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Ein Publiblog von:
Ulrich Thielemann am, Mittwoch 29. August 2012

Bankenrepublik adieu: Warum das Steuerabkommen scheitern soll

Das Steuerabkommen Deutschland – Schweiz wird aller Voraussicht nach bald gescheitert sein. Nach dem sachlichen Auftritt von Norbert Walter-Borjans in der Arena wächst die Zahl der Schweizerinnen und Schweizer, die verstehen, warum dies so ist und warum dies gut ist.

Das Abkommen soll nicht nur darum scheitern, weil diejenigen, die Schwarzgeld in die Schweiz verschafft haben, mit dem Abkommen viel zu gut wegkommen und auch noch dafür belohnt werden, dass sie partout ihren Steuerpflichten nicht nachkommen wollen. Es soll nicht nur darum scheitern, weil sie ihr Schwarzgeld zum Schnäppchenpreis weisswaschen lassen können, worin der tiefere Sinn der sogenannten „Weissgeldstrategie“ liegt - im Weisswaschen von Schwarzgeld nämlich, auf dass die Banker damit weiter Geschäfte machen können. Es soll nicht nur darum scheitern, weil den Steuerkriminellen das Abschleichen erlaubt ist, übrigens wohl weniger nach Singapur als vielmehr dadurch, dass sie sich, im Zusammenspiel mit Liechtenstein, hinter anonymisierten Stiftungen verstecken können und die Banken ihnen dabei helfen. Es soll vielmehr scheitern, weil es auf dem falschen Prinzip beruht, nämlich dem Abgeltungsprinzip.

Bankgeheimnis-Patrioten verstehen den Tatbestand nicht

Der Kreis der Bankgeheimnis-Patrioten ist geschrumpft und zugleich gespalten in Befürworter und Gegner dieses Abkommens. Bankgeheimnis-Patriot kann eigentlich nur derjenige sein, der den Tatbestand nicht versteht, um den es hier geht. Es geht nicht um die Art und Weise, wie die Schweiz ihre Steuerinländer besteuert. Es geht einzig darum, dass Steuerausländer, also Steuerpflichtige, die im Ausland, etwa in Deutschland, wohnen und mit der Schweiz ansonsten gar nichts am Hut haben, sich mit Hilfe einiger Schweizer Banken und dem Schweizer Recht ihren Steuerpflichten entledigen können.

Aktuell im eny Lab:

Wenn man diesen Tatbestand verstünde, könnte man kaum auf die Idee kommen, diejenigen als „Landesverräter“ zu bezeichnen, die dem Ausland die Informationen nicht mehr länger vorenthalten möchten, die es für die Besteuerung seiner Steuerpflichtigen braucht. Es sei denn, man erblickt in der Beihilfe zur Steuerhinterziehung einen Teil der Schweizer Identität. Wie etwa SVP-Nationalrat Caspar Baader, der auf meine mehrfach gestellte Frage, mit welchem Recht die Schweiz Steuerausländer von der Besteuerung in ihrem Wohnsitzstaat befreit, antwortete, die Schweiz sei eben ein „freiheitsliebendes Land“. Offenbar sieht Baader in der Schweiz eine Art Freibeuterstaat, der die Staatengemeinschaft ihres Steuersubstrats berauben möchte, wo immer dies geht.

Dies ist nicht die wohlerwogene Meinung der Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer, die mit 56% das Bankgeheimnis für Steuerflüchtlinge abschaffen möchten. Das Ergebnis dieser Umfrage aus dem Jahre 2009 dürfte heute noch deutlicher ausfallen.

Der letzte Versuch, die Schweiz als Bankenrepublik in Dienst zu nehmen

Das gegenwärtige Steuerabkommen ist der letzte Versuch der Schweizer Privat- und Grossbanken, den Schweizer Rechtsstaat für ihre Privatzwecke zu kapern und damit moralisch zu korrumpieren. Damit wurde die Schweiz in eine Art Bankenrepublik umfunktioniert, die, bis tief in die Verwaltung hinein, den Bankern jeden Wunsch von den Lippen abliest oder diese gleich die Gesetze schreiben lässt. Auch ist es der letzte Versuch, das aufzuhalten, was ohnehin nicht mehr aufzuhalten ist, nämlich den globalen Übergang zum automatischen Informationsaustausch. Allein dieser ist in der Lage, die Steuersouveränität der Staaten in Sachen Kapitalbesteuerung und damit die Gleichmässigkeit der Besteuerung zu gewährleisten.

Als der Architekt des Steuerabkommens, Konrad Hummler, von dessen Unterzeichnung erfuhr, entwich ihm eigenem Bekunden nach ein „Voll geil!“. Da der Anteil der Leute, die innerhalb der Schweiz das „voll geil“ finden, was Banker „voll geil“ finden, im Schwinden begriffen ist, müsste dies stutzig machen.

Das Steuerabkommen versucht, ein Abgeltungsregime zu etablieren. Diesem zufolge sollen nur Arbeitseinkommen der Steuerprogression unterliegen. Kapitaleinkommen werden hingegen mit einem festen Prozentsatz besteuert („flat tax“). Auch Milliardäre sollen nur 25% Steuern zahlen, obwohl der Spitzensteuersatz in Deutschland bei 45% liegt. (Er lag bis in die 1980er Jahre hinein in allen Industrieländern weit darüber.) Dies ist eine steuerliche Privilegierung von Kapitaleinkommen.

Tiefe Eingriffe in die Steuerautonomie Deutschlands

„Aber so macht ihr es doch auch in Deutschland“, wenden die Banklobbyisten und die Regierungsvertreter, die deren Interessen zu Landesinteressen erklärt haben, ein. Dies ist ein zynischer Hinweis. Deutschland hat im Jahre 2009 in der Tat eine Abgeltungssteuer eingeführt. Dies aber nicht als Akt einer autonomen Entscheidung, sondern weil man damit verhindern wollte, dass noch mehr Geld in die Schweiz (und andere Steueroasen) abfliesst. „Besser 25% auf X, als 42% auf nix“, damit hatte Peer Steinbrück diese Privilegierung von Kapitaleinkommen begründet.

Man sieht, der Eingriff der Steueroasen in die legitime Steuersouveränität anderer Staaten reicht deutlich weiter, als man zunächst annehmen könnte. Es ist nicht nur das aus Deutschland in die Schweiz verschaffte Schwarzgeld in Grössenordnungen irgendwo zwischen 100 und 300 Milliarden Euro, um dessen Besteuerung Deutschland beraubt wurde. Es ist viel mehr als das faktisch abgeflossene Steuersubstrat. Die Schweiz hat dem Ausland Steuermittel im Billionenbereich entzogen. Manfred Gärtner von der Uni St. Gallen kommt auf einen Betrag von 3,6 Billionen Franken. Das Bankgeheimnis gegenüber dem Ausland verhindert, dass die Staaten das Kapital angemessen besteuern können. Es führt dem Ausland beim Verfassen der Steuergesetze auf perfide Art die Feder.

Die Schweiz zwingt Deutschland ein Abgeltungsregime auf

Die Schweiz hat Deutschland in Sachen Kapitalbesteuerung sozusagen sturmreif geschossen. Und nun soll das dadurch etablierte Abgeltungsregime zur Referenz für ein dauerhaft etabliertes Steuerabkommen zwischen der Schweiz und Deutschland werden? Gohts no? Die an sich verfassungswidrige Abgeltungssteuer, die dem Gleichheitssatz des Deutschen Grundgesetztes klar widerspricht, könnte auch weiterhin vom Bundesverfassungsgericht abgesegnet werden. Dies aber nur, weil es „Vollzugsdefizite“ bei der Eintreibung von Steuern gibt, und zwar durch die vielen ins Ausland transferierten „Fluchtgelder“. Diese „Defizite“ bei dem „gleichheitsgerechten Vollzug“ des deutschen Steuerrechts kann das Bundesverfassungsgericht aber nicht Deutschland zurechnen. Sie ergeben sich ja aus Taten des Auslandes, also auch und vor allem der Schweiz. Für das Ausland hat das deutsche Bundesverfassungsgericht jedoch schlechterdings keine Befugnisse.

Sollte also die Schweiz den automatischen Informationsaustausch einführen, dürfte die deutsche Abgeltungssteuer rasch kassiert werden, da sie dem Gleichheitsgrundsatz widerspricht und Deutschland dies abstellen kann. Mit dem Abkommen aber wäre dieser Weg dauerhaft verbaut. Deutschland wäre auf unbestimmte Zeit gezwungen, die Kapitaleinkommen steuerlich zu privilegieren. Man mag verstehen, warum der Ton zwischen den beiden Ländern, die die gleiche Sprache sprechen, zuweilen sehr scharf ausfällt.

Für dumm verkauft

„Voll geil“ finden die Banker das Steuerabkommen natürlich auch, weil eine Abgeltungssteuer allenfalls die Besteuerung der Zinsen, die das Schwarzgeld abwirft, sicherstellen kann (und dies auch noch in höchst unvollkommener, die Steuerprogression unterlaufender Art), nicht aber die Besteuerung des Schwarzgeldes selbst. Für wie dumm halten die Banker eigentlich Deutschland? Nur die 3% Zinsen sollen besteuert werden, nicht die 100%, nicht die Millionen, die weiterhin am Fiskus vorbei in die Schweiz verlagert werden können sollen, sondern nur die Tausende. Man erkennt sofort, warum die Auswertung „gestohlener“ Bankdaten, deren steuerrelevanter Informationsgehalt ohnehin Deutschland gehört, unter dem Regime des anvisierten Steuerabkommens auch weiterhin steuerlich Gehaltvolles zu Tage fördern wird.

Alles drängt zum automatischen Informationsaustausch

Der „gleichheitsgerechte Vollzug“ der Besteuerung ist nur über einen automatischen Informationsaustausch zu gewährleisten. (Automatisch muss dieser sein, weil die ersuchenden Staaten ansonsten das, „was sie mit schweizerischen Bankunterlagen beweisen wollten, schon im Rechtshilfegesuch nachweisen müssen“, was erkennbar widersinnig wäre.) Dies hat die Staatengemeinschaft verstanden, und darum geht alles in diese Richtung. Die Schweiz hat soeben FATCA unterzeichnen müssen, welches den automatischen Informationsaustausch mit den USA etablieren wird. Ihr blieb gar nichts anderes übrig, weil keine Bank – und die Schweizer Regierung versteht sich ja als Interessenvertretung eines Teils ihrer Banken – um den riesigen US-amerikanischen Kapitalmarkt herum kommt, und die USA diesen natürlich regulieren kann. Auch China hat sich kürzlich für den automatischen Informationsaustausch ausgesprochen. Singapur will kein europäisches Schwarzgeld annehmen. Am wichtigsten aber ist, dass die EU 2003 mit der Zinsrichtlinie den automatischen Informationsaustausch eingeführt hat. Die einzige übergangsweise Ausnahme bilden Luxemburg und Österreich.

Der versuchte Coup des Ausspielens der EU-Mitgliedstaaten

„Voll geil“ ist das Steuerabkommen aus Sicht der Bankenlobby vor allem, weil mit ihm eine Schneise des Abgeltungsregimes in den wachsenden Wald des automatischen Informationsaustausches geschlagen werden soll. Ungeschminkt verkünden die Banker, dass das Abgeltungsregime den Sinn hat, die flächendeckende Etablierung des automatischen Informationsaustauschs innerhalb Europas „zu verhindern“ und neben diesem ein Abgeltungsregime „dauerhaft zu verankern“. So wird der Zufluss von Steuersubstrat nicht abreissen, denn die Schweiz böte so weiterhin einen „dauerhaften“ Hafen für Steuerhinterzieher, die sich im übrigen Europa ihren Steuerpflichten ansonsten nicht mehr entziehen könnten und dabei ihr Schwarzgeld auch noch billig weisswaschen dürfen. Man sieht, warum die Schweizer Banker das Bankgeheimnis nicht Steuerhinterziehungsgeheimnis, sondern Bankkundengeheimnis nennen.

Dieses Geschäft funktioniert nur, wenn das Steuerabkommen Schweiz-Deutschland nicht scheitert. Denn wenn es scheitert, werden die beiden einzig abtrünnigen Staaten, Luxemburg und Österreich, ihre Blockadehaltung aufgeben und ihre Zustimmung zum Mandat der EU-Kommission für Verhandlungen mit der Schweiz über die Einführung des automatischen Informationsaustausches geben müssen. Und dass die mit der EU aufs Engste verbundene Schweiz diesem klar legitimen Anliegen der EU Folge leisten muss, daran besteht überhaupt kein Zweifel.

Bislang konnten sich Luxemburg und Österreich noch damit herausreden, dass sich die Schweiz zunächst mit einer zum automatischen Informationsaustausch „gleichwertigen“ Lösung einverstanden erklären muss. Nur, was unterhalb der Schwelle eines automatischen Informationsaustausches sollte je als „gleichwertig“ gelten können? In der offiziellen Lesart sind dies die Mindeststandards des OECD-Musterabkommens, die soeben verschärft wurden, was die Schweiz anerkennen musste. Eine Alternative könnte darin bestehen, dies willkürlich umzudefinieren. Wie wäre es, man fände einen Staat, der das Abgeltungsregime als „gleichwertig“ klassiert und damit sozusagen völkerrechtlich adelte. Den August hat man in Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble gefunden, der Deutschland derzeit in Steuersachen offiziell vertreten darf. (Markus Meinzer vom Tax Justice Network findet für das Verhalten Schäubles beziehungsweise der Bundesregierung keine andere Erklärung als die, dass sie „sehr wohlhabenden CDU- oder FDP-Wählern oder Parteiveteranen“ den Gefängnisaufenthalt ersparen möchte.) Schäuble hat im Steuerabkommen der Formulierung zugestimmt, dieses Abgeltungsregime käme „dem automatischen Informationsaustausch im Bereich der Kapitaleinkünfte in seiner Wirkung dauerhaft gleich“. „Voll geil!“

Immense Schäden

Alle haben sie über den Tisch gezogen, diese Banker. Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Konrad Hummler ist bereits gefallen. Und die Bankiervereinigung hat eine Arbeitsgruppe gebildet, die ausloten soll, was das Undenkbare, aber Unaufhaltsame, nämlich die Einführung des automatischen Informationsaustausches, für die Schweizer Banken bedeuten wird (Tagesanzeiger vom 25.08.2012). Die schlaumeierischen und fürs Lobbying finanziell bestens ausgestatteten Banker haben immense Schäden angerichtet – nicht nur finanzielle Schäden im Ausland, sondern auch moralische Schäden für die Integrität der Schweiz als Rechtsstaat. Werden sie dafür jemals haften müssen?


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18 Kommentare zu „Bankenrepublik adieu: Warum das Steuerabkommen scheitern soll“

  1. Mario Monaro sagt:

    Das Steuerabkommen ist nicht gerecht, das stimmt. Aber es ist das Beste, das man kurzfristig bekommen kann. Was spricht denn dagegen, das Steuerabkommen umzusetzen und dann über die nächsten Schritte zu sprechen (sei es der automatische Informationsaustausch oder was auch immer für ein Verfahren). Auf diesem Weg käme Deutschland relativ schnell zu Einnahmen, die vereinzelte Länder gut gebrauchen könnten. Wird das Steuerabkommen abgelehnt, wird es Jahre dauern, bis ein neuer Vorschlag auf dem Tisch liegt. Dass der automatische Informationsaustausch der Schweiz aufgezwungen werden kann mag sein, aber es würde wohl auf jeden Fall viel Zeit vergehen bis das passiert. Warum nicht den Spatz in der Hand nehmen und sich um die Taube auf dem Dach später kümmern…?

    • Luis Sartre sagt:

      Lieber nichts als dieses für die Kriminellen vorteilhafte Steuerabkommen !!! …weil das nur der CH in ihre kriminellen Hände spielen würde, DE das nicht nötig hat und die selbstherrliche Scheinheiligkeit der CH schon lächerlich als auch erbärmlich ist. Die Banken werden doch nur als Sünder vorgeschoben, dahinter sonnt sich der Staat und damit das ganze jämmerliche Völkchen. Man glaubt in der CH doch tatsächlich, bzw. naiverweise, dass sich das DE und die restliche Welt noch lange bieten lassen will. Vor USA feige kuschen und die “befreundeten” Nachbarstaaten schleimerisch u. parasitär abschmarotzen wollen wird zu recht als peinlicher, dümmlicher Versuch eines verlogenen Mininatiönchens verstanden, am Wohlstand der anderen zu nagen, bzw. immer nur profitieren zu wollen ohne etwas beitzutragen. Der Autor hat absolut kompetent und richtig beschrieben, was Sache ist, BRAVO !

      • Mario Monaro sagt:

        “Die Banken werden als Sünder vorgeschoben, dahinter versteckt sich der Staat und damit das ganze jämmerliche Völkchen”? So einen Quatsch habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Sie haben keine Ahnung von der Schweiz und seinem Volk – aber wirklich überhaupt gar keine. Sachliche Argumente haben sie auch keine, sondern plappern einfach irgendeinen Stuss nach. In der Schweiz gibt es Profiteure, das ist richtig. Es sind aber die Banken und nicht “das Volk”. Eines sollten Sie aber auch nicht vergessen: die Kriminellen sind in diesem Fall Deutsche. Nicht das ganze Volk oder der Staat – einzelne, aber so differenzierte Gedankengänge überfordern Sie wahrscheinlich bereits.

        • Luis Sartre sagt:

          Zu Ihrem dümmlichen Gegenkommentar hier ein weiteres Beispiel von typisch einfältigem Schweizer Dummschwatz:

          Christian Baumgartner, 11:33 Uhr:
          “….wenn Deutschland ein Atomprogram haette, welches hoechstwahrscheinlich das Ziel hat die Schweiz zu vernichten….”.

          Lächerlicher geht’s nimmer – aber vergessen, dass auch die CH sich A-Waffen beschaffen wollte (!) – als wenn D die CH vernichten wollte. Sind Sie auch so ein Schweizer, welcher von der eigenen unrühmlichen Geschichte NULL Ahnung hat od. sie einfach verdrängt u. leugnet? Da passen eben auch Bezeichnungen wie jämmerlich od. auch erbärmlich, etc…

          • Mario Monaro sagt:

            Das ist also Ihre Beweisführung? Argumente aus Stammtischparolen abzuleiten? Meine Güte, Ihnen kann man nicht mehr helfen…

  2. Stefan Burga sagt:

    Ulrich Thielemann hat sich tief in die Materie eingearbeitet. Hätte man seine mitunter etwas allzu garstig formulierten Beiträge früher zu St. Galler zeiten etwas ernster genommen, statt ihn mehr oder weniger indirekt vom Hof zu jagen, hätte man einiges an Zwist im Vorfeld besser antizipieren und vielleicht für die Schweiz langfristig günstiger und imageschohnender agieren können. Aber der (Bankgeheimnis)Krug geht zum Brunnen, bis er bricht, nicht wahr?

  3. Erik Schellenberg sagt:

    wieso ist unversteuertes Geld so beliebt?

    1. die Kunden reklamieren nicht, da sie Angst haben oder vorsichtig sind;
    2. die Kunden geben wenig zu tun, da Kommunikation schwieriger ist und auffallen kann;
    3. die Kunden nehmen auch höhere Gebühren in Kauf!

    das ist ein verdammt dünnes Eis, auf dem sich die schweizer Banken bewegen und nach hat nach Hildebrand keine Zukunft

    was muss man dagegen tun?

    1. die Qualität der Beratung muss besser (und nicht schlechter) sein als der ausländischen Banken
    2. die Kosten dürfen nicht viel höher sein (elektronische, effiziente Lösungen)

  4. Adam Schmid sagt:

    Sehr geehrter Herr Doktor Thielemann. Hätten Sie erklärt, wie sich der automatische Informationsaustausch zur unserer, schweizerischen Souveränität verhält und wieso wir uns auf unserem Staatsgebiet den Regeln von anderen unterwerfen müssen, was nämlich beim aktuellen Modell nicht der Fall ist, Deutschland geniesst auf seinem Territorium volle Souveränität, hätten Sie eine wahrliche Meisterleistung vollbracht. Infolge Ausbleibens bringt obiges nicht viel Neues.
    An Herrn Burga: Ich bin froh, dass Herr Dr. Thielemann nicht mehr an meiner Alma Mater ist – wenn er das, was er verbreitet, unter der Firma seiner deutschen Denkfabrik macht, ist es wesentlich erträglicher.

  5. Fred David sagt:

    @) Adam Schmid: Sie offenbaren den engen Horizont ihrer Alma Mater. Leute wie Thielemann sahen voraus, was auf die Schweiz zukommen würde. Darum musste er gehen. Das Land hätte sich sehr viel Aerger ersparen können, wenn es sich nicht vollkommen den Interessen seiner Banken ausgeliefert hätte. Jetzt wird die Rechnung ziemlich teuer. Aber das ist nichts, was eine Wirtschaftsuniversität irgendwie interessieren könnte, nicht wahr?

    • Adam Schmid sagt:

      Herr David, Dr. Thielemann hat das bis anhin geschehene nicht nur vorhergesagt, sondern es gleichzeitig herbeigeredet (self fulfilling prophecy) und die Interessen der Schweiz namentlich im Deutschen Bundestag unsachlich und populistisch dargestellt, ein Stil, welcher man auch im obigen Artikel wiederfindet und welcher einem Wissenschaftler im Generellen meines Erachtens nicht zur Ehre gereicht, sondern lediglich hilft, sich selbst in den Mittelpunkt bzw. ins Rampenlicht zu stellen – wiederum nicht das Hauptziel der Wissenschaft.
      Zur Engstirnigkeit: Es wäre ja nicht so, dass sich die anderen Schweizer Unis oder irgendjemand um Dr. Thielemann gerissen hätte, nachdem er seine Arbeit in St. Gallen beendete.

      • Adam Schmid sagt:

        Bitte verzeihen Sie, noch ein Nachtrag: Wie schätzen Sie denn die Kosten der von Dr. Thielemanns Strategie ein? Wie unterlegen Sie Ihre Schätzung betreffend “Kosten”?
        Tatsache ist, dass jedermann (eingeschlossen Akademiker) von Ihren Interessen getrieben sind, demnach eine Vielzahl von Prognosen besteht, wir aber nur über eine Realität verfügen, über welche wir einigermassen sicher Bescheid wissen.

  6. Fred David sagt:

    @) Adam Schmid: Ach, dieses schweizerische Gerede von Landesverrat, falls einer sich erlaubt, die Dinge beim Namen zu nennen, unterlegt mit Daten und Fakten. Man kann es nicht mehr hören. Was ist das bloss für ein seltsames Land geworden, das dauernd im Kollektiv unangenehme Realitäten weglügt. Tricksereien holen einen früher oder später ein. Das gilt für Menschen wie für Staaten.

  7. Adam Schmid sagt:

    Herr David, ich sprach von einer unsachlichen und populistischen Darstellung durch Dr. Thielemann – ich habe ihm nicht den Vorwurf des Verrates gemacht, auch wenn man von einem Beamten ein höheres Mass an Loyalität erwarten kann als von anderen Arbeitnehmern (sagt im Übrigen das Recht, nicht meine innere Stimme).
    Jedes Land lügt unangenehme Realitäten, worum es hier aber nicht geht, weg, das tun alle, auch Individuen, ständig – in Momenten, in welchen Sie ganz allein sind, können Sie sich das vielleicht sogar selbst eingestehen.
    Tatsache ist, dass es in der Schweiz eine lang gelebte Rechtstradition gibt, welche die Privatsphäre des Bürgers über die Auskunftsinteresse des Staates stellt – deshalb begehren ja auch alle auf, wenn man Sozialhilfeempfänger und IV-Bezüger überwachen lässt, obwohl dort Missbrauch vorkommt. Es handelt sich damit nicht um Tricksereien.
    Sie haben mir meine Frage nach den Kosten noch nicht beantwortet.

  8. Fred David sagt:

    @) Adam Schmid: Eine Rechtstradition, die in sehr erheblichem Mass Steuerkriminelle schützt und sich auf Gesetze stützt, die ausschliesslich und bewusst zu diesem Zweck formuliert wurden, hat sich überlebt.

    ps. Herr Thielemann war nie Beamter.

  9. henor sagt:

    Herr Thielemann beleuchtet alle Aspekte dieses Problems.
    Er geht dabei – wenn auch mit deutlichen Worten – sachlich an das Problem heran und benennt den Weg aus der Misere, nämlich das automatisierte Informationssystem.
    Ich finde den Beitrag “voll geil” und hoffe, dass “August Schäuble” ihn gelesen und verstanden hat.

  10. Jan sagt:

    Schuldige, Sünder, Kriminielle, Gangster? Was noch? Mörder?

    Wovon redet ihr eigentlich, seid ihr euch eurer Worte bewusst?

    Kriminell sind nicht Steuerhinterzieher, sondern die Staaten, die zuviel Steuern erheben und es Konzernen, Banken und Kriegstreibern geben!

    Ihr Dummköpfe!

  11. Hans P. Grimm sagt:

    jedes Land muss im Inkland bei seinen Bürgern die Steuern einfordern. Da leider einige Länder dazu nicht in der Lage oder Willens sind, soll nun das Ausland die heisse Kartoffel aus dem Feuer holen.

    Diese Länder haben alle Versagt! und verlangen nun um von ihrem Veragen abzulenken, dass das Ausland daran Schuld sei und nun für sie die Steuern einziehen soll!

  12. Lelala sagt:

    Da braucht sich wirklich niemand wundern, wenn immer mehr Leute auf uns gucken mit immer größeren Argusaugen. Bei all solchen Aktionen verspielt das Land leider sehr viel Kredit, nicht nur im Äusseren sondern auch im Inneren.
    Und nur weil jemand die Misere aufzeigen kann, heisst das noch nciht, dass er eine (sinnvolle) Lösung für ein Problem hat.
    LG

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