«Geliebtes, unfreundliches Zürich!»

Réda El Arbi am Freitag, den 29. Januar 2016
Daheim ist, wo man sich wohlfühlt.

Daheim ist, wo man sich wohlfühlt.

Nach zehn Tagen in Thailand, dem Land des Lächelns, komme ich morgens um Sieben wieder in Zürich an. Ich könnte – wie einst der Papst – den Boden küssen. Ich lasse erleichtert freundliche Konversation mit Fremden, unerträglich zuvorkommenden Service und verdächtig günstige Preise für Kaffee und Essen hinter mir und freue mich wieder auf meine Heimatstadt.

Schon der Empfang an der Grenzkontrolle Flughafen ist herzerwärmend. Die Kantonspolizistin betrachtet meinen Pass, dann mich, dann wieder meinen Pass, dann wieder mich, dann wieder meinen Pass, um mich dann ohne ein Wort weiter zu winken. Das ist pure Effizienz, keine aufgesetzte Höflichkeit, keine an Konversation verschwendete Energie.

Vor der Türe bei Ankunft 2, wo all die Langstreckenpassagiere gierig ihre Zigaretten reinziehn, dann noch ein Rückfall ins Feriengefühl. Eine Dame fragt in gebrochenem Englisch nach Feuer. Stumm halte ich ihr die Feuerzeugflamme hin, was sie zum Anlass nimmt, ein Gespräch anzufangen. Ich starre sie an, bis sie sich abwendet. Ja, soll sie sich doch erst mal mit den kulturellen Gepflogenheiten hier in Zürich vertraut machen. Gespräche mit Fremden? Pfft.

Ich gehe zum SBB-Ticketautomaten, um ein kleines Vermögen für eine noch kleinere Transportleistung auszugeben und natürlich funktioniert der Automat. Schliesslich sind wir in der Schweiz. Alle Passagiere warten auf dem Perron gemeinsam für sich. Man spricht nicht miteinander, nicht mal wenn man sich kennt. Schliesslich ist es vor acht Uhr morgens.

Der Zug fährt ein und ich suche mir einen Sitzplatz. Missbilligend grunze ich einen Pendler an und weise auf die Tasche auf dem freien Sitz. Genervt grunzt er zurück und macht den Platz frei. In einvernehmlich misslicher Laune sitzen wir viel zu nahe beieinander und wünschen uns, oder den anderen, unter den Zug, in dem wir sitzen. Er revanchiert sich beim Hauptbahnhof, indem er viel zu früh aufsteht und sich mit seiner fetten Tasche brutal an mir vorbeidrängt. Ich muss grinsen. Home, sweet home …

Aber wirklich zuhause angekommen bin ich erst, als mir eine schon morgens genervte Servierkraft meine mit gutem Kaffee gefüllte Tasse auf den Tisch schleudert und ein zerdrücktes Gipfeli danebenwirft. Als ich dafür dann auch noch den Gegenwert eines thailändischen Hochzeitsfestes für 150 Personen bezahle, weiss ich, dass ich wieder in Zürich bin. Ich kann in Ruhe ins Tram steigen und nach Hause fahren, ohne mich fürchten zu müssen, dass mich irgendwer anspricht.

Seufz. Geliebtes, unfreundliches Zürich. Zuhause ist, wo man sich wohl fühlt. Egal was andere denken.

«Kaum in Zürich, schon wieder genervt»

Werner Schüepp am Freitag, den 29. Januar 2016

Der Gastronom Daniel H. braucht nicht lange, bis er sich nach den Ferien in Zürich das erste Mal wieder so richtig nervt. Das Gerangel an der Gepäckausgabe bringt ihn jeweils auf die Palme. (Foto: Reto Oeschger)

Der Gastronom Daniel H. braucht nicht lange, bis er sich nach den Ferien in der Stadt Zürich das erste Mal wieder so richtig nervt. Das Gerangel an der Gepäckausgabe bringt ihn nach spätestens 20 Minuten auf die Palme. (Foto: Reto Oeschger)

 

«Es war ein voller Erfolg»

Die Designerin Sanaz Akaouf stellt Kleider her. Ihre Röcke, Shirts, Männerhemden und Hosen sind zu einem grossen Teil aus dem Material von PET-Flaschen. (Foto: Reto Oeschger)

Die Designerin Sanaz Akaouf stellt Kleider her. Ihre Röcke, Shirts, Männerhemden und Hosen sind zu einem grossen Teil aus dem Material von PET-Flaschen hergestellt. Nun zieht sie mit ihrem Laden vom Einkaufszentrum Sihlcity weg Richtung Frau Gerolds Garten. (Foto: Reto Oeschger)

 

«Das wäre für uns eine Horrorvorstellung»

Sebastian Cremers und Albert Cieceli sind zwei Grafiker. Sie haben sich jahrelang mit Banknoten beschäftigt und über das Thema ein Buch geschrieben. Die nächsten Schweizer Banknoten wollen sie dennoch nicht entwerfen. (Foto: Urs Jaudas)

Sebastian Cremers und Albert Cieceli sind zwei Grafiker. Sie haben sich jahrelang mit Banknoten beschäftigt und über das Thema ein Buch geschrieben. Die nächsten Schweizer Banknoten wollen sie dennoch nicht entwerfen. (Foto: Urs Jaudas)

«Es ist keine schöne Zeit»

Der Zürcher Zelt-Hersteller Spatz schliesst die Produktion und sein Ladenlokal in Wallisellen. Besitzer Marc Jansen Ziel war klar: Ein Neuanfang an einem neuen Standort. Dies klappte nicht. Der Spatz-Besitzer muss nun nach den Verlusten wieder Fuss fassen. (Foto: Dominique Meienberg)

Der Zürcher Zelt-Hersteller Spatz schliesst die Produktion und sein Ladenlokal in Wallisellen. Besitzer Marc Jansen Ziel war klar: Ein Neuanfang an einem neuen Standort. Dies klappte nicht. Der Spatz-Besitzer muss nun nach den Verlusten zuerst selber wieder Fuss fassen. (Foto: Dominique Meienberg)

 

 

«Das Rezept war so bitter, dass man es kaum trinken konnte»

Der Journalist HG Hildebrandt hat für seine Getränkemarke einen Vermouth lanciert. Das Ur-Rezept dazu stammt auf einer Zürcher Apotheke. (Foto: Reto Oeschger)

Der Journalist HG Hildebrandt hat für seine Getränkemarke einen Vermouth lanciert. Das Ur-Rezept dazu stammt auf einer Zürcher Apotheke. (Foto: Reto Oeschger)

 

«Von dieser Ausbildung zehre ich heute noch»

Das traditionelle Tages-Anzeiger-Meeting fand diese Woche im Schiffbau statt. Als Redner war der US-Starautor Nicholas Lemann eingeladen. TA-Verleger Pietro Supino liess sich von Lemann an der Journalismusschule der Columbia University in New York einen Verleger-Lehrgang massschneidern. (Bild Thomas Egli)

Das traditionelle Tages-Anzeiger-Meeting fand diese Woche im Schiffbau statt. Als Redner war der US-Starautor Nicholas Lemann eingeladen. TA-Verleger Pietro Supino liess sich von Lemann an der Journalismusschule der Columbia University in New York einen Verleger-Lehrgang massschneidern. (Bild Thomas Egli)

 

«Wenn ich etwas mache, dann richtig»

Nicht weniger essen, sondern das Richtige. Die 20-jährige Nadia Damaso hat mit ihrem ersten Kochbuch gleich einen Bestseller gelandet. Auf Instagramm folgen ihr 90 000 Leute. (Foto: Doris Fanconi)

Nicht weniger essen, sondern das Richtige. Die 20-jährige Nadia Damaso hat mit ihrem ersten Kochbuch gleich einen Bestseller gelandet. Auf Instagramm folgen ihr 90 000 Leute. (Foto: Doris Fanconi)

 

«Ich will mit meinem Mitarbeitern nicht Hochdeutsch sprechen müssen»

Der Güggeli-Express (hier am Bahnhof Rüschlikon) will am Grill nur Schweizer beschäftigten. Die Geschäftsführerin Marguerite Strobel hat ein entsprechendes Inserat geschalten. (Foto: Dominique Meienberg)

Der Güggeli-Express (hier am Bahnhof Rüschlikon) will am Grill nur Schweizer beschäftigten. Die Geschäftsführerin Marguerite Strobel hat ein entsprechendes Inserat geschalten. Dieses sei nicht fremdenfeindlich. Es gehe bloss darum, die untauglichen Bewerbungen gering zu halten. (Foto: Dominique Meienberg)

 

«Achte darauf, dass der Beruf immer ein wenig Hobby bleibt und lass dein Hobby nie zum Beruf werden»

Urs Lüthi hat ein seltenes Hobby: Er baut in der Freizeit sogenannte Rahmentrommeln. Dabei hält er sich an einen Merksatz. (Foto: Doris Fanconi)

Urs Lüthi hat ein seltenes Hobby: Er baut in der Freizeit sogenannte Rahmentrommeln. Dabei hält er sich an einen Merksatz. (Foto: Doris Fanconi)

 

«Früher konnte ich Tänzerinnen für ein halbes Jahr einplanen. Jetzt plane ich sie von Monat zu Monat»

Innerhalb von nur wenigen Wochen haben in Zürich vier Striplokale ihren Betrieb aufgegeben. Grund dafür ist unter anderem die im Januar eingeführten verschärften Anstellungsbedingungen für Tänzerinnen. Foto: Reto Oeschger)

Innerhalb weniger Wochen haben in Zürich vier Striplokale ihren Betrieb eingestellt. Der Grund dafür ist unter anderem die im Januar neu eingeführten verschärften Anstellungsbedingungen für Tänzerinnen in Nachtlokalen. Foto: Reto Oeschger)

 

Urban? Ich kann es nicht mehr hören

Miklós Gimes am Mittwoch, den 27. Januar 2016

_gimesDass Zürich ein Dorf ist, das ist nicht neu. Man braucht nur lange genug in der Stadt zu leben, um ganz viele Leute zu kennen. Die wiederum kennen andere, und so entsteht ein Netz von Menschen, die man irgendwo schon mal gesehen hat und die man zuordnen kann, wie in einem Dorf, wo man die Hauptstrasse entlanggeht und alle sich grüssen.

Natürlich ist Zürich nicht wirklich ein Dorf. Es gibt Tage, da sitzt man im Tram oder in der S-Bahn, und kein Gesicht sagt einem etwas. Dass man aber trotzdem findet, Zürich sei ein Dorf, hat damit zu tun, dass man sich in einem ziemlich kleinen Kreis von Menschen bewegt. Die Journalisten kennen die Journalisten und Medienleute und überhaupt Menschen, die gern in der Öffentlichkeit sind. Die Ingenieure kennen eher die Ingenieure. Die Bewegten der Achtzigerjahre kennen die Bewegten der Achtzigerjahre. Und die gute Gesellschaft kennt die gute Gesellschaft.

Ja, die Zürcher Gesellschaft. Menschen, die in ihr zu Hause sind, erzählen, dass man sich immer wieder begegnet, in der Oper, im Theater, im Konzertsaal von Luzern. Man isst in denselben Restaurants, besucht dieselben Bars. Man weiss viel über einander, man weiss auch, wer dazugehört und wer nicht. Wer wie viel Macht hat. Es gibt in Zürich nur eine Gesellschaft, sagen die Menschen, die es wissen müssen. Sie ist der Fluss, in dem alle schwimmen. Man hat keine Wahl. Wer in der Stadt aufsteigt, der bleibt nicht unbemerkt. Wen die Zürcher Gesellschaft ruft, der macht meist mit.

Und darum ist Zürich nicht nur ein Dorf, bildlich gesprochen. Zürich hat auch eine dörfliche Mentalität – fast schon genetisch. Deshalb wird das Wort urban so häufig gebraucht. Weil urban, das ist ein Traum, ein Wunsch, eine Sehnsucht. Urban, das ist alles, was wir nicht sind.

Das geht immer wieder vergessen, wenn die Bagger auffahren und ganze Stadtteile vor unseren Augen entstehen, in Zürich-West zum Beispiel, die von weitem aussehen, als wären wir in einer grossen Stadt. Hochhäuser, die an London denken lassen, an Frankfurt. Eine Grossstadt lässt sich nicht herstellen mit Architektur. Selbst wenn die Architekten genaue Vorstellungen und Regeln haben, was eine Stadt ist. Solange wir eine dörfliche Mentalität haben, bleibt diese Art von Urbanität eine Inszenierung. Mit dörflich meine ich nicht, dass unsere Stadtpräsidentin unbehelligt nachts um elf mit dem Velo durch die Stadt kurven kann, ihr Haarschopf leuchtet im Licht der Laternen. Mit dörflich meine ich, dass sich alle zu kennen scheinen, die etwas zu sagen haben.

Wahrscheinlich fehlt uns einfach genug Masse, um städtisch zu sein. Doch was ist städtisch überhaupt? Eine Million Einwohner? Zwei Millionen? Städtisch stelle ich mir vor als eine Art Unübersichtlichkeit, eine Welt, die in verschiedene Gesellschaften zerfällt, ein komplizierter Organismus, dauernd in Bewegung, ein Moloch, ein Monster, furchterregend und hoffnungslos, das eine eigene Zivilisation hervorbringt. Irgend so etwas. Wobei, Leute, die es wissen müssen, sagen, dass die gute Gesellschaft auch in den grossen Städten übersichtlich ist. Dass sich alle kennen, auf die es ankommt. Wie in einem Dorf.

Und der Haifisch …

Alex Flach am Montag, den 25. Januar 2016
Das Ende der Seefahrt: Die Haifischbar schliesst.

Das Ende der Seefahrt: Die Haifischbar schliesst.

Das alte Dörfli-Nachtleben stirbt nicht plötzlich, es verendet langsam – Lokal für Lokal. Nachdem Ende 2015 das Kontiki und die Züri-Bar für immer geschlossen wurden, ist nun die Reihe an der Haifisch-Bar: Der Cabaret-Betrieb wird eingestellt und am 5. Februar eröffnet an dieser Adresse der Haifisch Club. Unter dem bisherigen Pächter wird der erst 20jährige Club-Manager Sebastian Köpe aus dem Lokal eine trendige Lounge mit grösserem Dancefloor und House-, Hip Hop- und RnB-Beschallung machen.

Cabarets sind ein Auslaufmodell. Erst kürzlich musste der Strip-Betrieb des Kings Club an der Talstrasse einem gayfriendly Tanzlokal weichen und im Longstreet an der Langstrasse hebt schon seit Jahren das junge, hippe Stadtvolk die Gläser. Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch der Haifisch ins Netz geht und wenn man nur die letzten zehn Betriebsjahre des Lokals betrachtet, dann ist es wohl auch nicht allzu schade: Um Stangen gewickelte Tristesse, bei den Nackten auf der Bühne und den Vereinzelten davor.

So zumindest sah es der Pornoproduzent, Dörfliweise und Altpunk Peter Preissle im Interview, das er dem Tagi vor einem Jahr gegeben hat: «Heute handelt es sich beim Haifisch um einen biederen Stripschuppen, in dem – mit viel Glück – eine der Frauen mal ihr Höschen verliert.»

Preissle erinnert sich jedoch an eine frühere Zeit, an eine, die vom legendären Gastronom und Haifisch-Vater Josef «Käpten Jo» Schupp geprägt war. Seit Gründung 1965 spielte Sex eine Rolle, Preissle erinnert sich aber an andere Dinge: An Punkbands, die dort nach dem Konzert ihre Gage verpulverten. An Käpten Jo, der seine Schimpansen-Nummer zum Besten gab. An einen Zauberer, der seine Assistentin verschwinden liess und an ihrer statt ein lebendiges Krokodil auf die Bühne zauberte. An einen Mann aus dem Kongo, der mit seinen Zähnen einen Tisch heben konnte.

Nur so ein Gedanke, aber ist es nicht genau das, was in Zürichs Nachtleben derzeit fehlt? Attraktionen und Sensationen, ein Club wie aus Fellinis Film La Strada, in dem der stärkste Mann der Welt Zampano mit seiner Brust Ketten sprengt? Ein Club, der die Errungenschaften des modernen Clubbings mit der urigen Schrulligkeit eines Wanderzirkus kombiniert? Ein Lokal, in dem man einen Entfesslungskünstler bei der Arbeit bestaunen kann, derweil man zur Musik erlesener Bands und DJs feiert? Wäre der Haifisch nicht der perfekte Ort, um ein solches Experiment zu wagen?

Bezüglich Musik sind die Ansätze Köpes ganz okay, wenn auch etwas mutlos: Angekündigte DJs wie Aystep, Ezikiel, Dario D’Attis, Cedric Zeyenne und Fat Sushi zählen in ihren jeweiligen Genres zur Schweizer Elite. Jedoch ist das Ansinnen, das Köpe dem 20minuten ins Notizbuch diktierte, das falsche: «Wir wollen uns von der Haifisch-Bar als Cabaret distanzieren und uns stattdessen als neue Trend-Location etablieren“. Genau das sollte er nicht tun, er sollte die alte Tradition aus den Anfängen des Haifischs aufgreifen und diese mit zeitgemässer Musik garniert in die Zukunft führen.

Wird er offenbar aber nicht. Schade drum.

Alex-Flach2 Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

Essiggurken und Bier

Werner Schüepp am Freitag, den 22. Januar 2016

«Essiggurken, Salami und Bier»

Die Investorin und Philanthropin Carolina Müller-Möhl auf die Frage, was sie immer in ihrem Kühlschrank hat. (Foto: Sabina Bobst)

Die Investorin und Philanthropin Carolina Müller-Möhl auf die Frage, was sie immer in ihrem Kühlschrank hat. (Foto: Sabina Bobst)

 

«Meine Bienen leben in einem Schlaraffenland»

Seit Jahrzehnten verkauft René Beyer Uhren. Seit bald einem Jahre züchtet er als Hobbyimker aber an der Bahnhofstrasse auch Bienenvölker hoch über Zürichs nobler Einkaufsmeile. (Foto: Esther Michel)

Seit Jahrzehnten verkauft René Beyer Luxusuhren. Seit bald einem Jahre züchtet er als Hobby-Imker aber an der Bahnhofstrasse auch Bienenvölker hoch über Zürichs nobler Einkaufsmeile. (Foto: Esther Michel)

 

«Ein kleiner Schritt für ein noch schönes Zürich»

In einer Blitzaktion wurde diese Woche in Zürich der Radarkasten am Walcheplatz bunt verpackt. Ein Architekt und ein Künstler protestierten damit gegen die optische Verschmutzung der Umwelt. Es ging nicht lange, da entfernte die Polizei die Verhüllung. (Foto: Reto Oeschger) BILD: RETO OESCHGER, ZÜRICH, 19.01.2016 RESSORT: BB Blechpolizist, Radar wird verkleidet, Kunstwerk Guerilla-Aktion am Walcheplatz Walter Wäschle, gross mit Hut und Santhori (Riederer, Thomas Santhi)

In einer Blitzaktion wurde diese Woche in Zürich der Radarkasten am Walcheplatz bunt verpackt. Ein Architekt (Walter Wäschle, links) und ein Künstler protestierten damit gegen die optische Verschmutzung der Umwelt. Es ging nicht lange, da entfernte die Polizei die Verhüllung. (Foto: Reto Oeschger)

 

«Wegen des Trams»

Der am vergangenen Sonntag in Zürich gestorbene Plastiker Gottfried Honegger wusste, weshalb er in Zürich gewohnt hat. (Foto;: Steffen Schmidt, Keystone)

Der am vergangenen Sonntag in Zürich gestorbene Plastiker Gottfried Honegger wusste, weshalb er in gerne in Zürich gewohnt hat. (Foto;: Steffen Schmidt, Keystone)

 

«Genug ist genug. Ich kann nicht mehr.»

Atef Sahnoun, Präsident der An'Nur-Moschee in Winterthur, will sich nicht länger gegen den Vorwurf wehren, in der Winterthurer Moschee würden Jugendliche radikalisiert. (Foto: Doris Fanconi)

Atef Sahnoun, Präsident der An’Nur-Moschee in Winterthur, will sich nicht länger gegen den Vorwurf wehren, in der Winterthurer Moschee würden Jugendliche radikalisiert. (Foto: Doris Fanconi)

 

 

«In den nordischen Ländern haben Frauen in den Küchen einen besseren Stand.»

Im Gastroführer Gault Millau sind in der Stadt Zürich sind nur gerade drei Küchenchefinnen aufgeführt. Margaretha Jüngling vom Stazione Paradiso weiss warum dies so ist. (Bild: Reto Oeschger)

Im Gastroführer Gault Millau sind in der Stadt Zürich nur gerade drei Küchenchefinnen aufgeführt. Margaretha Jüngling vom Stazione Paradiso weiss auch, warum dies so ist. (Bild: Reto Oeschger)

 

«Ich könne jede Hautfalte von mir zeigen.»

Die Winterthurerin Koko La Douce ist eine Bulesquetänzerin. Hier verrät sie, wo ihre Schamgrenze liegt. (Foto: Amac Garbe)

Die Winterthurerin Koko La Douce ist eine Bulesquetänzerin. Sie will aber nicht missverstanden werden, Grenzen zu setzen sei ihr wichtig. (Foto: Amac Garbe)

 

«Es hat sich gezeigt, dass die Spurensuche bei aufgebrochenen Autos vor Ort kaum zum Erfolg führt.»

Auf Parkplätzen im Adlisbergwald sind regelmässig Diebe am Werk und knacken Autos. Die Stadtpolizei rückt deswegen nicht aus. Deren Sprecher Marco Cortesi erklärt den Grund. (Foto: Reto Oeschger)

Auf Parkplätzen im Adlisbergwald sind regelmässig Diebe am Werk und knacken Autos. Die Stadtpolizei rückt deswegen nicht aus. Stapo-Sprecher Marco Cortesi erklärt den Grund. (Foto: Reto Oeschger)

 

«Zürcher sind Sextouristen»

Réda El Arbi am Dienstag, den 19. Januar 2016
Europäische Männer gelten grundsätzlich als Sextouristen.

Europäische Männer gelten grundsätzlich als Sextouristen. (Bild Guardian)

«Wenn Sie einheimische Damen (Prostituierte) aufs Zimmer nehmen, müssen Sie die Frauen anmelden», meinte die Dame an der Reception. Ich bin nicht etwa in einer billigen Absteige in Bangkok, sondern in einem 4-Sterne-Ressort auf Koh Samui. Da ich aber als europäischer Mann alleine in Thailand unterwegs bin, schliessen die Menschen hier von meiner Herkunft auf mein zu erwartendes Verhalten.

Sie ist vielleicht Zwanzig, sieht aber aus wie Vierzehn (oder umgekehrt) und sitzt auf Stefans* Schoss. Stefan trägt ein FCZ-T-Shirt und ich sitze mit ihm und zwei seiner Freunde in einer der übleren Bars auf Koh Samui. Die Getränkekarte ist in Deutsch verfasst, Kundennähe. Stefan ist ein paar Jahre älter als ich, Mitte Fünfzig, und macht regelmässig in Thailand Ferien. Sein Freund Peter ist aus Baden und lebt hier. Er ist sozusagen der Reiseführer. Er weiss, wo die Schnitten (O-Ton) billig sind und wo man sich nichts holt (ebenfalls O-Ton).

Beide können nicht verstehen, dass ich mich hier nicht «austobe», soll heissen, mit wenig Geld so viele Prostituierte kaufe, wie ich kann. «Die mögen das. Die asiatischen Männer sind eben nicht so grosszügig und nicht so gut ausgestattet», klärt mich Thomas auf. Thomas ist Deutscher und lebt das halbe Jahr hier. Auch für ihn ist es unverständlich, dass ich mich hier nicht «wie ein richtiger Mann» benehme. Weil zuhause (er meint Europa, nicht seine Stadt) seien die Frauen ja bereits kalt und frigide vor lauter Emanzipation. Sie hätten keine Freude mehr am Sex (nicht so, wie die Frauen hier, die er dafür bezahlt). Es gibt sogar T-Shirts, mit denen die Sextouristen ihre Natur offen zeigen können: «No Money, No Honey» steht drauf. Der Sextourist, das lebende Klischee.

«Schweizer sind in Ordnung, die bezahlen gut und machen kaum Probleme», klärt mich eine junge Frau in der Bar auf. Mit «Probleme» meint sie Gewalt. Da schneiden «wir» offenbar besser ab als andere Europäer. Nicht so viel Gewalt. Immerhin.

Es ist nicht so, dass die Einschätzung europäischer Männer nur in den einschlägigen Bars auf «Freier» oder «Säufer» hinausläuft. Auch beim Mieten meines Motorbikes werde ich vor den Gefahren des Fahrens unter Alkoholeinfluss gewarnt. Als ob man das einem erwachsenen Mann nochmals erklären müsste. Über 70 Prozent der Unfälle auf der Insel seien irgendwie mit Touristen und Alkohol in Verbindung.

Ganz spontan kommen mir die Reaktionen auf Köln in den Sinn. Die Übertragung des Verhaltens einzelner  Exemplare auf eine ganze Kultur. Und hier schäme ich mich für einmal wirklich meiner Abstammung, nicht der nordafrikanischen, sondern der europäischen. Nicht, weil diese Männer zu Prostituierten gehen, sondern weil ihnen der geringste Respekt für Frauen fehlt.

Natürlich ist das nicht die Mehrheit der Schweizer Touristen in Thailand. Aber es sind eben die auffälligsten. Die lautesten, die unangenehmsten. Von ihnen schliesst man auf den Rest.

Muss ich mich jetzt von diesen Männern distanzieren? Also Leute, wenn ihr wieder mal jemanden auf Grund seiner Kultur einschätzt, seid etwas vorsichtig. Das könnte euch nämlich auch passieren.

PS: Das FCZ-Shirt konnte ich ihm leider nicht abnehmen.

* alle Namen geändert

DJs als Lohnsklaven?

Alex Flach am Sonntag, den 17. Januar 2016
Manchen DJs sind die Hände gebunden: Mit Clubverträgen gefesselt.

Manchen DJs sind die Hände gebunden: Mit Clubverträgen gefesselt.

Vergangene Woche hat ein Basler Club für ein Rauschen im Blätterwald gesorgt, weil er einem regelmässig dort spielenden DJ untersagt hat, für einen Konkurrenten aufzulegen. Der betreffende DJ ist damit zu 20minuten und die Zeitung hat das Thema aufgegriffen. Dabei ist es beileibe nicht neu und beschränkt sich auch keineswegs nur auf Basel.

Ganz im Gegenteil: Wie diverse DJs bestätigen, ist für sie die Situation in St. Gallen besonders unerträglich. Viele Club-Betreiber dort scheinen sich spinnefeind zu sein. Dani Bondt, der Macher des Backstage Clubs, macht keinen Hehl daraus: «Wir haben mit einem Grossteil der DJs exklusive Verträge, vor allem im Hip Hop- und RnB-Bereich. Wir wollen die für uns beste DJ-Crew und wir wollen sie ausschliesslich, um uns von den anderen Clubs abzuheben. Als Fussballer kannst du ja auch nicht für die AC Milan auflaufen und für Inter Mailand».

In Zürich scheint die Lage etwas entspannter zu sein. Dominik Müller von der Zukunft: «Wir erlassen keine Einschränkungen bezüglich Auftrittsorten von unseren Residents, die zwar oft, aber stets nur für einen Bruchteil der Gage eines international bekannten Namens spielen. Resident DJs brauchen einen Nebenjob, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Umso absurder fänden wir es da, ihnen vorzuschreiben, wo sie spielen dürfen und wo nicht und damit in einer der teuersten Städte der Welt (negativen) Einfluss auf ihr Einkommen zu nehmen». Paolo Manduca vom Alice Choo sieht es ähnlich: «Ich finde es sogar gut, wenn DJs in anderen Clubs spielen und sich so Know How aufbauen. Wir überlassen dem DJ die Entscheidung, ob er exklusiv für uns spielen will».

Dennoch kommt es hinter vorgehaltener Hand auch in Zürich vor, dass DJs von Clubs das Spielen bei Mitbewerbern mit einer ähnlichen Programmierung untersagt wird – und zwar ohne dass sie dafür mit einer höheren Gage entschädigt würden. DJs, die sich nicht an diese Auflagen halten, müssen damit rechnen, von ihrem angestammten Lokal nicht mehr gebucht zu werden.

Die Meinungen der DJs zu diesem Vorgehen variieren stark. Einige haben Verständnis für dieses Vorgehen, so auch der Hip Hop-Pionier Avni Saiti alias Aystep: «Eine Residency kann auch für einen DJ was sehr bequemes sein, kann ihm Sicherheit vermitteln. Ich finde, man sollte als DJ abwägen können, wie ähnlich sich die Clubs sind, in denen man spielt». Ein DJ, der nicht namentlich genannt werden will, stösst sich hingegen daran, dass nicht alle DJs gleich behandelt werden: «Einige dürfen spielen, wo sie wollen, andere nicht. Insbesondere Newcomer werden ausgenutzt und für ein Butterbrot an Clubs gebunden». Auch Domi “Doobious” Baumann hat insbesondere zu Beginn seiner Karriere solche Erfahrungen gemacht, dennoch ist seine Sicht auf die Dinge eine moderate: “Ich finde man sollte das Ganze mit ein Bisschen Menschenverstand angehen. Warum sollte ein Clubmacher/Veranstalter Verständnis aufbringen oder gar Freude haben, wenn du für seinen unmittelbaren Konkurrenten spielst?”.

Dass die Clubs kein einheitliches und im ganzen Land gültiges Vorgehen einführen müssen, liegt auch daran, dass sie sich mit keinem DJ-Verband auseinandersetzen müssen. Die DJs sind Einzelkämpfer und solange es so bleibt, werden sie auch als solche behandelt. Und wer sich nicht zu formieren vermag, um mit einer Stimme zu sprechen, der muss sich mit Kunden auseinandersetzen, die sich bisweilen wie Könige verhalten.

….und im Nachtleben gibt es viele Könige, gekrönte und selbsternannte.

Alex-Flach1Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

Wie viel der FC Präsident verdient

Werner Schüepp am Freitag, den 15. Januar 2016

«Als FCZ-Präsident verdiene ich gar nichts, im Gegenteil.»

Der Präsident des FC Zürich, Ancillio Canepa, auf die Frage, ob er genug verdiene und wenn ja, wie viel. (Foto: Reto Oeschger)

Der Präsident des FC Zürich, Ancillo Canepa, auf die Frage, ob er genug Geld verdiene und wenn ja, wie viel. (Foto: Reto Oeschger)

 

«Solche Kritik tut weh, weil sie von Freunden stammt, die ich gut mag.»

Wegen ihres Stadtrats Richard Wolff wird seine Partei, die Alternative Liste, oft mit der Polizei in Verbindung gebracht - auch mit ihrer repräsentativen Seite. Parteikollegen finden, dass er als Polizeichef nichts bewirkt. Solch pauschale Kritik schmerzt den Polizeichef. (Foto: Reto Oeschger)

Wegen ihres Stadtrats Richard Wolff wird seine Partei, die Alternative Liste, oft mit der Polizei in Verbindung gebracht – auch mit ihrer repräsentativen Seite. Parteikollegen finden, dass er als Polizeichef nichts bewirkt. Solch pauschale Kritik schmerzt den Polizeichef. (Foto: Reto Oeschger)

 

«Weil Bienenmaden bei uns im Abfall landen.»

Der ehemalige Radio-24-Star-Moderator Daniel Ambühl auf die Frage, wozu es gut sein soll, Bienen zu essen. Er ist überzeugt: In Zukunft wird sich die Menschheit auch von Insekten ernähren müssen. Er selbst züchtet Pilze, essbare Insektenpuppen und Maden. (Foto: Giorgia Müller)

Der ehemalige Radio-24-Star-Moderator Daniel Ambühl auf die Frage, wozu es gut sein soll, Bienen zu essen. Er ist überzeugt: In Zukunft wird sich die Menschheit auch von Insekten ernähren müssen. Er selbst züchtet Pilze, essbare Insektenpuppen und Maden. (Foto: Giorgia Müller)

 

«Wir verkaufen etwas, das der Konsument fast nicht mehr will.»

Der traditionelle Spielwarenladen Patorini schliesst Ende Februar sein Geschäft in Zürich. Er war weit herum bekannt für seine Holzsachen - doch sind heute immer weniger gefragt. (Foto: Sabina Bobst)

Der traditionelle Spielwarenladen Patorini schliesst Ende Februar sein Geschäft in Zürich. Er war weit herum bekannt für seine Holzsachen – doch sind diese heute immer weniger gefragt. (Foto: Sabina Bobst)

 

«Leute schauen ganz schön schräg, wenn sie wissen, dass ich Jägerin bin.»

Janine Egli ist Jägerin. Nach dem ersten geschossenen Tier überlegte sie sich, ob das wirklich das Richtige für sie ist. Nun bewirbt sie sich als erste Zürcherin für das Amt der Schweizer Jägerin. (Foto: Doris Fanconi)

Die Jungjägerin Janine Egli (mit ihrer Hündin Fee) überlegte nach ihrem ersten geschossenen Tier, ob dieser Beruf wirklich das Richtige für sie ist. Er ist es. Nun bewirbt sie sich als erste Zürcherin für das Amt der Schweizer Jägerin. (Foto: Doris Fanconi)

 

«Sparen ist nie angenehm. Aber Entrümpeln ist für alle Schulstufen eine Chance.»

Grössere Schulklassen sind für diese Frau ein No-Go: CVP-Bildungsdirektorin Silvia Steiner trat diese Woche am Tag der Bildung auf. Thema: Sparen, sparen, sparen. (Foto: Reto Oeschger)

Grössere Schulklassen sind für diese Frau ein No-Go: CVP-Bildungsdirektorin Silvia Steiner trat diese Woche am Tag der Bildung auf. Thema: Sparen, sparen, sparen. (Foto: Reto Oeschger)

 

«Krisengebiete zu verlassen ist schwieriger, als in solchen anzukommen.»

Der Fotograf Dominic Nahr macht vor allem in Afrika Fotoreportagen aus Kriegs- und Krisengebieten. Für seine Bilder wurde er mehrfach ausgezeichnet. (Foto: Reto Oeschger)

Der Fotograf Dominic Nahr macht vor allem in Afrika Fotoreportagen aus Kriegs- und Krisengebieten. Für seine Bilder wurde er mehrfach ausgezeichnet. (Foto: Reto Oeschger)

 

«Was ist bloss mit meinem Berufsstand los»

Den Zürcher Floristen schlecht. Jedes Jahr verschwinden einige Geschäfte. Sogar die Fest- und Hochzeitsmesse hätte beinahe ohne Blumen stattfinden müssen. Floristin Claudia Martin-Fiori kann sich da nur wundern. (Foto: Thomas Egli)

Den Zürcher Floristen geht es schlecht. Jedes Jahr verschwinden einige Geschäfte. Sogar die Fest- und Hochzeitsmesse hätte beinahe ohne Blumen stattfinden müssen. Floristin Claudia Martin-Fiori kann sich da nur wundern. (Foto: Thomas Egli)

 

«Das Mascott war mein Wohnzimmer»

Das Mascotte, der Club Am Bellevue, feierte diese Woche sein 100-Jahr-Jubiläum. Gesellschaftsreporter Jack Stark verkehrte zeitweise fast täglich dort. Auf dem Bild zu sehen: Die Band Mötley Crüe an der Mascotte-Bar. (Foto: PD)

Das Mascotte, der Club Am Bellevue, feierte diese Woche sein 100-Jahr-Jubiläum. Gesellschaftsreporter Jack Stark erinnert sich zurück. Er verkehrte zeitweise fast täglich dort. Auf dem Bild zu sehen: Die Band Mötley Crüe an der Mascotte-Bar. (Foto: PD)

 

«Er muss nicht mein Nachfolger werden. Er ist Neymar.»

Lionel Messi wird in Zürich zum fünften Mal Weltfussballer. (Foto: Valeriano Di Domenico/Keystone)

Lionel Messi wird in Zürich an der Fifa-Veranstaltung Ballon d’Or zum fünften Mal Weltfussballer. Da war natürlich auch die Frage, wer einst sein Nachfolger werden könnte, ein Thema bei den Journalisten. (Foto: Valeriano Di Domenico/Keystone)

 

 

Tipps für Flüchtlinge an der Street Parade

Réda El Arbi am Donnerstag, den 14. Januar 2016
Wir helfen Flüchtlingen, unsere kulturellen Werte etwas besser zu verstehen: Street Parade

Wir helfen Flüchtlingen, unsere kulturellen Werte etwas besser zu verstehen: Street Parade

Luzern erarbeitet gerade für Flüchtlinge ein Merkblatt für sittliches Verhalten an der Luzerner Fasnacht. Natürlich wollen wir in Zürich dem in Nichts nachstehen. Da wir aber keine Fasnacht haben, werden wir den kulturfremden Flüchtlingen erklären, wie sie sich an der Street Parade zu verhalten haben. Das ist schliesslich auch nicht ganz einfach für Menschen aus einem weniger weltoffenen Kulturkreis, nicht? Hier die 8 wichtigsten Punkte:

Diskretion

Anstarren nur für Einheimische.

Anstarren nur für Einheimische.

Sie werden sehr viele Leute sehen, die wenig oder gar nichts anhaben. Nehmen Sie das nicht als eine Einladung, lange hinzustarren. Diese Leute wollen sich zwar zeigen, aber nicht Ihnen. Das Anstarren und Ansabbern ist nur Einheimischen und den Gästen aus dem umliegenden Europa erlaubt. Die wissen naturgemäss, wie man sich in solchen Situationen verhält und haben sich durch ihr Konsumverhalten das Recht dazu erkauft.

Konversation

Sollten Sie die Einheimischen bei ihren rituellen Gesprächen ( «Yo ey, geili Titte!» oder «Mann, dich würd i abschläcke bis nass bisch!») beobachten, versuchen Sie nicht, diese zu imitieren. Die gleichen Worte könnten zu Verwirrung führen, wenn sie nicht in einem der gängigen europäischen Dialekte ausgesprochen werden. Die Reaktion darauf könnte anders ausfallen, als Sie erwarten, und Sie könnten sich schnell in Polizeigewahrsam wiederfinden. Konversationen dieser Art sind nur Einheimischen und den Gästen aus dem umliegenden Europa erlaubt. Die wissen naturgemäss, wie man sich in solchen Situationen verhält und haben sich durch ihr Konsumverhalten das Recht dazu erkauft.

Alkohol und Drogen

Bitte zurückhaltend im Umgang mit Alkohol und Drogen.

Bitte zurückhaltend im Umgang mit Alkohol und Drogen.

Sollten ihrer Kultur die europäischen Grundwerte Alkohol und Drogen fremd sein, können Sie sich an diesem Anlass damit vertieft bekannt machen. Kosten Sie möglichst alles, aber kaufen Sie nur von einheimischen Anbietern. Und verkaufen Sie um Himmels Willen nichts weiter! Ausländer und Drogenhandel sind in der Schweiz ein heikles Thema!   Schauen Sie auch, dass Sie sich auch weiterhin beherrschen können. Die Feiernden fühlen sich durch alkoholisierte oder zugedröhnte Flüchtlinge schnell bedroht. Das Herumtorkeln ist nur Einheimischen und den Gästen aus dem umliegenden Europa erlaubt. Die wissen naturgemäss, wie man sich in solchen Situationen verhält und haben sich durch ihr Konsumverhalten das Recht dazu erkauft.

Kleidung und Auftreten

Sie werden viele Menschen sehen, die ihre sonnengebräunte Haut zeigen. Verwechseln Sie diesen Farbton nicht mit ihrer eigenen, der Ethnie geschuldeten Hautfarbe. Da die Menschen oft hart für ihre Sonnenbräune arbeiten mussten, ist es den Einheimischen unangenehm, wenn Sie ihren gratis erhaltenen, dunklen Teint zeigen. Halten Sie sich an Ihre eigene Kultur und tragen Sie eine Burka, so ist Ihnen das Mitleid der Einheimischen sicher. Das Zeigen von Haut ist nur Einheimischen und den Gästen aus dem umliegenden Europa erlaubt. Die wissen naturgemäss, wie man sich in solchen Situationen verhält und haben sich durch ihr Konsumverhalten das Recht dazu erkauft.

Die ruheplätze sind den Gästen mit europäischen Kulturhintergrund vorbehalten.

Die Ruheplätze sind den Gästen mit europäischem Kulturhintergrund vorbehalten.

Entspannen

Legen Sie sich nicht einfach irgendwo auf die Wiese. Das könnte bei Ihrer Herkunft als Landstreicherei oder «Herumgammeln» interpretiert werden. Wiesen, Strassenecken und Verkehrsinseln sind für diejenigen Raver reserviert, die sich vom harten Feiern und vom Drogenkonsum (Siehe Tipp 3) erholen müssen. Das Herumgammeln auf freien Flächen ist nur Einheimischen und den Gästen aus dem umliegenden Europa erlaubt. Die wissen naturgemäss, wie man sich in solchen Situationen verhält und haben sich durch ihr Konsumverhalten das Recht dazu erkauft.

Hilfe leisten

Sollten Sie sich Sorgen machen, wenn Sie bei einem der ruhenden Feiernden keine Atmung mehr wahrnehmen können, halten Sie sich trotzdem von ihm/ihr fern! Hilfeleistung an bewusstlosen Halbnackten könnte sehr schnell falsch verstanden werden – und Sie könnten sich schnell in Polizeigewahrsam oder einem Hospital wiederfinden. Treten Sie drei Schritte zurück und rufen Sie nach der nächsten Bürgerwehr. Die haben sich der Hilfeleistung verpflichtet und sollten das Problem schnellstens lösen können. PS: Einheimische und Gäste aus dem umliegenden Europa sind meist zu stark mit Feiern beschäftigt, um Hilfe leisten zu können.

Tanzen

Der Sinn der Street Parade ist es, in einer riesigen Menschenmenge zu tanzen. Wir raten Ihnen jedoch davon ab. Sollten Sie trotzdem aus irgendeinem Grund in die tanzende Menge geraten, nehmen Sie beide Hände über den Kopf und verschränken Sie die Beine. Körperkontakt mit Ihnen könnte von den Anwesenden falsch verstanden werden und Sie könnten sich schnell in Polizeigewahrsam wiederfinden. Körperkontakt ist nur Einheimischen und den Gästen aus dem umliegenden Europa erlaubt. Die wissen naturgemäss, wie man sich in solchen Situationen verhält und haben sich durch ihr Konsumverhalten das Recht dazu erkauft.

Sanitäre Einrichtungen

Sie könnten beim Besuch der Street Parade auf den Gedanken kommen, dass Strassenecken und Hauseingänge in unserer Kultur Synonym für «Toiletten» sind. Das ist nicht so. Bitte vermeiden Sie es, sich den Gepflogenheiten anzupassen und Ihr Geschäft auf der Strasse zu verrichten. Solch eine Geste der Integration könnte von den Anwesenden falsch verstanden werden und Sie könnten sich schnell in Polizeigewahrsam wiederfinden. Sich öffentlich zu erleichtern  ist nur Einheimischen und den Gästen aus dem umliegenden Europa erlaubt. Die wissen naturgemäss, wie man sich in solchen Situationen verhält und haben sich durch ihr Konsumverhalten das Recht dazu erkauft.

So, solange Sie sich an unsere Sittlichkeitstipps halten, sollten Sie an der Street Parade nicht in Schwierigkeiten kommen. Viel Spass bei unserem Stadtfest!

Zürichs grosse Helden – die Bürgerwehr

Réda El Arbi am Dienstag, den 12. Januar 2016
Die Zürcher Bürgerwehr hat Frankensteins Monster gefunden.

Die Zürcher Bürgerwehr hat Frankensteins Monster gefunden.

«Mir machen die neuen Bürgerwehren mehr Angst als irgendwelche Flüchtlinge», meinte eine Bekannte, nachdem sie gelesen hatte, dass sich in Zürich und Bern als Reaktion auf die sexuellen Übergriffe Gruppen formierten, die durch die Strassen marschieren wollten, «um Sicherheit herzustellen».

Die Mischung aus Testosteronüberschuss und Racial Profiling könnte ja wirklich explosiv sein. Dann stellte ich mir aber den durchschnittlichen Bürgerwehr-Soldaten vor. Also jemand, der seinen verschämten Traum von glänzender Rüstung, geretteter, holder Blondine und Belohnungskoitus mit Zivilcourage verwechselt. Einer, der nach jeder Auseinandersetzung noch tagelang in der Fantasie nachspielt, was er eigentlich hätte tun oder sagen sollen, und wie er dem dann schon …

Und irgendwie erschien mir dann die Bürgerwehr nicht mehr sonderlich gefährlich. Entweder machen sie nichts, dann werden sie ausgelacht, oder sie tun etwas, und dann werden sie eingelocht.

Natürlich könnten solche Menschen, die ihren Mut meist auf irgendeiner Form von Bewaffnung aufbauen, in Rudeln gefährlich werden. Aber nicht in Zürich. Man kann Zürich für arrogant halten, unpersönlich, sogar etwas feindselig. Aber wir sind keine Idioten.Wir wollen keinen «Schutz» durch Menschen, die die elementarsten Grundlagen des Rechtsstaates nicht begriffen haben. Sollten Übergriffe seitens solcher Bürgerwehr-Mobs stattfinden, müssten sich die Bürgerwehren wohl schnell selbst um Schutz bemühen.

Natürlich gibts bei einige Akteuren aus dieser Szene auch ein grosses Gewaltpotential. Oft sind das Männer, die sich in einem der sichersten Ländern der Welt nur bewaffnet sicher fühlen. Kurz: Feiglinge. Und da Angst meist Gewalt gebiert, sollte man solche Ansammlungen von organisierten, verunsicherten Gewaltbereiten im Auge behalten.

Aber eben, ich fürchte mich im Gegensatz zu denen nicht. Ich kritisiere zwar ab und an unsere Stapo, aber ich zweifle nicht im Geringsten daran, dass die uns schützen kann.

Auch vor Bürgerwehren.

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