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So schlagen Sie richtig zu

Nicola Brusa am Samstag den 18. März 2017

Ende Januar wurde hier nicht gerade zur Gewalt aufgerufen, aber doch zum gezielten Einsatz von Gewalt geraten. Nicht von uns, nein, nein, von einem Profi aus den Reihen der Stadtpolizei ­(Gebrauchsanleitung vom 28. 1., ist online leider nicht verfügbar).

Das kam so: Eine Dreiergruppe, angesäuselt, aber friedfertig, sah sich unvermittelt mit einer viel grösseren, ihr nicht wohlgesinnten Gruppe konfrontiert. Worte halfen nicht weiter, davonrennen erwies sich als aussichtslos. Schliesslich bot eine dritte, noch grössere Gruppe Unterschlupf.

Der Stadtpolizist, der tags daraufauf dem Posten die Anzeige aufnahm, gab der Gruppe zwei Ratschläge auf den Weg.
Einen als Polizist im Dienst: Rufen Sie die Polizei. Einen zweiten als Polizist nach Dienstschluss: Greifen Sie zum letzten Mittel. Sammeln Sie all Ihre Kraft, und knallen Sie dem Nächstbesten die Faust mitten ins Gesicht. Das wird die Dynamik der Situation brechen. Denken Sie dran: Sie haben nur einen Schlag.

Im PS zur Gebrauchsanleitung damals stand: Wie man den Mut aufbringt, richtig, richtig zuzulangen, fragen Sie? Dazu bräuchte es allenfalls eine Gebrauchsanleitung von einem Profi. Wir fragen uns mal rum.

Das haben wir in der Zwischenzeit getan. Und einen Profi gefunden: den Sportpsychologen Jörg Wetzel. Er hat zum Beispiel die Schweizer Sportler an den Olympischen Spielen 2016 in Rio betreut (immerhin sieben Medaillen) und weiss, wie man es schafft, zum Zeitpunkt X seine Leistung abzurufen.

Also, Herr Wetzel, wie schafft man es, wenns drauf ankommt, alle Kraft in diesen einen Schlag zu stecken? Wie überwindet man sich als friedliebender Mensch zuzuschlagen?

Entscheidung sei in diesen Situationen das Thema, nicht Überwindung, sagt Wetzel. Ein Fechter etwa müsse während eines Kampfs immer wieder entscheiden, wann er zum Angriff übergehe, offensiv werde. Sicher habe er Handlungspläne, Abläufe, die er immer wieder einstudiere, «im Kampf muss er aber in Bruchteilen von Sekunden eine Entscheidung treffen.» Und da gelte es, das kognitive (bewusste) mit dem emotionalen (unbewussten) System in Harmonie zu bringen.

Das Problem? «Nehmen wir einen Skifahrer», sagt Wetzel. Der wisse technisch perfekt, wie Slalom gehe. Wäre da das kognitive System nicht, das Zweifel streue, das etwa um die Existenz von Einfädlern und Innenskifehlern wisse. Die Folge: Fehlentscheide. Das Ziel sei deshalb, dass ein Profi wie ein Anfänger entscheide: ohne gross darüber nachzudenken.

Dass wir in Sachen Schlägerei Laien sind (sind wir, oder?), hilft uns laut Jörg Wetzel. Der Körper hat für solche Situationen vorgesorgt. Unter Stress schüttet er Hormone aus. Werte und Vernunft spielen dann keine Rolle mehr. Es gibt nun nur noch die drei F: Fight (kämpfe), Flight (flüchte), Freeze (erstarre). Es läuft das intuitive und unbewusste Programm, wir sind im Überlebensmodus – und genau das erlaubt es uns überhaupt erst, alles auf den Punkt zu bringen.

Fazit: Man soll hoffen, dass man nie in eine solche Situation gerät. Und man darf davon ausgehen, dass man für den Fall der Fälle gewappnet ist. Der Bud Spencer schlummert in jedem von uns!

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3 Kommentare zu “So schlagen Sie richtig zu”

  1. Marga sagt:

    Da können Sie lange drauf warten, auf dieses Wegsperren.

  2. Georg sagt:

    Schön und gut. Ich weiss, wie ich mich verteidige, und ich habe es leider schon mal tun müssen. Der Angreifer war schwer verletzt, es gab kein Verfahren gegen mich, und Dumpfköpfe jubeln jetzt sicher und rufen “Hey, gut gemacht!”. Leider kann man nicht davon ausgehen, dass kein aggressivers Pack durch die Strassen kriecht und friedliche Leute angreift. Deshalb brauchen wir eine Staatsmacht, die solchen Abschaum von der Strasse nimmt und wegsperrt, bis er nicht mehr gefährlich ist. Denn ich will auch nicht, dass sich Böse und Gute prügeln und dabei die Guten siegen. Ich will gar keine Prügeleien auf der Strasse, und wenn es doch welche gibt, will ich, dass man die Prügler wegschliesst.

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