Beiträge mit dem Schlagwort ‘Frauen’

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 24. März 2017

«In Erinnerung bleiben grossartige
Parties bis spät in die Nacht.»

Radio statt Tequilla: Nach zehn Jahren schliesst die Bar La Catrina im Kreis 4. Aus dem Lokal sendet bald das Zürcher Webradio. Patrick Häberlin, der das kleine Lokal vor zehn Jahren eröffnet hat, ist dort aufgewachsen und hat mit der Bar viele schöne Zeiten erlebt. (Foto: PD) Zum Artikel

 

«Es braucht Mut, aus fünf Meter
rückwärts zu fallen.»

Andréanne Quintal hat nicht nur das Trampolin im Griff. Die kanadische Artistin coacht derzeit die Fratelli Errani im Circus Knie – und sagt ihnen auch, wenn sie einen Trick lieber sein lassen sollten. (Foto: Sabina Bobst) Zum Artikel

 

«Ich zeichne den Klang einer Person.»

Der Künstler Tobias Gutmann reist mit seinem «Face-o-mat» in verschiedene Länder und malt von Leuten abstrakte Porträts – diese seien präziser als jede Fotografie, sagt er. (Foto: Thomas Egli) Zum Artikel

 

«Ich sehe etwas kommen,
bevor es andere merken.»

Anwalt Ulrich Kohli sieht sich an der Seite der Schwächeren. Selbst wenn er Milliardär und Dolder-Besitzer Urs Schwarzenbach vertritt. (Foto: Raisa Durandi) Zum Artikel

 

«Unser heutiger Wermut
ist klar trinkfreudiger.»

Eine halbe Million Flaschen Jsotta-Wermut sind einst pro Jahre verkauft worden. Das Trendgetränk aus Zürich verschwand 1999. Jetzt wird es in Winterthur wieder hergestellt. Berthold Pluznik, VR-Präsident der Lateltin, setzt voll und mit Erfolg auf das Revival der Getränkemarke.  (Foto: ZVG) Zum Artikel

 

«Eine Spukgeschichte, die
für Zürich einzigartig ist.»

Es heisst, in Zürich gebe es keine Spukhäuser. Falsch: Ein besonders übler Poltergeist brachte hier sogar den obersten Pfarrer um den Verstand. Der Frage, wie es soweit kommen konnte, ist TA-Redaktor Marius Huber nachgegangen. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Wir platzen aus allen Nähten.»

Die «Tribute von Panem»-Filme haben Folgen: Immer mehr Zürcher wollen Bogenschiessen. Doch jetzt wirds eng. Und die Stadt unterstützt den Bau einer neuen Halle nicht. Kurt Nünlist, Präsident des Bogensportzentrum Zürich, findet kaum mehr Platz für das Training der Vereinsmitglieder. (Foto: Reto Oeschger) Zum Artikel

 

«Der Verkehr ist die
grösste Seuche unserer Zeit»»

Der Zürcher Alt-Nationalrat Roland Wiederkehr startet kurz vor Ostern eine Spendenaktion, die Unfallopfern in Indien wieder auf die Beine helfen soll. Er findet, das passe zum Fest der Auferstehung.(Foto: Gaetan Bally/Keystone) Zum Artikel

 

«Witikon ist kein Boom-Quartier mehr.»

Der Verdrängungseffekt hoher Mieten dürfe nicht unterschätzt werden, sagt Stadtforscher Philipp Klaus. Er warnt vor flächendeckender Verdichtung in Zürich. (Foto: Dominique Meienberg) Zum Artikel

 

«Der Böögg vom Lande ist
kein Knallkopf wie der Städter.»

Es sieht definitiv anders aus als sein Kollege aus Zürich: In der Limmattaler Gemeinde Unterengstringen brennt schon an nächsten Sonntag ein Böögg. Er ist nicht nur früher dran als sein Zürcher Leidensgenosse, sondern geht auch entschieden mehr mit der Zeit. Bööggmeister Ralph Pfister spricht von einem «schönen Böögg». (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

«Wir Frauen müssen erneut aufholen.»

Corine und Ursula Mauch haben sich «Die göttliche Ordnung», Petra Volpes Film über das Frauenstimmrecht, angesehen. Die Zürcher SP-Stadtpräsidentin und ihre Mutter erinnern sich an ihre Familiengeschichte. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Stokys muss gerettet werden.»

Stokys kämpft mit seinen Metallbaukästen ums Überleben. Eine Online-Plattform soll die Firma aus Bauma retten, eine Ausstellung im Technorama mithelfen. Fit machen für die digitale Zukunft heisst deshalb die Devise von Stoky-Geschäftsführer Beat Schaufelberger. (Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Beim Anstehen in der Warteschlange
vor dem Frauen-WC.»

Tele-Züri-Moderatorin Patty Boser auf die Frage, in welcher Situation sie lieber ein Mann wäre. (Foto: Urs Jaudas)

 

 

«Danke Alf, danke Zürich»

Beni Frenkel am Donnerstag den 29. Dezember 2016

Der Alfred-Escher-Brunnen beim Hauptbahnhof. (Foto: Beni Frenkel)

Ich führe mit meiner Frau eine sehr offene und konstruktive Beziehung. Sie sagt mir zum Beispiel: «Du hast die hässlichsten Füsse, die ich je gesehen habe. Und du bist fett.» Ich hingegen habe ihr im Dezember häufig gesagt: «Ich spiele jetzt Swiss Lotto und wenn ich den Jackpot gewinne, verlasse ich dich und die Kinder. Und dann ziehe ich in den Süden, wo die Sonne häufig scheint.»

Später habe ich mir überlegt: Warum bin ich so fies gegenüber Zürich? Habe ich verdrängt, dass meine Urgrosseltern hier ihre Zuflucht gefunden haben? Aus Anlass der Russischen Progrome (1881 – 1914) sind sie vor über 100 Jahren zuerst nach Wien und dann nach Zürich geflohen.

Seitdem lebt meine Familie ununterbrochen in Zürich, abgesehen von einer 20 Jahre währenden Diaspora im Kanton Aargau. Was andere Menschen an Zürich stört, das freut mich. Zürich ist teuer und arrogant? Die Deutschen sind den Zürcher unwillkommen? Ja. Das will ich. Meine Schwiegereltern aus Berlin plagen uns wegen den genannten Gründen nur einmal pro Jahr mit einer Visite. Hoffentlich stürzt der Euro im Januar 2017 noch tiefer, dann kommen sie gar nicht mehr.

Ich hingegen bin ein stolzer Zürcher. Was bietet mir diese Stadt nicht alles: mehrere Einkaufsmöglichkeiten, einen See, einen Berg, zwei Flüsse, einen Hauptbahnhof (mit noch mehr Einkaufsmöglichkeiten) und vieles mehr

Manchmal ist mir das Herz übervoll. Dann will ich laut schreien: Danke, danke, danke. Für all das Gute, das ich hier geniessen darf. Natürlich gibt es auch eklige Zürcher, das will ich gar nicht abstreiten. In manchen Restaurants fühle ich wenig willkommen, wenn ich nur Pizza Margherita bestelle und beim Lavabo auf der Toilette meinen Durst stille. Und manche (vor allem ältere) Menschen scheissen mich zusammen, nur weil ich bei Rot über die Strasse laufe. Trotzdem: Das Gute überwiegt.

Deswegen habe ich mir vorgenommen, am letzten Sonntag des Jahres ein bisschen Dankbarkeit zu zeigen und den Bewohner und Bewohnerinnen die Hand zu reichen. Ich habe am Morgen viele Sachen auf das Trottoir gestellt (Gurkenglas, Oliven, Spielzeug, eine (kaputte) Tasche und Spaghettibesteck). Ausser der Tasche liegt jetzt nichts mehr draussen.

Und am Abend bin ich mit dem Tram zum Hauptbahnhof gefahren. Im Tram sassen irre viele Frauen. Ich vermute: Alle Singles. Da habe ich plötzlich verstanden, warum man fast immer nur vier AA-Batterien kaufen kann: zwei für die Fernsehbedienung und zwei für den Vibrator.

Beim Hauptbahnhof stieg ich aus. Demütig stand ich vor dem Alfred-Escher-Brunnen. «Danke, Alf, danke Zürich». Ich warf Kleingeld in den Brunnen und fuhr mit dem nächsten 7er-Tram wieder zurück nach Wollishofen.

Die Opferhaltung

Réda El Arbi am Dienstag den 20. September 2016
Autonomie und differenzierte Selbstwahrnehmung statt Opferhaltung.

Autonomie und differenzierte Selbstwahrnehmung statt Opferhaltung.

Dies wird wohl einer der Texte, die wirklich schwer zu schreiben sind, wenn ich am Schluss nicht Applaus von Idioten und Angriffe von Freunden ernten will. 

Ich beurteile Menschen nach ihren Handlungen und Äusserungen. Niemals werte ich Menschen nach ihrem Geschlecht, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Religion, Rasse, ihres Reichtums oder ihrer Armut. Trotzdem finde ich mich ab und an mit den Vorwürfen Sexismus, Homophobie, etc. konfrontiert.

Gerade in einer aufgeschlossenen Stadt wie Zürich – regenbogenfarben, linksgrün, offen – treffe ich häufig auf Menschen, die sich über ihre Opferhaltung definieren. Feministinnen, die sich auf ihr Geschlecht reduzieren, Homosexuelle, die jeden Affront als «homophob» einordnen, Ausländer (meist gut integrierte Secondos), die persönliche Auseinandersetzungen gleich mit «Rassismus» kontern.

Es gibt da draussen noch viel zu viel Sexismus, Rassismus und Homophobie. Das heisst aber nicht, dass man seine eigene Identität auf sein Geschlecht, seine Herkunft, seine sexuelle Orientierung oder auf sonst ein Merkmal einer Gruppenzugehörigkeit reduzieren soll oder darf. Das zeugt von fehlender Autonomie und man wird sich selbst dabei nicht gerecht. Die eigene Person wird schabloniert und eindimensional, die Welt schwarzweiss. Es endet in «Wir und sie».

Ich hab einige Jobs und Wohnungen in meinem Leben nicht bekommen. Natürlich hätte ich schimpfen können, das sei wegen meines arabischen Namens. Wars aber meistens nicht. Da war zu Beispiel mein Betreibungsauszug. Oder meine fehlende Eignung. Oder meine persönliche Art, die lange nicht jedem passt. Wenn jemand mir sagt «Du dreckiger Kameltreiber», empfinde ich das als fremdenfeindlich. Wenn jemand mir sagt «Du grosskotziger Vollidiot», ist das wohl meiner Persönlichkeit geschuldet.

Die Selbstdefinition als Opfer führt in Zürich oft zu einer Art positiven Diskriminierung. So gehen viele meiner Bekannten viel vorsichtiger in Auseinandersetzungen mit Schwulen, Lesben, Ausländern oder feministisch orientierten Frauen. Schliesslich will man auf keinen Fall als rückständiger, intoleranter, sexistischer Vollidiot dargestellt werden. So kommt es in meiner linksgrünen Blase zu einer Art Schutzgebiet für Leute, die sich dauernd als Opfer irgendeines -ismus fühlen.

Das ist extrem abwertend. Wenn ich Leute aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung anders behandle als jeden anderen Idioten, sie schone, nehm ich sie nicht ernst. Gleichberechtigung bedeutet, dass ich den Menschen so behandle wie alle anderen. Und wenn ich mich zurückhalte, meinem Gegenüber einen Sonderstatus einräume, positiv oder negativ, diskriminiere ich aktiv. Das ist ungeheuer kontraproduktiv. Unter Ausländern, Schwulen, Lesben, Transgender und Feministinnen gibts genau gleich viele unangenehme, egozentrische und dumme Personen wie überall sonst unter Menschen.

Es gibt genug echten Sexismus, Rassismus und genug Homophobie, die wir angehen müssen, strukturell, gesellschaftlich und auf persönlicher Ebene, als dass wir uns diese Opferhaltung leisten können. Es schadet unserer gesellschaftlichen Entwicklung, wenn wir nicht zwischen persönlichem Affront und allgemeiner Abwertung unterscheiden können.

Also, wenn dich jemand «Idiot» oder «dumme Kuh» nennt, könnte das mit deinem Verhalten zu tun haben. Es muss nicht Ausdruck einer grundsätzlichen Haltung gegenüber deiner Identität sein.

Tanzen, Titten und Sexismus

Alex Flach am Montag den 27. Oktober 2014
Hätte Sie DJane Micaela Schäfer erkannt? Auf diesem Bild trägt sie Kleider.

Hätten Sie DJane Micaela Schäfer erkannt? Auf diesem Bild trägt sie Kleider.

Alice Sophie Schwarzer, Kämpferin für Frauenrechte und Herausgeberin der Frauenzeitschrift Emma, würde schwarz vor Augen werden, fände sie die Musse, sich mit dem hiesigen Nachtleben auseinanderzusetzen.

Nicht nur aufgrund der Tatsache, dass in diesem Wirtschaftsbereich Frauen in Führungspositionen dünner gesät sind, als kluge Bemerkungen des Ex-Bachelors Vujo Gavric, sie werden mit einer Selbstverständlichkeit auf ihre äusserlichen Attribute reduziert, die selbst Hugh Hefner die Schamesröte ins Gesicht treiben würde.

Nicht nur von professionellen Chauvinisten wie Matthias Pöhm, dem Verfasser des nach Aufriss-Potential gewichteten Clubrankings «Die besten Verführungsclubs von Zürich», sondern in zunehmender Form auch von allen anderen Stakeholdern des Nightlife: ob Clubber, ob DJ, ob Club-Betreiber, ob Veranstalter, ob Partyfotograf oder Türsteher. Aus Sicht der Nachtleben-Schaffenden sind Frauen Club-füllende Männermagneten und aus jener der männlichen Gäste Freiwild, das es zu erlegen gilt.

Klar: Der Jagdinstinkt vieler Frauen steht jenem ihrer männlichen Abschlepp-Kollegen in nichts nach, jedoch manifestiert sich dieser vorwiegend im bilateralen Balzspiel an der Bar oder im Club und nicht in solch penetrant-öffentlicher Manier, wie es beim männlichen Willen zum Aufriss der Fall ist. Auf der Eventplattform tilllate.com gibt es eine Rubrik «Neueste Supergirls», in der bisweilen nur die Oberweiten abgelichteter Frauen zu sehen sind, einige Clubs buchen regelmässig Stripperinnen, um ihre männlichen Gäste zu ergötzen, bei den für die Animation zuständigen Dancecrews interessiert vor allem der Anteil nackter Haut (auch wenn die Tänzerinnen selbst oftmals immer noch denken, es gehe um tänzerischen Ausdruck) und im Gratisclub Wow in Zürich West gibt es tatsächlich ein Partylabel namens «Titty Flash».

Agenturen für kommerziell orientierte elektronische Musik (insbesondere im EDM- und Deep House-Bereich) haben längst entdeckt, dass ihre Youtube-Clips ein paar tausend Klicks mehr generieren, wenn sie diese mit, möglichst textilfreien, weiblichen Hintern bebildern und es gibt unzählige topless-DJanes wie Micaela Schäfer, die die Dauergeilheit männlicher Clubber eigennützig bedienen, ungeachtet der Tatsache, dass sie ihren weiblichen Berufkolleginnen ohne Hang zum Exhibitionismus das Bestehen in diesem chauvinistischen Umfeld zusätzlich erschweren.

Selbstverständlich sind Clubs munter sprudelnde Hormonquellen und sollen dies auch sein. Sie sind keine Plattformen für intellektuelle Diskussionen, alleine schon wegen der Alkoholpegel aller Beteiligter und der Kommunikations-verhindernden Lautstärke. Jedoch droht die einseitige Erotisierung des Nachtlebens aktuell im Sexismus zu verenden und damit wäre nun wahrlich niemandem gedient, da sich immer mehr Frauen dazu entschliessen könnten, sich nicht mehr freiwillig vor die Flinten männlicher Freizeit-Casanovas zu begeben.

Diese wiederum könnten, wenn sie das nächste Mal in einem Club eine Frau anquasseln, ihr wieder mal in die Augen sehen, anstatt nur auf ihre Brüste zu starren: Veränderung beginnt im Kleinen.

Alex-Flach1Alex Flach ist Kolumnist beim Tages Anzeiger und Club-Promoter. Er arbeitet unter Anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Nordstern Basel, Rondel Bern, Blok und Zukunft.

Die Angst vor Frauen

Réda El Arbi am Montag den 28. Juli 2014
Besser kann ein Bild die Bezuhung Zunft/Frauen nicht darstellen. (Bild: kaffeeundgipfeli.blogspot.ch)

Besser kann ein Bild die Beziehung Zunft/Frauen nicht darstellen. (Bild: kaffeeundgipfeli.blogspot.ch)

Es war einmal eine Zeit – lange, lange ist’s her – da galt der Zürcher Wirtschaftsfilz noch etwas. Alte, weisse Männer regierten die Stadt, alte weisse Männer, verbunden durch Freundschaften aus Universität und Militär, bestimmten, wer in den Zürcher Chefetagen das Sagen hatte. Emporkömmlinge, Ausländer und andere unzulängliche Personen kannten ihren Platz in der Gesellschaft noch. Die Frauen hatten noch kein Stimmrecht und alles hatte seine Ordnung. Die Zürcher Elite sammelte ihre Mannen in den Zünften (Für Auswärtige: Zünfte sind eine Art M-Budget-Freimaurerorden).

Diese Zeit (die 60er und 70er) ist leider schon lange vorbei. Die Stadt wird inzwischen von einer lesbischen Velofahrerin regiert, die Wirtschaft findet global statt und relevant und erfolgreich ist, wer neue, innovative Ideen vorweisen kann. Natürlich ist das hart für die alten, weissen Männer, die damals noch jung waren und sich der Hoffnung hingaben, dass sie auch ohne herausragende Leistung, nur durch Seilschaften, einen Platz in einer wichtigen Position finden würden. Inzwischen sind sie etwas bitter und ein wenig unflexibel geworden, diese Mannen.

«Keine Weiber in der Zunft» heisst es da im O-Ton bei der neuerlichen Abstimmung über die Teilnahme einer Frauenzunft am Sechseläuten. Und: «Das einzige Gewerbe, in dem Frauen erfolgreich sind, ist das älteste», kalauern die ihrer Bedeutung beraubten Senioren (wie der «Blick» berichtete). Sie halten die Forderung der Frauen nach der Teilnahme am Sechseläuten für eine Impertinenz  «militanter Emanzen».

Nun, liebe Zünfter, es tut mir leid. Aber irgendjemand muss es euch sagen: Es gibt keine Zeitmaschinen. Wenn ihr jeden Frühling alte Uniformen anzieht und euch auf Pferde setzt, bedeutet das nicht, dass die Stadt wieder ins 17. Jahrhundert zurückkehrt. Es reicht nicht mal, um uns in die 70er zurück zu katapultieren. Leider sind die Zeiten vorbei, in denen Beziehungen, geschmiedet in urchiger Kameradschaft, noch Sicherheit und Wohlstand boten. Ihr steht jetzt in Konkurrenz mit gebildeten, flexiblen und ehrgeizigen Frauen, die sowohl über Sozialkompetenz wie auch über wirtschaftliches Knowhow verfügen.

Und ehrlich, die Frauen, die bei Euch mitmachen wollen, sind nicht die Frauen, die ihr fürchten solltet. In Acht nehmen solltet ihr euch vor den Frauen, denen die Bedeutungslosigkeit der Zünfte, der reine Fasnacht-Charakter dieser ehemals mächtigen Institutionen, bereits bewusst geworden ist.

Es macht nichts, dass Ihr an euren althergebrachten Rechten festhalten wollt. Das verstehen wir gut. Die meisten Frauen mögen es euch gönnen, wenn ihr in einem Männerverein der Irrelevanz entgegendämmert. Während ihr die Vergangenheit vor Frauen und anderen Gefahren schützt, gestalten die Mädchen und Frauen von heute die Zukunft mit.

«Die Unsicheren, die Arroganten & die Idioten»

Réda El Arbi am Mittwoch den 18. Juni 2014
Nichtbeachtung erzeugt Interesse. Verkehrte Welt.

Nichtbeachtung erzeugt Interesse. Verkehrte Welt.

Zürich gilt als Stadt für Singles. Das ist durchaus nachvollziehbar: Auf der einen Seite haben wir all die Nightlife-Möglichkeiten und Orte der Begegnung, die viele Menschen in Beziehungen nicht mehr nutzen und die als Tummelplatz für Singles gelten. Auf der anderen Seiten haben wir eine Flirtkultur, die dafür sorgt, dass Singles auch Singles bleiben – und die uns darüber staunen lässt, dass wir noch nicht ausgestorben sind.

Gestern durfte ich Zeuge eines Gesprächs zwischen zwei Frauen um die Dreissig werden, das mir die Augen für das komplizierte Paarungsverhalten in der Stadt öffnete:

Frau 1: «Immer wenn ich mich ein wenig zurechtmache, getraut sich nachher keiner mehr, mich anzusprechen. Es ist, als ob ich zu sexy zum Flirten wär. Die Männer schauen nur ein wenig und wenden gleich den Blick ab, wenn ich zurückschaue. Sie haben einfach nicht mehr die Eier, eine Frau anzusprechen.»

Frau 2: «Aber das stimmt doch gar nicht! Gestern am Match hattest du das Sommerkleid an und mindestens zwei Typen haben dich angequatscht. Und der Dunkelhaarige hat dir zwei Mal mit seinem Bier zugeprostet. Das nenn ich keine schlechte Ausbeute.»

Frau 1: «Ja, aber das waren Idioten. Hast du das T-Shirt des Dunkelhaarigen gesehen? Abercrombie? Da kann ich ja gleich an eine Ü30-Singleparty. Und die anderen Beiden waren einfach nur aufdringlich und plump. Echt. Der an der Bar hingegen war süss, aber der hat nur alle paar Minuten rübergelinst, ohne die Cojones, mich anzusprechen. Und der geile Typ später am See hat mich nicht mal beachtet. In Spanien war alles viel lockerer, offener. Die Männer sind da eher noch Männer.»

Aus der Sicht des Mannes ist das ein unlösbares Dilemma: Wenn wir auf eine Frau zugehen und sie ansprechen, sind wir «einfach nur aufdringlich», kurz Idioten. Wenn wir zurückhaltend flirten und ab und zu den Blickkontakt suchen, sind wir Weicheier. Wirklich interessant werden wir aber nur dann, wenn wir die Frauen, die uns faszinieren, ignorieren, also die Arroganz raushängen lassen. Schaffen wir es, die Angst zu überwinden und eine Frau anzusprechen, kriegen wir einen Korb, der, egal wie oft eingefangen, immer wieder weh tut. So schauen wir die Frauen an, denken, dass diese Schönheit sowieso nichts für uns ist, und nippen weiter an unserem Bier.

Inzwischen verstehe ich, dass Männer gar nicht mehr versuchen, jemanden Neuen kennen zu lernen. Die meisten normalaussehenden Männer ohne speziellen Status haben vor ihrem 30. Lebensjahr ihre tausend schmerzhaften Abweisungen eingefahren. Das prägt und nimmt die Lust, auf Frauen zuzugehen. So werden wohl auch in Zukunft die meisten Beziehungen am Arbeitsplatz oder im erweiterten Freundeskreis entstehen, ohne den kitzelnden Flirt.

Für die Zürcher Single-Frauen hab ich einen Tipp: Versuchen Sie mal den 1. Schritt zu machen und sich eine Abfuhr abzuholen. Spüren Sie der Erniedrigung etwas nach und machen Sie sich klar, dass Männer das oft verspüren, wenn sie den Mut aufbringen, eine Frau anzusprechen. Vielleicht entlockt Ihnen dann der nächste Versuch ein Lächeln, und wenns nur eins ist, das die Abfuhr versüssen soll.

Und bevor Sie über den fehlenden Flirtelan der Zürcher Männer jammern und sich nach ihrem Ferienort sehnen (wo doch alles viel lockerer und offener war), fragen Sie sich doch mal, wie viel lockerer und offener Sie selbst da unten am Strand waren. Und dann stehen Sie auf, gehen Sie auf einen Mann zu und beginnen Sie ein freundliches Gespräch. Wir leben schliesslich im 21. Jahrhundert.

 

Flirten in Zürich – der Stadtblog-Selbstversuch

Réda El Arbi am Donnerstag den 18. April 2013
Zürich ist ein hartes Pflaster mit vielen schönen Frauen

Zürich ist ein hartes Pflaster mit vielen schönen Frauen

Von Reda El Arbi und David Sarasin

Im Grunde ist alles Kopfkino. Man sieht jemanden, die Dame gefällt und schon schwankt man zwischen Euphorie, Selbstzweifel und Überschätzung. Aber diese emotionale Achterbahn muss nicht so heftig ausfallen, erklärte uns Frau  «Flirt-Coach»  Wilkinson bei den Vorbereitungen, einen Tag vor unserem Selbstversuch. Man könne das besser machen. Selbst in einer Stadt wie Zürich, in der man mehr kalte Schultern sieht als in jedem Vampirfilm. Unsere Fragen an sie waren so naiv wie notwendig:

Frau Wilkinson, wann weiss man, ob eine Frau am Flirt interessiert ist?
Wenn man dreimal Blicke ausgetauscht hat, im besten Fall auch ein Lächeln.

Also starre ich die Dame an?
Das nun auch wieder nicht.

Darf man hingehen und sagen: «Hoi, wie gahts?»
Ich würde das vermeiden, sprechen sie lieber die Umgebung an: die Musik, die Menschen! Vermeiden sie zu ernste Themen, Politik, Religion oder Krieg.

Und wenn man zu unsicher ist?
Am Besten zu seiner Unsicherheit stehen und sie ansprechen, denn alle sind unsicher.

Also Schweissflecken am Hemd zeigen und stottern?
Das auch wieder nicht!

Wann weiss ich im Gespräch, ob es sich lohnt weiterzumachen?
Achten sie auf die Körpersprache. Ob sie sich in die Haare fährt, ob sie eine offene Haltung einnimmt, den Kopf kokett schräg hält, alles kann auf das Interesse der Frau hinweisen. Im Gegensatz dazu verheissen eine abgewandte Haltung oder verschränkte Arme nichts Gutes.

Also, auf  in den Feldversuch!

Mit diesen Anweisungen starten wir unser Experiment. Samstagabend, die Sonne scheint – in der 01-Bar am Limmatquai setzen wir uns an einen Tisch. Um uns sind alle Tische besetzt.

Sarasin (nach fünf Minuten):
Mit der da habe ich schon zweimal Blicke ausgetauscht. Wie viel Mal hat Frau Wilkinson gesagt?

El Arbi (dreht sich um):
Drei. Ich glaube aber, der Typ neben ihr ist ihr Freund. Sie sonnt nur ihr Ego in unseren Blicken.

Sarasin:
Ich glaube eher, sie ist schon ein bisschen verliebt in mich.

El Arbi:
Obwohl sie zu mir schaut?

Wir wollen klären, wer von uns beiden Chancen hätte. Klar bricht sie uns das Herz, als sie sagt, sie habe uns nicht mal aus dem Augenwinkel bemerkt. Klar finden wir in einem Anflug von Grössenwahn, sie lüge wie gedruckt. Klar war das ein schlechter Start. Wir verlassen die Bar  und wechseln in ein etwas «posheres» Lokal Nähe der Bahnhofstrasse. Das klassische Setting: Drei Frauen am Stehtischchen. Wir setzen uns daneben an die Bar, gucken und zählen die erwiderten Blicke. Beide diesmal. Eine schaut. Zu uns? Zur Bar? Will sie bestellen? Neue Taktik: Wir tun nun so, als würden wir uns vollauf genügen, denn Bedürftigkeit auszustrahlen sei ein grober Fehler, wie unser Coach ebenfalls sagte. Als wir doch wieder zum Nachbartisch schielen, steht bereits ein Konkurrent im Kappa-T-Shirt dort und unterhält das Trio scheinbar blendend. Ein Kappa-T-Shirt! Wir gehen!

In der Central-Bar im Kreis 4 dann folgende Szene: El Arbi spricht seine Nachbarinnen an – ohne auch nur Blicke gezählt zu haben. Es wären sowieso null gewesen, meint Sarasin. El Arbi wagt es trotzdem, stürzt dummerweise aber bereits nach der Einstiegsfrage ab: «Kommst du aus Bern?» – mehr fällt ihm spontan einfach nicht ein.

Noch eine halbe Stunde später wird er behaupten, er wäre bei den Beiden weiter gekommen, wenn sie ihm nur etwas mehr Zeit gegeben hätten. Den Rest des Abends flirteten wir dann mit der Barfrau, zwischen uns freilich stets der schützende Tresen aus Holz.

Was wir gelernt haben? 1. Flirts misslingen eher, als dass sie gelingen. 2. Absagen einstecken schmerzt mit der Zeit weniger. 3. Grössenwahn und Unsicherheit wechseln sich ab – es hilft jedoch, sowohl das Eine wie auch das Andere nicht allzu deutlich zu zeigen. 4. Alkohol hilft auch. 5. Die Welt ist ungerecht.

Helfen tun wir damit niemandem, schon klar. Aber wenigstens wissen die Männer da draussen, dass sie in ihrem Versagen nicht alleine sind. Doch auch wenn wir an dem Abend nichts erreicht haben, am Ende waren wir uns in einem Anflug von tröstlicher Selbstüberschätzung einig: eigentlich hätten wir jede haben können.

Sixpacks und die hysterische Hölle

Réda El Arbi am Freitag den 12. Oktober 2012
Bis in den Vorraum durfte unserUndercover- Mann vor Ort die Kamera mitnehmen. Natürlich hatte er eine zweite Minia-Kamera dabei. Bilder weiter unten.

Chippendales in Zürich: Bis in den Vorraum durfte unser Mann vor Ort die Kamera mitnehmen. Natürlich hatte er eine zweite Mini-Kamera dabei. Bilder weiter unten.

Die Chippendales sind in der Stadt. Eine Welle weiblicher Hormone schwappte gestern Richtung Volkshaus, um die renommierte Männerstrip-Truppe zu begrüssen (hier mehr zum spannenden und blutigen Hintergrund der Chippendales). Der Stadtblog schickte den unerschrockenen Reporter Reda El Arbi an das Spektakel. Hier sein Augenzeugenbericht:

«Kevin ist der Geilste» war die einhellige Meinung der meisten Damen, die ich kurz vor der Chippendales-Vorstellung im Volkshaus befragen konnte. Wer jetzt denkt, «Kevin» sei ein 23-jähriger kalifornischer Muskelprotz, irrt. «Kevin» ist ein 40-jähriger kalifornischer Muskelprotz. Er hatte letzten Mittwoch seinen runden Geburtstag. Schon etwas verstimmt klopfte ich auf mein 43 Jahre altes, nichtvorhandenes Sixpack. «Innere Werte zählen» murmelte ich vor mich hin und machte mich auf den Weg zum Eingang.

Unser Mann vor Ort. Unauffällig wie ein Elefant im Flohzirkus.

Unser Mann vor Ort: Unauffällig wie ein Elefant im Flohzirkus.

Ich drängte mich also zwischen gefühlten 10 000 Frauen in Highheels, Kleidchen und Makeup am Türsteher vorbei, der mich kritisch musterte und mein Ticket entwertete. Wie konnten wir nur auf die Idee kommen, einen Mann an eine Chippendales-Show zu schicken? Noch unauffälliger wär wohl nur ein Elefant in einem Flohzirkus. Aber eigentlich gingen wir davon aus, dass auch schwule Männer die Show besuchen würden. Aber nein, ich war der einzige Mann weit und breit. Wenigstens hatte ich die Kamera, hinter der ich mich verstecken konnte.

Naja, bis zur Eingangstür. Da musste ich sie abgeben. «Fotografieren strikt verboten». Natürlich sind wir vom Stadtblog auf solche Situationen vorbereitet. In Undercover-Techniken geschult und mit Spezialequipement ausgerüstet, konnte ich meine Mission fortführen. Drinnen auf meinem Platz machte ich meine Handy-Kamera klar.

Die Show begann. Und das hätte sogar ein Blinder mitgekiregt: Alle, wirklich alle anwesenden Damen begannen wie auf Kommando in derselben Tonhöhe zu kreischen. Nach ungefähr sechzig Sekunden waren meine Hörnerven soweit geschädigt, dass ich mich auf die Show konzentrieren konnte. Doch dann wurde ich durch einen Vorfall zwei Sitzreihen weiter unten abgelenkt. Securitys begleiteten eine sehr junge Dame aus dem Saal, die sie beim Fotografieren mit dem Handy erwischt hatten. Es schien, als ob die Veranstalter das Fotoverbot ernst meinten.

Fotografieren strengstens verboten! Aber der Stadtblog lässt sich nichts verbieten. Wenn Sie die Augen zusammenkneifen, können Sie die Chippendales knapp erkennen!

Fotografieren strengstens verboten! Aber der Stadtblog lässt sich nichts verbieten. Wenn Sie die Augen zusammenkneifen, können Sie die Chippendales knapp erkennen!

Die Show war inzwischen in vollem Gange. Ich machte ein, zwei versteckte und grauenhaft verwackelte Aufnahmen, nur um meinem Ruf als unerschrockener Reporter gerecht zu werden. Nun konnte ich in aller Ruhe beobachten, wie die wirklich gutgebauten Männer auf der Bühne zu allerlei 80er Jahre-Musik und Hiphop-Klassikern aus den Kleidern stiegen. Die Musik war wohl für ein älteres Publikum gedacht. Selbst ich war überrascht, wie viele attraktive Frauen in ihren frühen 20ern an das Spektakel gepilgert waren. Und alle schienen sich riesig zu amüsieren. Ich bestaunte ein Sixpack nach dem anderen und lernte, wie stark man mit den Füdlimuskeln zucken kann. Die Tanzeinlagen waren eher dürftig, eine Art Backstreet Boys für Arme, was der Begeisterung der Damen aber keinerlei Abbruch tat. Die jungen Damen neben mir wechselten zwischen Kreischen, Staunen und unkontrollierten Kicheranfällen.

Einer der Hauptgründe, weswegen ich mich freiwillig für diese Recherche gemeldet hab, war, dass ich wissen wollte, wie man als Mann elegant aus einer engen Jeans steigen konnte, ohne dass die Hose an den Füssen hängenblieb. Aber nada. Nicht einmal die weltbesten Stripper haben das auf der Bühne hingekriegt. Nur wirkte es bei ihnen irgendwie nicht peinlich. Die Show schien die Frauen wirklich anzuheizen. Sie gingen mit, kreischten was das Zeug hielt und einige durften sogar auf die Bühne und sich die Männer von Nahem ansehen und auch mal eine Hand auf einen Stahlhintern legen.

Nur an kleinen Details merkte man, dass die Show ursprünglich auf ein amerikanisches Publikum zugeschnitten war: Bei einem Auftritt als Navy-Matrosen salutierten die Chippis ins Publikum und waren wohl ein wenig irritiert, als niemand zurück salutierte. Naja, bei uns funzt das nicht so mit dem Militärzeugs.

Und natürlich war, sauber und amerikanisch, trotz der ganzen Auszieherei niemals nur ein Fitzelchen eines amerikanischen Willys zu sehen. Eine der Damen, die auf die Bühne durften, verriet mir später, dass die Boys ihre Willys in kleine hautfarbene Socken gewurstet hatten, damit sie nicht herumhingen. Sehr ordentlich.

Nach fünfzig Minuten Sixpacks und kreischender Hölle hatte ich genug. Ich war zwar beeindruckt, wie schnell die Männer sich aus ihren Kleidern befreiten und sofort in einem neuen Outfit auf der Bühne standen. Das sie natürlich sofort wieder ablegten. Aber irgendwie ärgerte es mich auch, wie sie sich die teuren Zimmerli-Feinripp-Unterhemden in Fetzen vom Körper rissen, während ich sie zuhause sorgfältig nur im Schongang wasche.

Aber egal. Die gute Stimmung und die Party im Volkshaus hatten nur am Rande mit der Striptruppe zu tun. Die jungen und alten Girls waren für die ziemlich mitreissende Party verantwortlich. Ich schätze mal, wenn man 2000 Schweizer Frauen mit einem entsprechenden Vorrat an Prosecco in einen Raum sperrt, kann nur eine gute Party dabei herauskommen. Trotzdem verliess ich das Volkshaus in der Pause. Ich wollte in Sicherheit sein, bevor sie die hungrigen Löwinnen wieder auf die Strasse liessen.

PS: Ich werde mir ein Paar solcher Hosen, die man mit einem Ratsch ausziehen kann, zulegen. Unheimlich praktisch, wenn man spät nach Hause kommt und nur noch ins Bett fallen will.