Beiträge mit dem Schlagwort ‘Party’

Der Glanz alter Tage

Alex Flach am Montag den 12. Juni 2017
Stolze Flügel an der Zürcher Pride 2017.

Stolze Flügel an der Zürcher Pride 2017.

Gestern Sonntag ging bei strahlendem Wetter die Pride-Woche zu Ende. Höhepunkt war der Umzug am Samstag, an dem 19‘000 Menschen für gleiche Rechte für alle und insbesondere für lesbische, schwule, bisexuelle und transsexuelle Flüchtlinge einstanden – Rekord.

Tradition hat auch das Pride-Festival auf dem Kasernenareal, das am Wochenende die Besucher ebenfalls in stattlicher Zahl zu mobilisieren vermochte und wem Massenaufläufe zuwider sind, der konnte auf die alternative «Eyduso? The queer thing Festival» auf dem Kochareal zurückgreifen. Auch wenn der Zuspruch und das Interesse der Zürcher Bevölkerung im Vergleich zu jener in anderen Städten wie beispielsweise Berlin nach wie vor in Grenzen hält, so dürfen die Veranstalter die diesjährige Pride doch getrost als Erfolg verbuchen.

Für viele Pride-Besucher sind jedoch weder der Umzug noch die offiziellen und inoffiziellen Festivals die eigentlichen Highlights sondern die begleitenden Partys. Mit der Kiki-Party in Friedas Büxe, der Ride im Lexy, der Super-Blutt im Kauz und vielen weiteren Feten konnte sich auch diese Seite der diesjährigen Pride sehen lassen. Diese Partys haben aber auch offengelegt, wie sich die Rolle der Queers im Zürcher Nachtleben im Laufe der vergangenen zwanzig Jahre verändert hat, denn sie waren häufig kaum von den üblichen Clubnächten zu unterscheiden.

Das war früher einmal anders: Clubs wie das Labyrinth, das Aera und diverse queere Partylabels waren in den 90er- und den Nullerjahren die Motoren und unablässig sprudelnde Inspirationsquellen der Szene, der kreative Pool aus dem sich sämtliche Club- und Partymacher die Ideen fischten. Die grossen Schwulenclubs sind längst aus dem Stadtbild verschwunden: Kleine Lokale wie der Heaven Club im Niederdorf oder die Heldenbar am Sihlquai haben ihren Platz eingenommen und queere Events von Partylabels wie Kiki oder Behave sind (von ein paar wenigen Ausnahmen abgesehen) bezüglich Look und Line Up deckungsgleich mit ihren heterosexuellen Pendants.

Einige verorten den Grund für den Rückzug der Schwulen aus der Führungsrolle des Nachtlebens beim Aufkommen von Dating-Plattformen, andere sind der Ansicht, dass es im Clubbing nichts Neues mehr auszuprobieren gibt, dass alles schon einmal gemacht wurde.

Der DJ, Veranstalter und ehemalige Mitbetreiber der Clubs Pfingstweide und Café Gold Patrick Juen vermag dieser Entwicklung aber auch Positives abzugewinnen: «Die Zeiten, als die Queers das Nachtleben dominierten und sich dort ihre eigenen Nischen schafften, sind vorbei, denn wofür viele gekämpft haben, ist heute zumindest teilweise Realität: Nämlich eine offene Clubbing-Kultur in der jeder und jede sich selber sein kann». Dennoch kommt auch bei ihm bei der Erinnerung an die glorreichen Sturm- und Drangjahre des Zürcher Nachtlebens etwas Wehmut auf: «Das Pride-Wochenende eröffnet die Chance sich wieder einmal so richtig auszuleben und damit auch die alten Zeiten hochleben zu lassen».

Glaubt man dem Feedback der Clubschaffenden, so hat die Pride 2017 auch dieses Ziel erreicht. 

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Gonzo, Amboss Rampe, Nordstern Basel, Rok Luzern und Härterei.

«Wääk, Sommer!»

Alex Flach am Montag den 29. Mai 2017
Wozu Club, wenn man draussen tanzen kann?

Wozu Club, wenn man draussen tanzen kann? Zumindest bis um 22 Uhr der Stecker gezogen wird.

Der Sommer ist nach Zürich zurückgekehrt und alle freuen sich. Alle ausser jenen, die ihren Lebensunterhalt mit dem Betrieb eines Fonduestüblis oder eines Clubs bestreiten.

Derweil sich die professionellen Zürcher Käseschmelzer immerhin auf die Witterungsunabhängigkeit der kulinarischen Neugier ausländischer Touristen verlassen können, mussten die Zürcher Nachtmacher erstmals in diesem Jahr Bekanntschaft mit der meteorologisch motivierten Sommer-Fahnenflucht ihres Stammpublikums machen: Petrus, hierzulande meist ein zuverlässiger Verhinderer von wochenendlichen Outdoor-Aktivitäten, war den Zürcher Club-Cäsaren der mit Grillzange meuchelnde Brutus auf der Senatstreppe.

Die städtischen Clubberinnen und Clubber hat es wenig gekümmert, denn mit Partys am Oberen Letten, auf dem Üetliberg, der Allmend oder in einem direkt an der Limmat gelegenen Lokal, standen ihnen genügend Frischluft-Alternativen zu Verfügung um sich die so dringend benötigte Dosis Beats und Bass zu verabreichen.

Jedoch scheinen sich die Veranstalter dieser (tagsüber stattfindenden) Feste bisweilen gegenseitig das Wasser abgegraben und potenzielle Gäste abgezwackt zu haben: Die eine oder andere Party scheint die Erwartungen in ernüchternder Manier unterboten zu haben. Aber die Macher nur mässig besuchter Draussenfeste waren an diesem Wochenende nicht die am ärgsten Gebeutelten, sondern die Chefs von Clubs ohne akzeptablen Aussenbereich, wie ihn beispielsweise das Hive oder der Supermarket ihr Eigen nennen.

Wenn auch die beiden genannten Lokale ihre Gäste nicht in gewohnter Anzahl zu mobilisieren vermochten, im Vergleich zu den reinen Indoor-Clubs waren sie klar im Vorteil: Dort gerieten selbst einige «todsichere» Nummern, Partys bei denen die Konstellation aus Club, Veranstalter und Line Up üblicherweise Garant für eine rappelvolle Tanzfläche ist, zu melancholischen Einsamkeiten mit eremitärem Anstrich.

Nun ist es aber nicht so, dass sich die Clubchefs wegen des wetterbedingten Umsatzeinbruchs an diesem Wochenende in Selbstmitleid suhlen und der Verzweiflung ergeben: Im Unterschied zu der auch durch Unerfahrenheit geprägten Aufbruchzeit elektronischer Clubs in den 90er Jahren, verfügen professionell agierende Nachtleben-Treibende heute über genügend monetäre Mittel und Know How um die Baisse der heissen Sommermonate unbeschadet zu überstehen.

Das Ausbleiben der Gäste während der heissen Wochenenden zwischen Mai und September ist einkalkuliert und einige Lokale, wie beispielsweise die Friedas Büxe in der zweiten Junihälfte, schliessen gar für ein paar Wochen im Wissen, dass sie mit 30 Grad Aussentemperatur nicht konkurrieren können. Jedoch gibt es auch den einen oder anderen Club der wider Erwarten noch nicht im Zürcher Nachtleben angekommen ist, dessen Betreiberschaft noch auf kein genügendes finanzielles Polster zurückgreifen kann und der sich deshalb leider kaum in den Herbst retten können wird: Der Sommer 2017 wird mit grosser Wahrscheinlichkeit einigen Spreu vom Weizen trennen.

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Gonzo, Amboss Rampe, Nordstern Basel, Rok Luzern und Härterei.

Hardcore-Sechseläuten

Alex Flach am Montag den 24. April 2017
Saufen, bis der Kopf platzt .- das andere Sechseläuten.

Saufen, bis der Kopf platzt – das andere Sechseläuten.

Die Zürcher Jungzünfter trinken, mit kleineren oder grösseren Pausen, bis und mit heute Montag fünf Tage lang durch. Gestartet sind sie bereits am Donnerstag mit der Itrinketä im Riesbach-Quartier, am Freitag waren sie mit Vertretern des Gastkantons Glarus auf dem Lindenhof bechern und am Samstag waren für sie die Zunftbälle Pflicht.

Für den Sonntag planten zwar viele Greenhorns einen Ruhetag, dabei kamen ihnen aber die sehr grosszügig gefassten Club-Öffnungszeiten in Zürich ins Gehege – gute Vorsätze und ein üppiges Nightlife vertragen sich halt schlecht. Heute Montag nun das grosse Abschluss-Feuerwerk mit Apéros morgens um 9 Uhr und bis Dienstagmorgen brechend vollen Sechseläuten-Partys wie der Use It im Kaufleuten oder jener im Mascotte. Manch einen Jungzünfter überwältigt Morpheus nach diesen sportlichen Tagen mit Gewalt und es soll vorkommen, dass einer schnarchend und noch immer in Vollmontur neben dem abgebrannten Scheiterhaufen aufgefunden wird.

Einige der älteren Zünfter mögen ein solch unsittliches Gebaren ihrer Nachwuchsleute nicht gutheissen, vergessen dabei aber, dass die mit ihrer ausufernden Feierei eigentlich nur die wahre Fest-Tradition ehren: Im Gegensatz zum gesitteten Bourgeoisie-Stadtspaziergang mit finaler Pferdchen-Hoppelei von heute, waren das früher wilde Feten mit bisweilen subversivem Anstrich, bei denen auf diversen Scheiterhaufen in der Innenstadt die unterschiedlichsten allegorische Figuren verbrannt wurden. Gar der entflammbaren Version eines Börsenspekulanten soll einmal genüsslich der Schädel vom Rumpf gesprengt worden sein und das verruchte Kratzquartier war lange Zeit das Epizentrum der Sechseläuten-Exzesse – der Kinderumzug, der Schneemann und die Pferde kamen erst später.

Tempi passati: Dort wo sich früher das Kratzquartier befunden hat, stehen heute die Fraumünsterpost und die Nationalbank und die Menschen der Langstrasse, des derzeitigen Zürcher Jubeltrubel-Quartiers, scheren sich keinen Deut um das Sechseläuten: Für sie ist das bloss der Tag, an dem die Mehrbesseren wieder mal aus ihren Villen am Züriberg in die Strassen der Innenstadt purzeln um dort in seltsame Textilien gehüllt den niederen Chargen zu zeigen, wer in Zürich die Fäden in der Hand hält. Volksfest? Mitnichten: Ein elitäres Manifest des monetären Grabens in der Stadt. Nicht einmal zum Vorzeigeobjekt für ausländische Gäste taugt das Sechseläuten: Als ich es vor Jahren in Begleitung einer bezaubernden, australischen Freundin besucht habe, war ihr Fazit nach Inspektion der um das Feuer trabenden Rösser und des explodierenden Bööggs ein verstörtes „What is wrong with you people?“.

Es bedürfte nicht mal eines Anti- Sechseläutens – wie die Fuckparade zur Street Parade –  um den Anlass wieder in einem Volksfest zu machen. Man bräuchte dazu den Humor vergangener Tage und die Zünfter bräuchten sich bezüglich Feiergebaren nur an ihren Nachwuchs zu halten: Die wissen noch wie man abseits des Umzugs die Sechse nach alter Väter Sitte läutet. Oder sie tun’s einfach.

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof Basel, Nordstern Basel, Rok Luzern und Härterei.

Wie man Promis meistert (2)

Thomas Wyss am Samstag den 15. April 2017

Am letzten Samstag konnten wir ja trotz des weiten Umwegs über die frühere Fernsehsendung «Teleboy» imposant aufzeigen, dass heutige Zürcherinnen und Zürcher oft dramatisch überfordert sind, wenn sie unverhofft einem Star nahe kommen.

Als Beweis führten wir die grundsätzlich gut geerdete Frau F. (Name d. Red. bekannt) ins Feld, die in einem Zugabteil plötzlich vis-à-vis von Stephan Eicher landete – er ist im Genre «Schöne Chansons mit Tiefgang plus fast ausnahmslos geglückte Mani-Matter-Coverversionen» ihr grösster Heroe – und darob so sehr die Bodenhaftung verlor (sitzend!, und übrigens in der 2. Klasse, was wiederum zeigt, dass Eichers Bodenhaftung absolut intakt ist), dass sie einer Freundin eine «SOS!»-SMS zukommen lassen musste.

Diese schlug F. vor, sie solle doch Eichers Lied «Déjeuner en paix» summen (natürlich möglichst «gut», damit er tatsächlich eine Chance auf Wiedererkennung bekäme), also poetisch gesagt eine Brücke legen, auf der ihr Eicher mitsummend oder gar redend entgegenkommen könnte.

Der Schlusssatz des Beitrags versuchte dann den Cliffhanger, er lautete: «Warum der Rat doppelt bescheuert war, und wie man solche und ähnlich ‹heisse› Situationen souverän meistert – also Promibegegnungen unbeschadet übersteht –, lesen Sie am Ostersamstag». Das ist heute, genau. Damit sind wir jetzt buchstäblich up to date und können fortfahren. Und das tun wir mit der durchaus bemerkenswerten Bemerkung, dass man im Journalismus – anders als in der Literatur – ersten und letzten Sätzen nie zu viel Bedeutung beimessen sollte. Weil sie häufig mehr versprechen, als sie letztlich einzulösen vermögen. In unserem Fall ist das aber erfreulicherweise grad andersrum: Es wird nämlich noch viel besser, als wir (und Sie!) erwartet hätten!

Grund dafür ist der von uns hochgeschätzte Jack Stark. Wem der Name kein Begriff ist: In der Nacht vom 14. auf den 15. April 1967 – vor präzis 50 Jahren! – führte Jack die Rolling-Stones-Member Mick Jagger und Brian Jones, die nach ihrem wilden Gig im Hallenstadion noch den Drang nach Party verspürten, zum Privatclub High-Life an der Lessingstrasse. Dort amtete der ältere Securitas Stöckli als Türsteher; die Stones kannte er nicht, doch er wusste, wie Anstand aussieht – weshalb er dem für seinen Geschmack viel zu exzentrischen Jüngling (also Jagger) den Eintritt verwehrte, die attraktive «Blondine» mit Federboa und Schlapphut (also Jones) jedoch passieren liess.

Der hübschen Episode kurzer Sinn: Dr. iur. Herbert «Jack» Stark, der damals als erster Schweizer People-Journalist und Promikenner wirkte, hat spontan zugesagt, uns zu berichten, mit welchen Tricks er sich die Jetsetter und Stars für ein offenes Gespräch oder Interview «gewogen» machte. Es sind wenige goldene Regeln, doch wer sie befolgt, kann jeden Promi meistern.

Dazu aber mehr nächste Woche in Teil 3, hier gibts jetzt die Auflösung des Rätsels, wieso der Rat der Freundin an Frau F. «doppelt bescheuert» war.

1. Eicher trug Kopfhörer, er hätte das Summen also gar nicht gehört.

2. Wenn schon summen, dann sicher keinen seiner Hits (das ist anbiedernd), sondern vielmehr eines der nach wie vor eher unbe- bis ver-kannten Stücke, beispielsweise «Ce soir (je bois)».

Hier gibts Lebensgefühle!

Thomas Wyss am Samstag den 1. April 2017

Kaum streckt uns der Frühling erste Knospen entgegen, kaum sehen die Bäume nicht mehr aus wie Magermodels, kaum fangen die Allergiker an zu keuchen und zu niesen, reden sie hier wieder alle und überall vom «neuen Lebensgefühl», das sie plötzlich spüren, angeblich sogar von früh bis spät, also vom Kaffee bis zum Koitus (wers glaubt, wird selig).

Und dieses neue Zürcher Lebens­gefühl, heisst es – auch da scheint man sich verblüffend einig – komme heuer aus Bern (was die einen hinter vor­gehaltener Hand mit «nöd guet, aber immer no besser als us em Ussland» ergänzen), nämlich von der Band Jeans for Jesus (die hysterische Fans bereits in «Jeans für alli!» umgetauft haben), konkret vom Stück «Wosch no chli blibä», das ebenso zum kollektiven Glückshüpfen animiere wie anno dazumal Pharell Williams’ «Happy».

Nun, wir von der städtischen Gebrauchsanleitung stehen der Sache, die irgendwie Hype und irgendwie Phänomen und irgendwie doch auch ziemlich irrelevant ist, etwas ratlos gegenüber.

Nichts gegen diese junge Band, die passt schon, wie die Kollegen von der Wiener Gebrauchsanleitung an dieser Stelle sagen täten. Doch unter dem Begriff Lebensgefühl verstehen wir Nachhaltigeres und Zeitloseres. Etwas, das zwar praktisch schon ewig existiert, das aber dank einem Kreativ­organismus, der sich quasi vorzu selbst bespringt und befruchtet und dabei Woche für Woche immense Ideen­mengen erzeugt, eben doch jedes Mal wieder einzigartig wirkt.

Wer nun gerade mitten in der Lektüre fast zu laut gerufen hat: «Hey, die meinen doch die Boschbar!», dem rufen wir anerkennend zu: «Aha, ein Habitué!» Wer die Boschbar nicht kennt – sie findet jeden Montagabend im Provitreff statt, kostet fünf Stutz und offeriert in der Regel irrwitzige Konzert- und trippige Disc-Jockey-Musik –, der soll die folgenden fünf Punkte bitte genau lesen – und genau befolgen.

1. Anders als in den bisherigen Beiträgen geht es das erste Mal nicht um die Frage, wie man sich verhalten soll, um nicht (oder mindestens nicht unangenehm) aufzufallen, nein: In der Boschbar sind «verhaltensauffällige» Menschen herzlich willkommen. Weil die Philosophie der Boschbar ähnlich ist wie die Philosophie von Lars von Triers Dogmafilm «Idioten»: Echte und falsche Hemmungen, Rollenzwänge, den inneren «Coolio» etc. deponiert man hier an der Garderobe.

2. Wer in der Boschbar tanzen will wie ein Hippie oder wie Kermit, tanzt wie ein Hippie oder wie Kermit. Wer laut ein Buch lesen will, liest laut ein Buch. Wer Bier mit Cola mischen will, sagt an der Bar, er wolle Bier mit Cola mischen. Wer weinen will, weint. Die Freiheit ist hier noch grenzenloser als über Reinhard Meys Wolken.

3. Dennoch gibt es Regeln. a) Wer am Töggelikasten fordert, muss das Spiel beherrschen. b) Beim DJ «Jeans für alli!» (oder sonst eine Lebens­gefühlsband) zu wünschen? Ein No-Go! c) Die Würde der Boschbar ist unantastbar (Aggressionen sind strikt tabu).

4. Nein, in diesem Artikel wurde weder geschrieben noch angedeutet, Boschbar-Besucher seien Idioten.

5. Nein, dies ist kein expliziter Aufruf für einen Besuch der Boschbar, es ist ein etwas anderer Erklärungsversuch für den Begriff «Lebensgefühl».

Outdoor feiern nur für bis zu 25jährige

Alex Flach am Montag den 20. März 2017
Allzu viele Outdoor-Anlässe gibts aus Bewilligungsgründen nicht. (Bild: Mandy von Zu)

Allzu viele Outdoor-Anlässe gibts aus Bewilligungsgründen nicht. (Bild: Mandy von Zu)

Heute ist Frühlingsanfang und am kommenden Wochenende Umstellung auf Sommerzeit. Für die Zürcher Clubs bedeutet dies, dass sich die Nachtleben-Saison 16/17 so langsam aber sicher ihrem Ende zuneigt: Auch die Clubber ergreifen nun jede Gelegenheit die immer milderen Temperarturen und die immer längeren Tage draussen zu geniessen und opfern dafür den einen oder anderen Clubbesuch, sodass sie das nicht mit Katerbeschwerden tun müssen.

In circa drei Monaten sind sie dann gar nicht mehr in die Clubs zu kriegen und verzichten für die Cervelat über offenem Feuer und das kalte Bier unter Sternenhimmel auf ihre geliebten DJ-Sets.

Freiwillig tun sie das nicht, aber auch im anstehenden Sommer hauen die Stadtzürcher Würdenträger jedem auf die Pfoten der mit ihnen draussen eine Platte auf einen Drehteller legen will. Ausser er ist zwischen 18 und 25 Jahren alt, verfolgt mit seinen Partys keine kommerziellen Ziele, zahlt 100 Franken Gebühr und kriegt einen Stempel unter sein Gesuch für eine Jugendbewilligung für Outdoor-Partys.

Trotz ihres Erfolges bleibt diese 2012 eingeführte Jugendbewilligung aber auch ein Ärgernis, denn die Stadtverwaltung setzt hier voraus, dass Menschen die älter als 25 Jahre sind keine Outdoor-Partys feiern möchten. Für die gilt nämlich weiterhin, dass „Singen, Musizieren und der Gebrauch von Tonwiedergabegeräten von 22.00 bis 07.00 Uhr im Freien verboten sind“ und, dass „der Betrieb von Lautsprechern, Megaphonen und anderen Verstärkeranlagen zwischen 22.00 und 07.00 Uhr nur für grössere Veranstaltungen (Knabenschiessen, Sechseläuten, Quartierfeste usw.) bewilligt werden“ (Lärmschutzverordnung der Stadt Zürich).

Selbstverständlich umgehen etliche Veranstalter diese Verordnung und führen ihre Partys einfach illegal durch. Leider sind das aber nicht selten die Partymacher, die sich auch sonst nicht um allzu viel scheren, die ihren Müll einfach liegenlassen und die ihren Gästen keinen Schutz durch eine professionelle Security-Firma bieten.

Die Altersbeschränkung für Bewilligungen für Outdoor-Partys ist überholt, geht von der antiquierten Vorstellung aus, dass Leute ab Mitte 20 nicht mehr in die Clubs gehen. Diese Zeiten sind aber längst vorbei: Wurde man Mitte der 90er noch misstrauisch beäugt, wenn man als Dreissigjähriger auf einer Tanzfläche zu House und Techno gezappelt hat, rühmen sich heute viele Clubs eines „erwachsenen“ Publikums und meinen damit ein Gäste-Durchschnittsalter von 27 oder gar höher.

Viele der Leute die mit der Technorevolution Anfang Neunziger aufgewachsen sind, hören diese Musik auch heute noch. Und Techno erlebt gerade einen neuen Frühling, samt einer Unmenge grossartiger Musik von einer neuen Generation DJs und Produzenten, die das Genre revolutionieren. Es wäre zu begrüssen, wenn die Stadt rechtliche Räume schaffen würde, in denen die Musik sich auch in den warmen Monaten des Jahres und abseits der Street Parade entfalten könnte. Damit auch dieses Stück Kultur ungehindert und in einem würdigen Rahmen prosperieren kann.

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

Feiern über die Feiertage

Alex Flach am Montag den 19. Dezember 2016
Die Sugarhill Gang an Weihnachten in der Amboss Rampe.

Die Sugarhill Gang an Weihnachten in der Amboss Ramp (Bild ganz rechts: Der 2014 leider verstorbene Big Bank Hank)

Irgendwann in den 90er Jahren in irgendeiner Halle, in der nie zuvor und nie wieder danach eine Party stattgefunden hat, stand Urs Kind auf einer Leiter und liess sich Lametta und Christbaumkugeln hochreichen um damit einen Nadelbaum von stattlicher Grösse zu schmücken. Draussen vor der Tür legte sich langsam die Nacht über Zürich und wer dem “Fest” in Festtage Tribut zollen wollte für den war Urs Kind auch Christkind, denn es war Tanzverbot und ausser ihm bot keiner Bass und Beats. Man müsste eigentlich annehmen können, dass es dafür eine ganz besonders gute Party wurde, wenn alle mangels Alternativen dort feierten, aber es war bestimmt keines von Kinds besten Feten – dafür war zu viel Platz auf der Tanzfläche.

Alljährlich steigt in der Adventszeit die Vorfreude auf Weihnachten und Silvester, nicht zuletzt weil da eigentlich die opulentesten Partys des Jahres stattfinden müssten. Was sie aber nie geschieht: Der Clubbetrieb an Heilig- und am Weihnachtsabend ist gar etwas lauer als üblich und an Silvester macht jeweils die überhöhte Erwartungshaltung den Clubbern einen Strich durch die Rechnung. Man geht in Erwartung der Nacht der Nächte aus dem Haus – und wenn man dann am Morgen des ersten Januars nach Hause kommt, war’s wie immer nur voller.

Auch in diesem Jahr findet sich in Party-Weihnachtsangebot nicht viel Extraordinäres. Einzig die Amboss Rampe trumpft an Heiligabend mit einem Act, dessen Gastspiel zumindest das Prädikat «überraschend» verdient: Dort spielt The Sugarhill Gang, die 1979 mit ihrem Song Rapper’s Delight dem Hip Hop erstmals international Gehör verschafft haben. Abseits davon gehen die Clubs ihrem ganz normalen, musikalisch tadellosen Nachtwerk nach und tun das was sie immer tun: Gute Konzerte bieten, ihren erfahrenen Resident-DJs Auslauf geben und ihre Line Ups mit den vertrauten Namen bekannter ausländischer DJs schmücken. Der einzig markante Unterschied zu den restlichen Wochenenden des Jahres ist, dass auch sonntags die meisten Clubs Gäste empfangen.

An Silvester verlegen sich die Partymacher ebenfalls auf das Bieten von Erprobtem und da dann insbesondere international bekannte DJs an Silvester ihre Gagen zu verdoppeln pflegen, wird die Zürcher Neujahrsnacht vor allem von Zürchern vertont. Einzig die New Yeah-Party im Volkshaus mit Alle Farben, Tube & Berger, Chocolate Puma und Revolution und die Maagic auf dem Maag Areal mit Alan Walker, Flic Flac, DC Breaks und DJ Flip bieten Sets von diversen international bekannten DJs, wobei sich beide Sausen an ein eher jüngeres Publikum wenden.

Meist sind die besten Weihnachts- und Silvester-Feten jedoch eben jene, an denen die Musik von den Resident-DJs eines Clubs stammt, denn Eines haben Club- und Wohnzimmerpartys gemein: Die besten sind die, die man im Kreise jener feiert die man kennt und die man mag. Das gilt ganz besonders für die festlichste Zeit des Jahres und daher empfiehlt es sich dann nicht das Ausgefallene zu erzwingen, sondern im Gegenteil dorthin zu gehen wo man einen kennt und mit Namen begrüsst.

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

 

Der Berg ruft und die Zürcher kommen

Alex Flach am Montag den 12. Dezember 2016
Partys in den Bergen sind Tourismusattraktionen.

Partys in den Bergen sind Tourismusattraktionen.

Dass das Alphorn in früheren Jahrhunderten von Alphirten zur Signalisierung ihres Standortes benutzt worden sei, ist im wortwörtlichen Sinn des Ausdrucks eine urban legend: Die Schall reflektierenden Bergwände verunmöglichen eine exakte Ortung. Trotzdem benutzten die Hirten das Alphorn damals als Kommunikationsmittel, beispielsweise um abends die Kühe von der Weide zu rufen oder um den Leuten im Tal oder den Kollegen von der benachbarten Alp Nachrichten zu übermitteln. Im Laufe des 20. Jahrhunderts verlor das Alphorn seine kommunikative Funktion und wurde immer mehr zur Folklore.

Schade eigentlich, denn etwas gepflegte Alphornkonversation hätte verhindern können, dass sich an diesem Wochenende gleich drei grosse elektronische Bergfestivals konkurrieren, das Polaris in Verbier, die Modernity in Davos und der Rave on Snow im österreichischen Saalbach-Hinterglemm.

Überall mittendrin statt nur dabei: Die Zürcher. In Verbier spielten, neben ausländischen Stars wie Richie Hawtin und Dixon, auch Alex Dallas und Kalabrese. An der Modernity wurde die Zürcher Szene von Patrischa vertreten und am Rave on Snow unter anderem von Animal Trainer. Da all diese DJs über eine stattliche Entourage verfügen, wurden dem Nachtleben-affinen Zürcher die hochalpinen Gruppenfotos am Wochenende gleich im Dutzend in die Filterblase gespült.

Die winterlichen Berg- und Pistenausflüge der Zürcher House- und Techno-Clubber haben Tradition. Waren es in den 90er Jahren noch mehrheitlich Trips verschworener Gruppen wie die Val Sinestra-Happenings bei Scuol im Engadin, so sind die Zürcher DJs und Clubber seit der Entdeckung der elektronischen Musik durch alpine Tourismusverantwortliche Teilnehmer an bisweilen riesigen Sausen, die Besucher aus der ganzen Schweiz und dem benachbarten Ausland anziehen. Und es scheinen jährlich mehr zu werden: Neben den drei genannten Berg-Raves gibt’s ja auch noch das Arosa Electronica, das Caprices in Crans-Montana und einige mehr.

Ob diese Partys zur Annäherung zwischen Berg- und Tal-Bevölkerung beitragen ist fraglich: Die Veranstalter legen bei der Bewerbung der Anlässe den Fokus auf die urbanen Regionen und von den Line Ups prangen die Namen von DJs und Clubmusikern, die dem Gusto von Städtern entsprechen. Und selbst wenn die für Aufruhr sorgenden Zürich-Hasskleber, mit denen vor ein paar Jahren ganz Davos verklebt wurde, von einem Schaffhauser mit spartanisch möbliertem Oberstübchen stammten, so wird die Abneigung der Bergbewohner ihren städtischen Eidgenossen gegenüber von diesen doch weiterhin gehegt und gepflegt – auch wenn die Tourismusverantwortlichen der Skigebiete nicht müde werden dies händeringend und mit aller Vehemenz zu dementieren.

Solange die Hirten keine Subwoofer den Hang hochschleppen um die Kühe mit Techno von der Weide zu rufen, bleiben diese Festivals was sie sind: Euphorisierende Tourismusmassnahmen für städtische Clubber, die auch in den Bergen ihrem primären Hobby nachgehen möchten, einfach ohne Hochnebel über dem Scheitel und besserer Luft in der Lunge.

alex-flach2-150x150-1-1Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

Der etwas andere One Night Stand

Alex Flach am Montag den 17. Oktober 2016
Nach der Bachelor-Party und Ü30-Anlässen ist nun auch die Zukunft ins Kaufleuten gekommen.

Nach der Bachelor-Party ist nun auch die Zukunft ins Kaufleuten gekommen.

Von Samstag auf Sonntag kam es im Kreis 1 zu einem One-Night-Stand, der auf eine Weise hätte ausgehen können, wie es schon Viele erlebt haben: Am Morgen danach ist man froh wenn der Andere geht und wenn man der Andere ist, dann atmet man erleichtert auf wenn man endlich die Türschwelle überschritten und die frische Morgenluft betreten hat.

Gemeinsames Frühstück? Danke, aber nein danke. Man hat zwar die Zigaretten und das schöne Zippo-Feuerzeug oben vergessen, aber dafür nochmal in diese Wohnung hoch? Das ist es nicht wert.

Das Stelldichein von dem hier die Rede ist war jedoch keineswegs das Ergebnis zügellosen Alkoholkonsums und dem damit einhergehenden Wunsch nach dem Austausch von Körpersäften, sondern eines mit Konzept und akribischer Planung: Der Club Zukunft hat im Kaufleuten eine Future Is Now-Party ausgerichtet, mit kompromisslosem Line Up samt Artisten wie John Talabot, Roman Flügel und Mano Le Tough an den Turntables.

Es war ein seltsamer Anblick: Die anwesenden Zukunft-Gäste, die sich wohl einen ziemlichen Schubs haben geben müssen, um an diese Kordel zu stehen, mischten sich mit Kaufleutenvolk, das wohl einen Moment gebraucht hat um zu begreifen, was da in seinem Club vor sich geht. Wer zu welcher Gruppe gehörte konnte man leicht feststellen: Die einen investieren den halben Abend ins perfekte Ausgang-Styling, die anderen greifen sich das Oberste vom Klamottenstapel, stülpen es über und schmeissen sich aufs Fahrrad.

Es ist kein Geheimnis, dass diese beiden Szenen nicht viel voneinander halten: Langstrasse- und Zürich West-Clubber haben für die Kreis 1-Schickimickis nur Verachtung übrig und diese wiederum kennen die andere Seite der Zürcher Nacht nicht und interessieren sich auch nicht für sie. Es liegt ein tiefer Graben zwischen ihnen und die Brücken sind längst morsch geworden und in den Abgrund gefallen.

Dass dieses Rendezvous zwischen Zukunft und Kaufleuten zustanden kommen konnte liegt daran, dass die jeweiligen Clubmacher einer Zeit entstammen, in der es den erwähnten Graben noch nicht gab. Damals, tief in den 90er Jahren, existierten nur eine Handvoll Clubs und die wurden von allen frequentiert.

Es war ein Gütesiegel für ein Lokal, wenn der Punk an der Bar mit dem Banker getrunken und gelacht hat, derweil der DJ frisch von der Leber Songs aus Genres zusammenmixte, die heute als unvereinbar gelten. In den Anfangszeiten des zeitgenössischen Clubbings gab’s zwar auch bereits Grenzen zwischen den nach Musik unterteilten Szenen, jedoch waren das damals kleine Gartenzäune mit weiss gestrichenen Holzlatten über die hinweg gutnachbarschaftlich geplauscht werden konnte und nicht die mit Stacheldraht bewehrten Mauern von heute.

Nach einer kleinen Weile hatten die Zukünftigen ihre Kaufleuten-Aversionen vergessen und die Kaufleuten-Gäste ihre Irritation wegen des ungewohnten Sounds überwunden. Und siehe da: Es hat funktioniert. Sie alle haben getanzt und sich von der Musik treiben lassen und zwar als wär’s nie anders gewesen. Und wenn man die alten Zeiten selbst noch kennt, dann hat man sich gefragt, warum solche Begegnungen nicht öfter stattfinden.

Alex-Flach2-150x150 (1)Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

Keine Liebe für Lovemobiles

Alex Flach am Sonntag den 7. August 2016
DJs, die nicht vom Motorengeräusch zu unterscheiden sind: Keine Seltenheit an der Street Parade.

DJs, die nicht vom Motorengeräusch zu unterscheiden sind: Keine Seltenheit an der Street-Parade.

Hierzulande kann man immer häufiger zu Sets von Frauen wie Patrischa, Eli Verveine, Honorée, Frau Hug oder Vanita tanzen. Sie alle spielen in den besten Clubs mit subkultureller Programmierung wie der Friedas Büxe, dem Basler Nordstern oder dem Supermarket. Auch die Bernerin Carol Fernandez vermag sich seit längerer Zeit in der Männerdomäne DJing zu behaupten. Im Unterschied zu den Genannten ist sie aber in sehr kommerziellen Gefilden zuhause, samt Gastauftritten bei der SRF-Sendung Glanz & Gloria. Ähnlich wie die Ostschweizerin Tanja La Croix vermarktet sie sich denn auch nicht primär über ihre Musik, sondern mit peppigen Modelfotos.

An der Street-Parade vor zwei Jahren hat Fernandez ein Zeichen gesetzt, das man trotz Absenz von Absicht als Statement interpretieren kann, und hat den ehemaligen Sidekick von Harald Schmidt und heutigen Ballermann-DJ Oliver Pocher auf ihr Lovemobile gebucht. Klar… dieses Booking war wohl eher das Resultat einer enormen Fehleinschätzung der Ansprüche leidenschaftlicher Raver, aber trotzdem hat sie damit die Entwicklung auf den Punkt gebracht, welche die Zürcher Clubs von der Street-Parade fernhält: Die Musik die von den Lastwagen runterdonnert ist mehr Tortur als Kunst und hat nichts mit dem zu schaffen, was beispielsweise in einem Club Zukunft läuft – dort würde man Pocher und Fernandez wenn nötig mit Gewalt von den Plattentellern fernhalten.

Auch in diesem Jahr lässt einen die Durchsicht der Lovemobile-DJs erschaudern. Klar gibt es Ausnahmen wie beispielsweise das «Mimmo & Friends»-Lovemobile mit DJs wie Dario D’Attis oder Mirco Esposito oder das „Black & White Lovemobile“ auf dem unter anderem das Mad Katz DJ Team zugange ist. Aber alles in allem wünscht man sich bei den meisten Lovemobiles die Motoren wären lauter als das Soundsystem. Ganz anders sieht es hingegen auf den Bühnen aus: Der Street-Parade-Booker Robin Brühlmann hat ganze Arbeit geleistet und seine acht Stages hochkarätig besetzt. Loco Dice, Mind Against, Martin Buttrich, Pan-Pot und Steve Lawler sind nur ein paar der grossen DJs die da spielen.

Vor diesem Hintergrund ist die Idee zu sehen, die neulich in den sozialen Medien aufgetaucht ist, man könnte doch die Lovemobiles abschaffen und die Street-Parade zum elektronischen Festival umbauen. Dieser Gedanke ist nicht neu und es waren bereits zögerliche Ansätze zu beobachten aus der Parade ein mehrtägiges Happening analog der Sonàr in Barcelona zu machen. Jedoch sollte auch dann keinesfalls auf den Lastwagen-Umzug verzichtet werden: Auch wenn der Zürcher die Lovemobiles nur noch als akustisches Ärgernis sieht, so sind doch sie es, die die Street-Parade so einzigartig machen. Egal wie scheusslich der Sound bisweilen ist: Die Lastwagen sind als Herzstück und ultimativer Wiedererkennungswert der Street-Parade nicht ausklammer- oder abschaffbar. Egal wie man’s dreht und wendet: Soll sich was ändern müssen die Clubs mit eigenen Lastwagen zurück an die Strecke. Je früher desto besser.

Alex-Flach2-150x150 (1)Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.