Tages-Anzeiger



Flirten in Zürich – der Stadtblog-Selbstversuch

Von Reda El Arbi Aktualisiert am Donnerstag, 18. April 2013
Zürich ist ein hartes Pflaster mit vielen schönen Frauen

Zürich ist ein hartes Pflaster mit vielen schönen Frauen

Von Reda El Arbi und David Sarasin

Im Grunde ist alles Kopfkino. Man sieht jemanden, die Dame gefällt und schon schwankt man zwischen Euphorie, Selbstzweifel und Überschätzung. Aber diese emotionale Achterbahn muss nicht so heftig ausfallen, erklärte uns Frau  «Flirt-Coach»  Wilkinson bei den Vorbereitungen, einen Tag vor unserem Selbstversuch. Man könne das besser machen. Selbst in einer Stadt wie Zürich, in der man mehr kalte Schultern sieht als in jedem Vampirfilm. Unsere Fragen an sie waren so naiv wie notwendig:

Frau Wilkinson, wann weiss man, ob eine Frau am Flirt interessiert ist?
Wenn man dreimal Blicke ausgetauscht hat, im besten Fall auch ein Lächeln.

Also starre ich die Dame an?
Das nun auch wieder nicht.

Darf man hingehen und sagen: «Hoi, wie gahts?»
Ich würde das vermeiden, sprechen sie lieber die Umgebung an: die Musik, die Menschen! Vermeiden sie zu ernste Themen, Politik, Religion oder Krieg.

Und wenn man zu unsicher ist?
Am Besten zu seiner Unsicherheit stehen und sie ansprechen, denn alle sind unsicher.

Also Schweissflecken am Hemd zeigen und stottern?
Das auch wieder nicht!

Wann weiss ich im Gespräch, ob es sich lohnt weiterzumachen?
Achten sie auf die Körpersprache. Ob sie sich in die Haare fährt, ob sie eine offene Haltung einnimmt, den Kopf kokett schräg hält, alles kann auf das Interesse der Frau hinweisen. Im Gegensatz dazu verheissen eine abgewandte Haltung oder verschränkte Arme nichts Gutes.

Also, auf  in den Feldversuch!

Mit diesen Anweisungen starten wir unser Experiment. Samstagabend, die Sonne scheint – in der 01-Bar am Limmatquai setzen wir uns an einen Tisch. Um uns sind alle Tische besetzt.

Sarasin (nach fünf Minuten):
Mit der da habe ich schon zweimal Blicke ausgetauscht. Wie viel Mal hat Frau Wilkinson gesagt?

El Arbi (dreht sich um):
Drei. Ich glaube aber, der Typ neben ihr ist ihr Freund. Sie sonnt nur ihr Ego in unseren Blicken.

Sarasin:
Ich glaube eher, sie ist schon ein bisschen verliebt in mich.

El Arbi:
Obwohl sie zu mir schaut?

Wir wollen klären, wer von uns beiden Chancen hätte. Klar bricht sie uns das Herz, als sie sagt, sie habe uns nicht mal aus dem Augenwinkel bemerkt. Klar finden wir in einem Anflug von Grössenwahn, sie lüge wie gedruckt. Klar war das ein schlechter Start. Wir verlassen die Bar  und wechseln in ein etwas «posheres» Lokal Nähe der Bahnhofstrasse. Das klassische Setting: Drei Frauen am Stehtischchen. Wir setzen uns daneben an die Bar, gucken und zählen die erwiderten Blicke. Beide diesmal. Eine schaut. Zu uns? Zur Bar? Will sie bestellen? Neue Taktik: Wir tun nun so, als würden wir uns vollauf genügen, denn Bedürftigkeit auszustrahlen sei ein grober Fehler, wie unser Coach ebenfalls sagte. Als wir doch wieder zum Nachbartisch schielen, steht bereits ein Konkurrent im Kappa-T-Shirt dort und unterhält das Trio scheinbar blendend. Ein Kappa-T-Shirt! Wir gehen!

In der Central-Bar im Kreis 4 dann folgende Szene: El Arbi spricht seine Nachbarinnen an – ohne auch nur Blicke gezählt zu haben. Es wären sowieso null gewesen, meint Sarasin. El Arbi wagt es trotzdem, stürzt dummerweise aber bereits nach der Einstiegsfrage ab: «Kommst du aus Bern?» – mehr fällt ihm spontan einfach nicht ein.

Noch eine halbe Stunde später wird er behaupten, er wäre bei den Beiden weiter gekommen, wenn sie ihm nur etwas mehr Zeit gegeben hätten. Den Rest des Abends flirteten wir dann mit der Barfrau, zwischen uns freilich stets der schützende Tresen aus Holz.

Was wir gelernt haben? 1. Flirts misslingen eher, als dass sie gelingen. 2. Absagen einstecken schmerzt mit der Zeit weniger. 3. Grössenwahn und Unsicherheit wechseln sich ab – es hilft jedoch, sowohl das Eine wie auch das Andere nicht allzu deutlich zu zeigen. 4. Alkohol hilft auch. 5. Die Welt ist ungerecht.

Helfen tun wir damit niemandem, schon klar. Aber wenigstens wissen die Männer da draussen, dass sie in ihrem Versagen nicht alleine sind. Doch auch wenn wir an dem Abend nichts erreicht haben, am Ende waren wir uns in einem Anflug von tröstlicher Selbstüberschätzung einig: eigentlich hätten wir jede haben können.

Party-Crash im Problemviertel

Von David Sarasin Aktualisiert am Montag, 15. April 2013
Drinnen ist Party, draussen herrscht nicht Morgen-, sondern Abenddämmerung.

Drinnen ist Party, draussen herrscht nicht Morgen-, sondern Abenddämmerung.

Samstagabend in Zürich: Vier Polizisten sind nötig, um den jungen Mann (kräftig, kahlgeschoren, Typ Schweizer) abzuschleppen. Obwohl er in Handschellen ist, windet er sich, tritt mit den Beinen in alle Richtungen und beschimpft die Beamten mit den Worten: «Wenn ich euch noch einmal wieder sehe, schiesse ich euch eine Kugel in den Kopf!» – «Sowas sollten Sie aber nicht zu uns sagen», erwiderte die Polizistin freundlich und unbeeindruckt. Sie ist sichtlich um Deeskalation bemüht. Die Leute gaffen.

Solche Szenen finden sicher Wochenende für Wochenende statt, denkt man. Doch etwas ist an dem Vorfall besonders. Denn eingangs Beschriebenes ereignete sich nicht morgens um fünf in den Ausgangs-Kreisen 4 und 5 – während der «Stunde der Idioten», wie die Polizei es nennt – sondern um 21 Uhr in jenem Quartier, wo die Leute gerne ihre Statussymbolen ausführen: im Kreis 1. Nicht im «Balkanviertel», wie einige das Ausgangsquartier in Zürich West verächtlich nennen, sondern im Bankenviertel also – doch dieser Witz hat einen bitteren Nebengeschmack.

Selbst die Polizei attestierte: «Solche Einsätze fahren wir gewöhnlich erst später in der Nacht». Vor diesem Lokal aber findet das Nachtleben zeitlich verschoben satt, denn man öffnet die Pforten schon um 15 Uhr am Nachmittag. 21 Uhr entspricht somit  fünf Uhr morgens in einem Club, der erst um 23 Uhr öffnet. Wir jedenfalls haben seit unserer Pubertät nicht mehr so früh am Abend so viele sturzbetrunkene Leute, am Boden kauernde, weinende Mädchen, zerschellte Gläser und stets sich anbahnende Raufereien gesehen, ungelogen. Würden da nicht ein Maserati und ein Jaguar in gefährlicher Reichweite der Schlägerei parken, man wähnte sich in einem Hinterhof in Baltimore in der Fernsehserie «The Wire».  Aber es ist ja nur ein uns unbekannter Teil des Zürcher Nachtlebens, einfach bereits am frühen Abend. Wir flüchteten in den Kreis 4, direkt an die Langstrasse, wo wir uns schon wieder viel sicherer fühlten.

Patrouille Suisse ans Sechseläuten!

Von Reda El Arbi Aktualisiert am Freitag, 12. April 2013
Effektive Waffe gegen den Winter: Die Patrouille Suisse

Effektive Waffe gegen den Winter: Die Patrouille Suisse

Es macht durchaus Sinn, dass eine Stadt, die eine 2000-Watt-Gesellschaft anstrebt, am Zürifest keine Düsenjäger fliegen lässt, die stündlich Tonnen von Kerosin verbrennen. Stattdessen lässt man die Helikopter fliegen, die nur ein bisschen mehr als eine halbe Tonne Treibstoff pro Stunde verbrennen. Wie gesagt, Zürifest ohne Patrouille Suisse ist löblich und umweltgerecht.

Aber wie siehts mit dem Sechseläuten am nächsten Montag aus? Das wäre doch der ideale Einsatzort für CO2-produzierende Himmelstürmer! Da wir mit dem Verbrennen des Bööggs ja nichts anderes bezwecken, als den Winter zu vertreiben, wären doch Massnahmen zur Klimaerwärmung angebracht. Jedes Jahr, konsequent seit 1868, verbrennen wir inbrünstig den einen Böögg. Und das ohne ersichtliche Wirkung. Der Winter kommt jedes Jahr wieder.

Und natürlich kommt der Winter jedes Jahr wieder. Das bisschen CO2, das am Sechseläuten-Feuer entsteht, kann ja nicht nachhaltig zur Klimaerwärmung führen. Vor Allem, da die Stadt ja gleichzeitig die Innenstadt für den Verkehr sperrt. Das gleicht sich doch grad wieder aus. Und die Methanbelastung durch Pferdefürze des Zunftumzugs fällt da nicht ins Gewicht. Sicher würden aber die mehr als 4000 Liter Kerosin, die so ein Tiger II stündlich verbrennt, positive Wirkung zeigen.

Natürlich gibst Leute, die behaupten, das Sechseläuten habe rein gar nichts mit der CO2-Belastung zu tun. Es sei alles mehr symbolisch, benahe esoterisch. Die Zürcher machen sich eine symbolische Puppe des  Winters und verbrennen sie dann, um dem Winter Angst zu machen und ihn zu vertreiben. Eine Art Voralpen-Voodoo also. Aber, liebe Puppenverbrenner, wir leben im 21. Jahrhundert! Wenn wir dem Winter schon Angst machen wollen, dann sicher nicht mit dem Verbrennen einer Symbolfigur.

Da müssen wir schon richtige Geschütz auffahren! Da müssen wir zeigen, dass wir ein einig Volk sind, dass für seinen Frühling zu kämpfen weiss! Und genau da kommt die Patrouille Suisse wieder ins Spiel. Mit den Kriegsflugis zeigen wir, dass wir den Winter auch in seinem Daheim, im kalten Himmel, mühelos erreichen können.

Eigentlich sollte die Patrouille nicht nur fliegen, sondern direkt Raketen in den Himmel schiessen. Und das schon ab Dezember. Aber es besteht ja Hoffnung: Dieses Jahr machen Ueli Maurers Mannen ja genau auf den Sechseläuten-Montag hin erste Versuche mit dem neuen Gripen. Wir glauben zwar nicht. dass das neue Flugi furchteinflössend genug ist, aber es ist immerhin ein Anfang!

Rechtsnationale an der Street Parade?

Von Reda El Arbi Aktualisiert am Donnerstag, 11. April 2013
Swissness mit schalem Beigeschmack: «Eidgenoss» aus Basel

Swissness mit schalem Beigeschmack: «Eidgenoss» aus Basel

Heute machte folgende Nachricht die Runde: «Eidgenoss», das  freundliche Label mit der (in der rechtsnationalen Szene beliebten) gotischen Schrift, hat eine provisorische Zusage erhalten, mit eigenem Love Mobile an der Street Parade teilzunehmen, die in diesem Jahr das Motto «Dance for Freedom» trägt.

Doch denkt man beim Event- und Kleider-Label «Eidgenoss» nicht zuerst an Freiheit oder  abgespacte Raves und tanzende Nakedeis, sondern eher an Marschmusik, nationales Getümmele und an träfe Burschen mit Glatzen. Doch DJ Roger M., der Mann hinter «Eidgenoss», sieht das ganz anders. Er wehrt sich vehement dagegen, dass sich irgendwelche Rechtsradikalen, Nazis oder Fremdenhasser mit seinen Kleidern schmücken. Er betreibt ja schliesslich nicht nur ein Kleiderlabel, sondern organisiert auch Techno-Partys und legt selbst auf.

Naja, ein Blick in seine Facebook-Likes zerstreut unser Befürchtungen nicht. Folgende Gruppen und Seiten findet er besonders gut:

- Ich bin stolz auf das JA zur Ausschaffungsinitiative,
- Ausschaffungs Initiative – Unsere grosse Chance
- Wir stehen zu unserer Schweiz und sind stolz darauf!
- Alle kriminellen Ausländer müssen ausgeschafft werden!
- *Schwiiz*-mini Heimat, mis Läbe..ich blieb Dir treu!
- Burka? NEIN! Sharia? NEIN! Minarett? NEIN!-Und dazu steh ich!!!

Joel Meier von der Street Parade sieht indes keinen Zusammenhang von «Eidgenoss» und einem rechtsnationalen Umfeld: «Natürlich haben wir die Anmeldungen sorgfältig geprüft. Wir wollen keine politische Propaganda an der Street Parade. Bis jetzt haben wir keine Verbindungen zwischen dem Label «Eidgenoss» und rechtsradikaler Propaganda gefunden.»

Nun gut. Wir könnten den Street Parade-Machern  Ignoranz vorwerfen, aber vielleicht gehts ja auch nur noch ums Geld bei dem Grossanlass. Und vielleicht kriegen wir das Label, das bei uns ein wirklich ungutes Gefühl verursacht, von einer anderen Seite her zu fassen. Denn selbst wenn man von einer möglichen Rechtsaussen-Verbindung von Roger M. absieht, zeigen sich da Unvereinbarkeiten mit dem grössten Zürcher Anlass: Eine weitere Seite, die der Basler M. auf Facebook geliked hat, und die ihm die Teilnahme an der Street Parade ebenfalls erschweren müsste, war folgende: «I HATE ZURICH» In der Stadt wird sich der Basler DJ damit wohl wenig Freunde machen.

Nachtrag: Eben erreichte uns seitens der Street Parade-Organisation die Nachricht, dass «Eidgenoss» sein Love Mobil von der Street Parade zurückgezogen hat – ganze vier Monate vor dem tatsächlichen Start des Umzuges. Nicht schlecht. Ob das was mit unseren Recherchen zu tun hat, wissen wir nicht. Wir gratulieren aber der Marke zum klügsten Schritt ihrer stolzen Firmengeschichte.

Nachtrag II: Wie das Label «Eidgenoss» heute abend auf seiner Homepage bekannt gibt, wollen die Macher das Label umbenennen. Hauptsächlich, weil man es immer mit «politischer Motivation» in Verbindung bringt. (Wir denken, dass es eher die politischen Statements des Machers sind, die es mit politischer Motivation in Verbindung bringt). Hier der Link zur Seite.

Die unbesungenen Helden der Stadt

Von Stadtblog-Redaktion Aktualisiert am Mittwoch, 10. April 2013
Unter dem Alltagsgewand versteckt sich so mancher Alltagsheld.

Unter dem Alltagsgewand versteckt sich so mancher Alltagsheld.

Zürich ist gespickt mit Alltagshelden. Der Stadtblog macht nun eine unregelmässige Serie, in der einzelne Redaktoren ihre persönlichen Helden vorstellen. Den Anfang macht Alexander Kühn, Sportredaktor und Sportblogger bei Newsnet.ch. Die Leser dürfen natürlich ihren persönlichen Helden in den Kommentaren ein Denkmal setzen!

Alex Helden-Olymp:

1. Die Verkäufer der Denner-Filiale am Stauffacher, die Tag für Tag die wohl schwierigste Klientel der Stadt bedienen, jeden Kunden wie den sprichwörtlichen König behandeln, geduldig mit alten Damen Smalltalk halten (ohne an Tempo einzubüssen ) und dafür sorgen, dass der Kühlschrank immer rappelvoll mit eiskalten Cola-Dosen ist.

Wir wünschen ihnen eine Gehaltserhöhung – und zwar eine saftige.

2. Die Chauffeure des Sechsertrams, die an der Haltestelle Bahnhofstrasse/Hauptbahnhof nachmittags um 17.30 Uhr noch einmal die vorderste Tür öffnen, wenn man im Regen unter Aufbietung der letzten Kräfte durch Trauben von Bankangestellten sprintet und flehentlich Richtung Führerhäuschen blickt.

Wir wünschen ihnen eine zusätzliche Ferienwoche und für den Sommer einen Cabrio-Arbeitsplatz.

3. Der Kellner aus dem Restaurant Aargauerhof an der Langstrasse, der aussieht wie Hakan Yakin, im Gegensatz zu vielen seiner Berufskollegen immer gut aufgelegt ist, zwischen einer Cola mit Eis, aber ohne Zitrone und einer Cola ohne Eis, aber mit Zitrone unterscheiden kann, niemals die Salatsaucen verwechselt und sich sogar daran erinnert, was regelmässige Gäste gewöhnlich bestellen.

Wir wünschen ihm eine VIP-Einladung an die Fussball-WM 2014 in Brasilien.

4. Der Pressechef des FC Zürich, der auf die bisweilen etwas fiesen Fussball-Blogs des Autors dieser Zeilen nicht mit bösen Worten, sondern mit einer süssen Überraschung reagierte und zu Ostern eine Schoggihasen namens Lampino auf die Redaktion bringen liess.

Wir wünschen ihm, dass der FCZ bald einen brasilianischen Stürmer findet, der ebenfalls Lampino heisst und im Letzigrund die Netze der Gegner füllt wie Meister Lampe die Osternester verwöhnter Zürichbergkinder.

5. Der Genius, der diesen unglaublich luftigen Quarkkuchen fabriziert, den es in der Vierlinden-Bäckerei an der Gemeindestrasse beim Hottingerplatz zu kaufen gibt. Er lässt uns in einer Welt pappsüss-fettiger Cheese-Cake-Dominanz aus Übersee daran glauben, dass das kulinarische Geschick der Stadt doch noch zu retten ist.

Wir wünschen ihm jeden Morgen ein reichhaltiges Frühstück, damit er nicht auf die Idee kommt, den Quarkkuchen selber zu essen.

6. Die Damen von ZüriWC, die dafür sorgen, dass die öffentlichen Toiletten im Bauch des Paradeplatz stets sauber sind und glänzen wie ein noch von Philipp Hildebrand höchstpersönlich polierter Goldbarren aus dem Tresor der Nationalbank. Dank ihnen muss keiner seine Notdurft heimlich in einem der umliegenden Restaurants verrichten.

Wir wünschen ihnen eine ganze Rolle Tausendernoten, damit sie nach dem Putzen einmal richtig auf den Putz hauen können.

7. Die UBS (ja, Sie haben richtig gelesen), weil sie am Central eine wunderbare Automatenhalle betreibt, die einen bei Kälte und Nässe davor bewahrt, im Freien fröstelnd auf Bus oder Tram zu warten.

Wir wünschen ihr ein Jahr ohne weitere Skandale und Klagen aus den USA, damit das Geld auch im kommenden Winter noch für das Heizöl reicht.

Die Südkurve & die Presse

Von Reda El Arbi Aktualisiert am Montag, 8. April 2013
So viele Fans, aber keiner der sich öffentlich äussern darf?

So viele Fans, aber keiner der sich öffentlich äussern darf?

Ein Kommentar von Reda El Arbi:

Die FCZ-Fans der Südkurve haben ein gespanntes Verhältnis zur Presse. Egal, wer was über die Zürcher Fankultur schreibt, er oder sie muss damit rechnen, in Foren und Kommentarspalten niedergebrüllt zu werden. Es kam auch schon zu handfesten Drohungen («Wir wissen, wo du wohnst!» und «Wehe, du lässt dich am Match blicken!») und Übergriffen auf Journalisten. Natürlich lassen sich nur vereinzelte Vertreter der Südkurve zu solchen Aktionen hinreissen. Es gibt auch Journalisten mit Zugang zur Fangemeinde, aber nicht einmal die schaffen es, für die Fans zufriedenstellend über die Fankultur zu berichten.

Wir vom Stadtblog dachten deshalb, eine «Carte Blanche», eine unzensierte Plattform in unserem Blog, sei vielleicht eine Lösung für die Presseschwierigkeiten der Fans. Wir wollten keinen offiziellen Clubvertreter, keinen Pressesprecher und keinen PR-Fuzzi. Wir wollten einen einfachen Fan, der einem Fanclub angehört und hier in unserem Kanal einmal frei seine individuelle Meinung äussern sollte. Einzige Bedingung: Der oder die Schreibende musste mit Gesicht und Namen zu der eigenen Meinung stehen.

Nun, das scheint unmöglich zu sein. Vor einem halben Jahr streckten wir zum ersten Mal die Fühler aus und erhielten nur Absagen. Anonym wollten sich die Südkürvler schon äussern, aber mit Namen und Bild? Niemals. (Natürlich sind wir nicht jeden Fan persönlich angegangen, aber wir haben nachhaltig nachgefragt.)

Jetzt, wo das Hooligan-Konkordat die Fan-Gemeinde bedroht, griffen wir die Idee wieder auf und kontaktierten einige Leute in der Fan-Subkultur. Wieder hiess es: «Anonym» oder «Wir haben die Anweisung, keine Namen, keine Bilder» oder «Die anderen Fans würden das nicht verstehen.»

In den meisten Fanclubs gilt intern die Anweisung: «Sprecht nicht mit der Presse.» Hm, da wunderts mich dann auch nicht, dass die Beziehung zwischen Presse und Südkurve etwas schwierig ist. Wenn die Clubs eine Omertà ausrufen und der Gruppendruck so stark ist, dass sich die Mitglieder nicht mehr getrauen, eine eigene, individuelle Meinung öffentlich zu äussern. Und auch dazu zu stehen. Wie gesagt, Meinungen gibts genug, in Kommentarspalten und im FCZ-Forum. Meist halten die Leute sich aber bedeckt, was ihre Identität angeht.

Was wir nicht verstehen, ist, dass die Fanclubs sich so verhalten, als seien sie  kriminelle Vereinigungen. Sind sie aber nicht. Es braucht für einen Fussballfan, der seine Meinung sagen will, keinen Quellenschutz, es braucht keine Anonymität, es braucht kein Zeugenschutzprogramm. Auch wenn die alten Herren der Fanszene sich gerne «Capo» nennen lassen: Ein Fanclub ist keine Mafia. Auch wenns romantisch ist, ein bisschen so zu tun als ob.

Also, liebe FCZ-Fans: Das Angebot steht noch. Ihr kriegt eine «Carte Blanche», wenn ihr mit Namen und Gesicht zu eurer Meinung stehen könnt. Meldet euch bei uns.

 

Morgens um elf im Velokafi

Von David Sarasin Aktualisiert am Freitag, 5. April 2013

Hallo Velokafi! Nicht immer sitzt man gleich bequem beim Kaffeetrinken.

Neu gibt es auf dem Trottoir beim Rathaus ein Velokafi. Wie der TA bereits berichtete, darf man aber auf dem Weg dahin nicht fahren. Und ausserdem bezahlte die Stadt dafür viel Geld. Zeit also, da mal kurz hinzufahren.

Als gebranntes Kind – die Polizei hatte mir einst am Limmatquai eine Busse fürs Falschfahren aufgebrummt – stieg ich diesmal rechtzeitig von meinem Velo und schritt zu Fuss über das Kopfsteinpflaster zu diesem Holztisch, an dem man sich samt Gefährt niederlassen kann. Das zweite Gestell neben mir bleibt frei.

Der Slogan des Velokafi lautet: «Anefahre. Lüüte. Käfele.» Beim ersten Punkt scheitere ich automatisch, weil man ja nicht übers Trottoir fahren darf, beim zweiten möchte ich punkten – und klingele. Einmal… zweimal… dreimal… Die Passanten schauen herüber. Viermal… «Es kommt grad jemand!», versichert eine unbeteiligte Frau im Vorbeigehen. Tatsächlich rauscht kurz darauf ein junger Mann mit Piercing und orangem Shirt heran, freundlich offeriert er mir einen Kaffeegutschein, womit ich mein Getränk mit 1.50 Rabatt erhalte. Danke.

Das Velo ist ja generell kein Ort der würdigen Posen. Frauen sitzen entweder kerzengerade auf ihrem Damenrad, als ritten sie auf einem Schimmel durchs Wattenmeer, oder, falls es sich um ein Rennvelo handelt, liegen sie darauf in expliziter Pose, Hintern herausgestreckt, Brüste wie Glocken. Gleichgültige Männer dagegen pedalen meistens in zu kleinem Gang auf zu kleinen Rädern durch die Stadt, andere rasen überambitioniert und getrieben von irgendeiner Sorte Ehrgeiz, die man nicht kennt. Viele Radfahrer tragen dazu noch: Helm. Im Velokafi muss man, um nicht umzufallen, die Beine derart spreizen, dass man, sässe man im Tram, für andere Fahrgäste ein ästhetisches Ärgernis wäre.

Nach fünf Minuten wird es unbequem. Mein Gesäss halte ich durch ständiges Umherrutschen schmerzfrei. Neben mir auf dem Gehsteig richten Polizisten derweil eine Art Infozelt ein. Ich frage die diensthabende Beamtin, ob der Drive-in nicht eher Walk-in heissen müsste. Sie lächelt und bejaht gleichgültig. «Im Grunde schon», sagt sie in jenem trockenen Tonfall, wie ihn fast nur Polizisten besitzen.

Der Kaffee schmeckt nicht besonders, oder halt so, wie durchschnittlicher Kaffee schmeckt: dünn. Der Geräuschpegel um mich herum besteht aus einem Paletttrolli, der über Kopfsteinpflaster rumpelt, dem Klacksen von Absätzen auf Stein und ausserdem aus Trams, die im 5-Minuten-Takt heranrollen – und seitlich bei mir stoppen. Was die Fahrgäste natürlich zum Gaffen animiert. Würde es mich ja auch, sässe ich etwas erhöht und hinter einer Glasscheibe – und nicht auf einer viel zu kleinen Rasselkiste am Kaffee trinken.

Nach zehn Minuten ist der Spass vorbei. Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt. Das zwickende Gesäss rechne ich dem alten Sattel zu. Weil mein Arsch nun etwas Pause benötigt, stosse ich das Gefährt erst mal ein paar Meter durch die Altstadt – und denke einen Moment lang übers Scheitern nach.

Die Sicht vom Velokafi aus auf die Altstadt.

Neu in der Stadt

Von David Sarasin Aktualisiert am Dienstag, 2. April 2013

Unsere allseits beliebte Sammlung mit Neueröffnungen in der Stadt. Diesmal erweitert um ein Buch, eine neue Partyreihe und eine neue CD.

Raygrodski
Seit die Weststrasse 30er-Zone ist, gibt es Platz für Neues im Quartier. Etwa für den verkehrsberuhigten Brupbacher-Platz beim Lochergut. Oder neuer auch für die am neuen Platz gelegene Bar mit dem Namen Raygrodski. Hier sind die Barkeeper adrett gekleidet und die Drinks gut gemixt. Ausserdem gibt’s im Raygrodski jede Woche DJs. Eine gute Adresse halt. Sihlfeldstrasse 49, 8003 Zürich. Mittwoch bis Samstag ab 17 Uhr
www.raygrodski.ch

Meinwein
Kürzlich haben wir einen neuen Weinladen gleich an der Ecke Dienerstrasse/Nietengasse entdeckt. Da sich die Preise im Meinwein zwischen 9 und 120 Franken bewegen, sollte es für jeden etwas dabei haben. Wer also mal in der Gegend ist: reinschauen im netten Quartierladen!
Dienerstrasse 68www.meinwein.biz

Abart-Buch
Das Abart ist seit dem 31. Dezember 2012 Geschichte. Und als solche gehört es dokumentiert. Das ist jetzt passiert auf über 150 Seiten mit Bildern, Anekdoten, unzähligen Flyern und Erinnerungen an den wichtigsten Rock-Club, den Zürich je besessen hat. Das Buch kostet 48 Franken und ist in der Buchhandlung Ihres Vetrauens oder direkt über den Verlag erhältlich. www.salisverlag.com

Komplex-Club
Drei Jahre nach der Eröfnung der Konzerthalle Komplex 457 in Altstetten eröffnen die Betreiber im selben Haus einen Club. Im Kellergeschoss des ehemaligen Cabaret Dollhouse werden ab nächstem Freitag unterschiedliche Veranstalter mit Partys aufwarten, die von Rock über Dubstep bis hin zu Elektro reichen sollten. Ausserdem werden im rund 400 Leuten fassenden Lokal wöchentlich Konzerte über die Bühne gehen. Diesen Freitag ist Eröffnung.
Komplex Club, Hohlstrasse 457. www.komplex-club.ch

Tanzdiele
Der Konzertraum Stall 6 ist zwar bekannt für Experimente, doch eine Party, bei der nur Deutsche Popmusik gelaufen wäre, gab es noch nie. Wer nun an Schlager, NDW oder generell Hossa Hossa denkt liegt falsch. Hildegard Knef, Hamburger Schule, Kraftwerk und weitere Bands mit Klasse und Stil werden an dem Abend gefeiert. Ein schöne Idee, finden wir! Freitag 2. April, ab 22 Uhr. Stall 6. stall6.ch

Yuri Member
Neue Musik aus Zürich: Manfred Hirt ist ehemaliger Gitarist und Songwriter der Zürcher Indie-Institution Gabardine. Mit anderen Musikern hat er sich nun zur Band Yuri Member formiert. Und spielt liebevoll komponierten, schwelgerisch-schwebenden Pop. Das Album Do ist bei Ikarus Records erschienen. yurimember.bandcamp.com

Einzelner Frühlingstag gefunden!

Von Reda El Arbi Aktualisiert am Montag, 1. April 2013
Unbeaufsichtig in der Stadt unterwegs: Der Frühlingstag
Unbeaufsichtig in der Stadt unterwegs: Der Frühlingstag

 

«Wir hatten zwar davon gehört, aber es war ganz anders, es mit eigenen Augen zu sehen» und «Wir dachten nichts Böses und plötzlich war er da, draussen, direkt vor dem Fenster», lauteten die erschrockenen Zeugenaussagen heute in der Zürcher Innenstadt.

Der Zürcher Frühlingstag, ein Ostermontag, gilt bei den Fachleuten als Einzelgänger. Dass er gerade heute in der Stadt war, kam für die meisten Zürcher überraschend. Offenbar hatte er sich nicht angekündigt, so dass viele Stadtzürcher über Ostern auszogen, um einen seiner Kollegen im Süden zu besuchen.

Die in der Stadt Zurückgebliebenen waren völlig überrascht und überfordert. Der Stadtblog hörte von Gerüchten, dass Krankenwagen mit Beruhigungsspritzen ausrücken mussten. Leider gibts noch keine Bestätigung von Schutz & Rettung Zürich.

Die meisten Stadtzürcher konnten aber nach anfänglichem Schock mit der Situation umgehen und nach den ersten Stunden Gewöhnung konnte man sogar vereinzelt freundliche Gesichter sehen.  Je mehr der Frühlingstag sich durch die Stadt bewegte, um so öfter begegnete man einem Lächeln. Gegen Abend machten sich sogar Dauergrinsen und lautes Lachen bemerkbar. Der Stadtblog warnt: Fröhliches Frühlingsverhalten gilt allgemein als ansteckend.

Wir vom Stadtblog bleiben dran und halten Sie auf dem Laufenden. Sollten Sie einem Frühlingstag oder Hinweisen auf Sonnenschein begegnen: sachdienliche Hinweise bitte direkt an den Stadtblog.

Test the Rabbit

Von Reda El Arbi Aktualisiert am Mittwoch, 27. März 2013
Hasen: (v.l): Migros, 2.50 Sfr - Coop, 2.95 Sfr - Sprüngli, 10 Sfr - Honold, 17 Sfr - Teuscher, 20.50 Sfr

Hasen: (v.l): Migros, 2.50 Sfr - Coop, 2.95 Sfr - Sprüngli, 10 Sfr - Honold, 17 Sfr - Teuscher, 20.50 Sfr

Vergessen Sie das Wetter! Der ultimative Startschuss für den Frühling kommt mit den Schoggi-Osterhasen, die unfairerweise die Frühlingsdiäten sabotieren. Der Stadtblog hat fünf klassische Hasen in der Redaktion zum Abschuss freigegeben und 12 Redaktoren subjektiv testen lassen. Drei aus den bekanntesten Zürcher Confiserien Teuscher, Honold und Sprüngli und zwei der grossen Detailhändler Migros und Coop. Hier unsere Beurteilung:

 Platz 1

Mit einem Kampfgewicht von 100 Gramm und kleinen weissen Verzierungen siegte in unserem Redaktionstest eindeutig der Sitzhase von Sprüngli. Er konnte quer durch alle Schoggi-Vorlieben am meisten Punkte einheimsen. Aussagen dazu: «Cremig, nicht zu süss» und «Klassische Osterhasenschoggi». Preislich steht er mit 10 Franken genau im Mittelfeld. Im schönen Sprüngli-Täschchen mit etwas Ostergrün wird er auch ansprechend verkauft.

Platz 2

Timo, ein 80 Gramm-Leichtgewicht von der Migros, schaffte es auf Platz 2. Optisch nicht besonders beeindruckend, ging der Hase trotzdem mit einem leichten Vorteil ins Rennen: Viele der Tester sind mit dem Migros-Hasen gross geworden und verbinden den Geschmack seit ihrer Kindheit mit Ostern. Auch hier werden Milchgeschmack und nicht übermässiger Zucker als positiv angeführt. Der Hase ist mit 2.50 Franken der Billigste und für Kinder wohl immer noch der angemessendste Schoggihaas: Preis/Leistung ist unschlagbar.

Platz 3/4

Den dritten Platz müssen sich die beiden teuersten Hasen teilen: Der sehr schöne Hase, 20.50 Sfr, von Teuscher (schwer, aber ohne Gewichtsangabe) und der berühmte Hase vom Honold, 17 Sfr, ebenfalls ohne Gewichtsangabe, schneiden bei unseren redaktionellen Testessern durchmischt ab. Beide haben Eines gemeinsam: Entweder mal liebt sie, oder man hasst sie. Die Schokolade ist sicher hochwertig, bewegt sich aber nicht im Mainstream-Geschmack für Osterhasen. Was bei Pralinen funktioniert, nämlich exquisite Spezialschoggi, führt beim klassischen Osterhasen zu Irritation über den Geschmack: Jeder hat eine ganz klare Vorstellung, wie Osterhasen schmecken sollen. Und da fallen Spezialitäten aus dem Rahmen. Beide Hasen kann man als schönes Präsent verschenken, aber eher an Erwachsene als an Kinder.

Platz 5

Weit abgeschlagen sitzt der Hase von Coop. Fast alle Testesser beanstandeten den hohen Zuckergehalt (45%), den man klar rausschmeckte. Auch die blässliche Farbe und die unsorgfältige Gussform wurden bemängelt. Alles in allem kam der Billighase  (2.95 Sfr) ziemlich ungeschoren davon: die Tester knabberten nur kurz an den Ohren um sich dann wieder über die anderen Hasen herzumachen.

Weitere Hasen:
Natürlich konnten wir in unserem Test nicht alle Hasen berücksichtigen, uns war schon nach diesen Fünf schlecht. Aber: Sie haben einen anderen Lieblingshasen? Empfehlung in die Kommentare!

Testanordnung:
Unsere Testanordnung war empirisch und unanfechtbar: die Bedingungen wurden von einem Redaktionsmitglied festgelegt, das jemanden kennt, der mit jemandem verheiratet ist, dessen Kollege sich gut mit wissenschaftlichen Mess-Anordnungen auskennt. Darüber wird keine Korrespondenz geführt. 

Den Rest bekamen die armen Journalisten, die nicht am Test teilnehmen durften.

Den Rest bekamen die armen Journalisten, die nicht am Test teilnehmen durften.


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