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«Du hast jetzt Hausverbot. Zwinker-Smiley»

Alex Flach am Montag den 7. März 2016
Social-Media-Kommunikation ist für viele Glücksache.

Social-Media-Kommunikation ist für viele Glücksache.

Im Internet ist jeder ein Kritiker. Auf unzähligen Plattformen dürfen Hans und Heiri Produkte, Dienstleistungen und Betriebe mit Sternchen bewerten. Globetrotter verteilen auf TripAdvisor ihre (Miss-)Gunst, auf IMDb vergeben Filmfreunde Punkte und in unzähligen Facebook-Gruppen dürfen Konsumenten loben und tadeln. In den USA sorgt vor allem die Restaurant- und Geschäfte-Bewertungsplattform Yelp für Missstimmung, Beschwerden und gar Sammelklagen. Die South Park-Macher Trey Parker und Matt Stone haben Yelp gar eine Folge («You’re Not Yelping») gewidmet, in der sich Eric Cartman und ein Heer von Hobby-Kritikern zu Gaumen-Göttern aufspielen, was am Ende zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen führt.

Auch auf Google, hierzulande die meistgenutzte Plattform für selbsternannte Kritiker, werden Sternchen verteilt. Jedoch ist dem Menschen die unangenehme Eigenschaft zu eigen, dass er vor allem dann ein Bedürfnis nach öffentlicher Meinungsabgabe entwickelt, wenn er unzufrieden ist. Das Fleisch ist nur lauwarm? der Barkeeper zu langsam? der DJ hat einen Übergang verhauen? Smartphone zücken und auf Google mit einem Sternchen und einem träfen Kommentar Dampf ablassen.

Ebendies hat auch eine Dame namens Ela nach ihrem Besuch im Club Bellevue getan: Der Eintrittspreis von CHF 25 sei zu hoch, die Musik zu laut (ihr hätten trotz Ohropax anschliessend die Ohren geschmerzt) und obschon House und Hip Hop angekündigt gewesen sei, seien da nur monotone Beats gelaufen. Das Schönste zum Schluss: Zu der Musik die da laufe könne man unmöglich mitsingen. Zack! Ein Sternchen.

Für Social Media-Furore hat aber nicht die Kritik Elas gesorgt, sondern die Reaktion des Clubs: «Liebe Ela. Herzlichen Dank für Dein Kompliment! Du hast nun Hausverbot. Zwinker-Smiley». Da ging sie aber ab, die Post: «Da kriegt man richtig Lust NICHT hinzugehen!», «Also ich komme bestimmt nie in Euren Club» und «selten so einen beschissenen Club gesehen» zählen noch zu den moderateren Kommentaren.

Selbstverständlich: Die Reaktion des Bellevue war die denkbar schlechteste – und die Bellevue-Macher Louis Bisang, Marco Ammann und Marco Giuliani sollten ihrem Social Media-Verantwortlichen ein paar Takte reden. Erstens weil man auf begründete (wenn auch unbedarfte) Kritik immer eingeht und zweitens weil er wissen sollte, dass die meisten Menschen Ironie nicht verstehen, selbst wenn am Ende des Posts ein Smiley blinzelt. Ironie ist stets vergebene Liebesmüh und wird nur bei Satiremagazinen wie der Titanic als solche erkannt. Und selbst da soll es Leser geben, die Beiträge für bare Münze nehmen. Die Bellevue-Macher hätten sich den groben Facebook-Hick Hack leicht ersparen können, wenn sie das Feedback von Ela mit einem auf ihre Punkte eingehenden Kommentar gepostet oder wenn sie ihr einfach nur bilateral geantwortet hätten.

Ein Schelm wer denkt, sie hätten den ganzen Wirbel mit voller Absicht provoziert, um viele weitere selbstgekrönte Clubkritiker auf den Plan zu rufen, die ihnen, im munteren Zusammenspiel mit den kommentierenden Fans des Clubs, Aufmerksamkeit generieren.

Alex-Flach2-150x150Alex Flach ist Kolumnist beim Tages Anzeiger und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

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4 Kommentare zu “«Du hast jetzt Hausverbot. Zwinker-Smiley»”

  1. Michael Ka sagt:

    Im Internet ist jeder ein Kritiker. Auf unzähligen Plattformen dürfen Alex und Flach Betriebe mit Ratschlägen belehren.

    Ich halte die Antwort des Clubs für perfekt! Bei den 08/15-Reaktionen die wandelnde Social-Media-Lehrbücher täglich ablassen, kommt mir das Kotzen.

    Und: Nein! Humor und Ironie WERDEN bei ausreichender Kennzeichnung verstanden. Das schützt aber nicht davor, dennoch Empörung zu ernten.

    Jedenfalls wird die Sache dem Club nicht nachhaltig schaden können.

    • Alex sagt:

      Ich glaube das sind einfach unterschiedliche Herangehensweisen. Man muss gar noch anfügen dass nicht das Bellevue als erstes öffentlich gegangen ist; Ela hätte das dem Club ja auch via Mail mitteilen können, aber nein… Jedoch; ein Blick auf die Kommentare und ich finde nicht, dass Ironie in genügendem Masse erkannt wird…

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