Beiträge mit dem Schlagwort ‘Selbstversuch’

Klauen in Zürich

Réda El Arbi am Montag den 20. Juli 2015
So hat sich meine Zukunft für einen Augenblick angefühlt.

So hat sich meine Zukunft für einen Augenblick angefühlt.

Gestern las ich den Tagi-Artikel «Der Dieb in dir», in dem es unter anderem um Ladendiebstahl geht. Das weckte Erinnerungen in mir. Ich war in diesem Bereich in meiner Jugend kein unbeschriebenes Blatt. Wenn die Polizeiakten nicht nach 10 Jahren oder so gelöscht würden, könnte man wohl meine Jugendsünden als aufmüpfiger Teenager noch belegen. Damals, mit 15 oder 16, hatte meine kriminelle Ader und mein Drang nach Adrenalin mich dazu verführt, Sachen in Supermärkten zu klauen. Das waren keineswegs Kavaliersdelikte, sondern ganz einfach Diebstahl. Dass ich es in erster Linie für den Nervenkitzel tat, macht aus heutiger Sicht moralisch keinen Unterschied. Dass ich dabei erwischt wurde und eine Strafe kassierte, war wohl einfach nur gerecht.

Und wie sieht es heute aus? Ich dachte, ich stelle mich dem Selbstversuch. Das ganze Projekt war etwas heikel, weil ich nicht die Ladendetektive oder den Manager informieren wollte. Das wäre dann ja so, als ob ich mit Sicherheitsnetz arbeiten würde. Nein, ich wollte mich dem Risiko aussetzen, erwischt zu werden, wie jeder andere Ladendieb.

Der Anfang

Zu Beginn war alles ganz leicht, ich entschied mich für einen hochfrequentierten Detailhändler in Orange (ihr könnt raten, welcher der zwei es war, je nachdem, ob ihr Coop- oder Migros-Kinder seid). Ich kleidete mich dem Wetter entsprechend unauffällig, Feldshorts mit vielen Taschen, ein enges T-Shirt und locker ein offenes weites Hemd darüber. Natürlich durfte auch meine Tasche mit sichtbar heraushängendem Badetuch nicht fehlen. Ich sah aus, als ob ich auf dem Weg ans Wasser wär. Es war später Nachmittag, und wenn man über meine grau gesprenkelten Haare und meine Fältchen hinweg sah, würde ich als fauler Student in den Semesterferien durchgehen. Oder als Dozent.

Als ich lockeren Schrittes durch den Eingangsbereich schlenderte, flutete mich bereits Adrenalin. Ich wollte etwas Grosses stehlen. Ein Gummiboot, ein Fass Bier, einen Sonnenschirm für den Garten. Ich stellte mir vor, wie ich mit meinem Diebesgut beim Management vorsprach und all die Ladendetektive alt aussehen liess. Ja, so kann sich Adrenalin auf einen Mittvierziger auswirken. Grössenwahn und Superhelden- bzw. Superschurkenfantasien.

Drinnen wars dann nicht mehr so einfach. Ich schlich erst mal zwischen den Regalen herum und stellte fest, dass man kaum zehn Sekunden alleine zwischen den Angeboten stehen konnte. Dauernd andere Leute. Also, der Sonnenschirm oder das Gummiboot fiel weg. Bei den Getränken schaute ich mich nach den Kameras um. Und da waren sie. Überall. Orwells 1984 war ein Klacks dagegen. Wo die nur all die Filme speicherten? Oder waren das nur Attrappen? Lieber kein Risiko eingehen. Also, neue Strategie. Ich versuchte mich in den toten Winkel der Kameras zu begeben und da etwas einzupacken. Inzwischen war vom Adrenalinrausch nur noch das Herzklopfen übrig. Nein, stimmt nicht ganz, eine gewisse adrenalinstimulierte Paranoia schien sich in meinem Hinterkopf zu etablieren. Der Typ da drüben war zum Beispiel viel zu warm angezogen für einen Tag wie heute, das musste ein Ladendetektiv sein. Schon wie der da rum schlich. Oder die Dame mit der blauen Bluse. Viel zu locker für ihr Alter und sie schaute sich sicher schon zwei Minuten die Auswahl an Wein an. Ha, nicht mit mir.

Die Mitte

Auf einmal erschien mir das Risiko, erwischt zu werden, unproportional gross für die Beute, die ich würde machen können. Aber ich tat es ja für den Ruhm, um dem Marktmanager triumphierend das Raubgut zu präsentieren. Trotzdem. Es war nicht die mögliche Strafe, die mich stocken liess, sondern die soziale Ächtung. Die Vorstellung, von zwei Ladendetektiven freundlich zur Seite gebeten und dann für alle sichtbar durch den Laden in ein dämmriges Hinterzimmer geführt zu werden, erschien mir plötzlich die grösste aller Strafen. Ich riss mich zusammen, biss auf die Zähne und bewegte mich weg vom vermeintlichen Feind, zwischen zwei andere Regale. Ich griff ohne zu überlegen in ein Angebot und liess den erbeuteten Gegenstand in meiner Hand verschwinden. Die Hand war jetzt verschwitzt, nicht von der Hitze, sondern vom Gefühl, jeder im Laden habe meine Absicht erkannt. Ich fühlte mich ertappt, bevor ich ertappt war. Es war irgendwie wie das Gefühl, plötzlich nackt auf einer Bühne zu stehen. Nur etwas unangenehmer.

Der letzte Schritt, nämlich den Gegenstand aus meiner Hand in meine Tasche verschwinden zu lassen, war beinahe nicht zu bewältigen. Alle schauten. Ich schlich weiter wie ein geprügelter Hund zwischen den Gestellen hin und her. Dann fasste ich mir ein Herz, nahm mit der anderen Hand ein Getränk aus dem Kühlregal und machte mich auf in Richtung Kasse.

Das Ende (Hier spannende Pause)

Natürlich war die Schlange nicht überlang, wie sonst immer – und ich kam schon nach drei Kunden dran, die nur wenige Artikel zu bezahlen hatten. Vielleicht hätte ich nicht an der Express-Kasse anstehen sollen. Aber zu spät. Auf dem Laufband lag nun eine Limonade, die ich nie trinke. Und, nach kurzem Zögern, ein kleiner, silbrig-verschwitzter Lipgloss. Ich staunte mein vermeintliches Diebesgut irritiert an. Die Dame an der Kasse zog meinen Einkauf ohne mit der Wimper zu zucken durch den Scanner. Ich bezahlte 19 Franken.

Man könnte meinen, mein Abenteuer sei hier zu Ende. Aber weit gefehlt! Ich hatte das Gefühl, ich sei so lange im Laden herumgelungert, dass mich die Ladendetektive einfach schon aus purem Verdacht kontrollieren würden. Und sicher würden sie am Ausgang zuschlagen. Ich schielte vorsichtig zur Tür, konnte aber niemanden ausmachen. Oder besser: Jeder und jede konnte ein ziviles Damoklesschwert sein. Die waren doch geschult, wie jeder andere auszusehen. Diese perfiden … Ich ging zum Kiosk im Innenbereich. Kaufte Zigaretten. Schaute mir die Zeitungen an, deren Headlines ich schon online gelesen hatte. Nach einer gefühlten Stunde war ich noch immer auf freiem Fuss. Ich wagte den kurzen Weg, demonstrativ gemächlich, durch die Ausgangstür. Nichts geschah. Ich schaute auf mein Handy. Mein ganzes Abenteuer hatte 11 Minuten gedauert. Die Zeit dehnt sich wohl unter Adrenalin. Die Paranoia hielt noch an, bis ich mehrere hundert Meter zwischen mich und den Laden gebracht hatte.

Fazit:
Ich verfüge noch über genug kriminelle Energie, um mir einen Diebstahl vorzustellen und zu planen. Aber um ihn durchzuführen fehlen mir einfach die Nerven. Und es ist nicht die Angst vor Strafe, sondern das Bewusstsein, dass man so etwas nicht macht. Dass man nicht vor allen Leuten dabei erwischt werden will. Nicht bei Ladendiebstahl. Mein Unrechtsbewusstsein und mein soziales Verantwortungsgefühl scheinen in den letzten 20 Jahren gewachsen zu sein.

Natürlich wäre ein Bankeinbruch was ganz anderes. Den würde ich mit Links durchziehen. Und danach in die Bank marschieren, dem Manager meine Beute vor die Füsse werfen und die Sicherheitsleute mit teuflischem Lachen mit ihrer Unfähigkeit konfrontieren. Ja, genau so wär das.

Einsatz im Ghetto

Alex Flach am Montag den 29. September 2014
Die krasseste Ecke Zürich, ich schwör! Bild: tilllate.com

Die krasseste Ecke Zürichs, ich schwör! Bild: tilllate.com

Die Verantwortlichen der Event- und Fotoplattform tilllate.com haben ihre Autorin Lena Hübsch an die «krasseste Kreuzung Zürichs», der Meinung ihrer Auftraggeber zufolge die Ecke Militär/Langstrasse, entsandt. Hübsch solle sich dort zwei Stunden lang Notizen zu allem, was sie da sieht und erlebt machen. Also stürzte sich die Schreibende wagemutig in Zürichs furchterregendstes Krisengebiet, um von dort im Stile einer den Tod verachtenden Kriegsreporterin zu berichten.

Zum Ende ihres Beitrages zieht sie das erschütternde Fazit, dass sie nach diesem, offenbar ziemlich einschneidenden, Erlebnis ihr Zuhause mit Bett und warmem Wasser(!) ab sofort «bewusster und dankbarer schätzen» werde. Es müssen grauenvolle Dinge gewesen sein, derer sie gewahr wurde… Kurz zusammengefasst: Ein paar Junkies, die ihre Hunde streicheln, eine «Süchtige», die ein Säckchen mit Drogen fallen lässt, zwei Dealer, die sich Zigaretten anzünden (gemäss Frau Hübsch einer davon selbst von irgendwas abhängig. Wahrscheinlich Nikotin…), eine krakeelende Frau mit Hund und hyperaktive Handschellen, die im Fünfminutentakt klicken, wobei diese (etwas fantastische) Intervallmessung wohl der Dramaturgie des Artikels geschuldet sein dürfte.

Schlussfolgerung Lena Hübsch: Das Elend ist gross, die Auswege klein (!) und sie ist froh, dass sie diesen Ort jederzeit verlassen könne, wenn sie das nur wolle. Ah ja: Ein Anwohner hat ihr noch erzählt, dass am Wochenende zuvor einer dermassen stark aus der Nase geblutet hätte, dass die Ambulanz anrücken musste. Offenbar ein Clubber, denn Frau Hübsch schliesst Folgendes aus dem Erzählten: «An dieser Ecke spielt nebst des Elends auch das Nachtleben, vor allem an den Wochenenden, eine grosse Rolle» (welche Rolle das en détail wäre, lässt sich leider nicht aus dem Text ableiten).

Frau Hübsch hat ihnen ins Auge geblickt, den bösen Geistern des Chreis Cheib namens Elend und Nachtleben. Und sie ist trotz des Grauens ganze zwei Stunden lang nicht zurückgewichen und dies am helllichten Mittwochnachmittag. Frau Hübsch sieht aber auch kleine, flackernde Lichter der Hoffnung in diesem zappendusteren Hades urbaner Hoffnungs- und Trostlosigkeit: Die direkt an der Ecke Militär/Langstrasse gelegenen Lokale hätten trotz des Elends draussen Stühle aufgestellt und die Sitzgelegenheiten seien gar besetzt. Was mögen das bloss für todessehnsüchtige Hasardeure sein, die mitten in diesem Katastrophengebiet gemütlich einen Kaffee trinken?!

Auch Frau Hübsch ist konsterniert: «Trotz des ganzen Elends gibt’s hier auch das normale Leben zu sehen». Das normale Leben… Frau Hübsch sollte sich mal ein richtiges Problemviertel in einer richtigen Metropole angucken gehen. Sie käme nach diesem Abstecher wohl ebenfalls zum Schluss, dass sich die Stadtzürcher glücklich schätzen dürfen, dass die Ecke Militär/Langstrasse tatsächlich die turbulenteste der Stadt ist. Die Mitarbeiter der städtischen Wasserversorgung wiederum sollten da übrigens unbedingt mal vorbeischauen: Offenbar kommt  kein fliessend warmes Wasser aus den Hähnen.

Alex FlachAlex Flach ist Kolumnist beim Tages Anzeiger und Club-Promoter. Er arbeitet unter Anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Nordstern Basel, Rondel Bern, Blok und Zukunf

Schlagerhimmel und Zuckerhölle

Réda El Arbi am Samstag den 1. Februar 2014
Schlagerstar Beatrice Egli mit vier Sven-Epiney-Klonen.

Schlagerstar Beatrice Egli mit vier Sven-Epiney-Klonen.

Der Stadblog besucht sporadisch die Klassiker des Zürcher Nachtlebens. Dieses Mal ging unser Autor, anlässlich eines Linda Fäh/Beatrice Egli-Konzerts, an die Schlagerparty «Lollipop» im X-Tra am Limmatplatz. Hier sein Abenteuerbericht.

Meine verschlossene Grunge-Punk-Rockerseele schmerzte, als mir klar wurde, dass ich an dieses Schlagerkonzert gehen musste, während andere Stadblogger auf der «Karaoke from Hell»-Bühne ihren inneren Rockstar feiern konnten. Aber da musste ich durch, Blogger kennen keinen Schmerz.

Ich wollte mich eigentlich am frühen Abend einfinden, da ich davon ausging, dass ein Schlagerkonzert vor 20 Uhr beginnen müsse, damit auch alle Gäste noch früh genug nachhause kämen. Aber falsch. Das Konzert begann erst um 22 Uhr. Ich stand also in der Schlange vor der Kasse und betrachtete die anderen Besucher. Und da meine erste Überraschung: Ich hatte beim frischgebackenen Schlagerstar eigentlich jede Menge ältere Damen erwartet, aber das Publikum war altersmässig völlig durchmischt. Sehr viele Grüppchen jünger Frauen und Pärchen, die gesittet Hand in Hand vor der  Absperrung warteten. Ich wurde dann von zwei riesigen Security durchsucht und durfte rein.

Der Security-Check gab mir zwar das vertraute Gefühl eines Konzertbesuchs, aber noch immer kam ich mir wie ein Kater auf dem Planet der Hunde vor. Im Saal blinkte die Lichtshow und alte Schlager dröhnten aus der Soundanlage. Die Stimmung unter den Leuten war bereits jetzt gelöst bis euphorisch. Und ich stand griesgrämig mittendrin.

Als Erstes fiel mir auf, dass hier die Leute richtig abgingen und tanzten. Richtig tanzten, so mit durchdachten Schrittabfolgen, Tanzpartnern und gegenseitigem Berühren und so. Und sie hatten Spass. Ich, der ich mich von Zürcher Indie-Rockkonzerten gewöhnt bin, dass die Leute alleine und introvertiert vor sich hintanzen, wenn sie nicht gerade nur frenetisch mit dem Fuss wippen, war irritiert. Ich brachte mich vor dieser fröhlichen Stimmung in Richtung Treppe in Sicherheit.

Und da, schon nach ungefähr 20 Minuten, geschah das Schreckliche, das Unvorstellbare: Ich wippte mit dem Fuss im Takt, ohne es zu merken. Irgendwie hatte mich dieses Etwas, das die Leute hier feiern liess, angesteckt. Natürlich stellte ich diesen Anfall von Gelöstheit sofort ein, da sonst meine distanzierte Coolness flöten gegangen wär.

Ich achtete ein wenig auf die Songtexte und stellte fest, dass es bei allen Schlagersongs eigentlich nur um Sex ging. Natürlich nicht so deutlich ausgesprochen. Da heisst es dann «Zeig dir die Sterne heut Nacht» (um die Sterne zu sehen, muss man auf dem Rücken liegen) oder «Ich will dir zeigen, was Liebe ist» (heut Nacht natürlich) und auch sonst jede Menge anzügliches Zeugs.

Ich sah mich wieder um und musste zugeben, dass hier mehr Sex in der Luft lag, als an einem durchschnittlichen Wochenende in einem durchschnittlichen Zürcher Club. Trotz der süsslichen Musik und den romantischen Texten schienen die Leute hier ihre Libido noch zu spüren. Was auch auffiel: Keine coole Attitüde, keine arroganten Blicke – nur breites Lachen, Augenzwinkern und Flirten. Ich ängstigte mich ein wenig, als ich von einer Frau angesprochen wurde und wechselte fluchtartig den Standort, um woanders cool rumzustehen. Andere waren da nicht so überfordert. In den Östrogenwolken der aufgekratzten Frauen zogen stramm frisierte Freizeitgigolos ihre Runden wie Haie in einer Goldfischzucht. Wieder das Versprechen von Sex, mit ein wenig gebrochenem Herzen. Passt zum Schlager.

Was mir auch auffiel: Sehr viele schwule junge und nicht mehr ganz so junge Männer im Publikum, mit leuchtenden Augen. Entweder in Grüppchen, oder als Verstärkung für eine beste Freundin im besten Alter. Jede Singlefrau zwischen 30 und 50 sollte einen schwulen besten Freund haben, mit dem sie in den Ausgang gehen kann, ohne sich dauernd zwischen frechen Händen hervorwinden zu müssen. Die anwesende männliche Landbevölkerung beäugte die schwulen Besucher etwas unbehaglich, aber Schlagermusik lässt keine unterschwelligen Aggressionen zu. Die werden unter einer Decke aus Zuckerguss und Kitsch erstickt. (Geistige Notiz: Weltfrieden durch Schlager? Zwangshören für Politiker?)

Inzwischen war die erste Sängerin auf der Bühne, irgendein deutsches Schlagersternchen, begleitet von zwei Sven-Epiney-Klonen. Sogar mir, als Schlagermuffel, fiel auf, dass sie wirklich schlecht sang. Aber die Masse liess sich nicht davon stören und tanzte und stampfte. Niemand mäkelte an der Musikanlage herum, niemand behauptete, damals in diesem coolen Berliner Club sei alles besser gewesen. Die Leute hatten einfach ihren Spass.

Nach fünf Songs gabs wieder Musik ab CD. Inzwischen summte ich bereits mit, und ich musste zu meiner Überraschung feststellen, dass sich  der Text von «La Paloma Blanca» noch irgendwo in meinem Kopf versteckt hatte und ich hätte mitsingen können. Wenn ich mich denn getraut hätte.

Als zweiter Act stand dann Linda Fäh auf der Bühne. Alles Kleidchen, Zucker, Kitsch. Sie brauchte keine Bühnenshow  – grosse Augen, schmachtende Stimme und ein Halbplayback reichte, um die Menge zum Kochen zu bringen. Ich war beeindruckt, kannte ich Linda doch nur als Exponentin der endlosen Reihe von Ex-Missen, die in der Stadt die Partys bevölkern.

Und dann, endlich, der grosse Star des Abends. Beatrice Egli, die junge Frau, die dem Schlager in der Schweiz wieder ein goldenes Zeitalter versprach. Selbstbewusst und sexy stand sie da in ihrem roten Kleid und sang – von was wohl –  von Sex. «Mein Herz brennt» handelt von einem One Night Stand, soweit ich den Schlagertextcode entziffern konnte. Ihre Starqualitäten konnte man daran erkennen, dass sie mit ganzen vier Sven-Epiney-Klonen die Bühne teilte.

Inzwischen war ich emotional aufgeweicht, locker und konnte die Stimmung geniessen. Erst als mich eine Frau bei der Hand nahm und tanzen wollte, ergriff ich die Flucht. Draussen, an der frischen Luft, verflüchtigte sich die Wirkung, aber nicht vollständig.

Fazit: Ich werde wieder mal an eine Lollipop-Party gehen, einfach, weils so locker und entspannt ist, frei von Hipsterklamotten, dafür aufgehellt durch jede Menge blonder Strähnchen auf begeistert mitsingenden Frauenköpfen.

Neujahrsmorgen: Maschinenpistolen, MDMA und der See

Réda El Arbi am Mittwoch den 1. Januar 2014
Trotz Widrigkeiten die beste Stadt der Welt: Zürich bei Sonnenaufgang.

Trotz Widrigkeiten die beste Stadt der Welt: Zürich bei Sonnenaufgang.

«So lange hab ich ohne Drogen schon lange nicht mehr durchgehalten», erklärt ein ca 17-Jähriger seinen Kollegen. Es ist morgens um Fünf am Bahnhof Hardbrücke und ich bin unterwegs, um mir anzuschauen, wie Zürich den ersten Tag im neuen Jahr begrüsst. Normalerweise bin ich kein Fan von willkürlich gesetzten Feiertagen, aber was solls. Wenn alle feiern, will ich mal nicht die Spassbremse sein, sondern die Atmosphäre der Stadt auf mich wirken lassen.

Maschinenpistolen gegen gefährliche Spasstouristen.

Maschinenpistolen gegen gefährliche Spasstouristen.

Maschinenpistolen
Das Spassbremsen scheinen andere zu übernehmen. Beim Umsteigen am Bahnhof Winterthur musste ich feststellen, dass die Stadt Winti auf ganz besondere Weise auf die aus Zürich heimkehrenden Spasstouristen reagiert: Bei den Gleisen stehen Polizisten, bewaffnet mit stylischen Maschinenpistolen und begleitet von einem herzigen Hund. Die Leute rundherum scheinen mir zwar ziemlich angeheitert, aber durchwegs friedlich. Nun könnte man sich die Frage stellen, ob sie friedlich sind, weil die Staatsgewalt mit ihrer Präsenz Gewalt verhindert, oder ob sie sowieso nur heim ins Bett wollen. Fragen über Fragen. Auf jeden Fall kommt gefühlt auf jeden Reisenden mindestens ein Polizist oder Bahnsicherheitsbeamter.

Wir wünschen einen guten Heimflug, Philipp!

Wir wünschen einen guten Heimflug, Philipp!

MDMA und andere Drogen
Zurück nach Zürich: Da scheint die Silvesterparty noch lange nicht fertig zu sein. Wenn der junge Mann von vorhin heute auf Fitmacher verzichtet, leben doch andere Stadtzürcher ihren Spass ziemlich öffentlich chemisch unterstützt aus. Oder wie Ex-Cabaret-Voltaire-Kurator Philipp Meier sein Motto für die Nacht auf Facebook postet: «Next Level: MDMA». (Zur Info: MDMA, Methylendioxy-N-methylamphetamin, ist ein Amphetaminderivat, das euphorisierend und aufputschend wirkt. Wenn man denn wirklich MDMA erwischt und nicht irgendwas schluckt, das der Hausdealer gerade vorrätig hat). Aber Künstler müssen eben die Bohème leben.

Allzeit bereit: Ambulanz bei den Clubs.

Allzeit bereit: Ambulanz bei den Clubs.

Auch sonst wird Zürich seinem Ruf als Koks- und Amphetamin-Stadt gerecht. Vor dem Hive versuchen drei Männer und eine Frau mit einer aufgefalteten Gratiszeitung ihre Kokslinien vor dem Nieselregen zu schützen, weil das Zeugs sich nass einfach nicht schnupfen lässt. Ich  selbst werde übrigens beim Hive abgewiesen, was mein Ego nachhaltig verletzt. Der Türsteher lässt mich ohne Probleme durch, ein edler Mensch, voller (offensichtlich) profunder Menschenkenntnis, der mich sofort erkennt. Aber an der Kasse sind sie ein wenig gestresst. Irgendwas scheint mit meiner Anmeldung schiefgegangen zu sein. Oder sie wollen einfach keine neugierigen Stadtblogger morgens um halb Sechs in ihrem Club. Jänu. Wenigstens steht draussen, zwischen Supermarket und Hive, bereits ein Krankenwagen bereit, um sich um die Opfer des Mischkonsums zu kümmern. Vorbeugen ist besser als Beerdigen.

Am einen Ort holt man Essen, am anderen (unten rechts) gibt mans wieder zurück.

Am einen Ort holt man Essen, am anderen (unten rechts) gibt mans wieder zurück.
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Falsche Freinacht und U-Turn-Essen
Ich gehe weiter und besuche kurz noch drei andere Clubs im Quartier. Eigentlich unterscheidet sich die Atmosphäre nicht von einem normalen Sonntagmorgen, ausser, dass viel mehr Leute, meist ältere Menschen um die 30, unterwegs sind. «Wir sind kurz nach Zwölf für ein paar Stunden ins Bett, um jetzt nochmals durch die Clubs zu ziehen», verrät mir eine Mittdreissigerin. Auch eine Art, das Alter zu überlisten, wenn man keine Freinacht mehr durchhält. Man kann so den langweiligen Teil, in dem sich alle noch warmsaufen, überspringen und direkt dann ansetzen, wenn das Delirium umgeht. Clever!

Nehmen Sie ein Taxi, wenn Sie getrunken haben. Nur nicht dieses. (6 Uhr Helvetiaplatz)

Nehmen Sie ein Taxi, wenn Sie getrunken haben. Nur nicht dieses. (6 Uhr Helvetiaplatz)

Auffallend ist, wie viele Partygänger schon wieder Hunger haben. Die Schlangen vor dem New Point und dem Happy Beck sind länger als die vor den Clubs. Nur, liebe Nachtvögel, fürs nächste Mal: Essen kommt vor Trinken, sonst legt ihr die Pizza, die ihr teuer bezahlt habt, gleich wieder auf die Strasse.

Und noch was: Trinken und fahren geht gar nicht! Oder sonst Sachen einwerfen und sich dann hinters Steuer setzen. Wenn ihr feiern geht, nehmt doch bitte ein Taxi für den Weg nach Hause. Das ist sicherer, auch wenn mans heute morgen schwer beweisen kann (siehe Bild).

Sonnenaufgang am Seebecken

Nun, nicht alle haben durchgefeiert. Neben dem ziemlich angetrunkenen Typen, der seiner Freundin etwas erklären will (Ich hab «Äüüüwww Schnnpsch wäää! Woschn!» verstanden), sitzen auch schon Leute im Tram, die auf dem Weg zur Arbeit sind. Ich persönlich warte auf meine Lieblingsstunde am 1. Januar in Zürich: Den Sonnenaufgang. Auf dem Weg zur Bellevuebrücke kann ich beobachten, wie sich die Strassen allmählich leeren und wieder Ruhe in die Stadt einkehrt. Reinigungsfahrzeuge tuckeln gemütlich durch die Strassen und bewältigen die Rückstände der Partynacht.

Am See weiss ich dann wieder, wieso Zürich auch morgens früh die beste Stadt der Welt ist. Nichts lässt mein Herz so aufgehen wie die Sicht von der Quaibrücke aus auf Zürich im morgendlichen Zwielicht. Und ich bin nicht der Einzige. Eine Teenagerin mit ihren zwei kleinen Geschwistern schaut neben mir auf den morgendlichen See. «Ich bin mit den Kleinen raus, damit meine Eltern ausschlafen können», erklärt sie ihre Anwesenheit um diese Zeit.

Also, wenn das kein schöner Anfang für 2014 ist, weiss ich auch nicht.

Guets Nois!

Schnäppchen am Weihnachtsmarkt

Réda El Arbi am Freitag den 20. Dezember 2013
Weihnachtliches kann die verschiedensten Formen annehmen: Ein Montserschwert

Weihnachtliches kann die verschiedensten Formen annehmen: Luzifers Sonntagsschwert.

Ich bin eigentlich kein grosser Fan von Weihnachtsmärkten. Normalerweise finden sich da Deko-Kunstwerkchen aus der lokalen Heimatwerk-Produktion, Glühwein und Christstollen. Doch gestern musste ich 20 Minuten am Hauptbahnhof warten und ich nutzte die Zeit, um durch den Weihnachtsmarkt in der grossen Halle zu schlendern.

Natürlich gabs auch da Laubsägearbeiten, die man sich an den Christbaum hängen kann, aber es gab eben auch die eine oder andere Überraschung. Zuerst einmal der Swarowski-Baum: Das ist wohl die meist fotografierte Geschmacklosigkeit der Stadt. Der Baum ist so kitschig, dass er beinahe schon wieder cool ist. Und diese wohl grösste temporäre Werbeinstallation der Stadt vermittelt uns ein authentisches Gefühl der Zürcher Weihnachten: Glitzer und Konsum. Aber der Baum selbst hat ja neben dem Werbeeffekt auch noch entfernt ein weihnachtliches Motto, was man von den ausgestellten Figuren rund um den Baum nicht unbedingt sagen kann. Ein Glitzertiger hats mir besonders angetan. Ich überlege fast drei Sekunden lang, wem ich sowas zu Weihnachten schenken könnte.

Auch sehr weihnachtlich: Ein Glitzertiger

Auch sehr weihnachtlich: Ein Glitzertiger

Drei kleine Holzhütten weiter wird mir von einer Blondine mit schwedischem Akzent Wodka angeboten. Ob wohl ich nicht ganz sicher bin, obs Wodka ist. Ich konnte sie nicht wirklich verstehen, der Akzent war so stark wie das Blond falsch. Aber der Stand ist sehr begehrt bei jungen Männern, die  dort mit roten Nasen rumstehen. Zuerst wegen der Kälte, dann aus Schüchternheit, danach vom Alkohol.

Ich schlendere ein paar Schritte weiter und finde die ersten echten christlichen Symbole. Nein, es ist keine Krippe mit Esel, Ochs, Schäfern und Christkind. Es ist irgendwie eher vom anderen Teil des christlichen Glaubens: Ein Schwert, das Luzifer wohl an wichtigen Tagen tragen würde. Dazu gibts einen ungeheuer grossen Dolch, der mit seinen Zacken auf der Klingenrückseite sicherstellt, dass beim Herausziehen der Klinge die Eingeweide auch mit an die frische Luft kommen. Ich fühle schon etwas vom versöhnlichen Weihnachtsgeist. Einen Augenblick hoffe ich, dass keiner der jungen Männer von der Wodka-Bar sich nachher hier seine Weihnachtsgeschenke einkauft. Dass Alkohol und Schwerter nichts Gutes bedeuten, wissen wir schliesslich seit den Wikingern.

Weltfrieden zum Mitnehmen: Buddhastatuen. natürlich ist Frieden nicht billig.

Weltfrieden zum Mitnehmen: Buddhastatuen. Natürlich ist Frieden nicht billig.

Ein paar Meter entfernt finde ich wirklich Frieden: Echtes weihnachtliches Nirwana. Inmitten vom geselligem Markttreiben sitzt Buddha und meditiert in halbem Lotussitz. Genauer gesagt sitzen da so viele Buddhas, dass alleine ihre Präsenz den Weltfrieden garantieren müsste. Offenbar sind Buddha-Statuen noch immer ein Renner für urbane, europäische Freizeit-Buddhisten. Solche Statuen sollten aber nur in Kombination mit einem Buch mit Dalai-Lama-Zitaten verschenkt werden. Als Kind meiner Zeit hab ich übrigens beides schon seit den 90ern bei mir zuhause.

Dass Weihnachten inzwischen wirklich ein kultur- und religionsübergreifendes Geschäft ist, wird mir an einem anderen Stand klar: Da bietet ein weit entfernter Cousin aus Nordafrika marokkanische Lampen an. Und etwas weiter finden sich indische Elefantengottheiten, die mit ihren Strasssteinchen den Bogen zum Swarovksi-Baum wieder schliessen. Es ist aber der letzte Stand, der für mich den weihnachtlichen Geist des HB-Christmarktes am deutlichsten ausdrückt:

Der Geist von Weihnachten im HB in einem Bild.

Der Geist von Weihnachten im HB in einem Bild.

Ich muss zugeben, der kleine Rundgang über den Weihnachtsmarkt war recht unterhaltsam und hat mir wieder mal den Blick für die wirklich wichtigen Dinge in der Adventszeit geöffnet. Nur, mein Geld mochte ich nicht da ausgeben. Ich glaube, dieses Jahr schenke ich meiner Schwiegermutter kein Monsterschwert und mein Göttibub bekommt auch keinen Buddha. Stattdessen trage ich mein Geld wohl hier hin.

Nachtleben: Wo ist die Magie?

Stadtblog-Redaktion am Mittwoch den 4. Dezember 2013
Roxy Reunion: Lockere Ausgelassenheit oder Midlife Crisis? Beides ist zu finden.

Roxy Reunion: Lockere Ausgelassenheit oder Midlife Crisis? Beides ist zu finden.

«Die Magie ist weg», behauptete der Discjockey Oliver Stumm in einem kürzlich in den sozialen Medien kursierenden NZZ-Interview. Er meinte die Zürcher Clubkultur. Der Haken an der Geschichte ist: Das Interview ist bereits zehn Jahre alt. Trotzdem kassierte der Artikel 2600 Likes auf Facebook und en masse säuerliche Repliken aus der Partyszene. Das zeigt, wie aktuell das Thema noch immer ist. Der Vorwurf klebt am Zürcher Nachtleben wie ein alter Kaugummi auf dem Trottoir vor dem Globus: «Clubs sind Unternehmen, die nur eines wollen: so viel Geld machen wie nur möglich.»

Aber ist die Magie wirklich weg? Oder sind wir bloss in die Jahre gekommen? Um Antworten zu finden, mussten wir raus aus der warmen Stube und rein in die vermeintlichen Geldmaschinen. Unser Glück: Oliver Stumm legte an dem Abend höchstpersönlich auf – im Supermarket. So konnten wir miterleben, wie er das mit der Magie selbst handhabt. Daneben hatten wir noch auf dem Programm: die Clubs Escherwyss, Hive, Friedas Büxe, Café Gold. Man darf es vorwegnehmen: Das Clubleben ist munter und rasselt Wochenende für Wochenende weiter.

Escherwyss / Foxy Friday – Eine Frage drängt sich auf: Wie viele Stunden haben wir wohl in Clubs verplempert? Das Escherwyss gleicht tatsächlich einem kühl kalkulierenden Unternehmen. Flatscreens mit Werbung über der Bar («Jäger oder Meister?»), Videoclips hinter dem DJ, Leibesvisitationen beim Eingang. Aus den Boxen schallt irgendwas, das man R ’n’ B nennen könnte, und wir, wir stehen herum wie Zivilpolizisten. «Die scheinen aber Spass zu haben», sagt El Arbi im trocken-moralischen Ton eines Stasi-Spitzels. «Einfach nicht unsere Tasse Tee», erwidert Sarasin. Und erinnert sich an andere dunkle Stunden in gesichtslosen Clubs: Redbull Wodka, stundenlanges Anstehen, unerreichbare Frauen, laut pumpende Leere. Und immer wieder das Mantra, Woche für Woche, Jahr für Jahr: Es könnte irgendwann noch etwas geschehen. Party nicht als ausserordentliches Ereignis, sondern als verordnete Routine. Als Geldschlund. Die dunkle Seite des Nachtlebens. Wir geben Stumm teilweise recht: Clubs sind Sehnsuchtsmaschinen, sie wandeln Träume von Glamour und Sex eiskalt in bare Münze um. Wir ziehen weiter.

Hive / Sub Club meets Off Recordings – Vielleicht finden wir die Magie im Hive an der Geroldstrasse wieder. Dem Club, in dem viele aus Sarasins Generation ihre Jugend verschwendet haben. Damals hiess es noch Katakombe, später UG. Die Musik im Hive ist noch immer auf der Höhe der Zeit, die Leute sind fast zu sehr auf Hipster gestylt, die Getränkepreise o. k. Was will man mehr? Und dann die Frage des Türstehers, der 10 beziehungsweise 20 Jahre jünger ist als wir. «Wie geht es euch?» Sarasins lächelt unruhig, El Arbi bleibt cool. «Gut!» – «Was wollt ihr hier» – «Wir machen eine Clubtour» – «Und da gehört das Hive auch dazu?» – «Ja, genau» – «Viel Spass!» Würde man es nicht kennen, man müsste laut lachen. Sarasin behauptet, er sei noch nie an einer Tür abgewiesen worden. Er dafür schon mal aus dem Club geschmissen, blufft El Arbi. Wir jedenfalls beobachten im Hive die Cool Kids, als wären wir Opas, schwatzen mit dem Besitzer (Sarasin: «Ein alter Bekannter»). Wir stellen fest, dass wir uns hier an die Magie erinnern können. Daran, wies mal war. Die Musik pumpt gut, die Frauen suchen Blickkontakt. El Arbi: «Es scheint wie mit dem Samichlaus zu sein: Solange man jung ist, glaubt man daran, und dann ist die Magie wahr und macht leuchtende Augen. Irgendwann durchschauen wir sie als Lüge und trauern um die verlorene Illusion.» Der Nächste bitte – Club natürlich.

Supermarket / Roxy Reunion – Im Supermarket wird El Arbi postwendend Lügen gestraft. Denn hier feiern an diesem Abend die in die Jahre gekommenen Szenis. «Roxy Reunion» heisst der Anlass. Es versammeln sich jene Menschen, die im Roxy in der Nähe des HB verkehrten. Dieses erlebte seine Blütezeit Ende der 80er, Anfang der 90er und schloss vor 10 Jahren für immer. El Arbis Generation also. Beim Eintritt schallt tatsächlich «Forever Young» von Alphaville aus den Boxen. Welch Ironie, betrachtet man die grau melierten Beaus mit den auf ihren Teint fokussierten Begleitungen. Am DJ-Pult handwerkt Oliver Stumm. Der Laden ist voll, Juchzer gellen durch den Raum. «So was erhofft man sich, wenn man 20 Franken Eintritt bezahlt», freut sich Sarasin. Freundliche Menschen, eine Atmosphäre irgendwo zwischen locker und euphorisiert und – das ist das Wichtigste – ein Gefühl, dass in dieser Nacht alles passieren könnte. Man muss das nicht Magie nennen, doch ein guter Anreiz, mal wieder rauszugehen, ist es alleweil. Der Abend zeigt auch, dass, wer dosiert feiert – sprich: nicht jeden zweiten Abend ausgeht –, besser und vor allem würdevoller feiert. «Man merkt, ob jemand in der Jugend richtig gut Party gemacht hat oder nicht», glaubt Sarasin zu erkennen. Oliver Stumm wählt die Platten geschmacksicher aus. Eminems «Lose Yourself» mischt er mit «Aquarius» aus «Hair», die Leute klatschen beim Mix. El Arbi flirtet derweil mit einer alten Bekannten. Wir würden gerne bleiben, doch wir suchen ja die Magie, auch wenn wir sie hier halbwegs gefunden haben.

Friedas Büxe / Audioasyl – Der Keller-Club beim Albisriederplatz ist wie ein Sprung zurück ins Jahr 1999. El Arbi fühlt sich 20 Jahre jünger. Sarasin erinnert sich an die Phase seiner Partyvergangenheit, als Minimal noch angesagt war. Hier wimmelt es von Tätowierten mit Nasenringen, Normalos und, ja, ein paar Drugheads. Die Musik kennt El Arbi aus seiner «coolen» Zeit. Man steht herum, trifft mehr oder weniger bekannte Menschen, und tanzen bedeutet, ekstatisch mit dem Fuss zu wippen und, wenn es wirklich abgeht, das Getränk halbhoch in Richtung DJ-Pult zu halten. Ein Gast erklärt, dass es übers Clubben nichts zu sagen gibt: «Es macht Spass oder eben nicht. Mehr ist da nicht.» Sarasin reagiert mittlerweile empfindlich auf die Musik, und El Arbi will dem Déjà-vu entkommen. An der Türe treffen wir einen Security, den El Arbi noch aus den 90ern kennt. Cooler Handshake, als hätten sie sich letzte Woche das letzte Mal gesehen. Emotionales Understatement ist definitiv ein Zeichen dieses Clubs. Magie hat es hier aber, nur wissen wir nicht, ob schwarze oder weisse.

Café Gold / Pendulum DJ-Set – Ein neuer Club, mit einer neuen Generation Partyvolk. Das Café Gold ist nostalgiefreie Zone. Und hier ist sie trotz anderen Erwartungen unsererseits zu spüren, die Magie. Die jungen Menschen tanzen ohne Rücksicht auf Verluste, nicht sexuell aufgeladen, sondern wild. Der MC springt von der Bühne und geniesst das Stagediving, während wir nach der exakten Bezeichnung der zu hörenden Musik googeln. The Prodigy standen sicher irgendwann Pate, doch man würde uns dafür wohl auslachen, würden wir das äussern. Hier sind wir als echte Gäste fehl am Platz, aber hier werden wir durch die pure Energie der Feiernden verzaubert. Die ganze Halle bebt. Die jüngere Generation hat sich hier eine magische Hölle geschaffen, um die wir sie ein bisschen beneiden, weil wir davon für immer ausgeschlossen bleiben werden. Aber wir sind uns sicher, hier einen Augenblick mitbekommen zu haben, an den sich die Jungen in zwanzig Jahren als «magisch» erinnern werden. Mit der gleichen Wehmut, wie wir unsere eigene Vergangenheit heute den ganzen Abend lang verklärt haben.

Fazit: Bis man 25 ist, findet man in den Clubs wirklich diese Magie. Später kommt die Routine, dann, mit 35, zeigen sich erste Ansätze von Nostalgie an die eigene Jugend. Und mit über 40 kann man bei Clubbesuchen entweder lockere Ausgelassenheit erkennen (man muss nichts mehr beweisen) oder Spuren einer Midlife Crisis (man muss es allen nochmals zeigen).

«Who is Who»-Party oder «Wer ist Vujo?»

Réda El Arbi am Freitag den 1. November 2013
Die Bachelors: Warum zum Teufel sollten die wichtige Zürcher sein? (Wir mussten das Tilllate-logo drinlassen, sonst hätten wir bezahlen müssen, sorry)

Die Bachelors: Warum zum Teufel sollten die wichtige Zürcher sein? (Wir mussten das Tilllate-Logo drinlassen, sonst hätten wir bezahlen müssen, sorry.)

Zum siebten Mal wurden die 200 vermeintlich wichtigsten Zürcher in einem Buch vorgestellt. Der Stadtblog war da und versuchte herauszufinden, was man leisten muss, um ins Who is Who zu kommen. 

Sarasin schaut etwas zweifelnd am Gebäude der alten Börse, in dem die Release-Party der Zürcher Prominentenbibel stattfindet, hoch und fragt: «Du warst doch schon mal im ‘Who is Who’. Wie kommt man eigentlich zur Ehre?» – «Keine Ahnung. Ich hatte einfach ein grosses Maul und dann war ich drin. Aber ich hab immer noch ein grosses Maul, und jetzt bin ich nicht mehr drin», resümiert El Arbi leicht betrübt. Wir stürzten uns in die Party der vermeintlich wichtigsten Zürcher. Die Mission: Endlich herausfinden, wie man genau in dieses Buch kommt. Wir bekommen ein VIP-Bändeli und einen kleinen verbalen Seitenhieb von Organisator Michel Pernet. Er ahnt wohl, dass wir hier nicht nur als freundliche Gäste anreisen.

Gleich beim Eingang bekommt Sarasin ein Glässchen mit einem Grey Goose, flüssige Bestechung, während El Arbi seine Integrität beim Flirten mit den Empfangsdamen verliert. Wir reissen uns zusammen und widmen uns der Aufgabe. Es ist nicht leicht, in dieser gefälligen Glitzeratmosphäre des Clubs Aura, den kritischen Blick und die Unvoreingenommenheit zu behalten.

Wer sagt, wer wichtig ist?

Wir treffen auf die Public Relation-Verantwortliche der Who is Who-Ausgabe und fragen sie, wie man denn nun reinkommt in dieses Buch. «Es ist ein differenziertes Auswahlverfahren. Wir haben ein Komitee, das uns Vorschläge bringt, insgesamt neun Personen. Dann sitzt die Redaktion dran, und schlussendlich wird entschieden, wer reinkommt», sagt sie. «Aber wer genau entscheidet am Schluss? Das Komitee? Eine Jury?» haken wir nach. «Der Chefredaktor, Michel Pernet.» Eine unserer Quellen im Komitee erklärte uns im Vorfeld, dass die Mitglieder je zwischen zwei und 10 Vorschläge einbringen. Im besten Fall also 90 Personen, von denen es nicht alle ins Buch schaffen. Da bleiben über hundert, die vom Chefredaktor und Inhaber der PR-Agentur Blofeld bestimmt werden. Hm. Wir gehen weiter.

Wir sehen einige Leute, die wir wohl kennen müssten. Jede Menge Frauen, vermutlich Missen oder Vizemissen, Männer in taillierten Anzügen und mit teuren Frisuren. Vorne auf der Bühne macht sich der Gastgeber und Initiator der Show, Eugen Baumgartner, bereit für eine Ansprache. (Unsere Insiderquelle behauptet, er sei nur noch ein Aushängeschild für die PR-Agentur).

Wir hören zu und sind mit unserer Frage noch immer nicht weiter. Was für Kriterien muss man nun erfüllen, um einer der wichtigsten Zürcher genannt zu werden? Das Auswahlverfahren muss komplexer sein als der geheime Google-Algorithmus: Wie sonst liesse sich erklären, dass Vujo Gavric, der Bachelor von 3Plus, neben Stadtpräsidentin Corine Mauch, Künstler und Denker Franz Hohler und Uralt-Szenefossil Rainer Kuhn einen Platz ergattern konnte? Was hat der nochmal genau gemacht? Wir fragen Radiomoderator Jontsch, er müsste es wissen, ist er doch bereits zum fünften Mal im Buch. «Keine Ahnung», meint er. Aber er freue sich seinerseits. Einem geschenkten Gaul schaut man eben nicht ins Maul.

Endlich haben wirs auch mal geschafft, in dämlicher Pose abgelichtet und veröffentlicht zuw erden. Quelle: tilllate.com

Getränk und Überbelichtung: Die Zutaten für ein Partybild. Quelle: tilllate.com

Wir schlendern weiter durch die Partyschar und werden bald von einem Tilllate und einem Usgang.ch-Fotografen abgelichtet. Auch die scheinen keinen blassen Schimmer zu haben, wer warum wichtig ist, sonst hätten sie uns nicht fotografiert. Eine Ehre, die wir bisher hatten vermeiden können. Naja, wie gesagt, Küsschenküsschen-Cüpli-Atmosphäre. Langsam verstehen wir den Mechanismus, der den Leuten den Eindruck vermittelt, wichtig zu sein. Wichtig wie der Bachelor zum Beispiel, von dem wir noch immer nicht wussten, warum er ins Heft kam. Sein Nacktbild, das auf Facebook aufgetaucht ist (er konnte noch nicht von der «Sexting»-Kampagne der Pro Juventute profitieren, die davor warnt, Sexbildli von sich digital zu verschicken), oder seine innige Freundschaft zum kinderfreundlichen Playboy Carl Hirschmann, könnten etwas damit zu tun haben.

Der PR-Stunt

Also kehrten wir zur Blofeld-PR-Frau zurück: «Warum nochmals ist Vujo im Heft?» – «Weil er so einen klaren, witzigen Kontrast zum letzten Bachelor aufzeigt, weil er neu und so anders ist als der letzte.» Wir nicken mit dem Kopf. Ha, da hätte sie uns doch beinahe gehabt. Doch wir wissen auch nicht, wieso denn der letzte Bachelor einer der wichtigsten Zürcher sein soll. Gewitzte PR-Fuzzis.

Nun, wir konnten das Rätsel lösen. Bei einem konspirativen Treffen bei den Sofas steckte uns ein Informant, dass die PR-Frau vom «Who is Who» auch für die Öffentlichkeitsarbeit vom TV-Sender 3Plus, der die Sendung «Der Bachelor» produziert, verantwortlich sei. Hm, Pernet, immer wieder Pernet. Er alleine bestimmt, wer die 200 wichtigsten Zürcher sind. Und das mit System:  Sie benutzen Leute mit wirklichem Leistungsausweis, um in der Promibibel deren Glanz auf neue Promis und Sternchen abfärben zu lassen. «Ein kleine Traumfabrik» sinniert Sarasin. «PR-Agenturen schaffen neue C-Promis, die Medien (bestochen mit leckeren Drinks und hübschen Hostessen) berichten darüber, bis die Leser wirklich glauben, diese Leute seien wichtig. Dann können diese neu erschaffenen Promis wiederum PR für andere Kunden der Agentur machen. Cleveres Konzept.»

Und die Party? Ehrlich gesagt, wir feiern lieber mit Hinz und Kunz, ohne Glamour, dafür mit echtem Spass und guter Musik. Mit Leuten, die vielleicht für uns wichtig sind, die es aber wohl niemals in die PR-Maschine «Who is Who» schaffen, die niemals von Agenturen verheizt werden. Und das ist gut so. Für uns ist jedenfalls klar, dass die «Who is Who»-Party von nun an zu den Anlässen gehört, über die wir nicht mehr berichten werden.

One Night in Zürich: Schäfli

Réda El Arbi am Donnerstag den 17. Oktober 2013
Die Tür zum Nachbarzimmer.

Die Tür zum Nachbarzimmer.

In unserer Serie über Zürcher Hotels besuchen wir diese Woche eines der berühmt-berüchtigtsten Häuser der Stadt. In den Neunzigern war das Hotel Schäfli im Niederdorf als Dealer- und Junkieabsteige bekannt, quasi als Filiale der Drogenszene am Letten. Unser Autor El Arbi wollte wissen, ob sich daran etwas geändert hat. Hier seine Zeugenaussage:

Das letzte Mal als ich mit dem Hotel Schäfli zu tun hatte, war Mitte der 90er. Damals gabs dort regelmässige Razzien und ab und an einen Drogentoten. Drogensüchtige und Kleindealer auf Durchreise stiegen für einige Nächte ab, bis ihnen Geld oder Dope ausgingen. Nun, ich war gespannt, was mich erwartete.

Ich checke gegen 21 Uhr ein, und das Haus scheint bis auf ein Doppelzimmer ausgebucht. «Der Schlüssel zu 43 fehlt» ruft die freundliche junge Dame ihrem Chef in der angrenzenden Bar zu. «Ich geb ihm das Doppelzimmer.» Sie handelt den Chef um zehn Franken für mich runter und zwinkert mir zu. «Essen gibts billig im Mac Donalds, und bis Neun hat der Migros offen». Dann drückt sie mir einen Schlüssel und einen Zettel mit der Türkombination in die Hand und meint, ich könne also jederzeit nachts kommen, es werde nicht kontrolliert. Wahrscheinlich werde ich mit Vierzig und einem regelmässigen Einkommen zu den Freiern unter den Gästen gezählt. Für einen Drogensüchtigen seh ich inzwischen einfach zu gesund aus. «Dusche ist eine Treppe höher, WC gleich links neben der Treppe» ruft sie mir nach. Also hundert Franken für ein Zimmer ohne Bad und WC.

Das Zimmer

Sicht aus dem Fenster, mitten ins Niederdorf.

Sicht aus dem Fenster, mitten ins Niederdorf.

Ich steige durch das verwinkelte Altstadthaus bis zu meinem Zimmer in der dritten Etage, vorbei an einem jungen Pärchen, das sich im Treppenhaus halblaut ankeift. Ich öffne die Tür zu meinem Zimmer und kann den Lesern nur versichern, dass sie froh sein sollten, dass im Web noch keine Gerüche weitergegeben werden können. Der kleine Raum stinkt nach Alkohol. Nicht nach Bier oder Vodka, sondern nach Alkohol, der seinen Weg bereits durch ein Verdauungssystem gefunden hatte und wieder ausgedünstet wurde. Es ist, als ob hier Jahrzehnte lang ein Alkoholiker gelebt hätte. Zum Glück steht da ein Aschenbecher (ist das eigentlich noch erlaubt?) und das Fenster geht auf. Die Aussicht direkt ins Leben von Niederdörfli stimmt mich für den Augenblick versöhnlich. Die Bettwäsche sieht aus wie aus einer Kinderzimmereinrichtung – aus der Rotkreuz-Textilsammlung natürlich.

Für hundert Franken pro Nacht: Das Zimmer

Für hundert Franken pro Nacht: Das Zimmer

Ich zünde mir in einem Hotelzimmer eine Zigarette an. Es hat sicher seine Gründe, dass hier Aschenbecher stehen. Wenn ich mir die Brandlöcher im Teppich anschaue, wundere ich mich, dass das Haus nicht schon auf die Grundmauern niedergebrannt ist. Vor meinem geistigen Auge zieht das Bild eines Junkies im nächsten Zimmer vorbei, der mit Speichelfaden im Mundwinkel, halboffenen Augen und einer Zigi in der Hand einschläft. Ich schüttle das Bild ab und gehe runter in die Bar.

Der Tatort 

Auf dem Weg fällt mein Blick auf die Tür des Nachbarzimmers. «Polizei: Spurensicherung» informiert mich ein Plastiksiegel an der Tür. Offenbar muss ich mir keine Sorgen um den Junkie im Nebenzimmer mehr machen.

Ich setze mich an die Bar und unterhalte mich ein wenig mit der Barmaid. Nach einiger Zeit gesellt sich der Hotelbesitzer dazu und bringt mich in Verlegenheit. Er weiss ja nicht, dass ich als Blogger unterwegs bin. Und er ist nett. Ein lieber Kerl, der keiner Küchenschabe was zuleide tun kann. Jemand, der sich rührend um sein Personal kümmert und der betrübt ist, wie die grossen Ladenketten das Dörfli kommerzialisieren.

Er klärt mich mit etwas Stolz in der Stimme auf, dass es pro Kopf im Kreis 1 mehr Überfälle und Einbrüche gibt als etwa im Kreis 4 oder 5. «Man bricht doch nicht in eine Künstler-WG ein oder überfällt einen Studenten. Hier im Kreis 1 leben die Leute mit Geld. Und hier sind auch die Leute, die es klauen wollen.» Hört sich für mich logisch an. Er bezahlt mein Getränk und widmet sich seinen Stammgästen. Ich plaudere noch ein wenig mit der Dame hinter der Bar, die mir erzählt, dass sie gerne hier arbeitet, weil das Klientel nicht so «steril» ist. Niemand verliert ein Wort über den polizeilich abgesperrten Tatort oben im dritten Stock. Anscheinend ist das nicht aussergewöhnlich.

Die Nacht

Ganz herzig. Die Seife aus den 60ern

Ganz herzig. Die Seife aus den 60ern.

Ich begebe mich wieder aufs Zimmer, suche nach der Fernbedienung für den Fernseher, der offenbar noch aus der Zeit vor den 80er-Unruhen stammt. Nach zehn Minuten geb ichs auf. Ich verzichte auch auf die Benützung der Dusche, obwohl die zwei kleinen Seifen eigentlich recht herzig sind. Angezogen lege ich mich aufs Bett und versuche, nicht den Duft des Kissens in die Nase zu bekommen. Ich vermeide auch den Kontakt nackter Haut mit dem Bettzeug. Ich bin sonst nicht besonders empfindlich, aber ich denke mir, Vorsicht ist besser als Hautausschlag.

Ich schlafe nicht viel, höre aber den anderen Gästen  zu, die offenbar die ganze Nacht aktiv sind. Zwischendurch vertreibe ich mir die Zeit damit, mir vorzustellen, was im Nebenzimmer wohl vorgefallen ist.  Irgendein Splattermassaker mit blutverspritzten Wänden? Ein Beziehungsdrama, indem sie ihn im Schlaf erstochen hat? Aber wahrscheinlich wars die übliche Überdosis. Obwohl, wird bei einer Überdosis danach der Tatort abgesperrt? Egal, ich fühl mich wie in einem dieser Horror-Motels aus einem Hollywoodfilm.

Die Sonne geht auf, und inzwischen ist es so ruhig, als ob sich die anderen Gäste, Vampiren gleich, bei Tageslicht in ihre Gruft zurückziehen müssten. Ich schnappe mir meine Tasche, verlasse das Haus und stehe wieder mitten im sauber gepflegten Dörfli in  einer sauber gepflegten Stadt.

Fazit: Selbst im Vollsuff ist es angenehmer, sich von der Polizei verhaften und in eine Ausnüchterungszelle stecken zu lassen. Der einzige Grund, im Schäfli zu übernachten, ist, um danach wieder dankbar für das eigene, langweilige Leben zu sein.

Uto Kulm: «Zu sanft, zu romantisch, zu perfekt»

Réda El Arbi am Mittwoch den 2. Oktober 2013
Das Essen wird im illegal angebauten Wintergarten liebevoll serviert.

Das Essen wird im illegal angebauten Wintergarten liebevoll serviert.

Der Stadtblog besucht in den nächsten Wochen  einige der schönsten, billigsten oder auch gewöhnlichsten Schlafplätze der Stadt, welche die Einwohner sonst selten zu Gesicht bekommen: Wir checken als Zürcher in Zürcher Hotels ein und verbringen dort eine Nacht als Gäste. Und wo sollte die Serie sonst beginnen als auf dem Zürcher Hausberg, dem Üetsgi? Unser Autor verbrachte eine «romantische Nacht» im Hotel Uto Kulm.

«20 Minuten vom Hauptbahnhof» hiess es auf der Homepage des Hotels Uto Kulm. Nun, ich bin ja nicht zum ersten Mal auf den Üetzgi und weiss, dass danach noch gute 20 Minuten Fussweg durch den Wald anfallen. Offenbar ist dies aber nicht allen Besuchern bewusst. Auch nicht, dass ein nicht asphaltierter Waldweg vom Bahnhof zum «Top of Zürich» führt. Auf dem Weg zu meinem romantischen Abendessen überhole ich eine Dame in High Heels und schicker Abendgarderobe, die wahrscheinlich ihre Wahl des Outfits verflucht. Der dichte Nebel, der von Anfang September bis zum ersten Schnee die Zürcher Dämmerung begleitet, schafft es leicht, nette Abendkleider in feuchte Lappen zu verwandeln.

Nebel wie in einem Edgar-Wallace-Film.

Nebel wie in einem Edgar-Wallace-Film.

Oben angekommen sehe ich dann natürlich nicht die Lichter der Stadt. Man sieht nicht mal die Lichter der Strassenbeleuchtung, die der Nebel schon nach einigen Metern verschluckt. Nun könnte man sich über den Nebel beschweren, aber ehrlich gesagt, mir gefällts. Der Nebel ist so dicht, als ob ihn ein Requisiteur für einen Edgar-Wallace-Film aus einer Maschine geblasen hätte. Er weckt den Wunsch nach gemütlichem Hotelzimmer, Rotwein und leckerem Essen bei Kerzenlicht.

An der Rezeption empfängt mich eine freundliche Deutsche, die mir die Schlüsselkarte in die Hand drückt und mir erklärt, wo ich Zimmer und Sauna-Landschaft finde. Meinem demokratischen Selbstverständnis kommt es durchaus entgegen, dass mir niemand meine leichte Tasche aus der Hand zu nehmen und mich aufs Zimmer zu begleiten versucht, wie es in anderen 4-Sterne-Häusern vorkommt. Nur weiss ich nicht, ob reiche Gäste aus Übersee das auch so empfinden. Schliesslich zahlt man schon bis zu 900 Franken für eine exklusive Suite. Aber vielleicht liegt’s auch daran, dass ich von der Presse bin, und man mich keinesfalls beeinflussen will.

Das Zimmer

Das Zimmer selbst, mit «Aussicht», ist nicht das teuerste. Die Aussicht kann ich natürlich nicht genauer definieren, da der Nebel bis 20 Zentimeter vor die Fensterscheibe wabert. Aber schliesslich lebe ich ja hier und weiss, wie’s aussehen könnte. Die Einrichtung ist modern und gemütlich, aber eher spartanisch: Ein Doppelbett, ein kleines Badezimmer, ein Einbautischchen und genug Platz, um maximal zwei kleine Koffer abzustellen. Aber natürlich hab ich nicht die Luxusversion, die Romantiksuiten mit allem Pipapo, gebucht (man ist schliesslich bescheiden), sondern ein «Lifestyle»-Zimmer, obwohl sich mir nicht wirklich erschliessen will, was denn hier genau «Lifestyle» sein soll. Es gibt sicher Verbesserungspotential: Die kleine Begrüssungsüberraschung auf dem Bett ist ein Wernli-Guetzli, lieblos in Werbeplastik verpackt, wie man es in jedem durchschnittlichen Restaurant zum Kaffee bekommt. In einer Stadt mit Institutionen wie Sprüngli und Teuscher wäre eine kleine, hübsch verpackte Überraschung aus Schokolade eine verdiente Belohnung für den Aufstieg durch den Wald. In der Dusche findet sich ein Seifenspender auf dem «Body & Hand Wash» steht. Er erinnert mich ein wenig an öffentliche Toiletten. Keine eleganten kleinen Fläschchen mit Schampoo, die man einpacken kann. Ich nehm mir dafür vor, den Hotelkugelschreiber zu klauen.

Dann gibts dann eine postive Überraschung: Eine Kaffeemaschine auf dem Zimmer. Der Freudenmoment wird aber gleich wieder  getrübt, als ich lese, dass eine Kapsel drei Franken kostet. Was ich für einen selbstzubereiteten Kaffee mit Milchpulver aus dem Tütchen selbst für Zürich ein wenig anmassend finde.

Das Essen

Nach einer Dusche mach ich mich auf in den Speisesaal. Im Wintergarten (der illegale Anbau, für den der Besitzer Giusep Fry berühmt wurde) sitzt eine Gruppe Geschäftsleute, die sich gesittet amüsiert und drei oder vier Pärchen, die das Romantik-Paket gebucht haben. Wahrscheinlich feiern sie ihre Beziehungsjahrestage oder er will ihr einen Heiratsantrag machen. Während ich Nüsslisalat aus eigenem Anbau knabbere und danach auf meine Kürbissuppe warte, sinniere ich über diese Form von Romantik. Im Kino scheint das mit den Kerzen und dem Hotel immer zu funktionieren. Hier sehe ich auch leuchtende Augen, selten getragene Abendkleider, schimmernde Rotweingläser und höre leises Geklimper des Bestecks. Ich persönlich hätte in solchem Ambiente das Gefühl, dass mir irgendwer etwas verkaufen will. Zu sanft, zu romantisch, zu perfekt. Aber ich bin auch ein alter Nörgler, der überall den Haken sucht.

Nach der hervorragenden Suppe folgen Tortelloni mit einem Hauch von Zitrone und zum Schluss ein blutiges Stück Rind mit Kartoffeln. Gutes Essen stimmt mich sanftmütig. Aber der  kleine Teufel auf meiner Schulter fragt sich, was passiert, wenn eine Dame hier nicht gleich in Tränen ausbricht und zu einem Heiratsantrag schmachtend «Ja, ich will» sagt. Für einen Beziehungsstreit ist das Hotel nämlich nicht besonders gut gelegen. Es wirkt einfach nicht dramatisch, wenn man man wutentbrannt aus dem Hotel stürmt und dann erst 20 Minuten durch den Wald stiegeln muss, um dann noch eine halbe Stunde auf den Zug zu warten. Noch schlimmer ists, wenn der Streit nach 23.30 Uhr stattfindet: Dann gibts nämlich gar keine Fluchtmöglichkeit mehr per Bahn. Und sich aufs Zimmer zurückzuziehen, um sich an der Minibar volllaufen zu lassen, geht leider auch nicht. Dazu ist einfach nicht genug Alkohol in der Minibar. Also, meine Herren, wenn ihr eurer Liebsten da oben einen Heiratsantrag machen wollt, wartet nicht bis zur letzten Minute oder lasst ihr einen ehrenvollen Ausweg («Du brauchst nicht gleich zu antworten …»).

Die Sauna

Nach dem etwas schweren Schokoladenkuchen entscheide ich mich für einen Besuch der «Sauna-Insel». Gute Entscheidung. Nach 22 Uhr ist die «Insel», die sich als kleine Grotte im Keller herausstellt, verlassen und steht mir alleine zur Verfügung. Ich habe die Wahl zwischen normaler Sauna und Menthol-Dampfbad, kann mich mit irgendwelchen Luxus- und Wellnessmagazinen nackt auf den Liegen hinlümmeln, und, sollte mir der Sinn danach stehen, in die Eisgrotte zum Abkühlen. Mir steht der Sinn nicht danach. Das Kühlelement in der Grotte gibt mir das Gefühl, in einem riesigen Eisschrank gefangen zu sein. Aber die Sauna-Insel und das gute Essen machen den Abend zum Erfolg, auch wenn ich da und dort nörgele.

Der Morgen

Nach einer viel zu kurzen Nacht (unsereins muss früh aufstehen, nicht die ganze Arbeit besteht aus Testen von Luxushotels) finde ich mich vor dem reichlich bestückten Frühstücksbuffet wieder. Wenn ich eine Frühstücksperson wär, würde mich das Angebot sicherlich zufiredenstellen: Fleisch, frische Rühreier, gutes Brot, Müesli und vieles mehr. Aber ich bin nun mal eine Kaffeeperson. Und hier leistet sich das Hotel einen Kardinalfehler: Obwohl  sie wirklich guten Kaffee zubereiten können, reichen sie zum Zmorgen einen Krug mit labbrigem Filterkaffee, wie man ihn sonst nur in England kriegt. So früh am Morgen kann das einem passionierten Kaffetrinker den Tag versauen.

Ich packe meine Sachen und geh zur Reception, um auszuchecken. Wieder sehr freundliches Personal, wieder aus Deutschland (in Zürich scheint man offenbar keins zu finden) und auch hier noch ein kleiner Fehler zum Abschied: Ich kriege eine kleine, eigentlich geschmackvoll gestaltete Blechschachtel im Retro-Design. Und ja, da ist Schokolade drin, aber leider wieder nichts Spezielles, sondern einfach eine ordinäre Tafel Schoggi aus dem Supermarkt. Ich knabbere sie auf dem Weg nach unten, wo mich die Bahn aus dem unwirklichen, abgelegenen Nebelschloss wieder in die hektische Stadt bringt.

Wenns nebelfrei war, gabs früher das Schild «Uetliberg hell»

Wenns nebelfrei war, gabs früher das Schild «Uetliberg hell»

Ein Zürcher in Basel

Réda El Arbi am Mittwoch den 25. September 2013
Man merkt an manchen Stellen, das Albert Hoffmann in Basel das LSD erfand. Graffiti in der Nähe des Lunique.

Man merkt an manchen Stellen, dass Albert Hoffmann in Basel das LSD erfand. Graffiti gegenüber der Bar Lunique.

Bei unserem Stadtblog-Blick über den Tellerrand zu anderen Städten und Städtchen der Schweiz darf natürlich Basel nicht fehlen. Ja, Sie erwarten jetzt sicher, dass wir als Zürcher über Basel lästern. Aber nein, das ist uns zu billig. Aber lesen Sie selbst.

Das Meiste, was ich über Basel zu wissen glaube, hat mir sicher ein FCZ-Fan erzählt, und gilt so nicht als vertrauenswürdig. Als ich am Bahnhof Basel aussteige, fällt mir als Erstes auf, wie gepflegt die Basler gekleidet sind. Klar, ich bin mitten in der Rushhour eingetroffen, und viele sind sicher auf dem Heimweg von der Arbeit. Trotzdem, irgendwie fehlt ein wenig die abgefuckte Schlampigkeit, die zu jeder Tages- und Nachtzeit in Zürich am HB anzutreffen ist. Sogar die Randständigen rechts neben dem Bahnhofsausgang sind sauber gekämmt und die Bärte schimmern wie nach einer Pflegespülung.

Adrettes Grossbasel

Nun, «adrett» ist der Begriff, der den ersten Eindruck, den ich von diesem Teil Basels bekomme, am Besten umschreibt. Ich werde von einer Baslerin abgeholt, die sich bereit erklärt hat, mich ein wenig durch die Stadt zu führen. Zuerst will ich einen Kaffee. Der erste Kaffee sagt für mich vieles über eine Stadt aus. Ich werde aus dem Bahnhof in einen kleinen Park geführt. «zum ehemaligen «Totehüsli», das jetzt «Zum Kuss» heisst. Beides sehr vielversprechende Namen.

Der Park, die Elisabethenanlage, entpuppt sich als ein aufgewerteter Ort, an dem früher  Penner und Junkies rumgegammelten. Inzwischen sauber aufgeräumt und durch eine recht schöne Cafébar geschmückt. Witzig sind die Liegestühle, die auf eine kleine Wiese und den Weg ausgerichtet sind. Ich bestelle einen «Latte» mit zwei Espressi, worauf nachgefragt wird, ob ich einen Latte Macchiato meine. Das kenn ich ja schon aus Bern. Die Bedienung ist freundlich, aber ein wenig langsam, der Kaffee gut und bezahlbar. Nach Zürcher Verhältnissen. Ich kann sogar mein Handy an der Bar abgeben und aufladen lassen. Sehr freundlich. Und wir gehen weiter.

Atlantis ruiniert

Wir kommen am Atlantis vorbei, dass ich noch aus meiner Jugend zu kennen meinte. Aber vom alten Tis ist nichts mehr übrig. Das Lokal sieht aus, als ob zwei «Miami Vice»-Fans mit zuviel Geld ihren feuchten Traum eines 80er-Jahre-Clubs verwirklicht hätten – und das nicht in «Retro». Pfirsichfarbenes Neon, gemischt mit cremefarbenen Bezügen würgen jedes Geschmacksgefühl ab. Drin sitzen ein paar Expats, die sich in Englisch unterhalten, nebenan einige Leute, die sich im Kaufleuten vor 15 Jahren auch wohl gefühlt hätten. Schnell weiter.

Wir kommen am Restaurant «Brauner Mutz» vorbei, nach Aussagen meiner Basler Quellen, ein Aufenthaltsort des Basler Daigs. Ich werfe einen Blick hinein und finds eigentlich recht gemütlich. Eine alte Beiz mit viel dunkelm Holz auf der einen Seite, eine kleine Bar mit Yuppies auf der anderen. Die älteren Gäste der Beiz könnte man ohne weiteres auch in einer Altersheim-Cafeteria antreffen, wäre da nicht der teure Schmuck und die exquisiten Kleider.

Basler Daig

Ich erkundige mich nach dem Basler Daig (Teig, Knetmasse), der einflussreichen Klique der reichen Basler. Nun niemand wisse irgendwas Genaues, erklärt mir meine Führerin. Es ist nicht wie beim Zürcher «Who is Who», wo jährlich die 200 einflussreichsten Zürcher die 200 einflussreichsten Zürcher nominieren. Wer dazugehöre und wer nicht, habe mit Familienzugehörigkeit zu tun, aber reich sein alleine reiche nicht aus. Nicht alle aus der Familie gehören dann auch dazu (Nein, unser Stadtblogger Sarasin gehört NICHT zum Teig). Es sei so, dass der innere Kreis (Gigi Oeri und Gigi Oeri) schon bekannt sei, aber der Rest sei nicht so einfach zu definieren. Aber es helfe, wenn der Urgrossvater eine Bank oder eine Pharmafirma (was für ein schönes Wort) gegründet habe.

Weiter gehts. Meine Stadtführerin klärt mich auf, dass wir durch die Steinen über die Brücke nach «Chlaibasl», «Glaibasel» oder wie immer man das in korrekter Schreibweise wiedergibt,  gehen. Auf dem Weg seh ich ein Lokal, dass sich «Fumare Non Fumare» nennt und in mir die Sehnsucht nach einer Zigarette weckt. Wir gehen rein und ich stehe in einer Halle voller Nerds, Studenten und wahrscheinlich auch Mitarbeiter der Tageswoche-Redaktion eine Tür weiter. Die Dreitagebärte und die Wollmützen sind ähnlich intensiv gestreut wie in Zürich. Ich gehe durch die sehr schöne Halle runter zum Fumoir. Da wiederum versammeln sich vom Teenager bis zu den drei griechischen Opas alle, sehr gemütlich.

Grossbasel vs «Glaibasel» (oder wie man das schreibt …)

Mir fällt auf, dass die Trams (Drämmli) hier nach der gleichen Logik nummeriert sind, wie in Zürich. nach gar keiner. Es gibt einige Nummern, andere nicht. Wir gehen auf jedenfall weiter über die Brücke ins andere Basel.  Ein Zürcher Freund, der seit Jahren in Basel lebt, hat mir verraten, wie er sich schützt, wenn seine Basler Freunde wieder mal über Zürich lästern. Er macht einfach eine Bemerkung, wie viel besser Kleinbasel als Grossbasel sei, oder umgekehrt. Der Streit, der dann unter den Baslern losgeht, lasse sie sofort Zürich vergessen. Offenbar ist Kleinbasel sowas wie unser Kreis 4, während man Grossbasel mit dem Seefeld gleichsetzen könnte. Jedenfalls soweit ich das verstanden habe.

Die nächtliche Skyline über dem Rhein.

Die nächtliche Skyline über dem Rhein.

Ich werfe einen Blick über die Brücke zurück und sehe die Skyline Basels über dem nächtlichen Rhein. Und ehrlich, das hat schon was. Könnte man sich dran gewöhnen. Wir schlendern weiter am Rhein entlang, vorbei an den «Buvetten», alten Eisencontainer, die zu temporären Beizen umfunktioniert wurden. Ein wenig bedauere ich, dass ich nicht an einem Sommerabend vorbeigekommen bin. Hier scheints recht gemütlich zu sein. Aber das kann ich ja mal wiederholen. Wir gehen ein paar weitere Schritte bis zur Kaserne.

Diese wiederum wirkt mir sehr vertraut. Die Kaserne müsste man sich als grosse Gessneralle vorstellen, ungefähr dieselbe Klientel und auch ein Mix aus Kultur und gemütlicher Lebensfreude. Hierher könnte ich also jede Zürcher Grafikerin ausführen, ohne dass sie irritiert wär. Und so gehts gleich weiter.

Gemütlicher Ausklang

Vorbei am Gatto Nero, einem Café, das man gut auch am Idaplatz hätte ansiedeln können, gehts runter zum Hafen. Ich müsse mir unbedingt die Zwischennutzung des alten Hafens ansehen, haben mir alle Exilbasler ans Herz gelegt. Wir wandern eine Weile, offenbar gehts zu Fuss bis ins Dreiländereck (nächstes Mal nehm ich mein Velo mit), bis wir vor ein paar kleinen Holzhütten stehen, in denen eine kleine Bar eingerichtet ist. Pärchen und kleine Gruppen trinken Bier und blicken über den nächtlichen Rhein. Es kommt etwas Urlaubsstimmung auf. Die Hütten, so lasse ich mit sagen, seien die gleichen Favelas, wie die, welche die Polizei neben der Art Basel brutal und ohne Grund geräumt habe. Naja, für mich sehen sie weniger wie Favelas und mehr wie Marronistände aus, aber ich sag nichts. Ich sitze einfach friedlich da und lasse den Abend ausklingen.

Fazit: Basel ist auf jeden Fall einen weiteren Besuch wert, das kleine Geplänkel zwischen unseren Städten macht es eigentlich nur noch reizvoller. Ich habe noch nicht mal an der Oberfläche gekratzt und doch schon einige Orte und Atmosphären gefunden, an und in denen ich mich wohl, ja fast schon zuhause fühlte. Fussball war weder während der Vorbereitungen noch während des Aufenthaltes ein Thema, was mich beruhigt. Natürlich werde ich Basel während der (überall unterschwellig anwesenden) Fasnacht meiden. Aber eben, jede Stadt hat ihre Bürde zu tragen. Die Basler haben die Fasnacht, wir müssen uns mit der Street Parade auseinandersetzen. Für mich ist das in etwa das Gleiche.