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Der fröhliche Klaus

Alex Flach am Montag den 6. März 2017
In den Räumen des ehemaligen Kinski sind jetzt fröhliche Leute zu Gast.

In den Räumen des ehemaligen Kinski (Bild) sind jetzt fröhliche Kläuse zu Gast.

Ende 2015 musste der Kinski Club an der Langstrasse für immer schliessen. Bei der Schliessung des Clubs wurde (wie bei den meisten Gastrolokalen an der Langstrasse) hinter vorgehaltener Hand auch von einer zu hohen Raummiete gesprochen und dem mit dem Kinski-Closing angekündigten Klaus Club (Eröffnung am 9. Januar 2016) wurden damals nur geringe Überlebenschancen eingeräumt.

Alain Mehmann und Nici Faerber, die exponierten Klaus-Macher, kannte man zwar. Jedoch hat sich Mehmann als Mitbetreiber des Heaven-Club im Niederdorf und als Veranstalter der Behave-Partys in der Büxe nur in der Gay-Szene einen Namen geschaffen und Nici Faerber war zwar bereits ein bekannter DJ, aber zu jung, um als Clubchef ernst genommen zu werden.

Längere Zeit blieb es denn auch ruhig ums Klaus. Man hörte nicht viel und aus der Gerüchteküche ertönte das Zirpen der Grillen und nicht das Klappern von Töpfen. Doch dann begannen die Szene-Leader, also jene Leute die über einen (selbst- oder fremdattestierten) Riecher für die ultimativen Partys und Clubs verfügen, bei jeder Gelegenheit zu erwähnen, dass man dem Klaus unbedingt einen Besuch abstatten muss – es schien sich was zu tun, hinter der unscheinbaren Tür an der Langstrasse 112.

Das Klaus ist ein kleiner Club. Hat man das Prozedere an der Kordel (fürs Klaus steht jeder an, egal wie viel Gewicht er im Zürcher Nachtleben hat) absolviert und zählt zu den Glücklichen die den Code für die betreffende Partynacht in der Tasche oder ihren Namen auf der «friend of Klaus»-Liste stehen haben (hat man beides nicht kann man sich das Anstehen sparen: Das Klaus ist ein Member-Club) betritt man das ebenerdige Fumoir, das aussieht, als wären ein Händler von Vintage-Lampen und der Betreiber eines Brockenhauses zusammengezogen.

Gays und Heteros sind hier bunt gemischt und zwar nicht nur an entsprechenden Themenpartys sondern immer. Man kennt sich, man mag sich, man plaudert unmittelbar drauflos und mittendrin wuseln freundliche Klaus-Mitarbeiter wie der stets in die Jacke einer alten Kadettenuniform gehüllte und ebenfalls am Club beteiligte Host Oli Jordan. Es kann auch vorkommen, dass Klaus-Chef Alain Mehmann die Gäste im Hugh Hefner-Bademantel begrüsst.

Unten im Keller brodelt es derweil: Techno- und House-DJs, manchmal aus dem Ausland angereist, meist jedoch mit Lebensmittelpunkt in Zürich, verwandeln den in rotes Licht getauchten Club-Keller in eine lustige Hölle, immer gefüllt mit fröhlichen Menschen. Und fröhlich heisst hier tatsächlich fröhlich, nicht selbstverständlich für einen Zürcher Club. Und auch immer heisst immer: An diesem Wochenende hatte das Klaus ab Freitagabend bis Sonntag durchgehend geöffnet – nicht zum ersten Mal.

Das Klaus ist der Club der Zürich seit der Schliessung des Cabarets an der Geroldstrasse gefehlt hat: ein Memberclub, der es tatsächlich schafft nicht elitär zu sein, der zwar mit einem ausgrenzenden Membersystem geführt wird, der aber an der Tür selbst alle gleich behandelt und sich keinen Deut um irgendwelche Szene-Vernetzungen schert. Selbst wenn das bedeutet, dass auch ich mich eine halbe Stunde lang mit zig anderen, maulenden und künstlich empört aus der Wäsche blinzelnden Einlasswilligen die Hauswand entlangdrücken muss: Das Klaus erzeugt auf diese Weise bei seinen Gästen ein Kollektivgefühl (die Basis für eine ureigene Clubbing-Atmosphäre) und hat damit ein Stück verloren geglaubte Nachtkultur nach Zürich zurückgebracht.

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

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8 Kommentare zu “Der fröhliche Klaus”

  1. Dorian sagt:

    Köstlich: Der Club sei nicht elitär. Man muss nur auserwähltes Mitglied sein und am Eingang nochmals Glück haben, nicht abgewiesen zu werden.

  2. Andrea sagt:

    Der grandiose Erfolg vom Club Klaus liegt nicht am MemberSystem oder dem Interieur andere Clubs sehen von drinnen ähnlich aus oder am Sound. Es liegt eindeutig und klar am Publikum das Mehrheitlich Homosexuell oder Homosexuell freundlich ist.Wie die Macher und viele Mitarbeiter vom Klaus übrigens auch. Egal wohin man geht sei es New York oder Tel Aviv Partys mit vielen Homosexuellen versprechen oftmals eine grandiose Party.Ein grosses Lob noch an den Türsteher, er macht keinerlei Unterscheidung ob ein Superszeni oder ein Normalo vom Land vor ihm steht. Musste Schmunzeln als die sogenannten Szenis und sogar DJ anstehen mussten und einige sich tierisch aufregten. Keine Sonderbehandlung Top!

    • Hans Müller sagt:

      Sehe ich ähnlich. Mit Homosexuellen lässt sich wunderbar abfeiern und den meisten Homosexuellen fehlt dieses aggressive Macho- und Angeber-Gen.

  3. Walt Home sagt:

    “dass Du hier allwöchentlich über Clubs und Nachtleben herziehst mein Lieber.”

    Da handelt es sich vermutlich um eine Verwechslung.

    “wenn Du die persönliche Interaktion von Menschen in einem Lokal jener im www (Tinder) vorziehst…”

    Noch eine Unterstellung, an der nichts dran ist. 1. schliesst das eine das andere nicht aus (so weit, dass es ganz ohne Kommunikation ginge, ist zum Glück auch Tinder nicht), 2. bin ich ein Fan der persönlichen Interaktion. Zwischen meinen Zeilen sollte lesbar sein, dass mir die Clubs eigentlich lieber wären als die Apps. Heute sind die Clubs aber leider sexuell zu prüde. Oder die Zeit. Man machts nicht mehr öffentlich, nur noch privat. Das ist schade.

    • Alex Flach sagt:

      In dem Fall handelt es sich definitiv um eine Verwechslung… gibt hier einen Kommentarschreiber der allwöchentlich genau dieselben Formulierungen abgibt wie den unten… Mit der Zeit wird man da etwas abgestumpft, scusi…

  4. Walt Home sagt:

    Die Zeiten, als man für den Clubeinlass anzustehen bereit war, sind vorbei. Künstliche Verknappung funktioniert in der Multioptionsgesellschaft nicht mehr – die nächste, bequemere Verlockung ist einen Griff ans Smartphone entfernt. Die Clubs sind viel zu prüde, zu langweilig, zu wenig mutig, zu zwinglianisch, zu teuer. Sie denken, die Gäste würden wieder nach Rauch stinken wollen, dabei wollen diese eigentlich Sex. Doch wenn selbst amerikanische Dating-Apps in dieser Kernaufgabe erfolgreicher sind als unsere lokalen Clubs, dann haben Letztere einfach ausgedient.

    • Alex Flach sagt:

      Also wenn ich für einen Club anstehe, dann können das wohl auch noch ein paar Andere. Und für den hier tue ich’s. Geh’s mal angucken Walti. Und bilde Dir vor Ort eine Meinung: Lohnt sich echt.

    • Alex Flach sagt:

      Es bringt auch nichts, dass Du hier allwöchentlich über Clubs und Nachtleben herziehst mein Lieber. Die allermeisten Clubs laufen wie geschmiert. Und wenn Du die persönliche Interaktion von Menschen in einem Lokal jener im www (Tinder) vorziehst… nun ja… ich denke wie’s weitergeht weisst Du selbst.

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