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Aus der Gerüchteküche

Alex Flach am Montag den 19. Juni 2017
«Ui nei! .. und dann hat der Vujo ... »

«Ui nei! .. und dann hat der Vujo … »

Im Nachtleben dauert die Sauregurkenzeit von circa Ende Mai bis Anfang September: Wenn das Thermometer auch nachts nicht mehr unter 18 Grad sinkt bringt man die Leute nicht mehr in den Club.

In dieser Zeit hält das Nachtleben die Füsse still, respektive hält sie in den Zürichsee oder in die Limmat: Neueröffnungen im Sommer sind eine Rarität, ebenso Umstrukturierungen und andere potenzielle Quellen für aufregende Neuigkeiten.

Der Nightlife-Sommer 2017 scheint jedoch die grosse Ausnahme von der Regel zu werden. Angefangen hat alles mit der 20minuten-Meldung, dass Bachelor Vujo Gavric bald eine eigene Bar eröffnen werde. Dabei handelt es sich um die Valmann-Bar, die für kurze Zeit der Microcosmos des ehemaligen Revier-Betreibers Sven Schirmer war, ein im Nachhinein leider als eher kurzlebig zu taxierendes Kreis 1-Subkulturexperiment.

Dann schwenkte das Spotlicht aber schon bald auf den Club Babette, dem Nachfolge-Club des Café Gold, von Mirjam Fuchs in ihrem entsprechenden Tages Anzeiger-Beitrag das verhexte Haus genannt. Eine treffende Bezeichnung, vermochte doch noch niemand einen Club an dieser Adresse über längere Zeit erfolgreich zu führen. Das Babette bricht auf der Strecke zwischen Opening und Untergang aber sämtliche Rekorde: Obschon die Clubmacher mit dem Vermieter langfristige Verträge abgeschlossen hatten, purzelten die Negativmeldungen schon kurz nach Eröffnung im Stakkato auf die Langstrasse, sodass schon nach kurzer Zeit klar war, dass Babette nicht lange in Zürich verweilen und schon bald von dannen ziehen wird.

Und siehe da: Patrique Etter hat den Posten des Geschäftsführers abgegeben, das Babette wurde bereits für geschlossen erklärt, wird jedoch weiterhin künstlich am Leben erhalten, aber ohne die ursprünglich vollmundig angekündigte, feine Technoschiene. Aber nicht nur das Babette und das ehemalige Valmann sorgen für Geschnatter: Das Alice Choo scheint sich endgültig aus dem Zürcher Nachtleben zu verabschieden.

Die Betreibergesellschaft hat scheints Konkurs angemeldet, der Geschäftsführer hat in letzter Zeit gleich mehrmals gewechselt und glaubt man dem städtischen Gemunkel, macht das Gros der Zürcher Clubberschaft einen grossen Bogen um das Lokal. Ebenso das Gallery an der Talstrasse: Auch von dort hört man nicht eben viel Euphorisierendes (Personal- und Leitungswechsel, ändernde Öffnungszeiten, Konzeptänderungen, etc.), das die Hoffnung auf eine lange Bestehenszeit nähren würde. Das Gallery hat erst vor einigen Monaten den Rohrkrepierer King’s Club abgelöst, kurze Zeit beheimatet im vorherigen Stripclub gleichen Namens – die Talstrasse 25 scheint der Langstrasse 83 Konkurrenz um den Rang des verhextesten Hauses Zürichs machen zu wollen.

Wer nun denkt noch mehr Tohuwabohu sei nicht möglich, der ist gut beraten den Traditionsclub Flamingo in den Fokus zu rücken. Gut möglich, dass sich auch dort demnächst bezüglich Clubführung und -konzept etwas tut … Alles in allem eine gute Zeit für Nachtlebende, die zwischendurch mal gerne ein «Ich hab’s doch geahnt» von sich geben.

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Gonzo, Amboss Rampe, Nordstern Basel, Rok Luzern und Härterei.

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4 Kommentare zu “Aus der Gerüchteküche”

  1. Willi Wutzke sagt:

    Alles nur Clubs für die Würstlis. Sorry.

  2. Thomas sagt:

    Was ist eigentlich mit dem LEXI? Lebt das noch? Habe gehört, das sei auch nicht immer voll…

  3. Stefan Hertel sagt:

    Leider habe ich es in der kurzen Zeit verpasst, die Babette zu besuchen, obwohl ich fast jedes Wochenende an ihr vorbeimarschiert bin. Falls mir nicht schon die zum Teil unmöglichen Amateurpromoter-Posts im Facebook oder die Profilbilder/Namen/Posts der Zusagen im Facebookevent die Entscheidung abgenommen haben, waren es spätestens die Securities oder die kleine aber “feine” Schlange am Eingang.
    Wenn halt schon im Vornherein viele Personen als Member auserwählt werden, welche dann jeweils ihre Gleichgesinnten mit auf die Liste nehmen, fehlen irgendwann die zahlenden Gäste. Als meine Freunde ab und zu in dem Club waren, dann halt nur um “kurz” einen Headliner zu sehen. Schade…

  4. Müller sagt:

    Flurbereinigungen sind doch eigentlich ganz gut. Anscheinend hat es ein Überangebot von Clubs, und ja, ich denke die junge Generation ist nicht mehr so auf Clubs versessen, sondern organisiert sich lieber selber (Waldhütte mieten, Goa’s, Privatveranstaltungen). Ist ja familiärer, keine Wegweisungen vor der Tür, keine agressiven Securitys, kein Eintritt von 30 bis 35 Franken (inkl. Bier von 8 bis zehn Franken). Von dem her sind diese Flurbereinigungen immer ja sehr gut.

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