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Clubs: Frauen nur als Deko?

Alex Flach am Montag den 13. März 2017
Eher hinter der Bar als hinter den Plattentellern oder im Management: Frauen im Nachtleben (DJPrincess)

Eher hinter der Bar als hinter den Plattentellern oder im Management: Frauen im Nachtleben.

Am 8. März war internationaler Frauentag und das Zürcher Nachtleben hat wie immer weggeschaut. Dabei wäre es dringlich, das Problem des irritierenden Frauenmangels in wichtigen Nightlife-Positionen endlich anzugehen aber weder die Bar- und Club Kommission BCK noch der Nachtstadtrat haben die Gelegenheit ergriffen und Statements abgegeben oder gar Themen-bezogene Aktionen durchgeführt.

Dabei existiert hier wahrhaftig Handlungsbedarf: Beguckt man die Geschäftsleitungen der namhaftesten Zürcher Clubs, dann wird nicht einer von einer Frau geleitet und das nicht erst seit gestern, sondern seit Marion Meier und Martin Frigg ihr Rohstofflager geschlossen haben. Und das war vor bald sieben Jahren. Auch die Booker, die Inhaber und die Club-Hosts (von raren Ausnahmen wie Manon Maeder im Hive abgesehen): Beinahe ausnahmslos Männer. Eine anständige Frauenquote kriegen die Clubs nur in zwei Bereichen hin und zwar an der Bar und an der Garderobe. Positionen mit Entscheidungskompetenz werden im Nachtleben hingegen ungleich öfter mit Männern besetzt.

Nun kann Mann es sich einfach machen und die Schuld für diesen Missstand den Frauen selbst zuschieben: «Das Nachtleben ist halt ein Umfeld für Macher, eines des Unternehmertums. Es ist doch nicht die Schuld der Männer, dass so wenige Frauen den Mut aufbringen einen Club oder eine Bar zu eröffnen». Dabei wird jedoch vergessen, dass nur die wenigsten Clubgründer und -besitzer zuvor keine zentrale Funktion im Nachtleben oder in der Gastronomie innehatten, sei es nun in einer leitenden Position bei einem anderen Betrieb oder als Veranstalter.

Sie hatten also die Möglichkeit das Geschäft kennenzulernen. Ohne die Sicherheit dieses Know Hows gehen nur sehr Blauäugige das finanzielle Risiko einer Club-Eröffnung ein. Nun herrscht aber im Nachtleben eine Atmosphäre, die das Erarbeiten dieses Know Hows für Frauen nicht sonderlich attraktiv gestaltet. Man gibt ihnen beispielsweise allzu offensichtlich zu verstehen, dass sie vor allem als Geschäfts-Anheizerchen gesehen werden, als Lockmittel für Männer die an der Bar ihr sauer Verdientes ausgeben sollen: Auf usgang.ch wird allwöchentlich eine «Beauty Of The Week» gekürt mit Zusätzen wie «Was für ein Hingucker! Für mehr nice girls hier klicken…».

Im Underground ist es weniger offensichtlich, aber auch dort weiss man um den Wert einer hohen Frauenquote und ergreift entsprechende Massnahmen. Und hier soll man als Frau nun Karriere machen wollen, in einem Umfeld, in dem sie zum potenziellen Bettwärmerchen für den omnipräsenten, Alkohol- und Testosteron-geschwängerten Abschleppdienst degradiert wird? Ernsthaft?

Nicht zuletzt dank Organisationen wie des Vereins Les Belles De Nuit, der sich für die Förderung und Vernetzung von Frauen in der elektronischen Musik- und Kulturszene einsetzt, bricht die Männerdomäne DJing langsam auf und es stehen immer mehr Frauen an den Zürcher Turntables. Es wäre schön, wenn sich bald einmal eine Organisation der Problematik des beschämenden Frauenmangels hinter den Club-Kulissen annehmen würde.

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

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22 Kommentare zu “Clubs: Frauen nur als Deko?”

  1. Hans Meier sagt:

    Wie sieht’s eigentlich so aus mit dem Frauenanteil unter den Club-Promotoren? Und wie hoch ist der Frauenanteil unter den Stadtbloggern?
    Das erinnert mich ein bisschen an die vielen vorwurfsvoll anprangernden Kommentaren/Analysen/Kritiken der TA-Redaktion zum Thema Diskriminierung von Frauen (und Minderheiten) und deren Unterrepräsentanz in leitenden Funktionen.
    Momol, denkt man, das ist mutig, modern und emanzipiert! Bis man liest, wer das schreibt. Und bis man das Impressum des Tagesanzeigers genauer studiert und feststellt, dass die überwiegende Mehrheit (alle Leitungen bis auf eine) der diversen TA-Redaktionen fest in (weisser?) Männerhand ist. Just sayin’.

  2. Beladona Tropfrain sagt:

    Oh nein, die armen Frauen, wollen nicht einmal eine DJ-Karriere starten! Das muss man jetzt natürlich auf Teufel hol raus umgekrempelt – äh umerzwungen werden! Am besten mit einer feministischen DJ-Schule, wo man lernt, mit einer feminin positiv geladenen Frequenz House zu mischen.
    Vielleicht überlegt sich der werte Herr Flach mal, wenn er Zeit hat, dass Frauen vielleicht weniger an einer Clubkarriere interessiert sind oder im Grossen und Ganzen weniger technikaffin, da der DJ-Beruf diesbezüglich eben nicht unbedingt weniges Wissen darüber erfordert.
    Ich, Frau, arbeite lieber mit analogen Synthesizern, die sind im Zürcher Nachtleben halt nicht gefragt. Nicht das ich das wollen würde.

    • Réda El Arbi sagt:

      Naja, wenn ich mir Ihren Kommentar so ansehe, denke ich nicht, dass es die analogen Syntis sind, die nicht gefragt sind. Was Sie da von sich geben, ist reiner Sexismus.

      • Alex Flach sagt:

        Also wenn Beladona mit nur einem L tatsächlich eine Frau ist, dann ist sie die chauvinistischste Frau von der ich je gelesen habe… 🙂

        • Alex Flach sagt:

          Versuch ohne Beleidigungen auf das oben zu antworten, dann wird’s freigeschaltet. :-))) Kritik ever, Beleidigungen never.

  3. Albert Baer sagt:

    Es soll Frauen geben die nur Deko (=Schein) sein wollen.

  4. geezer sagt:

    ich würde ganz pauschal plakativ mal sagen: die frauen haben es selber in der hand. wenn sie es möchten, sollen sie es tun. wenn nicht, einfach brav konsumieren wie alle anderen auch und klappe halten……qualität und herzblut werden sich durchsetzen, egal von welchem geschlecht.

    • Alex Flach sagt:

      Im Grunde und im Kontext der gegebenen Sachlage sagst du jetzt nichts anderes, als dass Frauen weniger Herzblut haben das sich durchsetzen könnte.

      • KMS a PR sagt:

        lieber ali. die frau ist wie ein zartes pflänzchen im töpfchen. man(n) muss sie hegen und pflegen – und – in gesundem masse fördern. hat sie dann die notwendigen eigenschaften sich durchzusetzen, stellt sich auch das herzblut ein. es ist aber ein offenes geheimnis, dass ihre genetisch bedingte harmonie-bedürftigkeit den harten tatsachen eher abträglich sind. ich sag’ ja immer – fordern und fördern.

      • geezer sagt:

        ja, eigentlich schon. ich sehe grundsätzlich keine ‘unmöglichkeit’ (mehr) darin, als frau etwas auf die beine zu stellen was bestand und erfolg hat, sofern frau es auch wirklich will (und das nötige talent hat).

  5. Georg sagt:

    “Das dringliche Problem des irritierenden Frauenmangels in wichtigen Nightlife-Positionen” … Eine erheiternde Satire als Nachhall zum Frauentag! Merci!

  6. Tamara Grau sagt:

    Frauen lieben freien Eintritt und spendierte Drinks, aber sich die Hände schmutzig machen wollen die wenigsten.
    Männer zerbrechen sich das Hirn über Geschäftsideen (melden 95% aller Patente an), ackern sich ab, um die Firma durch die ersten fünf Jahre zu bringen, woran die Mehrheit scheitert. Und wenn die Geschäfte endlich laufen, ja dann plötzlich wollen die Frauen einen Platz am Tisch. Wer in erfolgreichen Clubs mitreden will, soll welche gründen.
    Und was weibliche DJs anbelangt: Es sind wohl eher Leute wie Nadja Brenneisen mit ihrer Hochstapelei als DJ daran schuld (Vice-Artikel), dass Frauen am Plattenspieler oft nicht ernst genommen werden, und nicht ein angebliches Patriarchat.

    • Alex Flach sagt:

      Wenn es tatsächlich so wäre… wieso nimmt dann trotz eines Mr. Pink und all der männlichen Armeschwenker jeder die männlichen DJs ernst?

      • Simon sagt:

        also ähm, ich nehme eine Klaudia Gawlas (die übrigens kurz nach dem Frauentag in Zürich aufgelegt hat) und noch viele weitere DJ-Damen 1000 Mal ernster als 99 % der Männer-DJs. Und so wie mir geht es sicher den meisten, die im Umfeld jener (elektronischen) Musik, bei der eben die Musik im Vordergrund steht, unterwegs sind. In einem Kommerz-Schuppen (ja, ich weiss, immer die gleiche Leier, aber nichts anderes sind diese Hipster-Clubs nun mal) schauen die Herren der Schöpfung halt lieber auf das Dekolleté hinter dem Plattenteller (das ja gerne auch noch extra ins Scheinwerferlicht gerückt wird) als auf die auflegerischen Kompetenzen …

        • Tamara Grau sagt:

          Kann mich noch gut erinnern, Alex, wie du dich über Brenneisens Stunt aufgeregt hast.
          http://blog.tagesanzeiger.ch/stadtblog/2015/11/16/undercover-djane/
          Aber ja, jetzt arbeitet die Gute für Vice und Watson. Da darf man nichts kritisches mehr sagen. Oder ginge das in dem Fall unter Nachtreten?
          Und Simon, dein Kommentar hat dermassen nichts mit meinem Post zu tun, dass ich gar nicht darauf eingehe.

          • Alex Flach sagt:

            Natürlich. Aber was können ALLE Frauen für das was sie getan hat? Ich zitiere Dich: “Es sind wohl eher Leute wie Nadja Brenneisen mit ihrer Hochstapelei als DJ daran schuld (Vice-Artikel), dass Frauen am Plattenspieler oft nicht ernst genommen werden, und nicht ein angebliches Patriarchat”. Es gibt auch bei den Männern DJs die sich Dinge leisten die partout nicht gehen. Wieso sind alle Frauen nicht ernstzunehmen wegen dem was Nadja getan hat, derweil keiner alle Männer in Haftung nimmt für das was Mr. Pink tut?

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