Eine liebenswürdige ältere Frau hat mir kürzlich ihr Depot, das sie bei einer reputierten Bank hält, zur Analyse anvertraut. Sie sei eine sicherheitsorientierte Anlegerin, ergänzte sie. Das fiel mir sofort auf. Etwas mehr als zehn Prozent war in Aktien angelegt, der Rest in Obligationen – alles in Schweizer Franken. Damit hat sie in der Vergangenheit gute Renditen erzielt, aber wird sie das auch noch in Zukunft tun?
Die lockere Geldpolitik hat fatale Nebenwirkungen. Wer sogenannte sichere Obligationen besitzt, kann in den kommenden Jahren ausnahmslos nur noch Verluste erleiden. Das wissen gerade auch Banken mit einer konservativen Anlegerschaft, und dennoch werden die Kundinnen und Kunden heute noch kaum auf diesen zentralen Sachverhalt aufmerksam gemacht und passende Lösungen präsentiert. Ist das nicht ein Skandal, wenn man aus lauter Bequemlichkeit oder gar auch aus unlauteren Gründen nichts macht?
Im Depot der besagten Dame waren ausnahmslos Obligationen wie jene der Pfandbriefbank, die zu 2,0 % verzinst und im Jahr 2016 zu 100 % zurückbezahlt wird. Derzeit könnte die Obligation zu rund 106,4 % veräussert werden. Behielte man sie bis zum Verfall, würde man gerade noch eine Rendite von 0,2 % erzielen – vor allen Vermögensverwaltungskosten und Depotgebühren. Berücksichtigt man, dass die Frau den jährlichen Coupon von 2,0 % versteuern muss, bleibt unter dem Strich ein Verlust von insgesamt mindestens 3 bis 4,5 % in wenigen Jahren. Bezogen auf ihre 100.000 Franken Depotwerte sind das immerhin 4.500 Franken nominaler Verlust.
Ist in den kommenden vier Jahren noch eine Teuerungsrate von moderaten 1 % pro Jahr zu verzeichnen, erfährt die Frau einen realen Wertverlust von geschätzten 8.500 Franken. Dabei erzählt ihr keine Bank, dass der LIK nur ein Indikator für die durchschnittliche Konsumentenpreis-Verteuerung darstellt.
Inflation: Warenkorb für ältere Generationen teurer bestückt
Gerade für ältere Leute werden wir annehmen müssen, dass sich deren Güterkorb an Produkten und Dienstleistungen in den nächsten Jahren deutlich stärker verteuern dürfte. Darin spielen Bahnpreise, Krankenkassen-Zusatzversicherungsprämien, Spitexleistungen und vieles andere eine derartige Rolle, dass ältere Leute oftmals eine deutlich höhere Verteuerung ihres Lebensunterhalts erfahren dürften. Wenn wir das auf immer noch moderate 2 % pro Jahr schätzen, dann liegt der reale Wertverlust für die ältere Frau schon bei geschätzten 12.500 Franken. Hält sie Obligationen in der Höhe von 200.000 Franken, droht ein Verlust von 25.000 Franken: Wir sind somit vom realen Werterhalt schon weit entfernt!
Besonders Clevere glauben nun, dem drohenden Wertverlust zu entgehen. Sie wählen Obligationen mit einer längeren (Rest-)Laufzeit und erfreuen sich ob der leicht höheren Coupons. Gleichzeitig erhöhen sie damit allerdings nur das Durationsrisiko: Kommt es zu einem Zinsanstieg vor allem am längeren Ende, droht ein Wertverlust von 20 bis 30 %!
Das ist kein Einzelfall, im Gegenteil. Im jüngsten Bericht der FvS News berichtet mein geschätzter Kollege Dr. Bert Flossbach, dass seine Szenarien für die Pensionskassen der DAX-Unternehmen sowie für deutsche Lebensversicherer zu einem realen Minus von bis zu 20 % im Durchschnitt führen! In der strategischen Asset Allokation sind die zum sicheren Wertverlust führenden Obligationen deutlich übergewichtet.
Dringend: Gute Vermögensberatung
Wer sich die Dimensionen der nominalen und realen Wertverluste vor Augen führt, welche auf die konservativen Anlegerinnen und Anleger – auch konservative Pensionskassen und Lebensversicherungen! – in den kommenden Jahren zukommen werden, wird sich wohl bald die Augen reiben müssen. Man sollte sich schleunigst wirklich gut beraten lassen. Das liegt in der Verantwortung des Investors, sofern die Aufgabe des Investierens und Überwachens der Investitionen nicht im Rahmen eines Vermögensverwaltungsmandats einem Spezialisten übertragen worden ist.
Eine Verantwortung hat aber auch der Finanz-Dienstleister: Soll die Liebenswürdigkeit missbraucht werden, indem die Kundin von der Bank nicht kontaktiert wird? Ich bin fest davon überzeugt, dass sich das Nicht-Beraten von solchen Kundinnen und Kunden zunehmend zu einem strategischen Fehler entwickeln wird. Wer jetzt seinen Vermögensausweis betrachtet und als sicherheitsorientierte Person in wenigen Jahren 10 Prozent oder mehr verloren haben wird, wird sich zwingend fragen müssen, wofür man im Kern Gebühren entrichten soll. Für professionelle Beratung und aktive Vermögensverwaltung – hierin liegt das Potenzial der wirklich kundenzentrierten Geschäftsmodelle.
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Maurice Pedergnana
Es stimmt nicht nur fuer bestimmte Produkte, sondern fuer praktisch alles was die Finanzindustrie dem normalen Mann auf der Strasse anbietet. Es geht nur darum das Vermoegen dieser Finanzberater zu vergroessern, denn man zahlt immer mehr Gebuehren als die Rendite welche man erhaelt.
Wenn man also keine Millionen hat, dann einfach Geld in die Pensionskasse oder 3. Saeule einzahlen. Sonst verliert man mit Sicherheit alles, wenn man genug lange wartet.
Wenn ich den Herrn Finanzberater Pedergnana richtig verstehe, dann würde er die Oblis heute zu 106.4 % verkaufen und die steuerfreien 6.4% minus die Bankgebühren einstreichen und auf die zu versteuernden noch insgesamt 8% Zins verzichten. Über den Daumen gepeilt, ist der Gewinn nach Steuern in beiden Fällen etwa gleich, was wohl der Grund ist, dass der Markt, der sich bekanntlich nie irrt, heute 106.4% für diese Oblis zu zahlen bereit ist.
Im 1. Fall hat die Dame das Geld an einem einigermassen sicheren Ort gelagert, im 2. muss sie sich nun überlegen, wo sie mit dem Kapital hin will? Wieder die selben oder ähnliche Oblis kaufen (Achtung: Bankgebühren), meint Hr. P. wohl auch nicht. Also Aktien? Ok, was bringen die bis 2016? Oder gar Fonds? Die sind sogar in guten Zeiten (im Durchschnitt) schlechter als alles andere.
Wenn der sich nie irrende Markt, wieder einmal mehr recht gehabt haben wird (2016), dann müssten eigentlich alle Anlagearten (im Durchschnitt) bis 2016 die selbe Rendite gebracht haben, falls nicht, und zB. die Oblis generell schlechter abschneiden, dann wäre der heutige Preis von 106.4 % falsch, dh. zu hoch, gewesen.
Vielleicht einfach alles ausgeben und das Leben geniessen?
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