Beiträge mit dem Schlagwort ‘Stadtleben’

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 30. September 2016

«Das Quartier kenne ich kaum.
Zürich hört für mich am Hauptbahnhof auf.»

(Foto: Esther Michel) Zum Artikel

Der Stadelhofen bekommt sein zweites Denkmal: Star-Architekt Santiago Calatrava baut dort, wo heute das Café Manderin steht, ein schickes Geschäftshaus mit Velostation. Die Bagger fahren im nächsten Jahr auf. Vom Quartier Zürich West hält Calatrava allerdings nicht viel. Er kennt es nicht. (Foto: Esther Michel) Zum Artikel

«Wir sind aus allen Wolken gefallen.»

(Foto: Raida Durandi) Zum Artikel

Eine Wanderung kann teuer zu stehen kommen. Die Senioren-Wandergruppe Oetwil am See hat einen Text einer deutschen Autorin aus dem Internet kopiert und weiterverwendet. Nun haben sie wegen Urheberrechtsverletzungen Anwälte aus Berlin am Hals und die drohen mit einer saftigen Busse. Ernst Oertli, Leiter der Gruppe, ist noch immer fassungslos. (Foto: Raisa Durandi) Zum Artikel

«Es gibt immer wildfremde Leute,
die ein Gläschen mitdrinken wollen.»

(Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

«Mister Sicherheit» geht in Pension: Zehn Jahre lang kontrollierte Heinz Beusch im Zürcher Rathaus die Besucher, die alle durch die Sicherheitsschleuse müssen. Zur Herausforderung für den Schleusenwärter gestalteten sich jeweils die halbjährlichen Apéros im Rathaus. Beusch hatte diese Woche seinen letzten Arbeitstag. Er geht in Pension. (Foto: Urs Jaudas)

«Eigentlich darf man uns alles fragen.»

(Foto: Dominique Meienberg) Zum Artikel

Michèle Fischhaber und Patrick Mueller verfassen Bücher voller Fragen. Dass aus der Arbeit bald einmal Liebe wurde, war nur eine Frage der Zeit. (Foto: Dominique Meienberg) Zum Artikel

Trotz intensiver Suche
keinen Nachfolger gefunden.»

(Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

Die Seilerei Denzler beim Bellevue existiert seit über 170 Jahren. Nun verschwindet der Name aus dem Zürcher Geschäftsleben. Inhaber Walter Stutz und seine Frau ziehen sich altershalber zurück. Anstelle der Seilerei gibt es dort künftig ein Kleidergeschäft mit russischer Mode. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

«Ich bin ein bewusster Fleischesser.»

(Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

Circus-Produzent Gregory Knie gastiert derzeit mit seinem Sexy-Crazy-Artistic-Circus Ohlala noch bis Ende Oktober in Dübendorf. Veganer ist er auf keinen Fall, weil es für ihn zu trendy ist. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

«Wir bauen nur, wenn wir das Geld haben.»

(Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

Das neue Aquarium des Zoos Zürich ist doppelt so gross wie vorher und in verschiedene Unterwasserwelten aufgeteilt. Neu schwimmen dort auch Haie. Die Neugestaltung hat 1,5 Millionen Franken gekostet. Verwaltungsratspräsident Martin Naville betonte an der Einweihung, dass beim Bau das Budget eingehalten wurde. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

«Wir beurteilen unsere Umwelt
durch das Riechen.»

(Foto: Josef Stücker) Zum Artikel

Das Böse stinkt, das Gute riecht, sagt ein Sprichwort. Das Museum Kulturama zeigt in einer neuen Sonderschau die Welt der Düfte. Mit anderen Worten: Wie es war, als Shampoo und Unterhosen noch nicht erfunden waren. Museumsdirektorin Claudia Rütsche erhofft sich von der neuen Ausstellung einen Besucherrekord. (Foto: Josef Stücker) Zum Artikel

«Gespart wird bei den Ärmsten.»

(Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

1000 Personen Personen, vor allem aus Schule und Bildung, demonstrierten in Zürich gegen das 1,6-Milliarden-Franken Abbauprojekt des Kantons. Mit dabei war auch die Zürcher Grüne und Schweizer VPOD-Präsidentin Katharina Prelicz-Huber. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

«Wir haben unseren eigenen Traum gebaut.»

(Foto: Urs Jaudas)( Zum Artikel

Das wohl kleinste elektrische Segelflugzeug der Welt kommt aus dem Zürcher Oberland, genauer aus Wald. Hinter dem «Archaeopteryx» steckt eine flugbegeisterte Familie: Ernst Ruppert, sein Sohn Roger und dessen Frau Cornelia. Sie haben den Minisegler in ihrer Kleinfirma entwickelt. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel 

«Wenn es einen lebenden Vogel
im Lastwagen gibt, bin ich das.»

(Foto: Raisa Durandi) Zum Artikel

In der Fahrzeugflotte der Transportfirma Planzer hat es einen elektrisch betriebenen Laster. Der gibt Vogelgezwitscher von sich, so dass die fahrende Voliere viele Passanten irritiert. Zuerst war dem Planzer-Chef die Aktion ein wenig peinlich, aber als er selber hinter das Steuer sass und viele Frauen den Daumen nach oben hielten, ist der Laster für ihn die beste «Aufrisskarosse» von Zürich. Auch Stammfahrer Ramadan Butic ist mit seinem zwitschernden Brummi voll zufrieden. (Foto: Raisa Durandi) Zum Artikel

Die Opferhaltung

Réda El Arbi am Dienstag den 20. September 2016
Autonomie und differenzierte Selbstwahrnehmung statt Opferhaltung.

Autonomie und differenzierte Selbstwahrnehmung statt Opferhaltung.

Dies wird wohl einer der Texte, die wirklich schwer zu schreiben sind, wenn ich am Schluss nicht Applaus von Idioten und Angriffe von Freunden ernten will. 

Ich beurteile Menschen nach ihren Handlungen und Äusserungen. Niemals werte ich Menschen nach ihrem Geschlecht, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Religion, Rasse, ihres Reichtums oder ihrer Armut. Trotzdem finde ich mich ab und an mit den Vorwürfen Sexismus, Homophobie, etc. konfrontiert.

Gerade in einer aufgeschlossenen Stadt wie Zürich – regenbogenfarben, linksgrün, offen – treffe ich häufig auf Menschen, die sich über ihre Opferhaltung definieren. Feministinnen, die sich auf ihr Geschlecht reduzieren, Homosexuelle, die jeden Affront als «homophob» einordnen, Ausländer (meist gut integrierte Secondos), die persönliche Auseinandersetzungen gleich mit «Rassismus» kontern.

Es gibt da draussen noch viel zu viel Sexismus, Rassismus und Homophobie. Das heisst aber nicht, dass man seine eigene Identität auf sein Geschlecht, seine Herkunft, seine sexuelle Orientierung oder auf sonst ein Merkmal einer Gruppenzugehörigkeit reduzieren soll oder darf. Das zeugt von fehlender Autonomie und man wird sich selbst dabei nicht gerecht. Die eigene Person wird schabloniert und eindimensional, die Welt schwarzweiss. Es endet in «Wir und sie».

Ich hab einige Jobs und Wohnungen in meinem Leben nicht bekommen. Natürlich hätte ich schimpfen können, das sei wegen meines arabischen Namens. Wars aber meistens nicht. Da war zu Beispiel mein Betreibungsauszug. Oder meine fehlende Eignung. Oder meine persönliche Art, die lange nicht jedem passt. Wenn jemand mir sagt «Du dreckiger Kameltreiber», empfinde ich das als fremdenfeindlich. Wenn jemand mir sagt «Du grosskotziger Vollidiot», ist das wohl meiner Persönlichkeit geschuldet.

Die Selbstdefinition als Opfer führt in Zürich oft zu einer Art positiven Diskriminierung. So gehen viele meiner Bekannten viel vorsichtiger in Auseinandersetzungen mit Schwulen, Lesben, Ausländern oder feministisch orientierten Frauen. Schliesslich will man auf keinen Fall als rückständiger, intoleranter, sexistischer Vollidiot dargestellt werden. So kommt es in meiner linksgrünen Blase zu einer Art Schutzgebiet für Leute, die sich dauernd als Opfer irgendeines -ismus fühlen.

Das ist extrem abwertend. Wenn ich Leute aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung anders behandle als jeden anderen Idioten, sie schone, nehm ich sie nicht ernst. Gleichberechtigung bedeutet, dass ich den Menschen so behandle wie alle anderen. Und wenn ich mich zurückhalte, meinem Gegenüber einen Sonderstatus einräume, positiv oder negativ, diskriminiere ich aktiv. Das ist ungeheuer kontraproduktiv. Unter Ausländern, Schwulen, Lesben, Transgender und Feministinnen gibts genau gleich viele unangenehme, egozentrische und dumme Personen wie überall sonst unter Menschen.

Es gibt genug echten Sexismus, Rassismus und genug Homophobie, die wir angehen müssen, strukturell, gesellschaftlich und auf persönlicher Ebene, als dass wir uns diese Opferhaltung leisten können. Es schadet unserer gesellschaftlichen Entwicklung, wenn wir nicht zwischen persönlichem Affront und allgemeiner Abwertung unterscheiden können.

Also, wenn dich jemand «Idiot» oder «dumme Kuh» nennt, könnte das mit deinem Verhalten zu tun haben. Es muss nicht Ausdruck einer grundsätzlichen Haltung gegenüber deiner Identität sein.

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 12. August 2016

«The dance must go on.»

Morgen rollt und tanzt zum 25. Mal die Street-Parade durch Zürich. Nur noch Nostalgie oder ist da immer noch gesellschaftliche Bedeutung im Spiel? Und wie steht es eigentlich um die Rave-Kultur? Ein TA-Quiz gibt Aufschluss. (Foto: Michele Limina/Keystone) Zum Artikel

Morgen rollt und tanzt zum 25. Mal die Street-Parade durch Zürich. Nur noch Nostalgie oder ist da immer noch gesellschaftliche Bedeutung im Spiel? Und wie steht es eigentlich um die Rave-Kultur? Ein Quiz gibt Aufschluss und Gelegenheit zum Wissenstest. (Foto: Michele Limina/Keystone) Zum Artikel

 

«Die Street-Parade früher hatte etwas Familiäres.»

Sie ist von Start an dabei und hat der Street-Parade bis heute die Treue gehalten: Jris Carducci dekoriert seit 1993 Love-Mobiles. Dieses Jahr gestaltet sie den ganzen Hechtplatz um. Zur Feier der Stunde hat sie auch einige DJs der ersten Stunde aufgetrieben. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

Sie ist von Start an dabei und hat der Street-Parade bis heute die Treue gehalten: Jris Carducci dekoriert seit 1993 Love-Mobiles. Dieses Jahr gestaltet sie den ganzen Hechtplatz um. Zur Feier der Stunde hat sie auch einige DJs aus der Anfangszeit aufgetrieben. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 «Leben ist lebensgefährlich.
Man kann nicht alles verhindern.»

Er schätzt eine aufmerksame Bevölkerung. Bruno Keller ist der Sicherheitschef der Kantonspolizei Zürich. Er ist einer jener Offiziere, die in Zürich einen Einsatz gegen Terroristen oder Amokläufer leiten würde. Er weiss: Die Arbeit beginnt lange vor dem dem Ernstfall. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

Er schätzt eine aufmerksame Bevölkerung. Bruno Keller ist der Sicherheitschef der Kantonspolizei Zürich. Er ist einer jener Offiziere, die in Zürich einen Einsatz gegen Terroristen oder Amokläufer leiten würde. Er weiss: Die Arbeit beginnt lange vor dem dem Ernstfall. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Wir wollten etwas Freudvolles schaffen.
Nun hetzt man Anwälte auf uns.»

Manchmal geht es schnell und man gerät in den Fokus der Feinde. Als Beispiel sei die Milchbar in der Zürcher Altstadt genannt. Dort geht ein vermögendes Ehepaar wegen Ruhestörung gegen zwei Restaurants vor. Dabei geht es nicht nur um die Existenz der Lokale, es ist auch ein Duell zwischen Milieu-Anwalt und Szene-Gastronom. Foto: Raisa Durandi) Zum Artikel

Manchmal geht es schnell und man gerät in den Fokus der Feinde. Als Beispiel sei die Milchbar in der Zürcher Altstadt genannt. Dort geht ein sehr vermögendes Ehepaar wegen Ruhestörung gegen zwei Restaurants vor. Dabei geht es nicht nur um die Existenz der Lokale, es ist auch ein Duell zwischen Milieu-Anwalt und Szene-Gastronom Michel Péclard (links). (Foto: Raisa Durandi) Zum Artikel

 

«Jeder Reiserückkehrer ist
ein potentieller Mitbringer.»

(Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

Xylella fastidiosa ist ein gefährliches Pflanzenbakterium, das derzeit in Süditalien wütet. Jetzt sind in einem Gartencenter in Dürnten erste Infektionen aufgetreten – trotz strengen Sicherheitsvorkehrungen. Andreas von Felten vom Eidgenössischen Pflanzenschutzdienst (EPSD) ist besorgt. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Die Liebe zum Detail und
die Qualität ist uns wichtig.»

** Dillysocks ** (v.l.r). Fabian Knup, Sean Pfister, Claudio Lumbiarres

Die Geschichte von Start-ups kennt man inzwischen. Wenn junge Zürcher eine Firma gründen, geht es oft um Apps oder um lokale Produkte. Anders ist es bei drei Freunden aus Wollishofen. Diese jungen Männer setzen auf Socken. Claudio Lumbiarres (rechts) sagt, sie mussten zuerst viel lernen. (Foto: PD) Zum Artikel

 «Wenn die Temperaturen sinken,
ziehen die Bettler weiter.«

(Foto: Thomas Egli) Zum Artikel

Wer kennt sie nicht, die Bettler auf den Strassen, öffentlichen Verkehrsmitteln oder Restaurants: Die Bettler. In Zürich hat die Zahl der Verzeigung wegen Bettels und unerlaubten Musizierens markant zugenommen. Christian Fischer vom städtischen Sicherheitsdienst SIP vermutet, dass in Zürich ein Roma-Clan Station macht. (Foto: Thomas Egli) Zum Artikel

 

«Die Post reduziert laufend ihre Dienstleistungen.»

Die Post verärgert ihre Zürcher Kunden mit zweifelhaften Optimierungen. In der Stadt haben sechs Kreise keine Briefkästen mehr, die am Sonntag nach 17 Uhr geleert werden. Der streitbare Anwalt Ludwig A. Minelli wird den öffentlichen Diensten vor, dass sie nicht mehr unternehmensübergreifend zusammenarbeiten. (Foto: Georgios Kefals/Keystone) Zum Artikel

Die Post verärgert ihre Zürcher Kunden mit zweifelhaften Optimierungen. In der Stadt haben sechs Kreise keine Briefkästen mehr, die am Sonntag nach 17 Uhr geleert werden. Der streitbare Anwalt Ludwig A. Minelli wirft den öffentlichen Diensten vor, dass sie nicht mehr unternehmensübergreifend zusammenarbeiten. (Foto: Georgios Kefals/Keystone) Zum Artikel

 

«Gross war die Faust, als sie in meinem Gesicht landete.»

Ein Boxtraining beginnt wie ein Tanzkurs. Kommen zur Beinarbeit die Schläge dazu, verlierte der Untalentierte aber bald die nötige Koordination. TA-Redaktor Thomas Zemp bezieht im Boxring Prügel. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

Ein Boxtraining beginnt wie ein Tanzkurs. Kommen zur Beinarbeit die Schläge dazu, verliert der Untalentierte aber bald die nötige Koordination. TA-Redaktor Thomas Zemp bezieht im Boxring Prügel, als er die für ihn fremde Sportart ausprobiert. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

 

«Es gibt keinen Anspruch auf Exklusivnutzung
des öffentlichen Grunds.«

(Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

Das Tiefbauamt will mehr Begrünung in der Stadt. Erstmals ist es möglich, Pflanzkisten auf öffentlichem Boden aufzustellen (auf dem Bild der Bullingerplatz). Interessenten kritisieren nun die überrissenen Gebühren. Der Sprecher des Tiefbauamts, Pio Sulzer, ist anderer Meinung. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Die Route war so geplant, damit
das Clubhaus nicht unterging.»

(Foto:Felix Aeberli) Zum Artikel

So geht ein Zürcher Wahrzeichen fremd: Das 100 Jahre alte Clubhaus des Zürcher Yachtclubs (ZYC) wurde vom General-Guison-Quai nach Nuolen abgeschleppt. Dort wird es fachgerecht renoviert und bekommt neue Schwimmkörper, die allein so schwer sind wie die Panta Rhei. Beim der Abschleppaktion hatten die Ingenieure Alternativrouten durch untiefe Gewässer erstellt, falls das morsche Clubhaus wieder zu lecken begonnen hätte. Dies war aber laut ZYC-Vorstandsmitglied Oliver Winkler zum Glück nicht der Fall. (Foto: Felix Aeberli) Zum Artikel

 

 

 

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 27. November 2015

 «Weil ich letztlich auch als Veganerin nur ungern ins Gras beisse.»

Die Schweizer Tatort-Kommissarin Delia Mayer weiss, weshalb sie keine Veganerin ist. (Foto: Giorgia Müller)

Die Schweizer Tatort-Kommissarin Delia Mayer weiss, weshalb sie keine Veganerin ist. (Foto: Giorgia Müller)

 

«Ich bin erleichtert. Ich stand 100-mal auf Bahnhöfen und habe Flyer verteilt.»

Der neue FDP-Ständerat Ruedi Noser auf die Frage, wie er sich nach fast sechs Monaten Wahlkampf fühle. (Foto: Keystone/Walter Bieri)

Der neue FDP-Ständerat Ruedi Noser auf die Frage, wie er sich nach fast sechs Monaten Wahlkampf fühle. (Foto: Keystone/Walter Bieri)

 

«Er war nicht so knuddelig weich, wie man es von ihm erwartet hätte.»

Miroslaw Ritschard, stellvertretender Zollstellenleiter, über den Bären, dem Zöllner am Flughafen den Bauch öffneten und 3,8 Kilogramm Marihuana darin fanden. (Bild: EVZ)

Miroslaw Ritschard, stellvertretender Zollstellenleiter, über den Bären, dem Zöllner am Flughafen den Bauch öffneten und 3,8 Kilogramm Marihuana darin fanden. (Bild: EVZ)

 

«Der Circus Conelli ohne Sänger Gasparini ist wie der FC Zürich ohne Fritz Künzli.»

FCZ-Legende und seine Frau Monika Kaelin schwärmen von alten Zeiten, als sie den Circus Conelli besuchten. (Foto: Dominique Meienberg)

FCZ-Legende und seine Frau Monika Kaelin schwärmen von alten Zeiten, als sie den Circus Conelli besuchten. (Foto: Dominique Meienberg)

 

«Wir haben nichts zu verstecken. Wir sind transparent.»

Atef Sahnoun, Präsident der Winterthurer An'Nur-Moschee, wehrt sich gegen den Vorwurf, bei ihm predige ein hetzerischer Iman. (Foto: Doris Fanconi)

Atef Sahnoun, Präsident der Winterthurer An’Nur-Moschee, wehrt sich gegen den Vorwurf, bei ihm predige ein hetzerischer Iman. (Foto: Doris Fanconi)

 

«Er ist total lebendig, stets ist hier etwas los.»

Die zwei Frauen Marianne (rechts) und Madelaine, über die Vorzüge ihres Marronistandes am Albisriederplatz. (Foto: Reto Oeschger)

Die zwei Frauen Marianne (rechts) und Madelaine, über die Vorzüge ihres Marronistandes am Albisriederplatz. (Foto: Reto Oeschger)

 

«Mit den Schwiizerli machen wir ihnen gehörig Dampf.»

Rolf Mürner (l.) und Riccardo Breciani: Kampf der Konditoren im Shop-Ville. Im neuen House of Chocolate gibt es Macarons namens Schwiizerli. Eine Kampfansage an die Luxemburgerli. (Foto: Dominique Meienberg)

Rolf Mürner (l.) und Riccardo Breciani: Kampf der Konditoren im Shop-Ville. Im neuen House of Chocolate gibt es Macarons namens Schwiizerli. Eine Kampfansage an die Luxemburgerli. (Foto: Dominique Meienberg)

Der lange Weg in den erlauchten Kreis

Alex Flach am Montag den 8. Juni 2015
Man will unbedingt rein in die gute Stube: Hive Club

Man will unbedingt rein in die gute Stube: Hive Club

Wenn man jung ist, korrelieren die Ansprüche und Wünsche zumeist nicht mit dem Inhalt der Brieftasche: Der Verlockungen sind viele, die finanziellen Möglichkeiten bescheiden. Dieser Missstand manifestiert sich vor allem im Ausgang, ganz besonders wenn man in Zürich lebt: Will man hier seine Party ohne Rücksicht auf die finanziellen Gegebenheiten geniessen, wird man schnell feststellen, dass am Ende des Geldes ziemlich viel Monat übrig bleibt – ein-, zweimal am Abend den Club wechseln, überall zwei bis drei Drinks kippen und schon sind 200 Franken weg. Geht man zweimal wöchentlich aus (für 25jährige keine bemerkenswert sportliche Leistung), belaufen sich die monatlichen Kosten für Clubbing folgerichtig auf ca. 1‘500 Franken.

Wie kann man als ausgehfreudiger Jungzürcher diese immensen Kosten auf ein verträgliches Niveau senken? Ganz bestimmt nicht indem man einen DJ, Veranstalter oder gar den Chef des Clubs seiner Wahl auf Facebook added und ihm, nach erfolgter Annahme, als erstes diese Nachricht sendet: «Vielen Dank für die Bestätigung. Bei wem darf ich mich melden um nächsten Samstag auf die Gäste- oder Friendslist zu kommen?». Vom Freund zum Blockierten in zwei Minuten: Kein Club- oder Partymacher, insbesondere im Bereich anspruchsvoller elektronischer Musik, mag Schnorrer und das Wort «Friendslist» verursacht bei vielen nur noch Sodbrennen.

Der sicherste und nachhaltigste Weg seine Nachtleben-Kosten zu senken ist selbst DJ oder Veranstalter im gewünschten Umfeld zu werden. Sollte es hierfür an Talent mangeln, hilft nachdrückliches Socialising: Wer immer wieder an denselben Orten verkehrt, wird von den Barkeepern, Hosts und Türstehern irgendwann als Stammgast erkannt und als solcher gepflegt. Schneller geht’s wenn man bei seinen Besuchen sympathische Extrovertiertheit an den Tag legt: Man schenkt dem Selekteur das freundlichste Lächeln, fragt den Barkeeper nach seinem werten Befinden und sagt dem Veranstalter, wie grandios die Party sei, die er da wieder hingestellt habe. Passt man dann bezüglich Look auch noch gut zum Image des Clubs (nicht dem tatsächlichen, sondern zu jenem, von dem die Clubchefs denken, dass man ihr Lokal so sehen würde…) dann ist die Chance gross, dass man irgendwann den Eintritt und den einen oder anderen Freidrink geschenkt kriegt.

Das klingt mühsam und langwierig und das ist es auch. Zudem gibt es viele Mitbewerber um die Gunst der Nachtlebenmacher und da die nicht allen alles gratis abgeben können, ist der Erfolg auch mit hartnäckigstem Socialising unsicher. Aber es ist dennoch der einzige Weg um (nach Jahren) vielleicht in den erlauchten Kreis jener vordringen zu können, die hemmungslos ausgehen können, ohne jedes Mal ihr Sparschwein zum Weinen zu bringen.

Möchte man sich das nicht antun und möchte man auch gar nicht allzu engen Kontakt zu all diesen verqueren Szenis, dann muss man sich wohl einfach damit abfinden, 38 Franken Eintritt für den Auftritt von Ricardo Villalobos in Friedas Büxe am Samstag zu berappen. Weil der Mann nun  mal horrende Gagen verlangt, weil die Miete und die Technik eines Clubs nun mal viel kosten und weil all die Leute die da arbeiten nun mal ihre Löhne überwiesen haben wollen.

Alex-Flach2Alex Flach ist Kolumnist beim Tages Anzeiger und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

Wem gehört die Stadt?

Alex Flach am Montag den 4. Mai 2015
Haben Clubbesucher und die Nightlife-Industrie gleich viele Rechte wie die Anwohner?

Haben Clubbesucher und die Nachtschwärmer gleich viele Rechte wie die Anwohner?

Eine Stadt lebt nicht nur in den Wohnungen ihrer Bewohner. Sie lebt in ihren Strassen, ihren Cafés, ihren Bars und Clubs. In den meisten Grossstädten existieren «Problemviertel», wobei es meist eben diese Gegenden sind, die durch ihre Quirligkeit dafür sorgen, dass eine Grossstadt als solche wahrgenommen wird.

Oft sind es die Epizentren der Nachtgastronomie, die unter der zweifelhaften Überschrift Problemviertel eingeordnet werden. Dass der Lärmpegel in solchen Vierteln höher ist als anderswo, liegt in der Natur der Sache und dass eine Stadt ein lebendiges Nachtleben braucht, dürfte mittlerweile nicht mehr Ausgangslage der Diskussion sein: Die Lebensentwürfe der Menschen haben sich in den letzten Jahrzehnten dahingehend verändert, dass auch Eltern in der Mitte ihres Lebens ihren Nachwuchs gerne mal in Obhut von deren Grosseltern geben, um eine Nacht lang in den Clubs feiern zu können – sie sind mit der elektronischen Musik aufgewachsen, die heute die Charts bestimmt und deren kreative Quelle noch immer in den Clubs liegt.

Obwohl sie diesem Umstand Rechnung tragen müssten, stellen die Behörden zumeist auch in ihren vom Clubbing geprägten Strassenzügen die Anliegen und Befindlichkeiten der Anwohner über jene der Leute, die diese aufsuchen, um dort eine gute Zeit zu geniessen. Beispiele dafür gibt es viele, so konnte in St. Gallen ein einzelner Neuzuzüger dem traditionsreichen Club Kugl den Betrieb beinahe verunmöglichen, obschon das Kugl nicht in einer Wohnzone liegt, sondern in einer gemischten Wohn- und Gewerbezone. Auch in anderen Schweizer Städten gehen immer wieder einzelne Anwohner erfolgreich gegen Clubs vor, in denen an den Wochenenden Abend für Abend hunderte Partygänger feiern.

Trotz der Zürcher Morgenröte, initiiert durch die klaren Bekenntnisse Corine Mauchs und Richard Wolffs zur städtischen Clubszene, können auch hier ein paar wenige Anwohner mit Beschwerden und Klagen dutzenden Bars und Clubs das Leben schwer machen. Aktuell versuchen dies gerade 115 Bewohner der Langstrasse, die mit einem eingeschriebenen Brief den Stadtrat auffordern, etwas gegen den Lärm und Abfall, verursacht durch den allnächtlichen Partybetrieb, zu unternehmen und das, obschon die Nachtleben-Betriebe an der Langstrasse das Milieu erfolgreich zurückgedrängt haben, ganz so, wie von der Stadtplanung wohl vorgesehen.

Die Meinungen zu dieser Aktion der Langstrasse-Anwohner sind von einer Einseitigkeit, die ihresgleichen sucht. Folgender Kommentar unter dem entsprechenden Beitrag der Gratiszeitung 20minuten generierte 968 Likes bei gerade mal 59 Dislikes: «Wer an die Partymeile zieht, muss sich nicht wundern, wenn es laut wird. Man zieht ja auch nicht neben einen Bahnhof, Flugplatz oder eine viel befahrene Strasse und beschwert sich wegen des Lärms. Solche Menschen machen unnötig Probleme und verursachen am Ende nur Aufwand und Kosten». Natürlich: Ziemlich undifferenziert und wohl auch unfaire Worte. Aber ist die Aussage der 115 Langstrasse-Anwohner und -Beschwerdesteller, der «allnächtliche Partybetrieb an der Langstrasse ist eine stadtzerstörende Sauerei», etwa differenziert und fair? Die Langstrasse mit ihrem einzigartigen Eigenleben gehört allen Stadtbewohnern und nicht nur ihren Anwohnern.

Alex-Flach2Alex Flach ist Kolumnist beim Tages Anzeiger und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Blok und Zukunft.

Elitäres Zürich

Réda El Arbi am Dienstag den 21. April 2015
Die richtigen Klamotten, die richtigen Marken, die richtigen Cafes, die richtigen Freunde: Zugehörigkeit erzeugt Selbstwert.

Die richtigen Klamotten, die richtigen Marken, die richtigen Cafes, die richtigen Freunde: Zugehörigkeit erzeugt Selbstwert.

Ein Bekannter von mir ist vom Land in die Stadt gezogen und hat mich mit seinem Intergrationsprozess wieder mal auf eine Zürchersche Besonderheit aufmerksam gemacht: Wir Zürcher verstehen uns als weltoffenes und aufgeschlossenes, tolerantes Völkchen.  Wir denken gerne von uns als urbane, soziale Speerspitze der Schweizer Gesellschaft. Aber stimmt das wirklich?

Der Alltag in Zürich ist nämlich geprägt von ausgrenzenden und elitären Gruppen. Nein, ich meine nicht die Zünfter. Die haben dieses Verhalten vielleicht irgendwann mal eingeführt und ritualisiert. Aber ich spreche von den ganzen normalen Szenen. Der Kunstszene, der Clubszene, dem politischen Umfeld, dem Stammcafe etc.

Ein hervorragendes Beispiel ist die hermetische Alternativ-Kunst-Besetzerszene: Man sieht sich selbst als Elite, versteht sich durchaus als weltoffen, verweigert aber allen, die nicht denselben Hintergrund haben und schon seit Jahren dazugehören sowohl das Gespräch wie auch den Zugang. Menschen, die einen anderen politischen Hintergrund haben, werden als «Feind» und Gefahr verstanden. Genauso in der Fankultur der Zürcher Fussballclubs.

Oder aber die Clubsszene. Da ist es fast am Krassesten: Es werden nur Leute in den Club gelassen, die dem selbst definierten Coolnessfaktor entsprechen. Und da gibts natürlich noch die Elite innerhalb der Elite. Die Leute, die alle kennen und die immer auf der Gästeliste stehen wollen. Und die sehen «Neue» nicht mal mit dem Hintern an, von einem freundlichen Willkommen keine Spur. Natürlich gehören da Menschen dazu, die sich für Asylsuchende stark machen. Diese würden sie natürlich sofort ins Land lassen, in den «eigenen» Club der Wahl aber niemals.

Man muss im richtigen Quartier wohnen, weil der Rest ist ja nicht wirklich «Zürich». Man kleidet sich mit den «richtigen» Marken, hört die «richtige» Musik (die meist – wie weltoffen! – aus Berlin oder London importiert wurde) und kennt vor allem die «richtigen» Leute – Clubfolk, Künstler, Medienfuzzis, DJs, Szenegrössen. Die sprichwörtliche Zürcher Arroganz kommt oft aus dem Bedürfnis heraus, unbedingt etwas «Besonderes» sein zu wollen.

Abgrenzung und Ausgrenzung ist für manche Zürcher sehr wichtig. Man definiert sich über die Zugehörigkeit zu einer Szene, schöpft Selbstwert aus dem Status, den man innerhalb dieser Peergroup bekommt. Davon kann jeder Zugezogene ein Liedchen singen. Und natürlich vergisst man sofort, dass man zugezogen ist, wenn man sich einen kleinen Platz in einer  Szene erschlichen hat. Und grenzt dann gleich als erstes neu Zugezogene aus.

Das Verhalten unterscheidet sich eigentlich nicht von dem in einem kleinen Bergdorf, in dem man noch Jahre nach dem Zuzug «der fremde Fötzel» ist. Die verschiedenen Quartiere grenzen sich in ihrem Selbstverständnis so voneinander ab wie der klischierte eigenbrötlerische Bergler, der den Einwohnern des Nachbardorfs nicht traut.

Natürlich sind nicht alle Zürcher so, im Gegenteil. Wahrscheinlich sind 350 000 Zürcher ganz normale, tolerante Menschen. Es sind diejenigen, die in jedem zweiten Satz erwähnen müssen, dass sie aus Zürich sind. Die von sich glauben, sie machen den urbanen Wert der Stadt aus und das jedem unter die Nase reiben müssen.

Wer seinen Selbstwert aus seiner Zugehörigkeit zu einer Szene generiert, versucht oft, seinen Elite-Status zu beweisen, indem er auf Andere herunterschaut. Psychologie, 1. Semester.

Vielleicht sollten wir Toleranz, Offenheit und Aufgeschlossenheit erst mal im Alltag selbst üben. Wir könnten uns mit Andersdenkenden vernetzen und uns aus unserer gemütlichen, schonenden, geistigen Blase, in der wir es uns bequem gemacht haben, befreien und auf Fremde in der eigenen Stadt zugehen, bevor wir uns so weit über die Leute stellen, die Ausgrenzung zu einem politischen Programm gemacht haben.

Toleranz und Aufgeschlossenheit ist nämlich billig, solange wir sie als Lippenbekenntnisse und nicht als Herausforderung im Alltag verstehen.

Wir fordern ÖV-DJs!

Réda El Arbi am Mittwoch den 8. April 2015
Viele Leute würde auf einen ÖV mit Soundtrack umsteigen. Ehrenwort!

Viele Leute würden auf einen ÖV mit Soundtrack umsteigen. Ehrenwort! (Bild: westnetz.ch)

Mit Erschrecken habe ich letzthin lesen müssen, dass den Zürcher Busfahrern das Radiohören verboten ist. Sie könnten damit die Fahrgäste stören. In anderen Gegenden (wie Winterthur) dürfen die Chauffeure leise Musik hören.

Ich weiss jetzt aber wirklich nicht, was besser für die Verkehrssicherheit und für das Wohlbefinden von Fahrer und Passagieren ist – wenn den Busfahrern Musik verboten ist, oder wenn die Busfahrer dauernd Werbejingles und langweiliges Gelabber der jeweiligen Lokalradios hören.

Grundsätzlich denken wir vom Stadtblog, dass es den Tram-, Zug-, und Busführern im ganzen Gebiet des ZVV gestattet werden sollte, ihre eigenen Playlists zusammenzustellen und über die Lautsprecheranlage laufen zu lassen. Das würde die Atmosphäre im ÖV mit Sicherheit entspannen.

Stellwerkstörungen und Wartezeiten liessen sich sicher besser überstehen, wenn man zu Stones «2000 Lightyears From Home» herumträumen kann. In den ersten Bus- und Tramfahrten morgens wären nicht so viele griesgrämge Gesichter zu sehen, wenn Seeeds «Aufstehn» aus den Boxen schallt.

Ausserdem wirkt Elvis Presleys «In The Ghetto» aufmunternd, wenn man den 31er über die Langstrasse bis nach Altstetten nimmt. In Altstetten könnte man dann Police’s «Roxanne! You dont have to but on the red light!» mitsummen, wenn man an den Strichboxen vorbeifährt. Auch wäre es sicher lustig, wenn der 4er am Sonntagmorgen völlig zugedröhnte Partybesucher mit Helene Fischers «Atemlos durch die Nacht» vom Escher-Wyss-Platz zum HB bringt. Eine Art nachträgliche Drogenprävention.

Auch ist der Dichtestress in der S12 erträglicher, wenn wir Stings «Don’t stand so close to me» hören könnten. «Window Shopper» von 50 Cent würde uns am Monatsende durch die Bahnhofstrasse tragen, ohne dass wir frustriert sind. Und wer auf den Bus rennen muss, kommt bei «Stop That Train» von Clint Eastwood & General Saint wieder zu Atem, wenn er sich auf den Sitz fallen lässt.

Auch für die Öffentlichkeitsarbeit des Öffentlichen Verkehrs wäre was gemacht. Die FahrzeuglenkerInnen könnten wie Trucker ein Schild mit ihren Namen – DJ Frau Henggeler oder MC Herr Bieli – vorne ins Fenster stellen. So würden sich vielleicht auch Passagere zu Stosszeiten besser verteilen: «Nei, chumm, mir wartet no eine, das da isch de DJ Rudisüli, de macht Metal. Im Nächschte fahrt DJane Anderegger, die hät meh Electro und so.»

Grundsätzlich täte einer so hektischen und geordneten Stadt wie Zürich Musik im ÖV gut. Deshalb unsere Bitte an die Verantwortlichen bei ZVV und VBZ:

Let the music play!

Flirttipps für Zürcher

Réda El Arbi am Mittwoch den 25. März 2015
Checkt euer Beuteschema und passt es der Realität an.

Checkt euer Beuteschema und passt es der Realität an.

Es ist Frühling, und wie jedes Jahr fluten überall die Sexualhormone die Hirne von Männern und Frauen. Überall? In Zürich scheinen da jedes Jahr eher Stresshormone ausgeschüttet zu werden. Um es ehrlich zu sagen: Ohne Zuwanderung aus ländlichen Gebieten, dem Ausland und schwergedopten bzw. alkoholisierten One Night Stands in Clubs wären wir Zürcher schon lange ausgestorben. Unsere Mentalität lässt lockeres Flirten im Frühling einfach nicht zu. Und lockeres Flirten ist das, was irgendwann Nähe entstehen lässt. Und daraus könnte dann auch mehr werden.

Zwinglianisch wie wir sind, gibts bei uns kein Flirten, wenn kein «Abschluss» in Sicht ist. Flirten ist sozusagen die Arbeit, die zum Sex führen soll. Also bemühen wir uns nur, wenn wir einen Koitus anstreben. Bei Frauen führt diese Denke zum Fluchtreflex, bei Männern zu notgeilen Aktionen. Aber merkt euch das: Flirten ist wie Tanzen. Es geht nicht darum, sich möglichst schnell hinzulegen, sondern sich elegant umeinander zu drehen. Deshalb wieder einmal ein paar Tipps, um die verkrustete Geschlechtersituation in Zürich aufzubrechen.

Für Frauen:

1. Zugänglichkeit

Wirkt eisig. Oder verkatert, aber sicher niemals flirty.

Wirkt eisig. Oder verkatert, aber sicher niemals flirty.

Um angeflirtet zu werden, ist es vonnöten, sichtbar zu sein. Gerade jetzt, wenn die Sonne sich wieder zeigt, haben viele Frauen nichts eiligeres zu tun, als sich eine Sonnenbrille von der Grösse eines Solarkraftwerks ins Gesicht zu klatschen. Ehrlich, das mag vielleicht unheimlich stylisch und cool wirken. Es wirkt aber auch so, als ob ihr eure Emotionen in einem alten russischen Panzer spazierenfahrt. Nicht umsonst heisst es «Die Augen sind die Tore zur Seele». Wer seine Augen nicht zeigt, wirkt eher eisig als cool. Natürlich macht es mehr Sinn, der Welt offen und freundlich zu begegnen, als eine Barriere vor dem Kopf zu tragen. Das heisst nicht, dass ihr auf jeden dämlichen Anmachspruch eingehen müsst. Aber eure Autonomie und Souveränität besteht nicht darin, von Anfang an alles abzublocken, sondern offen auf euer Gegenüber zu reagieren. Auch wenns nur eine freundliche Absage ist.

2. Kongruenz

Überlegt euch, welchen Situationen ihr draussen ausgesetzt sein könntet. Kleidet euch so, wie ihr es auch vertragt. Supersexy ist im Club sicher angebracht, kann aber zur Hölle werden, wenn ihr morgens um Vier irgendwo alleine auf ein Taxi warten müsst. Versteht mich nicht falsch, es geht nicht darum, wie andere auf euer Outfit reagieren. Es geht darum, dass ihr euch darin wohlfühlt und souverän mit eurer Umwelt umgehen könnt. Wenn ihr dauernd das Röckchen runterzupfen müssen, weil es sich plötzlich viel zu kurz anfühlt, könnt ihr nicht offen auf einen Flirt reagieren. Und kleistert euch das Gesicht nicht mit Makeup zu. Männer mögen einfach gestrickt sein, aber die meisten können Gemaltes von Echtem unterscheiden.

3. Mitgefühl

Gehen wir davon aus, jemand hat endlich den Mut aufgebracht, ist über ziemlich furchteinflössende drei Meter auf euch zugekommen und hat euch angesprochen. Ja, es kann durchaus sein, dass dieser Mensch nicht euer Typ ist. In dieser Situation ist es angebracht, trotzdem ein paar Sätze diesem Menschen zu wechseln. Beim Flirten hat jeder seinen Preis zu zahlen. Bei Männern ist es der Mut, sich–  trotz wahrscheinlichem Korb – aufzuraffen und einen ersten Schritt zu machen. Bei Frauen besteht der zu bezahlende Preis darin, öfters mal ein wenig Konversation mit Männern zu pflegen, die eigentlich nicht dem Beuteschema entsprechen. Und ehrlich, vielleicht seid ihr überrascht, wie viel Spass es machen kann, unbeschwert mit einem Fremden zu plaudern.

4. Beuteschema

Der vermeintlich «Richtige» kann euch mit dem dämlichsten Spruch anmachen, es funzt. Dafür kann der «Falsche» so originell sein, wie er will, er wird sich einen Korb abholen. Aber Hand aufs Herz: Wie oft hat sich euer herkömmliches Beuteschema als der Volltreffer erwiesen, als der Märchenprinz, den ihr euch in euren schmachtenden Tagträumen ausgemalt habt? Wie oft seid ihr auf denselben gutaussehenden, souveränen Typ hereingefallen, um euch ein paar Wochen oder Monate später mit gebrochenem Herzen und einer Flasche Weisswein bei einer Freundin die Augen auszuweinen? Eben. Öffnet euren Horizont. Es gibt jede Menge Typen, die witzig, liebevoll, unterhaltsam und vor allem keine Vollidioten sind. Nur sind das meist nicht die Alphamännchen, sondern eben die auf den ersten Blick ganz alltäglichen Typen.

5. Initiative

Wir gingen in den ersten vier Tipps von der klassischen, leider noch viel zu verbreiteten Konstellation aus, in der Männer den ersten Schritt machen müssen. Nun, es liegt an euch, das zu durchbrechen. Ein freundliches Wort oder ein Lächeln können der Beginn eines Flirts werden. Es reicht manchmal einfach nicht, attraktiv irgendwo rumzuhängen, cool in die Luft zu starren und vom Gegenüber zu erwarten, dass er die Bereitschaft zum Flirt an eurer Stirn abliest. Männer sind keine Hellseher. Dazu sind wir meist noch unsicher und lassen im Zweifelsfalle lieber eine Gelegenheit aus. Was dann zu Schatzchäschtli-Einträgen wie «Letzten Dienstag im Tram 5, Du blond, ich mit grauer Jacke. Hab deinen Blick … blablabla». Los, macht den ersten Schritt.

Für Männer:

1. Kongruenz

Ihr seid nicht George Clooney oder irgendein Superheld. Wenn ihr’s wärt, würdet ihr nicht hier beim Lesen dieser Tipps verweilen. Also versucht auch nicht, den supercoolen Typen zu spielen. Sollte ein Flirt nämlich länger als dreissig Sekunden dauern, würde euer Gegenüber euch durchauen und ihr steht mit abgesägten Hosen da. Sei dich selbst. Sprich über Dinge, die du kennst, die dich begeistern. Selbst wenns deine Modelleisenbahn ist: wenn du Leidenschaft dafür empfindest, wirkt die Modelleisenbahn sexier als jedes aufgesetzte In-Thema über das die Hipster der Stadt gerade labern.

2. Keine Bühne

SlapDie Welt ist keine Bühne und auch kein Marktplatz. Also halte dich mit Show und Selbstanpreisungen zurück. Vielleicht schafft ihr es, ein Gespräch zu beginnen. Verderbt  nicht alles, indem ihr euer Gegenüber zuquatscht. Führt  ein Gespräch, hört zu. HÖRT IHR ZU! *Patsch an den Hinterkopf* Sollte die Dame nämlich mehr als eure Libido ansprechen, ist es von Vorteil, wenn man nicht erst nach zwei Wochen herausfindet, dass sie dumm wie Brot ist. Ausserdem schaffen Gespräche Intimität. Monologe schaffen Langeweile.

3. Training

Das Ziel des Flirtens ist nicht Sex, sondern Intimität, Nähe. Daraus kann durchaus Sex entstehen, muss aber nicht. Deshalb kann man(n) durchaus auch mal flirten, wenn absolut kein Beischlaf dabei herauskommen könnte. Also, ein dahingeworfener, freundlicher Satz, ein Kompliment im Vorbeigehen, ein Lächeln ohne Konsequenz. Das hat zwei Vorteile: Erstens macht man damit einem Gegenüber den Tag etwas schöner – und zweitens (wichtiger!) bekommt man etwas Übung in unverkrampfter Konversation, was für das Flirten unabdinglich ist. Also, los gehts!

4. Beuteschema

Ich verrat euch jetzt mal ein Geheimnis, liebe Männer: Nähe, Intimität und Erotik entstehen in der Realität und nicht in euren Hollywoodvorstellungen einer geilen Frau. Und genauso, wie ihr keine George Clooneys seid, genauso ist euer Gegenüber selten eine Charlyze Theron. Also sucht euch jemanden, mit dem ihr euch wohl fühlt, und nicht jemanden, mit dem ihr dann bei den Kumpels angeben wollt. Schönheit liegt im Auge des Betrachters, sagt man. Wenn ihr aber auf allen Augen blind seid und nur mit dem Ego oder euren Pornovorstellungen sucht, werdet ihr bald ziemlich frustriert sein. Ah, ihr seid schon frustriert? Dann ist es höchste Zeit. Sprecht mit den Frauen um euch herum, nicht mit den Supermodels in eurer Fantasie.

5. Romantik

Liebe Männer, die meisten von euch verwechseln Romantik mit Kitsch. Vergesst, was ihr in Hollywoodfilmen gelernt habt. Kerzen und Rosen funktionieren vielleicht, wenn ihr mal fünfzehn Jahre verheiratet seid, aber auch da eher nicht. Wenn ihr also wirklich die ersten Hürden überwunden habt und vor einem Date mit einer Frau steht, versucht nicht, künstlich irgendeine Art von «Bachelor»-Kitsch vorzubereiten. Lasst euch nicht täuschen, auch wenn die Dame auf Facebook andauernd Sonnenuntergänge, Pferde und Blüemli mit wahnsinnig tiefen Lebensweisheiten in Schnörkelschrift postet, bei einem ersten Date ist Realität gefragt. Macht Komplimente, die ihr noch nirgends gehört habt. Versucht nicht, die erotische Anziehung mit vorgespielten Gefühlen zu kaschieren. Ihr trefft die Dame zum ersten Mal. Vielleicht seid ihr ein wenig verknallt, aber faselt nichts von Liebe. Geniesst die Zeit, die ihr zusammen verbringt und nicht die Zeit, die ihr gerne in Zukunft mit ihr verbringen würdet.

So, liebe Zürcherinnen und Zürcher,

wenn ihr es langsam angeht, ehrlich bleibt und für einmal nicht auf Erfolg, sondern auf Kommunikation aus seid, kanns sogar funktionieren. Und noch was: Es wird nicht sofort klappen. Ihr braucht 20 – 30 Versuche, bis was draus wird. Also arbeitet an eurer Frustrationstoleranz.

Schönen Frühling wünsche ich!

Wehret den Anfängen!

Réda El Arbi am Mittwoch den 18. März 2015
Schützt uns vor dem Untergang der Zivilisation: Sitzverbot im Bahnhof.

Schützt uns vor dem Untergang der Zivilisation: Sitzverbot im Bahnhof.

Es dauerte ein paar Sekunden, bevor ich die Botschaft des Verbotsschildes auf der Bahnhoftreppe bei Landesmuseum verstand: «Sitzen verboten». Unbedarft wie ich bin, dachte ich mir, dass es sicher einen guten Grund für das Verbot, sich auf die Treppen zu setzen, geben musste. Mir wollte nur ums Verrecken keiner einfallen. Also fragte ich bei einer Bekannten nach, die für die Bahnhofsicherheit arbeitete.

Sie meinte, es sei nicht  nur verboten, auf den Treppen zu sitzen, es gebe laut «Hausordnung» im ganzen Areal des Hauptbahnhofes ein Verbot, sich auf den Boden zu setzen oder zu legen. Damit wolle man Randständige davon abhalten, im Bahnhof herumzugammeln. Oder Jugendliche daran hindern, am Wochenende alkoholisiert im Bahnhof zu nächtigen, zu randalieren und Leute anzupöbeln. Die Hausordnung umfasst nebst «Sitzen und Liegen auf Boden und Treppen» das «Mitführen frei laufender Hunde» oder das «Füttern von Vögeln», und vor allem verbietet die Bahnhofordnung «ungebührliches Verhalten» gegenüber Reisenden oder gegenüber dem SBB-Personal.

Das scheint mir einleuchtend. Schliesslich ist das Sitzen auf Treppen der erste Schritt zu Sodom und Gomorrha. Darum auch kein Schild «Leute anpöbeln verboten», sondern eben ein «Sitzen verboten»-Schild, auf dem die «Null-Tolleranz»-Politik der SBB vollständig zum Tragen kommt. Ist ja nur konsequent. Schliesslich hatte man damals auch die Sitzbänke im ganzen Bahnhof mit Einzelsitzschalen umgebaut, damit sich Randständige nicht hinlegen können.

Wie sähe dass denn aus, wenn sich diese komischen Leute, nachdem sie ihren Fusel im Schnapsladen im Bahnhof gekauft haben, betrunken in Sichtweite der gutzahlenden SBB-Kunden herumliegen würden? Kaum würde man das zulassen, würden die wohl gleich ganze Camps aufbauen. Diesen Randständigen ist alles zuzutrauen.

Und auch die Jugendlichen, die sich im «Drinks of the World» mit Wodka und Shots in kleinen Flaschen eindecken, sollen ihren Spass woanders haben. Sie könnten ja laut werden.

Umhimmelsgottsswillen.

Es lägen auch feuerpolizeiliche Gründe vor, um die Treppen freizuhalten. Das ist gut nachzuvollziehen, sehe ich doch schon diese renitenten jungen Menschen vor mir, die bei Massenpanik und Grossbrand auf der Treppe sitzen bleiben und erst ihr (im Bahnhof gekauftes) Sandwich fertigessen, bevor sie die Leute fliehen lassen.

Aber wie siehts denn mit den Reisenden aus? Die Security sei kulant, meinte meine Bekannte, die auf keinen Fall namentlich in dieser Geschichte über Recht und Ordnung erscheinen will. Wenn jemand sich mal auf den Boden setze, um auf den nächsten Zug zu warten, werde er wohl nicht weggeschickt. Nur Gruppen von Sitzenden würden weggewiesen. Also auch die fünfköpfige Familie, die drei Stunden auf den Anschlusszug nach Mailand warten muss? Ja, auch die.

Schliesslich hat die SBB den neuen schönen Bahnhof in auszeichnungswürdiger Steriloptik nicht mit unserem Geld gebaut, damit da Menschen mit ihrer Anwesenheit die atmosphärische Wirkung kaputtmachen. Auf dem Modell der Planer sassen ja auch keine Leute auf den Treppen.

Es sei ja nicht so, dass die Bahnpolizei oder die Kapo, die für den Bahnhof verantwortlich sei, den ganzen Tag herumgehe und Leute wegweise. Es sei einfach so, dass man mit Hausordnung und den Verbotsschildern eine Handhabe gegen unerwünschte Anwesende habe. Hm, klever. So kann man also dann selbst entscheiden, wem das Sitzen auf Treppen gestattet wird, und wer damit die «öffentliche Ordnung» stört. Selektiv-präventive Verbote. Das ist ungemein praktisch.

Aber grundsätzlich geht mir das einfach nicht weit genug. Denn Ansammlungen können auch entstehen, wenn Leute auf der Treppe rumstehen. Um die allgemeine Ordnung zu stören muss man ja nicht sitzen oder liegen. Viel effektiver wärs, wenn da gar nicht erst Menschen hinkämen, die sich setzen oder hinlegen könnten. Man müsste also den Bahnhof grundsätzlich von störenden Menschen abriegeln. Aus den Neunzigern ist ja noch die Bahnhofsverriegelung übrig, eine im Boden versenkte Stahlwand, die den Bahnhof bis auf wenige Ein- und Ausgänge hermetisch abriegelt. So könnte man an den Durchgängen checken, ob der Bahnhofbesucher eine Gefahr für die öffentliche Ordnung oder das ästhetische Empfinden darstellt und ihn im Zweifelsfalle schon gar nicht erst in den Bahnhof lassen.

Und ganz im Sinne einer «Null Toleranz»-Gesellschaft fordere ich: «Wehret den Anfängen! Sonst seht ihr dann schon, wo das alles enden wird! Ehrewort!»

Eine Gefahr für Sitte und Ordnung! (Bild aus dem Internet geklaut).

Eine Gefahr für Sitte und Ordnung! (Bild aus dem Internet geklaut).