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Der beste Club der Schweiz

Alex Flach am Montag den 27. Februar 2017
In der Büxe ist Fotografieren verboten. Daher hier ein Stilbild.

In der Büxe ist Fotografieren verboten. Daher hier ein Stilbild.

 

Die Friedas Büxe ist der beste Schweizer Club. Zumindest konnten die beiden DJs San Marco und Valentino an den Swiss Nightlife Awards von letzter Woche diesen Preis entgegennehmen und geht man von den Reaktionen in den sozialen Medien aus, dann war das auch verdient: Jeder scheint die Büxe zu mögen.

Naja… «jeder» ist natürlich übertrieben, denn da wären ja auch noch all die Leute die an der harten Türchefin der Büxe abprallen, jene die mit dem Nachtleben als Ganzes nichts anfangen können und die, die ihre Wochenenden in der anderen – als «kommerziell» verunglimpften – Zürcher Club-Welt verbringen. Bewegt man sich jedoch im Bereich der subkulturellen, elektronischen Musik, dann ist es schwierig jemanden zu finden der die Büxe nicht mag.

Am Standort liegt das nicht, denn der Club ist nicht etwa an der sexy Langstrasse oder an der sexy Geroldstrasse positioniert, sondern in Steinwurfnähe des eher unsexy Albisriederplatz. Auch das Gebäude in dem sich die Büxe befindet löst beim Betrachter nicht eben eine Endorphinausschüttung aus, ein nüchterner Bau, bei dessen Anblick sich den Autoren des Hochparterre-Architekturmagazins die Eingeweide zusammenziehen dürften. Zudem darf man vor dem Eingang wegen der Nachbarn nur sehr leise sprechen. Die Stimmung an der Büxe-Tür ist also konträr zu jener des Hive, wo man von farbenfrohen Regenschirmen, wummernden Bässen und bunten Lichtern empfangen wird.

Doch genau das macht die Büxe so ausserordentlich, denn hat man sich an der Türchefin vorbeigeschmeichelt, purzelt man die Treppenstufen runter wie Alice im Kaninchenbau, schlägt bei der Kasse auf und betritt dann ein Wunderland, in dem sich der verrückte Hutmacher, die Grinsekatze und die Raupe Absolem zuprosten – der Kontrast zu der Welt draussen könnte nicht grösser sein.

Die Inneneinrichtung des Clubs ist der gestalterische Freigeist, eine Reizüberflutung aus Lichtern, Lametta und Firlefanz. Ein Minimalist wie Philippe Starck würde schreiend die Flucht ergreifen, alle anderen ergreift umgehend ein wohliges «zuhause in der Stadt»-Gefühl. Das liegt auch an der Offenheit des Raumes, welche die Gäste zum Tanzen nötigt: Das DJ Pult ist ebenerdig und liegt gegenüber des Eingangsbereichs, ein langer Tresen von dem aus die DJs beste Sicht auf den gesamten Mainfloor haben. Offene Räume haben aber die Angewohnheit, dass man sich schnell an ihnen sattsieht.

Das gleicht die Büxe aus indem sie ihren Gästen einen Club im Club bietet, den man über eine lange Treppe nach oben erreicht, die an einer kleinen Bar vorbeiführt. Dieser zweite Floor ist das Fumoir des Clubs (eines mit DJing) und die Luft entsprechend verraucht, was der Stimmung von Friedas Freunden aber keinen Abbruch tut.

Und es dürfte nicht zuletzt diese einmalige Stimmung sein, eine Atmosphäre von hoher Dichte und getragen von erwachsenen Clubbern, die der Büxe in dieser Stadt die Clubberherzen zufliegen lässt und die ihr den Swiss Nightlife Award für den besten Club des Jahres eingetragen hat – nebst den stets tadellosen Line-Ups und der quirligen Büxencrew natürlich.

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

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Ein Kommentar zu “Der beste Club der Schweiz”

  1. Johann Heinrich Pestalozzi sagt:

    gut geschrieben!

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