Tages-Anzeiger



Archiv für die Kategorie „Sport“

Die Südkurve & die Presse

Reda El Arbi am Montag den 8. April 2013
So viele Fans, aber keiner der sich öffentlich äussern darf?

So viele Fans, aber keiner der sich öffentlich äussern darf?

Ein Kommentar von Reda El Arbi:

Die FCZ-Fans der Südkurve haben ein gespanntes Verhältnis zur Presse. Egal, wer was über die Zürcher Fankultur schreibt, er oder sie muss damit rechnen, in Foren und Kommentarspalten niedergebrüllt zu werden. Es kam auch schon zu handfesten Drohungen («Wir wissen, wo du wohnst!» und «Wehe, du lässt dich am Match blicken!») und Übergriffen auf Journalisten. Natürlich lassen sich nur vereinzelte Vertreter der Südkurve zu solchen Aktionen hinreissen. Es gibt auch Journalisten mit Zugang zur Fangemeinde, aber nicht einmal die schaffen es, für die Fans zufriedenstellend über die Fankultur zu berichten.

Wir vom Stadtblog dachten deshalb, eine «Carte Blanche», eine unzensierte Plattform in unserem Blog, sei vielleicht eine Lösung für die Presseschwierigkeiten der Fans. Wir wollten keinen offiziellen Clubvertreter, keinen Pressesprecher und keinen PR-Fuzzi. Wir wollten einen einfachen Fan, der einem Fanclub angehört und hier in unserem Kanal einmal frei seine individuelle Meinung äussern sollte. Einzige Bedingung: Der oder die Schreibende musste mit Gesicht und Namen zu der eigenen Meinung stehen.

Nun, das scheint unmöglich zu sein. Vor einem halben Jahr streckten wir zum ersten Mal die Fühler aus und erhielten nur Absagen. Anonym wollten sich die Südkürvler schon äussern, aber mit Namen und Bild? Niemals. (Natürlich sind wir nicht jeden Fan persönlich angegangen, aber wir haben nachhaltig nachgefragt.)

Jetzt, wo das Hooligan-Konkordat die Fan-Gemeinde bedroht, griffen wir die Idee wieder auf und kontaktierten einige Leute in der Fan-Subkultur. Wieder hiess es: «Anonym» oder «Wir haben die Anweisung, keine Namen, keine Bilder» oder «Die anderen Fans würden das nicht verstehen.»

In den meisten Fanclubs gilt intern die Anweisung: «Sprecht nicht mit der Presse.» Hm, da wunderts mich dann auch nicht, dass die Beziehung zwischen Presse und Südkurve etwas schwierig ist. Wenn die Clubs eine Omertà ausrufen und der Gruppendruck so stark ist, dass sich die Mitglieder nicht mehr getrauen, eine eigene, individuelle Meinung öffentlich zu äussern. Und auch dazu zu stehen. Wie gesagt, Meinungen gibts genug, in Kommentarspalten und im FCZ-Forum. Meist halten die Leute sich aber bedeckt, was ihre Identität angeht.

Was wir nicht verstehen, ist, dass die Fanclubs sich so verhalten, als seien sie  kriminelle Vereinigungen. Sind sie aber nicht. Es braucht für einen Fussballfan, der seine Meinung sagen will, keinen Quellenschutz, es braucht keine Anonymität, es braucht kein Zeugenschutzprogramm. Auch wenn die alten Herren der Fanszene sich gerne «Capo» nennen lassen: Ein Fanclub ist keine Mafia. Auch wenns romantisch ist, ein bisschen so zu tun als ob.

Also, liebe FCZ-Fans: Das Angebot steht noch. Ihr kriegt eine «Carte Blanche», wenn ihr mit Namen und Gesicht zu eurer Meinung stehen könnt. Meldet euch bei uns.

 

Im Karacho runter in die Stadt

Reda El Arbi am Freitag den 25. Januar 2013
Mehr Tempo als erwartet: Schlitteln auf dem Üetliberg

Mehr Tempo als erwartet: Schlitteln auf dem Üetliberg

Es ist Freitagmittag, draussen liegt der Schnee, die Sonne blinzelt durch den ewigen Hochnebel und ich brauche dringend Mini-Winterferien. Nur, ich lebe mitten in Zürich, und das ohne Auto. Und ich will nicht erst drei Stunden irgendwohin fahren, um ein wenig Wintersportfeeling zu geniessen. Also, was mir bleibt, ist der Zürcher Hausberg. Ab in die SZU und rauf auf den Berg.

Oben angekommen, kann ich mir beim Restaurant an der Endstation (das Selbstbedienungs- nicht das Nobelrestaurant) einen Schlitten leihen. Für 20 Stutz pro Tag nicht mal besonders teuer. Der Wirt, der mir den Schlitten ausleiht, schaut ein wenig konsterniert auf mein Bürooutfit, händigt mir dann aber doch einen veritablen Davoserschlitten aus. Langsam steigt die Vorfreude.

Ich ziehe den Schlitten die paar Meter bis zum Start des Üetsgi-Schlittelweges hinter mir her und mach mir ein wenig Sorgen um meine Kamera und meinen Laptop in der Tasche. Doch an der Startlinie sehe ich eine Mutter, die ihr ca. zweijähriges Kind vorne auf den Schlitten packt. Wenn die das mit ihrem Kind wagt, dann kann ich wohl ruhig auch meine technische Ausrüstung riskieren.

Los gehts!

Los gehts!

Die ersten paar Meter sind ein wenig enttäuschend. Ich muss mit den Füssen nachhelfen und ärgere mich schon ein wenig. Ich seh mich bereits, den Schlitten bis zur Talstation zu ziehen. Aber nach einigen Metern gehts dann von selbst. Ich entspanne und hab bei gemütlichem Tempo Zeit, mir die verschneite Landschaft anzusehen und freundlich die Spaziergänger zu grüssen.

Dann aber, nach ungefähr einem halben Kilometer, gehts richtig los. Plötzlich brettere ich immer schneller den Weg entlang, immer steiler hinunter. Früher, als Bub, hätt ich wohl gejauchzt vor Freude. Jetzt war ich nur voll darauf konzentriert, den Schlitten nicht gegen einen Baum zu fahren und vor allem, auf dem Geschoss zu bleiben.

Der Autor versucht, trotz Geschwindigkeit die Fassung zu wahren und Bilder zu schiessen.

Der Autor versucht, trotz Geschwindigkeit die Fassung zu wahren und Bilder zu schiessen.

Irgendwann hat sich aber meine erwachsene, besorgte Geisteshaltung aufgelöst und ein breites Grinsen in mein Gesicht geschlichen. Ich werde von einigen Kids überholt und versuche, sie wieder einzuholen: ein veritables Schlittenrennen! Mein Tempo und meine Risikobereitschaft steigt. Ich vergesse, wer ich bin und was ich tun sollte. Es zählt nur noch Schlitten und Schnee. Zen oder die Kunst, Schlitten zu fahren. Die letzten 1.2 Kilometer rauschen nur so an mir vorbei.

Irgendwann komm ich dann beim Triemli an, und finde auch meinen Weg zurück in die Realität. Ich war wirklich für einen kurzen Augenblick ganz weit weg in den Skiferien. Nun musste ich nur noch den Schlitten wieder hochbringen. Das ist ein wenig aufwendig, es wär schön, wenn man das Teil bei der Talstation abgeben könnte. Aber ich bin viel zu gut gelaunt, um mich daran zu stören.

Wieder oben angekommen, hol ich mir einen Kaffee zum Mitnehmen und setz mich in den Zug. Mein kleines Abenteuer hat meinen Kopf so durchgelüftet, dass ich auf dem Rückweg sogar die tolle Aussicht wahrnehme und ganz entspannt geniessen kann. Noch immer mit einem Grinsen im Gesicht

Mein Tipp für gestresste Stadtzürcher: Einmal mit dem Schlitten vom Üetsgi runterbrettern erspart den Therapeuten.

 

Hallenbad City: Geregelter Verkehr
in den Kampfbahnen

David Sarasin am Dienstag den 22. Januar 2013

Noch ist nichts zu spüren vom Gerangel auf den Schwimmbahnen: Das Hallenbad kurz vor der Eröffnung. Bild: TA

Es waren lange zweieinhalb Jahre ohne Hallenbad City. Baumängel wurden geltend gemacht, die Eröffnung wiederholt verschoben. Nach Oerlikon reisten auch regelmässige Schwimmer in der ausgedehnten Trockenperiode nur selten: zu weit weg. Umso gespannter wartete man auf die Eröffnung des einzigen richtigen Stadtbades in Zürich am letzten Samstag. Und die Erwartungen waren riesig, schliesslich reichten zweieinhalb Jahre auch, um einen Prime Tower hochzuziehen.

Das einzige Bad in der City aber ist denkmalgeschützt. Was auch der Grund ist, warum man auf den ersten Blick im neuen Bad wenig Unterschiede zum vormaligen Bau ausmachen kann. Gut, die Umkleidekabinen sind heller und einladender als zuvor. Der Duschraum offener – fast zu offen, möchte man sagen, sieht man doch vom Schwimmbecken aus bisweilen direkt in die Dusche. Man werde den Mangel beheben, zitierte die «NZZ online» gestern die Verantwortlichen. Es war freilich nicht der erste Mangel am Gebäude.

Doch wieder zum Bad. Es ist schön geworden. Die Kacheln an der Wand sind strahlend weiss. Zudem ist das Dach in der Haupthalle offen und die Hygiene- und Energiestandards im ganzen Bad, so heisst es, sind auf dem neuesten Stand. Die Sache hat ja auch knappe 43 Millionen gekostet.

Das Schöne ist: Nach dem Umbau ist bloss alles wieder beim Alten. Und das ist mehr als genug. Endlich kann man selbst im tiefsten Winter auf der Bank wieder mitten in der Stadt in Badehosen vor sich hindösen. Endlich kann man für bloss sieben Franken wieder Bahn um Bahn ziehen und seinen Körper so gut es geht in Form bringen.

Wobei genau Letztgenanntes bei unserem ersten Besuch komplizierter ist als erwartet: «Für Schwimmende mit Wechselschlag (Crawl, Rücken-Crawl)» steht auf der Tafel vor zwei Bahnen. Vor einer anderen Bahn das Schild: «Für Schwimmende mit Gleichschlag (Brust, Rücken).» Also, Brustschwimmer auf der einen, Crawler auf der anderen Seite. Und eine Tempobahn und ein Freischwimmbecken für Menschen mit flauschigen Badekappen jeweils am Rand.

Nun, gut. Ich versuche erst mal mental zu erfassen, welches Gleich- und welches Wechselschlag ist. Ausserdem bemerke ich schnell, dass die Regeln grosszügig ignoriert werden. Also rasch rein ins Wasser – und los. Dann und wann Crawl und zwischendurch wieder Brust. So wie ichs zu tun pflege. Nichtregelkonformes Schwimmen für Anfänger einfach.

Doch wo es Regeln gibt, gibt es auch Wächter derselben. Und meistens sind diese Wächter nicht jene offiziellen Organe, die dazu befähigt wären, sie durchzusetzen, in diesem Fall die Bademeister. Nein, es ist ein älterer Crawlschwimmer, ein sehr langsamer notabene, der sagt: «Junger Mann, hier schwimmt man Crawl!»

Später frage ich die Bademeisterin, ob ich, wenn ich den Stil dann und wann wechsle, auch die Bahn wechseln müsste. «Theoretisch, ja», sagt sie. Ich hake nach: «Auch wenn ich mit Brust mindestens gleich schnell bin wie die meisten Crawler hier?» «Theoretisch, ja». ihre wiederholte Antwort. Auf die Frage, warum dies so sei, antwortet sie: «Weil es schwieriger ist, einen Brustschwimmer zu überholen». Hm. Sie relativiert: «Wir testen das nun mal so, wenns nicht klappt, machen wirs wieder anders.»

Generell ist es wunderbar, hat das Hallenbad wieder geöffnet, ich möchte es wiederholen. Es ist gut, plätschert der kleine Brunnen in der Ecke wieder vor sich hin, es ist gut, kann man in der Stadt wieder schwimmen.

Doch meine anfängliche Euphorie weicht bald der mentalen Vorbereitung auf einen Kampf der Schwimmstile, der auf den Bahnen im Hallenbad bisweilen ausgetragen wird. Der aber nicht sein müsste, zumindest nicht, wenn man Rücksicht nimmt. Regeln machen dabei nur Sinn, wenn man sie vernünftig handhabt. Wie immer.

Mein Vorschlag: Langsame bewegen sich auf der langsamen Bahn, Temposchwimmer auf der schnellen. Alle anderen dort, wo ich mich auch bewege, in der Mitte. Man käme aneinander vorbei, wenn man denn wollte. Aber eben, willkommen zurück, Hallenbad City.

FCZ-Loge: Wie Nero über Rom

David Sarasin am Dienstag den 9. Oktober 2012
Einen fantastischen Blick und genügend Distanz zur Kurve bietet der Matchbesuch in der VIP-Loge.

 

Drittletzter Tabellenplatz, halbleere Ränge, Pyro-Diskussionen ohne Ende, und als ob das alles nicht genug wäre, seit neuestem wieder das Gerücht um eine Fusion mit den Grasshoppers. Es war auch schon friedlicher rund um den FCZ.

An einem Ort im Stadion ist die Welt aber in Ordnung. Hier halten sich Luxus und Gemütlichkeit die Waage, hier gibt es vor dem Spiel einen Dreigänger und nach Abpfiff zur Zigarre ein Glas Wein. Die Rede ist von der VIP-Loge über der Haupttribüne, direkt unter dem Dach des Stadions Letzigrund. Hier sitzen der Business Club, die Sponsoren, der Präsident und all jene, die ein FCZ-Logo auf dem Jaquette tragen.

Eine heilige Allianz

Oder Tamás Kiss von der Werbefirma Hesskisssulzersutter. Er trägt zwar keinen Anzug, doch als Chef der Werbeagentur, die sich für den FCZ um Werbung kümmert, besucht er die Spiele von der agentureigenen Loge aus. Als Gegengeschäft, wie er sagt. Acht Personen haben am runden Tisch in diesem  20-Quadratmeter-Raum Platz. «Manchmal sind wir voll, manchmal nicht», sagt Kiss und lächelt. Auf dem Buffet steht eine Kaffeemaschine, der Tisch ist weiss gedeckt, die Panoramafenster eröffnen den Blick aufs Spielfeld. Von der Wand blickt mit traurigen Augen Gennaro Gattuso.

«Wollen Sie essen?», fragt Tamás Kiss und drückt mir ein Glas Weisswein in die Hand. Es ist 13.15 Uhr. Bald sitzen wir um den Tisch – Kiss’ beide Buben sind ebenfalls anwesend – und die Servierdame trägt die Vorspeise auf: Eine Gemüse-Terrine mit Nüsslisalat, gefolgt von einer Langustensuppe und später von einem Rindsmedaillon mit Spätzle und Rotkraut. Alles vorzüglich. Doch als die Kinder Bratwurst und Pommes frites aufgetischt erhalten, schauen einige neidisch. «Wir bringen ihnen später gerne auch noch eine Wurst», witzelt die Bedienung, wohl wissend, dass Fussball und Bratwurst ein heilige Allianz bilden.

«War Davide schon hier?!»

Ein junger Mann mit «Hügelfrisur» (Zitat Kiss’ Sohn Bela) weht in den Raum. Ich erkenne ihn, als er die Unterschriften-Karte signiert. «Für David, Davide Chiumiento 27», steht darauf. «Die Verletzten und die Gesperrten machen jeweils in den Logen die Runde», erklärt Kiss. FCZ-Vizepräsident Gregor Gerber betritt kurz darauf den Raum und fragt: «War Davide hier?! In den anderen Kabinen war er nämlich noch nicht!»

Als wir den Hauptgang gerade beenden, beginnt das Spiel. Aus beiden Fankurven steigt Rauch, es erklingen von weit weg Gesänge. Ich tupfe mir die Mundwinkel ab und betrete mit einem hohen Glas in der Hand den mit Holz ausgekleideten Balkon, wo unsere Sitzreihe liegt. Der Blick auf die Rauchfahnen und die singenden Fans unten in der Kurve lässt ein wenig Sehnsucht aufkommen. Aber was solls? So wie hier oben in der Loge thronte wohl einst Nero über dem brennenden Rom.

Das Spiel untertrifft unsere Erwartungen, die Chancen sind rar, Tore fallen wenige, Daumen runter. In der Pause wird das Dessert serviert: Ein Himbeermousse mit Gelee in Form eines Herzens, was uns besänftigt. Man plaudert, die Kinder spielen.

Statt Gegröle gibts hier Konversation, statt Bier Wein und statt Pyro-Rauch steigt einem der Geruch der Zigarren in die Nase. So fühlt es sich an, wenn man Geld halt. Kurz: Man könnte sich daran gewöhnen. Knapp 40 Angestellte kümmern sich ums Catering in der VIP-Zone. Würde man für die Logen bezahlen, müsste man pro Person und Saison 12’500 Franken hinblättern.

Aber ist Fussball nicht eigentlich etwas anderes? Ist Fussball nicht gemeinsames Leiden, ewiges Bier-durch-die-Reihen-Zirkeln, Anstehen beim Pissoir, Würste vom Grill, Fluchen, Pyro… Fussball ist Volkskultur, mehr als jede andere.

Nach dem Spiel verschwinden die Logenbesitzer wieder in ihre Parzellen, einige lassen sich ein letztes Glas Wein einschenken. Präsident Canepa debattiert mit seiner Frau, die einen blau-weissen Strickpullover trägt. Ich verschwinde durch die an Sternehotels erinnernden Holzgänge und fühle mich zwei Stöcke tiefer schon wieder wie ein normaler Mensch. Fast zu normal. Trotzdem: Beim nächsten Spiel bin ich wieder auf der Tribüne.

Der Blick vom Tisch aus aufs Spielfeld. Im Vordergrund kümmert sich eine Mutter um ihr Kind.

Planschbecken oder Singletreff?

Stadtblog-Redaktion am Freitag den 3. August 2012

Wo lohnt sich dei Show für die Girls? Wir erklären die Zürcher Badis!

Wo lohnt sich deieShow für die Girls? Wir erklären die Zürcher Badis!

 

Eigentlich wollten wir einen Überblick über die Zürcher Badis geben, den gibts aber schon! Und da wir gerade mitten im Sommerloch stecken, Ferien machen oder andersweitig den Sommer geniessen, haben wir hier den gründlichsten Badi-Check seit Immer nochmals gepostet. Erbracht hat die Leistung  Dana Keller mit Unterstützung von Tina Fassbind von der Zürich-Redaktion bei Tages Anzeiger/Newsnet. Herzlichen Dank!

(Und natürlich wollen wir eure Tipps in den Kommentaren lesen!)

Wer in Zürich ein Freibad besucht, wählt nicht unbedingt das in der unmittelbaren Nachbarschaft. Beim Badibesuch ist das Publikum genauso wichtig, wie die Anlage selbst.

Freibad Letzigraben: Das Kulturelle 
«Hierher kommen die alteingesessenen Zürcherinnen und Zürcher. Weil in der Badi viele kulturelle Veranstaltungen und Ausstellungen geboten werden, ist dort ein kulturinteressiertes, gebildetes Publikum anzutreffen. Auch die Quartierbevölkerung liebt die Anlage. So geht der Automechaniker aus Altstetten mit seinen Kindern dort grillieren. Daneben entspannt sich die Kuratorin, die ihren roten Lippenstift auch zum Baden aufträgt, beim Zeitunglesen.»

Strandbad Tiefenbrunnen: Das Adrette
«Es ist ein Quartierseebad für Alteingesessene. Hier trifft man das gutsituierte Bildungsbürgertum des Seefelds. Es ist für ältere Besucher geeignet – und für Kinder, die bereits schwimmen können oder sich mit Badminton oder Tischtennis die Zeit vertreiben. Kindergeschrei und herumtollende Kinder sind im Tiefenbrunnen eher selten. Daneben hat es ein paar Sportler, die ihr Schwimmtraining im See absolvieren.»

Strandbad Mythenquai: Das Italienische
«Der Strand verbreitet Ferienstimmung wie an der italienischen Riviera. Hier findet man ein buntgemischtes Publikum aus allen sozialen Schichten – eben genauso, wie in einem italienischen Strandbad. Es ist das totale Kinderparadies versetzt mit ein paar Senioren, die Karten spielen und ihre Stammplätze rigoros verteidigen.»

Freibad Allenmoos: Das Jugendliche
«Diese Badi ist der absolute Teenager-Treffpunkt. Sie sind dort auf der Suche nach dem ersten Kuss, der ersten Sommerliebe. Da wird an allen Ecken geflirtet. Die Jungs profilieren sich vor den Mädchen, wollen ihnen mit gewagten Sprüngen vom Turm imponieren. Es gibt Hotdogs, Glaces und kichernde Teenie-Girls. Aber auch hier findet man viele Senioren, die immer an derselben Stelle von ihrem Liegestuhl aus das Treiben in der Badi beobachten. Ein guter Ort auch für den gemütlichen Sportschwimmer.»

Flussbad Unterer Letten: Das Vielseitige
«Hier gibt es eine totale Diskrepanz zwischen den verschiedenen Nutzern. Im oberen Bereich mit dem Babybecken herrscht Kinderalarm. Hier sind Frischeltern Anfang 30 anzutreffen. Unten am Fluss sind Kinder nicht erlaubt. Daher hat sich dort eine echte Flirtzone für junge Erwachsene etabliert. Der Untere Letten ist nicht so cool wie der Obere Letten. Das Bad lockt mit Filmvorführungen und der Bar am Dienstag das Quartiervolk, Intellektuelle und das klassische Vernissage-Publikum an.»

Freibad Zwischen den Hölzern: Das Bodenständige
«In diesem kleinen aber feinen Bad findet man vom Kleinkind bis zum Grosi alles. Es ist ein klassisches Quartierbad, absolut nicht nobel und total entspannt. Es ist zudem sehr weitläufig, fügt sich harmonisch in die Landschaft ein und gibt den Blick frei auf die Weinreben – aber es liegt im Niemandsland. Der Vorteil: der Zürcher Trubel schafft es nicht bis hierher.»

Seebad Utoquai: Das Klassische
«Im Utoquai trifft man die Seefelder Singles um die 40. Allerdings wird hier nicht angebaggert, sondern gut beobachtet. Entsprechend körperbewusst ist das Publikum. Wer hier baden geht, geht meist auch ins Fitnessstudio und kümmert sich um das eigene Aussehen. Hierher kommen die Damen mit den teuren Badeanzügen, gut manikürten Nägeln und edler Bräune. Auch internationale Badegäste gehen ins Utoquai und es ist sicherlich die Badi mit der grösste Stammgastdichte. Wer hier neu reinkommt, wird erst mal kritisch beobachtet.»

Flussbad Oberer Letten: Das Coole
«Jung, körperbewusst, sportlich und Anfang 20: So sieht das Publikum am Oberen Letten aus. Hier geht es definitiv um Sehen und Gesehenwerden. Hier wird das neuste Tattoo vorgeführt oder der Waschbrettbauch, den man sich in den Wintermonaten antrainiert hat. Es sind Partygänger, die dort verkehren und die müden Augen der letzten Nacht hinter grossen Sonnenbrillen verstecken. Gegen Abend gibt’s Drinks von der Bar und den ein oder anderen Flirt am Fluss.»

Flussbad Au-Höngg: Das (Re-)Kreative
«Die Werdinsel ist eine Badi für Kurztrip-Reisende. Hierher kommen Leute, die mit beiden Beinen im kreativen Berufsleben des Kreis 5 stehen und sich eine Auszeit in der Natur gönnen wollen. Ein erwachsenes Publikum das hier ein wenig Erholung vom Büroalltag sucht. Oft sieht man Väter, die ihren Kindern hier ein ‹echtes› Naturerlebnis bieten wollen.»

Seebad Katzensee: Das Natürliche
«Das ist eine ganz gemütliche Badi, zu der man am Sonntag mit dem Velo hinfährt oder wohin man sogar wandert. An den Katzensee geht man nicht rasch zwischendurch. Man macht einen Ausflug dorthin. Entsprechend ist auch das Publikum: Es sind Naturliebhaber, Biker, Wanderer, die sich am Ende einer Tour mit einem Sprung ins Wasser abkühlen.»

Hier gehts zum Originalartikel: “Zürcher Badis”

Unter die Rollen – die Girlz und ich

David Sarasin am Donnerstag den 5. Juli 2012
Wenig Platz für schlüpfrige Gedanken: Der Autor umringt von Rollergirlz.

Kampfbereit ins Spiel: Der Autor umringt von Rollergirlz.

Ein Sturz. Ein Pfiff. Ein Schiedsrichter, der schreit: «Verlassen Sie den Platz, das wars nun für sie!» Dabei wollte ich bloss mittun, mit den Zürich City Rollergirlz, die mich für ein Training eingeladen haben. Und mich an diesem Abend ausstatteten mit Helm (zu klein), Gelenkschonern und vor allem – Rollschuhen.

So bekleidet warteten wir in der Halle des Puls 5, dieser ehemaligen Industriehalle, die bereits zum zweiten Mal in ihrer Geschichte zur Ruine wird. So ist die Halle meist leer – bis abends um Sieben die Girlz anrollen.

Hier warteten nun also rund 20 junge Frauen, viele tätowiert,  mit Namen auf ihren Shirts wie Bunny Butcher oder Pink Riot Rocket, alle mit Hotpants und Strümpfen. «Und du schaust, dass es keinen Unfall gibt!», sagt die Trainerin zu ihrer Kollegin – und ich weiss, sie meint mich.

Und sie hat recht! Wie lange ist es her, seit ich das letzte Mal auf Rollschuhen stand? 25 Jahre? 100? Also auf solchen mit vier Rädern und zwei Achsen, die gibt es ja heute nur noch im Museum oder beim Spezialisten. Wie nur sollte ich mich mit den Dingern ins Gefecht stürzen? Ich lächelte und schwitzte gleichzeitig.

Die Mädchen zogen ihre ersten Bahnen, während ich ein paar Extralektionen erhielt. «Richtig fallen ist das Wichtigste», sagte die Trainerin. Ein schöner Satz, dachte ich. In die Realität umgesetzt, büsste er freilich von seiner Poesie ein. Ich plumpste zwei-, dreimal aus voller Fahrt auf die Knieschoner, schaute mich um, wartete auf das Kichern der Girlz, das ich dann und wann auch durch die Halle echoen hörte.

Ich war bereit für die erste Runde, schloss mich dem rollenden Trott an. Der Boden war glatt wie Stahl. Das Rollschuhlaufen gelang besser als gedacht. Doch waren wir nicht zum Rollkunstlauf gekommen, es ging um Checken, Durchtanken, Schreien und eben: richtig Fallen.

Kurz die Regeln: Zwei Teams drehen in einer ovalen Bahn ihre Runden, fünf gegen fünf. Vier pro Team bilden fahrenderweise Mauern, eine Person vom anderen Team muss durch die Mauer hindurch. That’s it.

Das Resultat ist ein massives Chaos, zumindest an diesem Abend. Eines freilich mit zahlreichen Verboten: keine Ellbogen, keine Hände für Checks, bloss Schultern und Hüften, denn «Frauen haben Power in der Hüfte» (Trainerin). Man möchte ihr nicht widersprechen.

Doch für schlüpfrige Gedanken blieb wenig  Zeit. Vielmehr war ich damit beschäftigt, mitzurollen, und kämpfte mental gegen meine immense Deplatziertheit an. Denn ich war nicht nur der einzige Mann (neben dem Schiedsrichter), sondern auch eineinhalb Köpfe grösser als die meisten, und mindestens doppelt so schwer.

Dies wollte ich mir im Spiel zum Vorteil machen. Doch nach einem Massencrash, dessen Verursacher am Schluss nicht mehr auszumachen war, stellte mich der Schiedsrichter harsch vom Platz – auf welchem er schliesslich der Hirsch war. «Foul!» schrie er und setzte mich auf die Strafbank, wo ich Liegestützen machen musste. Ela No Regrettes betreute mich: «Er war jetzt etwas streng.»

Doch im Spiel hat niemand Rücksicht genommen, was mir gefiel. Bisweilen erhaschte ich beim Vorüberfahren sogar böses, von Zahnschonern verzerrtes Lächeln. Auf in den Kampf!

Warum macht ihr diesen Sport? «Er ist körperlich und gleichzeitig ästhetisch», sagte etrwa Ela No Regrettes. Es hat etwas für sich. Bisher sind die Zürich City Rollergirlz aber das einzige Team in der Schweiz. Deshalb reisen sie schon mal für Spiele ins Ausland, nach Wien, oder Ludwigsburg.

Schaut man sich die Videos etwa der Schwedischen Liga auf Youtube an, kriegt man noch mal eine ganz andere Idee vom Spiel.

Was mich betrifft, warf ich nach eingangs zitiertem Ausruf des Schiedsrichters den Beutel hin. Ich war eine Gefahr, vor allem für mich selbst. Wieder so ein Satz wie aus dem Arthouse-Drama. Wie dieser: Richtig fallen ist eine Kunst. Beim nächsten Mal wohne ich dem Derby von der Tribüne aus bei. Denn aufnehmen werden mich die Girlz ja nicht.

Website: rollerderby.ch

Wenig Platz für schlüpfrige Gedanken: Der Autor (hinten) ringt um Fassung.

Wenig Platz für schlüpfrige Gedanken: Der Autor (aussen) ringt um Haltung.

Der Fussball-Idiot Teil 2

Reda El Arbi am Samstag den 30. Juni 2012
Man unterhält sich im romantischen Licht des Monitors: EM im Xenix.

Man unterhält sich im romantischen Licht des Monitors: EM im Xenix.

Die Versuchsanordnung hat sich gegenüber dem 1. Teil wesentlich verschärft. Immer noch dumme Fragen über Fussball während des Spiels, aber diesmal im Halbfinal Deutschland-Italien (zu den Gefahren des Finals zwischen Spanien und Italien siehe den Nachtrag ganz unten). Natürlich hab ich mir gut schweizerisch einen neutralen Ort ausgesucht, der sowohl von Italos wie auch von Deutschen frequentiert wird: ich hab mir den Match, oder Teile davon, im Xenix angeschaut.

Das Problem mit dem Xenix ist, dass sich dort wenig Vollblut-Fussballer treffen – mehrheitlich sehen sich Lifestyle-Fans die Spiele da an. Und die haben auch keine Ahnung von Abseits oder Torverhältnis. Meist sitzen sie rum, quatschen über ihre kreativen Projekte und rennen erst Richtung Monitor, wenn  die Tore bereits gefallen sind.

Es ist ähnlich wie an den Szene-Konzerten: Begeisterung zeigt sich sehr zurückhaltend. An Konzerten wird cool mit dem Fuss gewippt, bei Fussballtoren hält man den Plastikbecher oder die Flasche Richtung Monitor.  Wie um zu zeigen, dass man die sportliche Leistung wahrgenommen hat, aber dass es schon mehr braucht, um einen coolen Zürcher Szeni zu begeistern.

Ich hab mich dann zu ein paar Leuten gesetzt, die ihre angeketteten Stühle so gut es ging zum Monitor ausgerichtet hatten. Offenbar hatte ich eine gemischte Gruppe erwischt: Zwei deutsche Damen und drei italienischstämmige Schweizer. Da schon zwei Tore für Italien gefallen waren, sicher schon drei Biere in den Italienern gluckerten, waren sie so grossherzig, die beiden durchaus attraktiven Deutschen zu trösten. Ich war mir nicht ganz sicher, ob die angestrengten Mienen der Damen dem schlechten Abschneiden ihrer Mannschaft zuzuschreiben waren …

«Wenn der vorderste Mann …»

Ich werfe auf jedenfall mal meine Frage in die Runde: «Ich hab nie kapiert, was Abseits eigentlich ist. Kann mir das jemand erklären?»

Ungläubige Blicke der Männer. Wie kann man sich als richtiger Mann nur so vor zwei attraktiven Damen blamieren? Alle drei Italo-Schweizer legen gleichzeitig los: «Wenn der vorderste Mann hinter dem letzten der gegnerischen Mannschaft …»

Auf dem Monitor gibts ein Beinahe-Tor, das die Erklärung unterbricht. Die Italos springen auf und rufen den Namen irgendeines Fussballers  - ich glaube er heisst Azurri – setzen sich wieder hin und beginnen von Neuem mit der Erklärung:  «Wenn der vorderste Mann hinter dem letzten der gegnerischen Mannschaft …». Weiter kommen sie nicht, da im Spiel schon wieder irgendwas geschieht. Und dann muss einer Bier holen, während der Zweite mit den Frauen flirtet, und der Dritte, mit schon etwas glasigen Augen von Neuem beginnt:  «Wenn der vorderste Mann hinter dem letzten der gegnerischen Mannschaft …»

Mehr werde ich an diesem Abend nicht erfahren. Bevor nämlich meine Fussball-Experten weiter kommen als  «Wenn der vorderste Mann hinter dem letzten der gegnerischen Mannschaft …», ist das Spiel zu Ende und meine neuen Freunde müssen sofort drei Tramstaionen zu ihrem Auto fahren,, um danach am Fan-Korso teilzunehmen.

Ich verstehe jetzt zwar nicht mehr von Fussball, aber langsam komme ich hinter die soziale Attraktion des gemeinsamen EM-Viewings: Die vernachlässigten deutschen Damen zeugen davon, dass Fussball mehr EMotionen weckt als ein unverbindlicher Flirt in einer Szene-Bar.

Nachtrag: Natürlich hätte noch die Chance bestanden, mich beim Final zwischen italienische und spanische Fans zu mischen und da die blöden Fragen zu stellen. Aber ehrlich, ohne anständige Gefahrenzulage verdiene ich dafür einfach nicht genug.

Wer ist jetzt übrigens Europameister? Und müssen die jetzt gegen die Meister von Amerika, Australien, Asien und den restlichen Kontinenten um den Weltmeistertitel spielen?

Public Viewing: Geballte Fäuste und ein Hallelujah

David Sarasin am Montag den 18. Juni 2012
Meistens ists im Hiltl Public Viewing friedlich, doch manchmal auch sehr seltsam.

Meistens ists im Hiltl Public Viewing friedlich, doch manchmal auch sehr seltsam.

Es war schon etwas seltsam. Rolf Hiltl hat im Güterbahnhof das grösste Public Viewing der Stadt installiert. Und Fans sowohl des italienischen wie auch des kroatischen Teams strömten am letzten Donnerstag in Hundertschaften in das ehemalige Industriegebäude im Kreis 4. Dorthin, wo am Wochenende jeweils auch die ICF-Anhänger ihre Celebrations feiern. Nun jubilierten aber keine fröhlichen Christen, sondern Anhänger beider Teams. Logisch, soweit. Doch einige Fans der Mannschaft aus dem Balkan zeigten ihre Anteilnahme am Spielgeschehen dadurch, jeden Ballbesitz des dunkelhäutigen Balotelli mit Urwaldgeräuschen zu kommentieren.

Einige Tifosi konterten mit den üblichen Schimpftiraden. Zwischen Quorn-Plätzchen und Ingwer-Zitronen-Limonade heizte sich die Atmosphäre immer mehr auf. Und entlud sich teilweise in der Pause auf dem Vorplatz, wo getunte Autos defilierten und Töffmotoren heulten – dies aber war aber bloss eine Showeinlage. Das Sicherheitspersonal musste dann und wann intervenieren.

Vielleicht war es ja als besänftigende Massnahme gedacht, dass bei jedem Tor laut das Lied «Sing Hallelujah» von Dr. Alban durch die Fabrikhalle schallte. Wohl eher aber waren es Rolf Hiltls wohlbekannte religiöse Ansichten, die die Einspieler verursachten. Die Friedensbotschaft wurde wohl erhört – bis zum Schluss verlief die Sache ohne körperliche Gewalt.

Doch eine Erkenntnis bleibt: Public Viewings sind nicht jedermanns Sache.

Und eine Pointe noch: Wer errät die Gemeinsamkeit von Fussball und ICF? Richtig, Schwule sind hüben wie drüben nicht besonders beliebt. Das macht die Sache aber nicht unbedingt weniger seltsam.

Pier West: «Oh, wie schön ist Panama…»

Reda El Arbi am Samstag den 16. Juni 2012
Moderate Preise und nettes Angebot über der Fluss im neuen Cafe Panama.

Moderate Preise und nettes Angebot über dem Fluss im neuen Cafe Panama.

«Früher gab es hier aber Zeitungen…», weist eine ältere Dame die junge Bedienung im Cafe des renovierten Flussbades  Pier West zurecht. Sätze, die mit  «Früher war…» beginnen, werden sich die Angestellten der Badi oder des neuen Cafes «Panama»  in der ersten Zeit wohl noch oft anhören müssen. Viele der Stammgäste von früher waren gegen den Umbau. Zu Unrecht, finde ich.

Natürlich wirds im Cafe in der oberen Etage der ehemaligen Damenkabinen bald Zeitungen geben, heute ist schliesslich der erste Tag. Der Blick auf den Fluss lässt Ferienstimmung aufkommen. Der Kaffee schmeckt gut, die Gipfeli sind klein, aber dafür noch warm. Das neue kleine Cafe wirkt insgesamt gemütlicher als das alte. Weniger hip, weniger szenig, eher was für Normalos wie mich.

Die hübsche junge Bedienung ist freundlich, weiss aber noch nicht, ob sie die Gäste duzen oder siezen soll. Die Preise sind moderat. Latte Macchiato (im Becher oder in einer richtigen Tasse) kostet 5 Stutz, Gipfeli 1.50. Sogar Pepitos gibts hier, für 9 Franken! Der Beizer überlegt sich noch, ob er den leider geschützten Namen des Sandwiches in «Pepitto» oder «Peppito» ändern soll.  Doch eigentlich hätte der Panama-Reisende und neue Pächter Roy Schadegg wohl mehr Anrecht auf den Namen. Neben den Pepitos gibts Empanadas, Spiessli, Tapas und noch einige andere preiswerte Kleinigkeiten.

Geliebte, unbequeme Holzliegen

Die Karte. Zum Vergrössern draufklicken.

Die Karte. Zum Vergrössern draufklicken.

Nicht nur das Cafe ist gelungen, durch den Rückbau der früheren provisorischen Bar gibts viel mehr Platz für die alten, geliebten, unbequemen Holzliegen. Ob der zusätzliche Liegeplatz auch das Gedränge nach 17.00 Uhr verhindert, wird sich herausstellen. Ich vermute, es werden einfach noch mehr Leute hier ihren Feierabend verbringen. Der Teil, der nur den Frauen vorbehalten ist, konnte offenbar noch nicht ganz fertiggestellt werden, da es noch keine Sichtblenden zur Cafe-Seite gibt – was aus der geschützten Zone zur Zeit eher eine Besichtigungsplattform macht.

Ich bin rundum zufrieden mit der Renovation meiner Stammbadi. Nur eines hat mich wirklich irritiert: Leider heisst die Badi nicht mehr Pier West, sondern  nennt sich neu offiziell Oberer Letten, was einem alten Pier West-Besucher wie mir natürlich das Herz presst. Pier West war kultivierte Lebensfreude, Oberer Letten war der Steg mit den Partykids und dem «Sehen und Gesehen werden» auf der anderen Flussseite.

Viel mehr Platz für viel mehr Leute? Die Sonnenschirme werden noch aufgestellt.

Viel mehr Platz für viel mehr Leute? Die Sonnenschirme werden noch aufgestellt.

 

Die schönsten EM-Bars – hier rollt der Ball

Stadtblog-Redaktion am Montag den 4. Juni 2012
Stundenlang in den Bildschirm starren ist nie so schön wie während grossen Fussballturnieren.(KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Stundenlang in den Bildschirm gucken ist selten so schön wie während grossen Fussballturnieren.(KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Von Jean-Marc Nia und David Sarasin

Und wieder ist sie da. Die EM. Abend für Abend Spiele schauen, quatschen – den Terminkalender für drei Wochen vergessen. Das Angebot an hiesigen Fussballbars ist seit der EM quasi wieder gesundgeschrumpft. Keine Fanzonen, keine gigantischen Public Viewings – von Kleidervorschriften und Getränkeempfehlungen mal ganz zu schweigen. Dafür finden sich in Zürich ein paar hübsche, ausgesuchte Lokale, die Fussball in angemessenem Rahmen zelebrieren. Orte, an denen man man entspannt über das sprechen kann, worüber zwar nur ganz wenige wirklich Bescheid wissen, aber alle etwas zu sagen haben. Über Fussball.

Der Züritipp hat für Sie ein paar Lokale herausgepickt. Natürlich ist die Liste unvollständig. Falls Sie Ihr Lieblingslokal in der Liste vermissen, schreiben Sie das in die Kommentare.

Z am Park
Drinnen im Z am Park laufen alle EM-Spiele auf HD-Bildschirmen, draussen auf Flatscreens. Zum Essen wird der Z-Burger angeboten und zu jedem Match gibts ein Tippspiel. Wer draussen sicher einen Tisch will, sollte am besten reservieren. Zurlindenstr. 275.
www.zampark.ch

El Luchador
Einen feinen Snack zu den Spielen gibts im neuen mexikanischen Restaurant El Luchador. Zusammensitzen, Tacos essen und Pacifico trinken, so sieht ein Matchbesuch an der Konradstrasse 69 aus. Normale Öffnungszeiten, Konradstrasse 69.
www.elluchador.ch.

Primitivo
Das Primitivo beim Oberen Letten zeigt die Spiele im Public Viewing mit drei Fernsehern im Parterre. Und auf Deck kann man sich mittels Reservation einen Sitzplatz vor einem der weiteren fünf Bildschirme sichern. Wie immer eine gute, wenn auch gut besuchte Adresse. Wasserwerkstrasse 94.

Bar 3000
Auch die Bar 3000 putzt sich für die EM raus. Die Spiele werden in gemütlicher Atmosphäre auf grossen Fernsehern gezeigt. Sporadisch wird zu den Matches live passende Musik dargeboten. Normale Öffnungszeiten, Dienerstrasse 33.
www.zukunft.cl.

Vor zwei Jahren war der Sportsman Club im ehemaligen Divine untergebracht.
Vor zwei Jahren war der Sportsman Club im ehemaligen Divine untergebracht.

 

Riffraff
Im Garten des Kinos Riffraff ist der Fokus ebenfalls auf das Runde Leder gerichtet. Wunderschöner Platz, nette Menschen, lokales Bier. Bei schlechtem Wetter werden die Spiele im Bistro übertragen. Normale Öffnungszeiten, Neugasse 57–63.
www.riffraff.ch

Güterbahnhof
Das Hiltl präsentiert sein Public Viewing für 1000 Fans im Güterbahnhof. Auf einer sieben Meter grossen LED-Wand und etlichen Plasma-Screens können die Spiele verfolgt werden. Für Gruppen ab 15 Personen gibts VIP-Zonen mit eigener Tribüne und Loge zu mieten. Auf Fleisch muss nicht verzichtet werden, denn ein eingemieteter Metzger wird auf dem Gelände grillen. Öffnungszeiten: 17 Uhr, bei Anpfiff um 18 Uhr. 19.30 Uhr, bei Anpfiff um 20.45 Uhr. Hohlstr. 150.
www.hiltl.ch

Helsinki
Abgedroschen, aber hier anwendbar: Klein, aber fein! Geschätzte 150 Personen dürfen es sich vor einer Leinwand, die im Klub hängen wird, und zwei bis drei Fernsehern im Freien gemütlich machen.  Zu essen gibts die bereits bekannten und geliebten Siedwürste mit drei verschiedenen Salaten. Öffnungszeiten: 17.30 Uhr, bei Anpfiff um 18 Uhr. 20 Uhr, bei Anpfiff um 20.45 Uhr, Geroldstr. 35.
www.helsinkiklub.ch

Le Calvados
Während des Turniers werden auf dem Idaplatz vier grosse Plasma-Flatscreens die Gesichter der Mitfiebernden beleuchten und in der Bar die drei HD-TVs in Betrieb sein. Das kulinarische Angebot wird auf die Endspiele hin auf die einzelnen Mannschaften abgestimmt. Normale Öffnungszeiten, Idaplatz 4.
www.lecalvados.ch

Mascotte
Ein Wermutstropfen: Die Gruppenspiele der Gruppe A werden nicht gezeigt. Dafür gibts ein Gewinnspiel (Teilnahmeschlusss ist der Freitag) und man kann sich Lounges und Stehtische gegen eine Mindestkonsumationen reservieren. Etliche TVs und zwei Grossleinwände, eine davon im Fumoir, sorgen dafür, dass man keinen Spielzug verpasst. Öffnungszeiten: 17.30 Uhr, bei Anpfiff um 18 Uhr. 20 Uhr, bei Anpfiff um 20.45 Uhr, Theaterstr. 10.
www.mascotte.ch

Nordbrücke
Grosser Vorteil des «Nordbrüggli»: zwei Terrassen. Auf der einen werden die Spiele auf TVs gezeigt, während die andere eine fussballfreie Zone bleibt. Drinnen jedoch regiert König Fussball die Grossleinwand. Eine solche wird auch am Finale auf dem Röschibachplatz für das Public Viewing gespannt. Normale Öffnungszeiten, Dammstr. 58.
www.nordbrücke.ch

Piccolo Giardino
Dem Fussball bereits das ganze Jahr durch verbunden, zeigt die Ess-Bar in ihrem hübschen, überdachten Giardino auch alle Spiele der EM auf zwei Bildschirmen. Auf der Piazza wird zusätzlich ein grosser TV aufgestellt und im Restaurant selber steht noch mal ein Screen zur Verfügung. Den Giardinoburger gibts während dem Turnier täglich. Normale Öffnungszeiten, Schöneggplatz 9.
www.piccologiardino.ch

Sportsman Club
Mit viel Stil und ebenso viel Liebe zum Detail trug der Club immer seinen Teil zu Welt- und Europameisterschaften bei. Acht Screens und eine Leinwand halten 200 Besucher bei der Stange. Oder auch bei 100 Milliliter Vodka. Je nachdem, was man zum Gegrillten zu nippen beliebt. Öffnungszeiten: 17 Uhr, bei Anpfiff um 18 Uhr. 18 Uhr, bei Anpfiff um 20.45 Uhr. Kaufleuten Hofterrasse, Pelikanplatz.

Kaiser Franz
Rechtzeitig zum EM-Start eröffnen die Betreiber des Clubs Gonzo ein neues Lokal. Das Kaiser Franz ist mitten im Kreis 4 angesiedelt und setzt ganz auf die Karte Fussball. Alle Spiele sind auf Leinwand und einem grossen Screen zu sehen, an der Bar gibts Bier aus aller Welt und allerlei Häppchen. Öffnungszeiten: 17 Uhr, Rolandstr. 22.
www.kaiserfranz.li

Stets gut besucht: Das Piccolo Giardino an der Schöneggstrasse.
Bei Fussballspielen stets gut besucht: Das Piccolo Giardino an der Schöneggstrasse.

 

Jade
«Soccer is the Opera of People», so der Slogan des Clubs. Die Operngucker jedoch können getrost zu Hause gelassen werden, vor allem dann, wenn eine der Lounges mit eigenem Grossbildschirm gemietet wird. Aber auch an der Bar herrscht gute Sicht und dort ist man dafür näher an der Quelle für die Drinks und die diversen Leckerbissen. Öffnungszeiten: Jeweils eine Stunde vor Spielbeginn, Brandschenkestr. 25.
www.jade.ch

Ziegelhütte
In Schwamendingen hängen draussen an den Bäumen Flachbildschirme und drinnen eine Grossleinwand. Obwohl drinnen nicht ganz stimmt, kann bei schönem Wetter doch die Trinkhalle weit geöffnet werden. Essen gibts vom selbstdeklarierten grössten Grill der Stadt, Promillo bringt sein Fussball-Quiz in die Ziegelhütte (Teilnahmeschluss ist der Freitag) und ausserdem werden regelmässig ab 23 Uhr noch Fussballfilme gezeigt. Den Auftakt macht am 8. Juni «Zidane – Ein Porträt im 21. Jahrhundert». Normale Öffnungszeiten, Hüttenkopfstr. 70.
www.wirtschaft-ziegelhuette.ch

Bogen F
Das Viadukt im Kreis 5 ist traditionell ein Ort, an dem Fussball zelebriert wird. Vor dem Umbau war es das Fussball-Lokal Hellmut, das massig Fussballbegeisterte anzog. Jetzt lockt das Restaurant Viadukt mit «Grill und Bier» die Freunde des Runden Leders an. Normale Öffnungszeiten, Viaduktstrasse 69/71.
www.bogenf.ch

Stall 6
«No VIP, no Bullshit», so das Credo des Stall6, wo die Spiele im Innern auf Leinwand gezeigt werden. Auf dem Vorplatz sind Screens installiert und es gibt Grill. Je nach Programm gibt’s nach den Spielen noch Konzerte oder Partys. Normale Öffnungszeiten, Gessnerallee 8.
www.stall6.ch


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