Selbstständig ein Unternehmen zu gründen und zu leiten bedeutet für die meisten Menschen, im Durchschnitt weniger zu verdienen als Angestellte in ähnlichem Metier – und das bei längeren Arbeitszeiten und ungleich höherem persönlichen Risiko. Bei Berücksichtigung dieser Faktoren scheint es also eher unvernünftig, Unternehmer zu werden.
Zum Glück versuchen es viele Menschen trotzdem. Sie sind damit eine wichtige Stütze einer jeden Volkswirtschaft, denn sie schaffen Arbeit und Wohlstand.
Doch was treibt Unternehmertum an? Und wie kann es sich vielleicht sogar so anregen lassen, dass mehr Menschen diesen Weg wagen, was gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten von Vorteil wäre?
Um diese Fragen zu beantworten, gehört zuerst geklärt, welche Elemente nötig sind, um unternehmerisch tätig zu werden – und welche Präferenzen Unternehmertum eventuell behindern können.
Die Rolle der Opportunitätskosten
Für Unternehmertum braucht es auf der einen Seite eine Geschäftsgelegenheit und Personen mit den nötigen Kompetenzen, um eine unternehmerische Gelegenheit zu nutzen. Hierbei spielen die Opportunitätskosten eine grosse Rolle: Ein Individuum wird die künftig eingeschätzten Erfolge einer unternehmerischen Aktivität mit einer alternativen beruflichen Tätigkeit vergleichen – in der Schweiz üblicherweise eine angestellte Berufstätigkeit.
Auf der anderen Seite stellt sich die Frage nach dem individuellen Risikoverhalten und in welchem Verhältnis es zum erwarteten Erfolg steht. Dieses hängt wiederum von mehren Faktoren ab: Alter und Sozialisation gehören hier genau so dazu wie die rechtlichen Bestimmungen für einen denkbaren Konkurs. Dazu kommen auch noch individuelle Einstellungen, die aufgrund kognitiver Verzerrungen entstehen. Auch sie können das Risikoverhalten prägen, wie folgende zwei Beispiele illustrieren.
Jemand, der in der Morgenzeitung davon gelesen hat, dass schon wieder ein Restaurant schliessen musste, wird das Risiko seines eigenen Plans, ein Restaurant zu eröffnen, höher bewerten als jemand, der diesen Artikel nicht gelesen hat. Ebenso wird etwa ein potenzieller Gründer, der gehört hat, dass drei Restaurants in der Stadt vor kurzem in Konkurs gegangen sind, sein Risiko geringer bewerten als jemand, der weiss, dass in den vergangenen Monaten in der ganzen Schweiz 100 Restaurants geschlossen haben.
Das Risikoverhalten in der Schweiz kommt Unternehmertum entgegen
Doch wie ist es nun in der Schweiz konkret um das Risikoverhalten im Zusammenhang mit Unternehmertum bestellt? Der jüngste Länderbericht des “Global Entrepreneurship Monitor” (GEM) kommt zum Schluss, dass das Risikoverhalten – gemessen an der Zustimmung der Befragten zur Angst zu scheitern – unter dem Durchschnitt innovationsbasierter Volkswirtschaften liegt, die wie die Schweiz von opportunitätsorientiertem unternehmerischen Verhalten geprägt sind.
27 Prozent der Personen, die eine gute Opportunität haben, bejahen diese Furcht. Zum Vergleich: In den Niederlanden sind es 24 Prozent (der tiefste Wert), in Griechenland sind es 51 Prozent (der höchste Wert), der Durchschnitt liegt bei 33 Prozent.
Die Angst zu scheitern ist nicht nur ein entscheidender Faktor beim Gründungsverhalten. Die Autorinnen und Autoren des GEM weisen anhand internationaler Vergleiche auch nach, dass hier der Hebel anzusetzen ist, um unternehmerisches Verhalten anzuregen. Im Vergleich der internationalen Daten zeigt sich, dass die Wahrnehmung von Geschäftsgelegenheiten verbessert und die Absicht zur Gründung gesteigert werden kann, wenn es gelingt, die Angst vor dem Scheitern zu reduzieren.
Was Unternehmerinnen und Unternehmer brauchen
Das könnten etwa politische Veränderungen leisten: Wenn beispielsweise die Vorteile für die Angestellten in Bezug auf Gesundheits- und Pensionsleistungen beseitigt werden oder die negativen Folgen des Kündigungsschutzes oder des Konkursrechts verringert, kann das die Risikobereitschaft des Einzelnen positiv beeinflussen. Dazu kommt sicher auch noch die Berücksichtigung jener Wünsche, die Unternehmer und deren Interessensvertreter immer wieder äussern: also geringere administrative Belastung, grosse Handlungsfreiheit und niedrige Steuern.
Doch eines darf dabei nicht vergessen werden: Unternehmerisches Denken ist auch eine persönliche Haltung, die aus vielen Eigenschaften – und auch Verhaltensmustern – schöpft. Sie kann nicht befohlen werden, und sie ist nicht jedermanns Sache. Doch wenn die Rahmenbedingungen so ausgestaltet sind, dass die Referenzpunkte für die Risiken gesenkt werden können, wird diese Haltung häufiger anzutreffen sein.
Schlagworte: Präferenzen, Risiko, Risikopräferenzen, Schweiz, Unternehmertum, Vorteile
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Gerhard Fehr
Der Staat kann einiges machen, um Unternehmensgründungen zu fördern: 1. Ein unternehmerfreundlicheres Grundklima in der Bevölkerung schaffen, indem das freie Unternehmertum an sich positiver dargestellt wird. Um dieses Ziel erreichen zu können, müsste bereits in der Grundschule die Basis für das Verstehen der Mechanik der Wirtschaft und der Finanzen altersgerecht geschaffen werden. 2. Die Angst vor dem Scheitern abzubauen versuchen. Dieses Problem ist aber in Europa gesellschaftlich bedingt. Jedes unternehmerische Versagen wird (zu) stark personifiziert und der oder die Verantwortliche stigmatisiert. Das Kainsmal auf der Stirn verblasst nie mehr ganz. In diesem Kontext könnte Europa von den USA lernen.
3. Möglichst tiefe Steuern. Dieses Element ist in der Schweiz als “nicht negativ” einzustufen. 4. Reduktion des bürokratischen Terrors auf ein Minimum.
Der wichtigste Aspekt einer Unternehmensgründung ist eine starke Lobby in Bern, die für gute Rahmenbedingungen, wie Ausbildung/Verfügbarkeit von Fachpersonal, Zugriff auf Kapital, Minimierung des bürokratischen Aufwandes, hohe Hürden für Konkurrenz, etc. sorgt. Geeignet sind bewährte Geschäftsmodelle aus den Gebieten der allgemeinen Versorgung, Handel, Infrastruktur, Sicherheit, Medizin, Vorsorge, Versicherung, Immobilien, Bauhandwerk, sowie alle prämienfinanzierte und staatlich vorgeschriebene bzw. reglementierte Verrichtungen. Branchen mit staatlich reglementierten Tarifen sind meist besonders lukrativ, weil hier die Konkurrenz über den Preis ausgeschaltet wird. Nicht geeignet für Selbstständigkeit sind z.B. technologische Innovationen, Ingenieurbüros (ausser Bau- und Verkehrsingenieurwesen) und Produktion von Hochtechnologie. Hier fehlt das Kapital, Fachpersonal ist schwer zu bekommen, Wachstum ist kaum möglich, Materialpreise durch unsere Generalimporteurstruktur sind zu hoch und bei hohem Innovationsgrad droht zudem aktive Marktbehinderung durch etablierten Firmen, die natürlich alles daran setzen, um sich nicht verdrängen zu lassen. (Letzteres beruht auf eigener Erfahrung)
Die Grundregeln für erfolgreiche und existenzsichernde Selbstständigkeit sind: i) Follow the money, ii) Trends frühzeitig erkennen und darauf adäquat reagieren, iii) auf bewährte, landestypische und erprobte Geschäftsmodelle und Verfahren setzen statt auf exotische Ideen, iv) Innovation minimieren (vermindert Risiken, spart Kosten und viel Ärger), v) Kundenkreis durch schlaue Marketingkonzepte aufbauen, vi) Kundenkreis durch guten Service behalten.
Unternehmer wird, wer sich nicht als Arbeitnehmer in einer Organisation ein- und unterordnen kann oder will. Unternehmer wollen Selbstbestimmung, Arbeitnehmer akzeptieren Fremdbestimmung. Man wird nicht Unternehmer, weil man im Gymi BWL hatte oder beim Scheitern Arbeitslosengeld erhält. Zur Förderung von Unternehmertum müsste Selbstbestimmung, Kreativität und Individualität in Erziehung und Schule gefördert werden, wir fördern Akzeptanz von Autoritäten, unterdrücken Kreativität mit Ritalin und belohnen Konformität (Streber).
Ob dabei viel oder wenig verdient wird, hängt davon ab, wie es angegangen wird, ob es überhaupt wichtig ist, sehr viel zu verdienen oder die Prioritäten woanders liegen (Arbeitsort, Freizeit, Familie) und von vielem mehr, nicht zuletzt auch Glück.
Ich meine der Artikel muss als Abgrenzung zwischen Formen von Erwerbstätigkeit verstanden werden, ich denke nicht, dass es darum geht, wie Unternehmer im Sinne Marx, welche lediglich mit Kapital die Arbeitskraft anderer kaufen. gefördert werden können.
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