Beiträge mit dem Schlagwort ‘Gewalt’

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 31. März 2017

«Unser Umsatz hat sich halbiert.»

Die Zürcher Bar Am Egge kämpfte mit einem lärmempfindlichen Nachbarn – und fand eine unkonventionelle Lösung, wie Andy Grenacher sagt , der das Lokal zusammen mit Regina Hürlimann führt. (Foto: ZVG) Zum Artikel

 

«Die Parkgebühren in Zürich
steigen erstmals seit 23 Jahren.»

Ab Samstag, 1. April, gilt es in der Stadt Zürich ernst und es ist sicher kein April-Scherz: Die neuen Parkplatz-Preise werden eingeführt. Klar ist, der Ausgang wird teurer. Bis alle 1100 Parkuhren umprogrammiert sind, dauert es sechs bis acht Wochen. Stadtrat Richard Wolff hat über die Änderung orientiert. (Bild: Ennio Leanza, Keystone)

 

«Wir haben aufs Portemonnaie
der Gäste Rücksicht genommen.»

Nach 22 Jahren muss die Rosenburg zur Meyerei schliessen. Eine letzte Stammtischplauderei mit der Familie Meyer. Waren die Stammgäste knapp bei Kasse, gab es einfachere Sachen, wie Yvonne Meyer erzählt. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

 

«Reis rockt.»

Hamburger sind passé, jetzt kommen die Reisgerichte. Nachfolger von McDonald’s bei der Zürcher Pestalozziwiese ist ein asiatischer Take-Away. «Reis rockt», sagt Daniel Kehl, Co-Inhaber der Two Spice AG, «es bildet auf der ganzen Welt die Basis für gesunde und vollwertige Gerichte.» (Foto: PD) Zum Artikel

«Flüchtlinge haben sich uns
anzupassen, nicht wir uns ihnen.»

Zwei junge Zürcher Anwältinnen unterrichten Asylsuchende im Fitboxen. Und bekommen so gleich selbst den Kopf frei. Annina Largo, Anwältin und Fitboxtrainerin, weiss, wie sich Flüchtlinge sportlich austoben wollen.  (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

«Das soziale Netz funktioniert hier bestens.»

Bruno Kümin (nicht auf dem Bild) gehört seit 60 Jahren zur Stammkundschaft der Bodega Española in der Zürcher Altstadt. Was macht dieses Restaurant so speziell? (Foto: Christian Schwarz (c) 2017 ProLitteris, Zürich) Zum Artikel

 

««Ich dachte, mit mir stimme etwas nicht.»

Adriana Schmid (Name geändert) wuchs als Tochter einer Borderline-Mutter auf, die sie schikanierte und verprügelte. Es dauerte Jahre, bis sie das Trauma überwand. Nun will sie andere Betroffene unterstützen. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Jetz chasch en im Leerlauf lo abeblööterle.»

Die Ju-52 ist eine harmlose Maschine. Mit zehn Tonnen an Bord wird es aber auch für einen Swiss-Chefinstruktor heftig. Und obwohl die Pilotensprache zwar Englisch ist, tönt es im Landeflug im Cockpit ein wenig anders, wenn zwei Aargauer drin sitzen. (Foto: Reto Oeschger) Zum Artikel

«Ich werde noch lange weiter wüten.»

In Affoltern am Albis spielt sich ab, was weltweit ein Thema ist: Bürger erheben sich gegen die sogenannte Elite. Mittendrin steht der Zeitungsmacher Hans Roggwiler. (Foto: Raisa Durandi) Zum Artikel

 

«Extrovertiertheit habe ich
mir antrainieren müssen.»

Einmal jährlich treffen sich Indie-Game-Entwickler in San Francisco. Unterwegs mit einem Shootingstar der Szene, der Zürcherin Philomena Schwab. (Foto: Lukas M. Felzmann) Zum Artikel

Zweierlei Gewalt?

Réda El Arbi am Montag den 6. Februar 2017
Gewalt im Namen der Flagge: Salafist oder Fussballfan?

Gewalt im Namen der Flagge: Salafist oder Fussballfan?

Hätte ein Islamist eine Gruppe von Christen angegriffen und einen Mann niedergestochen, würden wir jetzt einen Liveticker zu den Vorfällen lesen, mit Interviews der Familie, Werdegang des Angreifers und einer Analyse seines Facebook-Profils, wo er vielleicht vor einer Flagge posiert. Bei einem Angriff eines Autonomen oder eines Neonazis würden wenigstens die politischen Wellen hochgehen, Parteichefs würden sich mit Statements vor die Kamera werfen, in den Sozialen Medien fänden hitzige Diskussionen statt.

Es war aber nur ein Fussballfan, der am Samstag den Fan eines anderen Clubs niedergestochen hat. In voller Absicht. Dass dies nicht zu einer Welle der Empörung führt, verrät mehr über unsere Gesellschaft als über die vermeintlich unterschiedlichen Täter. Aber schauen wir uns erst mal den Täter an.

Ein junger Mann, eingeschworen auf eine Flagge, die ihm Identität über seinen tristen Alltag hinaus verleiht. Organisiert in einer klandestinen Gruppe, hermetisch was Aussenstehende und Polizei angeht, zu Gewalt bereit und motiviert. Die Identifikation mit dem Club nimmt quasireligiöse Züge an. Natürlich posiert er auf Facebook vor seiner Flagge. Natürlich stösst er in Internetforen Gewaltdrohungen gegen den anderen Club und dessen Fans aus. Das ist doch normal, oder nicht? Wäre die Flagge eine religiöse oder politische, würde die Gruppe streng überwacht oder vielleicht sogar nachrichtendienstlich infiltriert. Aber Clublokale werden nicht wie Moscheen geschlossen.

Warum schauen wir das Umfeld, in dem sich der junge Mann so radikalisiert hat, dass er einen «Gegner» mit dem Messer niedersticht, nicht genauer an? Na? Weil wir selbst dieses Umfeld sind. Die Ultras des FCZ haben Familie, Freunde, Arbeitskollegen, sind auf  verschiedenste Arten mit uns verbunden. Alle werden sagen: Die «spinnen» zwar ein wenig, aber das ist doch nur «Buäbeseich».

Ex-Ultras und Mitglieder von Fanclubs sitzen in jeder «Zürich»-Redaktion eines jeden Medienhauses, in jeder Partei, im Stadtparlament. Wer sich gegen die «Fankultur» äussert, wird nicht nur von Ultras anonym verbal bedroht und angegriffen, nein, er muss sich auch von «einfachen Fussball-Fans» in seinem Umfeld anhören, dass er übertreibt, dass die doch eigentlich ganz anständige Jungs sind, die halt mal über die Stränge schlagen.

Zurück zum Vergleich: Niemand würde von einem jungen Salafisten, der mit einem Messer auf andere losgeht, behaupten, das sei nur «jugendlicher Leichtsinn», der mal zu weit gegangen sei.

Gewalt aus den Reihen der Fussball-Fanclubs ist seit Jahren ein Thema, aber eines, das immer wieder aus dem Fokus der Gesellschaft und der Medien verschwindet. Weil wir doch diesen Club auch mögen. Weil wir nicht wollen, dass unsere Herzensangelegenheit mit Hass und Gewalt in Verbindung gebracht wird. Kurz: Auf diesem Auge sind wir blind. Wir überlassen es den Fanclubs, die oft Boden für den fanatischen Ansatz sind, die Radikalisierung in ihren eigenen Reihen anzugehen, anstatt das gesellschaftliche Problem mit rechtsstaatlichen Mittel zu lösen, wie wir es bei jeder anderen Gruppe machen würden.

Das werden wir wohl machen, bis es Tote gibt. Und dann sprechen wir natürlich von einem «nicht vorhersehbaren Einzelfall».

Natürlich.

Zürichs grosse Helden – die Bürgerwehr

Réda El Arbi am Dienstag den 12. Januar 2016
Die Zürcher Bürgerwehr hat Frankensteins Monster gefunden.

Die Zürcher Bürgerwehr hat Frankensteins Monster gefunden.

«Mir machen die neuen Bürgerwehren mehr Angst als irgendwelche Flüchtlinge», meinte eine Bekannte, nachdem sie gelesen hatte, dass sich in Zürich und Bern als Reaktion auf die sexuellen Übergriffe Gruppen formierten, die durch die Strassen marschieren wollten, «um Sicherheit herzustellen».

Die Mischung aus Testosteronüberschuss und Racial Profiling könnte ja wirklich explosiv sein. Dann stellte ich mir aber den durchschnittlichen Bürgerwehr-Soldaten vor. Also jemand, der seinen verschämten Traum von glänzender Rüstung, geretteter, holder Blondine und Belohnungskoitus mit Zivilcourage verwechselt. Einer, der nach jeder Auseinandersetzung noch tagelang in der Fantasie nachspielt, was er eigentlich hätte tun oder sagen sollen, und wie er dem dann schon …

Und irgendwie erschien mir dann die Bürgerwehr nicht mehr sonderlich gefährlich. Entweder machen sie nichts, dann werden sie ausgelacht, oder sie tun etwas, und dann werden sie eingelocht.

Natürlich könnten solche Menschen, die ihren Mut meist auf irgendeiner Form von Bewaffnung aufbauen, in Rudeln gefährlich werden. Aber nicht in Zürich. Man kann Zürich für arrogant halten, unpersönlich, sogar etwas feindselig. Aber wir sind keine Idioten.Wir wollen keinen «Schutz» durch Menschen, die die elementarsten Grundlagen des Rechtsstaates nicht begriffen haben. Sollten Übergriffe seitens solcher Bürgerwehr-Mobs stattfinden, müssten sich die Bürgerwehren wohl schnell selbst um Schutz bemühen.

Natürlich gibts bei einige Akteuren aus dieser Szene auch ein grosses Gewaltpotential. Oft sind das Männer, die sich in einem der sichersten Ländern der Welt nur bewaffnet sicher fühlen. Kurz: Feiglinge. Und da Angst meist Gewalt gebiert, sollte man solche Ansammlungen von organisierten, verunsicherten Gewaltbereiten im Auge behalten.

Aber eben, ich fürchte mich im Gegensatz zu denen nicht. Ich kritisiere zwar ab und an unsere Stapo, aber ich zweifle nicht im Geringsten daran, dass die uns schützen kann.

Auch vor Bürgerwehren.

US-Rapper Necro misshandelt!

Réda El Arbi am Freitag den 4. Dezember 2015
Mit diesem Bild auf seinem Facebook-Profil will rapper Necro gegen die Zürcher Haftbedingungen protestieren.

Mit diesem Bild auf seinem Facebook-Profil will Rapper Necro gegen die Zürcher Haftbedingungen protestieren.

Der knallharte US-Death-Rapper Necro, der am Wochenende in einem Zürcher Club eine Schlägerei anfing und ein paar Besucher verletzte, wurde für ganze 100 Stunden (nicht Tage) in eine Zelle gesteckt, bevor die Polizei ihn nach Hause schickte. Der arme Bub ist davon nun so traumatisiert, dass er noch immer nicht mit dem Weinen aufhören kann. Er will einen Song (oder ein Buch?) über seine grauenhafte Zeit im Zürcher Gefängnis schreiben.

Wir vom Stadtblog sind unseren Insiderquellen bei der Zürcher Polizei nachgegangen und haben das Martyrium des Rappers nachgezeichnet.

Anonyme Quelle 1: «Die Kollegen waren knallhart. Nachdem Polizeiaspirantin Susi F. die Bande verhaftet hatte, wurde Necro brutal von seinen Gschpänli getrennt. In einer Einzelzelle ohne Internetanschluss wurde er isoliert. Und obwohl er seit seinem Auftritt nichts mehr gegessen hatte, musste er «ohni Znacht is Bett». Eine perfide Hungerfolter, die nach Schweizer Recht nur ganz bösen Buben vorbehalten ist.»

Anonyme Quelle 2: «Er leistete lange Widerstand, das muss man zugeben. Er beschimpfte die Beamten, obwohl sie in Überzahl waren, bis sie  ihm mit «Swiss Waterboarding» drohten: Wenn er weiter so unanständige Ausdrücke benutzen würde, wollten sie ihm den Mund mit Seife auswaschen.»

Anonyme Quelle 1: «Er wollte lange nicht gestehen. Die Beamten dachten, sie müssten zu härteren Mitteln greifen. Um 1.35 Uhr gingen sie zu dritt in seine Zelle und nahmen ihm sowohl seinen Teddybär wie auch sein Snoopy-Nachtlicht weg. Aber Necro blieb hart, auch wenn man ihm ansah, dass ihm die Tränen zuvorderst standen. Im Hintergrund liessen sich die Beamten von einer Frau in Zivil beraten. Wir vermuten, dass es sich um eine Kleinkinderzieherin des Bundesnachrichtendienstes handelte.»

Anonyme Quelle 2: «Morgens kriegte er dann richtiges Frühstück, von der neuen Schicht. Sie wissen schon, dieses ‘Guter Bulle, böser Bulle’-Spiel. Nachdem er sich wieder etwas gefasst hatte, schlugen sie aber gleich nochmals zu: Anstatt, wie angekündigt, Burger mit Erbsli und Rüebli, brachten sie ihm Spinat zum Zmittag. Mit völlig aufgeweichten Fischstäbli. Da gestand er alles. Aber ehrlich, an diesem Punkt hätte er seine Grossmutter verraten, nur um den grauenerregenden Haftbedingungen zu entkommen. Aber er war noch nicht frei! Zuerst musste er nochmals zwei Nächte in den Zürcher Folterzellen verbringen und eine Busse von 1000 Franken bezahlen, bevor ihn die Beamten an den Flughafen fuhren und in ein Flugzeug setzten.

Wir vom Stadtblog sind zutiefst betroffen. Solche Zustände führen dazu, dass gewalttätige Rapper mit Machokomplex nicht mehr bei uns auftreten wollen!

Hoffentlich.

Und weils grad so passt:

Polizeigewalt gegen «gefährliche» Dame

Réda El Arbi am Sonntag den 6. September 2015
Grosi ergibt sich der Staatsgewalt und wird niedergemacht.

Dame geht mit erhobenen Händen auf Beamte zu und wird niedergemacht. (Bild: Screenshot Watson)

Dieses Wochenende hat die Stapo wieder mal jegliches Mass verloren. Sie schossen gestern bei einer Demonstration für Flüchtlinge Gummischrot aus wenigen Metern auf friedliche Demonstrierende, Tränengas auf eine ältere Dame, die erst auf dem Boden liegt und sich dann mit erhobenen Händen auf die Beamten zubewegt. Mitten ins Gesicht. Der  beschossene Demonstrationszug war mit Kindern und Familien durchsetzt .

Wer diesen Blog regelmässig liest, weiss, dass ich keine grosse Geduld mit  linken Chaoten hab, die unsere Stadt in Trümmer legen. Aber genauso wenig hab ich Verständnis für Polizisten, die Gewalt gegen Menschen einsetzen, die absolut keine Gefahr darstellen, weder für Menschen noch für Sachen.

Wir leben nicht in den USA oder in Russland. Die Polizei darf bei uns dann Gewalt einsetzen, wenns verhältnismässig ist, wenn keine andere Möglichkeit besteht, Schaden von der Gesellschaft abzuwenden. Präventive Gewalt gegenüber Bürgern, die Transparente hochhalten und die mit erhobenen Händen auf die Polizei zugehen, hat die Verhältnismässigkeit weit hinter sich gelassen.

Der Sprecher der Stapo rechtfertigt sich gegenüber «Watson»: «Soviel ich weiss, wurde die Frau mehrfach abgemahnt, bevor der Pfefferspray zum Einsatz kam. Genaueres kann ich aber noch nicht sagen.» Und: «Wissen Sie, wenn die Meute auf einen zuläuft, müssen Sie irgendwann handeln.»

Die «Meute»? Echt jetzt? Wieso nicht gleich «die marodierenden Horden»? Die «Meute» bestand nicht aus dem schwarzen Block oder betrunkenen Hooligans. Die «Meute» bestand zum grossen Teil aus Mittelstandsfamilien, die ihre Solidarität mit Flüchtlingen zum Ausdruck bringen wollten. Und einer Dame in Weiss.

Polizisten, die sich von einer friedlichen Demonstation so bedroht fühlen, dass sie sie, ohne Grund, auf kurze Distanz mit Gummischrot niederschiessen, oder mit Reizgas supergefährliche Grosis zu Boden sprayen müssen, sind keine adäquaten Beamten, um die Sicherheit der Gesellschaft zu garantieren. Man fragt sich schon, wie sie sich dann gegen eine echte Gefahr zur Wehr setzen würden. Mit Raketenwerfern?

Lieber Stadtrat Wolff,

wenn mein kleiner Göttibub seine Gummipfeile auf friedliche Passanten schiesst, nehm ich ihm die Pistole weg, klappse ihm auf die Finger und sag «Pfui!». Übertragen auf ihre Beamten wäre das in etwa, wie wenn man ihnen erst mal die Knarren wegnimmt, sie an einen Schreibtisch setzt und für ein paar Jahre Parkzettel schreiben lässt.

Ich hoffe, Sie berücksichtigen dies bei der Einsatznachbesprechung.

Nachtrag: Das Alter der Dame ist, wie sich herausstellte, 45, und ich möchte mich für das im Text verwendete “alt” entschuldigen.

An der Sache ändert das nichts.

Hier zum Video bei den Kollegen von «Watson»

Eine verfluchte Schande für die Stadt

Réda El Arbi am Sonntag den 26. Juli 2015
Profitieren von der allgemeinen Hetze:: Schweizer Nazis.

Profitieren von der allgemeinen Hetze: Schweizer Nazis.

Zwanzig Rechtsextreme haben am 4. Juli einen jüdischen Mitbürger misshandelt und angespuckt, wie die Sonntagszeitung publik machte. Das Ganze fand mitten in Zürich, in Wiedikon statt, und die rechten Idioten liessen erst von ihrem Opfer ab, als die von Passanten gerufene Polizei eintraf.

Das habe nichts mit uns zu tun, könnte man denken. Das sind Nazis und Extreme, und überhaupt hat ja ein Passant gleich die Polizei gerufen. Das zeigt doch, dass bei uns alles in Ordnung ist.

Aber so einfach ist es nicht. Noch Ende der 90er hätten sich Nazis nicht so frei und selbstsicher in der Öffentlichkeit bewegt. Sie wären niemals davon ausgegangen, dass ihre Gesinnung und ihre Handlungen in der Gesellschaft soweit akzeptiert seien. Sie hätten ganz einfach Angst gehabt, ihre kaputte Gesinnung so zu zeigen.

Inzwischen haben Hetze gegen Ausländer, die Selbstverständlichkeit, mit der die PNoS ihren militanten Arm AS (Ahnensturm) aufbauen konnte, der bittere, aus Dummheit entstandene Hass, der einem in Internetforen anonym – oder als “Eidgenoss” gekennzeichnet – entgegen schlägt, Wirkung gezeigt. Die hetzerischen Parolen der akzeptierten, gutbürgerlichen Rechtsnationalen, die ihr verbales Gift mit “das muss man doch noch sagen dürfen” beenden, schaffen ein Klima, in dem der Nazidreck wieder salonfähig wird.

Es sind zwar die Rechtsextremen, die zuschlagen. Aber es sind die Leute, die mit den übelkeitserregenden  Worten “Ich bin ja nicht fremdenfeindlich, aber …” oder “Ich bin ja kein Rassist, aber …” eine Atmosphäre schaffen, die dem rechten Gesocks wieder das Gefühl gibt, sie könnten ihre widerlichen Parolen ohne Ahndung oder Ächtung unter die Leute tragen. Sie denken lassen, sie könnten wieder Hass und Angst verbreiten.

Wenn in Zürcher Strassen zwanzig Nazis vor einer Synagoge auftauchen und einen Mann misshandeln können, ist es an der Zeit, den Leuten, die diese Atmosphäre mitschaffen, zu sagen: Es ist genug. Wir haben genug von eurem Gift, von eurer Angst, von eurer Hetze.

Es ist Zeit, sich in den Internetforen zu äussern. Diesen Menschen etwas entgegenzusetzen. Unsere Schweiz wieder geistig von den Hetzern und den Verhetzten zurückzufordern. Die Atmosphäre wieder mitzubestimmen und nicht denen zu überlassen, die Andersartige und Fremde herabsetzen müssen, um sich selbst ein wenig grösser zu fühlen.

Die paar rechten Schläger können wir ohne Probleme der Polizei überlassen. Die sind für solche Idioten zuständig. Aber der breite Boden, auf dem diese Gesinnung so selbstverständlich wachsen kann, erfordert unsere Zivilcourage. Man muss die Lügen, die Hetze und die Angst bekämpfen.

Man muss hinstehen, in der Mittagspause, bei der Arbeit, im Freundeskreis, im Club, im Cafe am Nebentisch, man muss sich äussern, Stellung beziehen, wenn die Hetze formuliert wird. Auch wenns unangenehm ist und man lieber so tut, als hätte man nichts gehört. Auch wenn man sich sagt, dass das Gegenüber es ja nicht so meint, eigentlich kein schlechter Typ ist, ja nur einen Witz gemacht hat. Man steht hin und sagt: NEIN. So nicht. Man antwortet in den Foren und schüttelt nicht nur den Kopf und klickt weiter. Man nimmt sich zehn Minuten am Tag Zeit, um auf einen Hasskommentar bei der Zeitung seiner Wahl zu antworten. Man zeigt Zivilcourage.

Es reicht nicht, wenn wir selbst nicht so denken. Hass, Hetze und Fremdenfeindlichkeit müssen angesprochen und sozial geächtet werden. Jetzt, heute, an jedem einzelnen Tag.

Oder wie es meine alten Kumpels, die Ärzte, einmal so vorzüglich formulierten:

Drogen, Korruption und ein schwarzer Plot

Réda El Arbi am Dienstag den 1. April 2014
Er befasst sich auch in der Freizeit mit Drogen, Korruption und Gewalt.

Er befasst sich auch in der Freizeit mit Drogen, Korruption und Gewalt: Michael Herzig. Bild: Pino Ala, Zürich

Fixerstübli, Waffengewalt und die Strichboxen in Altstetten gehören zum Arbeitsfeld von Michael Herzig. Er war jahrelang Drogenbeauftragter der Stadt Zürich und ist jetzt Vize-Chef der Sozialen Einrichtungen der Stadt. Mit was beschäftigt sich der Kader-Sozialarbeiter in seiner Freizeit? Genau: Mit Drogen, Gewalt und Polizeikorruption – in Buchform. Michael Herzig veröffentlichte diese Woche seinen neuen Züri-Krimi um die hartgesottene Polizistin  Johanna di Napoli. Wir sprachen mit ihm über die dunkle Seite der Limmatstadt.

Michael, du schreibst «Hard Boiled»-Krimis im klassischen US-Stil, die aber hauptsächlich in Zürich spielen. Ist der harte Macker, in diesem Fall die harte Polizistin, in der Schweiz des Polizisten Wäckerli und des Wachmeister Studers glaubwürdig?

Klar, die Figuren sind ja nicht einfach hart und böse, sondern machen eine Entwicklung durch, die dem Leser glaubwürdig verständlich machen soll, wie auch hier Menschen verhärten können. Natürlich ist es überzeichnet, wie ja auch die harten Bullen in der US-Krimis nicht wirkliche Menschen sind.

Wenn die Lebensumstände in L. A. oder New York einen Polizisten korrupt und gewalttätig werden lassen, leuchtet das ein. Aber am Zürisee?

Wir müssen nicht lange zurückschauen, um eine kriminell einzigartige Situation in der Stadt zu finden. Im Sumpf der grossen Drogenszene in den Neunzigern, am Letten und am Platzspitz, waren die Voraussetzungen durchaus gegeben, um einen halbwegs anständigen Polizisten in Versuchung zu führen. Deshalb hab ich die Wurzeln meiner beiden Bösewichte in dieser Zeit angesiedelt.

Damals, vor allem am Letten, standen die Polizisten an vorderster Front in einem Krieg der Schweiz gegen die eigene Jugend. Überlastet und hilflos mussten sie zusehen, wie Dealer, die sie am Tag zuvor verhaftet hatten, bereits wieder Geld machten. Weil dem Suchtproblem mit repressiven Mitteln nicht beizukommen war, bestand eine Hauptaufgabe der Polizisten damals darin, den Handel zu stören, also Geld und Drogen aus dem Verkehr zu ziehen. Bunker mit packweise Heroin und bündelweise Geld zu finden und zu beschlagnahmen, kann schon eine Versuchung sein, etwas in die eigene Tasche zu stecken. Gerade wenn man von der Situation bereits frustriert und zynisch geworden ist.

Als Drogenbeauftragter der Stadt Zürich hattest du in den letzten sechzehn Jahren Einblick in die Mechanismen der Drogenkriminalität und der Polizeiarbeit in diesem Bereich. Sind deine Figuren der Realität entnommen?

Nein, meine Figuren sind frei erfunden. Um ihnen jedoch die Glaubwürdigkeit einzuhauchen, die sie benötigen, verwende ich die eine oder andere Geschichte, die ich während meiner Arbeit miterlebt oder gehört habe.

Die Stadtpolizisten in deinem Krimi werden am Letten/Platzspitz erst korrupt, danach wechseln sie die Seiten komplett und erscheinen in der Gegenwart als richtige Verbrecher. Machst du dir mit diesem Bild von der Stapo nicht Feinde unter den Leuten, mit denen du beruflich noch zusammenarbeiten musst?

Nein, ich denke nicht. Die Stadtpolizisten, von denen ich einige sehr gut kenne, können das einordnen. Sie sind die Ersten, die zugeben, dass die Situation in der offenen Drogenszene damals auch für Polizisten die Hölle war und dass der eine oder andere daran zerbrach und seine moralische Orientierung verlor. Aber genau deshalb ist heute auch die Situation bei der Stapo eine andere. Zum Beispiel gehört das Kennenlernen von Einrichtungen der Drogenhilfe wie z.B. der Fixerstübli zur Ausbildung bei der Stadtpolizei. Die Ideologien der 70er, 80er und 90er Jahre sind einem nützlichen Pragmatismus gewichen. Alle Beteiligten legen mehr Wert darauf, Probleme zu lösen, als sie niederzuschlagen. Man erwartet von den Polizisten, dass sie die Problematik verstehen, der sie täglich begegnen.

Ist die Situation denn nun wirklich besser? Erst gerade hatten wir den Fall «Chilli’s», bei dem sich Polizisten von Milieu-Figuren bestechen liessen.

Ja, ich denke wirklich, dass die Situation besser geworden ist. Man siehts gerade am Fall «Chilli’s». Die Verantwortlichen gingen so schnell und so hart gegen die eigenen Leute vor, wie es früher kaum der Fall gewesen wäre. Damals hätte man das wohl eher intern erledigt und den Ruf des Corps und die Kollegialität hätten Vorrang gehabt.

Hast du nicht genug Einsicht ins Elend in den letzten Jahren als Verantwortlicher für Drogenhilfe, Prostitution und die damit zusammenhängende Kriminalität, musst du auch noch in deiner Freizeit darüber schreiben?

Ich schreibe schon seit ich ein kleiner Junge bin. Schreiben ist, neben Musik (er spielt in der Punkband «The Goodbye Johnnys») die Leidenschaft in meinem Leben. Für mich ist es nur natürlich, dass ich die Fiktion in Aspekte meiner Realität einbette.

Aber es stimmt schon, meine Haut war früher dicker, die Realität, gerade in der Arbeit mit der Strassenprostitution, kann sehr zermürbend sein. Die Hoffnungslosigkeit und das Elend in diesem Milieu muss man ertragen können. Aber während ich mich dem in der Realität stellen muss, kann ich in den Büchern das Ende selbst vorgeben.

Zum Buch

Cover HerzigJohanna di Napoli versucht, ihr Leben in den Griff zu kriegen, mit ihrer ersten stabilen Beziehung seit langem zurechtzukommen, ihren Alkohol- und Tabakkonsum zu reduzieren und sich in ihrem Job als Revierdetektivin bei der Stadtpolizei Zürich nicht mit zu vielen Vorgesetzten gleichzeitig anzulegen. Dann wird sie für einen verdeckten Einsatz nach Deutschland geschickt. Ausgerechnet di Napoli soll einem im Rockermilieu ermittelnden Beamten als Rockerbraut zu mehr Glaubwürdigkeit verhelfen. Der Einsatz endet in einem Fiasko, und Johanna erkennt, dass die heiße Spur in dieser Ermittlung direkt zurück in die Schweiz und in eine unrühmliche Episode der Geschichte der Stadtpolizei Zürich führt. Erschienen im Grafit Verlag Dortmund.

Das linke Auge Zürichs

Réda El Arbi am Samstag den 25. Januar 2014
Miklós Klaus Rózsa bei der Verhaftung, die die er bis vors Bundesgericht gebracht hat. (Bild susann.wach/photoscene)

Miklós Klaus Rózsa bei der Verhaftung, die er bis vors Bundesgericht gezogen hat. (Bild: susann.wach/photoscene)

Neunzehn Jahre lang, von 1971 bis 1989, wurde er von Staat bis ins kleinste Detail bespitzelt: Der Zürcher Fotograf, Journalist und Politaktivist Miklós Klaus Rózsa kann auf ein bewegtes Leben zurückschauen. Als Präsident des Zürcher Gewerkschaftsbundes oder als Chef der Mediengewerkschaft comadia (heute syndicom) war er aktiv. Als Einzelperson erstritt er mehrere für die Medienarbeit wegweisende Urteile vor dem Bundesgericht, das letzte 2013, das Journalisten das Fotografieren bei Polizeieinsätzen uneingeschränkt erlaubt. Jetzt erscheint ein Buch, in dem die Künstler Christof Nüssli und Christoph Oeschger  Fotografien Rózsas mit den über ihn erstellten Staatsschutzakten kombinieren. Wir sprachen mit dem Protagonisten.

Miklós, wann bist du Fotograf und wann politischer Aktivist?

Ich bin eigentlich immer beides: Mit meinen dokumentarischen Fotos versuche ich ja Aufklärung, eine andere Sicht der Bilder und Wahrheit zu vermitteln.

Du warst von Anfang in Zürich mit dabei, von der 80er-Bewegung, über Wohlgroth und Wohnungsnot, die Platzspitz- und die Lettenszene bis jetzt. Schmerzt es dich, wenn du siehst, dass aus dem damaligen Kampf um berechtigte Anliegen reiner Krawalltourismus (1. Mai) oder banale Strassenschlachten um einen Botellón auf dem Bellevue wurden?

Nein. So ist es ja nicht: Es gibt irrsinnig viel, das Zürich der 80-er Bewegung zu verdanken hat. Dass manches heute immer noch oder wieder im Argen liegt, ist natürlich schlecht, aber auch logisch: Freiräume, Wohlstand, Rechte müssen immer wieder von Neuem erkämpft werden. Jetzt sind die Jungen dran, die anders funktionieren als ich vor 30 Jahren. «Tanzdemos», besetzte Häuser etc. sind in meinen Augen sicher ein berechtigter Ansatz.
Die 1. Mai Demo in Zürich ist eine eigene Geschichte. Ich würde das gerne etwas länger erläutern. Stichworte: Neukomm, Zero Toleranz, Provokateure. Es wäre ja nett, wenn Richi Wolff mal ein, zwei Stufen zurückspulen würde.

Du hast dir in deiner Karriere als Fotograf, Präsident des Zürcher Gewerkschaftsbunds, Präsident der grössten Organisation von Medienschaffenden, der Gewerkschaft comedia (heute syndicom) nicht gerade viele Freunde bei der Polizei gemacht. Würdest du heute in einer Notsituation noch nach der Polizei rufen oder überlegst du dir das zwei Mal?

Kein Mensch hat gerne mit der Polizei zu tun. Es gibt Situationen, bei denen sich das nicht vermeiden lässt: Einbruch, Velodiebstahl, Unfall … Ich erwarte von der Polizei nicht viel. Nur, dass sie sich an Gesetze halten, sich halbwegs anständig benehmen und ihre Arbeit tun.

Du wurdest von 1971 bis 1989 von der Polizei bespitzelt und als «Staatsfeind» überwacht. Denkst du, dass das heute vorbei ist? (Natürlich abgesehen von der NSA. Die Red.)

Da bin ich mir sicher. Heute läuft das halt digital. Der Bund hat ja grad eine Überwachungsanlage gekauft, die allerdings nicht funktioniert. Also benützen sie die alte, bis wieder eine neue Anlage geliefert wird. Das lassen sich Bund und Kantone hunderte Millionen kosten. Erfolg haben sie heute genau so wenig wie vor 30, 40 Jahren. Der Datenschutzbeauftragte hat mir einen kryptischen Brief geschrieben: Wenn Sie überwacht werden, werden Sie zurecht überwacht. Wenn Sie nicht überwacht werden, hat sich Ihre Anfrage erübrigt. Geil, oder?

Sascha Lobo, der deutsche Web 2.0-Guru, meinte das Internet sei kaputt. Zuviel Überwachung, zuviel Kontrolle. Andere sehen mit dem Web die Demokratisierung der Information. Wie siehst du das, mit Überwachungserfahrung vor dem Web?

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Das ist grundsätzlich richtig so. Allerdings kann man das Netz nicht gleich behandeln wie ein professionelles Medium. Ich finde es lächerlich, wenn ein junger Mann wegen Beleidigung via facebook verurteilt wird  …
Ich kann mir eine Welt ohne Internet nicht mehr vorstellen. Für mich ist es ein wichtiges Kommunikations- und Informationsmittel.

Jetzt ist mit Richard Wolff ein ehemaliger Genosse plötzlich an der Spitze der Zürcher Polizei. Löst das Beisshemmung im politisch bissigen Journalisten Miklós aus?

Scho es bitzeli. Der Richi Wolff ist ja nicht nur ein «Genosse», das wären ja seine Vorgänger auch gewesen (ausser Leuppi), sondern ein alter, lieber Freund. Bisher hält er sich sehr zurück. Weshalb er jetzt unbedingt noch diese Drohnen kaufen musste, wissen die Geier. Ja, ich habe meine Krallen noch nicht ausgefahren. Mich stört ja weniger was Wolff macht, als das was er nicht macht! Da gibt es einige Versprechen, an die ich ihn gerne nach den Wahlen erinnern werde. Vorausgesetzt, er ist dann noch immer Polizeichef.

Du hast als Einzelkämpfer im Juni 2013 in einem Urteil vor Bundesgericht erstritten, dass Fotografen an Demonstrationen wieder ungehindert fotografieren dürfen. Was überwiegt: Das Erfolgsgefühl oder die Enttäuschung, dass die grossen Verlage keinen Finger für die Pressefreiheit krumm gemacht haben?

Also Einzelkämpfer stimmt so nicht. Ohne die Hilfe der Gewerkschaft wäre das gar nicht möglich gewesen. Natürlich ist es extrem ärgerlich, dass Verleger, Medienwissenschaftler und Journalisten und Politikerinnen sich nur um Pressefreiheit kümmern, wenn sie in einem möglichst weit entfernten Land verletzt wird. Aber das ist so ein typisches Schweizer Atitüdet: Es ist zwar Shit wenn, etwas nicht gut ist, aber anderswo ist es sicher schlimmer. Also schweigt man lieber. Vielleicht hat der Rózsa doch etwas Illegales gemacht, man weiss ja nie. Bis ich gewinne. Dann bin ich ja der Sieger, alle sind gerne auf der Seite der Gewinner. Dann kommen sie und gratulieren und berichten. Gut gemacht, Herr Rózsa! Danke für Ihren Einsatz für die Pressefreiheit! Ja, Danke, danke auch, es wäre auch einfacher gegangen mit eurer Unterstützung!

Hat das Bundesgerichtsurteil dein Vertrauen in den Rechtsstaat wieder herstellen können?

Das «Vertrauen in den Rechtsstaat» ist nicht das Problem. Ich habe ja alle Prozesse gegen die Polizei gewonnen. Problem sind vielmehr die voreingenommenen und unfähigen Staatsanwälte, die systematisch Anzeigen gegen Polizisten gar nicht zulassen. Es gibt offensichtlich keine Qualitätskontrolle: Staatsanwälte und Richterinnen die extrem häufig und in immer ähnlichen Fällen von einer höheren Instanz korrigiert werden müssen, die machen doch offensichtlich etwas falsch.
Was nützt es vor Gericht Recht zu bekommen, wenn sich die Polizei weiterhin nicht an Gesetze, Dienstvorschriften und Gerichtsurteile hält. Sie machen weiter wie bisher, ich habe ja schon 2002 ein ähnliches Urteil vor Bundesgericht erwirkt.

Jetzt erscheint ein Buch über dich. Ist das nicht komisch? Hat das nicht den Beigeschmack eines Heldenbegräbnisses, einer Statue, bevor man den Heldentod gestorben ist?

Ich hoffe, dass ich noch ein paar Jährchen leben werde. Das Buch ist ja nicht über mich. Es ist ein politisches Kunstbuch über Überwachung und Beobachtung. Wunderbar gestaltet und aufgebaut von Christof Nüssli und Christoph Oeschger die beide altersmässig meine Söhne sein könnten. Das ist also auch Jugend! Das Buch zeigt Ausschnitte aus meinen Staatsschutzakten illustriert mit hunderten Fotos die ich gemacht habe. Es ist somit hochaktuell und erscheint just zur richtigen Zeit. Und ich fühle mich natürlich gebauchpinselt 😉

Über mich handelt allerdings der abendfüllende Dokumentarfilm an dem der Autor und Regisseur Erich Schmid zur Zeit arbeitet.

Zum Buch:
Christof Nüssli und Christoph Oeschger kombinieren Fotografien Rózsas mit den über ihn erstellten Staatsschutzakten (1971–1989). Das Collagieren der beiden Quellen ergibt neue Bilder, die die Geschichte einer bewegten Zeit aus zwei Perspektiven erzählen. Eine Doppelperspektive, bei welcher beide Seiten von demselben Ereignis berichten, aber dieses jeweils anders schildern. Neben den Montagen beinhaltet das Buch einen Erlebnisbericht von Miklós Klaus Rózsa und ein Essay des Autors und Historikers Peter Kamber. Das 624 Seiten umfassende Buch erscheint am 15.Februar bei cpress, Zürich und Spector Books, Leipzig. Im Rahmen der Buchvernissage am 14. Februar im Corner College, Zürich wird es eine Ausstellung und zwei Abendveranstaltungen geben. 

Eine Collage aus dem Buch.

Eine Collage aus dem Buch.

Sind Sie krank, Herr Hirschmann?

Réda El Arbi am Mittwoch den 21. November 2012

Carl Hirschmann ist wieder in der Stadt, diesmal um im Rekursverfahren das Urteil wegen Körperverletzung, Nötigung und sexueller Handlungen mit Kindern abzumildern. Anstatt die im Urteilsspruch festgelegten 33 Monate fordert sein Anwalt 12 Monate bedingt. Als Begründung nennt er psychologische Störungen seines Klienten. Unseres Autor Reda El Arbi gibt hier eine persönliche Einschätzung ab. Nicht als Richter, sondern als Betroffener. (Nachtrag: Inzwischen wurde das Urteil gefällt: Carl Hirschmann bekommt insgesamt 32 Monate, davon muss er 12 Monate absitzen. Hier  zum Artikel)

Carl Hirschmanns Anwalt führt im Berufungsverfahren eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) als strafmildernd an. Zusätzlich wurde bei Hirschmann eine narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Ob das strafmildernd oder überhaupt rechtsrelevant ist, überlasse ich den Richtern. Menschlich hingegen ist das keine Entschuldigung für Sex mit Minderjährigen oder Nötigung und Körperverletzung.

Wieso ich, als Blogger, mir anmasse ohne medizinische Ausbildung darüber zu urteilen? Naja, ich kann sowohl eine ADHS-Diagnose wie auch eine für narzisstische Persönlichkeitsstörung vorweisen. Was mich zu einer Art Fachmann für diese Thematik macht.

Meine Störung hat sich indes nie soweit ausgewirkt, dass ich beim Beischlaf erst am Ende gemerkt hätte, dass mein Gegenüber eigentlich gar nicht wollte. Hirschmann gab zu (nachdem er im ersten Prozess dazu gelogen hatte), den Widerstand einer jungen Frau erst bemerkt zu haben, als die «seinen Samen nicht schlucken wollte». Das Defizit in der Aufmerksamkeit muss da wohl riesig sein.

Auch haben mich meine Störungen in meinem ganzen Leben nie dazu gebracht, Sex mit Kindern zu haben. Meine Störungen machten es mir schwierig, mit Menschen umzugehen, und ich musste es schnell lernen. Dass sich diese Defizite nicht mit Alkohol und Drogen vertragen, war eines der ersten Dinge, die ich akzeptieren musste. Wie ein Diabetiker Zucker meidet, hab ich mein Leben so eingerichtet, dass ich die Verantwortung für mein Handeln weiter übernehmen konnte.

Nun, wenn mich ADHS und narzisstische Störung dazu bringen, mein Umfeld zu verletzen, den persönlichen Freiraum der anderen nicht mehr wahrnehmen zu können und ganz allgemein meine Handlungen nicht mehr einschätzen kann, müsste ich da nicht als erstes meinen Führerausweis abgeben? Ich kann mir ja nicht trauen. Und bin ich dann in geschäftlichen Belangen noch handlungsfähig? Wenn ich, trotz gegenteiliger Erfahrungen, weiter mit Alkohol meine Problematik verstärke, anstatt daran zu arbeiten, macht mich das eher weniger verantwortlich, oder wird im Gegenteil dadurch meine Schuld grösser?

Wie gesagt, das müssen die Richter entscheiden. Aber ich persönlich würde jedem, der mich nicht wegen dieser Aussage verklagt, einen Vormund und einen Klinikaufenthalt empfehlen. Gefängnis nutzt da nichts.