Auf allen bedeutenden Finanzplätzen der Welt gilt das Erfordernis des guten Rufes und der Gewähr für eine einwandfreie Geschäftstätigkeit des obersten Führungspersonals. Wie sehr sind die Schweizer Banken an diesem Thema wirklich interessiert?
Guter Ruf und sauberes Geschäftsgebaren – in Englisch heisst das: fit and proper. In der Schweiz wurde diese Anforderung 1971 ins Bankengesetz eingeführt und findet sich ebenfalls in anderen Erlassen der Finanzmarktgesetzgebung.
In der Botschaft zur Revision 1971 hiess es: “Ein weiteres wichtiges Erfordernis besteht darin, dass die Bank von charakterlich zuverlässigen und fachlich fähigen Personen geleitet wird.” Es geht also um Integrität, und man könnte meinen, dass dies in der Personalarbeit von Banken bei Anstellungen und Beförderungen nicht nur im obersten Management ein Thema ist.
Die FINMA sagt, mit der Gewähr solle insbesondere das Vertrauen des Publikums in die Institute sowie das Ansehen des Finanzplatzes gewahrt werden. “Zu dieser ‘Gewähr’ gehören alle charakterlichen und fachlichen Faktoren, die einer Person die korrekte Führung eines beaufsichtigten Unternehmens erlauben. Zur Beurteilung ist vor allem die bisherige und gegenwärtige berufliche Tätigkeit einer Person mit Blick auf die Zukunft wichtig.”
Zeitmangel, kein Interesse
Eine 2012 von einer Absolventin an der Hochschule Luzern verfasste Masterarbeit mit dem Titel “Hiring and Promoting the Honest – a Comparative Survey of How Swiss Banks Manage Integrity Risk from a Human Resources Perspective” zeichnet ein tristes Bild: Ein Fragebogen, mit welchem die Absolventin die Praxis der Banken eruieren wollte, wurde mehrheitlich nicht bearbeitet. Ausser Zeitmangel war ein Argument für die Ablehnung mangelndes Interesse am Thema. Rechnet man dann noch dazu, dass einige ohne Begründung nicht reagierten, und denkt man an den Satz, keine Antwort ist auch eine Antwort, so darf man zusammenfassend sagen: Offenbar ist die Frage, wie man die wirklich Guten im Sinne von fit and proper anstellt und befördert, gar kein Thema. Trotz allem.
Dem ist nichts mehr beizufügen.
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Monika Roth
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