich sicher wundern, als Kriminelle angesehen zu werden. Aber ganz so weit ist das bei Lukas Reimann und seinem Freund Anian Liebrand mit ihrer Nähe zu Verschwörungstheoretikern nicht hergeholt. Sie sehen die grösste Gefahr für den Bürger beim Staat, der ihnen ihre «Freiheit» wegnehmen will. Bei dem Staat, den Reimann im Parlament vertreten sollte …

Paralellen sind nicht zu leugnen. Breivik posiert.

Paralellen sind nicht zu leugnen. Breivik posiert.

Aber wie um Himmels Willen kommt man auf die Idee, so ein Bild von sich zu machen? Es gibt andere, die bereits solche Bilder von sich ins Netz gestellt haben, darunter der Massenmörder Breivik, der in seinem «Manifest» mehrmals auf die SVP als Vorbildpartei hingewiesen hat. Das sollte einem doch eine Warnung sein, wie man seine Waffenliebe im Wahlkampf kommuniziert. Auf jedenfall nicht wie ein Amokläufer.

Nein, ich denke nicht, dass die SVP eine Partei von Schiesswütigen ist. Ich denke, dass vielen SVPlern die Waffentradition und der verantwortungsbewusste Umgang mit Schusswaffen am Herzen liegt. Nur haben diese vernünftigen und verantwortungsbewussten Kräfte offenbar nicht den geringsten Einfluss auf die jungen Wirrköpfe, die vor der Kamera für ihre Abstimmungsflyer ein wenig «Krieg» spielen.

Wäre Reimann einer dieser wirren Libertären, die sich am Liebsten mit einem Haufen Waffen irgendwo einbunkern und auf den Krieg gegen den Rest der Welt vorbereiten würden, müsste ich schmunzeln. Leute, die so mit Waffen posieren, sind meist abwechselnd von Angst und Allmachtsfantasien beherrscht. Sie leben in einer Welt voller Bedrohungen durch übergrosse Gegner, die sie in ihren Tagträumen mit der Waffe niedermachen.

Nur, Reimann ist ein Mitglied unseres Parlaments. Da hört der Spass mit der Knarre irgendwann auf. Schliesslich sollen die gewählten Politiker auch die Würde unseres Landes vertreten.

Nun ja, in unserer linksgrünen politischen Stadtblase wäre Reimann nach so einem Bild politisch tot. Aber offenbar gibts Gegenden, in der eine Mehrheit einen Typen wählt, der beim Erwachsenwerden den Unterschied zwischen einer Chäpslipistole und einem Armeesturmgewehr nicht mitbekommen hat.

 

Die Feinde der Schweiz. Ehrewort!

Réda El Arbi am Dienstag den 31. März 2015
Achtung! Landesverräter!

Achtung! Landesverräter!

Nun stehen ja bald wieder Wahlen in Zürich an, und da macht es Sinn, sich einmal quer durch die politischen Blätter und Veröffentlichungen zu lesen, bevor man da irgendwen wählt, der vielleicht gar nicht für die eigenen Werte steht.

Ein besonderes Fundstück erreichte mich glücklicherweise noch vor den Wahlen über die Zeitschrift «Schweizerzeit»: Eine Liste der «Feinde der freien Schweiz». Das war vielleicht ein Augenöffner! Ich muss jetzt mein ganzes Weltbild neu definieren!

Wer hätte gedacht, dass das Mädchenhaus Zürich, das Heks und der Kinderschutzbund zu den Landesverrätern zählen? Ganz unheimlich sind mir auch die «Arbeitsgruppe Tourismus & Entwicklung» und die «Caritas». Ich sehe schon bildlich vor mir, wie diese subversiven Organisationen unsere Freiheit mit Füssen treten. Und ehrlich, «Fastenopfer»? Wer sich selbst als Opfer sieht und mit Fasten die Wirtschaft schädigt, kann doch kein Patriot sein, oder? Opfer. Pfft.

(Fortsetzung unter dem Bild)

Ui nei! Alle böse!

Ui nei! Alle böse!

So wie ich das sehe, sind die «Reporter ohne Grenzen» eigentlich nur der militante Arm der Lügenpresse, während die Menschenrechtsorganisationen uns an unserer nationalen Freiheit auf Menschenrechtsverletzungen hindern. Pfui bäh, das ist ja schon beinahe Diktatur!

Aber beinahe am Schlimmsten auf der Liste ist das Schweizerische Rote Kreuz. Diese vaterlandsverräterischen Halunken benutzen sogar unser heiliges Schweizer Kreuz als Symbol! Das ist doch die Oberfrechheit! Treiben sich im Ausland herum, verschenken unsere teuren Medikamente an Dahergelaufene und stehen im eigenen Land gegen die Freiheit! Dass das Kommunisten sind, sagt ja schon der Name! Henry Dunant war sicher Bolschewik!

Irgendwie dünkt mich die Liste aber nicht konsequent. Auch die Heilsarmee (die ihre aggressiven Ambitionen ja schon im Namen trägt), die kantonalen Samichlaus-Vereine (die Bärte, sag ich nur. DIE BÄRTE!) und die Verkehrskadetten (die uns vorschreiben wollen, wie wir unsere Freiheit im Strassenverkehr leben dürfen) gehören auf diese Liste!

Dankbar für die Warnung vor der Gefahr für unsere freiheitlichen Werte bin ich der ganzen Redaktion der Schweizerzeit und werde diese Liste – und den Geist dahinter – sicher auch beim Ausfüllen meines Wahlzettels berücksichtigen.

(Die politischen Konsequenzen, die man aus der in der Liste herrschenden Weltsicht ziehen mag, sind natürlich ganz dem Leser überlassen. Ehrlich.)

Hier die Redaktion der «Schweizerzeit»:

Chefredaktor:
Dr. Ulrich Schlüer (us)

Abschlussredaktion:
Olivier Kessler (ok)

Mitarbeiter:
Roland Burkhard
Patrick Freudiger
Thomas Fuchs
Arthur Häny
Hans Kaufmann
Barbara Keller-Inhelder
Olivier Kessler
Hermann Lei
Anian Liebrand
Luzi Stamm

«Rap vs. SVP»: Lukas bei den Linken

Réda El Arbi am Sonntag den 5. Januar 2014
SVP-Nationalrat am Anlass «Rap gegen SVP». Personenschutz hat der Grüne Balthasar Glättli geleistet.

SVP-Nationalrat Lukas Reimann (rechts) am Anlass «Rap gegen SVP». Personenschutz hat der Grüne Balthasar Glättli (eher links) geleistet.

«Rap versus SVP» hiess der Anlass, der am Samstagabend in der Gessnerallee stattfand. Und, um es vorweg zu nehmen, es war eine richtig gute Party, mit guten Acts, darunter Steff la Cheffe und Skor.

Aber es war auch Abstimmungskampf, organisiert von der neuen Vereinigung «GomS» (nein, nicht der Bezirk im Wallis). Der Name bedeutet «Gesellschaft für eine offene & moderne Schweiz» und setzt sich gegen die Masseneinwanderungs-Initiative ein. Das wäre eigentlich ganz in meinem Sinne, bin ich doch der durchschnittliche urbane Linke, wie man ihn in Zürich an jeder Ecke findet. Aber trotzdem stiess mir an diesem Anlass etwas sauer auf:

Wie kann eine Gesellschaft, die sich für mehr Offenheit einsetzt, ihren ersten grösseren Anlass GEGEN etwas organisieren, also von vornherein Leute ausschliessen? Als «Rap vs. Abschottungsinitiative» wäre der Anlass klarer und mehr im Sinne einer «offenen Schweiz» getitelt gewesen. So, mit klarem Feindbild «SVP», würde das einer dieser Inzestanlässe der Stadtlinken werden, der nur Leute erreicht, die sowieso bereits gegen die Initiative und gegen Fremdenangst sind. Es würde also nicht eine einzige Person abholen, die ihre Meinung ändern könnte. Man war unter sich.

Ich sprach einen der Organisatoren, Thomas Haemmerli (mit «ae» nicht mit «ä»), der auch bei votez.ch dabei ist, darauf an. Nein, meinte er, dies sei absolut und überhaupt kein linker Inzestanlass. Schliesslich seien bei «GomS» auch Wirtschaftsverbände und andere politische Kräfte dabei, vom Neoliberalen bis hin zum christlichen Menschenfreund hätten sich alle zusammengefunden, um der SVP-Initiative etwas entgegenzusetzen.

Nun, ich spazierte durch die Menge und sah jede Menge Zürcher Politprominenz der jungen Linken und Grünen, sogar im Doppelpack: Min Li Marti und Balthasar Glättli als junges linksgrünes Glück (ich mag übrigens beide). Was ich vermisste, waren die Neoliberalen, die Wirtschaftsvertreter und die anderen Nicht-Linken, die sich laut Haemmerli doch hier auch engagieren sollten. Kein Exponent von Economie Suisse, oder vom Think Tank Avenir Suisse. Nicht mal einen einzigen gemässigten Liberalen hab ich gefunden. Dabei wär das doch DIE Gelegenheit für FDP-Stadtpräsikandidat Filippo Leutenegger, zu beweisen, dass er «Einer von uns» ist. Die «Wirtschaft» nimmt wohl ihre Verantwortung per Banküberweisung wahr. Da muss man nicht auch noch an solche Anlässe.  Also nur Linke, soweit das Auge reicht. Und ein paar unpolitische junge Homeys, die noch nicht mal wussten, dass es hier für einmal um mehr als um Kiffen und gute Musik geht.

Wenigstens hatte man, um dem Schein Genüge zu tun,  einen Alibi-SVPler vorzuweisen. Den jungen. Ihr wisst schon, den Lukas Reimann, seines Zeichens Nationalrat der Volkspartei. Der sass dann auch ein wenig verunsichert in einem zu tiefen Sessel, die Knie beinahe am Kinn, hielt sich an einem Bier fest und bewegte sich nicht vom Nationalratskollegen Glättli weg. Nach einer halben Stunde konnte ich ihn nicht mehr auffinden.

Das Problem an solchen Anlässen ist, dass keine Diskussion stattfindet, da alle sowieso derselben Meinung sind. Es ist so, wie wenn man an einem der legendären SVP-Buurezmorge die Jusos sucht. Nun ja, vielleicht gings ja mehr um ein Gemeinschaftsgefühl, als um politische Reichweite? Als der Moderator auf die Bühne kam, fragte er zum Spass, ob irgendwer für die Initiative sei. Zwei Leute hoben die Hände. Auch zum Spass.

«Es geht uns auch um mediale Reichweite, sogar die Tagesschau kommt. Und Tele Top», erklärte Hämmerli. Nun, dann reiht sich hier der Stadtblog auch ein, zwischen Tele Top und der Tagesschau (relevanztechnisch), und berichtet vom Anlass. Und weil ich ein Linker bin, darf ich das wohl auch durchaus kritisch tun.

Als Party top, als politische Veranstaltung eher ein Flop. Aber vielleicht lassen sich durch die gesammelten Mailadressen ja dann kurz vor der Abstimmung noch einige Leute zur Stimmabgabe motivieren. Dann hätte das Ganze ja wirklich noch eine demokratiefördernde Wirkung.

Hier noch ein Bild der wirklich guten Bühnenacts:

Steff auf der Bühne rockt immer. Und unten in der Ecke undeutlich Thomas Hämmerli. (Bild: Andi Wullschleger)

Steff auf der Bühne rockt immer. Und unten in der Ecke undeutlich Thomas Haemmerli. (Bild: Andi Wullschleger)

Stadtrats-Ersatzwahlen: Das Kuschelkarussell

Réda El Arbi am Sonntag den 3. Februar 2013
Die Stadtparteien aller Couleur wollen das Kuschelkarussel im Stadtrat nicht stören.

Die Stadtparteien aller Couleur wollen das Kuschelkarussell im Stadtrat nicht stören.

Die diesjährigen Stadtratsersatzwahlen für den scheidenden Martin Vollenwyder verbreiten die Spannung eines ausgelutschten Kaugummis: Fad, farblos und eigentlich bereits gegessen. Wir haben nichts gegen die Kandidaten. Wie sollten wir auch? Wir kennen sie nicht. Es wird ja kein Wahlkampf geführt. Es gibt nur taktische Absprachen.

Taktische Wahlen sind doch immer ein wenig Verarschung der Demokratie und der Wähler, nicht? Da gibts nur den FDP-Kandidaten Marco Camin, der aus taktischen Gründen von breiter Seite favorisiert wird. Aber was soll man von einem Politiker halten, der sowohl von der SVP, der CVP, der FDP, der Hälfte der Grünen  und auch einem prominenten Teil der SP unterstützt wird? Dass er kein Profil hat? Dass er ein Fähnchen im Wind ist? Dass er der kleinste gemeinsame Nenner ist, oder das kleinste Übel für alle Parteien? Wo bleibt da der Kampf im Wahlkampf? Wo die Diskussionen, der Streit um Ideen? Und wo, bitte, bleibt die Unterhaltung für die Wähler, wenn schon keine politische Auseinandersetzung oder Positionierung stattfindet? Aber egal, Camin ist sowieso bereits so gut wie gewählt.

Der Kandidat der GLP, Daniel Hodel (wer?), hat das gleiche Problem der konturlosen Beliebigkeit, nicht in seiner Person, aber in seiner Partei. Niemand weiss gerade genau, wohin die GLP eigentlich will. Oder wer zum Teufel ihr Kandidat ist. Und dann ist da ja noch der Kandidat  Wolff von der AL, von denen ich immer das Gefühl hab, sie kommen direkt aus Winterthur in den 90ern. Seit die SP  in der Stadt tonangebend ist, fürchten sich Grüne und Linke, klare Konturen und kantige Köpfe zu zeigen. Aber Konsens können sie von mir aus später in der Zusammenarbeit anstreben, im Wahlkampf erwarten wir Ideen und Visionen.

Und die SVP? Gerade aus dieser Ecke hätte ich mehr erwartet. Die Partei der Polterer, Trötzler und Twitterer hätte sicher die eine oder andere Persönlichkeit, die etwas Lärm in diese Ersatzwahl hätte bringen könnte. Aber nein, sie unterstützen jetzt Allerwelts-Camin, damit die FDP ihnen später auch einen Gefallen schuldig ist. Milchbüechli-Strategen rechnen mit Stimmen, statt mit Ideen zu punkten.

Und diesmal finden die Ersatzwahlen auch ohne Joker statt. Niemand, der aneckt und auffällt, oder wenigstens die Wähler unterhält. Können Sie sich noch an Hans Ulrich Flückiger erinnern, der 2010 als Stadtpräsident kandidierte? Besser bekannt als «Hanf-Ueli». Den mochte ich. Nicht, weil er irgendwas Vernünftiges vertrat, sondern weil er Farbe in die Politik brachte. Oder Etienne Rainer, der Urzeit-Partyfrosch mit seiner «Sunneboge Party»? Der vier Mal (!) für mehr Techno in der Stadt fürs Stadtpräsidium kandidierte? Die hatten wenigstens Unterhaltungswert und Farbe. Nicht mal Philipp Meier, das Enfant Terrible der etablierten Kreis 4-Kunstszenis mit seiner «Party Partei», lässt etwas von sich hören.

Da wundern sich die Leute, wieso sich niemand mehr für die politischen Prozesse interessiert. Wenn man aber das Harmonie-Karussel der Wahltaktiker anschaut, ist einem klar warum. Absprachen, Kalkül, Verwaltung der Macht – und weit und breit keine Visionäre. Selbst die Parteien an der politischen Peripherie bringen lieber Kuschelkandidaten, als ein Statement für ihre politischen Ziele abzugeben.

Wenn das bei der Erneuerungswahl des Stadtrats so weitergeht, werden wir vom Stadtblog kandidieren. Ich versprechs!