Hässige Aargauer, faule Berner, und die Ostschweizer erst!

Sooo klein: Fotografische Spielerei eines Touristen auf dem Weg von Luzern nach Interlaken. Foto: Vinoth Chandar (Flickr)

Ja, okay. Er war eher ein Schnellschuss, der sonntägliche Text über die Walliser und ihr Trink- und Abstimmungsproblem. Klischiert, nicht wirklich fundiert und wahrscheinlich nicht einmal richtig lustig. Ein Text so nötig wie «Gülle in der Rhône», meinte ein Kommentator, und ein anderer unterstellte dem Autor «reinen Rassismus».

Point Taken. Und weil wir viel vom Konzept der ausgleichenden Gerechtigkeit halten, machen wir in diesem Fall das Naheliegendste: Statt uns anständig bei den Wallisern zu entschuldigen, beleidigen wir einfach alle anderen auch noch. Und das nicht einmal in alphabetischer Reihenfolge.

Aargau

Keine Konturen, keine Identität, immer leicht hässig und dann noch meinen, die ganze Schweiz müsse so abstimmen, wie man das in Schwaderloch tut. Schwaderloch!

Appenzell innen und aussen

Einmal katholisch und einmal reformiert. Mit allen Problemen, die die Reduktion auf eine Glaubensrichtung mitbringt. (Und klein sind sie auch).

Basel-Stadt

Wir sind die Grössten! Beste Mundart, beste Kultur, bester Fussball, beste Alles. (Wissen das auch alle? Wirklich alle? Sag es jetzt. Sag es jetzt endlich! WIR SIND DIE GRÖSSTEN!)

Baselland

Der schlechtere Aargau.

Solothurn

Der noch schlechtere Aargau.

Jura

Kennen Sie Pruntrut? Da wollen Sie nicht hin.

Bern

Faul! Langsam! Und wer das jetzt für ein Klischee hält, der hat noch nie in einer Berner Bäckerei versucht, irgendetwas zu bestellen. Irgendetwas, geben Sie mir einfach irgendetwas. Ist schon recht, ja. Genau das. Oder halt das. Ja, es wäre an mir. Nein, spielt keine Rolle. Ja, grüessech haben Sie schon gesagt. Grüessech!

Freiburg

Die fleissigeren Berner (aber immer noch eher faul).

Genf

Sehr weit weg und voller Franzosen. Fast wie Frankreich. Und wer mag schon Frankreich.

Waadt

Zu viele Bundesräte, zu viel Weisswein.

Neuenburg

Noch mehr Bundesräte, noch mehr Weisswein.

Graubünden

Dort sprechen sie Rätoromanisch. Und zwar in jedem Dorf ein bisschen anders. Dafür möchten sie von Bern gerne bezahlt werden.

Luzern/Obwalden/Nidwalden/Schwyz/Zug

Warum eigentlich besteht die Innerschweiz aus so vielen kleinen unnötigen Kantonen? (Stichwort: Ständemehr)

Glarus

Ein Tal, ein Kanton. Ernsthaft: Warum glauben in der Mitte der Schweiz alle, ein Bahnhof mit Avec-Shop reiche schon für einen eigenen Kanton?

Thurgau

Sterben im. Bitte.

St. Gallen/Schaffhausen, alles östlich von Winterthur

Es heisst «Ball», nicht «Bölle». Und auf die Wurst gehört Senf.

Tessin

Wie die Walliser, einfach mit Rotem.

Wallis

Das Wallis ist toll!

Zürich

Wo nur anfangen?

22 Kommentare zu «Hässige Aargauer, faule Berner, und die Ostschweizer erst!»

  • Philipp M. Rittermann sagt:

    als – entschuldigung!!! – gebürtiger stadtzürcher, ein witzchen, welches uns charakterisiert: „ein zürcher sieht zum ersten mal das meer, schaut zum endlosen horizont und meint – tja, das habe ich mir grösser vorgestellt….“

    • Alain Burky sagt:

      Stadt Züri – HB – Landesmuseum – Drahtschmidli-Beizli – grosses, graues Gewerbeschulhaus (4 Jahre drin und draussen) -Silberkugel – Kunstgewerbeschule in der Nähe – mit schönen Meitschis. So lernte ich Züri kennen 😉

  • Michi sagt:

    und Uri???

  • Philipp M. Rittermann sagt:

    und hier noch die übersicht zur listung des autors ->

    http://www.watson.ch/imgdb/07d2/Qx,E,0,0,1980,1364,843,475,330,247/2076721536194868

  • Danielle sagt:

    Lustig, weil so überzeichnet und politically incorrect. Als Bernerin kann ich’s sogar bestätigen: grüessech – grüüüüesssech – ehh grüeessech – exgüseee – nenei – grüessech – exgüseeee – göööt nume – nenei – chömet nume – grüessech – exgüseee……

    Endlos so weiter. Lieb, charmant, aber NERVIG! Trotzdem: Wenn schon Deutschschweiz, dann Bärn. Am liebsten aber nicht Deutschschweiz.

    • Steve sagt:

      Schon bei dem „Grüessech“ richten sich bei mir die Zehennägel hoch. Dir würden, hätte ich nicht Schuhe an, hochkant aufklappen wie ein Klodeckel. Und Konversationen mit ihnen kann man während dem Reden den Sonnenuntergang beachten….

    • Alain Burky sagt:

      In F heisst es, Schweizer seien langsam. Dazu meine ich jeweils, dazu noch mit Heimatort (BE) – Klar, damit die anderen nachkommen …

    • Alain Burky sagt:

      Aber Danielle, nid e so hurtig. Nume nid gsprängt. Demain, domani, magnana…

    • ueli sagt:

      Was ist dieses Bern, von dem Sie hier schreiben ? Gruss aus ZH

  • Peter aus Bern sagt:

    Gratulation allen Schreibern: Das Lesen dieser Kommentare macht Spass – im Gegensatz zu Gift und Galle in manch anderer Spalte. Ganz besonders: Besser als Danielle kann man den behäbigen Berner Geist kaum persiflieren.

  • Steve sagt:

    St.Gallen, Wurst mit Senf stigmatisierte mich dort wie ein Aussätziger. Dabei ist es so, aber die geschmacksneutrale Olma-Bratwurst, für mich wie Wasser in fester Form ausser Eis, kann man wirklich nicht „geniessen“ ohne irgendeinen Aufstrich drauf. Aber eine Erklärung habe ich. Den St.Gallern, allgemein den Ostschweizern sorgt das kehlige R oder CH vermutlich für eine Dauerentzündung im Rachen. Lässt man da mittelscharfer Senf darüber gleiten, erst noch kombiniert mit einer lommeligen Olma-Bratwürst, muss das höllisch wehtun, so wie Vita-Merfen auf eine offene Wunde..

  • Meinhart S. Rohr sagt:

    Kann keine Überzeichnung erkennen, scheint mir eher ein Tatsachenbericht, mit der kleinen Einschränkung, dass Baselland der etwas bessere Aargau ist (zumindest jene Teile, die man mit dem Drämmli erreichen kann)…

  • Alain Burky sagt:

    Auch Schwaderloch hat seinen Charme, auch wenn die Rüebli nicht so gross sind, wie im Freiamt 😉
    Und einen Ausblick in ein ‚grosses, fremdes Land‘. -Fast so gross, wie ein Kanton.

  • Lonestar sagt:

    Und Uri? Vergessen?

  • H.P. Fischer sagt:

    Als fast berndeutsch sprechender aufgewachsener Bucheggberger konnte ich
    in meinem Dialekt das Wort „Gaffe“ nicht leiden.
    Weit Dir no es Gaffe ?
    Sagte immer Kafi

    • Alain Burky sagt:

      Es Kafi mit Schnaps? Bella, le Güx, s’il te plait. Bien sucré.

    • Alain Burky sagt:

      Aber als im AG aufgewachsener Emmentaler besuchte man auch gerne immer die anderen ‚Chrächen‘. So vis-à-vis. Wie üblich. Und lernte immer noch dazu. Etwa bei diesen Fricktalienern. „A der Pfingschte gohts am ringschte – und – ds’Chaischte chasch am Mäischte“.
      p.s.: Pfingsten wäre 2017 am 4. Juni. Schwarze Adler gibt es da auch noch.

  • Martin sagt:

    Zürich? Oh, da gibt es schon ein paar: Möchtegern Monaco von der Schweiz in Wirklichkeit aber die Banlieue von Basel. Reden den ganzen Tag von Geld und kaufen Trams, die nicht um die Kurve kommen. Hat zwei Fussball Clubs, aber immer leere Stadien und auch im Jahr 2000 immer noch einen Strassenstrich. Sind auch langsam; brauchten ewig bis der Letten geschlossen wurde und auch ewig, bis eine Autobahnumfahrung um das Ghetto gebaut wurde. Bezahlen viel Geld, um in der Flugschneise zu wohnen usw.

  • Dot sagt:

    „Alle“ anderen Kantone? Da fehlt doch einer – und wohl nicht zufällig: Uri ist halt kein unnötiger Innerschweizer Kanton, denn ohne Uri kein Gotthard, kein Wilhelm Tell und überhaupt … es lässt sich einfach nicht kaum Schlechtes über diesen kleinen, aber totaaal wichtigen Kanton sagen :-))

  • Clay sagt:

    Zürich erinnert mich an diese bartgetränkten Hipsterd. Sie sind derart weltoffen, dass für sie ein Umzug in den Aargau nicht in Frage kommt. Da verlieren sie sofort das Selbstwertgefühl. Ein AG-Nummernschild geht gar nicht.

  • John Wayne sagt:

    Viele Glarner und Schwyzer blockieren gerne die Überholspur auf der Autobahn. Die sind schlimmer als Aargauer, Berner und Solothurner zusammen.

Kommentar

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