Beiträge mit dem Schlagwort ‘Promis’

Wie man Promis meistert (2)

Thomas Wyss am Samstag den 15. April 2017

Am letzten Samstag konnten wir ja trotz des weiten Umwegs über die frühere Fernsehsendung «Teleboy» imposant aufzeigen, dass heutige Zürcherinnen und Zürcher oft dramatisch überfordert sind, wenn sie unverhofft einem Star nahe kommen.

Als Beweis führten wir die grundsätzlich gut geerdete Frau F. (Name d. Red. bekannt) ins Feld, die in einem Zugabteil plötzlich vis-à-vis von Stephan Eicher landete – er ist im Genre «Schöne Chansons mit Tiefgang plus fast ausnahmslos geglückte Mani-Matter-Coverversionen» ihr grösster Heroe – und darob so sehr die Bodenhaftung verlor (sitzend!, und übrigens in der 2. Klasse, was wiederum zeigt, dass Eichers Bodenhaftung absolut intakt ist), dass sie einer Freundin eine «SOS!»-SMS zukommen lassen musste.

Diese schlug F. vor, sie solle doch Eichers Lied «Déjeuner en paix» summen (natürlich möglichst «gut», damit er tatsächlich eine Chance auf Wiedererkennung bekäme), also poetisch gesagt eine Brücke legen, auf der ihr Eicher mitsummend oder gar redend entgegenkommen könnte.

Der Schlusssatz des Beitrags versuchte dann den Cliffhanger, er lautete: «Warum der Rat doppelt bescheuert war, und wie man solche und ähnlich ‹heisse› Situationen souverän meistert – also Promibegegnungen unbeschadet übersteht –, lesen Sie am Ostersamstag». Das ist heute, genau. Damit sind wir jetzt buchstäblich up to date und können fortfahren. Und das tun wir mit der durchaus bemerkenswerten Bemerkung, dass man im Journalismus – anders als in der Literatur – ersten und letzten Sätzen nie zu viel Bedeutung beimessen sollte. Weil sie häufig mehr versprechen, als sie letztlich einzulösen vermögen. In unserem Fall ist das aber erfreulicherweise grad andersrum: Es wird nämlich noch viel besser, als wir (und Sie!) erwartet hätten!

Grund dafür ist der von uns hochgeschätzte Jack Stark. Wem der Name kein Begriff ist: In der Nacht vom 14. auf den 15. April 1967 – vor präzis 50 Jahren! – führte Jack die Rolling-Stones-Member Mick Jagger und Brian Jones, die nach ihrem wilden Gig im Hallenstadion noch den Drang nach Party verspürten, zum Privatclub High-Life an der Lessingstrasse. Dort amtete der ältere Securitas Stöckli als Türsteher; die Stones kannte er nicht, doch er wusste, wie Anstand aussieht – weshalb er dem für seinen Geschmack viel zu exzentrischen Jüngling (also Jagger) den Eintritt verwehrte, die attraktive «Blondine» mit Federboa und Schlapphut (also Jones) jedoch passieren liess.

Der hübschen Episode kurzer Sinn: Dr. iur. Herbert «Jack» Stark, der damals als erster Schweizer People-Journalist und Promikenner wirkte, hat spontan zugesagt, uns zu berichten, mit welchen Tricks er sich die Jetsetter und Stars für ein offenes Gespräch oder Interview «gewogen» machte. Es sind wenige goldene Regeln, doch wer sie befolgt, kann jeden Promi meistern.

Dazu aber mehr nächste Woche in Teil 3, hier gibts jetzt die Auflösung des Rätsels, wieso der Rat der Freundin an Frau F. «doppelt bescheuert» war.

1. Eicher trug Kopfhörer, er hätte das Summen also gar nicht gehört.

2. Wenn schon summen, dann sicher keinen seiner Hits (das ist anbiedernd), sondern vielmehr eines der nach wie vor eher unbe- bis ver-kannten Stücke, beispielsweise «Ce soir (je bois)».

Wie man Promis meistert (Teil 1)

Thomas Wyss am Samstag den 8. April 2017

Damals, als die Welt noch friedlich und niedlich analog war, gab es im Schweizer Fernsehen eine Unterhaltungssendung namens «Teleboy». Sie war beliebt, und am 13. September 1975 war sie gar unfassbar beliebt – an jenem Samstagabend erreichte sie mit 2 073 000 Fraue und Manne nämlich die höchste je gemessene Zuschauerzahl in der Schweiz.

Diese Popularität kam natürlich nicht von ungefähr, sie hatte viel mit dem Pioniergeist des Machers und Moderators Kurt Felix zu tun. Durch die «versteckte Kamera» etablierte er eine national anerkannte Schadenfreude (wobei das Gipfelitunken und die «Söll emal cho!»-Episode längst in der Hall of Fame des Schweizer ­Humors verewigt wären, wenn es die gäbe). Mit dem in jeder Sendung herunterfallenden Kalenderblatt (bei der Bekanntgabe des Einsendeschlusses für die Zuschauerfrage) präsentierte er hierzulande den allerersten Running Gag. Zudem lancierte er Kliby & Caroline und brachte damit kleine Buben um den Schlaf, weil eine Geräusche machende oder gar sprechende Puppe – egal, wie beknackt sie aussieht –, etwas vom Gfüürchigsten ist, was man einem kleinen Buben vorsetzen kann (das hat angeblich mit der zweitletzten pränatalen Phase zu tun, genauer weiss ich es auch nicht, doch bei kleinen Mädchen ist das dezidiert anders, deshalb auch der in jeder Beziehung unheimliche Erfolg dieser schlimmen Kreatur namens Baby Annabell).

Genauso war das. Doch darum gehts eigentlich gar nicht. Nein, was mir neben der Caroline-bedingten Schlaf­losigkeit vom «Teleboy» blieb – mindestens erinnerungsschwadenhaft –, war diese eine Ausstrahlung im Winter, in der ein Mitspielerteam die Aufgabe erhielt, im Laufe der Livesendung in Zürich prominente Persönlichkeiten ausfindig zu machen. Also strebten die Suchenenden zur Kronenhalle beim Bellevue, wo sie dann, wenn ich mich recht entsinne, brav und schlotternd draussen warteten, bis die eine oder andere Bekanntheit aus dem fürstlichen Lokal heraustorkelte.

Was ich damit aufzeigen will: ­Damals war die Promidichte in Zürich geringer als die derzeitige Häuserdichte im Bleniotal. Und das lag primär an der Promiqualität; das VIP-Etikett wurde, ganz anders als heute, in jenen Tagen enorm selektiv verteilt, sogar vom «Blick» und von der «Schweizer Illustrierten».

All dies führt nun viele Jahrzehnte später zur verblüffenden Tatsache, dass selbst weltoffene junge Menschen heutzutage heillos überfordert sind, wenn sie mal einer genuin berühmten Persönlichkeit nahekommen.

Wie kürzlich Frau E. F. (Name d. Red. bekannt), die im Zugabteil plötzlich und unabsichtlich vis-à-vis von Stephan Eicher sass. Der – das ist eigentlich gut, war in jenem Moment aber blöd – zu ihren musikalischen Helden zählt. Weshalb E. F., sonst durchaus geerdet, völlig die Fasson verlor. Sollte sie spontan in Ohnmacht fallen? Einfach mal laut loskreischen? So lange erröten, bis er es bemerken würde? Sie schrieb einer Freundin ein «SOS!»-SMS und bekam als Antwort: «Summe sein Lied ‹Déjeuner en paix›!»

Warum der Rat doppelt bescheuert war und wie man solche und ähnlich «heisse» Situationen souverän meistert – also Promibegegnungen unbeschadet übersteht –, lesen Sie am Ostersamstag.

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 6. Januar 2017

«Mehr Grippefälle als in den Jahren zuvor.»

Kaum hat das neue Jahr begonnen, ist sie schon da: Die Grippewelle hat Zürich aussergewöhnlich früh erreicht. Weil die Arztpraxen während der Feiertage geschlossen waren, sind viele auf Notfallstationen ausgewichen. In den Alterszentren der Stadt Zürich wappnet man sich laut deren Sprecherin Lena Tobler mit den üblichen Vorkehrungen wie beispielsweise Handdesinfektionsmitteln gegen die Viren. (Foto: Michael Schneeberger) Zum Artikel

 

«Eigentlich brauche ich keine Vorsätze für 2017.»

Sie wollen einen Handy-freien Tag, nicht mehr kaufen oder mehr rauchen: Die Zürcher Promis haben sich fürs 2017 einiges vorgenommen. Komiker Peach Weber nimmt es allerdings gelassen. Er habe noch genug Vorrat an ungebrauchten Neujahrsvorsätzen aus den letzten Jahren. (Foto: Tamedia) Zum Artikel

 

«Das ist purer Vandalismus.»

Die Räumung der Problemhäuser an der Zürcher Neufrankengasse, besser bekannt als «Gammelhäuser», hat begonnen. Die Mieter müssen ihre Wohnungen unverzüglich verlassen. Das könnte allerdings noch länger dauern als geplant. Der Hausverwalter Sherry Weidmann ist zwar überzeugt, dass es dazu keinen Polizeieinsatz braucht. Er könnte sich aber täuschen. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

 

«Man weiss ja nie.»

Der berühmte Klavierspieler Igor Levit besuchte ein sehr teures Möbelgeschäft in Zürich. Statt mit einem freundlichen Grüezi sei er mit harschen Worten vom Verkaufspersonal empfangen worden, berichtet er auf seiner Facebook-Seite. Grund: Er hatte einen Koffer dabei, den er im Geschäft unbeabsichtigt liess. Nachdem der TA den Vorfall publik gemacht hatte, löschte der Pianist seinen Facebook-Eintrag. (Foto: Sabina Bobst) Zum Artikel

 

«Drogen sollten auf jeden Fall
legalisiert werden.»

Thilo Beck, Chefarzt der Organisation Arud, kennt Zürichs Drogenszene seit den Zeiten des Platzspitzes. Heute nehme die Ausgrenzung von Suchtkranken wieder zu, sagt er. (Foto: Raisa Durandi) Zum Artikel

«Was, wenn Apple ein Haus entwickelt hätte?»

In Erlenbach, hoch über dem Zürichsee, steht ein Haus (nicht das auf dem Foto abgebildete), das so klein ist, wie es nur geht. Und trotzdem luxuriös. Ein Witz ist das nicht, das Haus ist serienreif: Für 100’000 Franken wird es per LKW geliefert und auf einen Stahlrahmen gehievt, sofort bezugsbereit, schreibt TA-Redaktor Marius Huber in einem Artikel. (Foto: PD) Zum Artikel

 

«Der Winter kann durchaus
noch erfolgreich werden.»

Obwohl der Schnee immer später und spärlich fällt, starteten alle zehn Skilifte im Kanton Zürich diese Woche in die Wintersaison. Möglich ist das dank neuer Kooperationen. Für Evelyne Hengartner, Skilift Oberholz-Farner, hat die Saison erst begonnen. Schwarz bezüglich weisser Pracht sieht sie überhaupt nicht. (Foto: Walter Bieri, Keystone) Zum Artikel

 

«2017 wird in Zürich grossartig
– zumindest kulinarisch.»

Was bleibt einem, wenn die Welt von Idioten regiert wird und die Gewalt auf dem Planeten nicht abreissen will? Genau: Essen und Trinken findet TA-Gastrokritiker Alexander Kühn. (Foto: Getty Images) Zum Artikel

 

«Zum Henker, was für ein Name!»

Man glaubt es kaum, aber es ist eine Tatsache: Männer der Familie Volmar waren von 1587 bis 1831 Scharfrichter in Zürich. Eine ganz schön lange Zeit. Ein neues Buch von Helmut Meyer erzählt von ihrem Gewerbe.  Ausgelastet waren die Scharfrichter übrigens mit ihrem Amt keineswegs. Sie waren deshalb auch für andere Aufgaben zuständig, beispielsweise für das Foltern. (Foto: Keystone)

 

«Mein Mann war neugierig auf alles.»

Jacques Kuhn aus Rikon, mit 97 Jahren nach einem kurzen Spitalaufenthalt verstorben, war ein bewegter Mensch: Er lancierte den weltberühmten Dampfkochtopf, gründete ein Tibeterkloster, heiratete noch mit 88 Jahren und wurde Krimischreiber. Sein ganzes Leben lang war der Mann offen für Neues, wie seine Frau einmal erzählt hat. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 2. Dezember 2016

«Die neuen Schilder werden respektiert.»

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Die Stadt hat ihr Velostrassen-Pilotprojekt gestartet. Der Tages Anzeiger hat die Strecke getestet und da un dort Tücken gefunden. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

«Vollgestopfte Trams nerven mich.»

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Fabienne Louves, Sängerin und Schauspielerin, auf die Frage, wie lange es geht, bis sie sich nach den Ferien in Zürich wieder über etwas so richtig nervt. Louves tritt zurzeit im Musical «Cabaret» in Zürich auf. (Foto: Urs Jaudas)

 

«Das Chaos ist bei uns Programm.»

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Der Autor Domenico Blass hat für die Zürcher Märchenbühne das aktuelle Kindermärchen in ein «Nightmär-chen» für Erwachsene verwandelt. Dabei geht es ab und zu auf der Bühne ganz schön turbulent her und zu. Das ist allerdings beabsichtigt, denn die herzige Märchenwelt wird von den Special Guests aus dem wirklichen Leben ganz schön auf den Kopf gestellt. (Foto: PD)

 

«Oerlikon ist irgendwie ein No-go.»

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Es geht rasend schnell: Kein Zürcher Quartier verändert sich so schnell wie Oerlikon – der neue Bahnhof, der diese Woche eröffnet wurde, beschleunigt den Wandel. Altes wird rar. Charlotte Spindler zog eben vom hippen Zürcher Kreis 4 nach Oerlikon. Was die 70-Jährige mag: Es ist ruhiger. Wovon sie gerne mehr hätte: Kultur. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Als ich reich war, kaufte ich
mir einen Mercedes.»

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Stephan Remmler, der Schöpfer von «Da, da, da», teilt Fahrzeuge lieber, als sie zu besitzen. Das war früher anders. Der Musiker weilte für Dreharbeiten in Zürich. (Foto: Danila Helfenstein) Zum Artikel

 

«Alles was man falsch machen kann,
wurde falsch gemacht.»

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Teddy A. ist von mehreren Zahnärzten fehlbehandelt worden. Er kann nicht mehr richtig essen, nicht mehr gut kauen, ist depressiv und arbeitslos. Die Zahnärzte, die für den Pfusch verantwortlich sind, weigern sich aber, Schadenersatz zu zahlen. (Foto: Giorgia Müller) Zum Artikel

 

«Die Leuchtsäulen erreichen
eine hohe Beachtung.»

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Die Stadt Zürich baut das Angebot der beleuchteten Plakatsäulen auf öffentlichem Raum aus. Die Einnahmen sind beträchtlich. Die Werbewirkung auch. Das Werbeunternehmen Clear Channel betreibt zurzeit 27 Leuchtdrehsäulen in der Stadt. Franziska Givotti hofft nun auf neue Aufträge. (Visualisierung: PD) Zum Artikel

 

«Polizisten müssen sich
an den Datenschutz halten»

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Peter Mathys ist Quartierpolizist in Schwamendingen. Sein erster Krimi erzählt von einem pädophilen Zürcher Richter, den mächtige Leute im Polizeiapparat schützen. Ist das alles nur frei erfunden? (Foto: Reto Oeschger) Zum Artikel

 

«Ich war überrascht, was wir alles entdeckten.»

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Naomi Eggli (Bild) und Donovan Gregorys Tribeka-Karte weist den Weg zur Schönheit der Stadtkreise 3 und 4. (Foto: Giorgia Müller) Zum Artikel

 

«Momente einfangen, die nicht mehr kommen.»

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Smartphones ersetzen herkömmliche Fotoapparate. Die Ausstellung «iPic» in Begegnungszentrum der HIV-Aids-Seelsorge zeigt, wie sich unser Umgang mit Fotos verändert. Kursleiter Gino Granieri staunte über die Resultate der Kursbesucher. (Foto: Roger Pitschi) Zum Artikel

«Die Stossrichtung stimmt.»

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Dauerärger am Üetliberg: Die geplante Verkehrsregeln gehen den Anwohnern zu wenig weit. Jetzt muss sich die Sicherheitsdirektion von Mario Fehr (SP) damit befassen. Margrith Gysel, Präsident des Vereins Pro Üetliberg, ist gespannt, wie es weitergeht. (Foto: Tom Kawara) Zum Artikel

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 27. November 2015

 «Weil ich letztlich auch als Veganerin nur ungern ins Gras beisse.»

Die Schweizer Tatort-Kommissarin Delia Mayer weiss, weshalb sie keine Veganerin ist. (Foto: Giorgia Müller)

Die Schweizer Tatort-Kommissarin Delia Mayer weiss, weshalb sie keine Veganerin ist. (Foto: Giorgia Müller)

 

«Ich bin erleichtert. Ich stand 100-mal auf Bahnhöfen und habe Flyer verteilt.»

Der neue FDP-Ständerat Ruedi Noser auf die Frage, wie er sich nach fast sechs Monaten Wahlkampf fühle. (Foto: Keystone/Walter Bieri)

Der neue FDP-Ständerat Ruedi Noser auf die Frage, wie er sich nach fast sechs Monaten Wahlkampf fühle. (Foto: Keystone/Walter Bieri)

 

«Er war nicht so knuddelig weich, wie man es von ihm erwartet hätte.»

Miroslaw Ritschard, stellvertretender Zollstellenleiter, über den Bären, dem Zöllner am Flughafen den Bauch öffneten und 3,8 Kilogramm Marihuana darin fanden. (Bild: EVZ)

Miroslaw Ritschard, stellvertretender Zollstellenleiter, über den Bären, dem Zöllner am Flughafen den Bauch öffneten und 3,8 Kilogramm Marihuana darin fanden. (Bild: EVZ)

 

«Der Circus Conelli ohne Sänger Gasparini ist wie der FC Zürich ohne Fritz Künzli.»

FCZ-Legende und seine Frau Monika Kaelin schwärmen von alten Zeiten, als sie den Circus Conelli besuchten. (Foto: Dominique Meienberg)

FCZ-Legende und seine Frau Monika Kaelin schwärmen von alten Zeiten, als sie den Circus Conelli besuchten. (Foto: Dominique Meienberg)

 

«Wir haben nichts zu verstecken. Wir sind transparent.»

Atef Sahnoun, Präsident der Winterthurer An'Nur-Moschee, wehrt sich gegen den Vorwurf, bei ihm predige ein hetzerischer Iman. (Foto: Doris Fanconi)

Atef Sahnoun, Präsident der Winterthurer An’Nur-Moschee, wehrt sich gegen den Vorwurf, bei ihm predige ein hetzerischer Iman. (Foto: Doris Fanconi)

 

«Er ist total lebendig, stets ist hier etwas los.»

Die zwei Frauen Marianne (rechts) und Madelaine, über die Vorzüge ihres Marronistandes am Albisriederplatz. (Foto: Reto Oeschger)

Die zwei Frauen Marianne (rechts) und Madelaine, über die Vorzüge ihres Marronistandes am Albisriederplatz. (Foto: Reto Oeschger)

 

«Mit den Schwiizerli machen wir ihnen gehörig Dampf.»

Rolf Mürner (l.) und Riccardo Breciani: Kampf der Konditoren im Shop-Ville. Im neuen House of Chocolate gibt es Macarons namens Schwiizerli. Eine Kampfansage an die Luxemburgerli. (Foto: Dominique Meienberg)

Rolf Mürner (l.) und Riccardo Breciani: Kampf der Konditoren im Shop-Ville. Im neuen House of Chocolate gibt es Macarons namens Schwiizerli. Eine Kampfansage an die Luxemburgerli. (Foto: Dominique Meienberg)

«Who is Who?»

Stadtblog-Redaktion am Freitag den 14. November 2014
Wir schafften es, im Gedränge die Decke zu fotografieren.

Wir schafften es, im Gedränge die Decke zu fotografieren.

Von Reda El Arbi und David Sarasin.

Wer ist wer? Man weiss es nicht, weil so verdammt viele Leute an die «Who is Who»-Party im Taos in der Altstadt eingeladen wurden. Dichtestress also auch unter den angeblich wichtigsten 200 Zürchern. Und weil wir hier noch nicht einmal Handyempfang haben, können wir das am Nachmittag per Mail erhaltene Papier mit allen Gesalbten drauf auch nicht herunterladen um nachzusehen.

Blofeld-Chef Michel Pernet, Chefredaktor des «Who is Who», nimmt uns in Empfang und – ganz Netzwerker – stellt uns gleich zehn Personen vor, die uns eigentlich gar nicht kennenlernen wollen. Peinlich berührt schütteln wir Hände und vergessen gegenseitig gleich wieder die Namen. In der Menge kann man sowieso kaum ein Gespräch führen.

Was also tun? Erstmal in die Raucher-Lounge, wo sich El Arbi sowieso am wohlsten fühlt. Seine Begleitung an diesem Abend, Ingrid Villafane, soll diesen Anlass quasi nach wissenschaftlichen Massstäben untersuchen. Denn sie kennt sich aus, wenn es um Promis geht. Sie hat bereits in LA solche Events mitorganisiert und ist da zuhause, wo der Glamour lebt.

An einem Tisch treffen wir die Bloggerin Yonni Meyer (Pony M.) und den Zukkihund. Die beschweren sich gerade darüber, dass man im Veranstaltungsraum keinen einzigen Schritt vorwärts machen kann. Die TA-Kolumnistin und Filmemacherin Güzin Kar – auf Seite 70 im Who is Who – erklärt  später, dass Leute mit Fluchtgedanken generell hässlicher aussehen. Das leuchtet ein.

Wir wollen das nicht. Deshalb atmen wir in der Raucherlounge auf, wo die Musik so laut ist, dass man kein einziges Wiehern und kein Bellen mehr versteht. Auch unser Blogger-Kollege Alex Flach hat sich schon über den Platzmangel beschwert. Vielleicht hellt ein Blick ins neue Heft, das wir soeben ausgehändigt bekommen haben, unsere Stimmung auf.

Das tut es. Da steht zum Beispiel folgender Satz zum Topmodel Anja Leuenberger:

«Sie lebt den Modeltraum.Und schlief bis vor Kurzem noch mit vier Models in einer Model-WG im 20. Stock eines Hochhauses. Doch nun ist das erfolgreichste Schweizer Model mit ihrem Modelfreund Edison Kelmendi zusammengezogen.»

Wir verneigen uns geistig ehrfürchtig vor soviel Poesie und sind uns sicher, dass dies ein Model-Hochhaus in einem Model-Viertel in einem Model-Land gewesen ist, in dem Models in Model-Eisenbahnen zu ihren Modeljobs pendeln. Dies alles auf der ersten, nota bene zufällig ausgewählten Seite dieser neuen Ausgabe der Zürcher Model-, äh, Promo-, äh, Promi-Bibel. Das ist jetzt alles noch gar nicht repräsentativ.

Pony M. und Zukkihund sind mittlerweile zu Verbündeten geworden. Man beschwert sich ganz zürcherisch gemeinsam über diesen Anlass, dabei haben wir die Promi-Event-Expertin noch gar nicht konsultiert. El Arbi begibt sich mutig wieder in die Menge, schliesslich hat er die teure Kamera mitgenommen und will Paparazzi-mässig ein paar Bilder von den wichtigen Leuten schiessen.

Aber so einfach ist das nicht. Eingekeilt in der Menschenmenge ist er versucht, laut «Presse! Platz da!» zu schreien. Nur, wenn man sich umschaut, stellt man fest, dass dies wenig Sinn hätte. Die meisten «Promis» sind nämlich selbst Presseleute, die einfach heute Abend im feinen Zwirn und Abendkleid den Status gewechselt haben.  Man hat Körperkontakt wie in einem Darkroom, nur mit dem Unterschied, dass man mit den Leuten, an deren verschwitzte Körper man gepresst wird, höflichen Smalltalk austauscht. Bilder gibts von Hinterköpfen, Grossaufnahmen von Nasenlöchern, und wenn man es schafft, den Arm mit der Kamera aus dem Gedränge zu ziehen, kann man die Decke fotografieren.

Ingrid freut sich über die betrunkenen Zürcher.

Ingrid freut sich über die betrunkenen Zürcher.

Ingrid Villafane, unsere Fachfrau für Glamour, bemerkt, dass es im Damenklo für einmal mehr Platz hat als im Club. Was dazu führe, dass die Damen da entspannt und friedlich rumhängen, wo sonst eitle Eifersucht und Zickerei herrschen.  «Die Damen sind zum Teil so unscheinbar gekleidet, dass es skandalös ist.» Auch der soziale Aspekt ist typisch zürcherisch, Ingrid wurde nur ein einziges Mal angesprochen. Von einem Berner. Sogar wenn die 200 Zürcher unter sich sind, gibts dieses Szenegetue: man spricht nur mit Leuten, die dazugehören. Nur weiss eben niemand genau, wer dazu gehört. Darum spricht man nicht mit Fremden. Die könnten ja unwichtig sein.

Zurück in der Raucherlounge sinniert Sarasin, der andächtig das letzte Molekül Geschmack aus seinem  Drink saugt (schliesslich hat er  mehr als genug dafür bezahlt), darüber nach, selbst mal in die Promibibel zu kommen. El Arbi empfiehlt ihm, sich als «Bachelor» zu bewerben, das sei der direkteste Weg ins Nirvana der Wichtigen. Schliesslich macht Blofeld gleichzeitig zum «Who is Who» auch die Promo-Arbeit für den Sender 3+. Und wie jedes Jahr erwähnt El Arbi, mit aufgesetzter Bescheidenheit, dass er auch mal drin war, in diesem Katalog der Bedeutenden, und das ihm das damals aber sowas von überhaupt nicht beeindruckt hätte.

Inzwischen hat sich die Menge etwas gelichtet, was vielleicht damit zu tun hat, dass es nur bis 20 Uhr Gratisdrinks gab. Die Leute, die noch hier sind, scheinen es offenbar geschafft zu haben, genug von diesen Drinks zu ergattern. Jetzt gefällt es unserer Glamourfachfrau Ingrid auch besser: «Man muss die Zürcher nur abfüllen, dann kommt auch Stimmung auf», freut sie sich und rauscht ab auf die Tanzfläche.

Für uns Stadtblogger geht die Party zu Ende. Wir treten in die Nacht hinaus und stellen fest, dass es 22 Uhr ist. Wir schwören uns ein weiteres Mal, niemals mehr über diesen Anlass zu schreiben. Bis zum nächsten Jahr.

Wer sich die Bilder der Kollegin von Tilllate.com ansehen will, kann das hier tun

DJ Antoine und die billige Publicity

Alex Flach am Montag den 6. Oktober 2014
Hat für ein bisschen Ruhm seine Seele dem Teufel (Bohlen) verkauft.

Hat für ein bisschen Ruhm seine Seele dem Teufel (Bohlen) verkauft.

Unentdeckten Talenten eine Chance zu bieten, war noch nie das primäre Ziel des RTL-Formats DSDS. Der viele Jahre lang andauernde – sich in den letzten Jahren jedoch verflüchtigende – Erfolg der Castingshow beruht auf peinlich berührtem Fremdschämen. Mittlerweile ist die Show gar an einem Punkt angelangt, an dem man sich fragen muss, was den virtuosen Selbstvermarkter Antoine Konrad alias DJ Antoine bloss geritten hat, als er sich zur Mitgliedschaft in der DSDS-Jury verpflichtete.

Nebst dem unantastbaren Jury-Diktator Dieter Bohlen und dem Quotenschweizer DJ Antoine sitzen dort auch Heino (Schwarzbraun ist die Haselnuss) und Mandy Capristo, Ex-Mitglied von Monrose, Ex von Pöbelrapper Kay One und Aktuelle von Mesut Özil. DJ Antoine teilt sich die Aufmerksamkeit also mit einem 76jährigen Schlagersänger und einer Ex oder Aktuellen von irgendwem oder irgendwas und das bei einer Castingshow, die ihre Glanzzeiten längst hinter sich hat.

Klar: Allzu wählerisch war der Basler bei der Wahl seiner Mittel zur Generierung von Aufmerksamkeit noch nie, aber hier schlägt er einen gefährlichen Weg ein, der ihm zwar kurzfristig höhere Absätze bescheren dürfte, der aber selbst seine treusten Anhänger, ansonsten beileibe keine Kostverächter, etwas verstören dürfte. Dabei hätte er doch mit Patrick Nuo auf einen Schweizer Präzedenzfall zurückgreifen können, dem die Teilnahme an der DSDS-Jury gar nicht gut bekommen ist: DSDS hat in all den Jahren nur eine Karriere nachhaltig befruchtet und zwar jene von Dieter Bohlen. Allen anderen DSDS-Protagonisten hat die Teilnahme an der Show kein Glück gebracht.

Aber nicht nur DJ Antoine scheint ein Problem mit Beratern zu haben, die ihm eintrichtern, dass jede Form von Aufmerksamkeit gute Aufmerksamkeit sei: Roland Bunkus alias Mr. Da-Nos schmiss sich kürzlich in die neue Uniform der Zürcher Stadtpolizei und stapfte darin über den Laufsteg der Zürcher Herbstmesse Züspa. Auf Facebook postete er Selfies von sich in Uniform und versehen mit, sagen wir mal witzigen, Kommentaren wie «Olé, olé ich habe die Seite gewechselt, wer will sich verhaften lassen?» oder «Achtung jetzt gilt’s ernst! Ab sofort gebe ich nicht nur an den Partys den Ton an, sondern auch bei der Stadtpolizei Zürich» – Tatütata, der Da-Nos ist da…

Nachtleben-affine Facebook-Nutzer wussten ein paar Tage lang gar nicht recht, wohin mit dem vielen Spott. An Mr. Da-Nos scheint Hohn zwar abzutropfen wie Wasser an einem Entenbürzel, dennoch erstaunt es, dass er sich diesem immer wieder freiwillig aussetzt oder von seinen Beratern aussetzen lässt. Bei Andreas Hohl alias Mr. Pink erübrigt sich die Frage: Dass der Ostschweizer bei jedem Ungemach als erstes zur Presse rennt um sich auszuweinen (Versicherungsbetrug, Autoklau, nach nur acht Monaten Ehe von der Frau verlassen, Erfolglosigkeit, Ärger mit dem ehemaligen Mentor, etcetera, etcetera) lässt sich nur mit grenzenloser Naivität, gepaart mit einer ausgeprägten Profilneurose erklären. Aber eigentlich sollte man den Cervelat-DJs, zu denen beispielsweise auch Christopher S zählt, dankbar sein: Ohne sie wäre es nur halb so lustig.

ZFF: Glamour-Ringelreihen vs Filmschaffen

Réda El Arbi am Mittwoch den 1. Oktober 2014
Die Goodybags werden jedes Jahr etwas wertiger.

Die Goodybags werden jedes Jahr etwas wertiger.

Ich verstehe ja, dass die Zürcher Edel-Szenis, Politiker und C-Promis (wir haben keine A-Promis) gerne ein wenig mit Hollywood knutschen – schliesslich könnte ein wenig Glitzer hängenbleiben, den man sich lasziv aufs eigene Image schmieren darf. Auf dem grünen Teppich des Zurich Film Festivals sah man gefühlte 5 Menschen, die mit Film in der Schweiz zu tun haben. Der Rest setzte sich aus Salesmanagern der Sponsorfirmen mit ihren Gattinnen, hofierten PolitikerInnen und einer ganzen Staffel SRF-ModeratorInnen mit ihren Freundinnen, den Ex-Miss-Schweiz-Kandidatinnen, zusammen.

Aber was hat das mit dem Schweizer, bzw. dem Zürcher Filmschaffen zu tun? Was bringt das Zürcher Filmfestival, jetzt nach  zehn Jahren, den Filmemachern im Land? Also nicht den drei Nasen, die bereits Erfolg haben, sondern denen, die ihre ganze Kreativität für kein Geld und viele Arbeitsstunden in Projekte stecken, die nie gezeigt werden?

Der diesjährige Fokus gilt dem deutschsprachigen Film. Gerade vier Schweizer Spielfilme haben es ins Programm geschafft, neben jeder Menge Dokus (die ja meist sowieso vom Schweizer Fernsehen mitproduziert werden). Ist das nun ein Armutszeugnis für die Schweizer Filmbranche oder zeigt sich einfach, dass man keine Risiken eingehen will und nur in Dinge investiert, die man im Zweifelsfall immer noch am Sonntagnachmittag auf 3Sat zeigen kann? Ach ja, das Förderungsprojekt vom letzten Jahr ist – dreimal dürft ihr raten – eine Doku. Überraschenderweise waren kaum glamouröse Hollywood-Dokumentarfilmer auf dem grünen Teppich.

Ich kann auch verstehen, dass man zu Beginn des Festivals vor zehn Jahren anstrebte, mit grossen, internationalen Namen dem Festival mehr Gewicht zu verleihen, um so auch den Fokus der internationalen Filmindustrie auf Zürich zu ziehen. Nun, irgendwie scheint das nicht funktioniert zu haben. Wir haben zwar jetzt ein städtisches Box Office, das Hollywoodfirmen hilft, jeweils eine Bankeszene in einem Film unterzubringen, aber sonst?

Die Festivalmacher scheinen sich in Sachen Spielfilm mental nach Hollywood abgesetzt und die eigentliche Aufgabe des Festivals (die nicht nur Glamour-Ringelreihen umfasst) vergessen zu haben. Das Zurich Film Festival bringt den Zürcher oder Schweizer Filmemachern nichts. (Hierbei sei angemerkt, dass die Zürcher Filmförderung gerade mal elf Projekte unterstützt.) Kein Wunder also, dass sich unsere Schauspiel- und Regietalente nach Berlin, London oder in die Staaten absetzen, sobald sie auch nur ein wenig lokalen Erfolg eingeheimst haben. Sollte jemand eine andere Wahrnehmung des ZFF-Nutzens für die Schweizer Filmszene haben, lass ich mich in den Kommentaren gerne belehren.

Eine Zürcher Blogger hat den Fokus auch auf den elitären Charakter des Festivals gelegt: Er wirft dem Festival vor, über die kleinen Medien, Festivals und Filmblogger hinwegzugehen. Das ist nicht meine Wahrnehmung. Es ist eher so, dass die wirklichen Filmfans zwar noch den einen oder anderen Film ansehen, aber das Festival ansonsten sich selbst überlassen. Einige meiner Zürcher Kollegen, Filmjournalisten und Filmnerds, haben sich dieses Jahr schon gar nicht mehr akkreditieren lassen. Die einen, weil ihnen die medialen Sponsoren-Blowjobs auf den Wecker gingen, andere, weil sie ihre Zeit lieber in kleine Filmfestivals, die lokale Arbeiten zeigen, investieren.

Kurz, um ein paar Vorpremieren zu zeigen und einige sehr exklusive Workshops und Vorträge durchzuführen, brauchts nicht wirklich ein Festival. Die paar, die davon profitieren, sind sicher begeistert. Der grosse Rest kümmert sich lieber um den Schweizer Film.

Bleibt noch die Frage, warum der Anlass öffentliche Gelder kriegt. Eigentlich müsste er vollständig von den Medien gesponsert werden, die mit den People-Geschichten, die jeden Herbst für drei Wochen anfallen, Umsatz machen. Die 210 000 Franken ZFF-Zuschuss vom Kanton könnte man dann als jährliches Stipendium für einen jungen Filmemacher einsetzen. Bei einem Sponsorenbudget von rund 6 000 000 Franken würden die ZFF-Leute das nicht mal merken.

Photobastei-Closing: Koks, Kunst & Krankenschwestern

Réda El Arbi am Mittwoch den 17. September 2014
«... und überall waren Pornstars mit Drogen!»

«… und überall waren Pornstars mit Drogen!»

Um es vorwegzunehmen, wir waren nicht dabei. Das Zwischennutzungsprojekt «Photobastei» ging am letzten Wochenende zu Ende und zur Abschlussparty wurden 3500 Gäste geladen, ungefähr die Hälfte fand auch Einlass. Alle, die etwas auf sich halten, alte Szenis und junge Hipster, wollten rein. Einige durften, andere nicht. Und genau hier werden wir Zeugen, wie eine urbane Legende entsteht. Wie damals bei Woodstock, bei der Dachkantine, Berghain Berlin 2002 etc.

Anhand einer Chronik der nachträglichen Aussagen über die Party zeigen wir auf, wie aus einer überfüllten Party ein legendärer Anlass wird.

Sonntagmorgen, unmittelbar nach der der Party, ein verlässlicher Zeuge:
«Es war ganz ok, zu viele Leute und zu heiss.»

Sonntagnachmittag, verlässliche Zeugin:
«Man konnte sich kaum bewegen. Sieben Dancefloors und noch mehr DJs. Es gab irgendwo eine MDMA-Bowle, verkleidete Krankenschwestern tröpfelten die Drogenbowle denen in den Mund, die das Bedürfnis hatten.»

Montagmittag, einigermassen verlässlicher Zeuge:
«Die Leute legten sich Linien Koks direkt an der Bar, eine Frau tanzte oben ohne. Es gab gratis MDMA für alle. Viel zu heiss und zu viele Leute.»

Montagabend, vermeintlicher Zeuge:
«Es lag Koks auf der Bar bereit, einige tanzten nackt und alle waren auf MDMA. Ganz geil. Sowas hab ich in der Schweiz noch nie erlebt.»

Dienstagmittag, vermeintlicher Zeuge:
«Auf der Treppe lagen Kokshaufen wie in «Scarface», auf den Toiletten wurde gevögelt. Man musste MDMA nehmen, sonst kam man in bestimmten Dancefloors gar nicht rein. Es war wie früher im Spider, nur mit all den Promis.»

Mittwochmorgen, vermeintlicher Zeuge:
«Es gab einen gesperrten Dancefloor mit Gratis-Koks und MDMA, viele tanzten da halb nackt oder nackt, in den Ecken wurde gevögelt. Nur bestimmte Leute wurden eingelassen.»

Irgendwann nächste Woche, vermeintlicher Zeuge:
«Es war unglaublich! Sex auf der Treppe inmitten von Bergen von Koks, Badewannen voller MDMA, Porno-Krankeschwestern kümmerten sich um die Abgespaceten und alle waren da!»

Von einem der vermeintlichen Zeugen wissen wir, dass er gar nicht an der Party war. Die anderen werden das Erlebnis mit jedem Mal erzählen um einen Level aufwerten. Irgendwann wird das Closing der Photobastei ein Anlass sein, der Nightlife-Geschichte schrieb, ein Meilenstein dieses Jahrzehnts.

In zehn Jahren ist es wie mit vielen der legendären Anlässe: Alle waren dabei (in diesem Fall sicher 10 000 Personen) und die Geschichten, die darüber kursieren, werden so gewaltig sein, dass man sich wundert, wie Zürich diesen Abend überlebt hat.

So entstehen Legenden.

Und wir werden unter den Wenigen sein, die sagen können: Wir waren nicht dabei!

Der Fluch der Promi-DJs

Alex Flach am Montag den 15. September 2014
DJane Schäfer: Es war schwierig, ein Bild zu finden, auf dem sie Kleider trägt. Foto: tilllate.com

DJane Schäfer: Es war schwierig, ein Bild zu finden, auf dem sie Kleider trägt. Foto: tilllate.com

Oliver Pocher war am Samstag im Club Escherwyss beim gleichnamigen Platz. Nicht als Gast, sondern als DJ. Sonst waren nicht allzu viele da: Auf den Fotos der Tilllate-Strecke bemühen sich zwar alle Abgelichteten darum, euphorisch auszusehen, da man aber auf den Bildern viel Boden sieht, war es wohl eine dieser Partys, die man mit verdattertem Gesichtsausdruck betritt, nur um sie kurz darauf mit einem enttäuschten wieder zu verlassen.

Heute Montagabend spielt Pocher im Bierkönig am Ballermann auf Mallorca, also in einem Lokal, das seiner Attitüde eher entspricht als das Escherwyss, auch wenn der Zürcher Club nicht eben als Humus für hörenswerte DJ-Sets gilt. Vielleicht beschwert sich Pocher heute Abend im Bierkönig wegen des lauen Publikumszuspruchs über das langweilige Schweizer Ausgehvolk, das nicht wisse wie man richtig feiert.

Auch Micaela Schäfer, gemäss Homepage Model, «DJane, Celebrity» aber allem anderen voran doch eher Exhibitionistin, dürfte keine allzu hohe Meinung vom Schweizer Club-Publikum haben: Auch ihre Sets wurden meist nur mässig besucht und ihre verstörend miesen DJ-Skillz haben jeweils der Stimmung den Rest gegeben. Pocher und Schäfer sind nur zwei Exemplare aus einer wachsenden Reihe Promis, die sich den Beruf des DJs als zweites Karriere-Standbein erwählt haben. Paris Hilton (Tochter und Geschäftsfrau), Noah Becker (Sohn und Modedesigner) und Georgina Fleur (Dschungelcamperin) zählen ebenfalls dazu.

Auch Giulia Siegel, die Tochter von Ralph Siegel, terrorisiert das Volk seit vielen Jahren mit ihren Turntable-Versuchen und in dieser ganzen Zeit hat sie nicht gelernt, dass der Berufsstand des Discjockeys auf musikalisch anspruchsvolle Weise interpretiert werden kann. Ob Hilton, Pocher oder Schäfer: Sie alle sehen die Plattenlegerei als willkommenen Zusatzverdienst. Dass sie mit ihrem Tun dafür sorgen, dass dem DJing der Status einer allgemein anerkannten Berufs- oder gar Kunstform noch immer verwehrt bleibt, dürfte ihnen egal sein.

Selbstverständlich gibt es auch unendlich viele angestammte DJs, die ihren Job mehr der angenehmen Begleiterscheinungen wie Gratisdrinks wegen ausüben als um der Musik willen. Jedoch sind es Pocher, Schäfer und Konsorten, die auflegenderweise in den Peoplemagazinen landen und die dem Beruf DJ die Reputation nachhaltig sabotieren. Zwar regt sich in den sozialen Medien sporadisch Widerstand gegen die Turntable-Sternchen. Ein hoffnungsloses Aufmüpfen, solange Veranstalter wie die Macher der «Welcome To The Late Night Show»-Party im Escherwyss existieren, die ihrem Publikum lieber einen (leidlich) prominenten Namen servieren als einen guten DJ zu recherchieren, dessen Sound perfekt zur Party passt.

Sollte jemand heute Abend im Bierkönig auf Malle weilen und dabei mitkriegen, wie Pocher über die Schweizer Clubber herzieht, der soll ihm doch bitte ausrichten, dass hier halt anlässlich seines Street Parade-Auftritts viele mitgekriegt hätten, wie schlecht er spiele. Und dass es wohl deshalb im Escherwyss einigermassen leer gewesen sei.

Alex-Flach1Alex Flach ist Kolumnist beim Tages Anzeiger und Club-Promoter. Er arbeitet unter Anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Nordstern Basel, Rondel Bern, Blok und Zukunft