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200 Stutz für die Nacht

Alex Flach am Montag den 20. Februar 2017
Da ist noch jede Menge mehr im Glas als nur das Getränk.

Da ist noch jede Menge mehr im Glas als nur das Getränk.

Wer über das Zürcher Nachtleben spricht, der landet früher oder später bei den Preisen für Eintritte und Getränke: «18 Franken für einen Wodka irgendwas, 30 für den Eintritt; wer kann sich sowas leisten?». Nimmt man die stattliche Anzahl gut laufender Clubs und Bars, dann sind das nicht wenige.

Trotzdem: Wenn man sich während einer Samstagnacht ein Zunge lockerndes Komfort-Räuschlein antrinken, der Dame seiner Wahl einen Drink spendieren und dann mit dem Taxi nach Hause fahren möchte, dann muss mehr als hundert Franken budgetieren. Mindestens zweihundert gar, wenn man ein-, zweimal den Club wechseln und am Morgen danach mit einem ordentlichen Kater aufwachen möchte. Das kann und will sich nicht jeder gönnen, zumindest nicht an jedem Wochenende.

Vergleiche mit den Preisen in Berlin sind da schnell zur Hand: Die Eintritte kosten halb so viel, von jenen für die Drinks ganz zu schweigen. Und die Line-Ups dort sind ja nicht schlechter als jene in Zürich. Dass der Ausgang in Berlin markant günstiger ist, liegt natürlich daran, dass das dortige Lohnniveau niedriger ist.

Auch jenes der Barkeeper, Türsteher, Büro-Angestellten und Club-Hosts. Auch die Mietpreise für Gastronomielokale lassen sich nicht vergleichen, ebenso wenig jene für Materialaufwand. Zudem: International agierende DJs haben längst mitgeschnitten, dass man den Zürchern mehr Geld aus der Brieftasche leiern kann als den Partymachern in anderen Städten und insbesondere im House- und Technobereich verlangen die Club-Gäste nach immer noch ausgefalleneren und damit teureren Line-Ups. Die haben längst ein Kosten-Niveau erreicht, das sich kleinere Clubs wie die Zukunft an der Dienerstrasse nur noch dank nachhaltiger Netzwerkarbeit leisten können: Dort spielen die Greats auch mal für weniger, weil’s ein Club mit einem hervorragenden Namen ist und weil dort Leute arbeiten, die man kennt und mag.

Ein Club hat nur zwei Haupteinnahmequellen: Die Eintritte und den Getränkeverkauf. Da alleine mit den Eintritten die Kosten für einen Clubbetrieb inklusive der DJ-Gagen nie und nimmer gedeckt werden können (immerhin müssen ja auch schlecht besuchte Abende ausgeglichen werden), wird ein beachtlicher Teil dieser Aufwendungen auf die Getränkepreise umgeschichtet. Man bezahlt also mit dem Kauf eines Biers nicht nur das Flüssige in der Flasche, sondern auch etwas an die Deko, an die Musik, an die Lichtshow, an das Interieur, an das Honorar der Fremdveranstalter, etc. Klar sind die Eintritts- und Getränkepreise in Zürich hoch, aber die Kosten für all die genannten Dinge sind es ebenfalls.

Selbstverständlich gibt es auch Clubs, die ihren Gästen hohe Beträge abknöpfen, ohne ihnen etwas dafür zu bieten, die ihren Besuchern Discount-Line Ups hinstellen und die für ihre Deko, ihren Service und ihr Interieur höchstens ein «genügend» verdienen. Das Vergleichen des Angebotes ist jedoch Aufgabe des Konsumenten: Wer sich die Zeit nimmt und sich erkundigt, der weiss in welchen Club er seinen sauer verdienten Lohn bringen muss ohne über den Tisch gezogen zu werden.

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

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24 Kommentare zu “200 Stutz für die Nacht”

  1. danilo zink sagt:

    Ach bin ich froh, dass ich nicht dem Zürcher Mainstream hinterhertanzen muss. Als Liebhaber von musikalisch beeinflussten Subkulturen habe ich das Glück, dem in Zürich typischen Einheitsbrei (Elektro/House/Techno/HipHop, etc.) aus dem Weg gehen zu können und mich bei günstigen Preisen mit gleichgesinnten amüsieren kann. Hoch lebe Rock’n’Roll, Rockabilly, Ska, Punk, Rock und Country.

    • Claude Zürcher sagt:

      Ja dann viel spass beim verlangweilen. Irgendwo auf dem Land lässt sich bestimmt noch so eine Hillbilly-Trötenparty finden.

  2. Josipovic Zlatko sagt:

    Eine Schreiberin hat es auf den Punkt gebracht, “je älter desto härter” sind die Konsumenten, ist ja klar, auch ich habe im späteren Alter den Franken schätzen gelernt, als Jugendlicher muss ich der Jugend recht gebe, gib im, prassen und nichts auslassen, natürlich waren die Preise früher anders, auch der Verdienst irgendwie leichter, heute würde ich nicht mal ein Bier konsumieren, weil es zu teuer ist., wenn man es mit einem Mass mit dem Oktoberfest München vergleicht, Keine Restaurantbesuche, es ist sowieso alles Abzocke und schlecht. Nicht umsonst schreibt die Zeitung dass Zürich eine der teuersten Städte der Welt ist….die Gatronomie wird es selber merken…

  3. Ana sagt:

    Zu den Löhnen. Es stimmt die sind bei +/- 25 pro Stunde angesetzt aber mit dem Trinkgeld der Besoffene sind mehrere hundert Franken Einnahmen pro Abend für eine Bardame oder Barmann möglich die als Lohn gelten.Kenne Leute die nur am Fr/So in Clubs arbeiten und damit soviel Geld verdienen das diese unter Woche keiner Arbeit nachgehen. Gut laufende Clubs rentieren für alle Beteiligten, wäre es nicht so gebe es nicht diese riesen Anzahl und Dichte an Clubs in Zürich. Verlierer sind die lokalen DJs Gewinner die internationale DJs die aber in wenigen Clubs in ZH auftreten. Trend ist vermehrt lokale DJs damit steigt die Rendite für die Club-Besitzer stark an.

    • Laura sagt:

      Selber im Nachtleben gearbeitet.In jungen Alter machbar, bist aber um die Mitte 30 geht dir jede Nacht tief in Knie.Je älter umso härter.Das Geld war nicht das Problem, das Durcharbeiten der Nächte bis spät in den Morgen, Störung des Schlafes, die ewig betrunkenen Typen die dich dauernd anmachen, das Leben in einem dauernden Nebelzustand mit Kunden die dauernd betäubt sind.Ich liebte die elektronische Musik und das Nachtleben aber nach 2 Jahren war Schluss, ich konnte diese Musik und die Parties , das Publikum nicht mehr sehen, Aus, Ende und vorbei hihi.Nachtarbeit ist harte Arbeit nur glauben das die wenigsten Leute es geht an die Substanz.

  4. N. Kuster sagt:

    Verdächtig, dass niemand die Drogen erwähnt. Diese machen auch übermütig bzw. gleichgültig, was dazu führt, dass man Preise einfach hinnimmt. Und vom musikalischen Einheitsbrei ganz zu schweigen. Hauptsache, der repetitive Bass pumpt direkt aus iTunes in das schlecht abgestimmte Soundsystem. Die uninformierte und chemisch vollgepumpte Masse lässt es mit sich machen.

    • Alex Flach sagt:

      …und mittendrin in all diesem Schlechten, dieser Hölle der westlichen Zivilisation in der es nur Pein, Verzweiflung und Abgründe gibt, hockt Satan und geisselt die Clubber mit seiner Zwölfschwänzigen auf die nackten Rücken, auf dass sie nie mehr eine Morgendämmerung erleben!!!

      🙂

      Sie sollten sich mal zulesen, N. Kuster….

      • Alex Flach sagt:

        Und ein klein wenig witzig ist es auch… die Drogen und der erste Alkohol wurden in diesem Fall jeweils stocknüchtern gekauft. Also war’s da schon irgendwie egal.

        • N. Kuster sagt:

          Ja, aber meistens günstig zum vorglühen, lange bevor man den Club betritt.

          • Alex Flach sagt:

            Stimmt…. insofern hat’s schon was. Kennt man ja von sich selbst; haben die ersten paar Drinks die Hemmschwelle weggespült schaut man nicht mehr aufs Konto. Aber liegt es nicht in der Verantwortung von jedem selbst da ein Auge drauf zu haben?

          • N. Kuster sagt:

            Absolut. Jeder ist selbst für sein chemisch beeinflusstes Konsumverhalten verantwortlich. Das einzige, was ich anprangere, ist die Begründung hinter den hohen Preisen. Diese sind nämlich – auch gemäss renommierten Ökonomen – in Wahrheit nur aus einem einzigen Grund so hoch. Die Leute sind bereit, soviel zu bezahlen.

  5. Michaela Huber sagt:

    Im wissen das mein Beitrag eh nicht aufgeschaltet wird, schreib ich trotzdem.Ich verstehe ja, dass Sie Herr Flach Ihren Arbeitgeber und Freunde nicht in den Rücken fallen, aber hören Sie doch auf Dinge schön zu reden, was in manchen Clubs abläuft ist schlicht und einfach abzocke.Jeder der in diesem Business arbeitet/gearbeitet hat, kennt die Margen auf Drinks.Gagen für DJ’s?Für die die keinen “grossen” Namen haben, seit Jahren rückläufig(Und ja auch bei Ihrem Klientel).Löhne für Personal?Ausser dem Security(noch besser Sélecteur)verdient wohl keiner mehr als 25.- /Std. (Und das trotz Nacht Arbeit und wenig Pause)

    • Alex Flach sagt:

      …wieso sollte der nicht aufgeschaltet werden… 🙂 Konträre Meinungen werden immer aufgeschaltet, bloss dumme Unterstellungen nicht; ich habe von der BCK nie einen Cent Honorar erhalten, habe sie zu Beginn mit Freiwilligenarbeit unterstützt weil ich sie für eine gute Sache halte. Aber auch das ist längst vorbei. Endlosschleifenzeug (ja… ich mache PR für Clubs… steht unter jedem Beitrag… seit bald 10 Jahren…) ebenfalls lieber nicht. Aber das hier ist IHRE Ansicht zu diesem Beitrag, also themenbezogen. Halt nicht meine Ansicht, aber eine Ansicht.

  6. Ausgänger sagt:

    Bei diesem harten Business mag ich dem Besitzer eines Zürcher Nachtklubs (der mit den 30 Franken Eintritt) das Schloss in Frankreich aber herzlich gönnen;-)

    • Alex Flach sagt:

      Nightlife, das einzige Gewerbe in dem sich die Erfolgreichen für ihren Erfolg gefälligst zu schämen haben. 🙂 Clubbing zu bieten ist ja auch unehrenhafter als das Vermögen anderer Leute umzuschichten oder Minen in Drittweltländern zu plündern… wobei das Schloss ja den Banken gehört, von Freiwilligen in Schuss gehalten wird und sich mit Anlässen und Vermietung von Zimmern finanziert; da hockt keiner in Nerz und Zobel aufm Thron und wedelt mit dem Zepter 🙂

  7. Hans Nötig sagt:

    Ich mag clubs die nicht jeden idioten reinlassen müssen weil geld und so. Kleine feine parties von quasi gratis arbeitenden veranstaltern mit vielen freiwilligen helfern, untergrund ist man geneigt zu sagen. Hin und wieder spielt auch da ein “grosser”.
    Kommerz-kultur die ökonomisch funktionieren muss ist für die tonne!

    • kati blitz sagt:

      die selbstausbeutung ist sowieso sehr gross im kultur- und auch untergrund party bereich. irgendwann müssen auch die netten kreativen “quasi gratis arbeitenden veranstalter_innen” und die vielen “freiwilligen” heinzel helferchen ihre wohnungsmiete zahlen, zb an die immo.verwaltung wo die besucher_innen (der freiwillig arbeitenden bunten partymacher_innen) ihren monatslohn beziehn, oder essen kaufen im supermarkt wo die besucher_innen…usw sie wissen schon. ich suche sonst aber noch freiwillige gratis arbeitende helfer_innen für 4 tage (2 tage party und je einen davor /dannach auf-/abbau & aufräumen) – ca 10-12h pro tag einsatz. melde dich bitte ungeniert.

      • Hans Nötig sagt:

        klein und fein wird nie für die (garantierte) wohnungsmiete reichen. Die leute haben alle noch einen anderen job. Da gehts mehr um herzblut und eiine gute zeit. Ein leichtes plus in der kasse dazu hält das ganze am laufen bis irgendwann die luft raus ist oder das geld ausgeht.

        48h arbeit pro person klingt für mich nicht mehr nach klein und fein.
        aber lass mal hören: wann wo was?

  8. Johnny Rotten sagt:

    Zusammenfassung für eilige Leser “Der Ausgang in Zürich ist schweineteuer, aber das ist im Fall gut, because reasons”.

    • Alex Flach sagt:

      Nicht gut, aber logische Konsequenz because reasons, ja. Auf wen sollen die Clubs ihre eigenen, hohen Kosten für Mieten, Programm, Personal, Versicherungen, Wareneinkauf abwälzen wenn nicht auf den Gast?

  9. Urs Nauer sagt:

    Zürcher Clubs sind nicht mehr so cool wie vor 20 Jahren. Das hat aber mit dem Publikum zu tun und nicht mit dem Angebot. Ich gehe schon lange nicht mehr in Clubs, weil das Publikum teilweise schlimmer Müll ist und wieso soll ich für so schlechte Parties auch noch so viel Geld bezahlen. Die Mieten und Löhne sind das Problem. Aber die Clubs müssen auch dem Alex Flach noch was abdrücken, damit er immer so schöne Beiträge über das Clubleben veröffentlicht. Auch das ist nicht gratis, bitte nicht vergessen. und a propos Berlin: die Clubs dort sind 10x cooler als in Zürich aber auch dort hat das mit den Leuten zu tun. Bessere Gäste.

    • Müller sagt:

      Wow wie schön, ein Mensch, der andere Menschen als Müll bezeichnet, findet sich selber also – als Schlussfolgerung – als etwas besseres? Ok. Aber hey Urs, ganz gut dass du wohl Berlin cooler findest als Zürich und deinen Vergleich als so öffentlich wichtig betrachtest und du also zu den so besseren Gästen gehörst. Gratulation, da darf man tief beeindruckt vor einem Mann, mit so tiefer Club-Weisheit sein.

  10. geezer sagt:

    genau: der konsument hat’s selbst in der hand. ich persönlich meide seit jahren clubs und bars, welche preise in der oben genannten höhe verrechnen. ich könnte es mir inzwischen zwar ohne grössere probleme leisten, mag das aber nicht tun, da mir zuviel kommerz im zusammenhang mit musik eigentlich auf den sack geht….und ja klar: berlin ist nicht zürich. man kann nicht äpfel mit birnen vergleichen (nur schon was die mieten anbelangt). aber etwas weniger wäre auch in definitiv zürich mehr….

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