Meine Daten gehören auch mir

Datenhungrige Wirtschaft: Konsumenten können den Wert ihrer Daten nur schwer einschätzen. (Bild: Justin Tallis/AFP)

«Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts», so hören und lesen wir es überall. Ein eingängiges Bild für die Informationsgesellschaft. Die Verfügbarkeit von billiger Energie in Form von Erdöl hat die heutige Gesellschaft geformt. Im Guten wie im Schlechten: Ohne Erdöl keine Verbrennungsmotoren, ohne Verbrennungsmotoren weniger Mobilität, mit weniger Mobilität auch weniger Zersiedelung, kein globaler Manager-Jetset, kein weltweiter Massentourismus – und auch keine drohende Klimakatastrophe …

Tatsächlich treiben Daten, die aus ihnen gewonnenen Informationen und das daraus erschlossene Wissen die Wirtschaft und die Gesellschaft heute ebenso entscheidend voran wie das Erdöl die Industriegesellschaft. Und sie verändern sie bis in den Alltag. Selbst wer kein Fitness-Armband trägt oder die Wohnungsheizung noch nicht via Smartphone steuert – mit dem Mobiltelefon tragen die meisten von uns einen Computer und Sensoren mit sich und produzieren enorme Mengen von Daten. Weil die Datenspeicherung immer billiger wird, hat sich das Big-Data-Prinzip durchgesetzt: Daten werden möglichst umfassend gespeichert, auf Vorrat. Und man schaut später, welch kostbare Informationen sich im unendlichen Datenarchiv verstecken.

«Wenn du nichts bezahlst, bist du das Produkt»

Weil diese Informationen Geld wert sind, bewegen wir uns immer mehr in einer Gratiswelt. Kaum ein Onlinedienst, der kostet. Kaum eine App, bei der man schon den Download bezahlen muss. Aber die schöne neue Gratiswelt ist eine Täuschung. Denn wir bezahlen doch. Mit unseren Daten. Und das Wissen über uns und Tausende andere ist es, das die Anbieter von Onlinediensten wie Facebook oder von Handy-Betriebssystemen wie Google nutzen oder weiterverkaufen.

Auch wenn der Vergleich am Anfang passend scheint: Daten sind kein Erdöl! Denn Benzin, Heizöl, Kerosin, all diese Erdölprodukte kann man nur einmal verbrennen. Dann sind sie weg. Daten aber werden nicht verbraucht, wenn man sie nutzt. Daten sind eher wie die Sonne, von deren Energie wir alle gleichzeitig profitieren können. Sonnenstrahlen lassen sich zudem spiegeln, sodass niemand im Schatten stehen muss. Ebenso die Daten: Sie lassen sich mit geringstem Aufwand kopieren, sodass viele sie gleichzeitig nutzen können, ohne sich gegenseitig in der Sonne zu stehen. Daher spricht nichts dagegen, dass jeder eine Kopie derjenigen Daten erhält, die er mit seinem Handy, seinen Online-Einkäufen oder seiner Fitness-Apps selber erzeugt hat.

Es braucht ein Recht auf Kopie – auch in der Schweiz

Mit der neuen europäischen Datenschutzverordnung erhalten die Konsumenten eine moderne Form des bisherigen Einsichtsrechts. Nämlich das Recht, ihre Daten von einer Firma, z.B. der Bank A, zu einem konkurrierenden Unternehmen, z.B. zur Bank B, zu übertragen, um damit bessere Geschäftskonditionen, z.B. tiefere Hypozinsen, zu erreichen. Diese Datenportabilität verankert das Recht des Einzelnen, eine Kopie seiner Daten ohne Einschränkung zu seinen eigenen Gunsten zu verwenden – automatisch, unkompliziert und ohne unnötige Barrieren.

Unternehmen werden sich in Zukunft daran gewöhnen müssen, dass ihre Kunden nicht einfach passive Datenobjekte sind, sondern als selbstständige Subjekte eine Kopie ihrer Daten verlangen und diese aktiv zu nutzen beginnen. Dies wird den gesellschaftlichen Nutzen der Daten erhöhen und die tatsächliche Transparenz über die gesammelten Daten deutlich stärken.

5 Kommentare zu «Meine Daten gehören auch mir»

  • Claudio sagt:

    Haben Sie schon mal midata.coop angeschaut? Dies wäre das ideale Modell!

  • Stöff sagt:

    ein völlig nichtssagender Artikel ohne jegliche sinnvolle Aussage. Herr Glättli ist leider erschreckend inkompetent und nicht in der Lage die Zusammenhänge zu erfassen, sonder er unterstützt eigentlich das System. Es geht doch nicht darum, dass ich Kopien von meinen Daten will, um diese dann auch selbst zu vermarkten, sondern ich will ein Gesetz, das jeden potentiellen Datendieb – egal ob Google, Apple, Audi oder Migros – dazu zwingt, mein Einverständnis einzuholen. Bin ich mit einer Datenerhebung nicht einverstanden, dürfen keinerlei Daten erfasst werden. Dazu gehört auch eine jährliche Meldepflicht, wer, was, wozu in welcher Datenbank über mich erfasst hat! Ebenfalls dazugehört ein uneingeschränktes Recht, jegliche erfassten Daten löschen zu lassen.

    • Heinz H. sagt:

      Das erste ist bereits der Fall, mit der Annahme der AGB’s geben Sie den Firmen ihr Einverständnis ihre Daten zu sammeln und oft auch zu nutzen und weiter zu geben. Sie müssen diese nicht annehmen, nur können Sie dann viele Dienste nicht mehr nutzen. Besser wäre, wenn man entscheiden könnte wie man bezahlen will, ob mit den Daten oder mit ein paar Franken.

    • Dr. Ego sagt:

      Hallo Stöff – Sehe ich ganz genauso. In D z.B. wurde das ‚Recht auf informationelle Selbstbestimmung‘ als Reaktion auf die Volkszaehlung 1984 eingefuehrt. Was passierte nach der Fichenaffaere in CH? Hmm. Nicht soo viel.
      Die Schweiz braucht genau so ein Recht auf infomationelle Selbstbestimmung und eine klare Einwilligung (Opt-In) was die Nutzung, Speicherung und Weiterverbreitung von Daten angeht.

      • Peter Maier sagt:

        Stöff, keine Widerrede, gut auf den Punkt gebracht. Fakt ist aber, das der Herr Glättli in diesen spezifischen Fragen der kompetenteste Nationalrat ist, mit grossem Abstand. Erschreckend eigentlich.

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