Die dreiste Wasser-Masche von Zürcher Beizern

Simon Eppenberger am Donnerstag, den 30. Juni 2016
Ein Mann fuellt sich das neue Souvenir von Zuerich, die Wasserflasche ZH2O, an einem Brunnen auf in Zuerich am Dienstag, 4. April 2006. Mit der Wasserflasche ZH2O will Zuerich Werbung für das hochwertige Trinkwasser machen, an welchem sich Heimische und Reisende an staedtischen Wasserhahnen sowie den 1200 sprudelnden Brunnen gleichermassen laben. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Aus Wasser mach Geld: Ein Liter H2O aus dem Hahn kostet in Zürich 0,2 Rappen, in der Beiz auch mal knapp zehn Franken. (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

Dies ist eine Story, wie man sie wohl nur in Zürich erlebt. Ein neues Restaurant geht auf und positioniert sich mit “ökologischer Verantwortung, heimischen Produkten und einfacher Zubereitung” irgendwo zwischen chic und hip. Das hat seinen Preis, aber dieser ist “der Qualität angemessen”, wie sich die Geschäftsführung zur Eröffnung zitieren lässt.

Für den Gast bedeutet das folgendes: Bestellt man zu Fisch und Weisswein zusätzlich Hahnenburger (heimisches Produkt), dann wird man kommentarlos aus einer Mehrweg-Flasche mit Bügelverschluss bedient (einfach und ökologisch). Zum Espresso ist die Flasche leer, man bestellt nochmals Hahnenwasser – und staunt dann bei der Rechnung nicht schlecht: “Wasser ohne, 19 Franken”. Auch wenn das Wasser einwandfreie Qualität hat, diesen Preis halten wir nicht für angemessen – und das Ganze deshalb für einen Irrtum.

Auf den Hinweis, man habe explizit Hahnenwasser und nicht Mineralwasser bestellt, erklärt einem die Bedienung, dass das Hahnenwasser sei. Für fast zehn Franken den Liter? Ja, man wolle auch was für den Service. (Die Rechnung belief sich auf deutlich über 100 Franken für zwei Personen). Wir machen so grosse Augen, dass sie hastig erklärt, dass dies so üblich sei am See, das würden auch andere Beizer so machen. Und “Wasser mit” in Beizen sei ja auch nur Sprudel aus dem Sodaclub.  

Nett, diese Ehrlichkeit. Zürcher Gastronomen ziehen ihre Gäste also gleich reihenweise über den Tisch und verwandeln Züri-Wasser in flüssiges Geld. Es sprudelt in Karaffen oder fliesst aus hippen Bügelflaschen. Und weil es alle machen, sollen wir das akzeptieren? Das Wasserwerk liefert 1000 Liter für 1 Franken 85 in jede Küche. Macht nicht mal 0,2 Rappen pro Liter. Und da war ja auch noch die Diskussion über die Preise für Zürcher Hahnenwasser.

Sie sorgte bereits vor sechs Jahren für Schlagzeilen. Damals enervierten sich viele Restaurantbesucher, wenn sie vier, fünf Franken für einen Liter berappen mussten. Wir haben einen Aufwand und bieten Service!, riefen die Wirte. Die Gäste arrangierten sich damit. Und Beizer, welche sich Ärger ersparen wollen, haben zwei simple Lösungen etabliert: Sie servieren Wasser gratis oder der Gast holt es sich selber. Dem Rest bleibt, die Preise zu kommunizieren.

Ob dem Konzept, für Hahnenwasser klammheimlich beinahe zehn Franken für einen Liter zu verlangen und das am Ende als “Wasser ohne” zu deklarieren, darüber kann man als Gast nur staunen. Übrigens kostet der halbe Liter 6 Franken 50.

Es ist interessant zu sehen, ob sich diese Masche am Ende auszahlt. Statt chic und hip am See kehren wir lieber einmal mehr in unserem Stammlokal ein. Dort ist das Wasser genauso frisch. Und das erst noch zu einem angemessenen Preis: Einem Lächeln und der Weinempfehlung des Tages. Darauf gehen wir gerne ein. Flaschenweise.

Haus am Meer mit Pool

Miklós Gimes am Mittwoch, den 29. Juni 2016

gimes

Diesen Sommer freuen wir uns auf Ferien mit Freunden. Die Planungen laufen seit einiger Zeit. Wir suchten ein Haus in Italien, wenn möglich am Meer, die Kinder wünschten sich einen Pool. Das Angebot im Internet ist riesig, in allen Sprachen, von Airbnb bis zur holländischen Website für Kenner der italienischen Innenarchitektur.

Grundsätzlich gab es Häuser am Meer, meist wilde Bausünden, finanziert mit dem Geld der Emigranten, oder wunderschöne Villen und umgebaute Bauernhäuser in den Hügeln, mit allen möglichen Varianten dazwischen.

Wir diskutierten viel – bin ich der Meer/Strand-Typ oder eher der Country/Relax-Typ? –, wir berechneten An­fahrtswege und Distanzen zur nächsten Bäckerei, wir wussten, ob Kies- oder Sandstrand und wie laut die Strasse ist, die man überqueren muss, doch immer bremste uns etwas vor der finalen Entscheidung. Vielleicht ist einfach die Vorstellung deprimierend, irgendwo hinzufahren, an einen Ort, den man nur von Fotografien aus dem Computer kennt und den Satellitenbildern von Google. So verloren wir Wochen. Im Grunde warteten wir auf ein Wunder.

Doch dann, auf der Website einer seriösen italienischen Agentur, fanden wir ein Haus an der ligurischen Küste, das dem Wunder nahekam, schön eingerichtet, mit einem Pool, man sah ihn auf Google Earth glitzern, man erkannte den Eingang zum Garten und den Parkplatz, das Strässchen zum Meer, es war nicht billig, aber zahlbar, wir schrieben sofort. Am nächsten Tag wollten wir den Fund unseren Freunden zeigen, doch das Haus war nicht mehr auf der Website.

Ja, der Vertrag mit der Agentur sei ausgelaufen, schrieb der Vermieter auf unsere Anfrage, aber das Haus sei zu haben, er mailte uns alle Informationen, Bankverbindungen, den Betrag der Anzahlung, die Kosten für Bett­wäsche und wöchentliche Reinigung, er wies auf die Kurtaxe hin, schickte eine Liste der Läden in der Umgebung. Sehr nett. Ich begann mich zu freuen.

Doch meine Frau war misstrauisch geworden. Der Vermieter hatte uns einen Vertrag geschickt, mit Namen und Adresse, doch seine Unterschrift fehlte. «Es riecht nach Betrug», sagte meine Frau, während ich staunte, wie schnell Begeisterung umschlägt in Misstrauen, ohne dass man gesicherte Fakten hat. Ich gab mir Mühe, sie ernst zu nehmen, als sie sich bei den ligurischen Gemeindebehörden nach unserem Vermieter erkundigte. Die Antwort kam postwendend, es sei kein Mann mit diesem Namen bekannt, und die seriöse italienische Agentur schickte uns eine Warnung, dass unser Vermieter wohl ein Betrüger sei, die von ihm geforderte Anzahlung sei zu hoch. Aus der Traum, es gibt keine Wunder.

Immerhin hatten wir jetzt an den Nachtessen eine aufregende Geschichte zu bieten, sie war der Startschuss zu weiteren Storys, eine Familie mit drei kleinen Kindern hatte in New York eine Wohnung gemietet, als sie abgekämpft vom Flug aus dem Taxi stiegen, standen sie vor einer Baustelle. «Früher sorgten Reisebüros dafür, dass man nicht übers Ohr gehauen wurde», sagte jemand. Ja, früher hat man stundenlang mit dem Vermieter telefoniert.

Wir suchen immer noch, die Zeit drängt. Wir sind guten Mutes. Aber es ist eine böse Welt da draussen.

«Ey, glotz nicht so!»

Réda El Arbi am Dienstag, den 28. Juni 2016
Im Sommer angenehm, ziehen aber auch Blicke an.

Im Sommer angenehm, ziehen aber auch Blicke an.

«Hast du gesehen, wie der geglotzt hat? Der Sabber lief ihm schon aus dem Maul!» – vor mir zwei junge Frauen, so um die 20, die sich über einen Typen unterhalten, der gerade ausgestiegen ist. Und ja, ich muss zugeben, der Typ hat die beiden Frauen angestarrt. Sie trugen beide Hotpants, diese lächerlichen Riemchensandalen, die an Ben Hur erinnern, und eher knappe Blusen.

Sogar ich habe einen Blick riskiert. Oder zwei.

Eine meiner feministischen Bekannten meinte später, bei der Hitze hätten die Frauen das Recht, sich knapp bekleidet in der Öffentlichkeit zu bewegen und nicht angestarrt zu werden. Das Verhalten der Männer zeige nur wieder, wie stark die Frauen als Objekte herhalten müssten.

Nun, nein. Jeder Mensch hat das Recht, sich im öffentlichen Raum zu bewegen, ohne sexuell belästigt zu werden. Blicke gehören nicht dazu. Man kann es widerlich finden, man darfs sogar mit einem «Glotz nicht so» ansprechen. Aber sexuell motivierte Blicke sind nicht Ausdruck der Unterdrückung der Frau. Sie sind Ausdruck des Menschen als sexuelles Wesen. Solche Blicke werden nicht vom Bewusstsein gesteuert, sondern kommen reflexartig und sind Teil des evolutionären Programmes.

Sie zu verdammen hiesse, die sexuelle Natur, den kategorischen Imperativ, den der Fortpflanzungsdruck in den Menschen gepflanzt hat, zu verleugnen. Wir können nicht sexuelle Botschaften aussenden und erwarten, dass diese keine Reaktion hervorrufen. Solange die Reaktionen die persönliche Freiheit nicht verletzten, muss man damit leben. Und Blicke sind nicht verboten.

Was viele Frauen nicht wissen: Es ist vielen Männern extrem unangenehm, wenn ihnen «das Auge ausrutscht». Die Muskelbewegung im Auge ist oft schneller als der zivilisatorische Kontrollmechanismus im Hirn. Wir reagieren auf nackte Haut und auf erotische Ausstrahlung. Sonst würde niemand Werbung damit machen (was wiederum in manchen Fällen wirklich sexistisch ist). Sonst wären wir als Spezies ausgestorben. Wir sind deswegen nicht schwanzgesteuert. Wir verhalten uns anständig, wir drängen uns nicht auf. Wir haben oft nicht mal den Mut, ein freundliches Lächeln hinter dem Blick herzuschicken. Wir haben nur geglotzt.

Wenn wir gegen diese urmenschlichen, sexuellen Impulse vorgehen, verleugnen wir nicht nur unsere Natur, wir bewegen uns – wenn auch auf der anderen Seite – auf dem gleichen Pfad wie die islamistischen Sittenwächter, die diese Blicke und ihre sexuelle Implikation mit einer Burka unterbinden wollen. Die sexuelle Anziehung zu zensieren ist wider die Natur. Zivilisation bedeutet, angemessen mit Sexualität umzugehen – nicht, sie zu verdammen.

Die Freiheit, sich im öffentlichen Raum zu kleiden wie man will, ist nicht ohne Preis. Man setzt sich so der Freiheit der anderen aus, auf das Äussere so zu reagieren, wie diese wollen. Solange dies nicht die Integrität verletzt, müssen beide Seiten mit der Freiheit des Anderen leben.

Drei Minuten später im Tram. Junger Mann steigt ein, gross, Muskeln unter dem Vintage-T-Shirt, Stoppeln im Gesicht und halblange Surferfrisur.

Junge Frau 1 stupst junge Frau 2 mit dem Ellbogen an und nickt mit dem Kinn in seine Richtung. Beide mustern den Typen von oben bis unten.

Junge Frau 2: «Der bemerkt uns nicht mal …»

Clubs am Züri Fäscht

Alex Flach am Montag, den 27. Juni 2016
Wo man nach dem Feuerwerk noch weiterfeiern kann.

Wo man nach dem Feuerwerk noch weiterfeiern kann.

Als die Vandalen unter König Geiserich im Jahr 455 Rom plünderten, öffneten ihnen die Bürger der ewigen Stadt bereitwillig die Tore. Um Kampfhandlungen und Brandschatzungen zu vermeiden, eilte Papst Leo I. gar an die Stadtmauer zu Geiserich um ihm zu versichern, dass es keinen Widerstand geben werde. In der Folge räumten die Horden Rom bis auf das letzte Goldstück, aber ohne überbordende Gewalt und ohne die Stadt niederzubrennen – es muss eine gigantische Party für die Vandalen gewesen sein.

Während des Züri Fäschts am kommenden Wochenende dürften sich bei manchem Stadtzürcher beim Blick aus dem Fenster ähnliche Gefühle einstellen wie damals bei seinen altrömischen Leidensgenossen während der Plünderung. Mit dem Unterschied, dass die prognostizierten 2,5 Millionen marodierenden Fremden Geld in die Stadt tragen und nicht welches abtransportieren kommen. Dennoch ergreifen auch am diesjährigen Züri Fäscht viele Stadtzürcher die Flucht und haben schon vor Wochen ein Zimmer in einem lauschigen Hotel auf dem Land gebucht. Auch die Zürcher Nachtleben-Macher sehen dem grössten Schweizer Volksfest mit gemischten Gefühlen entgegen: Viele Clubs und Veranstalter stellen zwar eine eigene Festwirtschaft, ihr Club bleibt aber geschlossen.

Der Supermarket, die Friedas Büxe, die Zukunft, die Härterei, das Lexy, das Exil, das Kaufleuten, die Amboss Rampe und viele mehr werden ihren Partygästen an ihrer gewohnten Adresse nicht zu Verfügung stehen und stattdessen in den meisten Fällen mit einem Alternativprogramm am Züri Fäscht präsent sein. Einige Locations wie der Supermarket oder die Amboss Rampe zeigen zwar weiterhin die Spiele der dann immer noch laufenden Euro 2016, verzichten aber auf das Ausrichten ihrer gewohnten Partys und Konzerte.

Andere wiederum wie beispielsweise das Hive bieten in ihren Räumlichkeiten nur ein reduziertes Programm und verzichten auf die Buchung teurer ausländischer DJs und Musiker. Dabei reagieren sie flexibel auf das Wetter am kommenden Wochenende: Sollte es regnen werden einfach ein paar der DJs von der Festwirtschaft am Seebecken in den Club beordert und das dortige Line Up-Aufgebot auf diese Weise vergrössert. Das Stairs wiederum verlegt sich auf das Organisieren von Afterhours: Wenn vorne am See irgendwann Schluss ist, kann man hier ab morgens um fünf Uhr weiterfeiern. Nur sehr wenige Tanzlokale wie der Stall 6 (mit einer Dancehall/Reggae-Party am Freitag und Drum’n’Bass am Samstag), das Hard One und der Helsinki Klub machen unbeirrt weiter und bieten ihren Gästen die übliche Kost.

Wer eine echte Alternative zum Züri Fäscht sucht, der hält sich an Christian Gamp und seinen gds.fm-Sender: Ab dem 30. Juni wird wieder täglich aus der kleinen und gemütlichen Elisaburg an der Elisabethenstrasse gesendet. Besucher sind willkommen und derweil vorne am Seebecken die Massen toben, kann man sich hier mit den gds.fm-Leuten gemütlich übers Radiomachen unterhalten und dennoch das eine oder andere Bierchen zwitschern. Und zwar gänzlich ohne Vandalenhorden.

Alex-Flach2-150x150 (1)Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag, den 24. Juni 2016

«Ins Parkhaus, da lege ich mich hinter die Vordersitze meines Autos.»

(Foto: Urs Jaudas)

Er ist nie um eine Antwort verlegen. Der Kabarettist mit dem zackigen, farbigen Haarschnitt: Andreas Thiel, auf die Frage eines Journalisten, wohin er in der Stadt Zürich geht, wenn er allein sein will. (Foto: Urs Jaudas)

 

«Eine Maus sagte zur anderen: Fertig lustig!»

(Foto: Sabina Bobst) Zum Artikel

Viereinhalb Jahre lebte die tschetschenische Familie M. in Kilchberg. Trotzdem mussten sie kürzlich mit ihren Eltern das Land verlassen. Magazin-Reporter Erwin Koch hat die Mädchen vor der Abreise getroffen. Sie erzählten ihm, wie sie einmal von Mäusen träumten, von vielen kleinen, lieben Mäusen. Aber die Mäuse waren zugleich Menschen. Oder Soldaten. Sie befahlen den Mädchen, in ein Auto zu steigen und brachten sie zum Flughafen. (Foto: Sabina Bobst) Zum Artikel

 

«Ich habe von der Polizei
noch nichts gehört.»

(Foto: Thomas Egli) Zum Artikel

Der Künstler Thomas Santhori verpackte in einer Blitzaktion eine Radaranlage am Walcheplatz. Es ging nicht lange und die Polizei liess die Skulptur, die einen Radarkasten verschluckt hat, entfernen. Jetzt ist der verkleidete Blechpolizist im Seefeld auferstanden. (Foto: Thomas Egli)

 

«Ich würde öfter in die Oper gehen,
wenn es billiger wäre.»

(Foto: Thomas Egli) Zum Artikel

Es hat zum grossen Teil geregnet, aber die Stimmung war trotzdem gut. Für viele Zuschauer war die «Oper für alle» auf dem Zürcher Sechseläutenplatz mehr als ein kulturelles Spektakel mit schönen Stimmen. Vielen ging es in erster Linie um Feiern – egal, zu welchem Anlass. (Foto: Thomas Egli) Zum Artikel

 

«Fliegt eine Fledermaus ins Haus hinein,
fliegt der Teufel hintendrein.»

(Foto: Walter Bieri/Keystone) Zum Artikel

Im Zürcher Zoo haben auch Batman und Vampire ihren Auftritt: Die neue Ausstellung der Stiftung Fledermausschutz beschäftigt sich, wie könnte anders sein, mit der Fledermaus. Multimedial geht es zu und her, dass man sich zum Affen macht. (Foto: Walter Bieri/Keystone) Zum Artikel

 

«Ich hoffe, ich bekomme für meine Tracks
ein bisschen Respekt.»

(Foto: Thomas Egli) Zum Artikel

Sein Rap ist abgedreht und punktgenau: Thomas Zolliker alias Sulaya war viel zu lang ein Phantom. Jetzt hat er sich und seiner Heimatstadt ein musikalisches Denkmal gesetzt. (Foto: Thomas Egli) Zum Artikel

 

«Die Kollegen waren nicht traurig, als ich freiwillig
den Eintrag «zue» übernahm.»

(Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

Christoph Landolt ist Redaktor beim schweizerdeutschen Wörterbuch Idiotikon. Zweieinhalb Jahre hat er sich mit dem Wörtchen zue beschäftigt. Im siebenköpfigen Redaktoren-Team ist er der Dramatik-Liebhaber. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

 

«Viele Pächter sind zeitlich und gärtnerisch überfordert.»

(Foto; Raida Durandi) Zum Artikel

In Zürich gibt es im Form des Gruppengärtners einen neuen Trend: Der Gemeinschaftsgarten. Aber das passt nicht allen: Den alteingessenen Familiengärtnern in Altstetten zum Beispiel, die wegen der Eishockey-Arena zügeln müssen. Stunk ist vorprogrammiert. (Foto; Raida Durandi) Zum Artikel

 

«So schnell. Es ist einfach unfassbar.»

(Foto: Sabina Bobst)

Diese Woche berichteten die beiden Zürcher Ständeräte , Daniel Jositsch (SP, Bild) und Ruedi Noser (SP) an einer Veranstaltung, wie gut sie in Bern zusammen arbeiten. Dabei beklagte sich Jositsch, dass Ständeratspräsident Raphäel Comte, ein Romand, so schnell rede. (Foto: Sabina Bobst)

 

 

«Faszinierend schön.»

(Foto: Doris Fanconi)

Eine Zürcher Malerin auf den Spuren eines grossen Architekten: Rita Ernst stellt zurzeit im Architekturforum ihre Werke aus: Bilder, die als Basis die Grundrisse von Mies van der Rohe verwenden.  Für die Künstlerin hat jeder Grundriss seine Geheimnisse. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Wir sind böse auf Petrus, dass er uns so lange warten liess.»

(Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

Endlich, zum ersten Mal kam diese Woche so richtig Sommer-Feeling auf mit Temperaturen um die 30 Grad. Wer konnte, lag in der Badi, im schattigen Quartierpark oder nahm sonst irgendwo eine erfrischende Abkühlung. Nicht ganz zufrieden mit dem Wetterboss ist Olivier Woischnig, Geschäftsführer der Container-Beiz Primitivo. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

 

 

 

Alte Liebe

Miklós Gimes am Mittwoch, den 22. Juni 2016

gimes

Ursprünglich wollte ich die «Stadtgeschichten» zur EM-freien Zone erklären. Aber diese Europameisterschaft ist ziemlich aufwühlend, und über Fussball kann man immer reden. Natürlich auch in Serbien, im Norden, wo die ungarische Minderheit lebt. Wie ich dorthin gekommen bin an diesem Wochenende, ist eine Geschichte für sich.

Sie beginnt in einer Zürcher Flüchtlingsunterkunft während des Jugoslawienkriegs, mit dem Serben Branko und seinem Betreuer Christoph. Nach dem Friedensabkommen geht Branko zurück, aber in Kroatien, wo er ursprünglich herkommt, kann er nicht mehr leben, und so wird er in Serbien angesiedelt, in einem Dorf, wo überwiegend Ungarn wohnen.

Die Wirtschaftslage ist schlecht. Wer kann, haut ab ins Ausland, doch Branko gibt nicht auf und versucht, sein Dorf am Leben zu erhalten, er importiert aus der Schweiz alte Fahrräder und alte Computer, dabei hilft ihm sein Freund Christoph aus Flüchtlingstagen. Gemeinsam haben Branko und Christoph die einzige Beiz des Ortes aufgemöbelt, das Café Mimosa, auch dank des Engagements von Zürcher Fussballfreunden, die mit Christoph in der alternativen Liga spielen, das muss mal gesagt sein. Im Café Mimosa sah ich am Samstag das Spiel Island gegen Ungarn.

Als ich als kleiner Bub in die Schweiz kam, war ich grosser Fan der Ungarn – für Emigrantenkinder ist der Fussball oft das Band zur verlorenen Heimat. Ich fuhr zu den Länderspielen, wo die Ungarn die Schweizer bös verhauten, und das war gut so. Dann wurden die Schweizer besser, und ich begann mit ihnen zu fiebern, aber Ungarn blieb meine grosse Liebe, auch weil der ungarische Fussball einfach uneinholbar war, bis zum Absturz an der WM 1986. Dann kehrte es, fussballerisch gesehen: Die Ungarn spielten nie mehr an einem grossen Turnier.

Aber das Entscheidende geschah in der Politik, man musste sich schämen für ein Land, das einen Viktor Orban zum Präsidenten wählt. Ich gab den ungarischen Fussball auf. Deshalb war ich gespannt, wie ich auf ihren Auftritt an der EM reagieren würde, und wie das ist mit einer alten Liebe, sie blühte erst ganz zaghaft auf. Aber dann geschah etwas Seltsames: Meine Kinder sind in meine alte Haut geschlüpft und zu bedingungslosen Fans der Ungarn geworden, als wollten sie die alte Heimat ihres Vaters idealisieren, hochleben lassen. Ich weiss nicht, ob aus Suche nach Identität oder um sich auf dem Pausenplatz interessant zu machen.

Wie auch immer, ich sass am Samstag nägelkauend vor dem Fernseher in einem serbischen Dorf, das zum grossen Teil von Ungarn bewohnt wird, in einer Bar, die mit Schweizer Hilfe gebaut worden war, und als endlich drei Minuten vor Schluss der Ausgleich fiel, den wir herbeigesehnt hatten, stand ein stämmiger, breitgesichtiger Bauer, der wortlos hinter mir gesessen hatte, auf. Drehte sich zu mir, klatschte schweigend ein High Five ab mit seiner Pranke und setzte sich still wieder zu seinem Bier.

Am Sonntag bei Frankreich – Schweiz war ich ganz mit den Schweizern, wie ein alter Casanova, der mit einer anderen Frau ausgeht. Im Fernsehen sagten sie, Ungarn und die Schweiz spielten im Herbst gegeneinander in der Ausscheidungsgruppe für die WM. Daran wollen wir jetzt nicht denken.

Verstecken vor der Vergangenheit

Réda El Arbi am Dienstag, den 21. Juni 2016
Verschliesst man die Augen vor der Vergangenheit, kann man sich selbst nicht erkennen.

Verschliesst man die Augen vor der Vergangenheit, kann man sich selbst nicht erkennen.

Ist Ihnen auch schon jemand in der Stadt absichtlich aus dem Weg gegangen? Hat die Strassenseite gewechselt, das Tram verlassen und ist an einer Party immer in die andere Ecke des Raumes geflohen? Oder hat Sie ums Verrecken nicht wiedererkennen wollen, obwohl man in der Beiz dreiviertel Stunde vis-a-vis sein Gipfeli verspeist und seinen Kaffee getrunken hat? Menschen, die Sie aus Ihrer Vergangenheit kennen, und denen Sie in Ihrer Erinnerung niemals etwas  Böses getan haben?

Mir passiert das immer mal wieder. Und dann wundere ich mich. Natürlich könnte man sagen, dass ich mit Drogen, Hausbesetzungen und Chaos eine Vergangenheit habe, die eher zu den schwierigen Art gehört. Aber ehrlich, wer in Zürich in den 90ern jung gewesen ist, hat meist selbst solche Erinnerungsstücke oder Lücken in seiner Biografie auszuweisen. Gerade die Leute, die ich damals kannte, und die mich heute nur noch dann kennen, wenn sie von meinen Verbindungen in die Medien profitieren wollen.

Ich nehm an, dass diese Leute keinen Frieden mit Ihrer eigenen Geschichte geschlossen haben. Entweder wollen sie nicht, dass ihr Umfeld von ihrer bewegten Vergangenheit erfährt (was in einer Stadt wie Zürich einen unheimlichen Kraftakt aus Lügen und Ausweichen bedeutet), oder aber, wahrscheinlicher, sie wollen sich nicht erinnern, wer sie mal waren. Und das, obwohl der Weg von der Person vor zwanzig Jahren direkt zu der Person von heute führt.

Es gibt drei verschiedene Arten, mit der Vergangenheit umzugehen.

Die meisten Leute wählen Variante 1: Die romantische Verklärung. Früher war alles besser. Die Sonne heller, der Wein intensiver, die Farben bunter, die Menschen besser. Damals war der Körper noch ein Lamborghini und nicht ein alter VW-Bus wie heute, die Augen scharf, die Haut glatt, die Gelenke gelenkig. Das Leben bestand aus Zuckerwatte, Ringelreihe-tanzenden, regenbogenfurzenden Einhörnern und die Liebe war gross. Diese Perspektive hat vielleicht damit zu tun, dass man früher nicht so ein desillusionierter, miesepetriger, alter Stinker war, oder dass man sich damals die Realität noch mit Naivität schönfärben konnte.

Ein grosser Teil wählt auch Variante 2 der Vergangenheitsbewältigung: Die Leugnung. Es sind meist die Menschen, die sich in den letzten zwanzig Jahren von ihren damaligen Idealen weg entwickelt haben. Idealisten, die jetzt stolz auf ihren pragmatischen, opportunistischen Zugang zur Realität sind. Da fällt es schwer, sich einzugestehen, dass man nicht immer so war. «Nein, ich war nie einer dieser arbeitsscheuen, verfilzten Hippies, die immer bis Mittags schliefen, schwachsinnige Kunst konsumierten und nur für Cannabis und Liebe leben wollten. Ich war schon immer der karriereorientierte Macher im Anzug. Und rauchen fand ich schon immer blöd. Ich hab damals nur einmal Gras geraucht. Und inhaliert hab ich nicht.”

Die Dritte ist meine Lieblingsvariante: Die kognitive Aufarbeitung. Natürlich denkt jeder, dass er sich ganz genau so an seine Vergangenheit erinnert, wie sie gewesen ist. Psychologen können einem aber das Gegenteil beweisen. Die Erinnerung ist immer selektiv. Das ist ein Problem. Denn wenn ich heute wissen will, wer ich bin, dann sollte ich vielleicht auch wissen, wer ich war und wie ich mich bis zum Heute entwickelte. Da kein Verlass auf  die eigene Erinnerung ist, sollte man sich vielleicht mal mit Menschen zusammensetzen, mit denen man damals Zeit verbrachte. Nicht unbedingt mit den engsten Freunden, weil die sowieso die eigene Sichtweise teilen. Nein, einfach mal ein Feedback holen, wie Bekannte die eigene Vergangenheit erlebten. Das Gemisch aus der eigenen und der fremden Wahrnehmung könnte dann eine Bild geben, das sich der Wahrheit annähert.

Also, liebe Freunde aus der Vergangenheit, wenn Ihr die Strassenseite wechselt, weil Ihr mich für einen Idioten haltet, fair enough. Wenn Ihr mir aber aus dem Weg geht, weil Ihr eurer eigenen Vergangenheit nicht begegnen wollt, dann macht Ihr einen Fehler. Ich fand nämlich die meisten von euch damals, auch in den schwierigen Zeiten, ganz in Ordnung.

Street-Parade versus Züri-Fäscht

Alex Flach am Montag, den 20. Juni 2016
Bereits 2013 war das Party-Angebot am Züri Fäscht cooler.

Festwirtschaft am Züri-Fäscht ja, Love-Mobile an der Street-Parade nein.

Wenn er mitspielen würde, dann hätte der Sommer 2016 die besten Voraussetzungen, um als der feierfreudigste in die Stadtzürcher Geschichte einzugehen. Neben vielen kleineren und mittelgrossen Happenings wie dem Stadtsommer Musikfestival, der Manifesta und dem Ironman, den zahlreichen Public Viewings während der Euro 2016 und traditionellen Festivitäten wie dem Sechseläuten und dem Knabenschiessen, fanden bereits diverse Outdoor-Partys statt, die aber meist mehr feucht als fröhlich waren.

Nur auf das Freestyle.ch muss der Eventzürcher auch in diesem Jahr verzichten: Trotz Unterstützung durch Stadtrat Filippo Leutenegger konnte der Freestyle.ch-Geschäftsführer Peter Hürlimann keinen infrastrukturellen Rahmen schaffen, der eine Durchführung des Action-Sport-Events ermöglicht hätte.

Die beiden grössten Events stehen Zürich noch bevor: Das Züri-Fäscht Anfang Juli und die Street-Parade vom 13. August. Die Veranstalter des Züri-Fäscht dürfen auch an ihrer diesjährigen Ausgabe ihres Volksfestes auf den Geschäftssinn von Clubs und Veranstaltern bauen, die sich ansonsten keineswegs ans ganze Volk wenden, also Nachtleben-Institutionen, die nicht zuletzt für eine selektive Türpolitik bekannt sind. Viele dieser Nightlife-Exponenten werden am Züri-Fäscht mit einer eigenen Festwirtschaft präsent und damit integrierter Bestandteil der dreitägigen Millionenparty sein.

Zum einen wäre da das Friedas-Büxe-Label Unfug & Liebe, das während der drei Tage die Schipfe besetzt. Die Labelmacher verzichten auf Konzessionen an das gemischte Züri-Fäscht-Publikum und lassen ein ganzes Heer auflegender Subkulturvertoner antraben. Dasselbe gilt auch für das Hive, das wie am Züri-Fäscht vor drei Jahren mit vielen Residents auf dem Arboretum aufmarschiert. Das Daytime-Erfolgslabel Sanapa (Kaufleuten) geht am Zürichhorn ans Werk, Avalon zieht auf die Blatterwiese, Arosa Electronica in den Rosenhof und die Naturklang Stage (Zwingliplatz) und das Graue Gasse Festival (Niederdorf) des Supermarket Clubs bieten gar Sets von international renommierten Clubmusikanten wie Re.You oder Ion Ludwig.

Diese beileibe nicht vollständige Aufzählung dürfte vor allem bei Street-Parade-Präsident Joel Meier für Stirnrunzeln sorgen, denn er muss an seinem Umzug vom 13. August auf ein Stelldichein von solch namhafter Stadtzürcher Nightlife-Prominenz weitestgehend verzichten. Eine komplette Liste der diesjährigen Love-Mobiles wurde zwar noch nicht kommuniziert, aber die bisher bekannten Lastwagen-Dekorierer zählen nicht eben zum inneren Kreis der Zürcher Nachtmacher: Maxxdrums, Synergy Events oder Hands Up United müssen die meisten wohl erst einmal googlen. Etwas grössere Bekanntheit geniessen nur das Label Abflug Berlin und der D! Club (beide nicht in Zürich beheimatet), der etwas in die Jahre gekommene 2. Akt und die nicht übermässig Clubmusik-affine 0815 Bar.

Die meisten der angesagten Zürcher Clubs und Veranstalter werden das Nichtstellen eines Love-Mobiles abermals damit begründen, dass der Umzug nicht ihrem angestrebten Image entspreche, dass sie «Massenware» sei. Angesichts ihres Grossaufmarschs am von Aldi Suisse mitgesponserten Züri-Fäscht klingt das jedoch reichlich seltsam. Ehrlicher wäre wohl dieses Statement: «Mit einer Festwirtschaft am Züri-Fäscht kann man viel Geld verdienen, und ein Love-Mobile ist höchstens knapp kostendeckend.»

Alex-Flach2-150x150 (1)Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag, den 17. Juni 2016

«Es war Lys Assia.»

(Foto: Doris Fanconi)

Der Komiker Peach Weber ist nie um eine Frage verlegen. Er weiss auch genau, wann er das letzte Mal bedauert hat, sein Handy nicht ausgeschaltet zu haben. Es war, als er im Bett lag. Mit Jennifer Lopez, nein, im Ernst, korrigiert er, es war Helene Fischer. Noch, noch viel ernster, korrigiert er erneut, es war Lys Assia. (Foto: Doris Fanconi)

 

«Die Stadt will die Eishockeyarena weder besitzen noch betreiben.»

(Foto: Esther Michel) Zum Artikel 9.Juni 2016 Esther Michel

Im September stimmt Zürich über einen Stadion-Neubau für die ZSC Lions in Altstetten ab. Stadtrat Daniel Leupi (Grüne) ist überzeugt, dass der ZSC das Gewaltproblem im Griff hat. Er erklärt, weshalb er sich für das Stadion einsetzt und dieses ganz sicher nicht «Weltwoche-Arena» heissen wird. (Foto: Esther Michel) Zum Artikel

 

«Lieber Regen als Hagel.»

(Foto: Thomas Egli) Zum Artikel

Der Dauerregen macht alle verrückt. Wasser ohne Ende. Wasser überall. Und der Regen vermiest auch tüchtig die einheimische Erdbeerernte. Für die Obstbauern hätte es allerdings noch schlimmer kommen können: Noch mehr als Regen fürchten sie Hagel. (Foto: Thomas Egli) Zum Artikel

 

«Da kauft man doch die Katze im Sack.»

(Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

Da schlägt das Sammlerherz eines jeden Autofans automatisch höher: Auf der Dolder-Eisbahn standen Stil-Ikonen zum Verkauf. Dabei ist es nicht immer nur eine Sache des Geldes, für viele geht es um viel mehr. Und dann gibt es noch die «Experten», die kritisieren  generell solche Anlässe. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

 

«Die schwarzen Gipfeli aus Luzifers Grossbäckerei.»

(Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

Es gibt, auch beim Essen nichts, was es nicht gibt. Der neueste Schrei: Die internationale Kaffeekette Spettacolo bietet schwarze Gipfeli an, zum Beispiel im Zürcher Hauptbahnhof. Das Gebäck sieht aus wie verkohlt, das Auge isst mit und reagiert entsprechend verstört. TA-Redaktor Thomas Widmer hat sie getestet. Die Gipfeli aus des Teufels Grossbäckerei hören auf den Namen Carbone. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

 

«Ich war eigentlich politisch noch gar nie tätig.»

(Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

Der Mann heisst Simon Mösch, ist 22 Jahre alt und hat im  SVP-Dorf Wila den Sprung in den Gemeinderat geschafft.  Und das, obwohl sein härtester Gegner ein gestandener Landwirt war. Er hat Respekt vor der neuen Aufgabe. (Foto: Doris Fanconi)

 

«Bienenstich gibt es bei uns
nur in der Patisserie.»

(Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

Luxushotel samt eigenem Bienenstock, auf die Idee muss man zuerst einmal kommen. Wilhelm Luxem, Direktor des Baur au Lac, hatte sie. Ab sofort hält er im hoteleigenen Garten zwei Bienenvölker samt Königin, die hoteleigenen Honig produzieren. Gestochen wurde bis jetzt kein Hotelgast, nur der Chefkoch hatte Pech, als er im Garten Kräuter holen wollte. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

 

«Man soll nicht sehen, wer ins
Gefängnis eingeliefert wird.»

(Foto: Raisa Durandi) Zum Artikel

Sichtschutz light für Gefangene: Vor dem Polizeigefängnis im Kasernenareal wurden Sichtblenden montiert, die vor neugierigen Blicken schützen sollen. Wissen muss man: Von innen nach aussen bleibt die Durchsicht allerdings gewährt. (Foto: Raisa Durandi) Zum Artikel

 

«In Zürich sind Grossprojekte eben doch möglich.»

(Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

Sie hoffen auf einen schnellen Bau: Jubelnde ZSC-Junioren erschienen diese Woche vor dem Gemeinderat, um für das neue Eishockeystadion zu werben. Der Zürcher Gemeinderat sagte mit grosser Mehrheit Ja zum neuen Hockeytempel.  Eishockey ist nicht Fussball. Diesmal soll die Abstimmung anders verlaufen als damals beim gescheiterten Fussballstadion auf dem Hardturm-Areal. (Foto: Doris Fanconi)

 

«Ich habe einen schlechten Tag gehabt.»

(Foto: Thomas Egli) Zum Artikel

Coldplay waren da und gaben im Letzigrund-Stadion zwei ausverkaufte Konzerte mit einer spektakulären Show. Leadsänger Chris Martin wandte sich während dem gelungenen Auftritt immer wieder ans Publikum. Einmal auch in eigener Sache: Er erwähnte mit ernster Miene seine Tochter und einen Arztbesuch. (Foto: Thomas Egli) Zum Artikel

 

«Ohne Hilfe würde ich mich
nicht zurechtfinden.»

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In Wiedikon hat die Stadt erstmals ein neues Leitlinien-System für Behinderte umgesetzt. Bei Sehbehinderten ist allerdings noch unklar, ob diese Linien am Goldbrunnenplatz eine Hilfe oder doch eher ein Hindernis sind. (Foto: Thomas Egli) Zum Artikel

 

«Seine Erlebnisse haben
die Mitschüler überfordert.»

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In Zürich gibt es ein Schulhaus, indem ein Team aus Psychotherapeuten versucht, kriegstraumatisierten Kindern zu helfen, ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Das braucht viel Zeit, Geduld und Zuwendung. Viele dieser Kinder haben Erfahrungen gemacht, die sie ihr Leben lang nicht mehr vergessen werden. (Foto: Thomas Egli) Zum Artikel

 

 

 

Alleingang

Miklós Gimes am Donnerstag, den 16. Juni 2016

gimes

Im fünften Jahr seiner Pensionierung mochte René Kofmehl nicht mehr mit ansehen, wie die Flüchtlinge an der griechisch-mazedonischen Grenze aufliefen, jeden Tag wurden es mehr, bei Schnee und Regen, 14 000 Menschen, viele Frauen und Kinder, und Europa schaute zu, verdrängte, diskutierte, verhandelte. Genug geredet, dachte sich René Kofmehl.

Am 26. März setzte er unter der Parole «Retten statt Reden!» einen Aufruf ins Internet, auf Change.org, 14 000 Unterschriften wollte er sammeln und Bundesrätin Simonetta Sommaruga schicken, damit die Gestrandeten von Idomeni in der Schweiz aufgenommen werden. «Wir reden dauernd vom Alleingang», sagte er, als ich ihn anrief, «jetzt wäre der Moment dafür. Ich glaube nicht, dass die europäischen Staaten uns deswegen böse sein werden.»

Herr Kofmehl war jahrzehntelang mein Hausarzt gewesen. Seit der Pensionierung arbeitet er noch Teilzeit als Internist, daneben macht er Kammermusik und begleitet als Arzt das Tonhalle-Orchester auf Tourneen, langweilig sei ihm nicht, sagte er. Kofmehl ist ein zurückhaltender, korrekter Mensch, die ganze politische Arbeit ist neu für ihn, er ist nie in einer Partei gewesen, hat sich nie in einer politischen Bewegung engagiert, aber er hat politischen Instinkt bewiesen. Er ist nicht nach Griechenland gefahren mit Kleidern und Wolldecken, was zwar lobenswert ist, aber eben nicht wirklich politisch gedacht, sondern er hat versucht, Druck in unserem Land aufzubauen, die Grenzen etwas mehr zu öffnen. Denn ohne politischen Druck wird in der Schweiz nicht annähernd so etwas Mutiges geschehen, wie das Angela Merkel gemacht hat.

Tausend E-Mails hat er verschickt, jedes davon eigenhändig auf den Adressaten zugeschnitten, er schrieb an Politiker und Politikerinnen, an Kolleginnen und Kollegen aus der Ärzteschaft, viel Arbeit, «die ich mit einem vollen Job nie hätte bewältigen können». 4000 Unterschriften kamen am Ende zusammen – das Ergebnis ist ernüchternd. «Der Wohlstand macht uns egoistisch», sagte René Kofmehl.

Aber er hat auch Aufmunterung erfahren, die Präsidentin der Grünen meldete sich bei ihm, und jemand fragte ihn, wie man sich gegen die herzlose Wegweisung einer Geflüchteten aus Syrien wehren könne, vielleicht könne er ein ärztliches Zeugnis schreiben. «Aber das kann ich nicht», erzählte Kofmehl.

Eine nette Mail erhielt er auch von Jon Pult, dem jungen Nationalrat der SP Graubünden. Sonst hatte es von den Sozialisten niemand nötig gefunden, den Aufruf zu unterschreiben, Parteipräsident Levrat habe nicht mal reagiert. Genauso wenig wie die Professorenschaft des Universitätsspitals.

René Kofmehl gibt nicht auf. Er sammelt weiter und möchte sich mit anderen zusammentun, mit den Jungen Grünen und dem Appel National, einem Aufruf Westschweizer Persönlichkeiten, die ebenfalls dafür einstehen, dass die Schweiz mehr Menschen aufnimmt. Nächsten Montag, am Weltflüchtlingstag, bringen sie die Unterschriften nach Bern, etwa 12 000 haben die Gruppen insgesamt gesammelt. Irgendwie sind die Flüchtlinge nicht mehr so cool wie auch schon. Sie scheinen aus der Mode gekommen zu sein.

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