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Bürger und Uniform – wenns uns gerade passt

Stadtblog-Redaktion am Dienstag den 16. Dezember 2014
Freund und Helfer oder  Feindbild: Die Stadtpolizei.

Freund und Helfer oder Feindbild: Die Stadtpolizei.

Von Thomas Meyer

Die Ausschreitungen in der Stadt Zürich, am Abend des 12. Dezember von einer Horde Vandalen verübt, rufen zurecht grosse Empörung hervor. Die mutwillige Zerstörung von fremdem Eigentum ist durch nichts zu rechtfertigen, und die pseudopolitische, pseudolinke Verbrämung durch Anliegen, die eindeutig ihre Berechtigung haben, wie beispielsweise Kritik an der Gentrifizierung, mutet an wie ein schlechter und zynischer Witz.

All die eingeschlagenen Scheiben, angezündeten Autos und verletzten Polizisten muten dabei jedoch an wie das Werk einiger weniger Wahnsinniger, mit denen die übrige Gesellschaft nichts zu tun hat. Hat sie aber. Denn diese Demolierungsorgie war kein gesondertes Phänomen, sondern ist vielmehr die masslose Übertreibung einer populären Geisteshaltung.

Wie oft hört man von den «Scheissbullen», die angeblich «nichts Besseres zu tun haben, als Parkbussen zu verteilen», und häufig genug bekommen es die Betroffenen gleich selbst zu hören. Wie oft werden Postbeamte am Schalter angepöbelt, bloss weil sie Preise verlangen, die sie nicht selbst bestimmt haben. Wie oft werden SBB-Kontrolleure beleidigt, bloss weil sie jemanden bitten, die Füsse vom Polster zu nehmen, oder ihn beim Schwarzfahren erwischt haben. Wie oft trifft man Sperrmüll an, den jemand auf die Strasse gestellt und mit der Mitteilung «Gratis zum Mitnehmen» versehen hat, im offenkundigen Glauben, sich damit von der Pflicht der sachgemässen Entsorgung befreit zu haben, und wie übersät ist der öffentliche Raum von weiterem Abfall, für den sich die Verursacher in keiner Weise verantwortlich fühlen.

Die Liste der politisch, sozial und charakterlich unreifen Verhaltensweisen liesse sich beliebig fortsetzen und ist alles andere als originell. Originell ist dafür die Idee, schlechtes Benehmen sei erst ab einem bestimmten Grad schlechtes Benehmen und bis zu diesem Punkt völlig unproblematisch, wenn nicht sogar Ausdruck urbaner Coolness.

Wer die Chaoten verurteilen möchte, die am 12. Dezember 2014 ihre Wut über «das System» dadurch kundgetan haben, indem sie die Ladengeschäfte von Kleingewerblern verwüstet haben, sollte sich zuerst ein paar interessante Fragen stellen:

1. Wie ist denn mein Verhältnis zum Staat? Zu Gesetzen, Steuern, Politik?

2. Wie ist denn mein Verhältnis zur Polizei? Zu Bussen, Regeln, Autorität?

3. Wie ist denn mein Verhältnis zur Bürgerpflicht? Zu Eigenverantwortung, Respekt, Abfallentsorgung?

Die Idioten, die letzten Freitagabend alles kaputtgemacht haben, sind unglaubwürdig. Ihre Gesellschaftskritik ist unglaubwürdig, denn das Geld für die Smartphones, mit denen sie sich gegenseitig auf diesen heiteren Anlass aufmerksam gemacht haben, stammt, wie die Smartphones selbst, irgendwo aus dem «System», wie auch die Petarden, Hoodies und Gasmasken. Zudem ist ein brennender Mercedes kein politisches Argument, sondern Ausdruck von Hass, Neid und generell schlechtem Charakter.

Unglaubwürdig ist es aber eben auch, das zerstörerische Treiben einiger Extremisten zu kritisieren, wenn man selbst in einem abgemilderten Masse nichts anderes tut. Und das gilt für weite Kreise einer Gesellschaft, deren grösstes Problem nicht die sogenannt linksautonome Szene ist, sondern die ganz allgemein an einer postpubertären Frechheits- und Undankbarkeitsstörung erkrankt ist. Und dies nicht nur an einem bestimmten Freitagabend, sondern eigentlich immer.

Wer es nicht glaubt, möge einmal das Gespräch mit Polizisten, Sanitätern und anderen Angestellten staatlicher Betriebe suchen und sich anhören, was diese Menschen sich in ihrem Berufsalltag alles so gefallen lassen dürfen vom Durchschnittsbürger, der nie eine Scheibe einschlagen würde.

Thomas-Meyer Thomas Meyer, 40, ist Schriftsteller und lebt in Zürich.

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98 Kommentare zu “Bürger und Uniform – wenns uns gerade passt”

  1. Mikael sagt:

    Im Artikel werden wirklich Äpfel mit Birnen verglichen.
    Die Chaoten waren draussen um Eigentum zu zerstören. Sie selber haben davon überhaupt keinen Nutzen. Der Beschädigte hat aber sehr viel Schaden davon.
    Wenn jemand Sperrmüll auf der Strasse stellt tut er das nicht in erster Linie um jemand Eigentum anderer zu zerstören und anderen Schaden zuzufügen, sondern um ein lästiges Gegenstand “gratis” los zu werden. Davon hat er natürlich einen Nutzen. Klar, die Allgemeinheit wird dann eine Bürde übergeben, die Kosten verursachen. Aber es geht nichts kaputt.

    Chaoten die sich in Banden mutwillig Polizisten angreifen haben ebenso persönlich keinen Vorteil daraus, sind nicht in irgendeiner Weise gekränkt worden, oder von den Polizisten irgendetwas aufgebrummt. Ein Falschparker bekommt eine Busse, eine Ausgabe die ihm nichts bringt ausser Kosten und Ärger. Das kann auf die Laune gehen, und Leute können “unartig” werden, obwohl sie eigentlich selbst der Feherhafte ist. Das ist kindlich, aber leider die dunkle Seite der Menschlichkeit.

    Klar, man soll nicht Sperrmüll auf der Strasse stellen, man soll nicht falsch parkieren. Aber niemand ist perfekt. Und Leute die solche Fehler begehen machen das nicht aus purer Lust am Zerstören und anderen Schaden zu verursachen, sondern aus Faulheit, Vergesslichkeit oder eben Ignoranz. Aber nicht aus böswilligkeit.

    Bewusst Eigentum der Allgemeinheit oder andere Leute zu zerstören ist durch nichts und gar nichts zu gerechtfertigen.

    • Réda El Arbi sagt:

      Der Schaden entseht der Gemeinschaft, weil wir mit unseren Steuern die Mehrkosten der Entsorgung tragen.

    • Klaver sagt:

      MIkael, über ihre naive Art, die ‘Unartigkeit’ der Falschparker schönzureden, muss ich schmunzeln.
      Damit dürfte ja jeder Kriminelle weissgewaschen sein, weil das ‘die dunkle Seite der Menschlichkeit’ (sic!) ist.
      Interessant auch den Exkurs, in dem Sie alle Verbrechen schönreden, bei denen ein Eigennutz rausschaut für die Täter.
      Da wäre ein Chaot, der das Schaufenster einschlägt und etwas mitnimmt, moralisch legitimiert, aber einer, der bloss das Schaufenster einschlägt, wäre böse.
      Selten so viel rechtsbürgerlichen Schmus gelesen.

    • Thomas Meyer sagt:

      Nicht ohne Grund ist die Disziplin Textverständnis ein wichtiges Element in zahlreichen Aussscheidungsverfahren.

  2. Dorian Doppelganger sagt:

    “Die Welt ist schlecht, folget mir ich bin euer moralischer Kompass in dieser dunklen Nacht!” Was ist Ihnen passiert, dass Sie sich dermassen für das Schicksal von Sperrmüll interessieren? Ich tät Sie gerne in den Arm nehmen und trösten, weil Sie sich über so vieles derart aufregen müssen. Vielleicht würde ich Ihnen auch eine Schockolade anbieten, mit ganz viel Rahm obendrauf. Vielleicht tät ich Sie aber auch relativ schneller wieder auf die Strasse stellen, mit einem Schild: “Zum mitnehmen.”
    Ps. Herr Meyer, ich weiss nicht, ob vielleicht nicht auch die Grösse Ihrer Brillengläser Sie so empathisch für das Schicksal von Fensterscheiben macht.

    • Thomas Meyer sagt:

      Es geschieht nicht selten, jenen, der einen Missstand beschreibt, mit dem Missstand zu verwechseln. Ihr Angebot der »Schockolade« (ein Wortspiel, wie ich hoffe?) muss ich leider ablehnen, ich vertrage nämlich nicht nur Ignoranz sehr schlecht, sondern auch Laktose.

      • Dorian Doppelganger sagt:

        Nun, ich verwechsle hier nichts. Ich finde, dass der Suppeneintopf, den Sie da fabriziert haben, sehr eigenartig riecht. Ich sage jetzt nicht wie, das wäre dann wohl schlechtes Benehmen.

        Ps. Wie oft habe ich auf der Strasse Wunderbares zum Mitnehmen gefunden. (Ist es auch schlechtes Benehmen gebrauchte Dinge zu verwenden? Bei dieser Frage lassen Sie mich leider im Stich.) Jonathan Franzen hat darüber einen sehr lesenswerten Essey names Scavenging geschrieben.

        Pss. Die Schokolade (War übrigens kein Wortspiel, sondern ein Tippfehler. Aber Ihren Glaube in mich finde ich rührend.) gäbs also auch mit Sojamilch und ohne Rahm.

  3. Otto Odermatt sagt:

    Zürich braucht eine Gruppe von von Meditierenden

    Ausgiebige Forschung, veröffentlicht in führenden wissenschaftlichen Fachjournalen, zeigt, dass der starke, stress-reduzierende Effekt, den Transzendentale Meditation besitzt, auch beruhigend auf die umgebende Bevölkerung ausstrahlt. Wenn sich Menschen in Gruppen versammeln und dort gemeinsam Transzendentale Meditation und die dazugehörenden Fortgeschrittenentechniken ausüben, dann, so zeigt die Forschung, führt das zu einer dramatischen und sofortigen Verringerung von gesellschaftlichem Stress und zu einer Abnahme von Kriminalität, Gewalt und Konflikten. Gleichzeitig nehmen in der ganzen Gesellschaft Geordnetheit, »Kohärenz«, Positivität und Friedlichkeit zu.


  4. David Kobler sagt:

    Den Ursprung der meisten Probleme der Gesellschaft auf eine “postpubertäre Frechheits- und Undankbarkeitsstörung” zu reduzieren finde ich in diesem Zusammenhang eine sehr undifferenzierte Behauptung. Auch wenn viele Mitläufer wahrscheinlich mit solchen Motiven gehandelt haben, so ist der ursprüngliche Kern wohl eher gegen das vorherrschende System gerichtet. Und wenn dann bei einer UBS die Bankomaten beschädigt werden, um ihr beispielsweise die Ablehnung ihrer Geld- und Spekulationspolitik mit Lebensmitteln zu zeigen, so zeigt dies aus meiner Sicht ein Verständnis woher denn unser Wohlstand kommt. Und genau für diesen sollen wir laut der oberen Aussage ja wohl dankbarer sein? (“Danke UBS, dass du für uns andere Ausbeutest”?)
    Und wenn die Petarden selber produziert worden wären, und nicht vom System bezogen, dann wäre es glaubwürdig?

    • Beatrice sagt:

      Das interessante ist ja, dass eine ähnliche Bewegung in Deutschland -Pegida- als Rechtsextrem bezeichnet wird. Das System kritiiseren ist im In- oder im Ausland eben nicht dasselbe, der Prophet gilt nicht überall was.

      Aufgefallen ist mir auch, dass der Tagi unter den viele publizierten zu diesen Krawallen keinen einzigen durchgehen liess, welcher sich nicht komplett negativ über die Chaoten äussert. Bei NZZ genau gleich. Ist hier die Zensur der Verleger am Wirken? Weil im Proteste im Ausland werden generell wohlwollend kommentiert von unseren Journalisten und Verlegern. Aber unsere Presse ist selbstverständlich frei. Zumindest jene, welche keinen Kapitalisten und reichen Familienclans verpflichtet sind, Watson und co.

      • Réda El Arbi sagt:

        Das ist Schwachsinn. Ich hab in der Diskussion der ganzen letzten Woche genau zwei Kommentare gelöscht. Einen antisemitischen und einen sexistischen.

    • Pavel Pipowitsch sagt:

      Endlich mal jemand der das Ganze differentiert betrachtet.

  5. Daniel Landwehr sagt:

    Früher waren Schriftsteller fortschrittliche Intellektuelle heute nur noch reaktionäre Trottel.

  6. ri kauf sagt:

    Unsere Gesellschaft lässt grüssen. Irgendwie wunderst mich das Ganze nicht. Uns geht es zu gut. Diese Gewalttaten sind Ausdruck unserer Gesellschaft die sich wie ein verwöhntes Kind benimmt. Zwängelt, schreit und um sich schlägt, weil es alles hat und nicht weiss was damit anfangen. Ihm ist langweilig….

    • Hannah sagt:

      Ihm ist so langweilig, dass es das Denken und Handeln unterlässt, insbesondere in bürgerlichen, konservativen und sog. freisinnigen aber in Wahrheit unfreien Kreisen.

    • Klaver sagt:

      ri, uns geht es also zu gut. Jeder von uns heren Schweizern besitzt im Durchschnitt mehr als eine halbe Million Vermögen…
      Jaja, leider ist das Vermögen nur nicht so gleich verteilt.
      http://blog.tagesanzeiger.ch/datenblog/index.php/5624/jaehrlich-5000-neue-arme-im-ahv-alter
      http://blog.tagesanzeiger.ch/datenblog/index.php/2675/gehoeren-sie-zu-den-237000-millionaeren-im-land
      Nach so Statements wie ihrem denke ich manchmal, das einzige gute an den Randalen ist die Tatsache, dass manche Ignoranten wieder mal unfreiwillig darauf aufmerksam gemacht werden, dass es in der Schweiz nicht allen gleich gut geht…

      • der prekarier sagt:

        @klaver: Ich schliesse mich Ihnen an. Erstaunlich allerdings, dass Sie mit Ihrem Kommentar nicht von den Armutsvergleichern, die ja nicht davon betroffen sind, zurechtgewiesen worden sind.

    • Pavel Pipowitsch sagt:

      Also ich habe gelesen, das immer mehr Kinder und Jugendliche von Sozialhilfe leben müssen. Das sind dann wohl die “verwöhnten Kinder”. Aber klar uns geht es zu gut. Unbezahlbare Mieten, Lohndumping. Aber es geht uns gut. Wer’s glaubt. Und selbst wenn es so wäre, müssten wir diese Konsumgeilheit in Frage stellen.Es gibt noch andere Werte als Wohlstand. Zum Beispiel schöne nicht zu betonierte Landschaften. Ein Leben ohne Konsumwahn und Dichtestress.

      • Réda El Arbi sagt:

        Ich würde gerne den Dichtestress sehen. Ich hab soviel von ihm gehört. Aber wahrscheinlich lebt der Dichtestress mit dem Osterhasen und dem Samichlaus in einer WG.

  7. brigger sagt:

    Ich habe mit Polizisten gesprochen, welche mir auf sehr direkte, unphilosophische und reale Art auch schon mal nett erzählt haben, dass sie bei jeder Auto- oder Personenkontrolle etwas finden könnten und wenn, von ihrem Standpunkt aus schlecht behandelt, auch finden werden. Undankbarkeit, Frechheit und vor allem Frustration kommt überall vor, auch von Seiten der Polizei. Man schaue sich nur das, jederzeit und von allen involvierten Parteien bestrittene, soziale und raziale Profiling bei Personenkontrollen im Zug oder auf der Strasse an.
    Bei den Chaoten, sowie bei der Polizei geht es in erster Linie nicht ums “Recht haben” oder ums “Recht durchsetzen” sondern um eine Kompensation von “Macht” und Kontrollmöglichkeiten von Dingen und Leuten, die man als Normalbürger ohne Uniform oder Gasmaske schlichtweg nicht hat und nie haben wird. Insignifikante und langweilige Leben, werden mit Hilfe von pseudo-politischem Hintergrund oder einem Job kaschiert.
    Niemand zwingt mögliche Kandidaten einen undankbaren aber gut bezahlten und sicheren Job zu erledigen, welche, andererseits, jedermann zwingen können undankbare und hoch zu bezahlenden Dinge zu tun.
    Ich bin einverstanden, dass die heutige Gesellschaft, und ich schliesse mich dabei ein, zwischendurch einen leichten Erziehungs-Durchhänger hat. Das denke ich, ist aber normal und sehe es als eine “ewige Pubertät” an. Das Problem sehe ich eher darin, dass kritische, nötige und richtige Punkte, wie sie Herr Meyer oben anführt, in den gesetzlosen und anonymen Katakomben von heute, dem Internet behandelt werden und nicht auf der Strasse. Wann haben sie, Herr Meyer, das letzte Mal einer Person freundlich mitgeteilt, sie solle doch bitte die Zigarette nicht auf den Boden schmeissen oder sammeln sie diese vielleicht sogar vorbildlich ein um auf die Missstände aufmerksam zu machen? Oder… Sagen wir nicht einfach, “scheiss drauf”, dafür gibt es ja die Strassenkehrer, oder die Polizei, oder wer auch immer?

  8. Herr Döpfel sagt:

    Das Scheitern der Aufklärung als postpubertäre Frechheits- und Undankbarkeitsstörung abzutun, ist gewagt! Wie Herr Meyer selbst feststellt, mag sich niemand den Auswüchsen der Spassgesellschaft entziehen. Was bedeutet das? Vor diesem Hintergrund erscheint Gewalt als Ausdruck auf einmal nicht mehr so abwegig. Oder nicht?

    • Jürg sagt:

      Ich kann mich deren Auswüchsen problemlos und vor allem völlig gewaltlos entziehen. Dafür muss man sich aber zuerst mal vertieft mit der Gesellschaft auseinandersetzen, dann werden die Alternativen ganz leicht sicht- und auffindbar. Nur, eben, das ist dann halt postpubertär im wahren Sinn des Wortes, nämlich erwachsen.

      • Herr Döpfel sagt:

        Dann erleuchten Sie uns doch mit Ihrer Weisheit. Gewalt hat viele Gesichter. Als letzte Konfliktinstanz deutet sie auf ein Scheitern aller Kommunikationsversuche hin und ist in diesem Fall eine Reaktion auf die Tatsache, dass die vorherrschenden Gesellschaftsideale, die von den Demonstranten abgelehnt werden, durchdringend und allgegenwärtig sind. Insofern ist diese Gewalt nichts anderes als ohnmächtige Verweigerung gegenüber gesellschaftlichem Konsens. Meyers Urteil, dass sich Demonstranten und Normalbürger gar nicht so sehr unterscheiden, ist bemerkenswert. Über die Konsequenzen dieser Erkenntnis wird jedoch weder von Ihnen, noch von Meyer ein einziges Wort verloren.

  9. Philipp Leiser sagt:

    Super Artikel, danke.

    • adam gretener sagt:

      El Arbi hat sich beim letzten Beitrag in den Kommentaren völlig vergessen. Extrem hochnäsig, extrem arrogant. Er vergisst einfach als Methusalem, woher er kommt.

      Danke Herr Meyer.

      • Réda El Arbi sagt:

        Nein, genau weil ich weiss, woher ich komme, und was es bedeutet, “politische” Gewalt anzuwenden, wie man sich dabei fühlt und was die Hauptmotivation (in der luxuriösen Situation in der Schweiz) ist, hab ich mich zu einer gewissen Wut und Herablassung hinreissen lassen. Und würds wieder tun.

  10. Weber Eugen sagt:

    An und für sich hätte die Polizei eine Vorbildfunktion. Leider hat sie – aus eigenem Verschulden – dazu beigetragen, dass diese Vorbildfunktion seit einiger Zeit nicht mehr da ist. Beispiele – gerade bei der Stapo Zürich – sind die Vorgänge im Nachtclub im Kreis 4, Korruption, Erpressung und willkürliche Personenkontrollen. Da ist es für den Durchschnittsbürger, sogar wenn er SVP-Wähler ist, schwer, einen Polizisten zu respektieren. Auch der eloquente, immer-braungebrannte Pressesprecher mit seinem sympathischen bündner Akzent hilft in dieser Situation nicht viel. “Bei Reklamationen wenden Sie sich bitte an das Feedback Management.” Super Werbung für Touristen.

  11. Hugo sagt:

    So, ich behaupte jetzt mal, dass dieser Artikel mindestens genauso polemisch und unreflektiert ist wie die Ausschreitungen vom letzten Freitag. Aber die allgemeine Empörung amüsiert mich schon. Es wäre zudem auch schön, würden die Herrschaften ihre beträchtliche Fähigkeit zur Empörung auch auf gesellschaftlich etwas relevantere Themen kanalisieren, wie die menschenverachtende und mörderische Migrationspolitik der EU und CH, die fortschreitende Enteignung der Menschen durch die Privatisierung öffentlicher Güter, und die sich in der neoliberalen Phase des Kapitalismus eklatant verschärfenden sozialen Wiedersprüche (um nur einige der Unmenschlichkeiten zu nennen, mit denen das Kapital seinen Wachstumszwang befriedigt und die Bürgerlichkeit ihre Privilegien aufrechterhält). Aber man kann sich ja auch über zerbrochene Scheiben an der Langstrasse oder mangelndem Respekt vor der Polizei aufregen. Das hat den Vorteil, dass man sich dann nicht dafür rechtfertigen muss, wenn man ein smartphone besitzt.

  12. pedro strong sagt:

    also wohlwollend sehen die drei uniformierten auf dem bild in ihrer gangart nicht aus…

    • Manuel Tschumi sagt:

      die sehen doch aus wie normale menschen.
      einzig die langen haare der polizisten irritieren etwas.
      früher hats von den polizeivorgesetzten immer geheissen, lange haare seie unfallgefährdend und ein zeichen von disziplinlosigkeit 😉

      • Marcel sagt:

        Also, es ist doch sonnenklar, dass hier zwei Polizistinnen mit ihrem Kollegen unterwegs sind. Männliche Uniformträger der Polizei haben keine langen Haare, auch heute nicht. Polizistinnen dürfen das, und das finde ich auch ganz ok. Ich würde mir mehr Sorgen machen, wenn die Männer (und die Frauen) bei der Polizei alle einen Bürstenschnitt tragen würden. Aber trotzdem oder obwohl…. haben wir denn wirklich keine anderen und vorallem grösseren Probleme in unserer Gesellschaft, als uns über das Aussehen und die Haarpracht der Gesetzeshüter zu monieren? Ich rufe nur mal kurz die Greueltaten von IS und Co. in Erinnerung…

    • Ursin Dosch sagt:

      Wie sieht denn ihrer Meinung nach eine wohlwollende Gangart aus? Das fände ich jetzt noch spannend…

  13. Manuel Tschumi sagt:

    Wahrscheinlich haben die Chaoten den Steuerzahler weniger gekostet (Schaden dividiert durch Anzahl Chaoten) als steuerhinterziehende reiche Schmarotzer, die den Staat jedes Jahr um die Steuern prellen.

    • Dominique sagt:

      Was ist denn das für eine Argumentation?! 1. wer Steuern zahlt (was die Chaoten ganz sicher nicht machen) kostet den Staat nichts! Der Staat hat höchstens weniger Einnahmen aber nicht mehr Ausgaben! 2. Ihnen eins aufs Maul zu hauen kostet den Steuerzahler auch nichts, trotzdem hätten Sie keine Freude daran

    • daniele glauf sagt:

      Ja, wahrscheinlich. Na und? Ist das eine Rechtfertigung?

    • Herr Keller sagt:

      Nur die Steuerschmarotzer zerstören nicht aus Freude anderen Personen ihre Existenz! Klar machen diese auch was falsch aber das ist wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

    • Pavel Pipowitsch sagt:

      Jawohl. Das haben wir auch der Paushalbesteuerung zu verdanken.

  14. Aaron Morgenstern sagt:

    “Postpubertäre Frechheits- und Undankbarkeitsstörung”? Haha! Merci bien, monsieur Meyer. Die “Frechheit” ist hier eher obsolet, da diese meines Erachtens häufig aus genannter Undankbarkeit erwächst. Fehlen tut hie und da vor allem Empathie. Respekt. Die stete Gewissheit, dass das Gegenüber ein Mensch ist, wie man selbst auch. Mit Schwächen und Stärken. Auch die Polizei, auch die “linksautonomen”, apolitischen Terroristen sind davon betroffen. Was heisst denn “autonom”? Unabhängig? Eigenständig? Sich in selbstverwalteten Affinitätsgruppen für die gemeinsame Sache stark zu machen? Je nach Ziel dann eben links, rechts, grün, rot, braun, wasauchimmer. Wäre ich 14 Jahre alt, ich hätte vielleicht mit Steinen geschmissen. Sicher nicht im K4. Traditionsreiches ehemaliges Arbeiterquartier. Und wenn, dann eher in Richtung Gentrifizierung, also in die Obergeschosse…
    Nein! Hätte ich nicht! Viele risikoreiche Dummheiten und Grenzüberquerungen bis weit in die Zwanziger, aber niemals gegen Personen. Ob eine Scheibe der UBS oder des kurdischen Snackanbieters zweckdienlicher ist, hängt wohl vom angestrebten Ziele ab. Stünde nirgends “Reclaim the Streets”, ich hätte diese Krawallbrüder für rechtes Gesindel gehalten. O brother Rechtsstaat, where art thou? Die Ideologien müssen bald sterben.

    • Sarah sagt:

      Undankbarkeitsstörung wegen Undankbarkeit für maximale Menschenkontrolle der Gesellschaft? Da darf man schon mal nachhaltig undankbar sein.

  15. Fabienne sagt:

    Lessig isches au im Schpital zschaffe, wemmer beschimpft, agschpeuzt und gschlage wird. Aber Patiänte chönd ja nie (oder sälte) öppis defür, ha, ha

  16. diva sagt:

    leute, denken wir doch einfach mal über die drei fragen nach, die herr meyer uns stellt, anstatt hier sogar noch den autor dieses sehr brillianten artikels auf sein religion anzugreifen, wie das ein gewisser herr weiss hier tut.
    setzen wir uns doch mal alle hin, und beantworten die fragen nur für uns selber… das heisst überhaupt nicht, dass wir dann dieses chaoten-pack tolerieren müssen und ihr handeln gar gutheissen. sondern einfach mal den eigenen standort definieren. ich glaube, das war/ist nämlich der tiefe sinn dieser 3 fragen.
    ich denke, jeder von uns wird feststellen, wo er oder sie nicht einverstanden ist und jeder und jede kann aus diesen erkenntnissen sein konssequenzen ziehen und sich vielleicht in zukunft in sachlicher weise, um eine verbesserung von missständen bemühen und engagieren.
    hat uns nicht zuletzt ghandi vorgemacht, wie wir auch OHNE einsatz von roher gewalt, ganz viel erreichen können?

    • Irene feldmann sagt:

      Liebe Diva, jetzt müssten sie aber noch erklären wer mahatma gandhi war, sonst wird von ihm auch noch Schadensersatz verlangt…:) (zwinker)’₪₪₪₪

  17. der Prekarier sagt:

    “Wie oft trifft man Sperrmüll an, den jemand auf die Strasse gestellt und mit der Mitteilung «Gratis zum Mitnehmen» versehen hat, im offenkundigen Glauben, sich damit von der Pflicht der sachgemässen Entsorgung befreit zu haben,…”

    In der Stadt wo ich wohne (nicht Zürich), ists dasselbe Phänomen, Sperrmüll auf der Strasse und steht drauf “gratis zum mitnehmen”, exakt immer der gleiche Satz. Gut auf den Punkt gebracht!

    Vielleicht sollte ich als Prekarier dankbar sein für diese “netten Gaben” (bspw. ein kaputter Drucker, oder eine eklige schmutzige Matratze usw.)?
    🙁

  18. ivan casale sagt:

    Die Sache ist denkbar einfach. Befreien wir doch diese Geschichte von allem Schmuck (Bubis, Idioten, Politik, Ideologie). Es bleibt die Ausübung von Gewalt. Gewalt an Sachen und Personen; darf man annehmen, dass Tote in Kauf genommen wurden? Ja. Eine Gruppe, nicht auf 200 limitiert (die Rekrutierungsbasis ist grösser) hat sich für die Gewalt entschieden und Gewalt wird zurückgegeben, früher oder später, vom Staat oder Anderen. So geht’s los, die Reise vom Frieden in den Krieg; von der Gewaltbereitschaft zur Gewaltausübung.
    Ein kleiner und feiner Anstoss desjenigen Pendels, das niemals wieder angestossen hätte werden sollen. All die letzten Jahre sind von Gewalt geprägt, nun ist sie auch in der Schweiz angekommen. Das Pendel wird über die Jahre immer stärker Schwingen; denn nur schon in diesem kleinen Blog könnten die Standpunkte ja nicht gegensätzlicher sein und, oder täuscht es, unversöhnlicher?
    Wir haben es verbockt, die Friedensdividende in Europa ist erschöpft. Jetzt geht es doch nur noch um Schadensbegrenzung.

    • Manuel Tschumi sagt:

      Gewalt und Schäden an der Gesellschaft sind zu verurteilen.
      Weshalb aber hat kein Bürgerlicher oder Rechter Moralprediger protestiert, als ein besagter bürgerlicher Herr Gloor die Pensionskasse der Polizisten, Sanitäter und Lehrer um mehr als 2 MILLIARDEN Franken beschissen hat? Dagegen ist der Schaden der Chaoten ja lächerlich klein: Ein zweitausendstel. Beides bezahlen wir Steuerzahler und die Staatsangestellten, aber richtig böse sind bloss die Chaoten.

      • ivan casale sagt:

        Ich protestiere nicht, ich verurteile nicht – ich stelle fest, für mich und teile es hier mit; als Senf meinetwegen. Herr Gloor wurde gefasst, angeklagt und gerichtet; von der Justiz – die zuständige Instanz in unserer Gesellschaft. Ich spiele nicht mit der Wagschaale herum; wieviel Gewalt wiegt 1 Herr Gloor auf, als Beispiel. Ich thematisiere auch nicht die Schäden, welche behoben werden können. Es geht mir um die Gewalt/ Gewaltbereitschaft Menschen gegenüber, die sehr bewusst auf die Strasse gebracht wird. Wissen Sie wie schnell ein Mensch tot ist, sobald gewisse Barrieren gefallen sind? Es erfüllt mich einfach mit sehr grosser Sorge: Es gibt offensichtlich Einige unter uns die sich sehr um den Abbau ihrer Barrieren bemühen.

        • Marcel sagt:

          Ihre Sorge teile ich voll und ganz. Was hier manch jemand zum Besten gibt unterscheidet sich von den Aktionen der gewalttätigen Chaoten nur dadurch, dass es nicht physische sondern psychische Gewalt ist. Der Schritt auf die andere gewalttätige Seite ist dabei verdammt klein. Ich verfolge seit geraumer Zeit und natürlich aus aktuellem Anlass, Berichte und Meinungen aus aller Welt, welche mich mit grosser Sorge darüber nachdenken lassen, welche Gefahr denn nun grösser ist. Unsere hausgemachte Wohlstandsrebellion oder die (Religions-) Machtkämpfe jedweder Extremisten. Wir sind ja wohl auf dem besten Weg in einen neuen (Welt-) Krieg von bisher nie dagewesener Dimension, nach dem Moto, jeder gegen Alle…

  19. Friedrich Engels sagt:

    Kleine Anmerkung. Wer denkt der Besitz eines Smartphones steht im Widerspruch zur Kapitalismuskritik begreift entweder die Kritik nicht, hat sich damit nicht wirklich damit auseinandergesetzt oder macht dies Mutwillig. Es ist eine Kritik an der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, nicht eine Kritik am produzierten Ding, wenn es ein Bedürfnis danach gibt (Werbung ein Thema für sich), sondern wie es produziert wird, wie es verteilt wird, wer die Kontrolle hat, usw. eine Kritik an einem System das nicht den Menschen als Mittelpunkt hat und dessen unmittelbaren Bedürfnisse sondern das Kapital über alle Lebensbereiche bestimmt und es koordiniert.

    • Réda El Arbi sagt:

      …und das man mit dem Kauf des Teils stärker unterstützt als mit der Kritik bekämpft.

      • Friedrich Engels sagt:

        Nochmals es geht nicht um Dinge sondern wie ihre gesellschaftlichen Verhältnisse sind. Ob man nun eins besitzt oder nicht ändert nichts am System, da praktisch die ganze Ökonomie der kapitalistischen Logik unterworfen ist, egal ob das illegale Hanflädeli in der Berner Innenstadt oder ein Rohstoffkonzern in Zug. Zur Selbstversorgung zurück zu kehren wäre Reaktionär, da unproduktiver (Keine Arbeitsteilung), Problematik Versorgung alter Menschen, Handicapierte usw. und einen genereller Rückschritt daraus resultiert aus fehlendem Tausch. Der einzige der dieses System ändern kann ist der Lohnarbeiter, welcher die grosse Masse in jedem Industrie-Staat stellt und nicht durch Verzicht von Kauf eines Smartphones, so ändert sich rein gar nichts, bremst höchstens die Profite ein wenig, was durch Lohnkürzungen und Entlassungen wieder behoben wird und um den Kreis wieder zu schliessen, sich damit selber schadet.

      • Stefan Weiss sagt:

        Super Reda, laut dieser Logik müssten alle Linksautonomen nach Tibet mit Mönchen Suppen schlürfen gehen. Weil sonst widersprechen sie sich ja nur schon, wenn sie mal im Postauto fahren, welches wahrscheinlich mit Saudischem Öl vorankommt. Falls die Luft zum Atmen eines Tages kosten wird, sind sie wahrscheinlich auch noch Nutzniesser des Systems, gell!

      • Max Kämmerling sagt:

        Das stimmt nicht zwingend, je nach dem kann einem das Gerät bei der Kritik sogar helfen, bzw. ein (nicht kollektiv organisierter) Boykott bringt nichts und erschwert es, eine Änderung zu erzielen. Klaus Werner-Lobo und Hans Weiss schreiben dazu:
        “Einzelne Marken zu meiden löst noch keine Probleme. (…) In vielen Fällen – etwa bei lebenswichtigen Medikamenten oder elektronischen Geräten – haben wir nicht einmal die Wahl von fair gehandelten Alternativen. (…) es geht nicht primär ums “gute Gewissen” (das bekanntlich ein allzu sanftes Ruhekissen ist), sondern darum, durch Information und gesellschaftliches Engagement zu einer Änderung gesetzlicher Rahmenbedingungen zum Schutz von Umwelt, Demokratie und Menschenrechten beizutragen.”

        • Yänne sagt:

          Meine Güte, es geht doch einfach auch ein bisschen um’s Prinzip und die eigenen Werte.
          Dass man als parolenschreiender Linker evtl. nicht von Kopf bis Fuss in Markenklamotten rumrennt, im Mc Donalds essen geht und halt eben auch mal auf überflüssige (!) Konsumgüter wie ein Smartphone verzichten kann.
          Aber eben, dieser Krawall-Kindergarten aus der Vorstadt ist politisch so oder so nicht ernst zu nehmen.

        • Karl Marx sagt:

          Es kommt zumindest auf ein faires und umweltfreundliches Smartphone an, wie etwa das sog. Fairphone, und keines dieser Umwelt- und Menschenausbeuterteile.

    • Michael sagt:

      @Engels: Und warum muss ich mich mit einem komplett frei erfundenen und nur in der 1. Welt rumgeisternden Gedanken überhaupt auseinandersetzen? Kritik an der Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung? Mir kommen die Tränen vor Lachen. Es gibt keine freiere Gesellschaft als unsere, weltweit keine grössere Durchlässigkeit der sozialen Schichten und Weltweit keine annähernd so grosse Möglichkeit alles das zu tun was man will als hier bei uns (das belegen Jahr für Jahr Panelumfragen und Studien (das böse Google gibt Dir dabei Auskunft) Was willst Du konkret verbessern? Hm? Das Deine Bartrasur günstiger wird? Du eine hippe Wohnung im C4 haben möchtest? Eben. Du hast schlicht keine Ahnung von der Welt und schwafelst einfach mal drauflos. Ich empfinde das als eine Arroganz sondergleichen.

      • Friedrich Engels sagt:

        Ein Schwall von Beleidigungen mehr nicht. Im alten Rom konnte der Bürger auch machen was ihm beliebte, für sie waren die wirtschaftlichen Verhältnisse auch Optimal, für die Sklaven natürlich nicht so, welche die effektive Arbeit verrichteten und die römische Republik war einer der ersten Demokratien. Ein ökonomisches System misst sich immer am schwächsten Glied und wenn man Ganz unten ist, ist das System nicht mehr so super toll,. (Zeitalter Globalisierung weltumfassendes ökonomisches System, Kobalt hat jeder in einem PC oder Handy somit der Kongolesische Minenarbeiter z.B). Dass es immer wieder zu Krisen kommt wegen seiner inneren Logik und dem Zins-Zins System welches jeden Staat massivst Schuldet ist auch so eine Sache.

        • Jürg sagt:

          Also Du meinst jetzt den Sklaven, der Dein Handy zusammengebaut hat, das Du aber durchaus haben darfst, weil es spielt ja keine Rolle, ausser die anderen tun es, dann muss man es nämlich anzünden, weil das verbessert die Welt. Aha…
          So in ca. 8 Jahren, wenn Du dann 27 bist, wirst Du vielleicht gemerkt haben, dass der einzelne die Welt nur im kleinen verändern kann, nicht im grossen. Dann heisst es für Dich vielleicht fairphone und fairtrade, anstatt Molotow-Cocktails gegen die UBS. Ich wünsche es Dir und der Gesellschaft (ja, auch der in den Entwicklungsländern).

      • Hannah sagt:

        Michael, dass Du alles Heil am Kommerziellen festmachst und Du darin Deine Werte suchst, ist traurig.

    • Manuel Tschumi sagt:

      Friedrich, besten Dank für deinen differenzierten Kommentar.

  20. urs sagt:

    Solche Gedanken sind mir am Freitag auch durch den Kopf. Wie die Bürger heutzutage mit “Autoritätspersonen” umgehen, ist durchaus zu hinterfragen. Die Polizisten sind hier nur ein Beispiel. Ein anderes sind Lehrer, die sich tagtäglich Ebensolches anhören müssen. Es fehlt der Respekt vor dem Gegenüber, wenn er einen mahnt oder tadelt.

    Wer trägt die Schuld? Schwierig zu sagen. Am ehesten jene Nachkriegsgeneration, die Ende der 1960er Jahre (zurecht) nach mehr Rechten geschrien hat. Eine der daraus resultierten Konsequenzen: eine (oft direkte und fühlbare, häufiger aber unterschwellige und nicht minder spürbare) antiautoritäre Haltung. Es galt neu also als normal, sich gegen die “verlogenen Politiker”…die “Scheissbullen”…die Lehrer…die Beamten…ja überhaupt jeden zu stellen – weil man sich einfach nichts mehr vorschreiben lässt.

    Leider…so funktioniert kein Staat – das ist pure Anarchie.

    • Lichtblau sagt:

      Das hat etwas. Als Kind empfand ich Polizisten und Lehrer als natürliche Respektspersonen. Als Teenager waren sie für mich nervende Leute, die grundlos meine kleinen Freiheiten beschneiden wollten. Aber als Erwachsene kommt es mir lachhaft vor, aus einem simplen Ordnungshüter oder Lehrer pauschal das grosse Feindbild zu kreieren. Da gibt es ganz andere, vor denen man sich in Acht nehmen muss.

    • Pavel Pipowitsch sagt:

      Auf der einen Seite frage ich mich auch, warum die Polizeit als Prügelknabe herhalten muss. Auf der anderen Seite lese und höre ich wie Jugendliche unnötigerweise oft von der Polizei schikanös gefilzt wird. Das lässt die Krawalle in einem ganz anderen Licht erscheinen.

  21. Clara sagt:

    Der Mariannenplatz war blau, soviel Bullen waren da: http://www.riolyrics.de/song/id:178

    • Lichtblau sagt:

      Ach, wunderbarer Rio Reiser. Zwischen “Macht kaputt …” und “König von Deutschland” liegen bezeichnenderweise aber auch Welten.

  22. Mike sagt:

    Man sollte endlich aufhören, in der Krawallparty von letzten Freitag irgendwelche politischen Inhalte zu suchen.
    Das waren gelangweilte Wohlstands-Kiddies auf der Suche nach Action. Genau dieselben “harten” Jungs, die sich auch nach Fussballspielen im Schutz der Masse austoben.

    • Marc sagt:

      Sehe ich ähnlich. Mag sein, dass der eine oder andere tatsächlich mit dem System unzufrieden ist, aber im Grossen und Ganzen geht es solchen Leuten einfach darum zu zerstören. Da ist keine Message dahinter ausser: “Wir machen was wir wollen, denn wir haben ja eh nichts zu befürchten”. Nur 4 Personen wurden festgenommen und diese kommen wohl auch ohne echte Konsequenzen davon. Würde man in solchen Fällen zum Beispiel eine horrende Geldbusse von 50’000 CHF androhen, dann könnte es sich keiner dieser Feiglinge leisten bei einem solchen Krawallzug mitzumachen und erwischt zu werden und es wäre sofort ruhig in Zürich. Abschreckung heisst das Zauberwort.

  23. geezer sagt:

    guter kommentar!

    zum thema abfallentsorgung: mein arbeitsweg führte jahrelang dem see entlang, bis zum hafen riesbach. wie es da vor allem in den sommermonaten am morgen früh (bevor die städtische putzkolonne jeweils ihren super job macht(e)) jeweils ausgesehen hat, mochte man fast nicht glauben. eine riesige abfallhalde! ich spreche nicht vom abfall, der bei den kübeln infolge überfüllung deponiert und dann von füchsen noch etwas ‘bearbeitet’ wurde. ich spreche von flaschen, dosen fastfood-abfällen etc. welche einfach überall stehen und liegengelassen gelassen wurden. von den scherben (die man als velofahrer so liebt) ganz zu schweigen.

    zu viele leute sind einfach zu (ego-) schweinen mutiert. die raucher behaupten ja auch praktisch alle durchs band weg, sie würden ihre zigarettenstummel brav im aschenbecher entsorgen. die leute, die sich am see aufhalten behaupten wohl auch alle dasselbe im zusammenhang mit ihrem abfall. der blick auf die strasse/wiese zeigt aber ein anderes bild.

    meines erachtens sind die im blog aufgeführten themen halt grösstenteils auf eine anständige kinderstube zurückzuführen. wenn da schon die geisteshaltung ‘die anderen sollen halt schauen’ vorgelebt wird, braucht man sich nicht zu wundern.

    in diesem sinne wäre eine konkretere bestrafung nach verursacherprinzip eigentlich keine schlechte sache. egal ob saubannerzug oder nicht-abfallentsorger. es muss definitiv mehr ‘schmerzen’, und wenns nur im portemonnaie ist.

  24. Stefan Weiss sagt:

    Oh ja, gerade noch vom Grammatik-Faschisten Thomas Meyer muss man sich eine Fachsimpelei über den Umgang mit dem Gewaltmonopol anhören. Wer sich ernsthaft mal mit der Kritik an der bewaffneten Autorität auseinandergesetzt hat, würde vielleicht verstehen was die Polizisten von Sanitätern und Postbeamten unterscheidet. Und nur so zum Thema “Ihre Gesellschaftskritik ist unglaubwürdig”. Sie gehören zu den Kritikern, die immer noch nicht verstanden haben das der kleine Kebab Laden und das Bio-Geschäft um die Ecke genau gleich funktionieren wie der böse McDonalds. Smartphones werden auch unter gleicher kapitalistischer Produktion hergestellt wie die glutenfreie Bio-Gumpfi aus ihrem lieblings Hip-Laden. Alles ist «System», niemand kann sich dem entziehen, auch Linksautonome nicht. Als gäbe es keine besseren Argumente. Vielleicht hätten sie doch dabei bleiben sollen “lustige” Bücher über die Jiddisch Sprache zu schreiben.

    • David Sarasin sagt:

      Guten Tag Herr Weiss, ihre Kritik ist undeutlich. Vielleicht können sie erläutern, warum Smartphones und Bio-Konfitüre gleichzusetzen sind. Und vor allem: was das mit obigem Text zu tun hat. Freundliche Grüsse, David Sarasin

      • Max Kämmerling sagt:

        Lieber Herr Sarasin, meines Erachtens haben die Smartphones doch einiges mit dem obigen Text zu tun, da Herr Meyer sie benutzt, um die “undankbare” Gesellschaftskritik als unglaubwürdig hinzustellen. Wenn Herr Weiss diesen Vergleich zu der Bio-Konfitüre zieht, will er deutlich machen, dass auch jemandem, der versucht die Welt zu verbessern, in vieler Hinsicht nichts anderes übrig bleibt als sich gewisser Mittel ebendieses Systems zu bedienen, welches er bekämpft. Gerade weil ja eben (auch seiner eigenen Meinung nach) alles vom System durchzogen ist (Darum der Vergleich zur Bio-Konfitüre; siehe z.B. Spiegel-Bericht zum “Bio-Betrug”). Versuchen Sie ein Problem zu lösen, dürfen Sie doch nicht so tun, als gäbe es das Problem nicht. Aber scheinbar kann man mit einem Fingerzeig auf diese “Unglaubwürdigkeit” alle Argumente eines Gegners auf einen Schlag in den Hintergrund drängen. Daher macht es sich Herr Meyer ziemlich einfach, die Kritiker mit seinem oberflächlich ziemlich einleuchtend wirkenden Argument zu entwaffnen. Genau so einfach machen Sie, Herr Sarasin, es sich, Herr Weiss zu entwaffnen, indem Sie eines seiner Argumente unvollständig herausziehen und ins Lächerliche ziehen. Was oberflächlich auch gut funktioniert, da er mit Smartphone und Bio-Konfitüre einen absichtlich starken Gegensatz gewählt hat, der so wie Sie ihn aus dem Kontext gerissen haben, natürlich erst einmal absurd wirkt. Aber unterstützt nicht genau diese Absurdität, die Sie in Ihrem Kommentar hervorheben, sein Argument?

    • Irene feldmann sagt:

      Man darf anderer Meinung sei Herr weiss doch den rassistischen Schlag unter die Gürtellinie zeugt genau so von Respektlosigkeit obwohl sie ja eigendlich auch WEISS heissen…….

    • Stefan Weiss sagt:

      @David Sarasin: Es hat insofern mit dem obigem Text zu tun, weil Herr Meyer anhand des Smartphone Beispiels die Linksautonomen als unglaubwürdig ertrachtet. Und es ist nun mal Tatsache, das Smartphone-Hersteller und Bio-Konfitürenproduzenten (egal wie gross sie sind) den gleichen Zwangsgesetzen der freien Marktwirtschaft unterliegen. Er wirft den Linksautonomen einen Widerspruch vor, der meines Erachtens völlig falsch ist.

      @Irene Feldmann: Moment mal.. wo habe ich den einen rassistischen Schlag unter der Gürtellinie gemacht?

      • Oliver Denker sagt:

        Sie haben gesagt, Thomas Meyer soll dabei bleiben “lustige” Bücher über die Jiddische Sprache zu schreiben. Das klingt nach “Jude, halt die Klappe!”

        • Stefan Weiss sagt:

          Nein das wollte ich nicht. Ich habe eigentlich nur Gutes über seinen Humor in seinen Büchern gehört und habe das so nicht ausdrücken wollen. Sorry falls das so rüber gekommen ist. Ich wollte viel eher sagen, dass er sich evtl. lieber auf Sachen konzentrieren soll, in denen er angeblich gut ist.

        • Thomas Meyer sagt:

          Wenn ich mich hier kurz einschalten darf: Ich bin sehr achtsam gegenüber latentem Antisemitismus, aber den sehe ich hier nicht. Herr Weiss hat sich auf mein Buch bezogen, in dem in der Tat Jiddisch eine große Rolle spielt. Das hat zwar mit dieser Sache hier nichts zu tun, ist aber meines Erachtens auch nicht rassistisch.

      • Irene feldmann sagt:

        Das fragen Sie mich wirklich???? Dann wäre es aber höchste Zeit hr. Weiß das sie sich ihre Ausdrücke viel reiflicher überlegen bevor sie sie niederschreiben!!!!!!

    • urs sagt:

      Aber hallo… das System heisst moderne Gesellschaft. Und dafür sind ältere Generationen auf die Strasse gegangen! Aber lieber mal alles kaputt schlagen und Menschen verletzen, da fühlt man sich gleich besser…

      • Manuel Tschumi sagt:

        Urs, diese ‘Alten’ die nun die Jungen kritisieren, haben 1980 noch viel mehr kaputtgeschlagen. Ironischerweise hat sich aufgrund dieser Vorfälle viel zum besseren (aus heutiger Sicht) gewendet. Niemand würde heute leugnen, dass die Krawalle von 1980 wohl notwendig waren. Oder zumindest unvermeidlich.

        • Réda El Arbi sagt:

          Ja, aber damals hatten die Krawalle eine breite Basis in der Bevölkerung. Die fehlt heute vollends.

          • Manuel Tschumi sagt:

            breite Basis? betreibst du Geschichtsklitterung?
            Wenn die Bewegung eine Breite Basis gehabt hätte, hätte sie nicht eine gewaltsame Umsetzung gefunden.
            Dann hätten sie die Freiräume umsonst erhalten, rote Fabrik etc. Lies mal die Zeitungen von damals, dann siehst du, dass diese Bewegung praktisch keinen Rückhalt hatte in der Gesellschaft. Der damalige Polizeichef war übrigens auch ein Linker, einer, der geglaubt hat, diese Randalen könne man mit Gewalt bezwingen.

          • Réda El Arbi sagt:

            Alle unter 30 waren Bewegte oder hatten Sympathien, es war ein Generationenkonflikt, während die Wochenend-Krawalle nicht mal bei den Jungen Achtung geniessen.

          • Manuel Tschumi sagt:

            Jaja, es war ein fröhliches Bullen-Kloppen. Früher war sogar der Krawall und Sachbeschädigung irgendwie ehrlich… 🙂 Jedem sein Weltbild und seine Meinung.

          • Réda El Arbi sagt:

            Damals war Gewalt genauso dumm wie heute. Dass gewalt etwas bewrkt hat damals, hat damit zu tun, dass Institutonen und Stadt keine Ahnung hatten, wie man dem begegnen soll.

            Und nur, weil man eine Scheisse selbst schon gemacht hat, heisst das nicht, dass es keine Scheisse ist. Sonst würd ich heute den Jungs empfehlen: Ey, nehmt doch auch mal Heroin. Wenn ichs überlebt hab, wwirds euch auch nicht schaden.

            Wer denkt, er brauche in der Schweiz Gewalt, um sich für seine Anliegen gehör zu verschaffen, hat entweder erbämliche Anliegen, ein Kommunikationsproblem oder Profilierungssucht.

          • Lichtblau sagt:

            Damals erlebten wir wirklich eine “bleierne Zeit”. Da gab’s nur wenig für Junge, Polizeistunde war um Mitternacht und danach bot höchstens das Milieu noch was an. Es bestand ein breiter Bedarf an neuen Ideen, sonst hätten sich all die einst illegalen Bars und Clubs wohl kaum etabliert. Kein Vergleich zu jetzt – heute herrschen dagegen paradiesische Zustände. Dieser gewaltsame und kindische “Aufschrei” ist deshalb völlig fehl am Platz.

            Aber ja, die von Gentrifizierung ganzer Stadtteile ist tragisch. Und auch von Kreisen gewollt, die es eigentlich besser wissen sollten.

          • Manuel Tschumi sagt:

            “Kein Vergleich zu jetzt – heute herrschen dagegen paradiesische Zustände.”
            Lichtblau, ja, wenn man Geld hat.
            Hat man keins, hat man keinen Zutritt zu deinem ‘Paradies’.
            Oder wie es der bürgerlich-neoliberale Mainstream (und der Autor hier auch?) sagt: Es gibt kein Menschenrecht, in Zürich zu Wohnen und zu Leben.

  25. Silvia Tschui sagt:

    Ja. Merci.

  26. Marc sagt:

    Super geschrieben – genau so ist es! Ich weiss nicht wie viele Male ich schon von Leuten gehört habe: “Die scheiss Bullen…”. Auf die Frage warum sie genau scheisse seien, konnte mir keiner eine richtige Antwort geben. Eigentlich sind sie ja da um uns zu helfen und nicht um uns zu schaden, doch das wollen diese Menschen nicht so recht wahr haben. Wenn jemand zu schnell fährt mit dem Auto und von der Polizei eine Busse erhält, dann hat der Autolenker eigentlich überhaupt keinen Grund auf die Polizei sauer zu sein. Er war es, der zu schnell gefahren ist. So einfach ist die Sache. Solche Beispiele gäbe es noch Dutzende. Das selbe mit anderen Beamten. Aber irgendwie scheinen insbesondere die etwas weniger intelligenten Menschen immer ein Feindbild zu brauchen. Quasi einen Schuldigen für eigene fehlerhafte Verhaltensweisen.