Beiträge mit dem Schlagwort ‘Flirten’

This socks!

Thomas Wyss am Samstag den 13. Mai 2017

Ob Fetisch, Spleen oder Tick lassen wir dahingestellt, das ist letztlich bloss ein Begriff, also eine Frage der Interpretation. Fakt aber ist, dass der hier vorgestellte Fetisch-Spleen- oder-Tick ein reines (oder sagen wir aus Rechtsschutzgründen: ein nicht allzu schmutziges) Frauending ist. Welches – und das macht es für uns interessant – in dieser Stadt offenbar gross im Kommen ist.

Darauf lässt zumindest die aus Lesern dieser Gebrauchsanleitung gebildete Klagemauer schliessen. Von einem dieser Kerls stammt übrigens auch der Titel «This socks!», was kein Vertipper ist, sondern auf originelle Weise andeutet, dass die Problemzone für einmal markant unter der Gürtellinie liegt – es geht, haargenau!, um Socken (abgeleitet vom lateinischen Wort «soccus», was den Schlupfschuh bezeichnete, den Komödiendarsteller im alten Rom auf der Bühne trugen).

Und dabei um die verblüffende männliche Behauptung, dass Zürcher Mittdreissigerinnen in der sogenannten Beuteschemaphase nicht mehr zuerst die Bauchregion (wo übrigens das «Sixpack» gegenüber dem «Dad Bod» weiter an Terrain eingebüsst hat – was witzigerweise vor allem Sixpack-Trinker freuen dürfte), das Gemächt oder den Hintern, sondern eben tatsächlich die Strümpfe abchecken würden… die Gewieftesten, munkelt man, könnten diesen Wäschestücken bereits ähnlich viele Infos entlocken, wie der chinesische Medizinmann bei der Diagnostik der Ohrmuschel.

Unheimlich. Noch unheimlicher jedoch ist, wie perfid die Zürcher Frau bei der Triebbefriedung (Englisch: sock lust) vorgeht. Ein Beispiel: Scheinbar tollpatschig lässt sie das Kafilöffeli oder Zuckersäckli fallen, worauf sie dezent errötend lächelt (was jeden einigermassen normalen Typ aus der Façon bringt), sich runterbückt und so tut, als müsste sie den Löffel oder Zucker suchen – wobei sie da unter dem Tisch nichts anderes tut, als die Socke des Vis-à-vis exakt zu analysieren – notfalls auch, indem sie das Hosenbein hochhebt und dies mit einem «Uiii, tschuldigung!»-Kreischli als weitere süsse Tolpatschigkeit verkauft.

Ja, gegen die gottgegebenen Waffen der Frau ist kein Kraut gewachsen, kein Schild gut genug. Was in seltenen Fällen helfen kann, ist die subtile Prävention. Hier das Wichtigste dazu:

1. Schwarze Socken sind (selbstredend aus Sicht der Frauen) längst nicht mehr Sinnbild für unbeirrbare, klassische Coolness; sie charakterisieren heutzutage vielmehr das, wofür einst der graue Zweireiher stand: saturiert schnarchende Langweile.

2. Bunt ja, aber kein aeschbachersches Grell-Pastell! Und: Originelle Muster sind okay, doch strictly abstract! (also keine Ferrari, keine Banksy-Moral, kein «Che» oder Gandhi!

3. En vogue sind a) Socken mit Löchern (solange sie nicht von Motten stammen, sondern, wie bei den Jeans, artifiziell erzeugt sind) und b) Berliner Arbeitersocken… die das Handicap haben, dass man sie wegen des engen Schnitts nicht schnell vom Fuss bringt; Quickie-tauglich sind sie also nicht.

4. Anders als zu Grossvaters Zeiten sind Stinksocken inzwischen sehr tabu. Da man sie von Auge kaum erkennt, verlangen Frauen beim Hausbesuch die Schuhentfernung. Be prepared! (Das Fuss-Deo gehört fix in den Rucksack.)

«Ey, glotz nicht so!»

Réda El Arbi am Dienstag den 28. Juni 2016
Im Sommer angenehm, ziehen aber auch Blicke an.

Im Sommer angenehm, ziehen aber auch Blicke an.

«Hast du gesehen, wie der geglotzt hat? Der Sabber lief ihm schon aus dem Maul!» – vor mir zwei junge Frauen, so um die 20, die sich über einen Typen unterhalten, der gerade ausgestiegen ist. Und ja, ich muss zugeben, der Typ hat die beiden Frauen angestarrt. Sie trugen beide Hotpants, diese lächerlichen Riemchensandalen, die an Ben Hur erinnern, und eher knappe Blusen.

Sogar ich habe einen Blick riskiert. Oder zwei.

Eine meiner feministischen Bekannten meinte später, bei der Hitze hätten die Frauen das Recht, sich knapp bekleidet in der Öffentlichkeit zu bewegen und nicht angestarrt zu werden. Das Verhalten der Männer zeige nur wieder, wie stark die Frauen als Objekte herhalten müssten.

Nun, nein. Jeder Mensch hat das Recht, sich im öffentlichen Raum zu bewegen, ohne sexuell belästigt zu werden. Blicke gehören nicht dazu. Man kann es widerlich finden, man darfs sogar mit einem «Glotz nicht so» ansprechen. Aber sexuell motivierte Blicke sind nicht Ausdruck der Unterdrückung der Frau. Sie sind Ausdruck des Menschen als sexuelles Wesen. Solche Blicke werden nicht vom Bewusstsein gesteuert, sondern kommen reflexartig und sind Teil des evolutionären Programmes.

Sie zu verdammen hiesse, die sexuelle Natur, den kategorischen Imperativ, den der Fortpflanzungsdruck in den Menschen gepflanzt hat, zu verleugnen. Wir können nicht sexuelle Botschaften aussenden und erwarten, dass diese keine Reaktion hervorrufen. Solange die Reaktionen die persönliche Freiheit nicht verletzten, muss man damit leben. Und Blicke sind nicht verboten.

Was viele Frauen nicht wissen: Es ist vielen Männern extrem unangenehm, wenn ihnen «das Auge ausrutscht». Die Muskelbewegung im Auge ist oft schneller als der zivilisatorische Kontrollmechanismus im Hirn. Wir reagieren auf nackte Haut und auf erotische Ausstrahlung. Sonst würde niemand Werbung damit machen (was wiederum in manchen Fällen wirklich sexistisch ist). Sonst wären wir als Spezies ausgestorben. Wir sind deswegen nicht schwanzgesteuert. Wir verhalten uns anständig, wir drängen uns nicht auf. Wir haben oft nicht mal den Mut, ein freundliches Lächeln hinter dem Blick herzuschicken. Wir haben nur geglotzt.

Wenn wir gegen diese urmenschlichen, sexuellen Impulse vorgehen, verleugnen wir nicht nur unsere Natur, wir bewegen uns – wenn auch auf der anderen Seite – auf dem gleichen Pfad wie die islamistischen Sittenwächter, die diese Blicke und ihre sexuelle Implikation mit einer Burka unterbinden wollen. Die sexuelle Anziehung zu zensieren ist wider die Natur. Zivilisation bedeutet, angemessen mit Sexualität umzugehen – nicht, sie zu verdammen.

Die Freiheit, sich im öffentlichen Raum zu kleiden wie man will, ist nicht ohne Preis. Man setzt sich so der Freiheit der anderen aus, auf das Äussere so zu reagieren, wie diese wollen. Solange dies nicht die Integrität verletzt, müssen beide Seiten mit der Freiheit des Anderen leben.

Drei Minuten später im Tram. Junger Mann steigt ein, gross, Muskeln unter dem Vintage-T-Shirt, Stoppeln im Gesicht und halblange Surferfrisur.

Junge Frau 1 stupst junge Frau 2 mit dem Ellbogen an und nickt mit dem Kinn in seine Richtung. Beide mustern den Typen von oben bis unten.

Junge Frau 2: «Der bemerkt uns nicht mal …»

Flirthölle für Teenager

Réda El Arbi am Dienstag den 12. April 2016
im Frühling sprühen missverständliche Signale.

Im Frühling sprühen missverständliche Signale.

Wie ein Rudel junger Rehe huschen sie am Seeufer entlang, junge Mädchen mit luftigem Textil im Frühlingsflirt-Programm. Verfolgt werden sie von hibbeligen Wölfen in taillierten Hemden oder Abercrombie&Fitch-T-Shirts in Gruppen zu drei Prachtexemplaren. Und wie in der Natur verstehen sie die Kommunikationssignale der anderen Gattung nicht.

«Aufmerksamkeit!», schreien die einstudierten, affektierten Bewegungsabläufe der jungen Damen. «Koitus!», raunen sich die geschmeidigen Testosteronbolzen gegenseitig zu. Sie umkreisen und beschnüffeln sich. Mädchen senden stilisiert erotische Botschaften, die sie selbst noch nicht verstehen, Buben protzen Status und Coolness, die sie sich mühsam vom knappen Lehrlingslohn absparen mussten.  Sie wecken gegenseitige Sehnsüchte, von deren Erfüllung sie keinen blassen Schimmer haben.

«Liebe und Romantik», träufeln die grossen Augen des Jünglings leise neben seiner Angebeteten im kurzen Kleidchen. «Glacé und kumpelhafte Gespräche», sagt ihr neutraler Blick. «Ich bin unnahbar und cool», sagt das Gesichtchen ihrer Freundin, während sie sich im Innern nichts mehr wünscht, als sich an den grossen Burschen anzulehnen. Er steht schlaksig cool herum und prahlt mit Dingen, von denen er keine Ahnung hat.

Und natürlich das unauffällige Herumgammeln in Clubs und an Plätzen, an denen sie oder er dann vielleicht mal auftaucht. Um dann so zu tun, als würde man sich nicht im Geringsten für sie interessieren, wenn sie da sind. Dieses auffällige «Zufällig gerade in deiner Nähe»-Herumstehen und dabei auf ein Zeichen zu hoffen.

Im Frühling jung zu sein ist die Pest. Wer erinnert sich nicht an die coolen Gesten und Sprüche, die man im Schutz der Gruppe machen konnte, um dann im direkten Gespräch dauernd die verschwitzten Hände vor seiner/seinem Angebeteten zu verstecken? Die Jungs wollen den Duft der Mädchen inhalieren, überdecken aber ihre eigenen Ziegenbock-Pheromone unter einem Miasma von Axe-Deospray. Die Mädchen wollen erwachsen und sexy wirken, obwohl sie sich in ihren Körpern nicht mal wohl fühlen, wenn sie sich alleine im Bett unter der Decke verkriechen. Dann natürlich das Posen vor dem Spiegel, die Girls mit viel zu kurzen und zu engen Kleidchen, die Jungs mit lächerlich coolen Outfits. Aufgesetzte Selbstsicherheit über einem Abgrund von Selbstzweifeln.

Und natürlich würden die Kids niemals zugeben, wie unsicher und verwirrt sie sind. Mädchen vertrauen diese Geheimnisse ihren Tagebüchern an, während die Jungs sich in Situationsfantasien flüchten, in denen sie alles im Griff haben.

Der Frühling ist die Jahreszeit, in der ich voller Mitgefühl für die Teenager durch die Strassen schlendre und im Geiste der Zeit auf Knien danke, dass ich das hinter mir habe. Und natürlich bin auch etwas schadenfroh, dass sie ihre jugendliche Frische mit der totalen Unfähigkeit im Umgang mit Hormonen und Gefühlen bezahlen müssen.

Schliesslich mussten wir da alle durch.

«Teenage Dirtbag, Baby!»

Inzestuöses Flirten in Zürich

Réda El Arbi am Montag den 8. Juni 2015
Alle mit allen: Zürich als amouröses Dorf.

Alle mit allen: Zürich als amouröses Dorf.

Eine Bekannte, deren Namen ich hier nicht veröffentlichen werde, hat sich bei mir ausgeweint, es gäbe keine Singles mehr in der Stadt. Also keine brauchbaren. Und die wenigen, die noch auf dem Markt seien, wären alle schon  mit jemandem zusammen gewesen, den sie kenne. Und irgendwie lösche ihr das ab, nehme ihr quasi die libidösen Voraussetzungen für ein Date. Ihre frustrierenden Erfahrungen hat sie mit der Flirt-App «Tinder» gemacht, bei der man das leicht belegen könne, da immer die gemeinsamen Kontakte angegeben seien.

Irgendwie konnte ich das nicht glauben, schliesslich hat nur schon die eigentliche Stadt über 350 000 Einwohner. Also hab ich die App kurzerhand auf mein Smartphone geladen und mein Suchraster altersmässig zwischen 20 und 55 Jahren in einem Umkreis von 50 Kilometern festgelegt.

Für alle, die «Tinder» nicht kennen: Man logt sich über seinen Facebook-Account ein. Daraufhin zeigt die App die Bilder der ins Suchraster passenden Singles. Mit einem Fingerwisch nach links schmeisst man eine unerwünschte Person in den Dating-Mülleimer. Mit einem Wisch nach rechts kommen sie ins Töpfchen mit den brauchbaren Zuckerschnutzis.

Wischt nun eine akzeptierte Person beim Anblick meines Konterfeis auch nach rechts, gibts einen «Match» und ich kann das Gegenüber anchatten. Eigentlich finde ich ein Auswahlverfahren, bei dem man Leute auf Grund eines Blicks auf ein Föteli wieder in die Hölle der Einsamkeit zurückstösst, schon grundsätzlich unethisch. Aber das ist ein anderes Thema.

Also begann ich, meine Angebote in Augenschein zu nehmen. Die erste Datingmaus kannte ich bereits persönlich. Und natürlich ging mir durch den Kopf, mit wem die schon zusammen gewesen ist.  Sie hatte diesen Idioten aus dem Secondhand-Shop gedatet, der immer so tut, als ob der überteuerte Schrott, denn man in den Kisten findet, eigentlich der Heilige Gral wär und nur in Gold und Blut des Erstgeborenen aufgewogen werden könnte. Und weg nach links.

Mit der Zweiten verbanden mich dreizehn gemeinsame Facebookfreunde. Diesmal überlegte ich nicht, mit wem die schon was gehabt haben könnte, sondern, welche Geschichten die gemeinsamen Bekannten über mich erzählen könnten. Ihr wisst schon, die ganzen Geschichten, die eigentlich in ein Buch auf den Grund des Meeres gehören. Mir fielen drei Storys ein, die im Kreis dieser dreizehn Personen herumgingen und die nicht unbedingt als Charakter-Referenz dienen sollten. Und mein neues «Tinder»-Meitli sieht ja auch, bei wem sie sich über meine Person informieren müsste … ab nach links.

So gings weiter: Fünf gemeinsame Freunde, fünfundzwanzig gemeinsame Freunde, elf gemeinsame Freunde. Und dazwischen alle Frauen, die ich in meiner aktiven Partyzeit schon mal in echt angebaggert hatte. Und die kleinen oder grossen Schwestern von Bekannten. Und die Töchter von Freunden, die ich noch als Babies im Kinderwagen in Erinnerung hatte. Die medizinische Assistentin meines Hautarztes, sehr appetitlich. Oder die Freundin eines Bekannten (Was mich dazu brachte schnell im Umfeld den Beziehungsstatus nachzufragen. Doch, sie waren noch zusammen).

Es gab von ca. hundert Bildern gerade mal zwei, die in keiner Weise mit mir und meinem Umfeld verbunden waren. Und die musste ich leider aus anderen Gründen nach links wegwischen.

«Das liegt nur daran, dass du mit so vielen Leuten auf Facebook verbunden bist», meinte ein Freund. Und im ersten Augenblick wollte ich mich davon täuschen lassen. Aber so ist es nicht. Durch mein Facebook-Netzwerk entstanden ja die Verbindungen nicht, sie wurden dadurch nur sichtbar.

Unwillkürlich entstand vor meinem inneren Auge das Bild von «Hermann, der lustigen Filzlaus», die ihre Abenteuer 1984 im Seefeld startete und seither von Gschpusi zu Gschpusi wechselt, alle zwei Jahre wieder an ihrem Ausgangsort landet und Zürich in den letzten dreissig Jahren niemals verlassen hat.

Natürlich kenne ich das «Kleine-Welt-Phänomen», das besagt, dass man mit jedem Menschen auf der Welt über sechs Kontakte verbunden ist. Heruntergebrochen auf Zürich bleiben da noch ca 1.5 Kontakte. Natürlich bleibt uns nichts anderes übrig, als damit zu leben. Aber ehrlich, wieso sollte man eine App benutzen, die so deutlich aufzeigt, dass man keine Chance hat, jemanden kennenzulernen, der wirklich etwas Neues zu erzählen hat?

PS: Meine geliebte Frau hab ich auf Facebook kennengelernt. Über eine gemeinsame Freundin. Aber das ist natürlich etwas ganz anderes.

Fremdschämen in drei Akten

Réda El Arbi am Dienstag den 19. Mai 2015
Findet kein Zürcher Bettgschpändli: Esther Meyer (Bild: Sonntagszeitung)

Findet kein Zürcher Bettgschpändli: Esther Meyer (Bild: Sonntagszeitung)

Eine mehr oder weniger erotische Geschichte in drei Akten.  In den Hauptrollen: Esther Meyer, öffentliche Singlefrau und Lebensberaterin, und Sebastian, «Bachelorette»-Kandidat und Frauenkenner.

Erster Akt: Die unfähigen Männer

Erinnert ihr euch  an das Zürcher Männer-Bashing von Singlefrau und Lebensberaterin Esther Meyer in der Sonntagszeitung vor drei Wochen? Sie jammert da, dass sie auf der Instant-Koitus-Dating-App «Tinder» nicht von Stadtzürchern, sondern nur von Expats erfolgreich angegraben wird.

Normalerweise würde ich sagen «Jänu, offenbar brauchen Zürcher Männer keine F***-App, um ihrer Libido Ausdruck zu verleihen». Aber sie meinte weiter: Wenn sie von Zürchern angechattet werde, dann nur in «Dialekt, der sowieso die Libido töte.» In Zürich werde sie einfach nicht fündig, weder online noch im realen Leben.

Nun, das könnte vielleicht daran liegen, dass  sie «Dialekt» unerotisch findet und die Zürcher Männer offenbar auch im echten Leben Schwizerdütsch sprechen. Aber das nur so nebenbei. Froilein Meyer findet also keinen Mann in Zürich. Offenbar hatten die nicht-dialektbehafteten Funde auch kein längeres Haltbarkeitsdatum.

Hier verlassen wir diese Szene und wenden uns dem anderen Geschlecht zu.

Zweiter Akt: Die verklemmten Frauen

Sebastian, der Mann, dem die Frauen vertrauen.

Sebastian, der Mann, dem die Frauen vertrauen.

Esther Meyers Gegenpart in dieser Schmonzette ist eine Zierde seiner Art, ein Mann mit Muskeln und Frisur. Dazu muss ich aber etwas weiter ausholen. Kennt ihr die Gefühlsporno-Show «Bachelorette» auf 3+? Das ist die Vujo-Show, einfach mit umgekehrten Geschlechterverhältnissen. Also eine mehr oder weniger junge und hübsche Dame, Bachelorette genannt (warum, das weiss kein Schwein), dated mehrere tätowierte Kerle, um ihnen danach keine Rose zu geben.

Nun hat sich einer dieser Rosenkavaliere – unser Protagonist, deutschstämmig, in Zürich lebend und Sebastian mit Namen – abfällig über die Schweizer Frauen geäussert.  «Frauen in der Schweiz sind verklemmt, unnahbar und viele sehen gleich aus», erklärt er im «Blick». «Allein schon, wie sie ihre Handtasche halten, gefällt mir nicht.» 

Wir sehen also, er ist ein Gentleman in Sachen Liebe, Frauen und dem ganzen Rest, ein echter Connoisseur und Weltmann, eine Person von unvergleichlichem Stil und Schmackes. Seine Aussagen über das andere (lokale) Geschlecht stehen denen von Esther Meyer in nichts nach.

Und nun wirds spannend!

Dritter Akt: Man findet sich

Nun liess es sich die Gratiszeitung «Blick am Abend» logischerweise nicht nehmen,  Sebastians Aussagen über die Schweizer Frauen von Esther Meyer einschätzen zu lassen. Und wie sich zeigt, ist Froilein Meyer eine wirkliche Fachperson, was den charmanten Beau Sebastian angeht. «Wir hatten zwei-, dreimal etwas mit­einander», erklärt sie den Kollegen der Gratiszeitung. Getroffen hätten sie sich auf «Badoo», einer weiteren Dating-App zum schnellen Austausch von Körperflüssigkeiten.

Natürlich wissen wir, wie er bei unserer lieben Esther landen konnte. Als Deutschstämmiger rutschte er ohne Probleme durch den Dialektfilter. Und sie scheint ihm wohl auch nicht so verklemmt wie die restlichen Schweizerinnen, kann sie sich doch ohne Scham in einer Sonntagszeitung darüber äussern, dass sie kein Bettgschpändli (sorry, Dialekt) findet.

Aber ehrlich, ich will mir ihre Chat-Dialoge lieber erst gar nicht vorstellen. Offenbar haben sie sich dann «zwei- oder dreimal» zum intimen Rüebliverstecken getroffen. Sorry, Karottenverstecken.

Oder, wie meine Grossmutter immer meinte: «Jedes Häfeli findet sis Deckeli», womit sie (für Esther und Sebastian übersetzt) ausdrücken wollte, dass jede noch so schwierig zu vermittelnde Person ein passendes Gegenüber finden wird.

Epilog:

Irgendwie traurig, dass es zwischen den Beiden nicht längerfristig geklappt hat. Dann wären nämlich zwei Singles, die sich in Zürich nicht zurecht finden, glücklich verschachert gewesen. Also, liebe Singles, nehmt euch in acht, die Beiden sind immer noch da draussen im Dating-Dschungel!

Flirttipps für Zürcher

Réda El Arbi am Mittwoch den 25. März 2015
Checkt euer Beuteschema und passt es der Realität an.

Checkt euer Beuteschema und passt es der Realität an.

Es ist Frühling, und wie jedes Jahr fluten überall die Sexualhormone die Hirne von Männern und Frauen. Überall? In Zürich scheinen da jedes Jahr eher Stresshormone ausgeschüttet zu werden. Um es ehrlich zu sagen: Ohne Zuwanderung aus ländlichen Gebieten, dem Ausland und schwergedopten bzw. alkoholisierten One Night Stands in Clubs wären wir Zürcher schon lange ausgestorben. Unsere Mentalität lässt lockeres Flirten im Frühling einfach nicht zu. Und lockeres Flirten ist das, was irgendwann Nähe entstehen lässt. Und daraus könnte dann auch mehr werden.

Zwinglianisch wie wir sind, gibts bei uns kein Flirten, wenn kein «Abschluss» in Sicht ist. Flirten ist sozusagen die Arbeit, die zum Sex führen soll. Also bemühen wir uns nur, wenn wir einen Koitus anstreben. Bei Frauen führt diese Denke zum Fluchtreflex, bei Männern zu notgeilen Aktionen. Aber merkt euch das: Flirten ist wie Tanzen. Es geht nicht darum, sich möglichst schnell hinzulegen, sondern sich elegant umeinander zu drehen. Deshalb wieder einmal ein paar Tipps, um die verkrustete Geschlechtersituation in Zürich aufzubrechen.

Für Frauen:

1. Zugänglichkeit

Wirkt eisig. Oder verkatert, aber sicher niemals flirty.

Wirkt eisig. Oder verkatert, aber sicher niemals flirty.

Um angeflirtet zu werden, ist es vonnöten, sichtbar zu sein. Gerade jetzt, wenn die Sonne sich wieder zeigt, haben viele Frauen nichts eiligeres zu tun, als sich eine Sonnenbrille von der Grösse eines Solarkraftwerks ins Gesicht zu klatschen. Ehrlich, das mag vielleicht unheimlich stylisch und cool wirken. Es wirkt aber auch so, als ob ihr eure Emotionen in einem alten russischen Panzer spazierenfahrt. Nicht umsonst heisst es «Die Augen sind die Tore zur Seele». Wer seine Augen nicht zeigt, wirkt eher eisig als cool. Natürlich macht es mehr Sinn, der Welt offen und freundlich zu begegnen, als eine Barriere vor dem Kopf zu tragen. Das heisst nicht, dass ihr auf jeden dämlichen Anmachspruch eingehen müsst. Aber eure Autonomie und Souveränität besteht nicht darin, von Anfang an alles abzublocken, sondern offen auf euer Gegenüber zu reagieren. Auch wenns nur eine freundliche Absage ist.

2. Kongruenz

Überlegt euch, welchen Situationen ihr draussen ausgesetzt sein könntet. Kleidet euch so, wie ihr es auch vertragt. Supersexy ist im Club sicher angebracht, kann aber zur Hölle werden, wenn ihr morgens um Vier irgendwo alleine auf ein Taxi warten müsst. Versteht mich nicht falsch, es geht nicht darum, wie andere auf euer Outfit reagieren. Es geht darum, dass ihr euch darin wohlfühlt und souverän mit eurer Umwelt umgehen könnt. Wenn ihr dauernd das Röckchen runterzupfen müssen, weil es sich plötzlich viel zu kurz anfühlt, könnt ihr nicht offen auf einen Flirt reagieren. Und kleistert euch das Gesicht nicht mit Makeup zu. Männer mögen einfach gestrickt sein, aber die meisten können Gemaltes von Echtem unterscheiden.

3. Mitgefühl

Gehen wir davon aus, jemand hat endlich den Mut aufgebracht, ist über ziemlich furchteinflössende drei Meter auf euch zugekommen und hat euch angesprochen. Ja, es kann durchaus sein, dass dieser Mensch nicht euer Typ ist. In dieser Situation ist es angebracht, trotzdem ein paar Sätze diesem Menschen zu wechseln. Beim Flirten hat jeder seinen Preis zu zahlen. Bei Männern ist es der Mut, sich–  trotz wahrscheinlichem Korb – aufzuraffen und einen ersten Schritt zu machen. Bei Frauen besteht der zu bezahlende Preis darin, öfters mal ein wenig Konversation mit Männern zu pflegen, die eigentlich nicht dem Beuteschema entsprechen. Und ehrlich, vielleicht seid ihr überrascht, wie viel Spass es machen kann, unbeschwert mit einem Fremden zu plaudern.

4. Beuteschema

Der vermeintlich «Richtige» kann euch mit dem dämlichsten Spruch anmachen, es funzt. Dafür kann der «Falsche» so originell sein, wie er will, er wird sich einen Korb abholen. Aber Hand aufs Herz: Wie oft hat sich euer herkömmliches Beuteschema als der Volltreffer erwiesen, als der Märchenprinz, den ihr euch in euren schmachtenden Tagträumen ausgemalt habt? Wie oft seid ihr auf denselben gutaussehenden, souveränen Typ hereingefallen, um euch ein paar Wochen oder Monate später mit gebrochenem Herzen und einer Flasche Weisswein bei einer Freundin die Augen auszuweinen? Eben. Öffnet euren Horizont. Es gibt jede Menge Typen, die witzig, liebevoll, unterhaltsam und vor allem keine Vollidioten sind. Nur sind das meist nicht die Alphamännchen, sondern eben die auf den ersten Blick ganz alltäglichen Typen.

5. Initiative

Wir gingen in den ersten vier Tipps von der klassischen, leider noch viel zu verbreiteten Konstellation aus, in der Männer den ersten Schritt machen müssen. Nun, es liegt an euch, das zu durchbrechen. Ein freundliches Wort oder ein Lächeln können der Beginn eines Flirts werden. Es reicht manchmal einfach nicht, attraktiv irgendwo rumzuhängen, cool in die Luft zu starren und vom Gegenüber zu erwarten, dass er die Bereitschaft zum Flirt an eurer Stirn abliest. Männer sind keine Hellseher. Dazu sind wir meist noch unsicher und lassen im Zweifelsfalle lieber eine Gelegenheit aus. Was dann zu Schatzchäschtli-Einträgen wie «Letzten Dienstag im Tram 5, Du blond, ich mit grauer Jacke. Hab deinen Blick … blablabla». Los, macht den ersten Schritt.

Für Männer:

1. Kongruenz

Ihr seid nicht George Clooney oder irgendein Superheld. Wenn ihr’s wärt, würdet ihr nicht hier beim Lesen dieser Tipps verweilen. Also versucht auch nicht, den supercoolen Typen zu spielen. Sollte ein Flirt nämlich länger als dreissig Sekunden dauern, würde euer Gegenüber euch durchauen und ihr steht mit abgesägten Hosen da. Sei dich selbst. Sprich über Dinge, die du kennst, die dich begeistern. Selbst wenns deine Modelleisenbahn ist: wenn du Leidenschaft dafür empfindest, wirkt die Modelleisenbahn sexier als jedes aufgesetzte In-Thema über das die Hipster der Stadt gerade labern.

2. Keine Bühne

SlapDie Welt ist keine Bühne und auch kein Marktplatz. Also halte dich mit Show und Selbstanpreisungen zurück. Vielleicht schafft ihr es, ein Gespräch zu beginnen. Verderbt  nicht alles, indem ihr euer Gegenüber zuquatscht. Führt  ein Gespräch, hört zu. HÖRT IHR ZU! *Patsch an den Hinterkopf* Sollte die Dame nämlich mehr als eure Libido ansprechen, ist es von Vorteil, wenn man nicht erst nach zwei Wochen herausfindet, dass sie dumm wie Brot ist. Ausserdem schaffen Gespräche Intimität. Monologe schaffen Langeweile.

3. Training

Das Ziel des Flirtens ist nicht Sex, sondern Intimität, Nähe. Daraus kann durchaus Sex entstehen, muss aber nicht. Deshalb kann man(n) durchaus auch mal flirten, wenn absolut kein Beischlaf dabei herauskommen könnte. Also, ein dahingeworfener, freundlicher Satz, ein Kompliment im Vorbeigehen, ein Lächeln ohne Konsequenz. Das hat zwei Vorteile: Erstens macht man damit einem Gegenüber den Tag etwas schöner – und zweitens (wichtiger!) bekommt man etwas Übung in unverkrampfter Konversation, was für das Flirten unabdinglich ist. Also, los gehts!

4. Beuteschema

Ich verrat euch jetzt mal ein Geheimnis, liebe Männer: Nähe, Intimität und Erotik entstehen in der Realität und nicht in euren Hollywoodvorstellungen einer geilen Frau. Und genauso, wie ihr keine George Clooneys seid, genauso ist euer Gegenüber selten eine Charlyze Theron. Also sucht euch jemanden, mit dem ihr euch wohl fühlt, und nicht jemanden, mit dem ihr dann bei den Kumpels angeben wollt. Schönheit liegt im Auge des Betrachters, sagt man. Wenn ihr aber auf allen Augen blind seid und nur mit dem Ego oder euren Pornovorstellungen sucht, werdet ihr bald ziemlich frustriert sein. Ah, ihr seid schon frustriert? Dann ist es höchste Zeit. Sprecht mit den Frauen um euch herum, nicht mit den Supermodels in eurer Fantasie.

5. Romantik

Liebe Männer, die meisten von euch verwechseln Romantik mit Kitsch. Vergesst, was ihr in Hollywoodfilmen gelernt habt. Kerzen und Rosen funktionieren vielleicht, wenn ihr mal fünfzehn Jahre verheiratet seid, aber auch da eher nicht. Wenn ihr also wirklich die ersten Hürden überwunden habt und vor einem Date mit einer Frau steht, versucht nicht, künstlich irgendeine Art von «Bachelor»-Kitsch vorzubereiten. Lasst euch nicht täuschen, auch wenn die Dame auf Facebook andauernd Sonnenuntergänge, Pferde und Blüemli mit wahnsinnig tiefen Lebensweisheiten in Schnörkelschrift postet, bei einem ersten Date ist Realität gefragt. Macht Komplimente, die ihr noch nirgends gehört habt. Versucht nicht, die erotische Anziehung mit vorgespielten Gefühlen zu kaschieren. Ihr trefft die Dame zum ersten Mal. Vielleicht seid ihr ein wenig verknallt, aber faselt nichts von Liebe. Geniesst die Zeit, die ihr zusammen verbringt und nicht die Zeit, die ihr gerne in Zukunft mit ihr verbringen würdet.

So, liebe Zürcherinnen und Zürcher,

wenn ihr es langsam angeht, ehrlich bleibt und für einmal nicht auf Erfolg, sondern auf Kommunikation aus seid, kanns sogar funktionieren. Und noch was: Es wird nicht sofort klappen. Ihr braucht 20 – 30 Versuche, bis was draus wird. Also arbeitet an eurer Frustrationstoleranz.

Schönen Frühling wünsche ich!

«Die Unsicheren, die Arroganten & die Idioten»

Réda El Arbi am Mittwoch den 18. Juni 2014
Nichtbeachtung erzeugt Interesse. Verkehrte Welt.

Nichtbeachtung erzeugt Interesse. Verkehrte Welt.

Zürich gilt als Stadt für Singles. Das ist durchaus nachvollziehbar: Auf der einen Seite haben wir all die Nightlife-Möglichkeiten und Orte der Begegnung, die viele Menschen in Beziehungen nicht mehr nutzen und die als Tummelplatz für Singles gelten. Auf der anderen Seiten haben wir eine Flirtkultur, die dafür sorgt, dass Singles auch Singles bleiben – und die uns darüber staunen lässt, dass wir noch nicht ausgestorben sind.

Gestern durfte ich Zeuge eines Gesprächs zwischen zwei Frauen um die Dreissig werden, das mir die Augen für das komplizierte Paarungsverhalten in der Stadt öffnete:

Frau 1: «Immer wenn ich mich ein wenig zurechtmache, getraut sich nachher keiner mehr, mich anzusprechen. Es ist, als ob ich zu sexy zum Flirten wär. Die Männer schauen nur ein wenig und wenden gleich den Blick ab, wenn ich zurückschaue. Sie haben einfach nicht mehr die Eier, eine Frau anzusprechen.»

Frau 2: «Aber das stimmt doch gar nicht! Gestern am Match hattest du das Sommerkleid an und mindestens zwei Typen haben dich angequatscht. Und der Dunkelhaarige hat dir zwei Mal mit seinem Bier zugeprostet. Das nenn ich keine schlechte Ausbeute.»

Frau 1: «Ja, aber das waren Idioten. Hast du das T-Shirt des Dunkelhaarigen gesehen? Abercrombie? Da kann ich ja gleich an eine Ü30-Singleparty. Und die anderen Beiden waren einfach nur aufdringlich und plump. Echt. Der an der Bar hingegen war süss, aber der hat nur alle paar Minuten rübergelinst, ohne die Cojones, mich anzusprechen. Und der geile Typ später am See hat mich nicht mal beachtet. In Spanien war alles viel lockerer, offener. Die Männer sind da eher noch Männer.»

Aus der Sicht des Mannes ist das ein unlösbares Dilemma: Wenn wir auf eine Frau zugehen und sie ansprechen, sind wir «einfach nur aufdringlich», kurz Idioten. Wenn wir zurückhaltend flirten und ab und zu den Blickkontakt suchen, sind wir Weicheier. Wirklich interessant werden wir aber nur dann, wenn wir die Frauen, die uns faszinieren, ignorieren, also die Arroganz raushängen lassen. Schaffen wir es, die Angst zu überwinden und eine Frau anzusprechen, kriegen wir einen Korb, der, egal wie oft eingefangen, immer wieder weh tut. So schauen wir die Frauen an, denken, dass diese Schönheit sowieso nichts für uns ist, und nippen weiter an unserem Bier.

Inzwischen verstehe ich, dass Männer gar nicht mehr versuchen, jemanden Neuen kennen zu lernen. Die meisten normalaussehenden Männer ohne speziellen Status haben vor ihrem 30. Lebensjahr ihre tausend schmerzhaften Abweisungen eingefahren. Das prägt und nimmt die Lust, auf Frauen zuzugehen. So werden wohl auch in Zukunft die meisten Beziehungen am Arbeitsplatz oder im erweiterten Freundeskreis entstehen, ohne den kitzelnden Flirt.

Für die Zürcher Single-Frauen hab ich einen Tipp: Versuchen Sie mal den 1. Schritt zu machen und sich eine Abfuhr abzuholen. Spüren Sie der Erniedrigung etwas nach und machen Sie sich klar, dass Männer das oft verspüren, wenn sie den Mut aufbringen, eine Frau anzusprechen. Vielleicht entlockt Ihnen dann der nächste Versuch ein Lächeln, und wenns nur eins ist, das die Abfuhr versüssen soll.

Und bevor Sie über den fehlenden Flirtelan der Zürcher Männer jammern und sich nach ihrem Ferienort sehnen (wo doch alles viel lockerer und offener war), fragen Sie sich doch mal, wie viel lockerer und offener Sie selbst da unten am Strand waren. Und dann stehen Sie auf, gehen Sie auf einen Mann zu und beginnen Sie ein freundliches Gespräch. Wir leben schliesslich im 21. Jahrhundert.

 

Zürich im Hormon-Rausch

Réda El Arbi am Dienstag den 18. März 2014
Es ist kaum Auszuhalten: Sonnentage in Zürich

Es ist kaum auszuhalten: Sonnentage in Zürich

Die ersten fünf aufeinanderfolgenden sonnigen Tage haben die Stadt aufgewärmt – mit Besorgnis erregenden Folgen. Die Biochemie der Zürcher spielt verrückt. Hormone fluten Männer wie Frauen. Das macht das Zusammenleben in dieser sonst so coolen Stadt kompliziert. Da wir vom Stadtblog uns für den Geschlechterfrieden in der Stadt verantwortlich fühlen, haben wir einige Tipps zusammengestellt, mit denen Sie durch den Alltag kommen sollten, bis sich ihr Körper und ihre Psyche an die Sonne gewöhnt hat.

Für Männer

1. Vermeiden Sie das Glotzen auf nackte Beine, freie Bäuche und tiefe Ausschnitte. Klar, es ist schwer, wenn das andere Geschlecht sich nach einem Winter in tragbaren Schlafsäcken wieder in Röckchen und Kleidchen zeigt. Aber glauben Sie uns: Glotzen wird in den meisten Fällen nicht als angenehm empfunden (ausser sie sehen aus wie George Clooney oder haben wenigstens gleich viel Geld wie er).

2. Tragen Sie keine Sonnenbrille, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt. Erstens sehen Sie damit aus wie ein Bub, der Top Gun spielt, und zweitens werden Sie sofort verdächtigt zu glotzen. (Siehe Punkt 1)

3. Machen Sie keine Komplimente an Frauen, die Sie kennen, wenn Sie einen fünfzigminütigen Vortrag über die Bereiche, die ihr weibliches Gegenüber an sich hasst, vermeiden wollen. Und denken Sie dran: Fremde Frauen interessieren sich meist nicht für ihre Meinung  (ausser sie sehen aus wie George Clooney oder haben wenigstens gleich viel Geld wie er).

4. Wenn Frauen ihren Körper der Sonne aussetzen, ist das noch lange keine Aufforerung für Sie, es ihnen gleichzutun. Tragen Sie keine Muscleshirts, reissen Sie nicht beim kleinsten Sonnenstrahl ihr Hemd auf und verzichten Sie bis im Hochsommer auf Shorts oder halblange Hosen. Nein, verzichten Sie IMMER auf halblange Hosen. Kalkweissen Mädchenbeinen kann man unter Umständen noch eine gewisse Ästhetik abgewinnen, käseweissen Männerbeinen niemals.

5. Wenn Sie schwitzen, dann schwitzen sie. Sie dürfen ein Deo benutzen, aber bitte, benutzen Sie einen Roller oder einen Stift. Deosprays wie «Axe» sind nicht dazu angetan, ihre Transpiration dezent zu kaschieren. Diese Sprays wurden von Nordkorea für den Kriegseinsatz entwickelt. Glauben Sie der irreführenden Werbung nicht. Die Frauen fallen zwar in Ihrer Nähe massenhaft in Ohnmacht, aber das hat nichts mit Ihrer Ausstrahlung und alles mit Sauerstoffmangel zu tun.

6. Sollten Ihnen die Hormone schon soweit zu Kopf gestiegen sein, dass Sie darüber nachdenken, eine Unbekannte anzusprechen, vergessen Sie nicht, dass Sie in Zürich sind! Wenn Sie sich nicht zurückhalten können, kehrt innert Sekunden wieder der Winter ein und Sie machen die Erfahrung, dass ein einziger Blick sich anfühlen kann, als würden Sie mit Eiszapfen gepfählt (ausser sie sehen aus wie George Clooney oder haben wenigstens gleich viel Geld wie er).

Für Frauen

1. Seien Sie mitfühlend! Wir wissen, dass Männer bei schönem Wetter Frauen schöner finden. Aber leider beruht das nicht auf Gegenseitigkeit. Frauen finden bei schönem Wetter in erster Linie sich selbst schöner. Was dazu führt, dass Männer glotzen und Frauen nicht. Und nun behaupten Sie bitte nicht, ein wenig Glotzen sei in Ordnung. In Ihrer Fantasie sieht der Glotzer immer aus wie George Clooney und nicht wie der Hausabwart Werner Huber. Also, zeigen Sie Nachsicht.

2. Tragen Sie keine Sonnenbrille. Erstens sehen Sie damit aus wie Biene Maja, und zweitens werden alle vermuten, Sie wollen damit die Falten um die Augen kaschieren. Sie werden mindestens 15 Jahre älter geschätzt. Zudem wirkt es oft arrogant und macht die ganze nette Wirkung des Kleidchens wieder zunichte.

3. Wenn Sie zuhause ein Röckchen anziehen, bedenken Sie die Länge des Kleidungsstücks. Was daheim im Spiegel unglaublich attraktiv aussieht, hat oft die Angewohnheit, ausserhalb der Wohnung zu schrumpfen. Und glauben Sie uns, dauerndes Herunterzupfen des Rocksaums zieht eher mehr Blicke an, als dass es irgendwas zu verdecken hilft. Vermeiden Sie weisse Kleidchen, solange noch meistens Männer für die Wettervorhersage verantwortlich sind. Sie möchten nicht in Weiss in einen Regenguss kommen.

4. Es ist schwer, wenn die Hormone verrückt spielen, die übliche weibliche Zürcher Coolness zu bewahren, trotzdem müssen Sie sich zusammenreissen. Lächeln Sie nicht aus Versehen einen Mann an. In Kombination mit dem eigenen überhöhten Hormonspiegel kann der Schock über so etwas Unerwartetes bei einem Zürcher Mann einen Herzinfarkt oder einen Hirnschlag auslösen. Halten Sie sich zurück und halten Sie im Notfall eine Gratiszeitung vors Gesicht. Apropos Gratiszeitung: Wenn Ihnen wirklich einer gefällt, können Sie am nächsten Tag ein paar Zeilen im Schatzchäschtli von Blick am Abend platzieren: «Du, gross und dunkel, gestern 16 Uhr im 2er-Tram …». Das ist offen genug.

5. Bedenken Sie, dass fünf Tage Sonne noch keinen Sommer machen. Sie werden nachmittags schulterfrei tragen und abends versuchen, die tagsüber eingefangene Farbe in der Bar zu zeigen. Das führt zu Lungenentzündung. Und setzen Sie sich über Mittag nicht mit ihrem (zu kurzen) Röckchen (siehe Punkt 3) auf kalte Steinmauern. Sollten die Hormone Sie nämlich wirklich überwältigen und Sie sich mit ihrem neuen Schwarm zum horizontalen Frühlingstanz treffen, würde Ihnen eine Blasenentzündung einen Strich durch die Rechnung machen.

6. Vermeiden Sie Frühlingsdiäten! Gemeinsam mit dem erhöhten Hormonspiegel wecken die Stimmungsschwankungen durch den dauernd niedrigen Blutzuckerspiegel abwechselnd das Bedürfnis nach Weinen und Knutschen. Und glauben Sie nicht, dass Sie im Frühling mit drei Kilo weniger einen Vorteil auf dem Zürcher Singlemarkt hätten. Den Vorteil holen Sie lockern mit drei Zentimeter Einsparung am Röckchen wieder herein (aber beachten Sie wiederum Punkt 3).

So, wenn Sie noch weitere Tipps für Ihre Mitstädter haben, dürfen Sie diese gerne in den Kommentaren weitergeben.

Flirten in Zürich – der Stadtblog-Selbstversuch

Réda El Arbi am Donnerstag den 18. April 2013
Zürich ist ein hartes Pflaster mit vielen schönen Frauen

Zürich ist ein hartes Pflaster mit vielen schönen Frauen

Von Reda El Arbi und David Sarasin

Im Grunde ist alles Kopfkino. Man sieht jemanden, die Dame gefällt und schon schwankt man zwischen Euphorie, Selbstzweifel und Überschätzung. Aber diese emotionale Achterbahn muss nicht so heftig ausfallen, erklärte uns Frau  «Flirt-Coach»  Wilkinson bei den Vorbereitungen, einen Tag vor unserem Selbstversuch. Man könne das besser machen. Selbst in einer Stadt wie Zürich, in der man mehr kalte Schultern sieht als in jedem Vampirfilm. Unsere Fragen an sie waren so naiv wie notwendig:

Frau Wilkinson, wann weiss man, ob eine Frau am Flirt interessiert ist?
Wenn man dreimal Blicke ausgetauscht hat, im besten Fall auch ein Lächeln.

Also starre ich die Dame an?
Das nun auch wieder nicht.

Darf man hingehen und sagen: «Hoi, wie gahts?»
Ich würde das vermeiden, sprechen sie lieber die Umgebung an: die Musik, die Menschen! Vermeiden sie zu ernste Themen, Politik, Religion oder Krieg.

Und wenn man zu unsicher ist?
Am Besten zu seiner Unsicherheit stehen und sie ansprechen, denn alle sind unsicher.

Also Schweissflecken am Hemd zeigen und stottern?
Das auch wieder nicht!

Wann weiss ich im Gespräch, ob es sich lohnt weiterzumachen?
Achten sie auf die Körpersprache. Ob sie sich in die Haare fährt, ob sie eine offene Haltung einnimmt, den Kopf kokett schräg hält, alles kann auf das Interesse der Frau hinweisen. Im Gegensatz dazu verheissen eine abgewandte Haltung oder verschränkte Arme nichts Gutes.

Also, auf  in den Feldversuch!

Mit diesen Anweisungen starten wir unser Experiment. Samstagabend, die Sonne scheint – in der 01-Bar am Limmatquai setzen wir uns an einen Tisch. Um uns sind alle Tische besetzt.

Sarasin (nach fünf Minuten):
Mit der da habe ich schon zweimal Blicke ausgetauscht. Wie viel Mal hat Frau Wilkinson gesagt?

El Arbi (dreht sich um):
Drei. Ich glaube aber, der Typ neben ihr ist ihr Freund. Sie sonnt nur ihr Ego in unseren Blicken.

Sarasin:
Ich glaube eher, sie ist schon ein bisschen verliebt in mich.

El Arbi:
Obwohl sie zu mir schaut?

Wir wollen klären, wer von uns beiden Chancen hätte. Klar bricht sie uns das Herz, als sie sagt, sie habe uns nicht mal aus dem Augenwinkel bemerkt. Klar finden wir in einem Anflug von Grössenwahn, sie lüge wie gedruckt. Klar war das ein schlechter Start. Wir verlassen die Bar  und wechseln in ein etwas «posheres» Lokal Nähe der Bahnhofstrasse. Das klassische Setting: Drei Frauen am Stehtischchen. Wir setzen uns daneben an die Bar, gucken und zählen die erwiderten Blicke. Beide diesmal. Eine schaut. Zu uns? Zur Bar? Will sie bestellen? Neue Taktik: Wir tun nun so, als würden wir uns vollauf genügen, denn Bedürftigkeit auszustrahlen sei ein grober Fehler, wie unser Coach ebenfalls sagte. Als wir doch wieder zum Nachbartisch schielen, steht bereits ein Konkurrent im Kappa-T-Shirt dort und unterhält das Trio scheinbar blendend. Ein Kappa-T-Shirt! Wir gehen!

In der Central-Bar im Kreis 4 dann folgende Szene: El Arbi spricht seine Nachbarinnen an – ohne auch nur Blicke gezählt zu haben. Es wären sowieso null gewesen, meint Sarasin. El Arbi wagt es trotzdem, stürzt dummerweise aber bereits nach der Einstiegsfrage ab: «Kommst du aus Bern?» – mehr fällt ihm spontan einfach nicht ein.

Noch eine halbe Stunde später wird er behaupten, er wäre bei den Beiden weiter gekommen, wenn sie ihm nur etwas mehr Zeit gegeben hätten. Den Rest des Abends flirteten wir dann mit der Barfrau, zwischen uns freilich stets der schützende Tresen aus Holz.

Was wir gelernt haben? 1. Flirts misslingen eher, als dass sie gelingen. 2. Absagen einstecken schmerzt mit der Zeit weniger. 3. Grössenwahn und Unsicherheit wechseln sich ab – es hilft jedoch, sowohl das Eine wie auch das Andere nicht allzu deutlich zu zeigen. 4. Alkohol hilft auch. 5. Die Welt ist ungerecht.

Helfen tun wir damit niemandem, schon klar. Aber wenigstens wissen die Männer da draussen, dass sie in ihrem Versagen nicht alleine sind. Doch auch wenn wir an dem Abend nichts erreicht haben, am Ende waren wir uns in einem Anflug von tröstlicher Selbstüberschätzung einig: eigentlich hätten wir jede haben können.