Beiträge mit dem Schlagwort ‘Grün’

Zwei Wasserfässer Glückshormone

Beni Frenkel am Donnerstag den 8. Dezember 2016
schreber

Mähen Sie! Kompostieren Sie! Schaffen Sie fremde Pflanzen weg! (Foto: Anne Frenkel)

Letzten Sonntag haben wir eine kleine Wanderung durch den Entlisbergwald gemacht. Die Dezembersonne wärmte unsere Glieder und zauberte schaurig schöne Lichtfenster im dichten Moos. Für den letzten Satz brauchte ich übrigens zehn Minuten. Vor allem auf das Wort «Lichtfenster» bin ich stolz. Normalerweise verwendet man «Lichtfenster» für LED-Panels. Ich aber habe den Begriff in Zusammenhang mit einer Herbststimmung verwendet.

Als wir beim Waldausgang standen, blickten wir auf die Kolonie der Schrebergärtner hinab. Dicht nebeneinander standen die Häuschen. In manchen Gärten hingen noch verschrumpelte Äpfel an alten Bäumen. Menschen habe ich fast keine gesehen.

Hier hatten wir auch einmal eine Parzelle. Weil wir uns aber nicht jeden Sonntag um das dumme Grünzeug kümmerten, wurden wir ständig gemahnt. Schneiden Sie den Baum zurecht! Mähen Sie! Kompostieren Sie! Schaffen Sie die fremden Pflanzen weg! Sie!

So ging das ein Jahr, bis wir uns entschieden, wieder  Freude am Leben zu erlangen und deswegen mit der Gärtnerei aufzuhören. Im Gespräch mit anderen Geplagten erfuhren wir, dass das Terrorregime der Familiengartenvereine weitverbreitet ist. Jeder zweite Hobbygärtner – so meine Schätzung – hat sich schon mal überlegt, vom Schrebergartenhaus runterzustürzen.

Was schief läuft, ist vor allem die Kommunikation. Ältere Frauen oder Männer, die zum ersten Mal in ihrem Leben etwas Macht erhalten, sind damit total überfordert. Plötzlich dürfen sie als Präsidenten den Gauleiter im rechtsfreien Raum markieren. Wenn sie durch die Gärten laufen, unterbrechen die Pächter ihre Arbeiten. Viel wichtiger als die langweilige GV ist daher «Gartenbegehung».

Das ist sowas wie ein kommunistischer Parteitag mit dem Unterschied, dass das oberste Organ selber zu seinen Mitgliedern geht. Ich denke, die Gartenbegehung löst bei den Präsidenten zwei Wasserfässer Glückshormone aus. Bei diesem Kontrollgang im Herbst inspizieren die Präsidenten nämlich die Gärten ihrer Mitglieder und monieren sämtliche Normabweichungen. Sodann wird gemahnt , gedroht und intern gelästert. Damit will ich aber nicht sagen, dass alle Sektionspräsidenten und -Präsidentinnen Tyrannen sind.

Ein Blick in die Zeitschrift Gartenfreund zeigt aber, dass in vielen Gartenvereinen ein verdammt übler Ton herrscht. Im «Gartenfreund» lese ich im Dezember immer aufmerksam die  Jahresschlussberichte der verschiedenen Vereine. Die Präsidenten wünschen manchmal schöne Festtage oder bedanken sich für die freiwilligen Arbeiten. Zum Beispiel beim Pächter Heinz, der das WC in Schuss hält. Rechtzeitig zum Jahresende wird aber nochmals gestänkert und gedroht. Ein paar Auszüge habe ich aus dem «Gartenfreund» (Dezember 2016) notiert. Sie zeigen auf: Schweizerischer als in einem Gartenverein ist es nirgends:

 

Zürich Wipkingen
(…) Wieder einmal wurde ein Pächter/eine Pächterin durch die Polizei “Umweltdelikte” erwischt, nachdem er/sie verbotenerweise giftigen Unkrautvertilger eingesetzt hatte. Nach einem solchen Verstoss gegen Art. 6 der KGO muss man mit der Kündigung rechnen.” (…)

Oerlikon-Schwamendingen
(…) Sollten Sie zu den wenigen gehören, die im Garten das Tomatenhaus mit flatternder Plastikhülle besitzen, bitten wir Sie, diesen sofort zu entfernen. (…)

Zürich Affoltern
(…) Wir machen Sie darauf aufmerksam, dass Wasserfässer, welche nicht geleert sind und deswegen kaputt gehen auf Ihre Kosten ersetzt werden, was eine eher kostspielige Angelegenheit wird. (…)

Basel Holzmatt
(…) “Auch ist es manchmal unverständlich, wie die Gärten “gepflegt” werden. Elf Gärten wurden beanstandet (…)

Bern Eymatt
(…) “Wiederum sind mehrere Kündigungen eingetroffen bzw. wir mussten solche aussprechen, weil diese Pächter ihren Pflichten in grobem Mass nicht nachgekommen sind” (…)

Bern Süd-west
(…) Anschliessend findet die GV statt. Für Neupächter ist die Teilnahme obligatorisch. Der Besuch der GV ist Bestandteil unseres Vereins! Wir erwarten daher auch jene Mitglieder, welche immer mit Abwesenheit glänzen. (…) Gleichzeitig rufe ich die grosse Masse der Abseitsstehenden auf, sich doch aktiv am Vereinsgeschehen zu beteiligen. Das wäre bitter nötig! (…) werden wir nun Stadtgrün Bern melden und ein Gesuch auf Kündigung ihrer Parzelle einreichen! (…)

Notizen aus der Dichtestress-Hölle

Stadtblog-Redaktion am Freitag den 31. Oktober 2014
So sehen die Trams in der Weihnachtszeit aus. Da hilft nur: ÖV abschaffen.

So sehen die Trams in der Weihnachtszeit aus. Da hilft nur: ÖV abschaffen.

Von David Sarasin & Reda El Arbi

Ecopop steht vor der Türe – und bei einer Annahme der Initiative lockt die Aussicht für alle Schweizer auf ein eigenes Hüsli mit genügend Umschwung und einem Apfelbaum im Garten. Oder haben wir da was falsch verstanden? Jedenfalls wollen wir nicht hinten anstehen, zumal wir in Zürich wissen, was die Leute auf dem Land meinen, wenn sie von Dichtestress reden. Seit Jahr und Tag leben wir mit vielen anderen zusammen auf begrenztem Raum, schichten uns quasi übereinander, versinken förmlich im Gewusel – und an Weihnachten ist alles noch viel schlimmer. Zeit, die Situation zu entschärfen. Mit dieser Liste, die wir, falls Ecopop angenommen wird, ebenfalls durchsetzen werden – wenn nötig via Volksentscheid!

Sprüngli
Wer dieser Tage im Sprüngli an der Bahnhofstrasse ein Lachs-Canapé verzehrt, gerät rasch in folgende missliche Lage: er muss einen Tisch zum Beispiel mit einer älteren Frau teilen. Wir wollen diese Überbevölkerung des Sprüngli in Zukunft nicht mehr hinnehmen und fordern: Pelzmantel- oder Privatbankkunden-Vorrang bei den Gästen! Zudem muss man natürlich über eine Armen-Steuer auf Lachs-Canapé nachdenken.

Bahnhofstrasse
Wo bis vor einigen Jahren noch exklusive kleine Schmuck-, Uhren- und Modeläden  mit höchstens fünf Kunden am Tag zu besuchen waren, drängen sich jetzt ausländische Billigstketten und wirken als Magnet für Leute, die nun wirklich nicht an der Bahnhofstrasse einkaufen sollten. Nicht nur, dass die Menschenmassen so den Blick in die Schaufenster versperren, nein, sie gefährden auch die Versorgung mit dringend benötigten Grundnahrungsmitteln. (Siehe «Sprüngli»)

Bootsanlegeplätze
Auf dem See ist der Dichtestress eminent. Wer etwa eine Erst-Yacht kauft, muss Jahre warten, bis er einen Anlegeplatz kriegt. Und hat er erst mal einen solchen, sieht er sich mit hunderten anderen Booten konfrontiert, die ebenfalls ihr Stück vom Ufer beanspruchen. Von der Aufnahme im Yachtclub noch gar nicht zu reden, das dauert noch einmal zwanzig Jahre. Der Seeanstoss muss wieder exklusiver werden, das Seeufer gehört an Private verkauft, der Seeuferweg durchtrennt.

Langstrasse
Erschwerend zu unseren Bestrebungen kommt, dass die Gentrifizierung viel zu langsam von statten geht. An der Langstrasse zum Beispiel dominieren noch immer feiernde Massen und Milieu-Läden, anstatt, wie bei uns im Seefeld und am Züriberg, das warme Brummen der SUVs. Wir hoffen, dass der Upperclass-Klassenkämpfer in Gottes Gnaden, Rolf Hiltl, die Situation bald in den Griff bekommt. Denn nur aufgewertete Quartiere sind Dichtestress-freie Quartiere.

Luxuswohnungen
Das sieht man auch im Kreis 5. Die leerstehenden Luxuswohnungen in Zürich West bringen etwas Luft in ansonsten vom Dichtestress geplagten Quartier. Die Stadt sollte sie in Zukunft kaufen und leer stehen lassen. Auf deren Terassen lassen sich auch Apfelbäume pflanzen. Zudem sollten nur Architekten für städtische Projekte verpflichtet werden, die es verstehen, Flächen so zu bauen, dass sie auch im Sommer nicht von Passanten besetzt werden und Raum zum Atmen lassen. Die Gegend um den Prime Tower wäre ein hervorragendes Beispiel.

Oktoberfest
Exemplarisch lässt sich der Dichtestress auch am Oktoberfest auf dem Bauschänzli beobachten. Hier ist der Platz an den Festbänken derart beschränkt, das gewisse Entitäten sich gezwungen sehen, auf den Tischen zu tanzen. Andere sind derart zwischen ihren Banknachbarn eingeklemmt, dass sie sich in ihre Lederhosen pissen müssen. Zudem sehen die Brüste der Dirndl eingequetscht aus. Wir fordern mehr Platz für die ganze Festgemeinde!

Verkehr
Wie man den Dichtestress auf den Strassen lösen könnte? Mit der Aufhebung einiger Tram- und Bus-Linien und natürlich mit der Zusatzspur am Bellevue. Und mit einem Autoverbot für Sozialhilfebezüger.

Bildungswesen
Die Förderungskindergärten, Privatschulen und Elite-Gymnasien leiden morgens und am späten Nachmittag für jeden sichtbar unter dem Dichtestress. Die Mütter finden kaum Platz, ihre Kinder aus den sicheren (warm brummenden) SUVs auszuladen und ihnen noch eine Minute mit den Augen zu folgen, bis sie das Schulgelände unverletzt betreten haben. Schlimme Szenen spielen sich ab, wenn die Mütter mit Hupen und Ruckelfahrt um den Platz vor den Schulen kämpfen. Wir fordern einen Numerus Clausus schon bei der Kindergartenanmeldung.

Globuskasse
In der Warteschlange an der Globuskasse ist es wohl am Deutlichsten: Nicht nur, dass immer mehr Leute sich die Globusartikel leisten wollen, nein!, sie zahlen auch noch mit Bargeld und halten beim Münzabzählen die ganze Schlange auf. Man sollte die Zuwanderung so kontingentieren, dass nur Leute mit edelmetallfarbenen Kreditkarten kommen dürften.

«Who is Who»
Auch an wirklich exklusiven Orten ist es eng geworden. Während andere Magazine die HUNDERT mächtigsten, reichsten oder schönsten Menschen auflisten, muss man sich als wichtiger Zürcher mit den ZWEIHUNDERT wichtigsten Zürchern ins «Who is Who»-Magazin quetschen. Wir fordern eine Gesundschrumpfung dieser Publikation per richterlichem Entscheid.

Umwelt und Natur
Im Sommer ist es überdeutlich: Die Grünflächen der Stadt werden von unzivilisierten Horden besetzt, die sich, ohne auf die lokale Kultur und Zurückhaltung zu achten, überall hinfläzen und so dem Rasen keinen Raum zum Atmen mehr lassen. Da hilft nur rigoroser Schutz. Alle Parks und Grünflächen der Stadt müssen in Golfplätze mit sehr begrenztem Zugang – wie in allen vernünftigen Golfclubs – umgebaut werden. Die Mitarbeiter von Grün Stadt Zürich dürften erfreut sein, wenn man ihnen eine Weiterbildung zum Caddy ermöglicht. So würden hochqualifizierte Arbeitsplätze geschaffen und dem Raubbau an der Natur ein Riegel geschoben.

Mit unseren Denkansätzen kann man dem Dichtestress in der Stadt etwas entgegensetzen. Nur mit Mut und Engagement lässt sich die erstickende Enge Zürichs wieder in eine lebenswerte Atmosphäre verwandeln. Wir hoffen auf Ihre Unterstützung!

«Er will nur spielen!»

Réda El Arbi am Freitag den 6. Juni 2014
Mein Hund.

Mein Hund.

«Scheisshündeler» hörte ich letzthin im Tram. Und irgendwie konnte ichs verstehen. Da sass eine Frau mit einem Ridgeback, also einem Hund, auf dem ein 5-Jähriger ohne Probleme durch die Stadt reiten könnte, und besetzte ein ganzes Vierer-Abteil. Keiner konnte sich auf die restlichen drei Plätze setzen – und das mitten in der Stosszeit.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe selbst zwei Hunde, bin also ganz bestimmt keiner von diesen Hundehassern. Aber wenn ich neben dem Kinderspielplatz in der Bäckeranlage in einen Hundehaufen trete, reg ich mich schon auch auf. Natürlich wünsch ich dann diesem ganz bestimmten Hundehalter die Pest an den Hals, und nicht dem Hund oder allen Hundefreunden. Leider sind nicht alle Leute so differenziert. Hundehalter, die die Freiheit ihres Vierbeiners über die ihrer Mitmenschen stellen, machen es für alle anderen Hündeler immer schwieriger. Hier einige Tipps, wie Sie, als Hundehalter, den anderen Menschen und ihrem Hund das Leben erleichtern:

«Er will doch nur spielen»

Es gibt Menschen, die mögen keine Hunde. Und ehrlich, das sind auch ganz tolle Leute, sie mögen einfach aus irgendeinem Grund keine Hunde. Einige fürchten sich sogar vor den Tieren. Natürlich können wir das nicht verstehen, aber stellen Sie sich einfach vor, andere Leute würden mit ihren Vogelspinnen an der Leine durch die Stadt spazieren, so fühlt sich das an.  Wenn Sie sich also mit ihrem Hund in einer stark frequentierten urbanen Gegend aufhalten, sollten Sie ihren Hund an die Leine nehmen und nicht darauf vertrauen, dass die anderen dann schon mit ihrem Vieh umgehen können.

Wenn ihr Hund ihnen nicht folgt (und damit meine ich nicht, dass er irgendwann schon zu ihnen zurückkommt, wenn Sie ihn rufen), dann sollten Sie ihn auch in städtischen Parkanlagen an die Leine nehmen und nicht hinter ihrem Hund herrennen und allen, die er über den Haufen rennt, zurufen «Er will nur spielen!».

Im Tram oder im Bus schauen Sie, dass ihr Fifi maximal einen Platz besetzt. Den, für den Sie bezahlt haben. Wenn ihr Hund im Gang liegt und jemanden schnappt, weil der ihm auf die Pfoten gestanden ist, machen Sie sich keine Freunde.

«Das ist nicht von mir!»

Hunde kacken. Überall und zu den unpraktischsten Gelegenheiten. Also ist es am Hundehalter, immer ein Hundesäckchen dabeizuhaben und den Kot einzusammeln. Ich weiss, das ist nicht so herzig, wie ihren Hund hinter den Ohren zu kraulen. Aber mit der Verantwortung für den Hund haben Sie auch die Verantwortung für dessen Hinterlassenschaften übernommen. Nichts bringt Menschen mehr gegen Hunde auf, als Scheisse an teuren, massgeschneiderten italienischen Designerschuhen. Und falls Sie in der Nähe eines Kinderspielpatzes einen Hundehaufen sehen, nehmen Sie ihn doch auf. Da Sie ja sowieso IMMER Doggybags dabei haben, ist das eine kleine Mühe und macht das Leben zwischen Hundehaltern und Nicht-Hündelern um Welten einfacher.

«Er passt zu meiner Tasche»

Bevor Sie sich einen Hund anschaffen, überlegen Sie sich doch bitte, weshalb. Hunde sind keine Accessoirs. Hunde sollen nicht Ausdruck ihres persönlichen Images sein. Weder soll der Kampfhund zu Ihren geilen Tattoos passen, noch soll der nackte Windhund mit ihrem schnittigen Sportwagen korrespondieren. Wenn Sie sich einen Hund anschaffen, dann haben Sie einen Gefährten, Sie gehen einen Vertrag ein, den Menschen und Hunde schon seit tausenden von Jahren verbindet. Sie sorgen für den Hund, richtig, und er ist dafür treu bis in den Tod.

Für ihren Hund sorgen heisst, ihm die richtigen Lebensbedingungen zu bieten. So sollten Sie keinen riesigen Hund mit Laufbedürfnis in einer Dreizimmerwohnung halten und drei Mal fünf Minuten am Tag mit ihm rausgehen. Zudem sollten Sie vielleicht einen Hund halten, der mit den Klimabedingungen zurechtkommt. Also in der Schweiz sind Nackthunde sicher nicht wirklich glücklich. Genauso sind Polarhunde hier im Sommer nicht wirklich am richtigen Ort, auch wenn sie wirklich cool aussehen.

Dann achten Sie doch bitte noch darauf, dass Sie nicht die kranken Leute unterstützen, die Hunde so weit verzüchten, dass sie danach genetische Deformationen haben. Wenn ihnen der Hund wichtig ist, wollen Sie keinen, der aus Überzüchtung Atembeschwerden, Hüftverkrüppelungen und andere Leiden hat, nur damit er so aussieht, wie ihn die Menschen mögen.

So, nun wünsch ich Ihnen einen schönen Tag mit ihrem besten Freund.

Gähnende Leere oder majestätische Weite?

Réda El Arbi am Montag den 24. Februar 2014
Einschüchternd und menschenleer: Der neue Sechseläutenplatz

Einschüchternd und menschenleer: Der neue Sechseläutenplatz

Die ersten frühlingshaften Tage lassen die Auseinandersetzung um den «grauen Platz», wie manche den Sechseläutenplatz in Anhlehnung an den «Roten Platz» in Moskau bereits nennen, aufflammen.

Von «grosszügiger Weite» und «mutiger Öffnung» sprechen die Einen, wenn sie vor der grossen Granitfläche vor dem Opernhaus stehen. Es sei eine städteplanerische Meisterleistung, ein mutiger Coup, der die Stadt wieder atmen lasse, schwärmt ein befreundeter Architekt.

Die andere Hälfte meiner Freunde spricht von «verschwendeter Leere», nennt den Sechseläutenplatz «die Wüste Globi» (mit Bezug zum Globus). Wo die anderen architektonische Vision erkennen, sehen sie Platzverschwendung.  Sie bemängeln, dass man früher auf der Umgrenzungsmauer «Zmittag» essen konnte, jetzt aber auf das überteuerte Collana oder auf eine der beiden Inseln, in denen bald einige wenige Bänkchen aufgestellt werden, verdrängt wird.

Ein Augenschein zeigt, dass die Schüler und Angestellten aus dem Seefeld über Mittag wirklich kurz auf den Platz kommen. Aber sie bleiben nicht. «Los, der Stein ist zu kalt, gehen wir rüber an den See» meint ein junges Mädchen zu ihren Essen schleppenden Kolleginnen. Offenbar geht sie davon aus, dass der Steinboden am See wärmer sein könnte. Und sie bringt es auf den Punkt: Die Leere wirkt nicht gemütlich, sondern majestätisch – und abweisend.

Auf dem Platz bleiben Touristen stehen und drehen sich beeindruckt einmal um die eigene Achse, bevor sie ein Foto schiessen und weitergehen. Der Platz ist eindrücklich, verbreitet einen Hauch Weltstadt, ich glaube «imposant» wäre das richtige Wort. Aber offenbar nur für Besucher. Ein Strassenkünstler lässt vereinsamt ein bauschiges Etwas durch die Luft schweben, allerdings ohne dass die Passanten auf dem Weg vom Stadelhofen zum See stehen blieben.

«Das wird im Sommer sicher belebter», meint mein Freund, der Architekt. Irgendwie wage ich das zu bezweifeln: Soweit ich mich erinnern kann, werden unbeschattete Steinflächen bei Sonneneinstrahlung unangenehm heiss. Aber vielleicht hat er ja recht, und die Leute braten sich im Sommer ihr Mittagessen gleich auf dem heissen Stein.

Noch kann ich mir kein abschliessendes Urteil über den Platz bilden. Es kann sein, dass der grossen Steinfläche doch noch Leben eingehaucht wird. Vielleicht von Fahradakrobaten, Skatern oder Rollschuhläufern, wenn die Stadt dies denn zulässt. Zur Zeit könnte man noch denken, die Parkplatzlobby hätte den Parkplatzfrieden von anno 1992 gebrochen sich in Zürich mit der grauen Weite ein Denkmal gesetzt.

Die Zürcher Missgunst

Blog-Redaktion am Freitag den 27. September 2013
«Der Politiker geht zum Brunnen, bis er bricht.» Visualisierung des Steins des Anstosses.

«Der Politiker geht zum Brunnen, bis er bricht.» Visualisierung des Steins des Anstosses.

Wir gönnen einander nichts mehr. Und alles ist zu teuer. Eine Polemik von Peter Aeschlimann

Ein Defizit kommunizieren: Peanuts. Eine verlorene Abstimmung erklären: Peanuts. Den eigenen Rücktritt verkünden: Peanuts. Der ultimative Härtetest für einen Politiker ist die Präsentation eines neuen Brunnens. Er weiss, was ihn danach erwartet: ein riesiges Donnerwetter der Empörten. Denn im Internet lässt sich über Geschmack sehr wohl streiten. Und das tönt dann so: «Planer aus dem Mittelalter!», «Grässlich!», «Eine Verschwendung von Platz und Geld!», «Absurd!», «D i e B e v ö l k e r u n g w i l l d i e s e n B r u n n e n n i c h t!»

Die Schelte gilt einem Brunnen, den die Stadt Zürich 2015 auf dem autofreien Münsterhof aufstellen will. Bislang existiert er nur auf Visualisierungen. Sie zeigen zwei Becken und einen bogenförmigen Zulauf, vier Meter hoch. Kosten: 400 000 Franken.

Was passieren wird, ist absehbar, und es hat in der Stadt Zürich System. Man erfindet unschmeichelhafte Übernamen für das Ungewollte. «Kuhtränke mit überdimensioniertem Galgen» geistert schon im Netz rum. Seifenschale, Eierbecher, Schandbogen, abstürzende Untertasse, Betonfrisbee, kaputter Henkel, schlaffer Haken wären weitere.

Verbale Verunglimpfung wirkt. Die SVP brachte mit dem Ausdruck «Goldigi Schiissi» das Nagelhaus zum Einsturz. Vordergründig geht es immer ums Geld, das nicht vorhanden ist. Zürich schreibt rote Zahlen, also soll die Stadt gefälligst Trauer tragen. So, wie sie das unter dem Escher-Wyss-Platz tut, wo sich das Nichts ausgebreitet hat.

Was habe ich davon?

Schon lange herrscht das Prinzip: ja, aber nicht in meinem Vorgarten. «Nimby» heisst das im Englischen, Not in My Backyard. Man befürwortet zwar Spielplätze, will aber nicht, dass sich die Kinder in Lärmdistanz austoben dürfen. Neu ist der Niidli-Ansatz. Und tatsächlich hat der viel mit Neid zu tun. Niidli steht für «Not, If I Don’t Like It»: Wenn ich etwas nicht mag, bin ich dagegen.

Wer vom Niidli getrieben ist, handelt so: Kongresshaus? Ich gehe nicht an Kongresse – also Nein. Hafenkran? Sieht doof aus – also Nein. Fussballstadion? Ich mag Tennis – also Nein. Brunnen? Ich hab einen Wasserhahn zu Hause – also Nein. Um zu einem Urteil zu kommen, reicht ein Kriterium: Was habe ich davon?

Die Frage lautet, wann und weshalb wir uns von der Grosszügigkeit verabschiedet haben. Es ist nicht lange her, da sprach sich eine überwältigende Mehrheit an der Urne für einen Skatepark in der Allmend aus. Man stelle sich das vor. Da gibts eine Minderheit von ein paar jugendlichen Rollbrettfahrern, die vermeintlich Parkbänke mit ihrem Sportgerät malträtieren, ansonsten rauchend rumhängen und Passanten erschrecken. Und ausgerechnet ihnen baut man ein millionenteures Geschenk. Heute, drei Jahre später, hätte es das Anliegen schwer. Nicht nur wegen des drohenden Defizits von 214 Millionen Franken in der Stadtkasse.

Empörungsbeschleuniger

Das Gift, das die Grosszügigkeit verkümmern lässt, bekommt man in kleinen Dosen im Alltag verabreicht. Heute kann im Internet jeder zu allem seinen Senf abgeben. In kaum moderierten Kommentarspalten, die als Empörungsbeschleuniger funktionieren. Im Auge des Shitstorm lässt sich nicht mehr klar denken. Die Wissenschaftsplattform Popularscience.com hat jüngst die Kommentarfunktion abgeschafft. Grund: Eine Studie der Universität Wisconsin-Madison hat ergeben, dass grobe und unhöfliche Kommentare nicht nur polarisieren, sondern auch Einfluss nehmen auf die Art und Weise, wie ein Leser das Thema eines Artikels beurteilt.

Kleinlichkeit grassiert aber auch im Nichtdigitalen. In Büros etwa, wo jedes A4-Blatt im Kopierer einer Kostenstelle verrechnet wird. Oder an lauen Sommerabenden, wenn der Nachbar um 22.01 Uhr eine Lärmklage einreicht.

Spardruck, Statusangst und Dichtestress haben aus offenen, bejahenden Bürgern missgünstige Wutbürger geformt. Ihre Lustlosigkeit spiegelt sich im Grau der Stadt.

In der Provinz-Badi

Réda El Arbi am Samstag den 20. Juli 2013
Bunt gemischt und freundlicher, als es unser grosskotziger Tester verdient hätte. Die Provinzbadi

Bunt gemischt und freundlicher, als es unser grosskotziger Tester verdient hätte. Die Provinzbadi

In unserer Serie über Zürcher Badis haben wir mal mit der Regel gebrochen und unseren Tester in eine kleine Provinzbadi auf dem Land geschickt, um zu schauen, ob ein Stadtzürcher auch da überleben kann. Hier der Bericht.

Ich werde nicht verraten, wo genau ich war, nur so viel: Man braucht eine knappe Stunde, um vom HB an den Ort zu gelangen, an dem ich mich ins kühle Nass stürzen wollte. Und ich habs den Leuten da nicht einfach gemacht: Da das Gerücht umgeht, Stadtzürcher seien ausserhalb der Stadt nicht überall gerne gesehen, hab ich mich ganz klar als laute Zürischnurre zu erkennen gegeben.

Aber bereits am Eingang brachten die Leute auf dem Land mich zum ersten Mal zum Verstummen: Als ich nach dem Eintrittspreis fragte, verlangte die Dame vier Franken. Für vier Franken kriegt man in Zürich nicht mal einen Kaffee! Im Tiefpreisschock stolperte ich weiter, um mir einen guten Platz zu suchen, und wenn nötig, darum zu kämpfen.

Aber nichts da. Überall hatte es noch freie Plätze, und die Leute waren weder nach sozialen Status, noch nach Geschlecht oder Familienstand aufgeteilt, wie mans aus der Stadt kennt. Nein, die Menschen sassen wild durcheinandergewürfelt beieinander: Familien bei Singles, Jugendliche und alte Pärchen, Portugiesen, Schweizer, Thais, Deutsche, ein einig Badivolk. Sogar Männer und Frauen sassen da gemischt auf der Wiese, nirgends ein Frauendeck oder eine Männerecke. Ich war beeindruckt. Wenn man nur eine Badi im Städtchen hat (und es so heiss ist), zeigt sich die Fähigkeit zur Intergration. Die Badi war offenbar ein soziologischer Querschnitt durch die lokale Bevölkerung, und die Durchmischung machte offenbar allen Spass. Wir weltoffenen Zürcher, die für jede Alterstufe und Geisteshaltung eine eigene Badi haben müssen, können uns hier wohl eine Scheibe abschneiden.

Aber so leicht war ich nicht zu beeindrucken. Schliesslich war ich hier, um die Tauglichkeit der Badi für Stadtzürcher zu testen. Also gab ich mich als Stadtzürcher zu erkennen: Ich breitete mein Batik-Bali-Tuch mit einer Hand aus, während ich lautstark neudeutsche Sätze über wichtige Projekte in mein Handy schwadronierte: «Los emal, das muesch asap fixe, suscht chömemer nie ziitnah uf en Organisationslevel, wo mer perfome chönd, weisch.»

Niemand schien besonders beeindruckt oder genervt. Ich hätte mir wahrscheinlich schon irgendwas an den Kopf geworfen. Gut, dann ab zu Stufe Zwei. Ich verteilte meine Statussymbole rund um mein Tuch: Handy, Ersatzhandy, iPad und ein Kindle, die ganzen elektronischen Angebersachen, die man in Zürcher Badis zuhauf sieht. Wiederum keine Reaktion, nicht mal ein kleines Stirnrunzeln des älteren Herrn nebenan. Gut, Drei zu Null für die Provinz.

So, nun musste ich aber noch Einen draufsetzen: Ich machte mich auf zum Badikiosk und verlangte einen «Espresso doppio mit Milchschaum». Die Frau strahlte mich an und meinte, sowas habe hier noch niemand bestellt, aber sie werde versuchen, es hinzukriegen. Stirnrunzelnd sah sie die Kaffeemaschine an. Ich setzte mich und schon nach wenigen Minuten hatte ich meinen gewünschten Spezialkaffee. Sie hätte erst Milch für eine Schoggi rauslassen müssen und diese dann schäumen, aber obs in Ordnung sei so. Ich bedankte mich herzlich. Und bezahlte unter vier Franken dafür.

Nun, langsam entspannte ich mich ein wenig. Ich verräumte die Angebersachen und begann, die Umgebung zu beobachten. Da waren drei junge Mütter mit ihren Babies, von denen immer eins ein wenig jammerte. Doch das schien niemanden zu stören und die Mamis versuchten auch nicht, mit gehetztem Blick ihren Nachwuchs zum Schweigen zu bringen. Ein wenig weiter eine Studentin mit dem typischen kleinen gelben Reklam-Buch und einem ungeheuer hässlichen Sonnenhut. Auch sie schien sich nicht um ihr Image, sondern um einen möglichen Sonnenstich zu sorgen.

Weiter gings. Ich machte mich also auf ins Wasser. Beim Weicheier-Einstieg, wo ältere Menschen wie ich langsam ins Wasser können, spielten einige Kids und spritzten sich gegenseitig an. Sie erwischten auch mich. Und als sie mein erschrockenes Gesicht sahen, entschuldigten sie sich höflich und machten sich nicht etwa lustig über mich.

Das war mir dann schon beinahe zuviel Idylle. Aber ehrlich, wäre die Badi etwas näher an der Stadt, ich würde dort wohl mehr Zeit verbringen, als in den bisher getesteten Badis Tiefenbrunnen, Letten oder Enge. Es ist einfach um Welten entspannter.

Aber keine Angst, bald berichten wir wieder aus einem Stadtbad.

Out of Schwamendingen

Stadtblog-Redaktion am Freitag den 7. Juni 2013
Alle fahren durch Schwamendingen. Wir blieben für einen Abend da.

Alle fahren durch Schwamendingen. Wir blieben für einen Abend da.

Die Stadtblogger Reda El Arbi und David Sarasin ziehts raus aus der Innenstadt. Heute erkunden sie Schwamendingen:

«Welches Tram fährt schon wieder nach Schwamendingen?» –  nach anfänglicher Verwirrung schnappten wir am Central die 7 und liessen uns am Irchel durchs Tramtunnel fahren, an Haltestellen vorbei, die ein urbanes  U-Bahn-Gefühl vermitteln. Und doch führt die Strecke mitten hinein in ein Quartier, das uns eher an ein Dorf erinnert.

Ob mit Zug oder Auto, normalerweise durchschneidet oder unterfährt man das Dreieck zwischen Glattzentrum, Kehrichtsverbrenungsanlage und Bahnhof Stettbach in hohem Tempo. Doch was, wenn man hier mal aussteigt? Und schaut? Und spaziert? Und lebt? Was, wenn die Wohnungen in der Innenstadt dereinst so teuer werden, dass wir alle nach Schwamendingen müssen. «Zukunft Glatttalstadt», liest man bisweilen. Und einige sprechen sogar vom neuen Trendquartier. Wenn auch eher leise.

«Noch etwas Melone?»

Denn: Schwamendingen hat einen schlechten Ruf, gilt als gesellschaftliche und kulturelle Einöde. Deshalb waren wir wohl auch etwas überrascht, als wir am Schwamendingerplatz aus dem Tram stiegen und mitten auf dem «Dorfplatz» einen lebendigen Markt vorfanden. Ältere Menschen sassen auf den Parkbänken und plauderten. Die Damen vom Marktverein fütterten uns auch gleich freundlich mit Häppchen, selbstgemachtem Pfefferminzsirup und Melonenschnitzen.

«Schwamendingen ist im Kommen», erklärte uns eine Dame, die schon seit 28 Jahren hier lebt. Und reichte uns noch eine Olive. «Hier kennt man sich noch, es ist sehr dörflich», erläutert sie uns die Vorteile des verpönten Aussenquartiers. Und: «Schwamendingen hat die meisten Vereine der Stadt, um die 33. Wir hatten auch das erste Lokal-Fernsehen, TV Schwamendingen!» Und schliesslich: «Noch etwas Melone?» – «Ja, gerne!»

Wir sind beeindruckt von soviel Freundlichkeit und erkundigen uns nach der Quartierbeiz, in der Schwamendinger schnell Znacht essen. Etwas unschlüssig wandern die Finger der Damen in alle Richtungen, um dann, klar wie eine Kompassnadel, auf das Restaurant Schwamendingen zu zeigen, knapp 5 Meter neben dem Marktstand.

Ehrliches Schweigen

Wir folgen den Anweisungen der Einheimischen und setzen uns in den Garten. Um uns herum viele Rentner, Männer mit Bier, Frauen mit Rotwein. Einige spiele Karten, Andere unterhalten sich, Weitere schweigen sich an. Was auffällt: Hier schweigen sich die Leute ehrlich und direkt an. Niemand fingert an seinem Handy herum. Es liegen keine iPhones und Galaxys auf den Tischen. Man starrt ins Bier oder unterhält sich. Sehen und gesehen werden? Die Schwamendinger haben (zum Glück?) andere Probleme. Ausserdem: Cordon Bleu und Riesenspiessli sind gut und preiswert.

Diese Wohnsilos sind vergleichsweise hübsch. Die anderen hätten eines Bildes nicht gelohnt.

Diese Wohnsilos sind vergleichsweise hübsch. Die anderen hätten eines Bildes nicht gelohnt.

Nächste Station auf unserer Schwamendingenreise ist die Amag, das ehemalige Gelände der Autofirma, das jetzt als Heim für Ateliers dient. Auf dem Weg dahin irren wir langen geraden Strassen entlang, gesäumt von aufgegebenen Bars, noch geöffneten Coiffeurläden und Dönerbuden mit hohen Hausnummern auf den kleinen Schildern. Viel Beton, viel Asphalt, unterbrochen nur durch Wohnsilos aus den letzten 60 Jahren. Es erinnert ein wenig an die Plattenbauten der DDR, weniger einheitlich und von ironischen Architekten mit ehemals bunten Anstrichen versehen, die inzwischen die verschlissene Patina des vorstädtischen Alltags tragen.

Brutale Narbe

«Frische Spannferkel» bietet die Quartierbeiz direkt an der Überlandstrasse zweisprachig an. Wir können die Zweitsprache nicht identifizieren. Zwei grosse Gartenzwerge aus Plastik blicken an uns vorbei auf die vielbefahrene Durchgangsachse. Wir irren weiter Richtung Sonnenuntergang, unterqueren die Autobahn entlang der Glatt und begegnen melancholischen suburbanen Zonen, in die sich selten ein Spaziergänger verirrt.

Zweisprachiges Spannferkel

Zweisprachiges Spannferkel

Wir finden die Amag da, wo die Städteplaner dem Quartier vor 60 Jahren den Todesstoss versetzt haben: an der Stadtautobahn, die als Narbe die Wohnsiedlungen der 40er und 50er zerschneidet. Wie eine Kriegsruine steht noch eine Gartenbeiz aus der Vergangenheit halb unter der Autobahnbrücke. Zwei Menschen sitzen in einer Idylle aus Betonpfeilern, verlassenen Wohnmobilen und Gartentischen vor ihrem Bier.

Unser Ziel ist die Dachterrasse des Amag-Werkhofes, wo wir ein paar sogenannt Kreative nach der Arbeit anzutreffen hoffen. Doch finden wir sie nicht, weder Kreative noch Dachterrasse. Offenbar hatten die Vorbesitzer nicht die Musse, abends noch im Quartier zu bleiben und gemeinsam ein Bier auf einer Dachterrasse zu zischen. Ansonsten gefällt uns das Projekt, auch wenn die Umgebung direkt an der befahrensten Strasse der Stadt nichts für Ästheten ist.

Ein UFO-Landeplatz

Weiter gehts mit dem 9er 7er an den äussersten Rand der Stadt. Hier, im sozialen Sperrgürtel zwischen Schwamendingen und Dübendorf, umrandet von der Dübendorfer Industrie und dem Brachland des auslaufenden Schwamendingen, hat die Stadt für Bahn-, Tram- und Buspendler den riesigen Durchgangsbahnhof Stettbach in Form einer futuristischen UFO-Landeplattform errichtet. Spazieren möchte man in der Gegend nirgends, umsteigen schon. Der Bahnhof Stettbach ist ein wuchtiges Statement für diese schlafende Pendlerstadt.

Sportplatz als Perspektive: Erinnert an amerikanische Gefängnisse.

Sportplatz als Perspektive: Erinnert an amerikanische Gefängnisse.

Ein paar Schritte weiter, durchs Brachland, findet man eine andere bauliche Grossleistung, diesmal aber mit positiver Intention. Hier liegt der Sportplatz Heerenschürli. Stolze, moderne Fussballfelder mit hohen, grünen Ballsperrgittern, die ein wenig an amerikanische Gefängnisse erinnern. Auf vier Plätzen wird gespielt, auf einem trainieren die FCZ-Junioren. Hier rekrutiert der Stadtclub seine Talente, in einer Gegend, in der Fussball noch eine Perspektive ist und die Kinder nicht Golf spielen oder an Yogaklassen teilnehmen müssen. «Entweder du machst hier Sport, oder du kiffst», sagt einer aus einer Gruppe Jungs, die wir zu ihrem Heimatquartier befragen. Und die gerade auf dem Weg in eine Dönerbude sind. «Was wir in Schwamendingen so treiben? Döner essen. Sonst gehen wir in die Stadt.» Einziger Lichtblick scheint das Heerenschürli, wo sich Jugendliche Gemeinschaftsgefühl, soziale Verantwortung und eine Perspektive erarbeiten, die über die gleichförmigen Wohnsilos hinaus in eine glitzernde Zukunft zeigen könnte.

Die Strafe für Städteplaner

Der Tipp einer ehemaligen Schwamendingerin lotst uns weiter. Wir wollen in Tschüges Pub, da soll der Schwamendinger Bär steppen. Im übertragenen Sinn: auch hier gibts keine Bären mehr. An der Adresse angekommen, stellen wir fest, dass es die Bar mit dem lokalen Nachtleben nicht mehr gibt. An seiner Stelle wird jetzt – was wohl? – ein weiteres 6- oder 7-stöckiges Wohnsilo hochgezogen. «Vielleicht kommt wieder mal was hin», sagt einer, den wir im Vorbeispazieren zum Pub befragen.

Wir schlendern weiter durchs Quartier und erhaschen einen Hauch der Träume der lokalen Jugend: Hier stehen getunte Autos, liebevoll geputzt und wahrscheinlich auf Pump gekauft. Sie müssen schnell sein, diese Wagen, und stark, wenn sie die Kids aus der öden Vorstadt wegbringen sollen. In der coolen Zürcher Innenstadt begehren die Freizeit-Rockstars und M-Budget-Bohemians einen Hauch von Berlin oder London. Hier richten sich die Träume eher nach Miami und Los Angeles aus.

Zurück beim Schwamendingerplatz wird uns klar, wieso es hier die meisten Vereine der Stadt gibt. Es gibt, ausser dem Sportplatz Heerenschürli und dem betonierten Schwamendingerplatz, an dem jetzt, um zehn Uhr abends, sogar die Alkoholiker verschwinden, keine urbanen Begegnungszonen, die ein soziales Miteinander ermöglichen. Wer hier Freunde sucht, findet sie höchstens im Verein. Sonst heisst es wohl eher: weg von hier. Das Gegenteil wünscht man all jenen, die aus Schwamendingen einst diese weitläufig-graue Brachland konstruierten. Die Architekten und Stadtplaner, die sich dieses Quartier erdacht haben, müssten nun eigentlich hier leben.

Punks, Engel und andere Helden

Réda El Arbi am Sonntag den 5. Mai 2013
Geben der Stadt etwas Ungeschliffenes: Punks ohne Hipstervirus.

Geben der Stadt etwas Ungeschliffenes: Punks ohne Hipstervirus.

Zürich ist gespickt mit Alltagshelden. Der Stadtblog macht nun eine unregelmässige Serie, in der einzelne Redaktoren ihre persönlichen Helden vorstellen. Heute stellt Reda El Arbi seine Champions vor. Die Leser dürfen natürlich ihren persönlichen Helden in den Kommentaren ein Denkmal setzen!

Redas Heldenolymp

1. Die Punks am Stadelhofen
Die etwas verwahrlosten Jugendlichen mit Nietengürteln, Billigbierdosen und jeder Menge friedlicher Hunde sind meine kleinen Helden des Alltags. Oft zugewandert aus Deutschland, sitzen sie da, mitten in der Stadt, trinken Bier und betteln ab und zu einen Passanten um einen Franken an. Da unsere Stadt immer geregelter, steriler und organisierter wird, sind diese kleinen Punks für mich ein anarchischer Farbtupfer, den Zürich dringend braucht. Sie sind unorthodox, aber friedlich und noch nicht vom Hipster-Virus erfasst.

Wir wünschen jedem von ihnen ein Gratis-Sixpack gutes Bier und einen Hundekuchen.

2. Der Engel vom Hauptbahnhof
Seit Jahrzehnten ist «Schwester Frieda», die alte Dame mit Rollstuhl am HB, allen Pendlern ein Begriff. Sie segnet Reisende, betet für ein heiles Ankommen. Und sie lässt sich dabei nicht irritieren, weder von Passanten, noch von nervigen Journalisten, die sie portraitieren wollen. Es gibt viele Gerüchte um sie: Sie warte auf ihren verschollenen Sohn, hier sei ihr Mann abgereist und nie mehr zurückgekommen. Aber das ist ihre ganz persönliche Angelegenheit. Wir sind einfach dankbar, dass sie da ist: denn egal, ob man an Gott glaubt oder nicht, wenn man sie sieht, läuft der Tag einfach ein wenig besser. Einfach weil sie da ist.

Wir wünschen ihr viele Jahre, in denen sie ihren Segen über den grössten Schweizer Verkehrsknotenpunkt wirken lassen kann. 

3. Die Betreibungsbeamten
Die Betreibungsbeamten der Stadt sind in der wohl blödesten Situation, die es nur gibt. Sie müssen genau dann bei Menschen Geld eintreiben und deren wirtschaftlich schlechte Situation besiegeln, wenn diese sowieso schon mit ihrem Geld und ihren Kräften am Ende sind. So werden sie oft Zielscheibe für den ganzen Hass und Frust, der aus Unglück oder schlechter Lebensplanung entstanden ist. Trotz der schlechten Stimmung zu versuchen, ein Gleichgewicht zwischen Gesetz und Mitgefühl zu finden, ist in meinen Augen eine Heldentat.

Wir wünschen ihnen einen breiteren Ermessensspielraum und etwas Sympathie für ihre Arbeit.

 4. Die Detailhandelsverkäuferinnen
Diese Damen, die vom Chef die Auflage haben, Kunden zu beraten – und vor Allem zum Kauf zu animieren – in einer Stadt, in der der Kunde möglichst nicht belästigt oder angesprochen werden will, haben einen harten Arbeitstag. Immer wieder abgewiesen zu werden, ist nicht gut für die Seele.  Und dann auch noch von den Kunden für jeden Fehler im Sortiment persönlich verantwortlich gemacht zu werden, macht das Ganze noch frustrierender. Oft hängt der Verdienst am persönlichen Umsatz. Jeder, der über seinen Job meckert, sollte einmal eine Woche im Einzelhandel Kunden beraten müssen, um wieder etwas Dankbarkeit zu empfinden.

Wir wünschen ihnen höhere Löhne und einen zusätzlichen freien Tag pro Monat für Spa und Entspannung. 

5. Entsorgung & Recycling
Diese Männer und Frauen müssen jeden Sonntag frühmorgens auf, um den Müll, den die 24-Stunden-Gesellschaft hinterlässt, wegzuräumen. Sie fahren täglich ihre Runden, um unsere stinkenden Zürisäcke mitzunehmen. Und wenn sie mal nicht schnell genug sind, müssen sie sich noch für den Müll anschnauzen lassen, den andere hinterlassen haben. Sie schieben Sonderschichten an der Street Parade, am Zürifäscht, am Sächsilüüte und an allen anderen Grossanlässen in Zürich. Sie kennen sich mit Chemikalien aus, die den Uringestank vertreiben sollen, wissen, wie sich Gewitter und Regen auf den Müll auswirken und kämpfen gegen Stadtfüchse, die die Säcke aufreissen und den Müll in den Strassen verteilen. Grosses Lob hier.

Wir wünschen ihnen mehr Anerkennung, einen beeinträchtigten Geruchssinn während den Arbeitsstunden und achtsamere Stadtbenutzer, die ihren Müll nicht auf die Strasse werfen.

6. Die einfachen Bankangestellten
Die einfachen Bankangestellten, die am Schalter arbeiten – oder im Backoffice – und nichts, aber auch gar nichts mit den Abzockerlöhnen und den Risikogeschäften der Top- und Investmentbanker zu tun haben, müssen seit einiger Zeit sehr viel einstecken.  Wo man früher den Eltern stolz einen Bankangestellten als Schwiegersohn vorstellen konnte, ist es vielen inzwischen unangenehm, in der Bar oder in der Badi zuzugeben, dass sie für eine Grossbank oder eine Investmentbank arbeiten. Sie haben die Gespräche über Steuerhinterziehung und Abzockerlöhne satt, weil dies absolut nichts mit ihrem Job zu tun hat.

Wir wünschen ihnen 1/12 des Lohns ihrer obersten Chefs.

In Zürich ist Kiffen eigentlich bereits legal

Réda El Arbi am Dienstag den 8. Januar 2013
Schweizer Joint: Früher musste man bis zu 18 davon rauchen, um die Wirkung des jetzigen Schweizer Cannabis zu erreichen.

Schweizer Joint: Früher musste man bis zu 18 davon rauchen, um die Wirkung des jetzigen Schweizer Cannabis zu erreichen.

Der Zürcher Stadtrat setzt sich jetzt beim Bund für die Legalisierung von Cannabis ein. Natürlich macht das Sinn, denn wer einmal im Sommer einen Spaziergang ums Seebecken gemacht hat, weiss, dass in Zürich Kiffen bereits gesellschaftlich akzeptiert ist. Ungefähr alle zehn Meter trifft man auf von dichtem Dampf umgebene Grüppchen Jugendlicher, die auf Polizeipatrouillen nur mit einem Schulterzucken in Zeitlupe reagieren.

Eigentlich sind ja sowieso die meisten Schweizer für eine Legalisierung von Cannabis. Dass dies nie bei einer Abstimmung klaren Ausdruck fand, hat damit zu tun, dass die Gruppe der Hardcore-Kiffer es einfach nicht schafft, sich an Abstimmungssonntagen (oder auch an anderen Sonntagen) so früh aufzuraffen.

Aber es sind weder die Jugendlichen, noch die Dauerkiffer, die die Cannabis-Akzeptanz in Zürich erhöhten. Es sind die Normalos, die bereits vor 20 oder 30 Jahren kifften und auch jetzt noch ab und zu einen Joint rauchen. Einige, um zu entspannen, andere, um mit ihrem Drogenkonsum ein Statement für ihre Aufgeschlossenheit und Jugendlichkeit zu setzen. Und die meisten bauen ihr Gras selbst an, oder kriegen es von Freunden geschenkt. Banker kiffen. Friseure kiffen. Backoffice-Assistenten kiffen. Feuerwehrmänner kiffen. Und es gibt wohl den einen oder anderen Richter, der kifft.

Ein weiteres, deutliches Zeichen, dass Kiffen in Zürich (und wohl auch im Rest der Schweiz) etwas Alltägliches ist: Der illegale Drogenmarkt an der «Haschgasse» Ecke Konradstrasse ist beinahe eingeschlafen. Wer sich noch an die Haschdealer am Sihlquai erinnern kann, weiss, wovon ich spreche: Keine 50 bis 100 Leute mehr, die versuchen ihre Hanfprodukte an Passanten zu verscherbeln. Die Schweizer Kiffer sind meist Selbstversorger.

Die organisierten Kriminellen haben den Cannabishandel schon lange abgeschrieben und die Produktion einigen Schweizer Bauern und Indoor-Züchtern überlassen. Es lohnt es sich nicht, Cannabis und Hasch ins Land zu schmuggeln, da die Qualität der heimischen Produkte den Import bei Weitem übersteigt.

«Marihuana ist zurzeit in der Schweiz 7 bis 18-mal stärker (..bis 30 % THC-Anteil) als noch vor wenigen Jahren. Marihuana aus Indoor-Produktion ist meist stärker als ausländisches Haschisch (der berühmt berüchtigte „schwarze Afghane“ weist in der Regel THC-Gehalte von 7 % auf).» Aus einer Studie der Uni Bern 2002

Oder, wie es ein jamaikanischer Freund  nach den ersten Zügen von einem Schweizer Joint ausdrückte, bevor er sich einige Stunden schlafen legte: «Boaah. Man. Boaah.»

Und die Polizei? Am See ist zu beobachten, dass die Beamten eher Hundehalter ermahnen, ihre Tiere an der Leine zu führen, oder andere wichtige Aufgaben erfüllen, als hinter harmlosen Kiffern herzujagen. Wahrscheinlich ist es den Beamten lieber, wenn die Leute kiffen, als wenn sie im Alkoholrausch Strassenschlachten anzetteln. Dafür sind Kiffer nämlich einfach zu verpennt.

Kurz, eine Legalisierung wäre an der Zeit. Die Gesetzgebung hinkt den Realitäten seit den 80ern hinterher.

2013: Vorsätze für ein besseres Zürich

Réda El Arbi am Montag den 10. Dezember 2012
Auf eine noch bessere Stadt.

Auf eine noch bessere Stadt.

Es ist Ende Jahr und die Medien bombardieren uns mit Jahresrückblicken. Nun, wir vom Stadtblog wissen, was wir dieses Jahr alles falsch gemacht haben. Wir wollen natürlich in Zukunft alles viel besser machen. Drum gibts hier keine eigentliche Rückschau, sondern einige gute Vorsätze, wie Zürich 2013 eine noch bessere Stadt wird. (Wenn Sie mithelfen wollen, aus Zürich eine bessere Stadt zu machen, schreiben Sie, nachdem Sie den Post gelesen haben, Ihre Vorschläge in die Kommentare.)

Soziales
Wir geben uns Mühe, freundlich zu unseren Nachbarn zu sein, gerade, wenn sie neu in der Stadt sind. (Nicht zu freundlich, sonst werden wir für Berner gehalten.) Wir sprechen mit Deutschen weiterhin Hochdeutsch, damit sie sich ein wenig wie zuhause fühlen.

Wir sollten auch freundlicher zu unseren Gästen und Touristen sein. So könnten wir ihnen etwas von dem, was sie uns bringen, zurückgeben. Zum Beispiel könnten wir nach der Street Parade die kleinen Geschenke, die sie auf der Strasse liegen lassen, (hübsch in braune Säcke verpackt) zurückschicken.

Wir sollten auch das Konzept eines Strichplans für Strassenprostitution überdenken. Viel konsumentenfreundlicher wäre es doch, die Damen gleich zum Kunden nach Hause zu schicken. Damit wär das Problem zu 95 Prozent aus der Stadt verbannt und viele Männer bekämen die Gelegenheit, danach an ihrer Ehe zu arbeiten.

Natürlich dürfen wir in unserer Stadt die Gleichstellung nicht vergessen. Nachdem wir unseren ersten Männerbeauftragten in die Wüste geschickt haben und unser zweiter Männerbeauftragter erst nachweisen musste, dass er sich bisher in erster Linie für Frauen engagiert hat, sollten wir uns langsam darauf vorbereiten, eine Männerbeauftragte einzustellen. Was wäre gleichberechtigter?

Kulturelles
Wir werden bescheidener Auftreten. Die Gigantomanie der letzten Prestige-Objekte, dem Hafenkran oder dem Primetower, sind etwas übertrieben. Man könnte uns einen Minderwertigkeitskomplex unterstellen, wenn wir weiterhin so grosse, phallische Statussymbole projektieren.

Bei den Ausstellungen im neuen Kunsthaus werden wir auch ein wenig Respekt vor den Leuten zeigen, die für uns diese Kunst gesammelt haben: Vielleicht mit einer lustigen Fotoausstellung über die Kriege, in denen die Familie Bührle seit den 20ern das Geld für die bald da zu sehende Sammlung verdient hat.

Wir veranstalten in Zukunft das Sechseläuten nicht mehr auf der Sechseläuten-Baustelle, sondern in der Europa-Allee, damit wenigstens einmal im Jahr jemand diese trostlose Betonwüste besucht und die Rieseninvestition gerechtfertigt ist.

Nun, da bleibt noch die Bildung: Einen Teil unserer Steuern könnten wir dem medizinhistorischen Institut geben, damit sie ihre Kuratoren und Dozenten besser bezahlt. Die sollten sich nicht in der Politik ein Zubrot verdienen und darüber ihre Pflichten vernachlässigen müssen. Wir könnten auch verschiedene Pfadis und Blauring-Vereine darum bitten, dass sie die medizinhistorische Sammlung einmal wöchentlich abstauben und von Ungeziefer befreien.

People
Wir werden Gölä zum Ehrenzürcher machen, da er ja sowieso fast schon an der Dufourstrasse in der Blick-Redaktion wohnt. Wie sonst könnte unsere Lieblings-Boulevardzeitung über jeden Gang aufs Klo des Ausnahmekünstlers berichten?

Wir suchen einen richtigen Zürcher Mann für Ex-Miss-Zürich Melanie Winiger (ja, Miss Schweiz war sie auch mal, aber was zählt das schon?). Mit Männern aus der Fremde hatte sie nur Stress.

Wir legen dem Zürich Film Festival den leider verstorbenen Filmnarr und Freizeit-Regisseur Kim Jong Il als posthumen Preisträger ans Herz. Den Preis könnten sie dem Sohn Kim Jong Un überreichen. Der ging hier zur Schule und hat so sogar einen Schweizer Bezug. Und für Publicy wär gesorgt, wie bei John Travolta oder Roman Polanski.

Umwelt, Verkehr, Tourismus
Wir regen uns nicht mehr darüber auf, dass unsere Stadt mit völlig stadtuntauglichen, übergrossen Autos verstopft wird, sondern zeigen Mitgefühl mit den Leuten, die in den von ihnen selbst verursachten Staus feststecken, während wir im Tram oder auf dem Velo an ihnen vorbeidüsen.

Im öffentlichen Verkehr zeigen wir in Zukunft mehr Geduld mit Pendlern von Ausserhalb, die den ÖV verstopfen. Denn wisse: Jeder Pendler unter 25 wird sich sowieso bald eine Wohnung in der Stadt suchen und dann auch dazugehören. Und jeder Pendler über 35 könnte ein Ex-Stadtzürcher sein, der mit seinen Kindern in eine familiengerechtere Gegend gezogen ist und nun z.B. in Winterthur die Mieten in die Höhe treibt.

Auch sollten wir, wenn wir in anderen Schweizer Regionen sind, nicht so arrogant auftreten. So sollten wir nicht mit unserem Geld da um uns werfen, wo die Leute eh schon ein wenig allergisch auf uns reagieren, sondern es eher dahin bringen, wo die Leute es wirklich nötig haben. Zum Beispiel in österreichische Skigebiete, wo man uns auch gern mag.

Ach ja, und um die Umwelt noch ein wenig zu schonen, lesen wir nur Gratiszeitungen, die bereits im Tram oder Bus auf den Sitzen liegen. Und wenn wir fertig sind, deponieren wir sie wieder in den Verteilerboxen.