Mit links integrieren

Integration in den Arbeitsmarkt entlastet die Sozialhilfe. Flüchtlinge arbeiten in einem Restaurant im Kanton Waadt. Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)

Integration in den Arbeitsmarkt entlastet die Sozialhilfe. Flüchtlinge arbeiten in einem Restaurant im Kanton Waadt. Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)

Am Dienstag veröffentlichte das Bundesamt für Statistik (BfS) die neuste FlüStat – Sozialhilfestatistik im Flüchtlingsbereich. Eigentlich handelt es sich dabei bloss um die Aufstellung einiger staubtrockener Kennzahlen, unterteilt nach Altersklassen, Zivilstand und Geschlecht. Ginge es nicht um Flüchtlinge, sondern beispielsweise um die Entwicklung der Nutztierbestände, wäre das Echo deutlich kleiner. Oder wussten Sie, dass die Zahl der Legehühner letztes Jahr um 8,3 Prozent auf 3’055’974 Stück zugenommen hat? Und falls ja, ist Ihr Puls deswegen gestiegen? Wohl nicht. Aber dass gemäss der Sozialhilfestatistik im Flüchtlingsbereich (FlüStat) 2015 insgesamt 20’130 Flüchtlinge Sozialhilfe bezogen haben, und damit doppelt so viele wie 2010, machte schon eher die Runde am Stammtisch. Zumindest lässt sich dies für den virtuellen Fall eruieren: Die entsprechende Meldung auf Tagesanzeiger.ch war an diesem Tag der meistgeteilte Artikel.

Der Anteil ging zurück

Die Aufregung war also gross. Dies, obwohl der Anteil unterstützter Personen an allen Flüchtlingen mit 80,8 Prozent nahezu unverändert blieb. Im Vergleich zu 2012, als die Sozialhilfequote noch bei 86 Prozent lag, ging er gar zurück. Trotzdem ist es richtig, diese Entwicklung genau zu beobachten und Massnahmen einzuleiten. Mitte Januar sandte denn auch die Schweizerische Sozialhilfekonferenz (Skos) einen Hilferuf an Bundesbern aus: Wenn der Bund nicht drastische Massnahmen ergreifen würde, um Asylsuchende zu integrieren, würden die Gemeinden auf ein finanzpolitisches Desaster zusteuern.

In diesem Zusammenhang erschien kürzlich im Fachblatt «Journal of Public Policy» eine interessante Studie dazu. Das Kompetenzzentrum für Public Management der Uni Bern und das Institut für Politikwissenschaft der Uni Heidelberg gingen der Frage nach, wieso Asylsuchende nicht in allen Kantonen gleichermassen in den Arbeitsmarkt integriert werden. Dabei wurde der Zeitraum zwischen 2000 und 2003 analysiert. Als der Bund 1999 wegen der explodierenden Kosten im Asylwesen die Pro-Kopf-Pauschale für Flüchtlinge stark kürzte, hatten die Kantone zwei Möglichkeiten: Entweder konnten sie abgewiesene Asylsuchende vermehrt ausschaffen und die freiwillige Rückkehr fördern. Oder die Zahl der fürsorgeabhängigen Flüchtlinge wurde durch die Integration in den Arbeitsmarkt reduziert.

Starke Verwaltung hilft

Dabei stellten die Forscher in den damals integrationsfreudigen Kantonen Basel-Stadt, Freiburg, Neuenburg, Tessin und Waadt folgende Gemeinsamkeiten fest: eine klare Tendenz zu einer integrationsorientierten Arbeitsmarktpolitik, eine schwache Regierungspräsenz der Rechtsparteien, eine starke Verwaltung sowie eine positive Haltung der Bevölkerung gegenüber Asylsuchenden. In den restriktiven Kantonen Solothurn, Schwyz, Uri und Zürich hingegen fehlte in der Regierung eine starke Linke, während gleichzeitig die Wahrnehmung der Bewohner gegenüber Asylsuchenden negativ war.

Doch welcher Weg ist nun richtig? «Zwangsmassnahmen im Ausländerbereich sind relativ teuer, die Kosten für die Sozialwerke lassen sich effektiver mit einer schnellen Integration der Asylsuchenden in den Arbeitsmarkt senken», sagt der Co-Studienautor und Berner Professor Fritz Sager.

12 Kommentare zu «Mit links integrieren»

  • Herbert Anneler sagt:

    Spannend – es wird klar, was uns die rechtsextreme Hasspolitik im Gegensatz zu eine konstruktiven Integrationspolitik kostet, und zwar in Franken und Rappen. Verblüffend: „Rechts“ heisst nicht weniger, sondern höhere Sozialkosten…

  • Henri Steinlin sagt:

    Selbstverständlich müssen auch die Sprachverhältnisse berücksichtigt werden. Flüchtlinge mit Französischen Sprachkenntnissen (meist aus Afrika) integrieren sich in der Romandie viel einfacher als fremdsprachige Flüchtlinge in der Deutschschweiz. Dazu kommt noch die Problematik gesprochene Mundart gegen geschriebene Sprache.

  • Peter sagt:

    selbstverständlich wäre Arbeit das beste, wenn die Personen hier Aufenthaltsrecht hätten. Aber weil sie das nicht bekommen können, ist Arbeit das schlechteste, und beschäftigungslos internieren ist das beste und das richtige. Es bleibt unerlaubte Einwanderung. Schliesslich ist zu sehen, dass die Leute das auch zu einem grossen Teil für Ihresgleichen tun (die auch illegal hier sind und Bedürfnisse stellen), und dass es zu einer sehr unerwünschten Aufteilung der Volkswirtschaftsektoren auf aussereuropäische Volksgruppen führt. Sodass ein Schweizer in der spitalküche nicht mehr arbeiten kann, sogar wenn er sonst wollte.

  • Wenger Othmar sagt:

    Es wäre schade für die Zeit, um zu diesem Unsinn einen Kommentar zu schreiben. Dieser Michael Soukup soll in der heutigen „Basler-Zeitung“ doch bitte nur den Artikel „No-go-Areas“ lesen, wo aufgezeigt wird, wo so „Blindflüge“ in der Asylpolitik wie bei uns hinführen.

  • maja n. sagt:

    Die Schweiz soll jetzt also Links wählen wegen den Flüchtlingen? So geht es ja auch nicht.

  • Markus Baumann sagt:

    Es werden zwei Dinge vermischt. 1. Migranten: Nur bei entsprechendem Bedarf in der Wirtschaft (Stellennachweis!) bekommen sie 3 Jahre Zeit, sich in Sprache und Beruf (Mithilfe des anstellenden Betriebes!) einzugewöhnen. Wer das nicht schafft, muss zurück. 2. Bedrohte Flüchtlinge: Sie erhalten Asyl, bis zur Besserung der Lage im Heimatland. Sie haben hier die Gelegenheit, sich weiterzubilden, ev. einen Beruf zu erlernen. Dann zurück ins Heimatland. Migration und Asyl dürfen nicht mehr vermischt werden. Beides darf nicht automatisch dazu führen, dass ein fester Aufenthaltstatus daraus wird. Familiennachzug nur bei entsprechender finanziellen Selbstständigkeit. Minderjährige, die von ihren Familien hierher geschickt werden, müssen umgehend zurück gebracht werden.

  • ruf sagt:

    Ich bin der gleichen Ansicht wie A. Glarner. Beizufügen ist, dass Integration
    ein langer Prozess ist. Zudem haben wir noch das Problem mit der Politik.
    „Integrierte“ Ausländer haben oft den Wunsch, in der Politik mitzumischen. Logisch ist, dass sie nicht die gleiche Sichtweise haben wie Einheimische.

  • Peier sagt:

    Das Problem ist schnell behoben, indem wir endlich keine Flüchtlinge mehr aufnehmen. Sie bringen nichts, tragen nichts zum BIP bei und belasten nur die Staatskasse.

  • werner boss sagt:

    Wie soll denn die Bevölkerung eine positive Einstellung gegenüber den Flüchtlingen entwickeln, wenn sie meist nur negative Meldungen erhält, nur zum bezahlen gut genug ist, mit diesen Menschen keine Kontakte im Alltäglichen haben darf und sich diese Menschen im Gegensatz zu früheren Flüchtlingen auch nicht hilfsbereit zeigen, sondern schon eher als überhebliche “ Welteroberer “ auftreten??

  • Martin O sagt:

    Herr Soukup
    das Märchen von der Integration durch Arbeit , welches uns immer die linken Professoren mit den linken Journalisten auftischen geht nicht.
    zum Beispiel, 80 % der Eritreer beziehen Sozialleistungen , Grund ist, keine Ausbildung und nicht Beherrschung der Sprache. Das auch nach mehreren Jahren. Als ich in die CH kam, gab es nichts, nur Arbeiten und daher mussten wir alle schnell das nötige Deutsch erlernen. Die überzogenen Leistungen sind Schuld an der Misere, und auch an den Kosten die Sie erwähnen.
    Abgesehen davon, eine Studie über die Jahre 2000-2003 kann man überhaupt nicht auf heutige Situation anwenden. Hauptsache es gibt einen linken Stoff.

  • Ruedi sagt:

    1/2
    Wie viele Einwanderer aus Nicht-EU-Staaten, möchten Sie in den Schweizer Arbeitsmarkt integrieren?

    Wie viele Einwanderer wollen Sie mit Sozialhilfe bis zur Arbeits-Integration unterstützen?

    So viele wie die Aktuelle Deutsche Regierung bis 2050 integrieren möchte?

    Natürlich ohne das Volk vorher zu fragen, ob es damit überhaupt einverstanden ist. Das Volk welche die Integrations-Arbeit leisten muss, und die Kosten für diesen Plan bezahlen muss.

    Teures unterfangen nur damit sich gewisse Politiker und die Freunde dieser Politik auf Kosten der Mehrheit als Soziale und Humane Menschen darstellen können.

  • Ruedi sagt:

    2/2
    Politiker und ihre Mitläufer die glauben das Recht zu haben, als Minderheit, über die Köpfe der Mehrheit hinweg, Entscheidungen zu treffen, welche die Mehrheit sicher nicht will, da eine UNBEGRENZTE Einwanderung in denn Arbeitsmarkt und Sozial-Staat zur Selbstzerstörung führt.

    Hat es noch nicht genug Arbeitslose und vom Sozialamt abhängige Menschen in Europa und in der Schweiz?

    Noch nicht genug Jugendliche, die nach der Ausbildung/Universität keine Arbeit finden?

    Noch nicht genug Top-Qualifizierte ältere Arbeitnehmer, die denn Job an billigere Zuwanderer verloren haben?

    Noch nicht genug Zuwanderer, welche von Sozialhilfe leben, keine Chancen im Arbeitsmarkt haben?

    https://www.youtube.com/watch?v=oOBl8_oD08k

Kommentar

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