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Nur mit Geld und Geduld

Simon Eppenberger am Donnerstag den 25. Februar 2016

Wer es zum ersten Mal sieht, reibt sich die Augen: Das neuste Preismodell der Fifa ist hochkomplex. Es umfasst zwölf Beträge. Dabei geht es nicht um Tickets für einen WM-Final in Russland. Aus einem Dutzend Preisen auswählen muss, wer ins Weltfussballmuseum in der Enge will. Am Sonntag geht es nach gefühlt zehn Pre-Openings endlich für alle auf.

Es erwartet Sie ein abwechslungsreiches Erlebnis. Wichtig ist einzig, dass sie für den Eintritt zwei gut schweizerische Tugenden mitbringen: Geld und Geduld. Am einfachsten ist es, wenn Sie mindestens 16 Jahre alt sind. Dann zahlen sie 24 Franken und ärgern sich höchstens, dass der reichste Sportverband der Welt die teuersten Museumspreise in Zürich verlangt. (Ausser Sie wollen im Kunsthaus gleichzeitig die Ausstellung und die Sammlung sehen, dann zahlen Sie 25 Franken. Aber das wollen Sie nicht.)

Sie gehen mit Ihrer Familie hin? Die Fifa glaubt, dass Sie aus zwei Erwachsenen und zwei Kindern zwischen 7 und 15 Jahren besteht. Dann sparen Sie 12 Franken. Sie haben drei Kinder? Seien Sie zufrieden: Sie sparen auch 12 Franken. Haben Sie nur ein Kind? Zahlen Sie die vollen Preise. Nicht aufregen, kleine Kinder und Lehrer sind gratis (wenn sie teure Eltern oder viele Schüler mitbringen). Und eine Gruppe von zehn 16-Jährigen spart zusammen 20 Franken. Das reicht für vier Mineralwasser im Fifa-Bistro. Senioren sollen unter der Woche kommen (wollen sie 5 Franken Rabatt), und Studenten haben 6 Franken Dauerrabatt.

Der Vorteil: Fussballfans kommen so in den Genuss einer starken Meta-Erfahrung: Sie sind Teil des Geschäfts rund um den Ball. Nein, damit sind nicht strukturierte Ticketprodukte oder zweifelhafte Finanzierungsmodelle gemeint, wie sie in der Sportwelt vorkommen können. Es geht um zwei andere Dinge.

Erstens: Regeln und Rechte. Mit dem Eintritt ins Museum akzeptieren Sie die Hausregeln und geben nebenbei weitgehend die Rechte an Ihrem Bild an die Fifa ab. Sie darf alle Aufnahmen von Ihnen verwenden, wie sie will. Unentgeltlich. Schauen Sie in die AGB.

Zweitens: Ohne Geld kein Fussball – oder: kein Museum. Der Bau alleine hat 30 Millionen gekostet. Dutzende Mitarbeiter halten den Betrieb am Laufen. Das ist teuer. Damit die Kosten nicht aus dem Ruder geraten, budgetiert die Fifa 250’000 Eintritte pro Jahr. Nimmt sie durchschnittlich 20 Franken ein, kommen so immerhin 5 Millionen zusammen. Das reicht aber nirgends hin, um 3000 Quadratmeter Museum an dieser Lage zu finanzieren.

Wenn Sie nicht genug Geld oder Geduld mitbringen: Das Gebäude können Sie auch betreten, ohne in die Tasche zu greifen. Die Bar, das Bistro und die beiden Terrassen liegen vor der Bezahlschranke. Was es Sie kostet: Überwindung, nichts zu konsumieren.

PS: Am 8. März verzichtet die Fifa freiwillig auf einen markanten Teil der Einnahmen. An diesem Datum ist der internationale Tag der Frauen. Weibliche Gäste kommen deshalb umsonst rein. Die Preise im Detail gibts hier.

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24 Kommentare zu “Nur mit Geld und Geduld”

  1. Donalf sagt:

    Sicher hat Blätter gravierende Fehler gemacht und sein Abgang ist unausweichlich. Es ist aber unfair, dass seine Verdienste für den Weltfussball und speziell auch für Zürich nun absolut vergessen gehen. Wir hätten wahrscheinlich keinen FIFA-Haptsitz und kein Museum in Zürich, ganz nebenbei auch die Einnahmen bei Kongressen usw. Er ist zu Recht gesperrt, aber seine Verdienste zu vergessen ist unfair. Der neue Rat soll nun beweisen, dass es besser wird, sofern die alte Garde ausgetauscht und zurück gebunden werden kann.

    • Réda El Arbi sagt:

      Genau. Dass die Fifa auch sonst ein verrottender Haufen ist, der in der Welt für Korruption steht, ist völlig egal.

  2. marsel sagt:

    Da ginge ich nicht mal rein, wenn’s gratis wäre. Und wenn ich bezahlt würde für’s reingehen hätte ich ein schlechtes Gewissen, weil es wahrscheinlich irgendwie unsauberes Geld wäre.

  3. Leser sagt:

    Da gibt’s in Zürich (endlich?) mal wieder ein Museum das sich auch im Ausland zeigen lassen kann (von dem was ich bisher auf Bildern sehen konnte..) und es wird gemotzt…Sollte der Stadtblog nicht eigentlich der unbünzlige Teil des Tagis sein?
    Wir leben im Kapitalismus, Zürich ist teuer und dass die FIFA kein Chorknabenverein ist, sollte ja auch bekannt sein.

    • Réda El Arbi sagt:

      Wir haben bereits ein Kriminalmuseum.

      • Marc Bachmann sagt:

        Wegen dem Kriminalmuseum kommen aber kaum bis gar keine ausländische Gäste extra nach Zürich, ausser es sind welche von Polizeikorps. Das FIFA Museum, dass Sie Hr. El Arbi ganz despektierlich Kriminalmuseum nennen, wird eine weltweite Ausstrahlung und Anziehung haben und zig tausende Gäste nach Zürich locken. Das alle FIFA HasserInnen dann ganz gerne wieder die Steuereinahmen, welche das FIFA Museum generiert, indirekt entgegen nehmen und davon profitieren, ist ja logisch. War bei den Steuereinnahmen der Stadt Zürich, die sie von den Banken früher genommen hatten, obwohl es ja schmutziges Geld war, nicht anders. Geld stinkt, speziell auch für die selbsternannten Anständigen, nicht.

        • Réda El Arbi sagt:

          In letzter Zeit hat die Verbrecherbande Fifa auch internationale Gäste angezogen: Ermittler, Staatsanwälte, Journalisten.

          Der korrupte Club dort oben hat dafür gesorgt, dass der Ruf der Schweiz mehr Schaden erleidet in der Welt. Nur weil für ein paar Leute, die sich nur für Fussball, aber nicht für Recht interessieren, das Museum “noch geil” finden, heisst das nicht, dass es nicht das Museum eines korrupten Vereins ist.

          Und korrupt ist due Fifa auch nach Blatter noch.

          • Marc Bachmann sagt:

            Tja, ist ja so einfach mit der Keule um sich zu schlagen. Können Sie bitte auch nur ein rechtskräftiges Urteil vorweisen, und dann ganz speziell noch eines, dass einen Schweizer betrifft? Ach so, ist ja gar nicht nötig, die Unschuldsvermutung hat keine Gültigkeit, speziell wenn es um die FIFA geht. Da darf man sogar einfach alle als Verbrecherbande bezeichnen, ob schuldig oder nicht, und zugleich noch schreiben “aber nicht für Recht interessieren”
            Schöner Abend

          • Réda El Arbi sagt:

            Nun ja, der Chef ist gerade vom eigenen Verband wegen Korruption für 6 Jahre gesperrt worden.

          • Leser sagt:

            Und regelmässig werden in der Schweiz korrupte oder sonst wie kriminelle Politiker durch ihre Ratsmitglieder gedeckt und Strafverfolgung “dank” Immunität verhindert.
            Komischerweise las ich hier noch nie vom “Kriminalmuseum” im Zürcher Rathaus?

          • Réda El Arbi sagt:

            Wo genau lesen Sie das? Bitte einen Link.

      • Rolf Raess sagt:

        Gut gebrüllt Löwe!

      • Pumuckl sagt:

        Wie ein steuerbefreiter Verein Steuern generieren soll ist mir jetzt nicht ganz klar.
        Aber ich bin ja auch nur ein Kobold

        • Maiko Laugun sagt:

          Die FIFA wird als Verein sehr wohl besteuert. Das sind zwar nur tiefe Ansätze, aber es besteht eine Steuerpflicht. Wenn schon, dann sollte man die korrupte Politik und das korrupte Parlament verurteilen, welche gesetzlich keinen Unterschied zwischen kleinen Vereinen und eigentlichen – zumindest nach Umsätzen – Weltkonzernen machen. Da liegt der Hund begraben. Korrupte Organisationen nehmen dort ihren Hauptsitz, wo sie rechtlich geschützt und willkommen sind. In Zürich ist das der Fall. Polizei, Justiz und Politik haben nie wirklich eingegriffen. Das Museum ist im gesamten Zusammenhang nebensächlich.

        • Marc Bachmann sagt:

          Schon mal daran gedacht, dass sämtliche Löhne die die FIFA bezahlt, wohl versteuert werden? Was für Einnahmen generiert werden und zwar nicht bei der FIFA, wenn zB. gerade mal wieder ein Kongress in Zürich stattfindet? Es ist wohl müssig noch mehr zu schreiben.

  4. Manuel Wüthrich sagt:

    Geduld wegen den Ticketpreisen? Es gibt sicherlich viele gute Gründe, das Fifa-Museum zu bashen, die Preisstruktur aber wohl kaum, diese entspricht dem heutzutage üblichen. Wenn Herr Eppenberger nicht mit unterschiedlichen Preisen für Kinder, Erwachsene, Senioren, Studenten, IV-Rentner etc umgehen kann und viel Geduld braucht, um seine Kategorie zu finden, rate ich von einem Besuch im Zoo (26 Kategorien inkl. Jahreskarten) oder einem Sportstadion dringend ab…

    • Roman sagt:

      so viele Worte, nur weil man ein ganz normales Ticketingsystem nicht versteht… merkwürdig…

      Und dass dann auch noch der Rede bashen muss, erstaunt ja keinen.

      • Réda El Arbi sagt:

        Naja, ich mag halt keine weltweiten Schlagzeilen, wie man hier Leute verhaftet, denen wir einen Boden für eine korrupte Firma liefern, die ihre Milliardenumsätze nicht mal richtig versteuern muss. Dass die dann hier noch ein Museum für ihre kriminelle Vereinigung bauen, finde ich dann grad etwas viel.

  5. Noldi Schwarz sagt:

    Ich frage mich schon, was dieses Museum eigentlich in Zürich soll. Warum sollen fussballbegeisterte Schweizer gerade in jene Metropole fahren, die es nicht einmal schafft ein grosses Stadion zu bauen? Warum sollen sich Touristen (Inder, Chinesen, Amerikaner), die kostbare Zeit in einem überteuertenn Museum verbringen, das ein paar Liibli, Pokale und Tschuttihandschuhe zeigt, wenn Rolex und Co an der Bahnhofstrase warten? Oder hofft man, dass in Zukunft wenigsten 10% der Raver nach der Streetparade im Museum abhängen? Und die Deutschen werden für dieses Geld wohl lieber Fussball und Emotionen live in ihren Stadions geniessen. Wetten, das Museum schliesst spätestens in 5 Jahren?

    • Leser sagt:

      Könnte – ich sage nur könnte damit zu tun haben. dass der Weltfussballverband eben in Zürich sitzt und nicht irgendwo sonst…

  6. Philipp M. Rittermann sagt:

    abschaffen, den löli-verein.

  7. Keller sagt:

    Was ich dort (wo jetzt dieses gentrifizierte Haus steht) wirklich vermisse, sind folgende Läden, die immer sehr gut besucht waren: Denner zum Lebensmittel einkaufen, der Coiffeur-Salon mit den normalen Preisen, der preiswerte Kleiderladen für Männer (glaub Black-Out hiess er).

  8. mikezh sagt:

    da geh ich doch für einen Schnägg lieber ins FCZ Museum und krieg erst noch einen gratis Kaffee und eine private Führung vom Kurator persönlich. small is beautiful.

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