Was ist das für ein Bildungssystem?

Weniger intelligent als die Basler? Schülerinnen in einem Zürcher Gymnasium. Foto: Raisa Durandi

Andreas Pfister forderte in seinem jüngsten Politblog-Beitrag zum wiederholten Mal eine Erhöhung der Gymnasialquote, denn der Bildungsstand der Bevölkerung sei gestiegen. Wenn dem so wäre, so müsste der Bildungsstand der Amerikaner dreimal so hoch sein wie jener der Schweizer, denn die Studienanfängerquote beträgt in den USA rund 71 Prozent (2012). Wenn wir die Schweiz wieder in den Blickpunkt nehmen, so wären die Stadtbasler intelligenter, da diese eine Maturandenquote von 32 Prozent haben, im Vergleich etwa zu den 20 Prozent in Zürich. Der Bildungsstand – was ist das eigentlich? – ist also keine Erklärung für die Höhe der Gymnasialquote.

Die tatsächlichen Erklärungen sind so simpel, dass man sie in den von Ideologie und Emotionalität aufgeladenen Diskussionen kaum noch darlegen kann.

  1. Es gibt in jedem Gemeinwesen (Staat, Gesellschaft) anscheinend einen Konsens, was die Höhe der Gymnasialquote betrifft. Daher die verschiedenen internationalen und kantonalen Werte.
  2. Dieser Konsens kann sich ändern, wobei meist nicht wissenschaftliche Kriterien den Ausschlag geben (ein aussagekräftigeres Kriterium wäre gemäss Prof. E. Stern von der ETH Zürich der Intelligenzquotient), sondern vor allem politische und wirtschaftliche.
  3. Die sprunghafte Änderung der Gymnasialquote ist volks- und betriebswirtschaftlich nicht durchdacht, denn woher nähme beispielsweise die Zürcher Bildungsdirektion plötzlich die Schulräume, die Lehrpersonen usw. für zusätzliche Gymnasiasten? Was würde aus den nicht mehr benötigten Schulräumen und Lehrpersonen auf der Sekundarstufe angesichts von mehr Übertritten ins Langzeitgymnasium? Wer absolvierte noch eine Lehre (heute rund 65 Prozent eines Jahrgangs), was geschähe mit den Berufsschulen? Und zu guter Letzt: Wer arbeitete noch im Gewerbe, in der Industrie und den Dienstleistungsbetrieben, wenn fast alle einen Hochschulstudienabschluss haben?
  4. Die intellektuelle und emotionale Fähigkeit, das Gymnasium zu besuchen, ist von Schülerin zu Schüler verschieden; die einen wollen nicht, die anderen können nicht. Hätten alle von Geburt an die gleichen Fähigkeiten, so müsste es in der Schweiz Tausende Tennisspieler wie Roger Federer geben! In allen anderen Nationen allerdings auch ..

Gymnasialquote verdoppelte sich in 35 Jahren

Dass nicht jede und jeder heute ins Gymnasium übertreten kann (und muss), ist richtig und zielführend. Wenn Andreas Pfister schreibt, die Schweiz sei «auf dem besten Weg, ein Bildungsabsteiger zu werden», dann liegt er wiederum falsch. 1980 betrug die Gymnasialquote in der Schweiz 10,6 Prozent, bis 2015 verdoppelte sie sich auf 20,1 Prozent. Und wenn er schreibt, es sei «längst nicht mehr selbstverständlich, dass die Kinder eine gleiche oder bessere Ausbildung als die Eltern erhalten», so ist die Unlogik offensichtlich, unter anderem auch, weil der Staat heute deutlich mehr für die Bildung ausgibt als früher.

Zwar anerkennt Pfister: «Selektion ist eine sinnvolle und legitime Aufgabe des Gymnasiums.» Er vergisst aber, dass auch in den anderen Schulstufen wie Berufslehre oder Berufsmaturität selektioniert wird, sodass wir heute ein selektionierendes und förderndes System haben. In diesem durchlässigen Bildungssystem gelangt am Schluss möglichst jede und jeder an den richtigen Ort im Berufsfeld.

«Nicht die Eltern, sondern das starre Bildungssystem ist schuld am Konflikt», beendet Pfister sein Posting – doch ist es oft so, dass Eltern nur auf den Status Gymnasium/Hochschule starren und dabei vergessen, dass zu einem Bildungssystem neben Kopf auch Hand sowie Herz (J. H. Pestalozzi) gehören. Eltern und Staat müssen das Wohl der Kinder und der Gesellschaft ins Zentrum stellen, nicht den Status.

50 Kommentare zu «Was ist das für ein Bildungssystem?»

  • Thomas Staub sagt:

    Wieso braucht es überhaupt eine Quote? Wer bestimmt, dass genau 20% genug sind und nicht 30% oder 10%? Warum plant der Staat wie ein kommunistisches Land die Handwerker anstelle die Schulwahl frei zu machen? Wenn das Handwerk zu wenig attraktiv ist für Eltern und Jungen dann ist das so. Egal ob man dann befürchtet, dass es zuwenig Schreiner geben wird. Hier muss ein grundsätzliches Umdenken stattfinden für eine Zukunft, in der Automatisierung die zentrale Rolle spielt. Die Schule muss günstiger werden, aber auch für jedermann nach Wahl. Eine Schreinerausbildung kann ich auch machen als Maturand, wenn ich das dann will. Und der Beruf attraktiv ist. Bis 18 sollten man lernen und erst danach sich für einen Beruf berufen fühlen. Mit 16 ist das für die Allermeisten ja unmöglich.

    • Hanspeter Niederer sagt:

      Ach so, für die Automatisierung sind nur Maturanden zu gebrauchen. Haben Sie noch nicht mitgekriegt, dass in der heute real existierende Automatisierung vor allem Nichtmaturanden tätig sind? Wer finanziert eigentlich die Produktion von Maturanden auf Halde? Die ewigen Studenten? Zuwenig Schreiner sind ein reales Problem, zuwenig unschlüssige Gymi-Abgänger aber nicht.

  • Zwicker-Wyss sagt:

    Sehr fundierte Replik – mit Weitsicht. Ich habe mich sehr über den Artikel von Herrn Pfister geärgert. Wer nicht mitmacht hat verloren! Was verloren? Reden wir tatsächlich von Gewinnern und von Verlierern? Herr Tschenett spricht mir aus dem Herzen. Stärkt die SekA und vergesst das Langzeitgymnasium und die Erhöhung der Gymnasialquote. Gebt den Schülern ab der 3. Sek die Wahl ob Lehre oder Gymi. Dann müssen die kids nicht schon in der ersten Klasse ins Lernstudio. Wir brauchen in allen Bereichen gute Leute, darum sind die Berufslehren auch so wichtig und die Lernenden sicher keine Verlierer!

    • Tom sagt:

      Ich bin der Meinung das was Sie sagen kann nur gelingen, wenn die Berufslehre innerhalb des Bildungssystems endlich adäquat plaziert wird. Wenn eine Lehre z.B. mit einer gewissen Anzahl Credits bewertet werden würde, dann hätte man bei der Attraktivität der beiden Wege unseres dualen Systems sofort eine neue, ausgeglichenere Ausgangslage. Wenn ich mir zudem HF-Lehrgänge und Abschlüsse anschaue, dann sind die vom Anspruch her oft kaum schwieriger als eine vierjährige Berufslehre, aber der HF-Absolvent hat am Ende einen Bacelor-Titel, der Gelernte hat unter ‚Bologna‘-Aspekten: Nichts.

      • FH SCHWEIZ sagt:

        @Tom: Sie scheinen ein Durcheinander mit unserem Bildungssystem zu haben: Der HF-Abschluss (höhere Fachschule) ist eine Ergänzung bzw Weiterbildung zur Berufslehre und kann ihr daher nicht gegenübergestellt werden. Und an der HF erhält man keinen Bachelor-Titel. Das gibts erst an der FH (Fachhochschule), oder dann an der Uni. Aber zugegeben: Der Unterschied FH/HF ist eine Knacknuss.

    • Max Bernard sagt:

      @Zwicker-Wyss: Seit die Unternehmen zur blödsinnigen Auffassung gelangt sind, dass für eine Führungsposition ein Hochschulabschluss erforderlich ist, sprechen wir hier leider tatsächlich von Gewinnern und Verlierern. Und da im Ausland die Anforderungen an ein Hochschulstudium wesentlich geringer sind als hierzulande, steht mit der unbegrenzten Öffnung unserer Hochschulen für ausländische Studenten auch fest, wer die Verlierer sind – zumindest was die Führungspositionen anbetrifft: Schweizer in die Produktion, Ausländer in die Teppichetage. Da dies von der Wirtschaft genau so gewollt ist, wird die Politik daran auch nichts ändern.

  • Leo Klaus sagt:

    Dass nicht jeder/jede ein Gymnasium besuchen will ist in Ordnung, aber denen die es tun wollen und eine (einheitliche) Aufnahmepruefung bestehen sollte man keine Steine im Weg legen.

    1. Der sogennante Konsens ist nicht unbedingt da, deshalb die Diskussion.

    2. Die IQ ist nicht unbedingt aussagekraeftig. Fleiss und Motivation spielen eine groessere Rolle die sich in der hoeheren Anzahl Gymnasiastinnen wiederspigelt.

    3. Die Infrastruktur muss den jeweiligen Anforderungen gerecht werden und nicht umgekehrt.

    4. Ein Gymnasium zu besuchen braucht viel weniger Talent als Roger Federer zu werden. Dieser Vergleich ist ein Witz.

    Das aktuelle System benachteiligt viele, besonders Migrantenkindern ungeachtet deren Deutschkenntnisse. Eine Anpassung ist noetig.

    • Patrik Peter sagt:

      Eben nicht. Es braucht eben keine Anpassung wegen Kindern aus fremdsprachigen Familien. Sonst möchte ich auch eine „Anpassung“ für meine Tochter.

      Das ist komplett falsch und zerstört den Grundsatz der Gleichheit. Dieser muss und soll auch weiterhin das Fundament der obligatorischen Schule sein.

      Eltern sind für Ihre Kinder verantwortlich nicht der Staat.

    • Peter Lustig sagt:

      Das Gymnasium, nun, dort sollte es um Verstehen gehen, nicht um Fleiss und Bemühen. Deshalb ist es absolut abwegig, dass Fleiss und Motivation top Selektionskriterien sein sollen. Sonst haben wir eine Horde Pseudointellektuelle, die zwar die Vorschriften und Tatsachen herunterbeten können und nach Schema F handeln, aber mit allem Weitergehenden völlig überfordert sind. Und dann de facto eigentlich für den Beruf, den das Studium vorgeben soll, nicht geeignet sind, trotz Abschluss.

      • Hanspeter Niederer sagt:

        @Lustig: Kurz zusammengefasst: wer das Gymi nicht ohne jede Motivation und ohne jeden Lernfleiss schafft ist zu dumm fürs Gymi und muss draussen bleiben. Super Logik, ich bin schwer beeindruckt.

  • Patrik Peter sagt:

    Stimmt alles. Nur, die Unternehem in Zürich verlangen einen Tertiärabschluss sonst fliegt das Bewerbungsdossier direkt in den Abfall. Es gibt mehrere sehr bekannte (!) Firmen mit ausländisch dominierten HR die dies so handhaben.

    DAS ist der Grund, dass wir Eltern plötzlich so stark aufs Gymi schielen. Nicht weil wir das Duale System schlecht finden, sondern weil sich die Ausgangslage für unsere Kinder so verschlechtert hat. Wir antizipieren einfach die zukünftige Realität.

    • Barbara Beeler sagt:

      Und wer will in diesen Unternehmen arbeiten? Ich hoffe, unsere Kinder nicht.

    • Blanche Wu sagt:

      Man muss ja auch nicht zwingend zu den Grossen arbeiten gehen. Auch bei KMUs arbeitet es sich gut und dort kommt man auch mit einem Dipl. xy enorm weit. Bsp. im Bereich Finanzen, Treuhand, Handwerk, etc.

  • - stahel sagt:

    Die Chance ein erfüllendes, produktives, konstruktives, alle Sinne und Fähigkeiten ansprechendes Leben zu führen, ist möglicherweise mit einem akademischen, extrem kopflastigen, theoretischen, abgehobenen Job eher eingeschränkter. Die Frage ist doch auch, wie viele Akademiker braucht es wirklich? Und wie gut müssen sie sein? Und ja, die Begabteren haben wohl eine grössere Auswahl an Möglichkeiten bei der freien Berufswahl.

    • Kevin Siegenthaler sagt:

      Das finde ich zu pauschal. Vielleicht kennen Sie einfach zu wenige Akademiker, Herr oder Frau Stahel. Gerade wer sich beruflich mit abstrakten Fragen beschäftigt, ist in der Freizeit oft sehr für Sport, Handwerk, Ausflüge, Reisen, Gartenarbeit, soziales Engagement und vieles mehr zu haben. Wie viele Akademiker „es braucht“? Keine Ahnung. Aber ganz bestimmt soll das nicht die Wirtschaft entscheiden.

    • Max Oppliger sagt:

      Ihre Qualifikationen für Akademiker sind mehrheitlich hanebüchern. Lehrer, Mediziner, Ingenieure, Chemiker und viele andere sind weder abgehoben noch theoretisch und ihre Aussichten sind auch nicht eingeschränkter. Die Chancen bei der Berufswahl sind sowohl bei Lehrabgängern als auch bei vielen Akademikern etwa gleich gut.

    • Max Bernard sagt:

      @stahel: Offenbar haben wir hierzulande viel zu wenig Akademiker, ansonsten würden nicht so viele aus dem Ausland geholt werden. Und leider ist es auch so, dass für die besser bezahlten Führungspositionen immer mehr ein akademischer Abschluss gefordert wird. Auf die Begabung kommt es dabei überhaupt nicht an, sondern auf die vom Staat(!) festgelegten Kriterien für den Besuch eines Gymnasiums und das sich anschliessende Hochschulstudium. Alleine diese Kriterien sorgen dafür, dass bei uns lediglich 20,1% eines Schülerjahrganges die Hochschulreife erlangen, während es in Deutschland 51% sind.

  • sepp naef sagt:

    Unser Schulsystem fördert weder die Kreativität noch die Intelligenz. In unse-
    rem Bildungssystem scheint vieles keine Rolle mehr zu spielen. Für die Schü-
    ler steht fest, was er exakt tun muss, wenn er ein gutes Ergebnis erreichen will.
    Nicht Wissen nach Vorschrift einzutrichtern, sondern mit Spass und Freude zu
    lernen wäre angebracht. Es wird viel zu wenig Sport, Kunst, Musik und Theater
    spielen unterrichtet. das sind die wesentlichen Fächer, die die Kreativität der
    Kinder stark beeinflussen. Das werden Gehirne sein, die Herausforderungen am
    besten bewältigen. Doch wir kerkern sie in Schulhäuser ein, die aussehen wie Kasernen. Wir belästigen sie mit allem möglichen Kram, den sie später nie gebrauchen werden.

    • Blanche Wu sagt:

      Es gibt aber auch Kinder die interessieren sich schlichtweg nicht für Kunst, Musik, Theater sondern die wollen etwas mit den Händen machen (werkeln, schrauben, etc.) oder bringen sich selber zuhause das Programmieren bei. Die holt man nicht mit Theater und Tanz ab. Dabei sind sie aber nicht weniger kreativ.

    • Peter Götz sagt:

      1. Die Grundfertigkeiten (lesen, schreiben, rechnen) müssen auch um das Beschaffen und Validieren von Informationen ausgeweitet werden. Fake-News gibt es in allen Bereichen.
      2. Die Schulbildung sollte vor allem sehr breit gefasst sein. Es ist nicht wichtig den Geburtstag von Goethe zu kennen, aber man sollte ihn dem richtigen Jahrhundert zuordnen können. Das Fachwissen gehört dann in die Berufliche Ausbildung (Lehre – Uni).
      3. Die Gesellschaft muss über ihre Einstellung zu Berufen nachdenken. So lange es das heutige Gefälle bei Ansehen und Lohn gibt, gibt es keine freie Berufswahl!
      4. Das Problem ist schon älter. Ende der 70er Jahre wurden viele Physiker ausgebildet, für welche gar kein Bedarf war.

  • R.E. Michel sagt:

    Vielen Dank für diese gute Replik zum Thema „Bildungsabsteiger“. Insbesondere der letzte Satz „Eltern und Staat müssen das Wohl der Kinder und der Gesellschaft ins Zentrum stellen, nicht den Status.“ müssen sich mal alle wieder ins Gedächtnis rufen. Mir ist schon klar, dass in der heutigen internationalen Welt ein BA einem eidg. Diplom in der Regel vorgezogen wird. Obwohl das Diplom, da in Zusammenarbeit mit der beruflichem Wissen erworben, in der Praxis mehr Wert hat – insbesondere wenn der BA im Ausland erworben wird, wo oftmals ein tieferes (Fach)wissen herrscht. Trotzdem finde ich es falsch flächendeckend Matura und Uniabschlüsse zu fordern. Wir sollten im Gegenteil die Vorteile des dualen Systems feiern und erweitern.

    • Max Bernard sagt:

      @Michel: Wären die Unternehmen nicht seit langem dazu übergegangen für die besser bezahlten Führungspositionen einen Hochschulabschluss zu fordern, so würde ich Ihnen zustimmen. So wie die Verhältnisse nun mal sind, ist es jedoch unsinnig die Gymnasialquote bei uns niedrig zu halten, um dann die Führungspositionen mit Ausländern zu besetzen, die ihren Akademikerstatus mittels niedrigerern Anforderungen für ein Hochschulstudium erlangen.
      Mit dieser niedrigen Gymnasialquote wird nämlich dafür gesorgt, dass die Schweizer vorwiegend die zahlenmässig viel umfangreicheren, aber schlechter bezahlten Berufe in der Produktion und die Ausländer die wenigen, besser bezahlten Berufe in der Chefetage ausüben.

  • Lukas Mattmann sagt:

    Den Gymnasiallehrern fehlt der Bezug zum wirklichen Leben. Sie waren nur immer in der Schule, als Schüler, als Studenten, als Lehrer. Das ausserschulische Berufsleben kennen sie vom Hörensagen und evtl. von ein paar Ferienjobs. Als Akademiker zählen sie sich selbstverständlich zur Bildungselite, daraus folgt die Neigung, Nichtstudierte als Loser zu sehen. Hätten sie nicht nur Einblick ins, sondern persönliche Erfahrung mit dem ausserschulischen Berufsleben, müssten sie zugeben, dass es höchst anspruchsvolle Berufe und Lehren gibt. Dies zeigt sich u.a. an den Berufsweltmeisterschaften. – Eine Erhöhung der Gymnasialquote, wie sie der Lobbyist Pfister fordert, ist verkehrt, denn dies würde dazu führen, dass die besten Sekschüler für die Berufslehre verloren gingen.

    • Thomas Staub sagt:

      Aha, der Schüler darf also nicht wählen, er muss laut zentralistischer Planung Handwerker werden. So ein Blödsinn. Lasst die Sekschüler selber entscheiden.

    • Kevin Siegenthaler sagt:

      Ich kann nur für mich sprechen, Herr Mattmann. Aber trotzdem: Mir ist kein einziger „Studierter“ bekannt, der sich abfällig über Handwerker äussert. Im Gegenteil, es gibt viel Bewunderung für Menschen mit technischen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Da wendet man sich sehr gerne an den Schreiner, Metzger, Sanitär, Ingenieur, um Probleme fachgerecht lösen zu lassen. Auf der anderen Seite gibt es, zumindest in diesen Kommentarspalten, offenbar tief sitzende Ressentiments von „unten“ nach „oben“. Da wird jedem Menschen mit universitärem Abschluss unterstellt, er sei sowieso kopflastig, theoretisch, fürs Arbeiten nicht zu gebrauchen usw. Psychologisch interessant, aber nicht unbedingt hilfreich für die Diskussion.

    • Remdiew Beat sagt:

      Sehr geehrter Herr Mattmann
      Sie sprechen mir aus dem Herzen. Ich habe den Lehrerberuf auf dem 2. Bildungsweg gemacht. Wie sich der Bildungsweg nur rein in der Schule auf die Menschen auswirkt habe ich in den letzten 25 Jahren sehr gut beobachten können. Wer immer nur in der Schulstube hockt und nie in der Privatwirtschaft gearbeitet hat, hat einfach keinen Bezug dazu. Wir brauchen in der Schweiz Handwerker und Dienstleister. Das Duale Bildungssystem mit der späteren Möglichkeit sich höher zu qualifizieren ist das beste System der Welt. Das zeigen auch die tiefen Werte der Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz. Weshalb lassen sich so viele Politiker aus anderen Ländern unser Duales Bildungssystem zeigen? Weil es eben sehr erfolgreich ist. Das Akedemiker Geschwätz ist unqualifiziert!

      • Andrea Mosimann sagt:

        Geschätzte Herren Mattmann und Remdiew
        Mit einigem Befremden stelle ich fest, dass Sie das Abtippen eines Protokolls durch einen Sektretär als Dienstleistung in der „Wirtschaft“ dementsprechend als echte Arbeit anerkennen, nicht aber, wenn ich für meine Studenten ein Skriptum verfasse – bloss weil ich Akademikerin bin? Auch im dualen Bildungssystem braucht es Akademiker – die unterrichten da unter anderem… Und arbeiten halt mit Menschen – mit allen üblichen Problemen und Herausforderungen wie anderwso auch.

    • Max Bernard sagt:

      @Mattmann: „Eine Erhöhung der Gymnasialquote …. ist verkehrt, denn dies würde dazu führen, dass die besten Sekschüler für die Berufslehre verloren gingen.“
      Genauso wie Sie sehen es auch unsere Unternehmen, deshalb fordern diese auch vehement die Beibehaltung unserer niedrigen Gymnasialquote. Auf der anderen Seite fordern sie aber immer mehr einen Hochschulabschluss für Führungspositionen. Diesen Widerspruch lösen unsere Unternehmen, indem sie diese mit Ausländern besetzen, deren Herkunftsstaaten weitaus niedrigere Anforderungen für ein Hochschulstudium aufweisen. Das Motto unserer Unternehmen und der von ihnen angeleiteten Politik lautet also: Schweizer in die Produktion und Ausländer in die Führungsetage.

  • Lena sagt:

    Naja, da vergisst wieder mal einer, dass eine „Gstudierte“ ihren Job nicht nur mit Kopf, sondern genauso mit „Hand und Herz“ ausübt.

  • B.B. sagt:

    Auch schon daran gedacht?
    Vielleicht sollten die Schulen auf allen Stufen wieder mehr Menschen machen?

  • Josef Marti sagt:

    Die wirtschaftlich stärksten Länder sind und waren immer erwiesenermassen jene mit dualem System (CH, D, NL etc). Das Gymnasium kann ganz abgeschafft werden, da unnützes Zeugs wie Geschichte, Literatur etc nur wertvolle Zeit verschwendet. Für den tertiären Abschluss gibt’s jetzt die viel effizienteren Berufsmaturitäten und Fachhochschulen.
    Es gibt nichts ineffizienteres als 30 jährige Hochschulabsolventen die sich wie in der EU als Taxifahrer und Kellner über Wasser halten.

    • Hermann sagt:

      Für Sie ist Geschichte und Literatur unnützes Zeug, für mich nicht! Wer soll das bestimmen?

      • Thomas McKean sagt:

        @Hermann ob Geschichte und Literatur nützlich ist entscheidet wer bereit ist Ihnen für Ihre Arbeit Geld zu geben.
        ..als was arbeitet man mit Geschichts und Literatur Hintergrund? ..neben Taxifahrer, Kellner etc..

  • Brigitte Kasper sagt:

    Die genannte Gymnasialquote von 20 Prozent sagt nur die halbe Wahrheit: für die Männer beträgt sie schweizweit nur 16%, in etwa gleich viel wie vor zwanzig Jahren. In einige Kantonen wie ZH und BE ist diese sogar gesunken. Die 20 Prozent werden erreicht, weil die Gymiquote bei den Frauen auf 24% angestiegen ist. Der hohe Import von Akademikern zeigt, dass wir eher zu wenig Akademiker haben, v.a Ingenieure und Aerzte. Planwirtschaft hat schon immer versagt. Das Leistungsniveau ist entscheidend, nicht willkürliche Quoten.

  • Bob Freeballer sagt:

    Kein Wunder, dass die Schweiz so viele ausländische Arbeitnehmer importiert, wenn so wenig Schüler in das Gymnasium gehen.

    • Barbara Beeler sagt:

      Tja, und die Schweizer Unis und Hochschulen sind zufrieden mit den Maturanden? Nein, eben nicht, sie sind unzufrieden mit der gymnasialen Ausbildung in der Schweiz. Und Sie meinen, das wird besser mit einer höheren Gymi-Quote? Nein, das wird viel schlimmer, das Niveau wird massiv sinken.
      Es bringt etwas, wenn internationale, börsenquotierte Unternehmen möglichst von der Schweiz fern gehalten werden. Der Schweizer/die Schweizerin schätzt Handwerk und Mittelmass.
      ETH und Top Unis suchen den Nachwuchs ja auch v.a. im Ausland.
      Man kann den Bürgerinnen und Bürgern die Bildungsaffinität nicht impfen. Wäre ja noch schöner!

      • Thomas Staub sagt:

        Ob ETH oder die Uni zufrieden sind ist nicht entscheidend. Die beiden Organisationen orientieren sich ja ganz klar bei den Top Unis weltweit. Dann kann das schon stimmen. Das geht am Thema vorbei. Nicht die 10% Topstudenten sind das Thema sondern die anderen 30%. Hier müssen die Schweizer-Unis halt zweigleisig fahren, den sie haben auch einen Bildungsauftrag. So einfach ist das ganze auch wieder nicht.

  • Matthias Haeuptli sagt:

    Rund ein Drittel (!) unserer Bevölkerung hat oder erwirbt einen Universitätsabschluss. Woher nimmt Herr Tschenett die Gewissheit, dass unsere Kinder im Durchschnitt so viel weniger bildungsfähig sind als ihre Eltern?
    Und überhaupt, was ist das für ein irres Bildungssystem, das dem eigenen Nachwuchs systematisch die Chance auf eine Hochschulbildung verwehrt, nur damit man sich rühmen kann, die besten Berufsleute der Welt zu haben, und dann die fehlenden Akademiker aus dem Ausland holt und dem eigenen Nachwuchs vor die Nase setzt?

  • Ruth sagt:

    Wenn man die Schweiz als Insel betrachtet, dann mag der genannte Ansatz richtig sein; abgesehen davon, dass es nicht um dumm oder intelligent, sondern um mehr oder weniger Bildung geht, was nun wahrlich nicht dasselbe ist!
    Nun leben wir in Zeiten der Globalisierung und sowohl die Nutzniesser wie die Verlierer leben in der Schweiz. Dh, es ist unseren Kindern gegenüber nicht fair, sie so zu schulen, als lebten wir vor 50 Jahren auf unserer kleinen Insel mit guten Berufsausbildungen, die auf der ganzen Welt gefragt sind. Nein, wir leben leider in einer Welt, in der schlussendlich nur Zeugnisse zählen. Dies wird in der Schweiz immer mehr kommen und ich finde es grob fahrlässig, unserer Jugend die Chance auf die Zukunft zu verbauen, weil man alten Rezepten anhängt!

    • Blanche Wu sagt:

      Aber die Welt ist einem ja nicht zwingend verschlossen ohne universitären Abschluss. Es gibt viele Berufsleute, welche als Aussendienstmitarbeiter auch mal ins Ausland gehen müssen. Angestellt ist man in der Schweiz. Wer gut Networking betreiben kann, der knüpft auch als Nichtakademiker die notwendigen Kontakte, um dann auch eine Anstellung im Ausland, ohne Uni Titel zu bekommen. Vitamin B und so 😉

  • groeg sagt:

    Ich vermute jetzt einmal, dass die Gym.quote deshalb ansteigt, weil die Qualität der bisherigen Schulausbildung immer mehr zu wünschen lässt.Das stellt man am besten fest, wenn es um die Ausbildung und Qualifikation von Neuanstellungen geht.Zweitens kommt viel Gstürm aus Einwanderungskreisen, in deren Ursprungsländern diese Quote höher ist.Leider haben diese Länder (lateinische)kein duales System.Das kann zur Folge haben, dass Arbeitgeber
    dem Akademiker den Vortritt lassen, aus purer Vorsicht.Das Unglück hier scheint mir darin zu liegen, dass der Ehrgeiz einiger Handelnden im Bildungsbereich zu ausgeprägt ist.In meinem pers.Berufsleben habe ich leider akadem.vielsprachige Kollegen gehabt, die nur zu den wirklich einfachsten Arbeiten zu gebrauchen waren.

    qal

  • Hansli sagt:

    Ich habe keine Ahnung warum der Staat Quoten beim Gymnasium festlegt. Im Prinzip sollte alleine die Leistung entscheiden. Egal wie viele sich gerade bewerben. Aber heute herrscht das Prinzip, wir haben X Anzahl Plätze und die füllen wir mit Gymischüler. Vereinfacht gesagt können bei 100 Plätzen bei 100 Bewerbungen 100 ins Gymnasium und bei 200 Bewerbern ebenso nur 100. Gerecht wäre einzig nach definierten Leistungskriterien zu selektionieren.

  • Sportpapi sagt:

    Wenn man schon eine Replik schreibt, müsste man schon die Hauptaussage des Textes verstehen, auf den man sich bezieht. Die Forderung war „eine Erhöhung der Gymnasialquote, denn der Bildungsstand der Bevölkerung ist gestiegen.“ Ich interpretiere: Bei gleicher Prüfung schaffen es von Jahr zu Jahr mehr Jugendliche ans Gymnasium. Was verhindert wird, in dem die Prüfung immer schwerer wird, um die Quote stabil zu erhalten.
    E. Stern würde vielleicht sagen: Wenn die Menschen immer intelligenter werden, sollen auch mehr ans Gymnasium dürfen.
    Die Frage wäre ja nur, ob die Aussage überhaupt stimmt.
    Auch sonst überzeugt die Argumentation nicht. Kosten sind also entscheidend? Fehlende Infrastruktur? Als ob das nicht zu bewältigen wäre!

  • Hans Joss sagt:

    ‚Eltern und Staat müssen das Wohl der Kinder und der Gesellschaft ins Zentrum stellen, nicht den Status‘.
    Das trifft zu. Im Rahmen von ‘Individueller Lernförderung’ an einem 10. Schuljahr muss ich immer wieder feststellen, dass unser selektives Schulsystem 15-20% der Lernenden mit ungenügenden Kompetenzen in der Muttersprache entlässt. Ein Schulsystem, das seit Jahrzehnten zu wenig Ressourcen einsetzt auf der Oberstufe (7.-9. Schuljahr). Betroffen sind Lernende aus Familien, welche nicht über genügend Finanzen verfügen, Nachhilfestunden zu bezahlen. 15-20% eines Jahrgangs werden so zu Opfern einer Volksschule, die Lernende nachhaltig benachteiligt.

  • Samuel Müller sagt:

    Wieder einmal eine Diskussion, die eigentlich völlig unnötig ist.
    Wir machen es in der Schweiz doch genau richtig. Wir haben eine moderate Gymiquote und ein erstklassiges und durchlässiges Berufsbildungssystem.
    Das Resultat: Kaum Akademikerarbeitslosigkeit, kaum Jugendarbeitslosigkeit und Heerscharen von beruflich und akademisch top ausgebildeten Leuten. Also: If it’s not broken, don’t fix it.

  • Lia Mia sagt:

    Sie vergessen die Chancengleichheit, welche in der Schweiz absolut nicht gegeben ist. Warum ist im Thurgau die Gymiquote knapp 13%, im Tessin 30%. Hier werden Thurgauer massiv benachteiligt – sorry, aber das ist einfach eine Sauerei!

  • Adrian Schlumpf sagt:

    Alle haben teilweise recht: die Chancengleichheit ist nicht verwirklicht, andererseits machen wir wirklich Vieles richtig. Trotzdem gibt es Berufsfelder, in denen man ohne mindestens einen Bachelor nicht mehr lange dabei ist, ich denke etwa an den kaufmännischen Sektor. Im internationalen Vergleich sehen wir schlicht dumm da, denn unsere Lehrabschlüsse werden dort einfach nicht verstanden und falsch eingeschätzt. In der Schweiz haben wir immer noch die Vollmatura, in Deutschland schon lange nicht mehr. In den Abiturprüfungen werden in ausgewählten 4 oder 5 Fächern geprüft. Dies erleichtert unseren nördlichen Nachbarn die Erlangung des Abis natürlich sehr. – Vielleicht müssten wir auch in der Schweiz einmal über die Vorteile einer schlankeren Matura nachdenken.

  • Max Bernard sagt:

    Das Problem mit der Gymnasialquote ist ein rein politisches. Während in den vergangenen Jahrzehnten im Ausland die Anforderungen für die Hochschulreife stark gesunken sind und damit der Anteil der Studierenden entsprechend gestiegenen ist – in D machen 51%(!) eines Jahrganges Abitur -, wird bei uns an hohen Anforderungen für die Zulassung zum Gymnasium und damit zum Studium festgehalten. Daher die niedrige Quote von lediglich 20,1%. Bedingt durch die unbegrenzte Öffnung unserer Hochschulen für ausländische Studenten, führt dies dazu, dass deren Anteil kontinuierlich zunimmt, während der von CH-Studenten relativ sinkt. Mit der Konsequenz, dass akademische Berufe hierzulande immer mehr mit Ausländern besetzt werden, während für Schweizer die weniger qualifizierten Stellen übrig bleiben.

  • Oreg Meyer sagt:

    Tschenett argumentiert ausschliesslich gegen Strohmänner. Nichts von dem, was er behauptet, hat Pfister so geschrieben. Entweder mangelt es Tschenett an Textverständnis oder er ist intellektuell unredlich und stellt den Gegenstandpunkt bewusst falsch dar. Seine „Gegenargumente“ sind in jedem Fall irrelevant, da Sie nichts mit Pfisters Positionen zu tun haben.

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