Beiträge mit dem Schlagwort ‘Sommer’

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 23. Juni 2017

«Was für ein Affentheater.»

40 Jahre – und ein bisschen weise: Der im Zoo Zürich lebende Gorilla N’Gola feierte seinen Geburtstag. Der Gorillamann hat im Laufe der Jahre auch gelernt, seine weibliche Seite zu akzeptieren. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

«Die beiden starken Marken
werden den Markt beleben.»

Die Zürcher Kultwurst bekommt einen neuen Besitzer. Die Metzgerei Keller in Wiedikon wird an eine Aktiengesellschaft aus Lenzburg verkauft. Urs Keller, Inhaber der Metzgerei Keller am Zürcher Manesseplatz, sieht im Deal Vorteile. (Foto: Sabina Bobst) Zum Artikel

 

«Das letzte Mal, dass ich so lange
anstehen musste, war im Europapark.»

Warum eigentlich stehen so viele Menschen eine halbe Stunde für eine Glace an? Weil es sich lohne, sagen sie. Wirklich? Ist das so? Zwei TA-Redaktoren haben das nachgeprüft. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

«Was will dieser Eisbär in Zürich?»

Riesenstern, Grabsteine, Wild-Futterstelle und ein Eisbär: Auf Zürcher Plätzen stehen diesen Sommer ganz seltsame Objekte. Und dann ist da noch die Stimme von Yoko Ono. (Foto Dominique Meienberg) Zum Artikel

 

«Man kennt sich auf dem Rasen,
das verändert die Spielweise.»

1977 wurde die Alternative Fussballliga (FSFV) gegründet. In 40 Jahren hat sich vieles verändert – gewisse Ideale aber sind geblieben. Mämä Sykora, der Präsident des FSFV hat eine Schwäche für Jerseys. Bild: Sabina Bobst (11 Bilder)  Zum Artikel

 

«Wir wurden nicht erst genommen.»

Damit bei Hochwasser kein Treibholz die Sihl verstopft, hat der Kanton im Sihltal einen riesigen Rechen gebaut. Dieser zerstöre wertvollen Lebensraum für Fische, klagen die Fischer. Und: Der Kanton habe ihre Kritik ignoriert. Einer der Kritiker ist Rolf Schatz von der IG Dä Neu Fischer. (Foto: Samuel Schalch) Zum Artikel

 

«Solid, aber nicht besonders originell.»

Mit Doris Fiala hätte die Stadtzürcher FDP eine weitere prominente Kandidatin für den Stadtrat wählen können. Das Rennen aber macht stattdessen Michael Baumer. Min Li Marti, die SP-Fraktionschefin war, als Baumer der FDP-Fraktion vorstand, charakterisiert ihn. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

 

«Ich kämpfe weiter.»

D0ris Fiala ging bei der FDP-Nominierung zu den Zürcher Stadtratswahlen trotz Promibonus leer aus. Die Partei setzte lieber auf zwei Männer. Frustriert ist sie deswegen nicht. Aber um die Frauen tut es ihr leid. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

 

«Der wichtige Übergang vom Dorf zur Stadt.»

Vor zwei Jahren haben Diebe den Frosch von Altstetten geklaut. Gross war die Empörung. Die Bewohner hatten ihn ins Herz geschlossen. Nun kehrt das Wahrzeichen zurück. Sehr zur Freunde von Christoph Doswald, der sich als Vorsitzender der Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum dafür eingesetzt hat. (Foto: Werner Schüepp) Zum Artikel

 

«Vielen Haltern ist nicht bewusst,
wie rasch ein Hund überhizt.»

Die Hitze ist nicht nur für den Menschen eine Herausforderung. Auch Hunden und Katzen machen die hohen Temperaturen zu schaffen. Ärztin Claudia Müller rät: viel trinken und viel Schatten.Foto: Reto Oeschger) Zum Artikel

 

«Ich will zeigen, wie schwer es
unserem KMU gemacht wird»

Urs Sprengers Familie lebt seit 60 Jahren vom Parkieren der Autos von Flugpassagieren. Doch jetzt wird es für sie so richtig schwierig. (Foto: Sabina Bobst) Zum Artikel

 

«Wääk, Sommer!»

Alex Flach am Montag den 29. Mai 2017
Wozu Club, wenn man draussen tanzen kann?

Wozu Club, wenn man draussen tanzen kann? Zumindest bis um 22 Uhr der Stecker gezogen wird.

Der Sommer ist nach Zürich zurückgekehrt und alle freuen sich. Alle ausser jenen, die ihren Lebensunterhalt mit dem Betrieb eines Fonduestüblis oder eines Clubs bestreiten.

Derweil sich die professionellen Zürcher Käseschmelzer immerhin auf die Witterungsunabhängigkeit der kulinarischen Neugier ausländischer Touristen verlassen können, mussten die Zürcher Nachtmacher erstmals in diesem Jahr Bekanntschaft mit der meteorologisch motivierten Sommer-Fahnenflucht ihres Stammpublikums machen: Petrus, hierzulande meist ein zuverlässiger Verhinderer von wochenendlichen Outdoor-Aktivitäten, war den Zürcher Club-Cäsaren der mit Grillzange meuchelnde Brutus auf der Senatstreppe.

Die städtischen Clubberinnen und Clubber hat es wenig gekümmert, denn mit Partys am Oberen Letten, auf dem Üetliberg, der Allmend oder in einem direkt an der Limmat gelegenen Lokal, standen ihnen genügend Frischluft-Alternativen zu Verfügung um sich die so dringend benötigte Dosis Beats und Bass zu verabreichen.

Jedoch scheinen sich die Veranstalter dieser (tagsüber stattfindenden) Feste bisweilen gegenseitig das Wasser abgegraben und potenzielle Gäste abgezwackt zu haben: Die eine oder andere Party scheint die Erwartungen in ernüchternder Manier unterboten zu haben. Aber die Macher nur mässig besuchter Draussenfeste waren an diesem Wochenende nicht die am ärgsten Gebeutelten, sondern die Chefs von Clubs ohne akzeptablen Aussenbereich, wie ihn beispielsweise das Hive oder der Supermarket ihr Eigen nennen.

Wenn auch die beiden genannten Lokale ihre Gäste nicht in gewohnter Anzahl zu mobilisieren vermochten, im Vergleich zu den reinen Indoor-Clubs waren sie klar im Vorteil: Dort gerieten selbst einige «todsichere» Nummern, Partys bei denen die Konstellation aus Club, Veranstalter und Line Up üblicherweise Garant für eine rappelvolle Tanzfläche ist, zu melancholischen Einsamkeiten mit eremitärem Anstrich.

Nun ist es aber nicht so, dass sich die Clubchefs wegen des wetterbedingten Umsatzeinbruchs an diesem Wochenende in Selbstmitleid suhlen und der Verzweiflung ergeben: Im Unterschied zu der auch durch Unerfahrenheit geprägten Aufbruchzeit elektronischer Clubs in den 90er Jahren, verfügen professionell agierende Nachtleben-Treibende heute über genügend monetäre Mittel und Know How um die Baisse der heissen Sommermonate unbeschadet zu überstehen.

Das Ausbleiben der Gäste während der heissen Wochenenden zwischen Mai und September ist einkalkuliert und einige Lokale, wie beispielsweise die Friedas Büxe in der zweiten Junihälfte, schliessen gar für ein paar Wochen im Wissen, dass sie mit 30 Grad Aussentemperatur nicht konkurrieren können. Jedoch gibt es auch den einen oder anderen Club der wider Erwarten noch nicht im Zürcher Nachtleben angekommen ist, dessen Betreiberschaft noch auf kein genügendes finanzielles Polster zurückgreifen kann und der sich deshalb leider kaum in den Herbst retten können wird: Der Sommer 2017 wird mit grosser Wahrscheinlichkeit einigen Spreu vom Weizen trennen.

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Gonzo, Amboss Rampe, Nordstern Basel, Rok Luzern und Härterei.

Endlich fertig Sommer!

Réda El Arbi am Montag den 5. September 2016
Fertig lustig. Jetzt gilts wieder ernst.

Fertig lustig. Jetzt gilts wieder ernst.

Gestern ging der Sommer zu Ende. Endlich. Bemerkt hab ich es gestern früh im Tram. Alles fühlte sich so besonders an, so frei, so hygienisch. Es dauerte einen Augenblick, bis ich drauf kam, dass es an der Geruchskulisse lag. Keine grusig verschwitzten Leute links und rechts. Keine Jugendlichen, die ihr grusig Verschwitztsein mit Tonnen von kampfstofffähigen Deowolken überdecken wollen. Keine älteren Herren, die denken, Rasierwasser im Gesicht sei proportional zu den Schweissflecken unter den Achseln anzuwenden.

Man schwitzt nicht wie ein Schwein.

Nur trockene, ruhige Passagiere, die bereits mit ihren Gedanken beim Arbeiten sind, anstatt sich zu überlegen, wie sie möglichst früh aus dem Büro abhauen könnten, um sich als Statisten für dieses sommerliche Baccardi-Feeling zwischen die arbeitsscheuen Studenten in eine Badi zu drapieren. Niemand hält sich heimlich für einen Surferboy oder eine Strandqueen, die zur Arbeit versklavt wurden. Jeder wird sich seiner Verantwortung für Unternehmen und Gesellschaft wieder bewusst.

Und man schwitzt nicht wie ein Schwein.

Ich hasse den Sommer nicht, wirklich. Auch dann nicht, wenn sich in der Schlange am Badikiosk ein dicker, haariger, verschwitzter Bauch an meinem Rücken reibt. Ich denke nur, die Lebensqualität in der Schweiz nimmt mit jedem Sommertag über 24 Grad Celsius ab. Die Leute können mit dem eingedickten Blut im Gehirn nicht mehr denken. Die Arbeitsmoral sinkt. Ab dem 1. September kann man wieder davon ausgehen, dass die Mails innerhalb von 24 Stunden beantwortet werden, und man kann den darin formulierten Inhalt auch wieder einem Menschen und nicht einem Schimpansen zuordnen.

Und man schwitzt nicht wie ein Schwein.

Die Menschen sind wieder anständig gekleidet und ihr Denken nicht von ihren Trieben beherrscht. Es käme zum Beispiel niemand auf die hirnlose Idee, im tiefsten Winter, wenn alle bis zu den Augen in Wollschals gepackt sind, ein Burkaverbot zu diskutieren – wegen der kulturellen Werte. Im Sommer hingegen werden Frauen, die nicht in kurzen Sommerkleidchen unterwegs sind, als kulturfremd empfunden.

Und man schwitzt nicht wie ein Schwein.

Und jetzt im Herbst ersetzt emotionale Tiefe den oberflächlichen, optischen Hormonrausch zwischen den Geschlechtern. Man stellt sich vor, wie man mit jemandem einen Abend zu zweit mit einer Tasse Tee oder einem Glas Rotwein verbringen kann, ohne sich zu langweilen, und wird nicht von Bikinis und Sixpacks von den bleibenden Werten eines möglichen Partners abgelenkt.

Und man schwitzt nicht wie ein Schwein.

Man bekommt auch wieder etwas Anständiges zu essen: Fertig Alibi-Salate, Grillklumpen und Fleischersatzwürste für vegane Vegetarier. Pasta mit raffinierten Saucen, liebevoll hergerichtete Wildgerichte, frisches Herbstobst, Trauben ersetzen halb verkohlte Tierleichen vom Balkon. Speck, Butter, Rahm und Kohlenhydrate ersetzen den Diätwahn der halbnackten Jahreszeit.

Und man schwitzt nicht wie ein Schwein.

Natürlich brauchts den Sommer, sonst würden wir die anderen Jahreszeiten gar nicht zu schätzen wissen.

Aber man ist auch immer wieder froh, wenn die Sonne ihre krebserregenden Strahlen etwas zurücknimmt und die Gehirne wieder in den dafür vorgesehenen Parametern funktionieren.

Und man schwitzt nicht wie ein Schwein.

PS: Bitte postet eure liebsten Herbstsongs in den Kommentaren, damit wir gemeinsam eine hübsche kleine Playlist für die nächsten Wochen zusammenstellen können.

Der Kinder-Bespassungsmarathon

Réda El Arbi am Montag den 15. August 2016
Was gibts als Nächstes?

Was gibts als Nächstes?

«Heute Alpamare, morgen gehen wir dann in den Zoo. Mittwoch weiss ich noch nicht, vielleicht Swiss Miniature, und am Wochenende sind dann wieder zwei Kinderfestivals», zählte eine Mutter einer anderen Mutter das Wochenprogramm auf – mit etwas ratlosem Blick auf die vier Sprösslinge, die im Zugabteil herumtobten . Der Sommerferien-Kinder-Bespassungsmarathon ist in vollem Gange.

Ich versteh ja, dass man die Kinder abends müde im Bett haben will. Und ich finds auch gut, dass man in den Sommerferien mal was gemeinsam unternimmt, wenn man schon Ferien hat. Aber brauchen Kids wirklich dieses Endlosprogramm?

Ich kann mich erinnern, dass ich die Sommerferien vor allem deshalb mochte, weil  mir kein nerviger Erwachsener mit irgendwelchen Aktivitäten auf den Sack ging. Meine Mutter unternahm ab und zu etwas mit uns, aber ehrlich, meistens konnten wir uns nicht mehr als einen Eintritt pro zwei Wochen leisten. Weder ins Alpamare noch in den Zoo. Und eben, ich war ganz glücklich so ohne Programm.

Wandern? *Klick, peng*
In die Badi, an Mamis Rockzipfel? *Not*
Museen? *Üärks*
Kinder, die ich nicht kannte, mit denen ich aber spielen sollte? *Tot umfall*

Ich konnte, durfte, musste mich mit mir selbst beschäftigen. Meine Mutter wollte zwar wissen, wo ich unterwegs war (mit 6), aber sonst vertraute sie mir. Und meistens war das unheimlich geil und ging gut. Naja, ausser als ich den Friedhof in Brand steckte (Sorry nochmals, Stadtverwaltung Dübendorf!) oder Strassenzoll von anderen Kindern eintreiben wollte (Ihr habt bei mir einen Kafi gut, ehrlich!). Ich hatte eine Badi-Saisonkarte, sobald ich bewiesen hatte, dass ich 50 Meter schwimmen konnte ohne abzusaufen. Ich hatte eine innige Beziehung zu meinem Velo, sobald es ohne Stützräder ging, weil es Freiheit bedeutete. Ich gab ihm sogar einen Namen. Und ich verdanke ihm so manche Narbe.

Aber in erster Linie lernte ich, mit Langeweile umzugehen. Ich lernte, eine Frustrationstoleranz zu entwickeln. Dort – und genau dort – startete mein kreatives Leben. Ich musste aus wenig oder nichts etwas Spannendes machen. Natürlich las ich viel. Aber irgendwann begann ich selbst Geschichten zu erfinden. Oder ich bastelte die Welt aus meinen Büchern in der Realität, aus allem was ich fand, nach. Ich entwickelte Vorstellungskraft und Fantasie. Ich lernte, eigene Entscheidungen zu treffen – und dann auch die Konsequenzen (Arztbesuche, Hausarrest, Taschengeldsperre, persönliche Entschuldigungen bei diversen Eltern, etc.) zu tragen.

Ich weiss, das hört sich extrem nach «Früher war alles besser» an. Aber so ist es nicht. Naja, wenigstens nicht ganz. Ich freute mich dann doch auch auf unsere Ausflüge. In erster Linie, weil sie aussergewöhnlich waren.

Ich habe den Verdacht, dass dieses kontinuierliche Bespassungsprogramm in den Kids eine gewisse Erwartungshaltung generiert. Jeder Ausflug muss noch geiler sein, jede freie Minute, die nicht mit Action gefüllt ist, ist wertlos. Kurz: So züchtet man sich kleine Konsumenten heran, die mit 18 in den Club gehen und böse Kommentare schreiben, wenn das Programm nicht den Wünschen entspricht. Man zieht ganz sicher keine Kids gross, die mit 16 ein eigenes Label gründen oder sonst irgendwie Initiative zeigen.

Vielleicht ist das übertrieben. Ich weiss es nicht, ich habe keine Kinder. Ich hab aber das Gefühl, dass es wert ist, mal fünf Minuten darüber nachzudenken.

Um den Sound herum gebaut

Alex Flach am Montag den 18. Juli 2016
Kühle Geometrie für heisse Sommernächte. Clubben im Schiff

Kühle Geometrie für heisse Sommernächte. Clubben im Schiff.

Nicht nur der Sport kennt eine off season, auch das Schweizer Nachtleben. Damit sind die warmen Monate zwischen Ende Mai und Anfang September gemeint, wenn die Clubber ihre Füsse lieber in ein stehendes oder fliessendes Gewässer halten anstatt sie auf eine überdachte Tanzfläche zu setzen. Die Clubmacher eröffnen ein neues Lokal deshalb auch viel lieber im Herbst als im Juli, da ihnen dann eine fulminante Lancierung viel eher gelingt.

Agron Isaku und seine Basler Club-Nordstern-Crew zählen zu den wenigen glücklichen Nightlife-Exponenten, die sich den Luxus leisten können auf solche Regeln keine Rücksicht zu nehmen: Vorgestern Freitag haben sie auf dem Rheinschiff «Expostar» ihren neuen Club vom Stapel laufen lassen und selten hat man gestandene Nachtleben-Grössen wie Arnold Meyer oder Moe Zahowi, den neuen strategischen Leiter des Härterei-Clubs, ähnlich beeindruckt aus der Wäsche gucken sehen.

Das Schiff war zwar bereits früher ein Nachtleben-Betrieb, aber mit dessen anrührendem 70’s-Chic hat der neue Nordstern nichts am Hut: Die Firma WSDG, die beispielsweise auch die Akustik des New Yorker «Jazz at Lincoln Center» verantwortet, hat einen Raum im Raum konzipiert und den Club mit Equipment von L-Acoustics bestückt. Hier hat man also nicht versucht als gegeben angesehene Infrastruktur möglichst gut zu beschallen, hier wurde der Raum um die Akustik herum gebaut, und das mit beeindruckendem Endergebnis.

Der neue Nordstern ist eine Alternative zum state of the art der musikaffinen Schweizer Clubs. Zur Veranschaulichung eignet sich das Zürcher Haus von Klaus (ehemals Kinski Club), das gerade einen eindrücklichen Hype erlebt. Die Betreiberschaft um DJ Nici Faerber und Alain Mehmann (Heaven Club) durfte bei Eröffnung Anfang dieses Jahres nicht eben auf Vorschusslorbeeren bauen – nicht wenige Szeneleute winkten gar verächtlich ab und gaben “dem Laden” ein paar Monate bis zur Aufgabe. Sie haben sich getäuscht. 

Ihr zweigeschossiger Langstrasse-Club sieht ein wenig aus, als sei er von Divine und dem verrückten Hutmacher aus Alice im Wunderland eingerichtet worden: Überall wo man hinschaut gibt es witzige und überraschende Details zu entdecken, alles wirkt zusammengewürfelt und kommt doch zu einem stimmungsvollen Ganzen zusammen. Das Haus von Klaus ist ein mit viel Liebe eingerichteter Do It Yourself-Club, bei dem man annimmt die Besitzer hätten kurz vor Türöffnung die letzte Glühbirne eingedreht und die Einrichtungsgegenstände nochmals zurechtgerückt. Dieser heimelige Charme ist eine Gemeinsamkeit vieler Zürcher und Schweizer Subkultur-Clubs.

Der Nordstern hingegen wirkt auf den ersten Blick kühl und geometrisch, einige fühlen sich bei seinem Anblick gar an den Film Tron mit Jeff Bridges erinnert. Dennoch könnte er ein Blick in eine mögliche Zukunft des Schweizer Clubbings sein. Für die Akustik gebaute Clubs wie der neue Nordstern werden die verspielten Wohnzimmer-Lokale nicht ablösen weil das einfach sehr Vielen gefällt. Müssen sie auch gar nicht: Sie eröffnen eine neue Dimension die mit dem Status Quo eine Koexistenz eingehen kann.

Alex-Flach2-150x150 (1)Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

Summer in the City

Alex Flach am Montag den 6. Juli 2015
Gemütlich bis in die Nacht quatschen: Frau Gerolds Garten

Gemütlich bis in die Nacht quatschen: Frau Gerolds Garten

Wenn der Teer schmilzt, schmelzen auch die Besucherzahlen der Clubs. In diesem Wissen haben einige von ihnen ihren Angestellten ein paar Wochen Sommerferien verordnet (beispielsweise Friedas Büxe), andere wie die Macher des Café Gold öffnen ihr Lokal nur an den Samstagen und viele verzichten auf Bookings allzu teurer DJs.

Aber was tut der urbane und gesellige Mensch, wenn er sich einerseits nicht drinnen aufhalten, andererseits trotzdem nicht auf kühle Drinks in netter Gesellschaft verzichten mag?

Das hier sind ein paar der angesagtesten Outdoor-Orte im Zürcher Sommer 2015:

Täglich: Sonnendeck beim Primitivo am Oberen Letten

Das Sonnendeck von Oli Saiger und Yves Niedermayr aus dem Umfeld der Bar3000 ist täglich geöffnet. DJing (beispielsweise von Kalabrese und Dejan) wird sporadisch auch geboten. Die Gelüste von Cocktailfreunden hingegen werden täglich befriedigt: Die Daiquiris und Frozen Margaritas zählen dem Vernehmen nach zu den besten der Stadt. Das Sonnendeck empfängt bei strahlendem Sonnenschein jeweils ab 12 Uhr mittags Gäste, bei zweifelhafter Witterung erst ab 16 Uhr.

Täglich: Mosaic bei der Aya Bar in Zürich West

Kastriot Oti Çaushi ist nicht nur Mitbesitzer der Gaststätten Aubrey, Aya Bar und Ambrosi in Zürich West, er ist auch ein begnadeter Tüftler. Sein neustes Kabinettstück trägt den Namen Mosaic und sieht in zugeklapptem Zustand aus wie eine riesige Kiste mit Metallbeschlag. Mit ein paar wenigen Handgriffen lässt sich diese innert weniger Minuten in eine komplett ausgerüstete Bar mit jeglichem Schnickschnack verwandeln. Bestaunen kann man das Stück gastronomischer Ingenieurskunst auf dem Vorplatz der Aya Bar (nur bei schönem Wetter).

Immer donnerstags: Kaufleuten Terrasse

Auch wenn man sich längst ans Kaufleuten gewöhnt hat: Bezüglich Grosszügigkeit der räumlichen Aufteilung und Möglichkeiten ist die Nightlife-Institution immer noch einzigartig. Nicht zuletzt wegen des Innenhofs, einer versteckten Oase mitten in der Stadt. Ebendort fungieren jeden Donnerstag bekannte Szeneleute wie Ronald Grauer und Reto Ardour als Gastgeber an den Jardin Collectif getauften Abenden. Nur bei schönem Wetter, jeweils ab 18 Uhr.

Täglich: Frau Gerolds Garten

Frau Gerolds Garten ist der wohl grösste und betriebsamste Schrebergarten der Schweiz und wohl der einzige in dem Schiffscontainer rumstehen. Insbesondere an den Markttagen und an Spezialanlässen drängt sich hier das Stadtvolk in stattlichen Horden an der Bar. Trotz des Grossandrangs ist die Stimmung stets gemütlich und nur an wenigen Orten in der Stadt kommt man leichter mit neuen Bekanntschaften ins Gespräch.

Immer sonntags: Quai 61

Der Gastgeber der Sundeck Sundays-Sonntagnachmittage im Quai 61, der wohl schönstgelegenen Gaststätte der Stadt, heisst Marcel „Muri“ Maurer und ist bekannt als Veranstalter ausgefallener Sport-Events wie dem Drachenbootrennen in Eglisau oder dem Superbowl, dem Bowlingturnier der Zürcher Szene. An sonnigen Sonntagen empfängt er jeweils ab 14 Uhr Gäste.

Alex-Flach2Alex Flach ist Kolumnist beim Tages Anzeiger und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

Partysommer startet

Alex Flach am Montag den 1. Juni 2015
Oberer Letten by Mandy von Zu

Oberer Letten by Mandy von Zu

Gestern Sonntag fand, nach Aufschiebungen wegen unsteter Witterung, endlich das Letten Opening statt, samt Sets der DJs Alex Dallas, Pasci, Matija, Herr Müller und Marc Feldmann. Traditionellerweise ist die Party am Fluss der inoffizielle Startschuss in den Zürcher Outdoor-Sommer, auch wenn bereits einige nennenswerte Frischluft-Events über die Bühne gegangen sind, wie beispielsweise die Uto Kulm-Party mit Solomun und Adriatique, organisiert von einem Kollektiv um Marco Diener, Arnold Meyer und Giusep Fry.

Diener und Meyer zählen auch zu den Verantwortlichen der The Lake-Party in Richterswil vom 27. Juni, an der mit Seth Troxler, Davide Squillace, Adriatique, Butch und vielen mehr ebenfalls reichlich internationale Klasse spielen wird. Der Zürcher Sommer 2015 dürfte jedoch nicht von grossen Outdoor-Events geprägt werden, auch weil das, zumindest teilweise auf elektronisch Musik ausgerichtete, Zürich Open Air und die Street Parade auf dasselbe Wochenende fallen – nicht ohne Konsequenzen für das Rahmenprogramm der Street Parade. Arnold Meyer: «Es wird in diesem Jahr weder eine Electric City noch eine Energy geben. Auf die Electric City verzichten wir weil unser Austragungsort, das Maag Areal, umgebaut wird. Die Energy im Hallenstadion lassen wir nicht zuletzt wegen des Zürich Open Airs aus: Das Risiko, dass sich die beiden Anlässe zu viele Besucher abjagen, ist einfach zu gross».

Auch in diesem Jahr dürften viele, kleine Outdoor-Partys, ob illegal oder legal, den Zauber des Zürcher Sommers ausmachen. Einige dieser Partys sind bereits über die Wiese gegangen wie die eine oder andere Spontanfete in der Allmend, an denen das gemütliche Miteinander mindestens ebenso wichtig ist, wie harte Tanzbeats. In den letzten Jahren konnte man in Zürich generell eine Tendenz zu sogenannten Daytime-Partys beobachten, Anlässen, die nicht am Samstagabend starten, sondern am Sonntagmittag.

Hier verkehren nicht etwa wie früher primär Perpetuum Mobile-Clubber, die sich nach zwei durchzechten Nächten an einer Afterhour versuchen die eingeworfenen Substanzen aus den Gliedern schütteln, sondern viele Partygänger, die am Samstagabend früh ins Bett sind und die nach dem Sonntagsbrunch etwas feiern möchten. Ein Beispiel für diese Entwicklung sind die Sonntags-Partys im Supermarket wie die Sonntagsmärkte der Bernerin Manon Maeder, die dem Club seinen xten Frühling beschert haben.

Nicht jede Location eignet sich ebenso gut für sommerliche Sonntagspartys wie der Supi, kann man sich doch hier in einem grosszügigen Aussenbereich vertun und der Geroldsgarten, einer der beliebtesten Sonnenplätze der Zürcher, ist nur ein Steinwurf entfernt. Für etliche sommerliche Partystunden dürften auch Veranstalter wie Enzo lo Conte sorgen, die ihre Gäste mit Vorliebe auf Zürichsee-Schiffen, auf Wiesen, im Wald oder am Ufer des Sees zappeln lassen. Um an die Infos zu den kleinen Partys zu kommen empfiehlt es sich auf Facebook zu stöbern. Die grossen Events werden in der Regel auf den gängigen Plattformen wie tilllate.com angekündigt.

Alex-Flach2Alex Flach ist Kolumnist beim Tages Anzeiger und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

Street-Parade: «Genug ist genug!»

David Sarasin am Freitag den 1. August 2014
Mitmachen darf nur noch, wer sich klar mit Trash vom Coolness-Diktat befreit.

Mitmachen darf nur noch, wer sich klar mit Trash vom Coolness-Diktat befreit.

Das kann einem die Vorfreude vermiesen: Zum ersten Mal in der Geschichte der Street Parade laden deren Macher Gäste aus. «Genug ist genug», lässt sich Paul Benz aus dem Street-Parade-neben-OK zitieren. Er meint damit die Zürcher Clubbetreiber, die die Street Parade «seit Jahrzehnten schon» als zu Mainstream verunglimpften und «die sich selber für was Besseres halten». «Irgendwann platzt auch uns die Federboa», sagt das OK-Mitglied.

Dabei stand die Street Parade, ganz entgegen der Türpolitik der Zürcher Clubs, schon immer für Demokratisierung des Clublebens. «Veronika aus Sursee ist am Umzug ebenso willkommen wie der seit drei Tagen auf Speed feiernde Fredi aus Emmenbrücke», führt Benz weiter aus. Eine Million Gäste müssten es sein. Darunter macht man nichts mehr, so lautet das inoffizielle Credo der Streetparade. Bisher. Doch diese Zeiten sind vorbei.

Streitschrift aufgetaucht

«Entmachtet den Party-Adel, aber subito», heisst es in einem 250-seitigen Pamphlet, das die Macher via Rave-Forum “Happysmilelove” veröffentlicht haben. Der Hauptpunkt darin: Es werden jene Ausgeladen, die sich Jahr für Jahr darüber beschweren, dass das Geschmacksbewusstsein am Techno-Umzug ganz genauso wie die ganzen Bier- und Monsterdrink-Dosen in die Limmat geworfen würden. Die Fronten sind mittlerweile so hart wie die Faust eines Türstehers.

In den innerstädtischen Clubs reibt man sich derweil die geröteten Augen. «Krass», sagt ein Vertreter eines Underground-Ladens, der lieber auch nachts eine Sonnenbrille trägt und somit unerkannt bleibt. Die Macher der Streetparade halten weiter drauf: «Jetzt haben wir uns jahrelang auf der Puder-Nase herumtanzen lassen von den sogenannt Coolen!» Im Pamphlet mit dem Titel «Kopf ab, Sau!» – ein Rundumschlag sondergleichen – kritisieren die Autoren auch die Einlassregeln der angesagten Clubs, über die gerade diese Woche auch in diesem Forum diskutiert wurde. Dass man sie dort nicht haben möchte, die normalen Leute, die Verkleideten, die Übergewichtigen mit den unschicklichen Manieren.

Miese DJs an die Macht!

«Pro Oben-Ohne-Omas und Gürteltier-Opas», heisst eines, am Humanismus eines Erasmus von Rotterdam (sie wissen schon, Rotterdamm) geschulte Kapitel der Kampfschrift. Unterstützung erhält die Street-Parade unter anderem von einer rechtsradikalen Eltern-Kinder-Vereinigung im Solothurnischen und von einem deutschen Promi. Der lässt per Tweet mitteilen: «Kein noch so beschissener DJ ist illegal!». Dass das OK vermehrt die Geistesverwandtschaft mit den Akteuren der französischen Revolution herausstreicht, erstaunt niemanden: «Guillotine pour Selekteure» oder «Licht in den Underground bringen» heissen die aufklärersichen Kampfansagen darin. Als Vorbild dienen unter anderem auch die Kommentarspalten der Online-Portale, wo schliesslich auch jeder sagen dürfe, was er wolle.

Kurz: Selbstverwirklicher und Individualisten, Extravertierte und Egozentriker, Coole und Engagierte bekommen ihr Fett weg. Man wolle endlich ein Zeichen setzen, bevor die westliche Welt ganz an seinen «Güllenfass hohen ästhetischen Ansprüchen zugrunde gehe», heisst es im Buch.

Clubbetreiber wehren sich im Zischtigsclub

«Die müssen ja gar nichts sagen», kontern wiederum die Zürcher Partymacher. Und berufen einen Ziischtigsclub ein mit dem Thema: «Wieviel nackte Omas mit grüner Perrücke darf man in Zeitungen noch zeigen?» Gästeliste gibt es für diesen Club keine, wodurch sich die Gegenseite schon wieder provoziert sieht: «Getraut euch bloss nicht an die Parade am Samstag, sonst werden wir euch in im  verschmutzten See entsorgen». Neutrale Beobachter beurteilen die Lage mit der nötigen Skepsis: «Die sind doch alle nicht ganz richtig im Kopf, diese Dummärsche». Eins ist klar, wir verziehen uns am Samstag irgendwohin in den Aargau.

Gähnende Leere oder majestätische Weite?

Réda El Arbi am Montag den 24. Februar 2014
Einschüchternd und menschenleer: Der neue Sechseläutenplatz

Einschüchternd und menschenleer: Der neue Sechseläutenplatz

Die ersten frühlingshaften Tage lassen die Auseinandersetzung um den «grauen Platz», wie manche den Sechseläutenplatz in Anhlehnung an den «Roten Platz» in Moskau bereits nennen, aufflammen.

Von «grosszügiger Weite» und «mutiger Öffnung» sprechen die Einen, wenn sie vor der grossen Granitfläche vor dem Opernhaus stehen. Es sei eine städteplanerische Meisterleistung, ein mutiger Coup, der die Stadt wieder atmen lasse, schwärmt ein befreundeter Architekt.

Die andere Hälfte meiner Freunde spricht von «verschwendeter Leere», nennt den Sechseläutenplatz «die Wüste Globi» (mit Bezug zum Globus). Wo die anderen architektonische Vision erkennen, sehen sie Platzverschwendung.  Sie bemängeln, dass man früher auf der Umgrenzungsmauer «Zmittag» essen konnte, jetzt aber auf das überteuerte Collana oder auf eine der beiden Inseln, in denen bald einige wenige Bänkchen aufgestellt werden, verdrängt wird.

Ein Augenschein zeigt, dass die Schüler und Angestellten aus dem Seefeld über Mittag wirklich kurz auf den Platz kommen. Aber sie bleiben nicht. «Los, der Stein ist zu kalt, gehen wir rüber an den See» meint ein junges Mädchen zu ihren Essen schleppenden Kolleginnen. Offenbar geht sie davon aus, dass der Steinboden am See wärmer sein könnte. Und sie bringt es auf den Punkt: Die Leere wirkt nicht gemütlich, sondern majestätisch – und abweisend.

Auf dem Platz bleiben Touristen stehen und drehen sich beeindruckt einmal um die eigene Achse, bevor sie ein Foto schiessen und weitergehen. Der Platz ist eindrücklich, verbreitet einen Hauch Weltstadt, ich glaube «imposant» wäre das richtige Wort. Aber offenbar nur für Besucher. Ein Strassenkünstler lässt vereinsamt ein bauschiges Etwas durch die Luft schweben, allerdings ohne dass die Passanten auf dem Weg vom Stadelhofen zum See stehen blieben.

«Das wird im Sommer sicher belebter», meint mein Freund, der Architekt. Irgendwie wage ich das zu bezweifeln: Soweit ich mich erinnern kann, werden unbeschattete Steinflächen bei Sonneneinstrahlung unangenehm heiss. Aber vielleicht hat er ja recht, und die Leute braten sich im Sommer ihr Mittagessen gleich auf dem heissen Stein.

Noch kann ich mir kein abschliessendes Urteil über den Platz bilden. Es kann sein, dass der grossen Steinfläche doch noch Leben eingehaucht wird. Vielleicht von Fahradakrobaten, Skatern oder Rollschuhläufern, wenn die Stadt dies denn zulässt. Zur Zeit könnte man noch denken, die Parkplatzlobby hätte den Parkplatzfrieden von anno 1992 gebrochen sich in Zürich mit der grauen Weite ein Denkmal gesetzt.

Es kommt nicht auf die Grösse an

Réda El Arbi am Freitag den 23. August 2013
Mehr Menschen erzeugen nicht automatisch mehr Qualität.

Mehr Menschen erzeugen nicht automatisch mehr Qualität.

Fast eine Million Menschen an der Street Parade, zweieinhalb Millionen am Zürifest und nächstes Wochenende das riesige Stadtopenair in Zürich: Mega-Anlässe finden dieses Jahr in Zürich genug statt. Nur, ist gross auch gut? In einer nichtrepräsentativen Umfrage bei Freunden und Bekannten erkundigte ich mich nach dem besten Event diesen Sommer in Zürich.

Erstaunlicherweise war weder die Street Parade noch das Zürifest unter den Erwähnten. «Grillieren an Adis Geburtstag auf der Fritschiwiese» oder «Die Sommerparty auf der Dachterrasse von XY» werden erwähnt. Ab und zu auch ein kleines Konzert aus dem Stadtsommer oder aus der Mittwochskonzertreihe in der Bäckeranlage. Alles kleine oder sehr kleine Events, bei denen man nicht an der Toilette anstehen muss und auch keinen Besuch bei Schutz und Rettung nötig ist.

Natürlich mögen mir manche Leser vorwerfen, ich hätte nur Leute befragt, die diesen Anlässen sowieso kritisch gegenüber stehen, aber das stimmt nicht: Selbst Leute, die sich riesig auf die Street Parade und das Zürifest gefreut haben und an diesen Wochenenden durchfeierten, kommen bei der Frage nach der besten Party nicht als Erstes auf einen der Riesenevents. Das könnte damit zu tun haben, dass sie sich nicht mehr erinnern, aber ich tippe eher auf emotionale Nichtigkeit. Offenbar hinterlassen Festlichkeiten im kleineren Rahmen eher einen emotionalen Eindruck. Eine ganze Clique von 20- bis 25-Jährigen schwärmt  zum Beispiel noch heute von der Meilemer Chilbi, die am gleichen Wochenende wie die Strassenparade stattfand.

Es kann nicht daran liegen, dass die Events inzwischen austauschbar geworden sind (die Seepartys am Zürifescht wurden teilweise von den gleichen Clubs organisiert, wie an der Street Parade), da die Clubs und Partys an den restlichen Wochenenden sich ja auch kaum unterscheiden. Aber die Intensität fehlt irgendwie.  Als ob bei der Grösse die Seele verloren ginge. Es ist ja auch so, dass viele Leute schon an normalen Wochenenden lieber zuhause mit ein paar Leuten eine Hausparty feiern als in einen der grossen Clubs gehen.

Es kommt also nicht auf die Grösse an, sondern Intensität und Überschaubarkeit ist gefragt. Warum aber führt Zürich immer wieder diese Mega-Events durch? Schaut man sich die Gewinne an, kanns nicht wirklich am Geld liegen. Natürlich muss das Zürifest keine Gewinne abwerfen, aber auch die Street Parade und das Züri Openair tingeln immer im Bereich der roten Zahlen. Obwohl man beim Verein Street Parade ein wenig genauer hinschauen muss, da dort Firmen Rechnung an den Verein Street Parade stellen, die personell ein wenig zu nahe am Verein sind.

Die Events sind selbstverständlich nicht für Stadtzürcher gedacht, sondern für Auswärtige. Und als Signal an die Restschweiz und die Welt, dass Zürich wirklich auch eine Weltstadt ist. Aber vielleicht haben die Stadtzürcher ja inzwischen auch das Gefühl, dass diese Partys der Superlative eher von Geltungsbedürfnis und Minderwertigkeitskomplex zeugen, als von Weltoffenheit und Metropole. Bei Autos sagt man ja: Je grösser der Wagen, desto kleiner das Selbstwertgefühl. Und vielleicht haben sie die Nase voll, als Kulisse für die Inszenierung einer Stadtidentität zu dienen, die nicht ihren Einwohner entspricht.

Vielleicht ist es an der Zeit, die Stadtzürcher darüber abstimmen zu lassen, ob sie weiterhin ihre Infrastruktur für diese Grossanlässe zur Verfügung stellen wollen. Vielleicht würden sie fünf oder sechs kleine bis mittelgrosse Events vorziehen. An die man sich dann gerne noch eine Weile erinnert und davon erzählt.