Beiträge mit dem Schlagwort ‘Satire’

Kinder sind böse

Réda El Arbi am Dienstag den 20. Juni 2017
«Herr der Fliegen» erscheint mir ein realistisches Szenario.

«Herr der Fliegen» erscheint mir ein realistisches Szenario.

«Fette Sau, fette Sau, fette Sau», zieht sich als Singsang durch das Zugabteil. Abgesondert von drei Kindern, die damit ein viertes plagen. Ich hab nicht viel Erfahrung mit Kindern, aber an diesem Punkt wär ich für Kopfnüsse. Ja, brachial, höchst unpädagogisch, altertümlich und was weiss ich. Ich habs ja auch unterlassen und stattdessen in meiner Hundekommando-Stimme ein «Fertig jetzt!» ins Zugabteil geschossen. Es hat gewirkt.

Es ist Schulreisezeit. Man sieht wieder viele dieser kleinen Menschen unterwegs und man fragt sich, wie es die Menschheit überhaupt aus den Höhlen in eine Zivilisation geschafft hat, wenn man betrachtet, wie sozial der Nachwuchs ist. Es scheint, als ob jeder kurze Mensch in seiner Kindheit die ganzen Entwicklungsstufen vom Tier über den Höhlenmenschen bis zum mittelalterlichen Barbaren nochmals durchleben müsste.

Es gab mal den Grönemeyer-Song «Kinder an die Macht», den damals alle mitgegrölt haben, ohne sich bewusst zu sein, was das bedeutet. Wenn Kinder an der Macht wären, hätten wir nicht den Weltfrieden, sondern würden unter dem blutigen, diktatorischen Joch einer eingebildeten, präpubertären Cheerleaderin in Sklavenarbeit rosa Blümchen in Freundschaftsbücher kleben.

Kinder sind böse. Natürlich nicht alle. Aber diejenigen, die nicht böse sind, sind diejenigen, die von den Bösen malträtiert werden. Sie werden später im Leben, irgendwo im mittleren Management, all die erlittene Schmach an ihren Untergebenen auslassen.

Und nicht die brutalen Bullys sind die gemeinsten. Es sind die kleinen Manipulatoren, die Hinterfotzigen, diejenigen, die nie erwischt werden und meist auch noch gute Noten schreiben. Ihr kennt sie. Ihr könntet aus dem Stegreif einen Namen aus eurer eigenen Schulzeit zuordnen.

Aber man soll ja nicht so pessimistisch sein, denke ich mir beim Anblick der bösartigen kleinen Kreaturen, die sich gegenseitig das Sandwich aus der Hand schlagen und (absichtlich) klebrige Limonade über die Schuhe giessen. Die sich zwicken und hintenrum an den Haaren reissen, die, sobald eine Aufsichtsperson auftaucht, besser Anstand heucheln als Karl Dingsda vor dem Bewährungsausschuss.

Vielleicht ist das ja nur eine Phase, und die Kinder werden von den ihren liebenden und fürsorglichen Eltern noch liebevoll auf den richtigen Pfad gebracht. Dieser Gedanke tröstete mich bis zur Endstation.

Da durfte ich sehen, von welchen Eltern welche Kinder in Empfang genommen wurden.

Himmel, wir sind verloren! Die Menschheit ist am Ende.

Velostrassen für Weicheier

Réda El Arbi am Mittwoch den 10. August 2016
Lasst sie nur kommen!

Lasst sie nur kommen!

Ein paar von diesen linksgrünen Kuschelpolitikern wollen in der Stadt eine Art  Schutzgebiet für Velofahrer einrichten. Strassen, in denen Velofahrer besonders geschützt sind und natürlich diese sogenannten Velowege. Und natürlich haben die Autolobby und die Benzinjunkies gleich aufgeheult. Und ich als Hardcore-Biker bin für einmal völlig ihrer Meinung.

Ich meine, wo bleibt denn da der Spass? Nur schon an den Kreuzungen. Wo soll ich mich abstützen, während ich mit einer Hand meinen Soundtrack für die Kopfhörer auf dem Handy programmiere, wenn da keine BMWs neben mir halten? Soll ich auf den Anblick der unsicheren Gesichter verzichten, wenn die Autofahrer neben mir nicht wissen, in welche Richtung ich mein Velo losschiessen lasse, kurz bevor es grün wird? In welchen Rückspiegeln soll ich denn meine coole Frisur überprüfen, wenn die Autos nicht mehr in meine Nähe kommen? Es macht einfach keinen Spass, wenn man nicht zwischen den stehenden Autos hindurch Abkürzungen nehmen und den frustrierten Pendlern in ihren Blechkisten den Finger zeigen kann.

Aber selbst wenn ich kaum je an einer Kreuzung halte, sondern  immer bei Rot zwischen dem Verkehr hindurchbrettere, wäre der Verlust vom Anblick von roten Köpfen nahe an einem Herzinfarkt eine herbe Einbusse in meiner Lebensqualität. Auch würde ich das vergnügliche  Slalomfahren zwischen betagten Fussgängern auf dem Trottoir ausserordentlich vermissen. Das knappe Bremsen mit quietschendem Gummistrich, um Kinderwagen in der Fussgängerzone auszuweichen, hat mir schon ein paar Mal den Tag versüsst.

«Die Velostrassen und die Velowege sind zum Schutz der Velofahrer da!», meinen dann diese Weicheier. Ich bin kein Opfer! Ich habe extra Fahrradschuhe. Ähnlich wie Fussballschuhe, einfach mit den Nägeln an der Seite, um all die Autos abzuwehren, die mir wirklich zu nahe kommen.  Auf meinem Bike klebt ein Sticker mit «Ride to Kill!» und daheim hab ich eine Sammlung toter Rückspiegel, die ich in vollem Gallopp erbeutet habe. Ein paar Mercedessterne von früher sind auch dabei, und ein ganzer Wald kleiner Gummiantennen. Ich muss mir auch keine rechtlichen Sorgen machen. Kommt mir so eine Blechbüchse zu nahe, leg ich mich einfach mit dem Rad hin und verklage den Autofahrer wegen Nichtbeherrschens des Fahrzeugs. Ich bekomme immer Recht. Weil ich David bin und der Benziner Goliath. Und wie wir alle wissen, hat David gewonnen.

Es ist ein Dschungel da draussen und nur die Fittesten überleben. Ich bin gerüstet. Jetzt Schutzzonen da draussen einzurichten, verfälscht die Kräfteverhältnisse. Wir Biker müssen uns nicht ducken, wir müssen aufrüsten und noch härter zuschlagen, wir müssen uns zusammenrotten und die Strassen zurückerobern. Bis die Autofahrer freiwillig den Städten fernbleiben. «Kein Radbreit den Automobilisten!» schreie ich da und stürze mich in den Verkehr!

Oder vielleicht doch lieber bessere Velowege und einige Velostrassen? Was meint ihr,  liebe Automobilisten?

Führerschein für Politik

Réda El Arbi am Dienstag den 19. April 2016
Lässt mit seiner Aussagen über Juden und DSI-Befürworter einen Realitätsverlust vermuten.

Lässt mit seiner Aussagen über Juden und DSI-Befürworter einen Realitätsverlust vermuten.

Ab einem gewissen Alter muss man nochmals eine Prüfung ablegen, wenn man weiter ein Auto fahren will. Bei Einnahme von gewissen Medikamenten ist es sogar verboten, sich hinters Steuer zu setzen. Alt Bundesrats Christoph Blochers Aussage vom Wochenende – die DSI-Befürworter und die SVP seien von den Medien behandelt worden wie die Juden im 3. Reich – haben in mir wieder mal die Frage aufkommen lassen, warum es keinen Führerschein für Politik gibt.

Der Realitätsverlust einer solchen Aussage des SVP-Parteidogen von Herrliberg müsste doch wenigstens ein paar Alarmleuchten bei Ärzten aufblinken lassen. Aber es ist nicht nur dieses Beispiel. Ich kenne persönlich Parlamentarier verschiedener Parteien, die ihren Job unter Psychopharmaka machen. Man dürfte damit kein Fahrzeug führen, aber offenbar ist es kein Problem, unter dem Einfluss von starken Medikamenten oder mit einer unausbalancierten Gehirnchemie die Geschicke eines Landes mitzulenken.

Behandelte und unbehandelte psychische Schwierigkeiten sind ein Tabu in der Schweizer Politik. Sie gelten als «Privatsache». Viele der Politiker nehmen Medikamente, um besser schlafen zu können, um dem Stress gerecht zu werden, und eben (mir persönlich bekannt) um ihre Borderline-Störung oder ihre Depression in Schach zu halten. Die meisten Politiker leiden berufsbedingt schon unter einer narzisstischen Störung (ich erkenn das, ich leide selbst darunter).

Auch offensichtlicher Alkoholismus gehört zu den psychischen Schwierigkeiten, die bei Politikern sogar noch häufiger anzutreffen sind als in der Durchschnittsbevölkerung. Man muss dazu nur mal während einer Session spätabends in Berner Beizen unterwegs sein, oder in einer Stadt nach Wahl die Politiker nach der Sitzung noch ein paar Stunden begleiten. Wenn ein Elternteil als Alkoholiker erkannt wird, dauert es meist nicht lang, bis die KESB eingreift. Bei der Fürsorge für ein ganzes Land sind wir nachlässiger.

Eigentlich müsste jeder Politiker nach der Wahl erst mal von einem Arzt und einem Psychiater untersucht werden, um seine geistige Stabilität und seinen Zugang zur Realität zu überprüfen. Danach wäre eine kurze Befragung durch einen Historiker und einen Staatsrechtler vonnöten, um seine Eignung für seinen Beruf nachzuweisen. Dieser Check würde dann bei jeder Wiederwahl wiederholt und mit einem Stempel im «politischen Führerschein» bestätigt.

Natürlich würden die meisten Politiker den Test bestehen, aber diejenigen mit echtem Verlust des Realitätssinns würden so davon abgehalten, unser Land, unsere Städte oder unsere Gemeinden gegen die Wand zu fahren. Und man könnte sie vor sich selbst schützen. Und natürlich dürften sie sich dem Amt stellen, wenn sie sich in Therapie begäben und ihre Medikamente regelmässig nähmen. Die Medizin ist inzwischen weit fortgeschritten, was die Behandlung von Demenz und psychischen Unausgeglichenheiten angeht.

Klar müssten auch einige Medienverantwortliche diese Prüfung über sich ergehen lassen. Denn eine Aussage wie die Blochers unhinterfragt und unkommentiert ins Land hinauszulassen, zeugt meiner Meinung nach auch von Schwierigkeiten mit der Wahrnehmung der Realität.

Tipps für Flüchtlinge an der Street Parade

Réda El Arbi am Donnerstag den 14. Januar 2016
Wir helfen Flüchtlingen, unsere kulturellen Werte etwas besser zu verstehen: Street Parade

Wir helfen Flüchtlingen, unsere kulturellen Werte etwas besser zu verstehen: Street Parade

Luzern erarbeitet gerade für Flüchtlinge ein Merkblatt für sittliches Verhalten an der Luzerner Fasnacht. Natürlich wollen wir in Zürich dem in Nichts nachstehen. Da wir aber keine Fasnacht haben, werden wir den kulturfremden Flüchtlingen erklären, wie sie sich an der Street Parade zu verhalten haben. Das ist schliesslich auch nicht ganz einfach für Menschen aus einem weniger weltoffenen Kulturkreis, nicht? Hier die 8 wichtigsten Punkte:

Diskretion

Anstarren nur für Einheimische.

Anstarren nur für Einheimische.

Sie werden sehr viele Leute sehen, die wenig oder gar nichts anhaben. Nehmen Sie das nicht als eine Einladung, lange hinzustarren. Diese Leute wollen sich zwar zeigen, aber nicht Ihnen. Das Anstarren und Ansabbern ist nur Einheimischen und den Gästen aus dem umliegenden Europa erlaubt. Die wissen naturgemäss, wie man sich in solchen Situationen verhält und haben sich durch ihr Konsumverhalten das Recht dazu erkauft.

Konversation

Sollten Sie die Einheimischen bei ihren rituellen Gesprächen ( «Yo ey, geili Titte!» oder «Mann, dich würd i abschläcke bis nass bisch!») beobachten, versuchen Sie nicht, diese zu imitieren. Die gleichen Worte könnten zu Verwirrung führen, wenn sie nicht in einem der gängigen europäischen Dialekte ausgesprochen werden. Die Reaktion darauf könnte anders ausfallen, als Sie erwarten, und Sie könnten sich schnell in Polizeigewahrsam wiederfinden. Konversationen dieser Art sind nur Einheimischen und den Gästen aus dem umliegenden Europa erlaubt. Die wissen naturgemäss, wie man sich in solchen Situationen verhält und haben sich durch ihr Konsumverhalten das Recht dazu erkauft.

Alkohol und Drogen

Bitte zurückhaltend im Umgang mit Alkohol und Drogen.

Bitte zurückhaltend im Umgang mit Alkohol und Drogen.

Sollten ihrer Kultur die europäischen Grundwerte Alkohol und Drogen fremd sein, können Sie sich an diesem Anlass damit vertieft bekannt machen. Kosten Sie möglichst alles, aber kaufen Sie nur von einheimischen Anbietern. Und verkaufen Sie um Himmels Willen nichts weiter! Ausländer und Drogenhandel sind in der Schweiz ein heikles Thema!   Schauen Sie auch, dass Sie sich auch weiterhin beherrschen können. Die Feiernden fühlen sich durch alkoholisierte oder zugedröhnte Flüchtlinge schnell bedroht. Das Herumtorkeln ist nur Einheimischen und den Gästen aus dem umliegenden Europa erlaubt. Die wissen naturgemäss, wie man sich in solchen Situationen verhält und haben sich durch ihr Konsumverhalten das Recht dazu erkauft.

Kleidung und Auftreten

Sie werden viele Menschen sehen, die ihre sonnengebräunte Haut zeigen. Verwechseln Sie diesen Farbton nicht mit ihrer eigenen, der Ethnie geschuldeten Hautfarbe. Da die Menschen oft hart für ihre Sonnenbräune arbeiten mussten, ist es den Einheimischen unangenehm, wenn Sie ihren gratis erhaltenen, dunklen Teint zeigen. Halten Sie sich an Ihre eigene Kultur und tragen Sie eine Burka, so ist Ihnen das Mitleid der Einheimischen sicher. Das Zeigen von Haut ist nur Einheimischen und den Gästen aus dem umliegenden Europa erlaubt. Die wissen naturgemäss, wie man sich in solchen Situationen verhält und haben sich durch ihr Konsumverhalten das Recht dazu erkauft.

Die ruheplätze sind den Gästen mit europäischen Kulturhintergrund vorbehalten.

Die Ruheplätze sind den Gästen mit europäischem Kulturhintergrund vorbehalten.

Entspannen

Legen Sie sich nicht einfach irgendwo auf die Wiese. Das könnte bei Ihrer Herkunft als Landstreicherei oder «Herumgammeln» interpretiert werden. Wiesen, Strassenecken und Verkehrsinseln sind für diejenigen Raver reserviert, die sich vom harten Feiern und vom Drogenkonsum (Siehe Tipp 3) erholen müssen. Das Herumgammeln auf freien Flächen ist nur Einheimischen und den Gästen aus dem umliegenden Europa erlaubt. Die wissen naturgemäss, wie man sich in solchen Situationen verhält und haben sich durch ihr Konsumverhalten das Recht dazu erkauft.

Hilfe leisten

Sollten Sie sich Sorgen machen, wenn Sie bei einem der ruhenden Feiernden keine Atmung mehr wahrnehmen können, halten Sie sich trotzdem von ihm/ihr fern! Hilfeleistung an bewusstlosen Halbnackten könnte sehr schnell falsch verstanden werden – und Sie könnten sich schnell in Polizeigewahrsam oder einem Hospital wiederfinden. Treten Sie drei Schritte zurück und rufen Sie nach der nächsten Bürgerwehr. Die haben sich der Hilfeleistung verpflichtet und sollten das Problem schnellstens lösen können. PS: Einheimische und Gäste aus dem umliegenden Europa sind meist zu stark mit Feiern beschäftigt, um Hilfe leisten zu können.

Tanzen

Der Sinn der Street Parade ist es, in einer riesigen Menschenmenge zu tanzen. Wir raten Ihnen jedoch davon ab. Sollten Sie trotzdem aus irgendeinem Grund in die tanzende Menge geraten, nehmen Sie beide Hände über den Kopf und verschränken Sie die Beine. Körperkontakt mit Ihnen könnte von den Anwesenden falsch verstanden werden und Sie könnten sich schnell in Polizeigewahrsam wiederfinden. Körperkontakt ist nur Einheimischen und den Gästen aus dem umliegenden Europa erlaubt. Die wissen naturgemäss, wie man sich in solchen Situationen verhält und haben sich durch ihr Konsumverhalten das Recht dazu erkauft.

Sanitäre Einrichtungen

Sie könnten beim Besuch der Street Parade auf den Gedanken kommen, dass Strassenecken und Hauseingänge in unserer Kultur Synonym für «Toiletten» sind. Das ist nicht so. Bitte vermeiden Sie es, sich den Gepflogenheiten anzupassen und Ihr Geschäft auf der Strasse zu verrichten. Solch eine Geste der Integration könnte von den Anwesenden falsch verstanden werden und Sie könnten sich schnell in Polizeigewahrsam wiederfinden. Sich öffentlich zu erleichtern  ist nur Einheimischen und den Gästen aus dem umliegenden Europa erlaubt. Die wissen naturgemäss, wie man sich in solchen Situationen verhält und haben sich durch ihr Konsumverhalten das Recht dazu erkauft.

So, solange Sie sich an unsere Sittlichkeitstipps halten, sollten Sie an der Street Parade nicht in Schwierigkeiten kommen. Viel Spass bei unserem Stadtfest!

US-Rapper Necro misshandelt!

Réda El Arbi am Freitag den 4. Dezember 2015
Mit diesem Bild auf seinem Facebook-Profil will rapper Necro gegen die Zürcher Haftbedingungen protestieren.

Mit diesem Bild auf seinem Facebook-Profil will Rapper Necro gegen die Zürcher Haftbedingungen protestieren.

Der knallharte US-Death-Rapper Necro, der am Wochenende in einem Zürcher Club eine Schlägerei anfing und ein paar Besucher verletzte, wurde für ganze 100 Stunden (nicht Tage) in eine Zelle gesteckt, bevor die Polizei ihn nach Hause schickte. Der arme Bub ist davon nun so traumatisiert, dass er noch immer nicht mit dem Weinen aufhören kann. Er will einen Song (oder ein Buch?) über seine grauenhafte Zeit im Zürcher Gefängnis schreiben.

Wir vom Stadtblog sind unseren Insiderquellen bei der Zürcher Polizei nachgegangen und haben das Martyrium des Rappers nachgezeichnet.

Anonyme Quelle 1: «Die Kollegen waren knallhart. Nachdem Polizeiaspirantin Susi F. die Bande verhaftet hatte, wurde Necro brutal von seinen Gschpänli getrennt. In einer Einzelzelle ohne Internetanschluss wurde er isoliert. Und obwohl er seit seinem Auftritt nichts mehr gegessen hatte, musste er «ohni Znacht is Bett». Eine perfide Hungerfolter, die nach Schweizer Recht nur ganz bösen Buben vorbehalten ist.»

Anonyme Quelle 2: «Er leistete lange Widerstand, das muss man zugeben. Er beschimpfte die Beamten, obwohl sie in Überzahl waren, bis sie  ihm mit «Swiss Waterboarding» drohten: Wenn er weiter so unanständige Ausdrücke benutzen würde, wollten sie ihm den Mund mit Seife auswaschen.»

Anonyme Quelle 1: «Er wollte lange nicht gestehen. Die Beamten dachten, sie müssten zu härteren Mitteln greifen. Um 1.35 Uhr gingen sie zu dritt in seine Zelle und nahmen ihm sowohl seinen Teddybär wie auch sein Snoopy-Nachtlicht weg. Aber Necro blieb hart, auch wenn man ihm ansah, dass ihm die Tränen zuvorderst standen. Im Hintergrund liessen sich die Beamten von einer Frau in Zivil beraten. Wir vermuten, dass es sich um eine Kleinkinderzieherin des Bundesnachrichtendienstes handelte.»

Anonyme Quelle 2: «Morgens kriegte er dann richtiges Frühstück, von der neuen Schicht. Sie wissen schon, dieses ‘Guter Bulle, böser Bulle’-Spiel. Nachdem er sich wieder etwas gefasst hatte, schlugen sie aber gleich nochmals zu: Anstatt, wie angekündigt, Burger mit Erbsli und Rüebli, brachten sie ihm Spinat zum Zmittag. Mit völlig aufgeweichten Fischstäbli. Da gestand er alles. Aber ehrlich, an diesem Punkt hätte er seine Grossmutter verraten, nur um den grauenerregenden Haftbedingungen zu entkommen. Aber er war noch nicht frei! Zuerst musste er nochmals zwei Nächte in den Zürcher Folterzellen verbringen und eine Busse von 1000 Franken bezahlen, bevor ihn die Beamten an den Flughafen fuhren und in ein Flugzeug setzten.

Wir vom Stadtblog sind zutiefst betroffen. Solche Zustände führen dazu, dass gewalttätige Rapper mit Machokomplex nicht mehr bei uns auftreten wollen!

Hoffentlich.

Und weils grad so passt:

Sack zu, Fifa weg.

Réda El Arbi am Donnerstag den 3. Dezember 2015
Nein, das ist nicht Sepp Blatter, das ist der Fifa-Schutzheilige Al Capone.

Nein, das ist nicht Sepp Blatter, das ist der Fifa-Schutzheilige Al Capone.

Bei den Fifa-Verhaftungen sieht man wieder mal, wie unkoordiniert die Behörden vorgehen. Es hätte sich vom Aufwand her gelohnt, bei der letzten Fifa-Versammlung einfach eine Mauer um den Haupstitz zu machen und es als Gefängnis zu beschriften. Natürlich nachdem man die Mitarbeiter rausgelassen hätte, die weniger als 100 000 Franken im Jahr verdienen. Also die Empfangsdame, der Hauswart und die Typen, die die Post im Haus verteilen. Jetzt muss das Personal des Baur au Lac jedes Mal die Teppiche reinigen, nachdem die Polizisten für eine Razzia reingetrampelt sind.

Natürlich sind noch viele Fifa-Offizielle, Consiglieri und Lieutenants auf der Welt verteilt, die es zu fassen gilt. Aber auch das wäre keine Problem, wenn man richtig aufräumen will. Es würde reichen, einen Eimer voll Bargeld auf ein Fussballfeld zu stellen und nach zehn Minuten ein Netz darüber zu werfen.

Es ist schon erstaunlich, dass der grösste Zürcher Kriminalfall des neuen Jahrtausends nicht unter der Führung Zürcher Behörden, oder wenigstens der Schweizer Behörden, über die Bühne geht. Es ist so, dass immer zuerst die US-Behörden zuschlagen, worauf die Bundesanwaltschaft meint «Ah, lueg au da! Jesses Gott. Korruption! Aber nei au!» und auch noch ein paar Fragen stellt.

Natürlich ist das nicht der Vetterliwirtschaft geschuldet, sondern  einfach der Tatsache, dass in Zürich Verbrecher, die mehr als eine Million verschieben, als wichtige Wirtschaftsfaktoren gelten. So fallen sie einfach aus dem Fokus der Strafverfolgungsbehörden. Also Leute wie Fifa-Offizielle, Vertraute von Diktatoren, Bankiers von Unterdrückungsregimen und generell Verbrecher mit einflussreichen Freunden.

Und bei der Fifa war ja kein Anfangsverdacht da. Niemals. Nie! Die WM in Katar durchzuführen war so überaus logisch, dass niemand auf die Idee hätte kommen können, dass es da vielleicht nicht mit rechten Dingen zuging. Auch wenn man die bereits bekannten Korruptionsfälle berücksichtigte. Ehrlich! Aber da offenbar JEDER Offizielle der Fifa plus ihre Cousinen und Grossmütter irgendwie mit im Korruptionssumpf steckten, überrascht es dann doch ein wenig, dass niemals niemand nichts davon gehört hat.

Nun haben wir aber noch ein anderes kleines Problem: Die Fifa baut gerade für Millionen eine Museum in der Stadt. Es ist nicht wahrscheinlich, dass das Museum in der Zeit nach der Eröffnung gleich auf viele Besucher hoffen kann. Aber das wird sicher in den nächsten 20 Jahren mit dem Fifa-Tourismus kommen. Chicago hat ja schliesslich auch ein Al Capone-Museum.

Hassliebe Street-Parade

Réda El Arbi am Sonntag den 30. August 2015
Die alte Liebe ist tot, und lässt sich auch mit viel Alkohol nicht wiederbeleben.

Die alte Liebe ist tot, und lässt sich auch mit viel Alkohol nicht wiederbeleben.

Natürlich hassen alle, die von sich behaupten, «echte Stadtzürcher» zu sein, die Street-Parade. Sie jammern über die vielen Leute (zu Recht), behaupten von sich, dass sie an diesem Wochenende in die Berge fliehen, was – zum Glück für die Bündner und andere Fans der Zürcher – meist gelo​gen ist. Sie bemängeln die Qualität der DJs, oft, oh​ne deren Namen zu kennen. «Street-Parade ist böse» gilt als anerkanntes Hipster​-Mantra rund um die Langstras​se.

Zäh​neknirschend organisieren die Zürcher Clubs ihre Street-Parade-Specials und stecken verschämt die zusätzlichen Einnahmen dieses Wochenendes ein. Es gibt alternative Anlässe, die dem urbanen Zürcher das Gefühl geben sollen, man sei dann doch irgend​ wie anders als die anderen. Man definiert sich über die Street-Parade, so wie sich die Satanisten über die Bibel definieren.

Und witzigerweise gehen viele meiner Freunde dann doch, inkognito. Schleichen sich quasi mit bedecktem Gesicht durch die Massen und wippen ekstatisch hinter einem Baum mit dem Fuss. Trifft man sie dann an, führts zu einer peinlichen Sekunde, bevor jeder seine Entschuldigung («Ich musste eh grad quer durch die Innenstadt zum Metzger» oder «Ich zeig grad meinen Be​kannten, was wir in Zürich je​ des Jahr über uns ergehen lassen müssen») hervorbringt. Man glaubt sich und versichert sich nochmals nachdrücklich gegenseitig, dass man die Parade hasst.

Das war nicht immer so. Früher haben alle heutigen Nörgler die Street-Parade geliebt. Früher war eben alles besser. Natürlich war jeder bei der ersten Street-Para​de mit dabei. Wenn damals, am 5. September 1992, wirklich jeder um die zwei klapprigen Love-Mobiles getanzt wäre, der das von sich behauptet, wären schon damals eher 20 000 als 2000 Leute dabei gewesen.

Aber meine Generation, die Ü-40, ist sich sicher, dass der Pioniergroove, der damals herrschte, den eigentlichen Wert ausmachte, und nicht etwa das überteuerte MDMA in kleinen Kapseln mit Sonnen oder Monden drauf (das sich übrigens nach einer exzessiven und euphorischen Nacht laut einer befreundeten Apothekerin als Hustenmedikament entpuppte). Es waren auch nicht unsere eigenen Hormone, unsere eigene Selbstverliebtheit, die diesen Anlass zu einem Meilenstein in unserer individuellen Geschichte machten. Es war «die Zeit damals». Ehrenwort! Nun sind wir älter, und der Grossanlass bietet uns nicht mehr die emotionale Grösse, mit der er vor 20 Jahren unsere wach​senden Persönlichkeiten ausfüllte.

Aber eben, man schönt die ei​gene Jugend. Auch Zürcher, die erst in ihren späten Zwanzigern sind, behaupten, dass die Parade 2003 noch viel mehr «Spirit» hatte. Und wahrscheinlich wer​den die 18-Jährigen, die dieses Jahr teilnehmen, in zehn Jahren schwören, dass es 2015 noch viel spezieller war.

Es hilft, den eigenen Mythos zu erhalten, wenn man sich von der augenblicklichen Street-Para​de distanziert. Das kann man daran erkennen, dass es gerade die alten Raver und die Club-Hipster sind, die sich am klarsten vom Massenanlass abgrenzen. Weil es schmerzt, wenn sich die eigene Jugend nicht festhalten lässt und aus dem Persönlichen plötzlich «Mainstream» wird.

Überhaupt, der Pöbel spricht ja noch immer vom grössten «Techno»-Anlass (die Anführungszeichen sind beim verächtlichen Aussprechen mit den Fingern in die Luft zu malen), während die Kenner und Connaisseure von «EDM» sprechen, elektronischer Tanzmusik. Da zeigt sich der Unterschied zwischen Nightlife-Fachkräften und den Frisösen aus Süddeutschland, die sich in Bikinis auf erdölvernichtenden Riesenlastern um das Seebecken karren lassen.

Pfui.

Man feiert dieses Wochenende im engeren Kreis, also mit den gleichen 150 Leuten, die man so​ wie​ so schon jedes Wochenende im Halbdunkel der Clubs erahnen kann. Nicht, dass man morgens um Vier dann noch einen Unter​schied zwischen den beiden Arten von Feiernden ausmachen könnte. Beide sind hackedicht, und dass die einen das Dreifache für Drinks und Drogen bezahlt haben, ist nicht mehr zu erkennen.

Es ist nicht ein Unterschied der Qualität, sondern ein Unterschied des Intervalls. Während sich die einen ein ganzes Jahr zurückhalten und dann im August zwei Tage die Sau rauslassen, schwingen die anderen in einer kürzeren Frequenz, jubeln nach je​der harten Arbeitswoche «Thank God It’s Friday» und versinken dann bis Sonntagmorgen in einer elektronisch untermalten Halbwelt.

Irgend​ wie entbehrt es auch nicht einer gewissen Ironie, dass die Clubbetreiber, die ihre Nase über die Street-Parade rümpfen, nun selbst von ihren Nachbarn als «Ballermann-Partyveranstalter» kritisiert werden, weil ihre Gäste sich jedes Wochenende wie an einer endlosen Street-Parade verhalten.

Mit der Street-Parade verhält es sich ein wenig wie mit einer Ex-Freundin: Man hatte Spass mit ihr, man hat sich getrennt, und eine Weile erträgt man es nicht, wenn Neue sich an ihr erfreuen. Inzwischen ist sie älter, hat etwas zu​ genommen und wirkt in den Klamotten aus ihrer Jugend etwas vulgär. Man gönnt ihr den Spass, will aber nicht unbedingt am Strassenrand stehen und dabei zuschauen. Man wird schmerzlich daran erinnert, dass die eigene Beziehung zu ihr in eine andere Lebenszeit gehört. Oder man führt sich so peinlich auf, als ob keine Zeit vergangen wäre, und versucht, sie nochmals ins Bett zu kriegen.

Und ich? Ich mag die Street-Parade nicht. Es ist einfach nicht mehr wie früher. Aber ich mag auch die heutigen Clubs nicht, weil damals, in den illegalen Bars der 90er, war doch alles noch viel …

(Der Originaltext erschien am 30. August in der Sonntagszeitung)

«Wir reformieren kurz, Bischof Huonder!»

Réda El Arbi am Montag den 3. August 2015
Bischof Huonder will Gott erklären, dass er bei der Erschaffung von Homosexuellen einen Fehler machte.

Bischof Huonder will Gott erklären, dass er bei der Erschaffung von Homosexuellen einen Fehler machte.

Jetzt reichts. Diesmal ging der Hirte des Bistums Chur, Bischof Huonder, eindeutig zu weit. Ich bin eigentlich Katholik. Ja, das würde man bei meinem Namen nicht denken. Aber es ist nun mal so, auch wenn ich den Glauben gegen eine anständige, humanistische Bildung und etwas Lifestyle-Buddhismus eingetauscht habe, gehöre ich wohl durch meine Taufe noch immer irgendwie in den Schoss der alleinseligmachenden, römisch-katholischen Kirche. Ich war schliesslich mal Ministrant.

Bis jetzt. Jetzt ist es an der Zeit, eine neue Reformation auszurufen, ein neues Kirchenschisma voranzutreiben. Keine Angst, liebe Katholiken! Ich will die paar Gläubigen nicht vom Papst wegführen. Ich will nur Zürich vom Bistum Chur befreien. Also eigentlich nur vom Bischof.

Bischof Huonder von Chur hat sich entblödet, an einer Tagung auf die von der Bibel geforderte Todesstrafe für Homosexuelle zu verweisen. Nicht, dass er das eigenhändig machen will. Auch nicht, dass er irgendwen dazu auffordert. Aber dass es nach seinem Glaubensverständnis eigentlich richtig wäre. Daraus zieht er seine Morallehre und seine Kirchenpolitik.

Nun, das wars. Ich hab mich vorbereitet, meine 100 Thesen zum Bischof aufzustellen und sie an einem Sonntagmorgen vor der Messe mutig an das Brett vor Bischof Huonders Kopf zu nageln. Leider sind trotz aller Meinungsfreiheit nur drei dieser Thesen jugendfrei und hier wiederholbar:

These 1: Was läuft bei dir, Mann? XXXXX!

These 46: Nächstenliebe ist nicht nur heuchlerisches Gefasel.

These 73: Religion ist keine Entschuldigung für homophobe Hetze, oder Hetze irgendeiner Art.

Also muss ich darauf vertrauen, dass die Katholiken, die ich kenne (allesamt weltoffene, aufgeschlossene Menschen, die «Nächstenliebe» als oberstes Gebot verstehen), sich auch ohne meine expliziten Thesen von ihrem Hirten abwenden.

Ich dachte mir das so: Wir unterstellen die Katholiken im Bistum Chur direkt dem Papst. Um den Bischof für den Verlust zu trösten, schenken wir ihm das ICF und die anderen evangelikalen Freikirchen, die von ihrer Sexualmoral und ihrem Bibelverständnis her nahe beim Bischof sind. Er kriegt die Eventhalle Sihlcity, wir kriegen das Kloster Einsiedeln mit seinen weltoffenen und aufgeschlossenen Mönchen.

Sollte er sich mit dem nicht einverstanden erklären, bleibt wirklich nur der Austritt oder eine neue Reformation. Obwohl ich denke, der Austritt würde bei der katholischen Kirche mehr bewirken.

Wenn nämlich Hounders Chefs mal wieder ihre Schäfchen zählen, und feststellen, dass in den Alpen unglaublich viele verschwunden sind, muss der Hirte des Herrn wohl ein paar unangenehme Fragen beantworten. Abwesende Schäfchen zahlen nämlich nichts. Unzufriedene schon.

BTW: Offenbar hat Gott, als er gerade an der Evolution herumbastelte, durchaus homosexuelle Konzepte eingearbeitet. Wie sonst wäre bei nachweislich über 1500 Tierarten homosexuelles Verhalten dokumentiert? Aber vielleicht weiss Gott ja nicht, dass er sich an die Bibel hätte halten müssen. Bischof Huonder wird ihm seinen Fehler schon klar machen.

Die Rütli-Verschwörung

Réda El Arbi am Samstag den 1. August 2015
Überlebte den Selbstmordanschlag: Wilhelm Tell

Überlebte den Selbstmordanschlag: Wilhelm Tell.

Heute ist der richtige Tag, um einmal zu erklären, woher unsere Traditionen, unsere Armee und unser Eigensinn kommen.

Zu Beginn unserer Geschichte, also bis vor cirka 800 Jahren, waren wir Schweizer nichts anderes als drei Bauern, die friedlich ihren Weizen anbauten (Kartoffeln und Mais kamen erst nach der Entdeckung Amerikas). Ganz so friedlich war das aber eben leider nicht. Schon die Römer, die Germanen, die Gallier, einfach alle, stampften auf dem Weg zu ihren Schlachten quer über unsere Felder und trampelten unsere Ernte nieder. Wer schon mal einem Schweizer Bauern ins Feld gestapft ist, weiss, dass wir das nicht so mögen (Huere Siech, du Pfiifechopf, verreis us mim Chorn!!! Du Tubel!).

Die drei Bauern bissen die Zähne zusammen und liessen es über sich ergehen. Bis die Habsburger kamen (die waren sowas wie die damalige EU). Die Habsburger bewegten sich wie fremde Fürsten in unserem Land UND sie verlangten auch noch Steuern dafür, dass sie unsere Felder niedertrampelten.

Das war dann genug für die Urschweizer. So nicht. Erstens mögen wirs nicht, wenn uns irgendwer Vorschriften macht (schon gar nicht die Österreicher, tz) und zweitens verstehen wir überhaupt keinen Spass, wenns ums Geld geht.

Also trafen sich die drei Bauern auf dem Rütli, schlürften Mehlsuppe und überlegten sich, was da zu machen sei. So konnte es schliesslich nicht weitergehen, man musste etwas gegen die Habsburger tun. Der Eine wollte gleich alle Brunnen der Österreicher vergiften. Der Andere schlug vor, man könne den Franzosen sagen, dass die Habsburger behaupten, alle Franzmänner seien schwul. Das würde die homophoben Franzosen dazu bringen, die Habsburger niederzumachen. Natürlich, nachdem sie quer über die Schweizer Felder marschiert waren. Aber jänu.

Der Dritte, der Cleverste von den Dreien (ein Zürcher), hatte aber die Vorstellung von einer chirurgischen, geheimdienstlichen Aktion. Er wollte den Vogt der Habsburger mit einem gezielten Anschlag aus dem Weg räumen. Es sollte ein Einzeltäter sein, der beim Anschlag ums Leben kam, so dass man die Schuld auf die Franzmänner oder die Italiener schieben konnte. Das sollte den Schweizern dann erst mal Ruhe verschaffen.

Die zwei Anderen waren begeistert, der Plan war geboren. Man heuerte einen arbeitslosen, desillusionierten und verzweifelten jungen Mann aus der Innerschweiz an, Wilhelm Tell, und versprach ihm das Paradies und ein paar Jungfrauen, wenn er den Vogt umbringe.

Tell, unser erster Selbstmordattentäter, brachte es nach einiger Provokation durch die Habsburger dann auch fertig, den Vogt in einem Hinterhalt abzumurksen. Da unser Selbstmordattentäter beim Anschlag blöderweise nicht ums Leben kam, und später sogar noch mit seiner Tat herumprahlte, mussten wir die Geschichte so drehen, dass aus unserem Terroristen ein Freiheitskämpfer wurde. Wir erzählten Geschichten von patriotischen Schwüren bei Mehlsuppe, heldenhaftem Kampfesmut, demokratischen Grundprinzipien und Männerfreundschaften bis über den Tod hinaus (Frauen hatten damals noch nichts zu melden. Deshalb fand die Rütliverschwörung wohl auch bei Mehlsuppe und nicht bei irgendeinem feinen Essen statt.)

Von diesem Augenblick an fürchteten uns die uns umgebenden Länder. In den folgenden Kriegen veränderten die Schweizer Truppen die Kunst des Krieges. Wir hielten uns so gut wie an keinen Ehrenkodex, sondern kämpften einfach drauflos. Nichts von Mann gegen Mann oder Ritter gegen Ritter. Keine grossen Heere, die sich rituell abschlachteten. Wir stellten Fallen, kämpften unfair Alle gegen Einen und rissen an den Haaren. Aber der Erfolg gab uns recht.

Das funktionierte so gut, dass sich gleich der Vatikan meldete und eine Einheit dieser arbeitslosen jungen Innerschweizer für seine eigenen Schutz anheuern wollte.  Die Schweizer Garde war geboren. Unser Ruf auf dem Schlachtfeld wurde mit der Zeit so übel, dass in den umliegenden Ländern die Mütter ihre Kinder ängstigten, in dem sie ihnen mit «dem Schweizer» drohten. (Geh sooofort ins Bett, oder ich sags DEM SCHWEIZER!)

Gewann alleine die Schlacht von Marignano: Walther G. (Bild: F. Hodler)

Gewann alleine die Schlacht von Marignano: Walther G. (Bild: F. Hodler)

An einigen Schlachten mussten wir gar nicht mehr vollzählig erscheinen. Wir sandten nur einen einzigen Schweizer hin. Der rauchte dann seine Zigarette, einen Arm locker auf seine Sense gestützt, die Ärmel seines weissen Hemdes cool hochgerollt und bliess den Rauch verächtlich in Richtung der feindlichen 100 000 Mann. Nur schon diese Geste brachte die Feinde zum Aufgeben. Bei den Ausgrabungen in Marignano findet man bis heute Helme, Schwerter und Rüstungen von den Gegnern, die sich schreiend vom Blech befreiten, um schneller wegrennen zu können.

Ja, so war das damals.

(Der Blogpost wurde 2008 erstmals in seiner Urform veröffentlicht und ist hier in seiner überarbeiteten Form zu lesen.)

 

«Es gibt keine Hools!»

Réda El Arbi am Dienstag den 14. April 2015
2000 Grad heisse Pyros auf dem Platz und lahmgelegte Züge sind ein Ausdruck für Freude am Sport.

2000 Grad heisse Pyros auf dem Platz und lahmgelegte Züge sind ein Ausdruck für Freude am Sport.

Jaja, ich weiss. Ich sollte nicht mehr über Fussballfans schreiben, weil die darauf folgenden Androhungen von Gewalt («Wir prügeln dich solange, bis du zugibst, dass die Fankultur total friedlich ist!») mir immer so furchtbar Angst machen.

Aber  am Wochenende ist eine Geschichte von den Wahlen und dem Sechsilüüten etwas aus dem Fokus verdrängt worden: Randalierende Fans des FC Zürich haben am Sonntagabend nach der 1:5 Niederlage auf der Heimreise vom Match gegen den FC Basel in Pratteln BL für einen Totalunterbruch der SBB-Linie Richtung Zürich gesorgt. Sie haben bereits im Stadion Pyros aufs Spielfeld geschmissen und auf dem Weg zum Bahnhof randaliert. In der ganzen Region war der Bahnverkehr auf Stunden gestört und Züge wurden demoliert.

Zuerst dachte ich an einen Fünfjährigen, der beim Leiterlispiel verliert und in einem Töibeli-Anfall das Spielbrett durchs Zimmer schmeisst und kreischend auf den Figuren rumtrampelt. Aber natürlich hab ich mich geirrt.

Es gibt nämlich keine unreifen, gewalttätigen Hools, die Pyros aufs Spielfeld werfen und Sachschäden verursachen, Notbremsen ziehen und bei einer Niederlage rumstämpfelen. Unsere Recherchen im Umfeld der Südkurve haben ergeben, dass diese Art Fans eine Erfindung der Lügenpresse ist.

«Ich kenne  keine Hools. Nur Ultras, und die sind nicht so», meint ein anonymer Südkürvler. «Ihr unterscheidet einfach nicht». Eine junge Dame aus dem Umfeld der Ultras: «Das (..die gewalttätigen Fans ..) sind eine kleine Minderheit, aber die Presse berichtet immer nur über die».

«Uns liegt der Sport am Herzen, und das wollen wir mit Pyros (2000 Grad heissen Fackeln) ausdrücken. Das ist ein Ausdruck der Begeisterung für das Spiel. Gewalt lehnen alle von uns ab», von einem empörten Fan.

Ein etwas älterer Fan: «Die Fankultur ist nur ein Spiegelbild der Gesellschaft. Jeder Sport hat schwarze Schafe unter den Fans.» (Jep. Wir erinnern uns an die randalierenden Horden aus dem Umfeld der Kunstturnerinnen-Fanclubs. Oder wie die schwarzen Schafe unter den Fans der Schwimm-Nationalmannschaft den Schiffsverkehr auf dem Zürisee lahmlegten.  Und natürlich die Federer-Fans, die sich mit Nadal-Fans zum Showdown trafen und sich blutig prügelten. Grauenhafte Szenen!)

Und natürlich aktuell: «Wir haben mit Blockflöten und Geigen unsere dreistimmigen Choräle für den nächsten Match geübt und an unserem Lindenblütentee genippt – und plötzlich stand der Zug still und die Sitze waren verwüstet. Keine Ahnung wer das war. Aber mit unseren Fanclubs hat das nichts zu tun.»

(Wir überlassen es dem geneigten Leser, das erfundene Zitat zu erkennen.)

Also, eigentlich bilden wir uns die Ausschreitungen und die Auswüchse bei den Fussballfanclubs, speziell bei den Zürcher Fans, nur ein. Wir von der Presse blasen das total auf, wenn Tausende von Bahnhreisenden festsitzen, weil FCZ-Fans über einen verlorenen Match töibelen und stämpfelen.

Sorry, liebe Fans. Ich entschuldige mich hiermit dafür, dass ich immer nur dann über euch schreibe, wenn ihr gerade irgendwas zerstört, irgendwas lahmgelegt, irgendwas angezündet, ein Spiel gestört oder irgendwen verprügelt habt. Ah, nein, mein Fehler. Ihr wart das ja nicht. Das war die winzige Minderheit, die nach dem Match die Notbremse zog und auf die Gleise strömte (!).

PS: Wenn ihr mir wieder euren Unmut mitteilen wollt, verstopft bitte nicht mein Mailfach. Ihr könnt mich auf meinem Facebook-Profil direkt  öffentlich beschimpfen. Wenn ihr den Mut habt, das nicht anonym zu tun.