Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag, den 26. August 2016

«Lidl passt überhaupt nicht ins Quartier.»

(Foto: Thomas Egli) Zum Artikel

Das sorgte die Woche für eine Menge Gesprächsstoff: Lidl zieht in die Räume der ehrwürdigen Fraumünsterpost. Ausgerechnet ein Discounter an diesem Standort? Für manche Zürcher schlicht undenkbar. (Foto: Thomas Egli) Zum Artikel

 

«Solche Brachen tun der Stadt gut.»

(Foto: Reto Oeschger) Zum Artikel

«Ein privater Investor könnte sich ein solches Verschlampen nie erlauben», sagt Gemeinderat Urs Fehr von der SVP zum Thema Koch-Areal. Diese Woche wurde bekannt, dass die Besetzer noch mehrere Jahre dort bleiben können. SP-Fraktionschef Davy Graf, stört die lange Planungszeit nicht. Aus seiner Sicht sei die geduldete Zwischennutzung des Areals begrüssenswert. (Foto: Reto Oeschger) Zum Artikel

 

«Die Umstellung auf das Sie
ist keine grosse Sache.»

(Foto: Gaetan Bally/Keystone) Zum Artikel

Schule und Hort rücken in der Stadt Zürich näher zusammen. Damit ändern sich auch die Umgangsformen: Vielerorts müssen Eltern und Kinder das Hortpersonal künftig siezen. Überbordert hier der Amtsschimmel? Barbara Grisch, Präsidentin des Schulkreises Letzi, winkt ab. (Foto: Gaetan Bally/Keystone) Zum Artikel

 

«Ich habe unglaubliche Freude.»

(Foto: Sophie Stieger) Zum Artikel

Das Bundesgericht hat die Baubewilligung für die 277 Wohnungen in Höngg aufgehoben. Sein Urteil über das Bauvorhaben ist vernichtend. Die Freude über das Urteil ist bei Jean E. Bollier, Präsident der Interessengemeinschaft «Pro Rütihof – contra Ringling» riesengross. (Foto: Sophie Stieger) Zum Artikel

«Das Üben hat sich gelohnt.»

Verladen Transportkiste Schneeleopard Orya Transport nach USA hier einige Bilder zu meinem Schneeleoparden-Artikel vom nächsten Donnerstag. Es geht darum, dass nun das letzte Jungtier in die USA ausgeflogen wurde. Herzliche Grüsse, carmen

Auf nach Amerika: Die Zürcher Schneeleopardin Orya hat den Zürcher Richtung Chicago verlassen. Im Zoo von Milwaukee soll sie nun ihre besonderen Gene weitergeben. An die Transportkiste wurde sie laut Zoo-Kuratorin Cordula Galeffi langsam angewöhnt. (Foto: Zürich Zoo)

 

«Ich liebe Wurstwaren und Käse.»

(Foto: Doris Fanconi)

Schwarze Kleidung ist ihr Markenzeichen: Christa de Carouge heisst die Frau, die mit ihren Modeschauen regelmässig für Aufsehen sorgt. In Sachen Essen weiss sie genau, weshalb sie keine Veganerin ist. (Foto: Doris Fanconi)

 

«Über diese Frage mache ich mir
noch keine Gedanken.»

(Foto: Doris FanconI) Zum Artikel

Wieder einmal schweigen die Zürcher Stadträte, wenn es darum geht, zu sagen, ob sie bei den nächsten Wahlen noch einmal antreten wollen. Auch Gerold Lauber (CVP) macht da keine Ausnahme. Fest steht einzig: Vorzeitige Rücktritte wird es bis zu den Wahlen 2018 nicht geben. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Ohne viel Geld, aber mit Arbeit.»

Gabriela Bergallo und ihr Mann Nicola Di Capua haben das "Teatro di Capua" in Embrach aufgebaut. Die Fotos enstanden am 15.8.2016 in der zum Theatersaal umgebauten Scheune. (Kostenpflichtig / Thomas Egli)

Wo steht das lauschigste Theater des Kantons Zürich? Richtig, in Embrach. Aufgebaut hat es der Italiener Nicola di Capua. Zusammen mit seiner Frau, der Sängerin Gabriela Bergallo führt er nun zum 13. Mal das Piccolo Musikfestival durch. (Foto: Thomas Egli)

 

«Vier von fünf Meldungen aus der Region Zürichsee betreffen diese Schlange.»

Schlange

Segelausflug mit Schlange: Eine illegal eingeführte Schlangenart hat sich bis in die Stadt Zürich ausgebreitet und macht er sich hier gerne auf Booten bequem. Andreas Meyer von der Schweizer Koordinationsstelle für Amphibien und Reptilienschutz, weiss, weshalb dies so ist. (Foto: zvg) Zum Artikel

 

 

«Der Kreis 4 ist für Sexworkerinnen schwierig.»

(Foto: Ursula Markus/Keystone) Zum Artikel

Seit zweieinhalb Jahren gilt in Zürich ein neues Prostitutionsgesetz. Die Linke hält die Regeln für zu streng und will sie lockern. Beatrice Bänninger, Leiterin Stadtmission, erklärt, weshalb sich einige Prostituierte verschuldet haben. (Foto: Ursula Markus/Keystone) Zum Artikel

Der Dreck der Fröhlichen

Réda El Arbi am Freitag, den 26. August 2016
Die Spuren der Gäste.

Suchbild: Was ist das ekligste Fundstück? Und wo ist der See?

Es ist heiss, Partys am See, Musik, schöne, fröhliche Menschen, eigentlich fehlt nur noch der Soundtrack aus diesem Rum-Werbespot. Das Wochenende kommt und die Menschen von nah und weniger nah fallen in die Stadt ein, um am Wasser das Leben zu geniessen.

Sonntagmorgen um Sechs. Es sieht aus wie eine Müllhalde ausserhalb Mexico City. Nur dass hier die Krähen die Perlen aus dem Dreck picken, nicht Favela-Kids. Die schönen, frohen Menschen hinterlassen im Sommer jedes Wochenende eine Flut von Müll. Und damit sind nicht die Tonnen gemeint, die in den extra vorbereiteten Mülleimern landen, sondern die grosszügig über das ganze See- oder Flussufer verteilten Flaschen, Wegwerfgrills, Bierkartons, Pariser und was weiss ich. Und ein Blick INS Wasser genügt wohl. (Siehe Bild)

Ja, Lebensfreude. Ich weiss. Yolo. Und wir sind nur die Spielverderber, die alten, frustrierten. Und natürlich macht das ja Entsorgung und Recycling weg. Den ganzen Dreck, den IHR hinterlasst.

Echt jetzt.

Ja, liebe “Nach mir die Sintflut”-Seegänger, ihr geht mir sowas von auf den Sack mit eurer Einstellung. Wie kleine Kinder, die ihr Zimmer nicht aufräumen wollen, einfach aus Faulheit oder Dummheit. Wischt ihr euch auch nicht den Hintern ab auf dem Klo? Muss das auch jemand für euch machen?

Ich hab mir überlegt, wie man diesem Littering Abhilfe verschaffen kann. Offenbar nützen Bussen nichts. Nun, vielleicht sollten wir die Stapo die Personalien erfassen lassen und dann den ganzen Dreck von Entsorgung und Recycling zu euch nach Hause transportieren lassen. In euren Garten. In euer Bett. An euren Arbeitsplatz.

Andere haben da freundlichere Ansätze entwickelt. Zum Beispiel die Kampagne “Trash Hero of the Year”:

Ich bin nicht so gnädig. Ich halte es für selbstverständlich, dass man seinen Müll mitnimmt und wegwirft. Ich habe mir deshalb angewöhnt, jedes Mal, wenn ich sehe, dass jemand Müll hinterlässt, laut zu schreien: “He, du Penner! Nimm deinen verfluchten Dreck mit.”

Das wirkt immer.

Unter Gümmelern

Miklós Gimes am Mittwoch, den 24. August 2016

gimes

Ich kenne einen Amerikaner, einen 54-jährigen Musiker, der den Sommer in Zürich verbracht hat, aus familiären Gründen. Ehrlich gesagt sass er die meiste Zeit auf dem Velo. Ein vergifteter Gümmeler. Kam in Kloten an mit seinem ultraleichten BMC-Rennrad, das zusammengefaltet wie ein teurer Anzug in einer Reise­tasche von New York mitgeflogen war. Wenn die Amerikaner etwas machen, dann machen sie es richtig.

Mein Freund hatte alle möglichen Apps mit den besten Velostrecken rund um Zürich studiert, er nahm zum Beispiel am Morgen früh den Zug nach Altdorf und pedalte über den Klausen, dann nach Glarus und über den Pragelpass ins Muotatal. «Wie der russische General Suworow», erzählte ich ihm. «Ach ja?», antwortete er höflich.

Er fuhr alles ab, den Pfannenstil, den Albis, die Buchenegg, durchs Wägital, über den Zimmerberg und die Sattelegg. «Die Strasse auf die Sattelegg wurde im Zweiten Weltkrieg von polnischen Internierten gebaut», sagte ich.

Ein Programm, die Strava-App, zeigte ihm an, wie schnell er war, im Vergleich zu den anderen Gümmelern auf derselben Strecke. An guten Tagen fuhr er unter die besten hundert, «nicht schlecht für mein Alter», sagte er. Ein paar Tausend Velofahrer aus unserer Region haben Strava heruntergeladen, «sie werden meine Kollegen sein», dachte er in New York. Sah er einen einsamen Radfahrer, der sein Tempo fuhr, schloss er auf, und sie teilten sich die Führungsarbeit. Er verständigte sich mit Handzeichen, manchmal versuchte er eine aufmunternde Geste, doch die Einheimischen hätten meist wortlos auf die Strasse gestiert, erzählte er.

In Italien, wo er mal in den Ferien gewesen war, habe er mit den dortigen Gümmelern immer ein paar Worte gewechselt, so habe man sich gegen­seitig Mut gemacht. «Die Schweizer heben nicht mal den Daumen

Manchmal berichtete er von seinen Ausflügen, vom Pfannenstiel, vom Islisberg, von der Sattelegg, Orte, die mich an romantische Spaziergänge erinnern, an Sonnenuntergänge, an Frauen, die ich geküsst habe – für ihn waren diese Landschaften um Zürich ein Netz von Strassen, mit Steigungsprozenten und Abfahrten. «Grossartig», sagte er, «das gibt es nicht bei uns, die Berge, die Strassen.»

«Aber dafür habt ihr grosses Kino», sagte ich und dachte an meine Reisen in den USA, an das Gefühl im Miet­wagen, endlose Autobahnen, Diners, Motels, Tankstellen.

Mein Freund hat erst vor ein paar Jahren mit Rennvelofahren begonnen. Jetzt verbringt er fast jeden Tag Stunden im Sattel. Vielleicht braucht man das Gefühl, in Bewegung zu sein, dachte ich, wenn man ein gewisses Alter erreicht hat. Vielleicht ist es das Nomadische in uns, oder vielleicht sind wir Menschen tatsächlich näher bei den Maschinen, als wir wahrhaben wollen.

Was weiss ich schon? Vor ein paar Tagen ist der Amerikaner wieder nach Hause geflogen, das Rad zusammengelegt in der Reisetasche. Ich bin in den Keller gestiegen und habe mein Rennvelo aus dem Staub geholt, Caminada, hellblau, Aufziehreifen. Wenn ich oben auf dem Albis bin, schreibe ich euch eine Postkarte.

Ein Haifischbecken

Alex Flach am Montag, den 22. August 2016
Der Vorhang ist gefallen: Kings Club musste schliessen.

Der King’s Club erlebt gerade turbulente Zeiten.

Die Bar- & Club Kommission Zürich BCKZ hat eine Schätzung der Wirtschaftszahlen ihrer Mitglieder bezogen auf das Jahr 2014 veröffentlicht. Insgesamt 37 der BCK angeschlossenen Betriebe (18 Bars und 19 Clubs) haben sich an dieser Erhebung beteiligt und ihre Bücher des besagten Rechnungsjahres offengelegt.

Die auf diese Weise ermittelten Zahlen wurden auf die am Stichtag im Januar 2016 aktiven BCK-Mitglieder hochgerechnet, insgesamt 60 Bars und 34 Clubs. Unter dem Strich prangen stattliche Zahlen: Das aufs Numerische reduzierte Zürcher Nachtleben des Jahres 2014 bestand aus 3,88 Millionen Gästen, 198 Millionen Franken Jahresumsatz, 9’660 Kulturveranstaltungen, 18‘804 Artisten-Bookings und 2‘835 Angestellten.

Diese Zahlen sind nur mit Vorsicht zu geniessen: Der BCK sind längst nicht alle Exponenten der Zürcher Nachtgastronomie angeschlossen. An der Hochrechnung hat sich weniger als die Hälfte der BCK-Mitglieder beteiligt. Es wird auch nicht ausgewiesen, welche Bars und Clubs ihre Zahlen offengelegt haben und wie das Missverhältnis zwischen den an der Erhebung beteiligten Lokale (51% Clubs) und der tatsächlichen Summe der BCK-Mitglieder (nur 36% Clubs) bereinigt wurde. Trotzdem lässt sich mit diesem Rechenspiel das Fazit der Begleitbroschüre unterstreichen: «Die Bedeutung des Nachtlebens als Kultur- und Wirtschaftsfaktor wird, wie die vorliegenden Zahlen belegen, zu Unrecht unterschätzt».

Jedoch besagen diese Zahlen auch noch etwas ganz anderes – und zwar, dass aus der Schlafstadt Zürich seit Mitte der 90er eine Nachtlebenstadt geworden ist und dass das Angebot die Nachfrage längst eingeholt hat. Brauchte man früher bloss einen Ghettoblaster in einen Luftschutzkeller zu stellen um die Leute in Scharen anzulocken, muss man heute polierte Ellenbogen, viel Knowhow und noch mehr Geduld mitbringen um im Nightlife zu reüssieren.

Insbesondere die Anzahl der Clubs ist seit den 90er Jahren exponentiell gestiegen. Egal in welchem Bereich man ein Lokal eröffnet, man ist von Konkurrenten umzingelt – es ist ein Haifischbecken. Dennoch denken immer noch viele ein Club sei eine Goldader von der man mit dem Hämmerchen bloss etwas Gestein runterklopfen muss, um sie offenzulegen.

Das ist blauäugig: Sämtliche erfolgreichen Zürcher Clubs werden von erfahrenen Gastronomen und Nightlife-Leuten geführt, die sich zuvor jahrelang intensiv in diesem Umfeld bewegt und sich so ein engmaschiges Netzwerk und viel Fachwissen erarbeitet haben – sie alle haben die Funktionalitäten ihres Geschäfts von der Pike auf gelernt. Nicht wenige Lokale gehören einer Inhaberschaft, die zuvor andere Gastronomiebetriebe lanciert hat.

Fälle wie jene der ehemaligen Stripclubs Haifisch Bar und King’s Club sind daher nichts weiter als logische Konsequenz: Beide Lokale hat man an Quereinsteiger und im Nightlife grösstenteils Unerfahrene übergeben und bei beiden wurde das Experiment bereits nach wenigen Monaten abgebrochen. Aus dem Haifisch wurde wieder ein Stripladen und im King’s Club kommt nun eine erfahrene Crew ans Ruder, die mehr Aussicht auf Erfolg hat.

Alex-Flach2-150x150 (1)Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag, den 19. August 2016

«Wir rechnen künftig mit weniger Kunden.»

(Foto: Thomas Eggli) Zum Artikel

Grosse Namen wie McDonalds und Starbucks verlassen die Zürcher Altstadt, weil dort immer weniger Kunden verkehren. Dafür prägen Billigboutiquen das Bild der Gasse. Zunehmend schwieriger wird es auch, freiwerdende Läden zu vermieten. Die Liegenschaftenbesitzer haben entsprechend Mühe. Thomas Truttmann, Marketingchef bei McDonalds, findet deutliche Worte. (Foto: Thomas Eggli) Zum Artikel

 

«Das Gesicht des Diebes hätte ich gerne gesehen.»

(Foto: Dominique Meienberg) Zum Artikel

SVP-Nationalrat Mauro Tuena war als Gast an die Street-Parade geladen. Als er sich vor Mitternacht auf den Heimweg machen wollte, wird er das Opfer eines Taschendiebes. Aber statt Handy, Portemonnaie oder Schlüssel, klaute der Langfinger ausgerechnet Tuenas Insulin-Set. Der Parlamentarier ist seit 38 Jahren Diabetiker. (Foto: Dominique Meienberg) Zum Artikel

 

«Die Füchse wissen genau, wo es
in der Stadt zu fressen gibt.»

(Foto: Grün Stadt Zürich) Zum Artikel

Das Thema Fuchs und Stadt ist nicht neu. Seit 30 Jahren leben die Tiere wieder in den Städten. In Zürich wird der Bestand inzwischen auf 1000 erwachsene Tiere geschätzt, sagt Fabian Kern, Fachbereichsleiter Wildschonrevier bei Grün Stadt Zürich, (Foto: Grün Stadt Zürich) Zum Artikel

 

«Meine Mutter darf es nicht erfahren.»

(Foto: Dominique Meienberg) Zum Artikel

In Birmensdorf bei Baden war ein grosses Militärtreffen angesagt. Der «Convoy to Remember» zog 25’000 Besucher an. Dabei war auch der amerikanische Haudegen Jim. Er ist 73 Jahre alt, stammt aus Seattle und springt noch täglich aus einem Flugzeug, das schon 1944 über der Normandie Fallschirmjäger absetzte. Seine 93-jährige Mutter darf allerdings nicht wissen, dass er sich in seinem Alter noch regelmässsig  in die Tiefe stürzt. (Foto: Dominique Meienberg) Zum Artikel

 

«Er spricht Pinguinisch!
Das versteht weltweit jedes Kind.»

(Foto: Dominique Meienberg) Zum Artikel

Wer hätte das gedacht: Pingu eroberte einst von Zürich aus die Kinderherzen. Marianne Boos war vor 25 Jahren dabei, als die Animationsfigur ihren Siegeszug antrat. Die Frau besitzt noch die letzten Originale der populären Kinderfigur. (Foto: Dominique Meienberg) Zum Artikel

 

«Wir stellen eine Trendwende fest.»

(Foto: Thomas Egli) Zum Artikel

Daran gibt es nichts zu rütteln: Zürich hat zu viele Büros und zu wenig Wohnungen. Nun machen Besitzer aus Büros einfach Wohnungen. Taugt dieses Konzept zur Linderung der Wohnungsnot? Fabian Korn, Sprecher des städtischen Hochbaudepartements, weiss die Antwort. (Foto: Thomas Egli) Zum Artikel

 

«Wieder einmal den Applaus von links suchen.»

(Foto: Reto Oeschger) Zum Artikel

SP-Regierungsrat Mario Fehr sorgt diese Woche für Wirbel. Er fordert ein Burkaverbot und es hiess, er denke über einen Wechsel zu den Grünliberalen nach. SP-Nationalrätin Min Li Marti findet ein Waffenausfuhrverbot wichtiger als ein Burkaverbot und appelliert an die Solidarität von Regierungsrat Fehr. Und sie erinnert daran, was dieser der Partei verdankt. (Foto: Reto Oeschger) Zum Artikel

 

«Teure Massnahmen müssen
erfolgversprechend sein.»

(Foto: Dominique Meienberg) Zum Artikel

Es ist still geworden um ihn, seit er die politische Bühne verlassen hat. Aber: Der abgewählte Justizdirektor Martin Graf (rechts) hat eine neue Aufgabe gefunden. Für seinen grünen Parteikollegen Martin Ott kam er gerade zur rechten Zeit. (Foto: Dominique Meienberg) Zum Artikel

 

«Alles bloss eine Frage der Zeit.»

(Foto: Thomas Egli) Zum Artikel

Ein Tauchgang im Greifensee zeigt: Fremde Muscheln und Krebse bedrohen unsere Seen. Wenigstens der Pfäffikersee blieb bis jetzt verschont, wie Projektleiterin Isabelle Buckelmüller von der Biosicherheit des Kantons, sagt. Fragt sich nur, wie lange dies der Fall sein wird. (Foto: Thomas Egli) Zum Artikel

 

«Das gedruckte Buch erlebt eine Renaissance.»

Das ist eine erfreuliche Nachricht, obwohl es ja immer mehr Menschen geben soll, die beim Anfassen von Papier von totem Holz sprechen: Andrea Kalt (l.) und Barbara Maurer eröffnen am 1. Oktober in Uster einen neuen Buchladen. Trotz Amazon und anderen Online-Giganten, junge Leute wollen beim Lesestoff wieder beraten werden. (Foto: Raisa Durandi) Zum Artikel (Foto: Raisa Durandi)

Das ist eine erfreuliche Nachricht, obwohl es ja immer mehr Menschen geben soll, die beim Anfassen von Papier von totem Holz sprechen: Andrea Kalt (l.) und Barbara Maurer eröffnen am 1. Oktober in Uster einen neuen Buchladen. Trotz Amazon und anderen Online-Giganten, junge Leute wollen beim Lesestoff wieder beraten werden. (Foto: Raisa Durandi)

 

«Das Geschwätz über den Lustfeind
Zwingli ging mir auf den Nerv.»

(Foto: Sophie Stieger) Zum Artikel

Franz Rueb, einst Aktivist der 68er-Bewegung, hat ein neues Buch über Huldrych Zwingli geschrieben. Er zeigt den Reformator als offenen Menschen. (Foto: Sophie Stieger)

 

 

Salami als Menschenrecht

Miklós Gimes am Mittwoch, den 17. August 2016

gimes

Das zentrale Thema im amerikanischen Wahlkampf, man kann es nicht mehr hören, ist der Mittelstand und dessen ungewisse Zukunft. Denn der Mittelstand, das bist du und ich, aber eben, wer genau dazugehört, das ist die grosse Frage. Wo fängt er an, der Mittelstand? Und wo hört er auf?

Nehmen wir die Lebensmittelabteilung des Globus, die Delicatessa. Früher konnte ich es mir leisten, dort einzukaufen, eine Maispoularde und feine Tomaten, manchmal einen schönen Loup de Mer. Die Delicatessa war cool, Treffpunkt für eine Generation, die das gute Essen entdeckt hatte und den neubürgerlichen Lebensstil.

Als meine Familie grösser wurde, kam mir der Globus plötzlich sehr teuer vor, und ich gewöhnte mich schnell an den Coop, die Migros oder den türkischen Gemüseladen. Die Delicatessa ist aus meinem Blickfeld entschwunden, und wenn ich mich dorthin verirre, weil ich guten Tee brauche oder einen deutschen Bouillonwürfel, komme ich mir vor wie ein Eindringling und frage mich, ob ich noch dazugehöre, zum Mittelstand.

Ich streife durch die Gestelle, rieche am Camembert, aber nicht zu lange, um der Versuchung nicht nachzugeben. Ich prüfe mit Daumen und Zeigefinger den Wildschweinsalami, den meine Buben so lieben. «Den kannst du dir nicht leisten», sagt eine innere Stimme. Manchmal schaffe ich es nicht, zu widerstehen. Scheiss drauf, man lebt nur einmal.

Am Abend, wenn der Salami weggeputzt ist, zu einem Risotto, mit feinem Brot, frage ich mich, ob es ein Menschenrecht gibt auf anständiges Essen. (Veganer bitte weghören!) Ich bin kein Snob, es muss nicht Gänseleber oder Kaviar sein. Aber sich ab und zu den Wildschweinsalami leisten zu können, müsste zu den Erkennungsmerkmalen eines moderaten Mittelstands gezählt werden. Salami ist eine europäische Kulturleistung wie die Oper, wie der Fussball, die Kathedrale von Chartres.

Letzte Woche waren wir bei Freunden in der Toskana, sie haben uns auf eine kleine kulinarische Tour durch die Dörfer mitgenommen. Es gibt dort berühmte Metzgereien, Dario Cecchini in Panzano, ein riesiger Kerl mit Hackbeil, ein Prophet des Schweinefetts, der die «Göttliche Komödie» von Dante auswendig vortragen kann. Er war leider nicht da, aber ich konnte mir vorstellen, wie er über der Theke kommandiert, ein «melodramatischer Zeremonienmeister», so hat ihn der «New Yorker» beschrieben, die Metzgerei Cecchini gibt es in der achten Generation.

Ein Dorf weiter, in Greve, führen zwei Brüder die Antica Macelleria Falorni, angeblich seit 1726, und dort, in den Körben, liegt der Wildschweinsalami von Globus, genau der, bloss kostet er die Hälfte. Ich stellte mich zwischen die Schweden und Holländer, die den Laden verstopften, und füllte meinen Einkaufskorb.

Draussen war eine Hochzeit, und einer der Brüder Falorni persönlich schnitt den Salami zum Antipasto. Ein kleiner, gewissenhafter, grauhaariger Mann. Die Hochzeitsgesellschaft sah aus, als würden Italiener sich selber spielen, enge hellblaue Anzüge und lange Kostüme. Ich schaute ihnen zu, wie sie plauderten, italienischer Mittelstand. Das sind meine Leute, sagte ich mir, ich bin wieder zurück.

Der Kinder-Bespassungsmarathon

Réda El Arbi am Montag, den 15. August 2016
Was gibts als Nächstes?

Was gibts als Nächstes?

«Heute Alpamare, morgen gehen wir dann in den Zoo. Mittwoch weiss ich noch nicht, vielleicht Swiss Miniature, und am Wochenende sind dann wieder zwei Kinderfestivals», zählte eine Mutter einer anderen Mutter das Wochenprogramm auf – mit etwas ratlosem Blick auf die vier Sprösslinge, die im Zugabteil herumtobten . Der Sommerferien-Kinder-Bespassungsmarathon ist in vollem Gange.

Ich versteh ja, dass man die Kinder abends müde im Bett haben will. Und ich finds auch gut, dass man in den Sommerferien mal was gemeinsam unternimmt, wenn man schon Ferien hat. Aber brauchen Kids wirklich dieses Endlosprogramm?

Ich kann mich erinnern, dass ich die Sommerferien vor allem deshalb mochte, weil  mir kein nerviger Erwachsener mit irgendwelchen Aktivitäten auf den Sack ging. Meine Mutter unternahm ab und zu etwas mit uns, aber ehrlich, meistens konnten wir uns nicht mehr als einen Eintritt pro zwei Wochen leisten. Weder ins Alpamare noch in den Zoo. Und eben, ich war ganz glücklich so ohne Programm.

Wandern? *Klick, peng*
In die Badi, an Mamis Rockzipfel? *Not*
Museen? *Üärks*
Kinder, die ich nicht kannte, mit denen ich aber spielen sollte? *Tot umfall*

Ich konnte, durfte, musste mich mit mir selbst beschäftigen. Meine Mutter wollte zwar wissen, wo ich unterwegs war (mit 6), aber sonst vertraute sie mir. Und meistens war das unheimlich geil und ging gut. Naja, ausser als ich den Friedhof in Brand steckte (Sorry nochmals, Stadtverwaltung Dübendorf!) oder Strassenzoll von anderen Kindern eintreiben wollte (Ihr habt bei mir einen Kafi gut, ehrlich!). Ich hatte eine Badi-Saisonkarte, sobald ich bewiesen hatte, dass ich 50 Meter schwimmen konnte ohne abzusaufen. Ich hatte eine innige Beziehung zu meinem Velo, sobald es ohne Stützräder ging, weil es Freiheit bedeutete. Ich gab ihm sogar einen Namen. Und ich verdanke ihm so manche Narbe.

Aber in erster Linie lernte ich, mit Langeweile umzugehen. Ich lernte, eine Frustrationstoleranz zu entwickeln. Dort – und genau dort – startete mein kreatives Leben. Ich musste aus wenig oder nichts etwas Spannendes machen. Natürlich las ich viel. Aber irgendwann begann ich selbst Geschichten zu erfinden. Oder ich bastelte die Welt aus meinen Büchern in der Realität, aus allem was ich fand, nach. Ich entwickelte Vorstellungskraft und Fantasie. Ich lernte, eigene Entscheidungen zu treffen – und dann auch die Konsequenzen (Arztbesuche, Hausarrest, Taschengeldsperre, persönliche Entschuldigungen bei diversen Eltern, etc.) zu tragen.

Ich weiss, das hört sich extrem nach «Früher war alles besser» an. Aber so ist es nicht. Naja, wenigstens nicht ganz. Ich freute mich dann doch auch auf unsere Ausflüge. In erster Linie, weil sie aussergewöhnlich waren.

Ich habe den Verdacht, dass dieses kontinuierliche Bespassungsprogramm in den Kids eine gewisse Erwartungshaltung generiert. Jeder Ausflug muss noch geiler sein, jede freie Minute, die nicht mit Action gefüllt ist, ist wertlos. Kurz: So züchtet man sich kleine Konsumenten heran, die mit 18 in den Club gehen und böse Kommentare schreiben, wenn das Programm nicht den Wünschen entspricht. Man zieht ganz sicher keine Kids gross, die mit 16 ein eigenes Label gründen oder sonst irgendwie Initiative zeigen.

Vielleicht ist das übertrieben. Ich weiss es nicht, ich habe keine Kinder. Ich hab aber das Gefühl, dass es wert ist, mal fünf Minuten darüber nachzudenken.

Wieder mehr Rave und weniger Fasnacht

Alex Flach am Montag, den 15. August 2016
Einfach tanzen.

Einfach tanzen.

2008 war ein entscheidendes Jahr in der Geschichte der Street Parade. Damals hat der Stadtrat die Sonderbewilligung für Outdoor-Bars und Musikanlagen im Freien während der Street Parade aufgehoben. Nach einer vierjährigen Beobachtungsphase hat Stadtrat Daniel Leupi im März 2012 entschieden auch weiterhin keine Outdoor-Bars zuzulassen. Eine entsprechende Bewilligung würde mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wieder zu einem deutlichen Anstieg von verletzten Personen führen: Seit 2008 seien sowohl die Anzahl der Körperverletzungen als auch der Behandlungen durch Schutz & Rettung markant zurückgegangen.

Jedoch hat die Verweigerung dieser Sonderbewilligung auch Schattenseiten. War zuvor die ganze Stadt ein einziger Dancefloor und bereits der Gang zur Strecke Bahnhofstrasse oder das Limmatquai hinunter ein Bass-unterlegtes Happening, gleicht der Zug der Raver zum See heute einem Schweigemarsch, begleitet von kleinen Partyreisegruppen die sich in Seitengassen verstecken um die Drogen für den Tag unter sich aufzuteilen.

Zudem hat sich das Nachtleben mit der Verweigerung der Sonderbewilligung endgültig vom Umzug verabschiedet: Wegen der hohen Kosten, der vielen Auflagen und des enormen Personalaufwands für das Stellen eines Love Mobiles verzichteten circa seit der Jahrtausendwende immer mehr Zürcher Clubs und Veranstalter auf einen eigenen Lastwagen und fokussierten sich stattdessen auf die einträglichen Afterpartys und auf die Organisation von Outdoor-Partys wie jener im Rosenhof am Limmatquai.

Als 2008 diese innerstädtischen Club-Präsenzen während des Umzugs plötzlich keine Bewilligung mehr erhielten, wurde aus der Street Parade der Clubber endgültig ein Karneval für die ganze Familie. Zwar hat das Organisationskomitee diese Entwicklung mit diversen Soundstages etwas dämpfen können, aber es war und ist nicht mehr dasselbe.

Durch die 25. Parade wehte jedoch der leise Hauch von Umkehr. Es waren weniger Familien mit Kindern auszumachen und auch der Anteil an Verkleideten war deutlich kleiner als in früheren Jahren. Dass weniger Familien an der Strecke waren hing sicher mit der Angst vor einem Terroranschlag zusammen – die schrecklichen Bilder aus Nizza gingen wohl auch den 900‘000 Furchtlosen an der Strecke bisweilen durch den Kopf.

Warum sich hingegen immer weniger Leute verkleiden, liess sich gut an einem kleinen Zwischenfall abseits der Strecke ablesen: Als sich einer aus einer Gruppe mit blauen Perücken und ebensolchen Röcken bewehrter Männer im fortgeschrittenen Alter laut wunderte, dass nur vereinzelt andere Fasnächtler auszumachen sind, entgegnete ihm ein vorbeigehender Raver lapidar, dass sich halt nur Deppen verkleiden würden.

Es wäre schön, wenn die kommende Clubber-Generation aus dem Fasching für Jung und Alt wieder ein Anlass der elektronischen Musik machen würde. Jedoch müssten dann die Love Mobiles bezüglich Soundqualität nachziehen: Die schwankte auf vielen Lastwagen auch in diesem Jahr zwischen nervtötend und nicht vorhanden und einfach nur Insomnia von Faithless mit 160 BPM abspielen ist nicht die Art von repräsentativem Beitrag den die Street Parade als grösste Technoparty der Welt zur Musik leisten sollte.

Alex-Flach2-150x150 (1)Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag, den 12. August 2016

«The dance must go on.»

Morgen rollt und tanzt zum 25. Mal die Street-Parade durch Zürich. Nur noch Nostalgie oder ist da immer noch gesellschaftliche Bedeutung im Spiel? Und wie steht es eigentlich um die Rave-Kultur? Ein TA-Quiz gibt Aufschluss. (Foto: Michele Limina/Keystone) Zum Artikel

Morgen rollt und tanzt zum 25. Mal die Street-Parade durch Zürich. Nur noch Nostalgie oder ist da immer noch gesellschaftliche Bedeutung im Spiel? Und wie steht es eigentlich um die Rave-Kultur? Ein Quiz gibt Aufschluss und Gelegenheit zum Wissenstest. (Foto: Michele Limina/Keystone) Zum Artikel

 

«Die Street-Parade früher hatte etwas Familiäres.»

Sie ist von Start an dabei und hat der Street-Parade bis heute die Treue gehalten: Jris Carducci dekoriert seit 1993 Love-Mobiles. Dieses Jahr gestaltet sie den ganzen Hechtplatz um. Zur Feier der Stunde hat sie auch einige DJs der ersten Stunde aufgetrieben. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

Sie ist von Start an dabei und hat der Street-Parade bis heute die Treue gehalten: Jris Carducci dekoriert seit 1993 Love-Mobiles. Dieses Jahr gestaltet sie den ganzen Hechtplatz um. Zur Feier der Stunde hat sie auch einige DJs aus der Anfangszeit aufgetrieben. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 «Leben ist lebensgefährlich.
Man kann nicht alles verhindern.»

Er schätzt eine aufmerksame Bevölkerung. Bruno Keller ist der Sicherheitschef der Kantonspolizei Zürich. Er ist einer jener Offiziere, die in Zürich einen Einsatz gegen Terroristen oder Amokläufer leiten würde. Er weiss: Die Arbeit beginnt lange vor dem dem Ernstfall. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

Er schätzt eine aufmerksame Bevölkerung. Bruno Keller ist der Sicherheitschef der Kantonspolizei Zürich. Er ist einer jener Offiziere, die in Zürich einen Einsatz gegen Terroristen oder Amokläufer leiten würde. Er weiss: Die Arbeit beginnt lange vor dem dem Ernstfall. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Wir wollten etwas Freudvolles schaffen.
Nun hetzt man Anwälte auf uns.»

Manchmal geht es schnell und man gerät in den Fokus der Feinde. Als Beispiel sei die Milchbar in der Zürcher Altstadt genannt. Dort geht ein vermögendes Ehepaar wegen Ruhestörung gegen zwei Restaurants vor. Dabei geht es nicht nur um die Existenz der Lokale, es ist auch ein Duell zwischen Milieu-Anwalt und Szene-Gastronom. Foto: Raisa Durandi) Zum Artikel

Manchmal geht es schnell und man gerät in den Fokus der Feinde. Als Beispiel sei die Milchbar in der Zürcher Altstadt genannt. Dort geht ein sehr vermögendes Ehepaar wegen Ruhestörung gegen zwei Restaurants vor. Dabei geht es nicht nur um die Existenz der Lokale, es ist auch ein Duell zwischen Milieu-Anwalt und Szene-Gastronom Michel Péclard (links). (Foto: Raisa Durandi) Zum Artikel

 

«Jeder Reiserückkehrer ist
ein potentieller Mitbringer.»

(Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

Xylella fastidiosa ist ein gefährliches Pflanzenbakterium, das derzeit in Süditalien wütet. Jetzt sind in einem Gartencenter in Dürnten erste Infektionen aufgetreten – trotz strengen Sicherheitsvorkehrungen. Andreas von Felten vom Eidgenössischen Pflanzenschutzdienst (EPSD) ist besorgt. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Die Liebe zum Detail und
die Qualität ist uns wichtig.»

** Dillysocks ** (v.l.r). Fabian Knup, Sean Pfister, Claudio Lumbiarres

Die Geschichte von Start-ups kennt man inzwischen. Wenn junge Zürcher eine Firma gründen, geht es oft um Apps oder um lokale Produkte. Anders ist es bei drei Freunden aus Wollishofen. Diese jungen Männer setzen auf Socken. Claudio Lumbiarres (rechts) sagt, sie mussten zuerst viel lernen. (Foto: PD) Zum Artikel

 «Wenn die Temperaturen sinken,
ziehen die Bettler weiter.«

(Foto: Thomas Egli) Zum Artikel

Wer kennt sie nicht, die Bettler auf den Strassen, öffentlichen Verkehrsmitteln oder Restaurants: Die Bettler. In Zürich hat die Zahl der Verzeigung wegen Bettels und unerlaubten Musizierens markant zugenommen. Christian Fischer vom städtischen Sicherheitsdienst SIP vermutet, dass in Zürich ein Roma-Clan Station macht. (Foto: Thomas Egli) Zum Artikel

 

«Die Post reduziert laufend ihre Dienstleistungen.»

Die Post verärgert ihre Zürcher Kunden mit zweifelhaften Optimierungen. In der Stadt haben sechs Kreise keine Briefkästen mehr, die am Sonntag nach 17 Uhr geleert werden. Der streitbare Anwalt Ludwig A. Minelli wird den öffentlichen Diensten vor, dass sie nicht mehr unternehmensübergreifend zusammenarbeiten. (Foto: Georgios Kefals/Keystone) Zum Artikel

Die Post verärgert ihre Zürcher Kunden mit zweifelhaften Optimierungen. In der Stadt haben sechs Kreise keine Briefkästen mehr, die am Sonntag nach 17 Uhr geleert werden. Der streitbare Anwalt Ludwig A. Minelli wirft den öffentlichen Diensten vor, dass sie nicht mehr unternehmensübergreifend zusammenarbeiten. (Foto: Georgios Kefals/Keystone) Zum Artikel

 

«Gross war die Faust, als sie in meinem Gesicht landete.»

Ein Boxtraining beginnt wie ein Tanzkurs. Kommen zur Beinarbeit die Schläge dazu, verlierte der Untalentierte aber bald die nötige Koordination. TA-Redaktor Thomas Zemp bezieht im Boxring Prügel. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

Ein Boxtraining beginnt wie ein Tanzkurs. Kommen zur Beinarbeit die Schläge dazu, verliert der Untalentierte aber bald die nötige Koordination. TA-Redaktor Thomas Zemp bezieht im Boxring Prügel, als er die für ihn fremde Sportart ausprobiert. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

 

«Es gibt keinen Anspruch auf Exklusivnutzung
des öffentlichen Grunds.«

(Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

Das Tiefbauamt will mehr Begrünung in der Stadt. Erstmals ist es möglich, Pflanzkisten auf öffentlichem Boden aufzustellen (auf dem Bild der Bullingerplatz). Interessenten kritisieren nun die überrissenen Gebühren. Der Sprecher des Tiefbauamts, Pio Sulzer, ist anderer Meinung. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Die Route war so geplant, damit
das Clubhaus nicht unterging.»

(Foto:Felix Aeberli) Zum Artikel

So geht ein Zürcher Wahrzeichen fremd: Das 100 Jahre alte Clubhaus des Zürcher Yachtclubs (ZYC) wurde vom General-Guison-Quai nach Nuolen abgeschleppt. Dort wird es fachgerecht renoviert und bekommt neue Schwimmkörper, die allein so schwer sind wie die Panta Rhei. Beim der Abschleppaktion hatten die Ingenieure Alternativrouten durch untiefe Gewässer erstellt, falls das morsche Clubhaus wieder zu lecken begonnen hätte. Dies war aber laut ZYC-Vorstandsmitglied Oliver Winkler zum Glück nicht der Fall. (Foto: Felix Aeberli) Zum Artikel

 

 

 

Der totale Mario

Réda El Arbi am Donnerstag, den 11. August 2016
Schwerpunkt: PK des siebenköpfigen Gesamt-Regierungsrats zum Sparprogramm des Kantons, mit Stocker, Fehr&Fehr, Heiniger, Steiner, Kägi, Walker-Späh. Mario Fehr. 13.04.2016  (Tages-Anzeiger/Urs Jaudas)

Er beschützt uns alle. Tag und Nacht, ich schwör! (Foto: Urs Jaudas)

Einer will kommen und uns retten. Er will die totale Sicherheit. Er will Menschen mit einem gewissen Status die Bewegungsfreiheit einschränken, sie präventiv und ohne Anklage und Urteil in einem Rayon einschliessen (früher nannte man sowas «Ghetto»). Er will abgewiesenen Asylbewerbern auf Vorrat die Bewegungsfreiheit nehmen, obwohl das Ausschaffungsprozedere bereits juristisch geregelt ist. Zur Begründung bringt er ein Beispiel, das aus allen abgewiesenen Asylbewerbern potentielle Drogendealer macht. (Nachzulesen hier)

Der Mann will auch noch eine Kleidervorschrift für eine religiöse Minderheit (früher nannte man das … ach, lassen wir das)Er will das Burkaverbot, weil er für uns offenbar eine Gefahr in gefühlten 50 verschleierten Muslima im Kanton ausgemacht hat. Auch dies auf Vorrat, da mir persönlich kein Fall von Staatsgefährdung, Terrorismus oder nur schon Ladendiebstahl durch eine verschleierte Frau bekannt wäre.

Aber das reicht noch nicht. Er will die totale Überwachung jeglicher Kommunikation durch den Staat, sprich, durch seine Leute. Er will die Instrumente dazu so dringend, dass er nicht mal die neue Gesetzgebung abwarten konnte, bis er sie (bei Betrügern) einkaufte und sie in einem juristischen Graubereich einsetzte. Ein Trojaner, der – wie auch alle kriminellen Hacker – Hintertüren und Fehler in Software ausnutzt, anstatt sie sicherer zu machen.

Das ist unser Supermario – Mario Fehr, der «linke» Sicherheitsdirektor. Also, links nennt er sich selbst, und sein Parteibüchlein von der SP soll das auch beweisen. Aber eigentlich kümmerts mich nicht, wie sich jemand nennt oder einschätzt. Ich beurteile einen Mann nicht nach seinem Parteibüchlein, sondern nach seinen Handlungen und Äusserungen.

Er handelt sicher nicht im Stile der SP. Das ist auch nicht irgendwie linksliberal. Sowas grenzt an einen inneren Zwang zur Sicherheit. Auf Kosten der Freiheit.

Manche würden ihm jetzt vorwerfen, er sei nach rechts gerutscht, vielleicht, um sich neue Fans und Wähler zu sichern. Aber das ist es nicht. Ich denke, der Mario leidet unter einer Deformation professionelle. Er sieht sich als Sicherheitsdirektor als Übervater, der alle seine Kinderchen beschützen muss. Wahrscheinlich kann er nachts nicht schlafen, wenn er sich vorstellt, was uns alles von jedem drohen könnte. Ich nehme an, er kriegt Schnappatmung, wenn er in einem Bahnhof einem Bärtigen oder einer Verschleierten begegnet. Wahrscheinlich sieht er in jedem Pokemon-Jäger mit Smartphone eine potentielle Datendrehscheibe für den IS.

Nun, die totale Sicherheit gibts nur in totalitären Systemen. Und Mario Fehr ist uns dahin zwei Schritte voraus, immer ganz knapp am Rande der Legalität: Ein ausgesprochenes Bewegungsverbot wurde bereits von einem Gericht kassiert. Und im Fall des fragwürdigen Einsatzes des Staatstrojaners hat eine selbst in den Fall involvierte Behörde es nicht für nötig befunden, eine Untersuchung durchzuführen.

Irgendwer aus seiner Partei sollte dem Sicherheitsdirektor vielleicht klar machen, dass er nicht alle einsperren, ausspionieren oder einem Kleiderzwang unterziehen kann, um die freiheitliche Demokratie zu retten. Jemand sollte ihm sagen, dass er so die freiheitlich-demokratischen Werte ad absurdum führt. Jemand müsste ihn unbedingt beiseite nehmen und ihm einmal die sozialdemokratische Grundidee vorbeten.

Aber wahrscheinlich würde er nur wieder beleidigt sein Parteibüchlein für ein paar Tage zurückgeben. Und die Genossen würden sich so davor fürchten, das Amt des Sicherheitsdirektors aus dem Parteirepertoire zu verlieren, dass sie ihm wieder nachhöselen würden. Die Linke hatte immer Beisshemmung, wenns um eine ihrer Ikonen ging. Diesmal haben sich sogar einige zu zögerlicher Kritik hinreissen lassen. Aber hier steht die ganze Glaubwürdigkeit sozialdemokratischer Politik  auf der Kippe. Mal sehen, was von den Genossen in den nächsten Tagen und Wochen noch so kommt.

Irgendwie bin ich froh, dass ich kein Parteimitglied bin. So kann ich meinen Prinzipien treu bleiben, ohne mich für Ämter und Würden zu verkaufen. Und meine Freunde können mir klar ins Gesicht sagen, wenn ich Scheisse baue.

Natürlich wird Herr Fehr sich bei meinen Vorgesetzten über meinen respektlosen Ton beschweren. Er wird, wie beim letzten Post, für eine Weile nicht mehr mit dem Tages Anzeiger sprechen. Deshalb gleich hier: Eine Carte Blanche für Herrn Mario Fehr, mit der er sich hier im Stadtblog ohne Probleme meiner Einschätzung entgegenstellen kann.

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