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Kluge Köpfe: Gemeinsam entscheiden – Verluste vermeiden

Matthias Sutter am Dienstag den 22. Mai 2012

Wenn es darum geht, die Welt um uns zu beschreiben, sind Schlagworte wie Vereinzelung und Individualisierung meist nicht weit. Egal, ob es um den Lebensstil, den Erwerb von Wohlstand, die Wahl des idealen Partners oder Berufs geht – jeder scheint seines Glückes eigener Schmied geworden zu sein.

Dem gegenüber steht die Tatsache, dass wichtige Entscheidungen nach wie vor in aller Regel gemeinsam statt einsam getroffen werden. Das betrifft nicht nur Institutionen, Organisationen und Unternehmen, es gilt auch für den ganz persönlichen Lebensbereich, man denke nur an die private Pensionsvorsorge. Wer möchte nicht rechtzeitig dafür Sorge tragen, dass der Pensionseintritt nicht mit dem Austritt aus dem gewohnten Lebensstandard einhergeht!

Die Verhaltensökonomie hat das Entscheidungsverhalten von Gruppen in den vergangenen Jahren intensiv erforscht: Wer sich für etwas entscheidet, entscheidet sich gleichzeitig immer auch gegen etwas, das Risiko einer Fehlentscheidung ist also unausweichlich, es ist bestenfalls minimierbar. Die Wissenschaft verhält sich genuin oppositionell zur sogenannten Volksweisheit, aber in diesem Fall kann sie getrost auf ein englisches Sprichwort zurückgreifen: The only proof of the pudding is its eating.

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Von der Ventilklausel zur Zuwanderungsinitative: Die Schweiz braucht Institutionen zur Konfliktlösung

Gerhard Fehr am Montag den 14. Mai 2012

Selten gehen die Meinungen in der Schweizer Bevölkerung so auseinander wie beim Thema Personenfreizügigkeit. Die einen finden sie gut, weil sie Fachkräfte ins Land bringt, die das Land dringend braucht. Die anderen finden sie schlecht, weil zu viele Menschen kommen, für die eigentlich gar kein Platz ist.

Um zu verstehen, wie diese Positionen zustande kommen, empfiehlt es sich, auf die Fakten zu schauen: Ja, der wirtschaftliche Konkurrenzdruck durch bestens ausgebildete Zuwanderer aus der Europäischen Union ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Im Wirtschaftsraum Zürich sind bereits etwa 60 Prozent der Einwanderer aus dem deutschen Sprachraum universitär gebildet. Zum Vergleich: Der Anteil der Schweizerinnen und Schweizer mit tertiärer Ausbildung liegt nur bei 30 Prozent. 

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Vertrauensgüter und Finanzen: Unwissen kann teuer werden

Matthias Sutter am Montag den 30. April 2012

Man kennt die Situationen nur allzu gut aus dem Alltag: Egal ob bei Autoreparaturen, medizinischen Behandlungen oder Finanz- und Versicherungsprodukten – der Anbieter weiss prinzipiell viel mehr über die tatsächliche Qualität des konsumierten Gutes als der Kunde. Und daher hinterlassen solche Situationen gelegentlich beim Kunden das Gefühl, vom Anbieter nicht ganz korrekt behandelt worden zu sein.

Es handelt sich bei den hier genannten Gütern um so genannte Vertrauensgüter (Credence Goods). Sie sind von hohen Informationsasymmetrien zwischen Anbietern und Verbrauchern geprägt. In den Wirtschaftswissenschaften gehen wir davon aus, dass Menschen dazu neigen, ihre Wissensvorsprünge in solchen Konstellationen gezielt einzusetzen. Doch welche Folgen ungleich verteilte Informationen haben – zum Beispiel zwischen Finanzberater und Kunde – ist bislang wenig untersucht. Das hat gute Gründe: So ist es etwa schwer nachzuweisen, ob ein Kunde mit einem anderen Anlageprodukt als dem gewählten besser bedient gewesen wäre, weil dazu sehr viele Variablen analysiert werden müssten.

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Unternehmertum fördern – aber wie?

Gerhard Fehr am Montag den 23. April 2012

Selbstständig ein Unternehmen zu gründen und zu leiten bedeutet für die meisten Menschen, im Durchschnitt weniger zu verdienen als Angestellte in ähnlichem Metier – und das bei längeren Arbeitszeiten und ungleich höherem persönlichen Risiko. Bei Berücksichtigung dieser Faktoren scheint es also eher unvernünftig, Unternehmer zu werden.

Zum Glück versuchen es viele Menschen trotzdem. Sie sind damit eine wichtige Stütze einer jeden Volkswirtschaft, denn sie schaffen Arbeit und Wohlstand.

Doch was treibt Unternehmertum an? Und wie kann es sich vielleicht sogar so anregen lassen, dass mehr Menschen diesen Weg wagen, was gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten von Vorteil wäre?

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Brauchen wir den Euro? Szenarien für die Schweiz, falls die europäische Währung zerbricht

Gerhard Fehr am Dienstag den 17. April 2012

In der vergangenen Woche habe ich mir hier im Blog darüber Gedanken gemacht, warum die Bindung des Franken an den Euro aus verhaltensökonomischer Sicht Sinn ergibt. Es wurde einer der am meisten gelesenen Artikel in diesem Blog, was mich einerseits ehrt, aber andererseits vor allem dafür spricht, dass das Schicksal des Euro und dessen Auswirkungen auf die Schweiz noch immer sehr viele Menschen bewegt. Und sehr oft enden deren Sorgen bei der grossen Frage: Was wird mit uns, wenn der Euro zerbricht?

Das mag zwar aus heutiger Sicht ein rein hypothetisches Szenario sein, doch für diesen Artikel gehe ich einfach einmal davon aus, dass sich die Euro- und Schuldenkrise ausweiten wird und Griechenland den Euroraum verlässt – zum Beispiel, weil sich das Land selbst dazu entscheidet.

Immerhin gibt es deutliche Indizien darauf, dass dieses Szenario nicht gänzlich ausgeschlossen ist.

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Gefällt Ihnen dieser Kredit? Warum sich Bankkunden alles andere als rational verhalten

Gerhard Fehr am Donnerstag den 12. April 2012

Fakt: Wenn Ihnen eine hübsche Frau einen Kredit anbietet, werden Zinsen nebensächlich.

Angenommen, eine Bank möchte Ihnen einen Kredit schmackhaft machen: Was gibt den Ausschlag, wenn Sie das Angebot annehmen? Wären Sie ein rationaler Homo oeconomicus, würden Sie wohl primär nach den Zinsen gehen, oder?

Wie ein Feldexperiment von Verhaltensökonomen in Südafrika zeigte, kommen vielen Menschen bei solchen Entscheidungen auch andere, völlig irrationale Faktoren in die Quere: Ein Finanzdienstleister und führender Anbieter von Krediten für Einkommensschwache hatte dazu rund 50’000 Briefe an Kunden verschickt, die schon einmal einen Kredit in Anspruch genommen hatten, und bot ihnen darin ein neues Darlehen an. Der monatliche Zinssatz dieser Angebote war zufällig gewählt und schwankte zwischen 3,25 und 11,75 Prozent.

Zusätzlich setzten die Wissenschaftler in den Briefen unterschiedliche Marketing-Botschaften ein, um ihre Wirkung überprüfen zu können. Mal war in der Werbung eine Frau abgebildet, mal ein Mann. Mal wurde ein klares Angebote formuliert, mal wurden vier Optionen mit unterschiedlichen Zinssätzen und Laufzeiten präsentiert.

Dank der daraus gewonnen Daten konnten die Forscher die Wirkung der Marketinginstrumente in Zinsäquivalenten ausdrücken. So liess sich bestimmen, wie der Zins steigen oder sinken muss, um im Entscheidungsverhalten den gleichen Effekt wie eine Marketingmassnahme zu erzielen.

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Ist ein starker Franken gut für uns? Warum die Bindung an den Euro Sinn ergibt

Gerhard Fehr am Dienstag den 10. April 2012

Am Donnerstag vergangener Woche war es tatsächlich für einen Moment lang so weit: Ein Euro kostete 1,1992 Franken. Das erste Mal seit September 2011 war die Währung unter 1,20 Franken gerutscht. Die Nationalbank reagierte prompt. Am Nachmittag lag der Euro wieder über der Kursgrenze, die der ehemalige Notenbank-Chef Philipp Hildebrand im Vorjahr ausgegeben hatte und die de facto eine Bindung des Franken an den Euro darstellt.

Die damals kritisierte Massnahme erweist sich rückblickend als Erfolg. Sie brachte die Notenbank zurück in die schwarzen Zahlen. Sie verringerte die Wechselkursvolatilität und gab den Unternehmen Planungssicherheit. Und, so die SNB in ihrer jüngsten geldpolitischen Lagebeurteilung im März: Es mehren sich die Anzeichen, dass sich die Wirtschaftslage in der Schweiz stabilisiert.

Für 2012 wird ein moderates Wirtschaftswachstum von einem Prozent erwartet, die Inflation wird mit -0,6 Prozent prognostiziert. Über Null gerät sie dann erst wieder im nächsten Jahr (+0,4 Prozent), 2014 sollen es +0,6 Prozent sein.

Inflation, so scheint es, ist vorerst also kein Grund, besorgt zu sein. Und selbst wenn die SNB in Zukunft weiter im grossen Stil Franken drucken muss, um europäische Währung in unbegrenzter Menge kaufen zu können, ändert das daran nichts.

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Wirtschaften Frauen besser? Was Männer und Frauen bei Geld und Karriere unterscheidet

Matthias Sutter am Montag den 2. April 2012

Wer über die Unterschiede zwischen Männern und Frauen nachdenkt, begibt sich zwangsläufig auf gefährliches Terrain. Es sind vor allem die über lange Jahre gewachsenen Klischees, die hier bei vielen Themen eine sachliche Diskussion stören: Frauen können nicht einparken, Männer können nicht zuhören. Frauen kaufen am liebsten Schuhe ein, Männer arbeiten am liebsten hart und lang.

So eine Liste voller Vorurteile täuscht allzu leicht darüber hinweg, dass es sich durchaus lohnt, über geschlechtsspezifische Verhaltensmuster zu forschen, um daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen – sei es beim Thema Frauenquoten in Unternehmen, sei es beim Thema Finanzen. Zu beiden Bereichen haben die Forschungen und Experimente der Verhaltensökonomie schon viel beigetragen.

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Die grosse Frage bei Krediten: Wo liegt mein Risiko?

Gerhard Fehr am Sonntag den 1. April 2012

In wirtschaftliche turbulenten Zeiten handeln Menschen zusehends verunsichert. Und sie verlieren oft auch das Vertrauen in das Wirtschafts- und Finanzsystem, weil plötzlich viele Fragen offen bleiben: Wie ist es um die persönliche finanzielle Zukunft bestellt? Und wird es vielleicht doch nichts mit dem Haus, weil niemand garantieren kann, ob sich die Zinslast für den Kredit auch in ein paar Jahren noch tragen lässt?

All diese existenziellen Probleme fallen in eine Zeit, in der die Eigenverantwortung stets zunimmt, egal ob bei der Altersvorsorge oder bei der Vorsorge für die Kinder. Ist dann auch noch eine Finanzierung nötig, wird es noch komplexer. Denn welcher Kredit am besten zu einem passt, lässt sich nicht pauschal beantworten, auch wenn es viele Angebote von Vermittlern da draussen im Netz vorgeben.

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Schuldenmachen verboten? Zwischen Selbstkontrolle und Schuldenfalle – die Psychologie der Kreditkarte

Michel Maréchal am Montag den 26. März 2012

Wenn es nach dem Willen des Schweizer Nationalrates geht, werden junge Schweizer unter 25 Jahren Kreditkarten nur noch unter gewissen Einschränkungen benutzen können. Mit 87 zu 61 Stimmen unterstützte er einen entsprechenden parlamentarischen Vorstoss von Jacques-André Marie (SP/NE), der auch vorsieht, dass es künftig nicht mehr möglich sein soll, mit dem Kontostand ins Minus zu rutschen – Kreditkartenschulden wären somit ausgeschlossen. Ausserdem sollen Kreditkarteninhaber ihren Kontostand immer in Echtzeit einsehen können.

Den Kreditkartenherausgebern gefällt diese vom Nationalrat vorgesehene Neuregelung nicht besonders. Sie schade ihrem Geschäft, so etwa Christine Gebhard, Sprecherin von Viseca Card Services in einem Interview: “Berufseinsteiger und junge Erwachsene stellen die wirtschaftliche Zukunft dar und deshalb stellen wir auch gerne dieser Kundengruppe eine Kreditkarte aus”. Der Vorstoss sei nicht im wirtschaftlichen Interesse der Herausgeber.

Es sind wohl weniger die wirtschaftlichen Interessen der Kreditkartenherausgeber, die der Nationalrat hier im Fokus hat, sondern die finanziellen Probleme einer grossen Gruppe junger Menschen. Kreditkarten haben nicht das beste Image, weil sie – so die öffentliche Meinung – dazu verleiten, mehr für Konsum auszugeben, als man sich eigentlich leisten kann. Und gerade junge Menschen würden deshalb durch lockeren Konsum mehr Schulden machen als sie bewältigen könnten.

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